Stuart Murray
Nackter Glaube Christsein in einer nachchristlichen Welt Aus dem Englischen Ăźbersetzt von Michael Josupeit
Wir unterstützen den Gebrauch inklusiver Sprache. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in diesem Buch jedoch auf die zusätzliche Formulierung der weiblichen Sprachform verzichtet. Wir weisen deshalb darauf hin, dass die ausschließliche Verwendung der männlichen Form explizit als geschlechtsunabhängig verstanden werden soll. Die englische Originalausgabe dieses Buches erschien 2011 unter dem Titel Naked Anabaptist – The Bare Essentials of a Radical Faith bei Paternoster, einem Imprint von Authentic Media Limited, Milton Keynes, United Kingdom, www.authenticmedia.co.uk. Copyright © 2011 Stuart Murray Die Edition Bienenberg erscheint in Zusammenarbeit mit dem Theologischen Seminar Bienenberg, Liestal/Schweiz, www.bienenberg.ch
Dieses Buch ist auch als E-Book erhältlich: ISBN 978-3-86256-750-8, Bestell-Nummer 590 046E Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über www.d-nb.de abrufbar Bibelzitate, sofern nicht anders angegeben, wurden der folgenden Bibelübersetzung entnommen: Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen. Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft. Lektorat: Dr. Thomas Baumann, Frieder Boller Umschlaggestaltung: spoon design, Olaf Johannson Umschlagbilder: Andrey Yurlov/Shutterstock.com Satz: Neufeld Media, Weißenburg in Bayern Herstellung: CPI – Clausen & Bosse, Leck © 2014 Neufeld Verlag Schwarzenfeld ISBN 978-3-86256-046-2, Bestell-Nummer 590 046 Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlages www.neufeld-verlag.de / www.neufeld-verlag.ch Bleiben Sie auf dem Laufenden: newsletter.neufeld-verlag.de www.facebook.com/NeufeldVerlag www.neufeld-verlag.de/blog
Danke Ich bin einer ganzen Reihe von Mitgliedern des Anabaptist Network zu Dank verpflichtet, die beim Zustandekommen dieses Buches beteiligt waren. Einige ihrer Gedanken tauchen in den ersten beiden Kapiteln dieses Buches auf. Andere haben Teile oder auch den ganzen Text gelesen, und mir einige aufschlussreiche Rückmeldungen gegeben Meine Frau Sian hat ebenfalls den gesamten Text gelesen, mich dazu ermutigt, Bilder und noch mehr ‚Storys‘ einzufügen, und sie hat das, was ich geschrieben habe, auch auf die eine oder andere Art und Weise verbessert. Dafür bin ich sehr dankbar – und noch für vieles mehr. Doug Hynd (Australien) und Tim Nafziger (USA) lieferten mir wertvolle Kommentare aus den anderen Teilen dieser Welt. Ganz besonders dankbar bin ich Alan Kreider, der ebenfalls das gesamte Manuskript gelesen hat, und dessen Anregungen den Text entscheidend verbessert und mich vor Fehlern bewahrt haben. Für alles, was jetzt noch davon vorhanden ist, trage ich die Verantwortung. Noel Moules danke ich für den exzellenten Titel.
Inhalt
Vorwort zur deutschen Ausgabe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Kapitel 1
Das Täufertum – eine Bewegung, deren Zeit gekommen ist? . . . 15 Kapitel 2
Jesus nachfolgen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 Kapitel 3
Nach dem Christentum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47 Kapitel 4
Gemeinschaft und Nachfolge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73 Kapitel 5
Gerechtigkeit und Frieden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101 Kapitel 6
Die historischen Täufer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125 Kapitel 7
Täufertum heute . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155 Anhang Quellen zum Täufertum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 171 Fragen zur Vertiefung und für das Gespräch . . . . . . . . . . . . 175
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Vorwort zur deutschen Ausgabe
Wird ein Buch gleich in mehrere Sprachen übersetzt, spricht dies in der Regel für seine inhaltliche Qualität. Dies gilt auch für das vorliegende Buch des britischen Theologen Stuart Murray, der sich seit vielen Jahren mit der Frage nach der Zukunft christlicher Kirchen und Gemeinden beschäftigt. Obschon er als Gemeindegründer und -berater über langjährige und vielfältige Praxiserfahrungen verfügt, liefern seine Publikationen nicht in erster Linie ausgefeilte Konzepte und Programme, die eine erfolgreiche Gemeindearbeit versprechen. Wenn er über das Christsein in einer nachchristlichen Welt schreibt, ist dies mit grundlegenden Anfragen an das Wesen und die Gestalt der Kirche verbunden. Daher verspricht dieses Buch, das zwar ursprünglich für den britischen Kontext geschrieben wurde, auch für den deutschsprachigen Raum eine anregende Lektüre. Denn auch bei uns sieht sich die kirchliche Landschaft mit dem tiefgreifenden Wandel vom Christentum hin zum Post-Christentum konfrontiert. „Stell dir vor, die Kirchenglocken rufen zum Gottesdienst – und keiner geht hin.“ War dies hierzulande noch vor wenigen Jahrzehnten weitgehend unvorstellbar, sind spärlich besetzte Kirchenbänke mittlerweile eine sonntägliche Realität. Vielerorts steht die Kirche zwar noch immer mitten im Dorf, doch landauf, landab ist der einstige gesellschaftliche Lebensmittelpunkt für viele Menschen bloß noch ein Fall für die „besonderen Fälle“ des Lebens, wie Taufe, Konfirmation, Hochzeit oder Beerdigung. Natürlich ließen sich nun an dieser Stelle durchaus Beispiele wachsender und blühender Gemeinden aufzählen. Dennoch wird letztlich niemand ernsthaft leugnen, dass sich der Einfluss der christlichen Kirchen auf das gesellschaftliche Leben massiv verringert hat. Ja noch mehr: Es ist nicht übertrieben, vom Ende des Christentums zu reden. Dies meint freilich nicht, dass die spezifisch
