Sabine Zinkernagel
24 Rast-Plätzchen auf dem Weg zur Krippe
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Dieses Buch ist auch als E-Book erhältlich: ISBN 978-3-86256-765-2 Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über www.d-nb.de abrufbar
NEUFELD VERLAG
Lektorat: Katja Arnold Umschlaggestaltung: spoon design, Olaf Johannson Umschlagbilder: © Anteromite, Alena Ozerova/ShutterStock.com Bilder Innenteil: S. 21: Sea Wave/jeweils: ShutterStock.com, S. 33: LiliGraphie, S. 37, 93: Jeanette Dietl, S. 49, 57, 73: B. and E. Dudzinscy, S. 65: Olga Pink, S. 85: Anna-Mari West, S. 101: Africa Studio, S. 105: Smit; alle anderen: Sabine Zinkernagel Satz: Neufeld Verlag Herstellung: CPI – Clausen & Bosse, Leck © 2015 Neufeld Verlag Schwarzenfeld ISBN 978-3-86256-063-9, Bestell-Nummer 590 063 Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlages www.neufeld-verlag.de / www.neufeld-verlag.ch Bleiben Sie auf dem Laufenden: newsletter.neufeld-verlag.de www.facebook.com/NeufeldVerlag www.neufeld-verlag.de/blog
Sabine Zinkernagel
24 Rast-Plätzchen auf dem Weg zur Krippe
NEUFELD VERLAG
Vorwort
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ibt es einen verlockenderen Duft als den von Weihnachtsplätzchen, die gerade heiß aus dem Ofen kommen? Auch ich bleibe gerne vor den warmen Keksen stehen und lasse mich von ihnen auf den Advent einstimmen. Aber jetzt fällt mir das zugegebenermaßen etwas schwer. Denn durch das Küchenfenster sehe ich meinem großen Sohn zu, der bei herrlichem Sonnenschein und 30 Grad im Schatten die soeben geernteten Kirschen entsteint. Sein Bruder fragt, ob wir heute Abend wieder draußen essen. Ja, das müssen wir, denn auf dem Esstisch stapelt sich seit einer Woche unser Weihnachtsschmuck. Mein Mann sitzt mit freiem Oberkörper auf der Terrasse und schreibt an seiner Predigt für den kommenden Sonntag. Da bin ich ihm schon weit voraus. Im September muss mein Geschichten-Adventskalender in die Buchläden kommen. So backe ich nun mitten im Juni Plätzchen und arrangiere sie für weihnachtliche Fotos. Immerhin hilft mir das ein klein 5
wenig, trotz des sommerlichen Wetters etwas in Adventsstimmung zu kommen. Die brauche ich dringend, um meine Gedanken rund um Weihnachtsplätzchen und Weihnachtsbotschaft auszuformulieren. Wie gesagt, das fällt mir nicht ganz leicht. Am besten geht es, wenn ich mich an meine Großmutter erinnere. In jedem Advent kam sie zu Besuch, um Weihnachtsplätzchen für uns zu backen. Jeden Tag stellte sie eine andere Sorte her, von denen manche mehr an Pralinen erinnerte als an die bekannten Weihnachtskekse. Zwei Wochen lang herrschte emsiges Treiben in der Küche, erfüllte der Duft von Vanille, Zimt und Schokolade unser Haus. An Heiligabend stand schließlich für jedes Familienmitglied ein bunter Teller voll Weihnachtsgebäck mit auf dem Gabentisch. Zum Abendessen hatten wir Kinder oft keinen Appetit mehr. Denn zwischen dem Auspacken der Geschenke wurde immer wieder genascht. Knusprige Wespennester, bunte Nürnberger Makronen, zarte Ischler Krapfen, verführerische Schokoladenkugeln … Bis heute sind selbstgebackene Plätzchen für mich ein unverzichtbarer Bestandteil der Adventszeit. Sie erst schaffen die richtige weihnachtliche Atmosphäre – ebenso wie Temperaturen um den Gefrierpunkt, ein paar Schneeflocken, kahle Laubbäume und die Abenddämmerung um vier Uhr nachmittags, in der die Kerzen an Kranz oder 6
