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Watchman Nee

Die verborgene Kraft der Seele Motto: „Denn lebendig ist das Wort, kraftvoll und schärfer als jedes zweischneidige Schwert; es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenk und Mark; es richtet über Regungen und Gedanken des Herzens…” (Hebr. 4, 12). „Und Simon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, daß in Israel viele durch Ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und Er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen” (Luk. 2, 34.35). „Nicht jeder, der zu Mir sagt: ‘Herr und Gebieter’, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen Meines Vaters im Himmel erfüllt. Viele werden an jenem Tag zu Mir sagen: ‘Herr, Gebieter, sind wir nicht in Deinem Namen als Propheten aufgetreten, und haben wir nicht in Deinem Namen Dämonen ausgetrieben und durch Deinen Namen viele Wundertaten getan?’ Dann werde Ich ihnen antworten: ‘Ich kenne euch nicht. Weg von Mir, da ihr das nicht (von Gott) Gesetzte gewirkt habt!’ (Ps. 6, 9 )” (Mt 7, 2123).

Verlag Dr. R.-F. Edel · Lüdenscheid


Inhalt Seite Vorwort

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Kapitel 1 Die verborgene Kraft der Seele

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Kapitel 2 Der Christ und die seelische Kraft

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Kapitel 3 Geistliche Kraft gegen Seelenkraft

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Nachwort

©Verlag Dr. R.-F. Edel · Lüdenscheid ISBN 3-87598-155-3 Umschlaggestaltung: Herstellung: Schönbach-Druck GmbH, Erzhausen Printed in Germany 2002

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Geleitwort Nicht erst die heutige Psychologie, Tiefenpsychologie und Parapsychologie haben es entdeckt, daß in unserer menschlichen Seele ungeahnte Kräfte schlummern, sondern Gott, der Schöpfer der Seelen, hat dies in den heiligen Schriften und in der Kirchengeschichte auch einigen Seiner Diener geoffenbart. Ein solcher begnadeter Diener war neben Dr. Isaac Capadose, Oswald Chambers und Otto Stockmayer auch Watchman Nee. Im evangelikalen Raum der Gesamtkirche  einschließlich der ‘Charismatischen Bewegung’ , wo die persönliche Entscheidung und Verbundenheit der Seele mit Jesus Christus mit Recht besonders betont wird, lauern damit natürlich auch besondere Gefahren. Deshalb ist hier die Unterscheidung und Trennung von Seele und Geist, von Seelischem und Geistlichem, besonders wichtig. Es ist erstaunlich und fesselnd, aber auch zutiefst geistlich hilfreich, was in dieser Schrift gleichsam prophetisch für unsere Tage ans Licht gebracht wird. Watchman Nee hat uns hier vor fast 70 Jahren in seiner Weise, Vorstellung und Sprache für die Unterscheidung von Seele und Geist eine heute so notwendige Hilfe an die Hand gegeben. Wie in unseren Tagen etwa Alfred Lechler, verteufelt er nicht das große Gebiet der den meisten verborgenen Seelenkräfte, sondern unterscheidet 3


es deutlich vom Geistlichen und grenzt es vom Dämonischen ab. Hier findet man auch einen Schlüssel für die übersinnlichen Erfahrungen der Hippiebewegung und der Drogenszene. Die ungeahnten Seelenkräfte können normale und genormte Menschen faszinieren, verblüffen, bluffen, aufregen und ‘aus dem Häuschen’ bringen. Dabei können krankhafte Verengungen und Gefangenschaften wie bei psychologischer Behandlung befreiend aufgesprengt werden. Aber auch das ganze Chaos unserer Seele und unseres Herzens kann unkontrolliert aufbrechen, wenn nicht dem Heiligen Geist im Gehorsam die Herrschaft eingeräumt wird. Watchman Nee hatte dieses wichtige Thema aus dem dritten Band seines Hauptwerkes ‘Der geistliche Christ’ vorerst ausgeklammert in der Befürchtung, daß er damit auch bei den eifrigsten Christen kein Verständnis finden würde. Da dieses Thema aber für die Endzeit von so großer Bedeutung ist, entschloß er sich doch, es als ein eigenes Buch nachzureichen. Wir können ihm dafür nur herzlich danken. Der Verleger