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christlichen Glaubensinhalte für unsere Gesellschaft jegliche Bedeutung verloren haben. Und noch viel weniger ist damit gesagt, dass die Menschen heute nicht mehr an spirituellen Fragen interessiert sind. Was sich jedoch auflöst, ist die umfassende Dominanz der christlichen Kultur, die Kirche und Staat über Jahrhunderte nicht zuletzt mit Hilfe von Macht, Geld und Gewalt aufgebaut haben. Der Begriff „Christentum“ steht in diesem Buch daher für eine historische Epoche, in der sämtliche Bereiche des Lebens christlich umhüllt waren und Menschen darin beinahe ausnahmslos zu Christen „gemacht“ wurden. Trugen Kirche und Staat in dieser Zeit ganz selbstverständlich dasselbe Gewand, emanzipierte sich die Aufklärung von dieser Uniformität und gab dem „christlichen“ Abendland erste entscheidende Anstöße, sich seiner kulturell-religiösen Kleider nach und nach zu entledigen. Offensichtlich mit Erfolg, denn waren das Christentum und seine Institutionen nach dem Aufstieg zur Staatsreligion jahrhundertelang die prägende Kraft für Gesellschaft und Kultur, ist heute der christliche Glaube bloß noch ein Sinnangebot auf dem Markt der religiösen Möglichkeiten. Die Selbstverständlichkeit des Christseins ist damit in unserer nachchristlichen Gesellschaft ebenso dahin, wie jene Privilegien, die Angehörige einer dominierenden Staatsreligion gerne in Anspruch nehmen. Zunehmend an den gesellschaftlichen Rand gedrängt, ist das Christsein nunmehr auf seinen nackten Glauben zurückgeworfen. Für die Kirche, die während rund 1500 Jahren die abendländische Kultur maßgeblich eingekleidet hat, ist diese Nacktheit ungewohnt und irritierend. Es erstaunt daher nicht, dass mancherorts der Ruf nach den alten Kleidern zu vernehmen ist, die den verlorenen Einfluss des Christentums zurückbringen mögen. Stuart Murray zählt nicht zu jenen Stimmen. Im Gegenteil. Den Niedergang der christlichen Vorherrschaft hält er für eine begrüßenswerte Entwicklung. Natürlich freut er sich nicht darüber, dass viele Menschen dem christlichen Glauben wenig Sinn und Orientierung für das eigene Leben abgewinnen können. Aber im Verlust der gesellschaftlichen Machtposition sieht er die Möglichkeit, dass Christsein wieder „jesusähnlicher“ werden kann. Die gegenwärtige Nacktheit der Kirche ist demnach nicht zwingend eine Demütigung, sondern verweist Christen gerade
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auf ihre ursprüngliche Bestimmung. Denn die Kraft des christlichen Glaubens ortet Stuart Murray nicht in der im Christentum üblichen Allianz von Kirche und politischer Elite, sondern in einem mutigen und doch verletzlichen Christsein, das sich konsequent am Leben Jesu orientiert. Wer sich heutzutage mit kirchenkritischen Menschen unterhält, merkt jedoch schnell: Die Schatten des Christentums sind noch immer lang. Die Gleichsetzung der Kirche mit Gewalt, Reichtum und Macht ist weit verbreitet und vielfach ein Argument gegen jegliche ernsthafte Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben. Stuart Murray nimmt dies ernst und will zeigen, dass Kirche anders sein kann – ja, anders sein muss. Als Inspirationsquelle und Gesprächspartner dient ihm dabei die täuferisch-mennonitische Tradition, die ihren Ursprung in der Reformationsbewegung des 16. Jahrhunderts hat. Einige Weggefährten des Zürcher Reformators Huldrych Zwingli kritisierten bereits damals die in ihren Augen unheilvolle Allianz von Kirche und Obrigkeit. Mit ihrem Pochen auf eine freiwillige Kirchenmitgliedschaft, ihrem Streben nach einer macht- und gewaltlosen Kirche sowie ihrer Verweigerung von Eid und Kriegsdienst provozierten sie einst den Zorn der Mächtigen. Was damals harte Repressionen durch Kirche und Staat nach sich zog, ist nun nach Stuart Murray auch für das Christsein in einer nachchristlichen Welt geboten. Dass er just in der täuferisch-mennonitischen Bewegung wegweisende Impulse findet, ist dabei alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Zum einen spielt sich das Täufertum am Rande der kirchengeschichtlichen Hauptstränge ab und fristet dort ein oft derart unbekanntes Dasein, dass es sich bestenfalls als interessantes Forschungsobjekt für Historiker und Theologen eignet. Zum anderen ist Stuart Murray selbst kein Mennonit, sondern hatte als Baptist lange Zeit keinerlei Berührungspunkte mit der täuferisch-mennonitischen Tradition. Wenn er in diesem Buch von der bleibenden Bedeutung dieser Art des Christseins schreibt, tut er dies daher nicht mit der Absicht, seine Leserinnen und Leser von der Richtigkeit oder gar der Überlegenheit seiner Glaubenstradition zu überzeugen. Wie er mit dem englischen Originaltitel des Buches – The Naked Anabaptist – andeutet, geht es ihm um freigelegte Glaubensinhalte jenseits bestimmter traditioneller
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und konfessioneller Formen. Er betreibt denn auch nicht eine Glorifizierung des historischen Täufertums, wenngleich das Buch diesbezüglich an manchen Stellen etwas idealisierend wirkt. Vielmehr versucht der Autor aus einer täuferischen Perspektive den nackten Kern des Christseins zu beschreiben und damit zu zeigen, was diese Überzeugungen für den Glauben heute bedeuten – ganz gleich, in welchem Kontext. Dieses Anliegen teilt Stuart Murray in Großbritannien seit einigen Jahren mit Christen, die unterschiedlichen Denominationen angehören und sich im Anabaptist Network (www.anabaptistnetwork. com) zusammengefunden haben. Das Buch ist denn auch ein Resultat der gemeinsamen theologischen Reflexion innerhalb dieses Netzwerkes und erläutert im Wesentlichen sieben daraus hervorgegangene Grundüberzeugungen für ein Christsein in einer nachchristlichen Welt. Auch wenn die Begriffe „Täufer“ oder „täuferisch-mennonitisch“ in Kontinentaleuropa längst nicht so positiv besetzt sind, wie etwa das englische „anabaptist“ im angelsächsischen Raum, rückt das theologische Erbe dieser Tradition auch hier bei uns verstärkt ins Bewusstsein. Dazu beigetragen haben in den vergangenen Jahren sicherlich die vielen Versöhnungsfeiern und Dialoge zwischen Mennoniten und unterschiedlichsten Konfessionen. Weiter folgte der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) mit der Dekade zur Überwindung von Gewalt (2001 – 2010) einer mennonitischen Initiative und auch im gegenwärtigen Diskurs rund um eine missionale Theologie und Praxis werden täuferische Anliegen verstärkt aufgegriffen. Kurz: Kaum je zuvor wurden diese theologischen Überzeugungen an so unterschiedlichen Orten konstruktiv aufgegriffen und verarbeitet. Die Zeit scheint dafür reif zu sein. Als Theologisches Seminar Bienenberg fördern wir diese Auseinandersetzung mit der Geschichte und Theologie des Täufertums und freuen uns daher über dieses Buch. Die Lektüre sei einerseits Mitgliedern täuferisch-mennonitischer Gemeinden empfohlen, die ihre Gemeinderealität mitunter eher als verstaubt und traditionalistisch empfinden. Nackter Glaube verweist sie in einer frischen Sprache auf die innovative und dynamische Kraft, die ihrer eigenen Tradition innewohnt und vermag hoffentlich die mancherorts unter der Asche
