Sex.Liebe.Gott Jochen Wagner
EDITION WORTSCHATZ
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Sex.Liebe.Gott Jochen Wagner Geboren 1979 Verheiratet seit 2003 Theologiestudium 2000–2006 Dozent für Altes Testament 2006–2009 seit 2007 Pastor
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über www.d-nb.de abrufbar Lektorat: Achim Marshall Umschlaggestaltung: Deborah Simmer Satz: Manuela Gücker-Braun Herstellung: Edition Wortschatz, Schwarzenfeld E-Mail: info@edition-wortschatz.de © 2014 Jochen Wagner Eine erste, inzwischen vergriffene, Auflage dieses Buches erschien 2007 unter dem Titel „Sex. Wie kann ich meine Sexualität positiv gestalten?“ im Orkrist-Verlag. Die vorliegende Neuausgabe wurde überarbeitet und erweitert. Edition Wortschatz im Neufeld Verlag, Schwarzenfeld ISBN 978-3-943362-08-4, Bestell-Nummer 588 822 Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Autors www.edition-wortschatz.de
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für Anja
mJgGWNYTB hHBHA TMyYN_-HMW TJPJ_-HM Lied der Lieder 7,7
und du weißt ja: „We got married in a fever, hotter than a pepper sprout”
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Inhaltsverzeichnis Vorwort 7 1. Der Mensch als sexuelles Wesen
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2. Sex ist das Normalste auf der Welt!!!
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3. Alleinsein
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4. ICH!
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5. Liebe - Gefühl oder Entscheidung
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6. Sex & Ehe
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7. Warum überhaupt heiraten?
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8. Nur in deinem Kopf
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9. Nackte Haut. Vom Umgang mit Pornographie 45 10. Sexuelle Träume
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11. Selbstbefriedigung
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12. Jeder macht’s, wie er denkt
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13. Die Zwiespältigkeit der Sexualität
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14. Sex und die Bibel
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15. Redet!
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16. Ideal und Wirklichkeit
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17. Kurze Gedankenanstöße zur Partnersuche
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18. Sehnsucht
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19. Anmerkungen
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20. Literaturauswahl
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6. Sex & Ehe Die Frage, die sich hier gleich zu Beginn stellt: Wo fängt Sex an? Was heißt es, wenn uns in frommen Kreisen gesagt wird: „Kein Sex vor der Ehe!“ Darf man sich noch nicht einmal küssen oder darf man „nur“ nicht miteinander schlafen, alles andere ist aber erlaubt? Vieles bleibt also unklar. Der alte Satz „Kein Sex vor der Ehe“ ist also unkonkret und wenig hilfreich. Kurz gesagt, er ist schlicht unbrauchbar. Denn für jeden bedeutet er etwas anderes, und Genaueres sagt er nicht aus. Frei nach dem Motto: Kein Sex vor der Ehe; aber da keiner weiß, was das heißt, macht jeder, was er will. Wenn wir, wie bereits im vorigen Kapitel angedeutet, davon ausgehen, dass Gott sich die Sexualität ausgedacht und sie in uns hineingelegt hat, dann ist sie etwas Besonderes und Natürliches für uns Menschen. Deshalb halte ich Sex vor der Ehe auch für ganz normal, denn wir sind alle sexuelle Wesen. Sexualität gehört zu uns und ist nichts Schlechtes. Die Frage, die bestehen bleibt, ist vielmehr: Wie viel Sex vor der Ehe ist gut für mich? Was hebe ich mir lieber noch auf? Ab welchem Punkt in unserer Sexualität kann es bei 29
meinem Partner zu Verletzungen oder Wunden kommen, wenn die Beziehung auseinander gehen sollte? Sonst heißt es schnell in unseren Beziehungen: „Denn vor uns waren andere – und die verschwinden nie so ganz.“1 Was ist also eine gesunde Grenze? „...