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Vorwort Als ich im Jahre 1924 erstmals die Aufmerksamkeit der Kinder Gottes darauf richtete, Geist und Seele zu unterscheiden, hielten dies viele freundlich gesinnte Brüder für einen Wortstreit, der keine große Bedeutung hätte. Was sie nicht erkannten war, daß unser Konflikt sich nicht um Worte dreht, sondern darum, was sich dahinter verbirgt. Der Geist und die Seele sind zwei total verschiedene Organe, das eine gehört zu Gott, während das andere zum Menschen gehört. Wie man sie auch bezeichnen mag, sie sind völlig verschieden in ihrer Substanz. Für den Gläubigen besteht die Gefahr, Geist mit Seele und Seele mit Geist zu verwechseln, so daß er auf die Fälschung der bösen Geister hereinfällt und somit in Gottes Werk Verwirrung gestiftet wird. Es war die Absicht, diese Reihe von Artikeln sofort nach der Beendigung des Buches ‘Der geistliche Christ’ im Jahre 1928 zu schreiben, aber wegen körperlicher Schwäche und wegen schwerer Belastung im Dienst war es mir erst möglich, sie in den letztjährigen Ausgaben des Revival Magazins zu veröffentlichen. Als Antwort auf Fragen von den Lesern bringe ich nun dieses Büchlein heraus.

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Der größte Vorteil in der Erkenntnis des Unterschiedes zwischen Geist und Seele liegt darin, daß man die verborgenen Kräfte der Seele erkennt und ihre Fälschungen des Heiligen Geistes versteht. Soches Wissen ist nicht theoretisch, sondern praktisch und hilft, in Gottes Wegen zu wandeln. Eben letzte Nacht las ich, was F. B. Meyer einmal in einer Zusammenkunft sagte, bevor er verschied. Hier ist ein Abschnitt davon: „Es ist eine verwunderliche Tatsache, daß noch nie soviel Spiritualismus außerhalb der Gemeinde Christi gefunden wurde wie heutzutage. Ist es nicht Tatsache, daß im niedrigeren Teil unserer menschlichen Natur die Stimulation der Seele deutlich überwiegt? Heutzutage ist die Atmosphäre so geladen von allerart Fälschungen, daß es scheint, der Herr berufe Seine Gemeinde in eine höhere Ebene.” Die aktuelle Situation ist gefährlich, „mögen wir alles prüfen, das Gute aber behalten”, wie es in 1. Thessalonicher 5, 21 heißt. Amen.

8. März 1933

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Watchman Nee


Kapitel 1

Die verborgene Kraft der Seele „Und die Kaufleute der Erde weinen und trauern über sie, weil niemand mehr ihre Ware kauft: Ware von Gold und Silber, Edelsteine und Perlen … und Vieh und Schafe und von Pferden und von Wagen, von Leibeigenen und Menschenseelen” (Offb. 18, 1113). Bitte beachte in diesem Abschnitt die Liste der Handelsware, die man tauschen kann; sogar Sklaven kann man tauschen oder handeln. Das ist ein Handel mit menschlichen Leibern, hier ist es jedoch ein Austausch von Menschen als Handelsware. „So steht auch geschrieben: ‘Der erste Mensch, Adam, war eine lebendige Seele’; der letzte Adam ein lebendig machender Geist. Aber das Geistige war nicht zuerst, sondern das Natürliche, danach das Geistige” (1. Kor. 15, 45. 46). „Und der Herr bildete den Menschen, Staub von dem Erdboden, und hauchte in seine Nase den Odem des Lebens; und der Mensch wurde eine lebendige Seele” (1. Mose 2, 7). In den letzten zwei Jahren habe ich sehr stark die Not empfunden, diese Botschaft zu geben. Es ist eine Botschaft, die sowohl verwickelt als auch tief ist. Es wird nicht einfach sein für den Redner zu reden, noch für die Hörer zu verstehen. Aus 7