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Vorwort
glimmende Glut für ein mutiges Christsein in einer nachchristlichen Welt neu zu entfachen. Andererseits dürfen hier aber auch nicht-mennonitische Leserinnen und Leser inspirierende Gedanken erwarten, wie die folgenden Zeilen von Shane Claiborne zu diesem Buch deutlich machen: „In einer Welt, die sich der Leere des Materialismus und der Hässlichkeit des Militarismus zunehmend bewusst wird, beginnen die Täufer immer interessanter zu werden. Täuferische Logik wurzelt in der Weisheit vom Kreuz Jesu, die die Weisheit der Welt infrage stellt. Es scheint, die Welt ist bereit für eine neue täuferische Bewegung, und Nackter Glaube könnte der Funke sein, dieses Feuer zu entzünden.“ Unser aufrichtiger Dank geht an alle, die das Erscheinen des Buches in der Edition Bienenberg ermöglicht haben. Möge es dazu dienen, den Niedergang des Christentums nicht als Katastrophe, sondern als neue Chance für ein glaubwürdiges Christsein in dieser Welt zu verstehen. Lukas Amstutz Theologisches Seminar Bienenberg
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Kapitel 1
Das Täufertum – eine Bewegung, deren Zeit gekommen ist?
Wachsendes Interesse „Die Täufer sind zurück!“, ließ ein amerikanischer Autor vor einigen Jahren in einem gleichnamigen Buch verlauten.1 Er war von dem wachsenden Interesse an der täuferisch-mennonitischen Tradition in Nordamerika fasziniert. Zwanzig Jahre später scheint sich überraschenderweise etwas Ähnliches in anderen Ländern zu ereignen, in denen die Täufer nur eine geringe oder gar keine Wirkungsgeschichte hatten. Christen aus verschiedenen Denominationen und Traditionen – Evangelikale, Liberale, Charismatiker, Protestanten, Katholiken und Pfingstler – sie alle beschäftigen sich intensiver mit der Täuferbewegung und viele unter ihnen greifen deren Vision auf. Dieses Buch versucht, das wachsende Interesse an einer Tradition zu erklären, die lange als unbedeutend, häretisch oder auch als beides abgelehnt wurde. Es bietet eine einfache Einführung in die täuferische Bewegung und es untersucht dessen gegenwärtige Bedeutung.
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Duane Ruth-Heffelbower, The Anabaptists are Back! (Scottdale, PA: Herald Press, 1991).
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Ein schlüssiger Rahmen für meine Überzeugungen Meine ersten Begegnungen mit der täuferischen Tradition hatte ich in den frühen 1980er-Jahren als junger Gemeindegründer im östlichen Teil von London. Ich lebte in einer der ärmsten städtischen Gemeinden in England und machte mich auf die Suche nach Ressourcen, die mir dabei helfen sollten, die Armut, Ungerechtigkeit, Entbehrung und die vielen unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften in meiner Nachbarschaft zu verstehen und mich entsprechend zu engagieren. Und ich suchte nach neuen Perspektiven für die Jesusnachfolge, die Gemeinschaft, die Kirche und die Mission. Ich las verschiedenste Bücher und fand heraus, dass einige der hilfreichsten von Mennoniten verfasst worden waren. Von diesen Leuten hatte ich noch nie gehört, aber ihre Werte fanden bei mir einen Widerhall und ich schätzte ihre Einsichten. Fasziniert verfolgte ich ihre Geschichte zurück bis in das 16. Jahrhundert und entdeckte dabei, dass sie Nachkommen der sogenannten Täufer waren. Ich erinnerte mich vage an Hinweise auf die Täufer in Büchern über die Kirchengeschichte (viele davon abwertend oder kritisch), aber ich wusste nur wenig darüber, wer sie waren oder was sie glaubten. Je mehr ich aber über die Täuferbewegung las, desto mehr fühlte ich mich zu Hause. Als instinktiver, aber ziemlich gedankenloser Pazifist, vermittelte sie mir einen schlüssigen theologischen Rahmen für meine Überzeugungen. Für meine Sehnsucht nach authentischer Gemeinschaft und ganzheitlicher Nachfolge bot sie herausfordernde Beispiele und praktische Weisheit. Überzeugt von dem, was ich erst später als „viel-stimmige Gemeinde“ bezeichnen sollte, entdeckte ich im frühen Täufertum Gemeinschaften, die genau dies praktizierten. Und ich war aufgewachsen in einem kirchlichen Umfeld, in dem die Briefe des Neuen Testaments im Allgemeinen über die Evangelien gestellt wurden. Die täuferische Bewegung forderte mich heraus, stärker christozentrisch zu werden, und das Leben und die Lehre Jesu wesentlich ernster zu nehmen. Vielleicht das Spannendste in meiner Situation als Gemeindegründer war jedoch, dass die Täufer leidenschaftliche Missionare waren. Sie lebten ihren Glauben auch gegen die herrschende Kultur konsequent aus. Und begeistert teilten sie ihre Glaubensüberzeugungen mit 16
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anderen. Viele von ihnen waren Gemeindegründer. War es wirklich möglich, beidem verpflichtet zu sein, dem Frieden und der Evangelisation, der Verkündigung und dem Streben nach Gerechtigkeit? Dieser ganzheitliche Missionsansatz überzeugte mich davon, dass ich, auch ohne mennonitisch aufgewachsen zu sein, doch ein überzeugter Täufer war. Bald danach, in einer kleinen Arbeitsgruppe mit einigen anderen, die mein Interesse an den Täufern teilten, begann ich zu realisieren, wie viel diese alte Bewegung den Christen im Westen an der Schwelle zum Post-Christentum zu bieten hatte. Wir sind Teil einer sich verändernden Kultur, in der alle Christen eher am Rand der Gesellschaft leben. Die an sich eher marginale missionarische Täuferbewegung schien uns ungewöhnlich gut dafür geeignet, folgendes zu klären. Mission muss das gängige Bemühen um die Aufrechterhaltung des kirchlichen Lebens ersetzen. Und was könnte es bedeuten, sich an dieser Mission zu beteiligen? In einer Welt, in der Jesus die Menschen immer noch fasziniert, die Kirche das aber nicht tut, ist der Jesus der Täuferbewegung eine kraftvolle Quelle für die Mission.