“ An diesem Punkt möchte ich mich einem Bekannten von mir anschließen, der eine gesunde Grenze im Bereich der Sexualität vor der Ehe so formulierte: „Fasse keine Körperteile an, die du selber nicht hast“. Natürlich wird es auch wieder ein paar spitzfindige Menschen geben, die sagen könnten, dass manche Männer mehr Brust haben als Frauen, aber ich denke, die Aussage ist verständlich. Dabei ist die Verantwortung mir selbst und dem Partner gegenüber der Leitgedanke, aus dem solch eine gesunde Grenze erarbeitet werden kann. Und sollte es dann in einer bestimmten Situation dazu kommen, dass man die selbst gesteckten Grenzen doch nicht einhält, ist dies kein Weltuntergang oder gar Sündenfall. Dann nimmt man sich diese Grenze erneut als Rahmen, innerhalb dessen man seine Beziehung in Zukunft wieder leben will. Des Weiteren muss man sich überlegen, ob man auch schon dazu bereit ist, für ein Kind Verantwortung zu übernehmen. Denn die Möglichkeit, dass die Frau schwanger wird, ist nie ganz ausgeschlossen (ich kenne z. B. „Tropis“ [= Trotz-Pille-Kinder]). Ein nicht geringer Prozentsatz von Mädels wird sogar schwanger, 30
14. Sex und die Bibel Für alle „Zeig-mir-wo-das-in-der-Bibel-steht“–Freunde noch einige Anmerkungen. Beim Thema Sex geht es nicht darum, Bibelverse als Beweise anzuführen. Vielmehr ist es wichtig, in biblischen Linien und Strukturen zu denken und zu fragen, wie Gott sich unser Menschsein gedacht hat. Begibt man sich mit dieser Perspektive auf den Weg in die Bibel, so ist als Erstes hervorzuheben, dass im Alten Testament die Liebesfreuden wie Essen und Trinken zu den Gaben Gottes gehören (Prediger 9,7–9). Die Sexualität gehört zur Persönlichkeit des Menschen; ohne sie wäre er kein Mensch. Der Gedanke, dass Sexualität die Beziehung zu Gott trüben oder sogar hindern könnte, wäre den Israeliten absurd vorgekommen.1 Vielmehr gilt selbstverständlich auch für die Sexualität das Wort: Gott sah alles an, was er geschaffen hatte, und sah: Es war alles sehr gut. (1.Mose 1,31a; Gute Nachricht). Zur positiven Bewertung der Sexualität möchte ich des Weiteren einige Stellen aus dem Lied der Lieder, dem Hohelied, zitieren: Hohelied 1,2: 2 Komm doch und küss mich! Deine Liebe berauscht mich mehr noch als Wein. 63
4,11a: 11 Wie Honig ist dein Mund, mein Schatz, wenn du mich küsst, und unter deiner Zunge ist süße Honigmilch. 4,12–5,1: Der Liebesgarten: ER: 12 Meine Braut ist ein Garten voll erlesener Pflanzen! An Granatapfelbäumen reifen köstliche Früchte. Herrlich duften die Rosen und die Blüten der Henna. Narde, Safran und Kalmus, alle Weihrauchgewächse, Zimt und Aloë, Myrrhe, alle Arten von Balsam sind im Garten zu finden. Eine Quelle entspringt dort mit kristallklarem Wasser, das vom Libanon herkommt. Aber noch sind mir Garten und Quelle verschlossen! SIE: 16 Kommt doch, ihr Winde, durchweht meinen Garten! Nordwind und Südwind, erweckt seine Düfte! Komm, mein Geliebter, betritt deinen Garten! Komm doch und iss seine köstlichen Früchte! ER: 1 Ich komm in den Garten, zu dir, meine Braut! Ich pflücke die Myrrhe, die würzigen Kräuter. Ich öffne die Wabe und esse den Honig. Ich trinke den Wein, ich trinke die Milch. Esst, Freunde, auch ihr, und trinkt euren Wein; berauscht euch an Liebe! 6,9a: 9 Meine Liebe gilt nur einer: meinem makellosen Täubchen! Sie ist ihrer Mutter Liebling, denn sie ist die einzige Tochter. 7,2–10a 2 Deine Füße sind zierlich in den Schuhen, du Fürstin! Und das Rund deiner Hüften ist das Werk eines Künstlers! 3 Einer Schale, der niemals edler Wein fehlen möge, gleicht dein Schoß, süßes Mädchen! Wie 64
ein Hügel von Weizen ist dein Leib, rund und golden und von Lilien umstanden. 4 Deine Brüste sind herzig wie zwei junge Gazellen. 5 Einem Elfenbeinturm gleich ist dein Hals, schlank und schimmernd. Deine Augen – zwei Teiche nah beim Tore von Heschbon. Deine Nase ist zierlich wie der Vorsprung des Wachtturms an dem Weg nach Damaskus. 6 Wie das Karmelgebirge ist dein Kopf, hoch und prächtig. Voller Glanz ist dein Haupthaar; in dem Netz deiner Locken liegt ein König gefangen. 7 Du bist schön wie keine andere, dich zu lieben macht mich glücklich! 8 Schlank wie eine Dattelpalme ist dein Wuchs, und deine Brüste gleichen ihren vollen Rispen. 9 Auf die Palme will ich steigen, ihre süßen Früchte pflücken, will mich freun an deinen Brüsten, welche reifen Trauben gleichen. Deinen Atem will ich trinken, der wie frische Äpfel duftet, 10a mich an deinem Mund berauschen, denn er schmeckt wie edler Wein ... 8,6b: Unüberwindlich ist der Tod: Niemand entrinnt ihm, keinen gibt er frei. Unüberwindlich – so ist auch die Liebe, und ihre Leidenschaft brennt wie ein Feuer. Zum Thema Ehe ist zunächst das Gebot: „Du sollst nicht ehebrechen“ 2.Mose 20,14; 5.Mose 5,18 zu nennen. Auch hier wird die Sexualität nicht negativ gesehen; vielmehr wird der Lebensraum der Ehe geschützt. Einige zentrale Aussagen zur alttestamentlichen Ehegesetzgebung finden sich in 2. Mose 22,15f und 5. Mose 22,13–29:2 65