diesem Grunde habe ich diese Botschaft nicht in den Teil 3 des Buches ‘Der geistliche Christ’ eingefügt. Ich hatte jedoch immer den Eindruck gehabt, ich hätte es tun sollen, besonders nachdem ich verschiedene Bücher und Magazine gelesen und bis zu einem gewissen Grad mit Menschen dieser Welt Kontakt gehabt hatte. Ich weiß, wie kostbar die Wahrheit ist, die wir bevorzugterweise besitzen dürfen. In Anbetracht der jetzigen Situation und Tendenz der Gemeinde wie auch der Welt sind wir gezwungen, das weiterzugeben, was uns gegeben wurde. Sonst würden wir die Lampe unter den Scheffel stellen. Was ich in dieser Botschaft erwähnen und uns zu Gemüte führen möchte, bezieht sich auf geistliche Kampfführung und ihr Verhältnis zum Ende dieses Zeitalters. Um deretwillen, die das Buch ‘Der geistliche Christ’ nicht gelesen haben, will ich kurz die Trilogie von Geist, Seele und Leib berühren.

Die Trilogie von Geist, Seele und Leib „Und der Herr bildete den Menschen, Staub vom Erdboden” (1. Mose 2, 7). Dies bezieht sich auf den menschlichen Leib. „Und hauchte in seine Nase den Odem des Lebens.” Dies beschreibt, wie Gott dem Menschen den Geist gab, es war Adams Geist. So wurde der Leib des Menschen aus Staub 8


des Erdbodens geformt, und der Geist wurde ihm von Gott gegeben. „Und der Mensch wurde eine lebendige Seele.” Nachdem der Odem des Lebens zur Nase des Menschen eingegangen war, wurde dieser zur lebendigen Seele. Der Geist, die Seele und der Leib sind drei verschiedene Dinge. „Und euer ganzer Geist und Seele und Leib werde tadellos bewahrt” (1. Thess. 5, 23). Der Geist ist Gottgegeben; die Seele ist eine lebendige Seele; der Leib ist Gott-geformt. Gemäß allgemeiner Auffassung ist die Seele unsere Persönlichkeit. Als Geist und Leib vereint wurden, wurde der Mensch zur lebendigen Seele. Die Eigenart der Engel ist Geist; das der Tiere ist das Fleisch. Wir Menschen haben sowohl Geist als auch Leib; aber unsere Eigenart ist weder Geist noch Leib, sondern Seele. Wir haben eine lebendige Seele. Daher nennt die Bibel den Menschen ‘Seele’. Zum Beispiel sagt uns die Schrift, daß, als Jakob mit seiner Familie nach Ägypten herunterzog: „Aller Seelen des Hauses Jakob, die nach Ägypten kamen, waren siebzig” (1. Mose 46, 27). Und wiederum jene, die das Wort von Petrus an Pfingsten empfangen hatten und getauft wurden, von denen heißt es in Apostelgeschichte 2, 41: „Und es wurden an jenem Tage hinzugetan bei 3000 Seelen.” Daher steht Seele für unsere