Netzwerke entstehen Aus dieser kleinen Arbeitsgruppe entstand dann im Jahr 1991 das Anabaptist Network. Es dient Christen aus vielen Gemeinden und Denominationen in England, die über das Täufertum gestolpert waren und jetzt nach weiteren Ressourcen und Möglichkeiten suchten, gemeinsam zu lernen. In den letzten zwanzig Jahren sind täuferische Netzwerke auch in anderen Ländern aus dem Boden geschossen – Australien und Neuseeland, Südafrika, Korea, China, Kanada, den Vereinigten Staaten und – in allerjüngster Zeit – Skandinavien. In den meisten dieser Länder gab es historisch gesehen, nahezu keine Täufer, und die Mehrzahl derjenigen, die sich an diesen Netzwerken beteiligen, kommt nicht aus den historischen Denominationen der Täufer. Aber sie werden von der Vision der Täufer angezogen und hungern nach ihren Ressourcen.
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Das ist ein überraschendes Phänomen und scheint sich immer mehr zu beschleunigen. So begannen sich manche von uns zu fragen, ob das Täufertum nach beinahe fünf Jahrhunderten der Marginalisierung und der nicht gerade geringen Feindseligkeit, eine Bewegung sein könnte, deren Zeit gekommen ist. Wer mit dem Täufertum nicht vertraut ist, findet in Kapitel 6 einen kurzen historischen Abriss von dessen Anfängen im 16. Jahrhundert bis in die heutige Zeit. Doch das Anliegen dieses Buches konzentriert sich vor allem auf die gegenwärtige Bedeutung der Tradition, die sich aus dieser Bewegung heraus entwickelt hat.
Grundüberzeugungen Vor einigen Jahren stellten Mitglieder des Anabaptist Network in England und Irland sieben „core convictions“ (Grundüberzeugungen) zusammen. Sie sind unser Versuch, das Wesen der Täuferbewegung herauszudestillieren. Jede dieser Grundüberzeugungen drückt etwas von dem aus, was wir glauben und beschreibt dann die Konsequenz, zu der dieser Glaube führt. Diese Überzeugungen wurden bereits von einigen täuferischen Netzwerken in anderen Ländern übernommen. Wir hoffen, dass viele Leser sie ebenso inspirierend und herausfordernd empfinden wie wir. Bevor wir uns den einzelnen Grundüberzeugungen zuwenden, einige wichtige Vorbemerkungen: Erstens: Diese Überzeugungen stellen einen Versuch dar, aus der täuferischen Tradition zu lernen und ihre Einsichten auf aktuelle Zeitfragen anzuwenden. Sie sind keine Update-Version historischer Täufer-Dokumente, und sie behandeln einige Themen, mit denen sich frühere Generationen nicht so intensiv beschäftigt haben. Zweitens: Das Anabaptist Network ist eine vielfältige und verstreute Gemeinschaft, für die es keinerlei Mitgliedskriterien gibt. Wir bitten die Beteiligten nicht darum, die Grundüberzeugungen zu unterschreiben. Aber wer sich beteiligt, unterstützt sehr wahrscheinlich zumindest einige dieser Überzeugungen. Sie stellen jedoch keinen ideologischen Filter dar. Die Grundüberzeugungen bringen die Prioritäten, Anliegen und Verpflichtung derer zum Ausdruck, die dieses
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Netzwerk gegründet haben, und die in den letzten Jahren mitgeholfen haben, es zu formen. Drittens: Es handelt sich hier um Überzeugungen, nicht um ein Glaubensbekenntnis. Die Täufer waren immer schon skeptisch gegenüber festgelegten Glaubensbekenntnissen, da diese den Eindruck erwecken, es bestünde keine Notwendigkeit mehr auf andere zu hören oder weiterhin mit der Schrift zu ringen. Glaubensbekenntnisse (Credos) befassen sich ausschließlich mit Glaubensinhalten, aber die Täufer sind genauso auch an praktischen Verhaltensweisen interessiert. Und nur allzu oft wurden Bekenntnisse dazu gebraucht, Abweichler zum Schweigen zu bringen, auszuschließen und zu verfolgen, anstatt anhand der Bekenntnisse weiter im Gespräch zu bleiben. Die Täufer haben dagegen Überzeugungen (confessions) formuliert – Aussagen, die nicht darauf angelegt waren, alles umfassend darzustellen, sondern eher charakteristische Glaubenserkenntnisse und Praktiken zu beschreiben. Sie alle sind provisorischer – also vorläufiger – Natur, und offen für Revisionen im Licht neuer Einsichten. Viertens: Die Verpflichtungen, die in diesen Grundüberzeugungen ausgedrückt werden, sind eher als Ziele zu verstehen und weniger als Errungenschaften. Schon die erste macht deutlich, dass Täufer die Jüngerschaft als „Nachfolge“ interpretieren. Sie sind damit sehr zurückhaltend zu behaupten, sie wären schon „fertig“. Glaubensüberzeugungen brauchen immer ein „und jetzt?“. Mit diesen Hinweisen im Hinterkopf, folgen jetzt die sieben Grundüberzeugungen (core convictions). 1 Jesus ist unser Vorbild, Lehrer, Freund, Erlöser und Herr. Er ist die Quelle unseres Lebens, der zentrale Bezugspunkt für unseren Glauben und unseren Lebensstil, für unser Verständnis von Kirche und für unser Engagement in der Gesellschaft. Wir sind entschlossen, Jesus nachzufolgen und anzubeten. 2 Jesus ist der Dreh- und Angelpunkt der Offenbarung Gottes. Wir sind einem Jesus-zentrierten Zugang zur Bibel verpflichtet. Zugleich ist die Gemeinschaft der Glaubenden unser primärer Kontext, in dem wir die 19