Baum ihre behagliche Wirkung erst richtig entfalten. Ohne diesen äußeren Rahmen kann man nicht wirklich Weihnachten feiern. So empfinde ich das jedenfalls. Die Menschen in Brasilien oder auf den Philippinen denken darüber sicher ganz anders. Bei ihnen herrschen am 24. Dezember regelmäßig Temperaturen um die 30 Grad. Schnee kennen sie oft nur aus dem Fernsehen, dafür fahren sie während der Feiertage gerne ans Meer. Statt Glühwein holen sie sich auf dem Weihnachtsmarkt eisgekühlte Getränke. Und trotz dieses vollkommen anderen äußeren Rahmens feiern Christen auch jenseits des Äquators die Geburt Jesu. Die Botschaft, die sie in den Kirchen hören, ist exakt die gleiche wie im kalten, dunklen Mitteleuropa. Alle schönen Bräuche, die unsere Vorfreude wecken sollen, sind letztendlich nicht das Eigentliche an Weihachten. So lange unsere Traditionen schon bewahrt wurden, so lieb sie uns sind, so hell sie die Augen unserer Kinder zum Strahlen bringen – sie sind austauschbar, anpassbar an die äußeren Umstände. Sie sollen uns hinführen zu der zentralen Botschaft von Weihnachten: Dass der Schöpfer des Universums ganz nah bei uns leben will, dass der unsichtbare Gott sich von uns in die Augen sehen lässt, dass der Ewige sich verletzlich und sterblich macht – damit wir seine Liebe sehen, begreifen und erwidern können. 7
Diese Botschaft gilt unabhängig von Schneeflocken oder Adventskranz. Sie gilt auf jedem Kontinent und an 365 Tagen im Jahr. So gesehen kann ich auch im Sommer Weihnachtsplätzchen backen. Erst recht kann ich auch jetzt darüber nachdenken, was Jesu Geburt vor über 2 000 Jahren heute noch für uns, für mich bedeutet. Das fällt mir zwar immer noch etwas schwer. Aber ehrlich gesagt, fällt es mir auch im Dezember nicht wirklich leichter. Denn da lässt der fröhliche Trubel der Festvorbereitungen kaum Zeit zum Innehalten. Dabei braucht es eigentlich nur ein paar Minuten, um sich mitten im Alltag immer wieder einmal auf den Kern des Weihnachtsfestes zu besinnen. Ich hoffe und wünsche Ihnen, dass dieses Büchlein Ihnen dabei hilft, solche ruhigen Minuten zu suchen und zu kostbaren Rastplätzen auf dem Weg durch die Adventszeit zu machen. Sabine Zinkernagel, im Juni 2015
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Inhalt Vorwort ......................................................................5 1. Dezember: Wespennester ..................................... 12 2. Dezember: Husarenkrapfen ................................ 16 3. Dezember: Eischnee .............................................20 4. Dezember: Maria ................................................24 5. Dezember: BrĂźnner Schokoladenkugeln ............28 6. Dezember: NikolausbrĂźche ................................ 32 7. Dezember: Josef ....................................................36 8. Dezember: NĂźrnberger Makronen .................... 40 9. Dezember: Ischler Krapfen..................................44 10. Dezember: Kartoffelchips ..................................48 11. Dezember: Beschwipste Engel ............................ 52 12. Dezember: Zimtsterne .......................................56 13. Dezember: Kokosflocken ................................... 60 14. Dezember: Ein Lebkuchen ................................64 15. Dezember: Marzipandatteln .............................68 16. Dezember: Improvisationsmakronen ...............72
17. Dezember: Die Plätzchenschüssel......................76 18. Dezember: Der große Bär ................................. 80 19. Dezember: Haselnussmakronen .......................84 20. Dezember: Vanillekipferln ................................88 21. Dezember: Choco Crossies ................................92 22. Dezember: Bärentatzen .................................... 96 23. Dezember: Plätzchentüten ..............................100 24. Dezember: Das Kind in der Krippe ...............104 Das Familienrezept: Brünner Schokoladenkugeln ..................................108 Über die Autorin ....................................................109
1. Dezember
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Wespennester