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Persönlichkeit, für das, was uns als den Menschen ausmacht. Welches sind die verschiedenen Funktionen von Geist, Seele und Leib? Diese wurden schon im 1. Teil des Buches ‘Der geistliche Christ’ erklärt. Aber ich war sehr glücklich, eines Tages auf dem Büchergestell eine Ausgabe von Andrew Murray’s Schriften zu finden, in welchen eine Erklärung stand über Geist, Seele und Leib, welche unserer Interpretation sehr ähnlich ist. Im Folgenden ist ein Zitat aus diesen Bemerkungen wiedergegeben: „In der Schöpfungsgeschichte des Menschen lesen wir: ‘Der Herr bildete den Menschen, Staub von dem Erdboden’  so wurde sein Leib gemacht  ‘und hauchte in seine Nase den Odem des Lebens’  so kam also sein Geist von Gott; ‘und der Mensch wurde eine lebendige Seele’. Der Geist, der den Leib belebte, machte den Menschen zur lebendigen Seele, zu einer lebendigen Person mit Selbstbewußtsein. Die Seele war der Treffpunkt, der Punkt der Vereinigung von Leib und Geist. Durch den Leib konnte der Mensch, die lebendige Seele, in Verbindung stehen mit der äußerlichen Welt der Sinne; er konnte sie beeinflussen oder durch dieselbe beeinflußt werden. Durch den Geist stand er in Verbindung zur geistlichen Welt und zum Geist Gottes, von wo er seinen Ursprung hatte; er konnte der Empfänger und der Darreicher

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von dessen Kraft sein. Indem er so mitten zwischen zwei Welten stand und zu beiden gehörte, hatte sie, die lebendige Seele, Kraft, selber zu entscheiden, die Gegenstände, von welchen sie umgeben war und zu welchen sie in Beziehung stand, entweder zu wählen oder abzulehnen. In der Zusammensetzung dieser drei Teile des Menschen stand der Geist, der ihn mit dem Göttlichen verband, an erster Stelle: der Leib, der ihn mit dem Tierischen verband, der untergeordnete; dazwischen stand die Seele, Teilhaber beider anderen Naturen, das Band, das sie vereinigte und durch welches diese zwei aufeinander einwirken konnten. Ihre Aufgabe als die zentrale Kraft war, diese zwei in ihrem rechten Verhältnis zueinander zu bewahren; den Körper dem Geist zu unterwerfen; die Seele selbst sollte durch den Geist vom göttlichen Geist das empfangen, was ihm zur Vollendung gereichte: und so das an den Leib weiterreichen, was diesen an der Perfektion des Geistes teilhaben läßt, damit dadurch ein geistlicher Leib werden konnte.”1 Was ist der Geist? Das, was uns Gottesbewußtsein gibt und uns mit Gott verbindet. Was ist die Seele? Das, was uns mit uns selbst verbindet und uns Selbstbewußtsein gibt. Was ist der Leib? Der Leib stellt unsere Verbindung zur Welt her. C. I. Scofield erklärt in seinen Anmerkungen zur Bibel, 1

Andrew Murray The Spirit of Christ. Fort Washington, Pa., Christian Literature Crusade, 1964

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daß der Geist Gottesbewußtsein gibt, die Seele Selbstbewußtsein, der Leib Weltbewußtsein. Pferd und Ochs haben kein Gottesbewußtsein, weil sie keinen Geist haben. Sie sind sich nur ihres eigenen Wesens bewußt. Der Leib verursacht es, daß wir die Welt spüren  z. B. sehen wir die Dinge der Welt, oder wir fühlen heiß und kalt. Was oben erwähnt wurde, bezieht sich auf die Funktionen von Leib, Seele und Geist. Ich werde jetzt zum wichtigsten Problem kommen. Viele sehen diese Angelegenheit von Geist, Seele und Leib so an, als ob sie sich nur auf das geistliche Leben beziehe; aber wir müssen hier erkennen, daß sie auch für den geistlichen Dienst und Kampf wichtig ist. Wir neigen dazu, uns Adam beinahe gleichzustellen vor dem Sündenfall. Wir nehmen an, da wir ja so wie Adam auch Menschen sind, daß kein allzu großer Unterschied zwischen uns ist. Wir denken, daß, was wir nicht tun können, konnte Adam auch nicht. Aber wir erkennen nicht, daß hier zwei Dinge vorliegen: a) Einerseits ist es wahr, daß wir das nicht tun können, was Adam nicht tun konnte; doch b) wir können das nicht tun, was Adam tun konnte. Ich befürchte, daß wir nicht erkennen, wie fähig Adam war. Wenn wir die Bibel studieren, erkennen wir, was für eine Art Mensch Adam vor seinem Fall wirklich war.

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