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Bibel lesen und über die Konsequenzen für unsere Nachfolge entscheiden. 3 Die westliche Kultur entwächst allmählich einer vom Christentum dominierten Ära, in der Kirche und Staat gemeinsam die Gesellschaft leiteten und die nahezu jeden Menschen als Christ verstand. Ungeachtet seiner positiven Beiträge im Blick auf Werte und Institutionen, hat dieses Christentum das Evangelium verzerrt. Es marginalisierte Jesus und hinterlässt die Kirchen schlecht ausgerüstet für die Mission in einer nachchristlichen Welt. Bewegungen wie die der Täufer haben diese Art Christentum zurückgewiesen und nach alternativen Denkansätzen und Verhaltensweisen gesucht. Unsere Reflexion darüber bewegt uns, von deren Erfahrungen und Perspektiven zu lernen. 4 Die häufige Verbindung der Kirche mit Status, Reichtum und Macht ist der Nachfolge Jesu unangemessen und schadet unserem Zeugnis. Wir verpflichten uns, nach Wegen zu suchen, die für die Armen, Machtlosen und Verfolgten gute Nachricht sind. Wir sind uns bewusst, dass diese Art der Nachfolge Widerspruch auslösen und zum Leiden führen kann, ja manchmal sogar im Martyrium enden könnte. 5 Gemeinden sind dazu berufen, verbindliche Gemeinschaften der Nachfolge und Mission zu sein, Orte der Freundschaft, der gegenseitigen Verantwortlichkeit und eines vielstimmigen Gottesdienstes. Wir teilen Brot und Wein miteinander und stärken unsere Hoffnung, indem wir uns gemeinsam auf Gottes Herrschaft ausrichten. Hier werden Junge und Alte wertgeschätzt, Leiterschaft wird in beratender Haltung ausgeübt, Dienste werden geschlechtsunabhängig und gabenorientiert wahrgenommen, und es wird die Glaubenstaufe praktiziert. Solche Gemeinden wollen wir fördern und entwickeln. 6 Spiritualität und Ökonomie sind eng miteinander verbunden. In einer individualistischen und konsumorientierten Gesellschaft und in einer 20
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Welt voller ökonomischer Ungerechtigkeit sind wir entschlossen, Wege eines einfachen Lebensstils zu finden, großzügig zu teilen, die Schöpfung zu bewahren und uns für Gerechtigkeit einzusetzen. 7 Frieden ist das Herz des Evangeliums. Als Nachfolger Jesu in einer uneinigen und gewalttätigen Welt suchen wir nach gewaltlosen Alternativen. Wir lernen, wie sich Frieden stiften lässt zwischen einzelnen Menschen, innerhalb und zwischen Kirchen, in der Gesellschaft und zwischen Nationen. Es fällt sofort auf, dass hier rein gar nichts über fundamentale theologische Themen wie die Trinität, die Buße oder die Eschatologie gesagt wird. Die Aussagen geben auch nicht vor, alle Aspekte der angesprochenen Themen abzudecken, wie zum Beispiel die Schrift, die Kirche und die Mission. Diese Grundüberzeugungen sollen nicht alles umfassend darstellen, und kein Credo oder Glaubensbekenntnis ersetzen oder ein solches untergraben. Die große Mehrheit der Täufer, damals wie heute, bejaht gerne die ökumenischen Glaubensbekenntnisse, die bereits vor Jahrhunderten die Grenzen der Rechtgläubigkeit festlegten und den Kern des christlichen Glaubens zusammenfassten. Obwohl manche (wie wir noch sehen werden) auf überraschende und bedenkliche Lücken in eben diesen Glaubensbekenntnissen hingewiesen haben. Im Blick auf diese Glaubensbekenntnisse und Bekenntnisgrundlagen haben die täuferischen Grundüberzeugungen ergänzenden Charakter. Sie versuchen nicht, alles mit einzubeziehen, was täuferische Christen mit Christen aus anderen Traditionen gemeinsam haben. Ohne alles aufzuzählen was sie glauben, konzentrieren sie sich auf Aspekte, zu denen die täuferische Tradition eine ganz bestimmte Sichtweise vertritt. Diese Sichtweisen sind somit eher charakteristisch als einzigartig. Andere Christen werden sicherlich zumindest einigen dieser Überzeugungen zustimmen, auch wenn sie sich von anderen distanzieren oder näher geklärt sehen wollen, was diese bedeuten. Sie bieten jedoch einen Weg, Nachfolge Jesu ungewöhnlich ganzheitlich zu verstehen und zu leben. Wenn wir diese Überzeugungen in den kommenden vier 21
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Kapiteln genauer erläutern, mag der eine oder andere Aspekt trotzdem noch Fragen aufwerfen oder Anstoß erregen. Aber eine wachsende Zahl von ganz unterschiedlichen Christen hat in ihnen ein christliches Glaubensverständnis gefunden, das dem Leben und der Lehre Jesu entspricht und in eine nachchristliche Gesellschaft und Kultur passt.
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Quellen zum Täufertum
Das Anabaptist Network, gegründet 1991, ist ein Beziehungsnetzwerk von Einzelpersonen, die daran interessiert sind, von der täuferischen Tradition und voneinander zu lernen. Durch Veröffentlichungen, Arbeitsgruppen, Konferenzen, Newsletter, einem theologische Forum und einer Website bietet es seinen Mitgliedern aber auch anderen Ressourcen an. Weitere Informationen erhalten Sie auch über die Fachstelle für täuferische Theologie und Geschichte am Theologischen Seminar Bienenberg (www.bienenberg.ch).
Bücher Geschichte des Täufertums Goertz, Hans-Jürgen, Die Täufer. Geschichte und Deutung. München: Beck 1980. Hoover, Peter, Feuertaufe – Das radikale Leben der Täufer – eine Provokation. Berlin: Down to earth 2006. Lichdi, Diether Götz, Die Mennoniten in Geschichte und Gegenwart – Von der Täuferbewegung zur weltweiten Freikirche. Weisenheim am Berg: Agape 2004. Hoekema, Alle & Hanspeter Jecker (Hg.), Testing Faith and Tradition: Europe: A Global Mennonite History. Intercourse PA 2006. (Das Buch erscheint 2014 auf Deutsch im Neufeld Verlag).
Täufertum Heute Enns, Fernando (Hg.), Heilung der Erinnerungen – befreit zur gemeinsamen Zukunft: Mennoniten im Dialog. Frankfurt am Main: Lembeck 2008. Enns, Fernando, Friedenskirche in der Ökumene. Mennonitische Wurzeln einer Ethik der Gewaltfreiheit. Göttingen: 2003.