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as markiert für Sie den Beginn der Adventszeit? Vielleicht die erste brennende Kerze am Adventskranz, der Schwibbogen im Fenster, der fröhliche Trubel eines Weihnachtsmarktes, das Oratorium von Johann Sebastian Bach? Für mich ist es der Duft von gebrannten Mandeln. Er zieht durchs ganze Haus, sobald ich anfange, Wespennester zu backen. Dafür werden Mandelsplitter in Zucker geröstet und dann mit Eischnee und Schokolade zu Makronen geformt. Die karamellisierten Mandeln und die fertigen Wespennester läuten für mich den Advent erst richtig ein. Wohl jeder verbindet „Advent“ mit seinen eigenen speziellen Sinneseindrücken. Abgesehen von Stress und Hektik sind diese Assoziationen durchweg positiv besetzt. Das ist nicht weiter verwunderlich, schließlich gehen wir ja auf einen festlichen Höhepunkt zu! Ich finde es allerdings verwunderlich, wenn ich die gerade erst vergangenen Tage betrachte: Bußund Bettag, Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag. Stille Gedenktage an Schuld und Tod, die gut zu dem oft trüben Novemberwetter passen. Und dann der öffentliche Stimmungswechsel: Musik aus allen Lautsprechern, bunte Buden auf den Marktplätzen, Tannengrün und Kerzenschein. 14
Manches Jahr empfinde ich diesen Übergang als zu abrupt, zu radikal. Aber die Kirchenväter, die diese Daten festgelegt haben, haben damit etwas wiedergegeben, was Gottes Heilsgeschichte bereits beinhaltet. Denn welchen größeren Kontrast könnte es geben als den zwischen Tod und Leben? Zwischen der allzu oft von Leid und Not überschatteten menschlichen Welt und der strahlend reinen göttlichen Sphäre? Zwischen Menschen, die sich darum bemühen, zu Gott zu kommen, und einem Gott, der sich bemüht, zu den Menschen zu kommen? Am ersten Advent liegt das alte Kirchenjahr hinter uns. Wir haben an die Verstorbenen gedacht. Nun können wir sie getrost in Gottes Händen ruhen lassen und uns aufmachen in Richtung Weihnachten. Hin zu dem Abend, mit dem wir feiern, dass Gott selbst gekommen ist, um dem Tod seine endgültige Macht zu nehmen. So gesehen beginnt die Adventszeit eigentlich damit, dass wir uns, vom Friedhof kommend, aufmachen in Richtung Krippe, in Richtung Leben. Den Weg dorthin hat Gott selbst für uns angelegt. Immer wieder laden Bänke ein zum Atemholen und Innehalten. Um die Aussicht zu genießen und uns über manche Kostbarkeit am Wegesrand zu freuen. Über das heimelige Licht der Kerzen am Kranz, die feierlichen Klänge eines klassischen Konzertes oder den verführerischen Duft der Wespennester. 15
2. Dezember
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Husarenkrapfen
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ie Plätzchen sind wunderbar geworden“, begrüßte mich eine Freundin, der ich ein paar Tage zuvor mein Rezept für Husarenkrapfen gegeben hatte, jene Teigkugeln mit gemahlenen Mandeln, die obenauf in eine Vertiefung einen Klecks Marmelade als „Reiter“ bekommen. „Ich muss sie bald wieder backen; die 18 Stück vom ersten Mal haben nicht weit gereicht.“ Ich stutzte. Bei mir reichte der Teig für 40 bis 50 Krapfen. Wie groß hatte sie denn die Teigkugeln gemacht? „Ähnlich klein wie du. Aber meine Kinder konnten mal wieder nicht warten und haben den halben Teig schon vorher weggefuttert.“ Wir mussten beide schmunzeln. Das Teignaschen gehört nun einmal zur Weihnachtsbäckerei dazu. Auch ich habe als Kind sehnsüchtig darauf gewartet, die Rührstäbe abschlecken oder die Teigschüssel auskratzen zu dürfen. Ab und zu ist es mir sogar gelungen, heimlich einen Finger in den Teig zu stecken. Dieses süße Triumphgefühl auf der Zunge macht wohl für jedes Kind einen nicht unwesentlichen Teil der Adventszeit aus. Es sei allen Naschkatzen und -katern von Herzen gegönnt. Aber gleich den Teig für 20 Husarenkrapfen? Wo sie doch am Ende noch viel leckerer schme18