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Fast, Heinold, Eine Stimme aus den historischen Friedenskirchen, in: Beiträge zu einer Friedenstheologie. Maxdorf: Agape 1982. Geddert, Timothy J., Verantwortlich leben – Wenn Christen sich entscheiden müssen. Neufeld Verlag 2004. Goertz, Hans Jürgen, Das schwierige Erbe der Mennoniten: Aufsätze und Reden. Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2002. Jecker, Hanspeter (Hg.), Jesus folgen in einer pluralistischen Welt: Impulse aus der Arbeit John Howard Yoders. Weisenheim am Berg: Agape 2001. Kateregga, Badru D. und Shenk, David W., Woran ich glaube – Ein Muslim und ein Christ im Gespräch. Schwarzenfeld: Neufeld 2005 Kreider, Alan & Eleanor, Widjaja, Paulus, Eine Kultur des Friedens – Gottes Vision für Gemeinde und Welt. Schwarzenfeld: Neufeld 2008. Lange, Andrea, Die Gestalt der Friedenskirche. Maxdorf: Agape 1988. Lind, Tim & Tshimika, Pakisa, Teilen, was wir sind und haben. Als Kirche weltweit geben und empfangen. Schwarzenfeld: Neufeld 2006. Neufeld, Thomas R. Yoder, Christus ist unser Friede – Die Kirche und ihr Ruf zu Wehrlosigkeit und Widerstand. Schwarzenfeld: Neufeld 2007. Neufeld, Alfred, Was wir gemeinsam glauben: Täuferisch-mennonitische Überzeugungen. Schwarzenfeld: Neufeld 2008. Ott, Bernhard, Die Kirche – 7 Gründe, warum ich sie liebe. Schwarzenfeld: Neufeld 2007. Ott, Bernhard, Schalom – Das Projekt Gottes. Weisenheim am Berg: Agape 2007. Snyder, C. Arnold, Täuferische Saat – Weltweites Wachstum, Die historische Mitte täuferischer Identität. Weisenheim am Berg: Agape 1999. Yoder, John Howard, Die Politik des Leibes Christi – Als Gemeinde zeichenhaft leben. Schwarzenfeld: Neufeld 2011. Yoder, John Howard, Die Politik Jesu. Schwarzenfeld: Neufeld 2012.
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Quellen für die Andacht Take Our Moments and Our Days. Scottdale, PA: Herald Press 2007. Ein Gebetbuch der Täufer in zwei Bänden, das von mehreren Autoren zusammengestellt wurde. Der erste Band enthält Morgen- und Abendgebete für den Zeitraum zwischen Advent und Pfingsten. Der zweite Band bietet einen vierwöchigen Zyklus für den Rest des Kirchenjahres (die so genannte „normale Zeit“). Hier sind im Fokus die Lehre und der Dienst Jesu: Das Vaterunser (Woche 1), die Seligpreisungen (Woche 2), die Gleichnisse Jesu (Woche 3) und die Wunder Jesu (Woche 4). Kropf, Marlene & Eddy Hall, Praying with the Anabaptists: The Secret of Bearing Fruit. Newton, KS: Faith and Life Press 1994. Snyder, C. Arnold & Galen Peters (eds.), Reading the Anabaptist Bible. Kitchener, Ontario: Pandora 2002.
Webseiten www.nackterglaube.org; hier finden sich Informationen, Ressourcen, Kontakt- und Weiterbildungsmöglichkeiten rund um das Thema des vorliegenden Buches www.anabaptistnetwork.com; die Website des Anabaptist Network, mit Informationen über die Aktivitäten des Netzwerkes und ausführlichen Informationen zum Täufertum. www.ekklesia.co.uk; die umfangreiche Website des christlichen politischen Ideenschmiede Ekklesia, die durch täuferische Ansichten geprägt ist. www.gameo.org; die Global Anabaptist Mennonite Online-Enzyklopädie, eine sehr umfangreiche Website mit vielfältigen Ressourcen zum Täufertum. www.menno.org.uk; die Website des Mennonite Trust, einer verstreuten Gemeinschaft von täuferisch-mennonitisch inspirierten Menschen, die auch einen Online-Buchladen betreibt. Früher: London Mennonite Centre). www.urbanexpression.org.uk; Die Website von Urban Expression, einer innerstädtischen Missionsagentur, die täuferische Werte vertritt.
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www.mwc-cmm.org; Homepage der Mennonitischen Weltkonferenz. www.etg.ch; Bund evangelischer Täufergemeinden (ETG) in der Schweiz www.menno.ch; Konferenz der Mennoniten der Schweiz www.mennoniten.de, Arbeitsgemeinschaft Mennonitscher Gemeinden in Deutschland www.ambd.de; Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Brüdergemeinden in Deutschland www.bienenberg.ch; das Theologische Seminar Bienenberg bietet verschiedene Aus- und Weiterbildungsprogramme an. www.compax.org; Organanisation, die Weiterbildungsseminare und Beratung zum Thema Leitung und Konflikttransformation anbietet www.mennlex.de; Mennonitisches Lexikon (Band V: Revision und Ergänzung)
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Fragen zur Vertiefung und für das Gespräch
Grundüberzeugung 1 Jesus ist unser Vorbild, Lehrer, Freund, Erlöser und Herr. Er ist die Quelle unseres Lebens, der zentrale Bezugspunkt für unseren Glauben und unseren Lebensstil, für unser Verständnis von Kirche und für unser Engagement in der Gesellschaft. Wir sind entschlossen, Jesus nachzufolgen und anzubeten. 1. „Vorbild, Lehrer, Freund, Erlöser, Herr“: Mit welcher dieser Bezeichnungen für Jesus identifizieren Sie sich am wenigsten? Wie könnten Sie diesem Aspekt weiter nachgehen? 2. Welche Beispiele veranschaulichen, dass Jesus „der zentrale Bezugspunkt“ für Ihr Leben oder Ihre Gemeinde ist? Welche Beispiele zeigen, dass er es nicht ist? 3. Sind Sie auch der Meinung, dass Jesus an vielen Orten angebetet, aber ihm nicht nachgefolgt wird? Welche Auswirkungen hat das? 4. Hans Denck schrieb: „Niemand kann Christus kennen, solange er ihm nicht in seinem Leben nachfolgt“. Teilen Sie diese Auffassung oder ist das eine Rückkehr zur „Erlösung durch Werke“? 5. Was meinen Sie zu dem Vorschlag, dass wir den Begriff „Christen“ fallen lassen und uns selber als „Nachfolger Jesu“ bezeichnen sollten? Grundüberzeugung 2 Jesus ist der Dreh- und Angelpunkt der Offenbarung Gottes. Wir sind einem Jesus-zentrierten Zugang zur Bibel verpflichtet. Zugleich ist die Gemeinschaft der
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Glaubenden unser primärer Kontext, in dem wir die Bibel lesen und über die Konsequenzen für unsere Nachfolge entscheiden. 1. Bedeutet ein „Jesus-zentrierter Zugang zur Bibel“ unweigerlich, dass Teile der Schrift abgewertet werden? 2. Erinnern Sie sich an Bibelarbeiten, an denen Sie teilgenommen haben. Haben diese die „Bündelung von Unkenntnis“ verhütet? Wie können Christen befähigt werden, um die Bedeutung biblischer Texte wahrzunehmen und anzuwenden? 3. Wie können Gemeinden der üblichen Dominanz monologischer Predigten entgegenwirken? Oder sollten sie es überhaupt versuchen? 4. Welche praktikablen Wege kommen Ihnen in den Sinn um sicherzustellen, dass biblische Texte nicht in ihrer Auslegung stecken bleiben, sondern praktiziert werden und zur Nachfolge führen? Probieren Sie die Methode des „im Wort wohnen“ in Ihrer Gruppe aus: Jeder erhält eine Kopie eines ausgesuchten Bibelabschnitts. Den Abschnitt laut lesen und dann Zeit geben zu stiller Reflexion. Jeder hält für sich wichtige Gedanken schriftlich fest. Dann folgt ein Austausch zu zweit über das, was mich angesprochen hat und was ich vom anderen höre. Anschließend berichtet jeder in der ganzen Runde, was sein Gesprächspartner für sich festgehalten hat Grundüberzeugung 3 Die westliche Kultur entwächst allmählich einer vom Christentum dominierten Ära, in der Kirche und Staat gemeinsam die Gesellschaft leiteten und die nahezu jeden Menschen als Christ verstand. Ungeachtet seiner positiven Beiträge im Blick auf Werte und Institutionen hat dieses Christentum das Evangelium verzerrt. Es marginalisierte Jesus und hinterlässt die Kirchen schlecht ausgerüstet für die Mission in einer nachchristlichen Kultur. Bewegungen wie die der Täufer haben diese Art Christentum zurückgewiesen und nach alternativen
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Denkansätzen und Verhaltensweisen gesucht. Unsere Reflexion darüber bewegt uns, von deren Erfahrungen und Perspektiven zu lernen. 1. Woran erkennen Sie, dass Ihre Gemeinde in einer nachchristlichen Zeit lebt? 2. Halten sich Täufer zu lange mit dem konstantinischen Christentum auf – unfähig, die vielen positiven Errungenschaften anzuerkennen? 3. Welche „alternativen Wege und Verhaltensweisen“ bietet die täuferische Tradition? Wie könnten Sie und Ihre Gruppe/Gemeinde davon lernen? 4. Wie könnten Sie auf Einsichten anderer marginalisierter Bewegungen zugreifen und sehen, ob sich bei ihnen ebenfalls täuferische Sichtweisen finden? 5. Wie passend empfinden Sie die Analogie des „Exils“, um die Situation der Kirche im Westen zu beschreiben? Gibt es andere hilfreiche Leitmotive, die wir nutzen könnten? Grundüberzeugung 4 Die häufige Verbindung der Kirche mit Status, Reichtum und Macht ist der Nachfolge Jesu unangemessen und schadet unserem Zeugnis. Wir verpflichten uns, nach Wegen zu suchen, die für die Armen, Machtlosen und Verfolgten eine gute Nachricht sind. Wir sind uns bewusst, dass diese Art der Nachfolge Widerspruch auslösen und zum Leiden führen kann, ja manchmal sogar im Martyrium enden könnte. 1. Wie können Christen vermeiden, sich auf Status und Reichtum einzulassen, wenn das Evangelium in einer Gesellschaft viele Anhänger gewinnt? Sollten sie versuchen, dies zu vermeiden? 2. Auf welche Art und Weise beschädigt die „Verbindung von Status, Reichtum und Macht“ das Zeugnis der Nachfolger Jesu? 3. Welche Beispiele zeigen, dass jemand (Sie selbst oder andere) eine „gute Nachricht für die Armen“ gewesen ist?