cken als der pure Teig? Nun, die Kinder hatten ja nicht gewusst, weshalb sich das Warten hätte lohnen können. Wenn man schon weiß, worauf man wartet, und die Zeit bis dahin aktiv füllen kann, fällt das Warten um vieles leichter. Dann kann schon die Erwartung an sich wertvoll werden. Genau das sollte die Adventszeit ja sein. Geschenke aussuchen, Plätzchen backen, eine Kerze nach der anderen am Adventskranz anzünden – solange ich den Stresspegel dabei auf ein vernünftiges Maß beschränke, können diese Festvorbereitungen nicht nur die Wartezeit zu einem eigenständigen Erlebnis machen, sondern mich auch innerlich auf Weihnachten einstimmen. Ohne sie würde ich recht unvorbereitet in die Festtage stolpern, und ehe ich sie richtig wahrnehmen könnte, wären sie schon wieder vorbei. Nein, die Feier der Geburt Jesu, des Heil-Machers für die Welt, ist einen Monat Vorbereitungszeit durchaus wert. All diese adventlichen Aktivitäten können aber auch so viel Eigendynamik entwickeln, dass ihr eigentlicher Sinn verblasst. Deshalb tut es gut, sich ab und zu eine Zeit der Ruhe zu gönnen – vielleicht, solange die Plätzchen im Ofen backen. Um sich darauf zu besinnen, worauf wir in dieser besonderen Zeit eigentlich warten. Mir fällt das oft nicht leicht. Aber hinterher merke ich meist, dass es sich lohnt. 19
Über die Autorin Sabine Zinkernagel, geboren 1965, studierte Französisch, Soziologie und Öffentliches Recht. Heute ist sie Pfarrfrau aus Leidenschaft und Mutter von zwei erwachsenen und besonderen Söhnen. Die Familie lebt in Weißwasser in der Oberlausitz (Landkreis Görlitz). Gerne erinnert Sabine Zinkernagel sich an die adventlichen Leckereien ihrer Großmutter und die Geschichten, die sie damit verbindet. Im Neufeld Verlag hat sie mit Wer nur auf die Löcher starrt, der verpasst den Käse – Aus dem Leben mit zwei besonderen Kindern (2012) und Von Dolomiten im Vorgarten und anderen Herausforderungen – Mehr von der Familie mit zwei besonderen Kindern (2014) bereits zwei Bücher über ihr turbulentes Leben veröffentlicht.
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NEUFELD VERLAG
BUCHHINWEIS
Vera Klaunzer
24 Türen
zur Ankunft des Königs Mit diesem Adventskalender lädt Vera Klaunzer ein, Gott an 24 verschiedenen Türschwellen zu begegnen. Ob an der Balkontür beim Beobachten tanzender Schneeflocken, an der geöffneten Backofentür, aus der der Duft von frisch gebackenen Plätzchen dringt, oder beim Verweilen im alten Stadttor, das zu einer Reise in die Vergangenheit einlädt – überall lohnt es sich, für einen Moment innezuhalten und genauer hinzuhören. Die 24 Impulstexte mit stimmungsvollen Fotografien inspirieren dazu, die Adventszeit mal ganz anders zu begehen – ohne Hektik, Terminstress und Geschenkezwang. Paperback, 109 S., ISBN 978-3-86256-056-1, E-Book: ISBN 978-3-86256-753-9
NEUFELD VERLAG
BUCHHINWEIS
André Trocmé
Von Engeln und Eseln
Geschichten nicht nur zu Weihnachten
Spannende Erzählungen, die Kinder und Erwachsene inspirieren, neu auf das zu achten, was wirklich zählt. Diese Geschichten erzählte Pfarrer André Trocmé (1901–1971) in Le Chambon-surLignon, während Frankreich von Hitlers Truppen besetzt war. Sie veränderten und retteten Leben: Die etwa 9.000 Bewohner jener Gegend leisteten auf ihre Art Widerstand. Als der Krieg zu Ende war, hatten sie fast 5.000 Flüchtlingen geholfen, darunter etwa 3.500 Juden. Gebunden, 159 S., mit Illustrationen, 5. Aufl., ISBN 978-3-937896-52-6, auch als Hörbuch Bleiben Sie auf dem Laufenden: newsletter.neufeld-verlag.de www.facebook.com/NeufeldVerlag www.neufeld-verlag.de/blog www.neufeld-verlag.de ❦ www.neufeld-verlag.ch
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