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4. Welche Möglichkeiten bieten sich einer randständigen Kirche, die eine herrschende Kirche nicht hat? 5. Wie gehen westliche Kirchen mit 2. Tim 3,12 um? Grundüberzeugung 5 Gemeinden sind dazu berufen, verbindliche Gemeinschaften der Nachfolge und Mission zu sein, Orte der Freundschaft, der gegenseitigen Verantwortlichkeit und eines vielstimmigen Gottesdienstes. Wir teilen Brot und Wein miteinander und stärken unsere Hoffnung, indem wir uns gemeinsam auf Gottes Herrschaft ausrichten. Hier werden Junge und Alte wertgeschätzt, Leiterschaft wird in beratender Haltung ausgeübt, Dienste werden geschlechtsunabhängig und gabenorientiert wahrgenommen, und es wird die Glaubenstaufe praktiziert. Solche Gemeinden wollen wir fördern und entwickeln. 1. Ist es in der gegenwärtigen Gesellschaft realistisch, gegenseitige Ermahnung zu praktizieren? Wie könnte Ihre Gemeinde versuchen, diese Praxis einzuführen? 2. Welche Rolle spielen Mahlzeiten und Gastfreundschaft in Ihrer christlichen Erfahrung? Wie könnten Sie diese Praxis auf neue Art und Weise ausloten? 3. Wie könnte Ihre Gemeinde eine gesunde Balance zwischen Beratung und Leitung finden? 4. Welche Menschen sind Ihrer Erfahrung nach in Gefahr, ausgeschlossen zu werden? Wie können sie Gehör finden? 5. Was würde es für Ihre Gemeinde bedeuten, wenn sie Hubmaiers „Verpflichtung zur Liebe“ regelmäßig und mit innerer Beteiligung im Rahmen des Abendmahls praktizieren würde? Grundüberzeugung 6 Spiritualität und Ökonomie sind eng miteinander verbunden. In einer individualistischen und konsumorientierten Gesellschaft und in einer Welt voller ökonomischer Ungerechtigkeit sind wir entschlossen,
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Wege eines einfachen Lebensstils zu finden, großzügig zu teilen, die Schöpfung zu bewahren und uns für Gerechtigkeit einzusetzen. 1. Worin liegt der Unterschied, ob wir uns im Umgang mit dem, was wir haben, von dem Gedanken der Wohltätigkeit oder Gerechtigkeit leiten lassen? 2. Lesen Sie gemeinsam Apg 2,42-47 und Apg 4,32-37. Hatten die Täufer Recht, die hier eine Anordnung für eine in Gütergemeinschaft lebende Gemeinde fanden? 3. Wie sind Spiritualität und Ökonomie in der Praxis miteinander verbunden? Welche der beiden beeinflusst die andere mehr? 4. Was können Sie tun, um dem Einfluss von Individualismus und Konsum auf Ihr persönliches Leben zu widerstehen? 5. Wo liegen in vielen Gemeinden die Probleme mit der gegenwärtigen Praxis des Zehnten? Grundüberzeugung 7 Frieden ist das Herz des Evangeliums. Als Nachfolger Jesu in einer uneinigen und gewalttätigen Welt suchen wir nach gewaltlosen Alternativen. Wir lernen, wie sich Frieden stiften lässt zwischen einzelnen Menschen, innerhalb und zwischen Kirchen, in der Gesellschaft und zwischen Nationen. 1. Stimmen Sie zu, dass „Frieden das Herz des Evangeliums ist“? Wenn nicht, wie wichtig ist Frieden im Rahmen des Evangeliums? 2. Ist der Ansatz des „Gerechten Krieges“ angesichts der modernen Kriegsführung noch anwendbar? Würde man ihn anwenden, wo läge der Unterschied? 3. Ist es wichtig, dass Vertreter der Gewaltlosigkeit auch die Wirkungskraft dieses Ansatzes demonstrieren müssen? 4. An welchen Friedensinitiativen sind Sie beteiligt, oder könnten Sie sich eine Beteiligung vorstellen? 5. „Lasst die Christen in der Welt sich darin einig werden, einander nicht umzubringen.“ Wie reagieren Sie auf diesen „bescheidenen Vorschlag zum Frieden“?
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Und schließlich … 1. Welche Aspekte der Täufertradition inspirieren Sie oder fordern Sie heraus? 2. Wie könnten Sie darauf reagieren? 3. Welche Aspekte der täuferischen Bewegung empfinden Sie unattraktiv? Warum? 4. Welchen Themen des Nackten Glaubens möchten Sie gerne weiter nachgehen? Wie wollen Sie das anstellen?
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BUCHHINWEIS
Bernhard Ott
Die Kirche 7 Gründe, warum ich sie liebe
„Ich möchte Sie inspirieren, über Ihre Beziehung zur Kirche, zur Gemeinde von Jesus Christus nachzudenken.“ Bernhard Ott „... Sieben Gründe machen sieben kurze Kapitel. Natürlich reißen sie nur an, sind Gedankenanstöße, besser noch Gesprächsanstöße, zum Beispiel für einen Hauskreisabend. Aber genau solche Impulse sind sehr hilfreich. Mehr noch, ich finde Bernhard Otts Liebe zur Kirche ansteckend. Sein Büchlein macht Mut zur Gemeinde. Und weckt Freude an der Gemeinde, die wir nicht uns selbst, sondern Gott verdanken.“ Frieder Boller in der BRÜCKE 79 Seiten, kartoniert, ISBN 978-3-937896-34-2
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EDITION BIENENBERG
John Howard Yoder
Die Politik Jesu Platz 5 der 100 wichtigsten theologischen Bücher des 20. Jahrhunderts laut Christianity Today! „Yoders theologische Überlegungen haben das Ziel, das vorherrschende theologische Korsett zu sprengen und neu zu fragen, was Jesus für uns heute bedeutet. Er ermutigt, sich den Macht- und Strukturproblemen unserer Zeit aktiv zu stellen und das Evangelium nicht auf eine individualistisch verengte Auslegung zu reduzieren. Diese Gedanken haben eine ganze Generation von Christen weltweit beeinflusst, wie beispielsweise Ronald J. Sider, David Bosch, Samuel Escobar, Brian McLaren, Jim Wallis oder Shane Claiborne.“ Tobias Faix 325 Seiten, kartoniert, ISBN 978-3-937896-09-0 E-Book 978-3-86256-701-0
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Der Neufeld Verlag ist ein unabhängiger, inhabergeführter Verlag mit einem ambitionierten Programm. Wir möchten bewegen, inspirieren und unterhalten. Und wir haben eine Leidenschaft für … ... den Glauben. Wir glauben, dass es einen Gott gibt. Dass die Welt und jedes einzelne Leben kein Zufall ist. Es berührt uns, dass Gott diese Welt liebt. Und dass es möglich ist, dieser Liebe zu begegnen. Wir sind fasziniert von der Bibel, die uns motiviert, Gott zu vertrauen und Jesus Christus nachzufolgen. ... Persönlichkeiten. Dass die Bücher, die im Neufeld Verlag erscheinen, echt sind, dass sie etwas mitteilen vom wahren Leben, ist uns wichtig. Wir lieben Bücher, die mit »Ich« anfangen. Geschichten und Biografien von authentischen Persönlichkeiten finden wir spannend. Wir sind fasziniert von Menschen, die etwas zu sagen haben. Und das sind meistens Menschen, die etwas erlebt haben. ... Menschen mit Behinderung. Dünne Beine, dicke Lippen, große Füße, kleine Ohren, lange Nase, kurze Arme – wir Menschen sind nun mal verschieden. Und was unser Leben wertvoll macht und reich, was uns glücklich macht und zufrieden, hat nichts damit zu tun, was andere »normal« finden. Von Menschen mit sichtbaren Behinderungen, mit Beeinträchtigungen oder einem besonderen Bedarf an Unterstützung können wir eine Menge lernen. Zum Beispiel, was Mensch sein wirklich heißt. Zu sehen, was wirklich wichtig ist. Und das Leben anzunehmen. Auch wenn es ganz anders kommt. Bleiben Sie auf dem Laufenden: newsletter.neufeld-verlag.de www.facebook.com/NeufeldVerlag www.neufeld-verlag.de/blog
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