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W OLFGANG H ÄDE

Für Necati – der »sein Leben nicht liebte bis zum Tod« und der jetzt in der Schar der Märtyrer vor dem Thron des allmächtigen Gottes steht

Mein Schwager – ein Märtyrer Die Geschichte des türkischen Christen Necati Aydin

NEUFELD VERLAG


Inhalt Anmerkungen

Mix

Produktgruppe aus vorbildlich bewirtschafteten Wäldern und Recyclingholz oder -fasern Zert.-Nr. SGS-COC-003091 www.fsc.org © 1996 Forest Stewardship Council

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über www.ddb.de abrufbar

NEUFELD VERLAG

Bibelzitate, soweit nicht anders angegeben, sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2003 by International Bible Society®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Verlages Umschlaggestaltung: spoon design, Olaf Johannson Umschlagbilder: Wolfgang Häde/© ShutterStock® Bilder im Innenteil: Wolfgang Häde/Privat Lektorat: Nicole Schenderlein, Dornum Satz: David Neufeld, Schwarzenfeld Herstellung: Bercker Graphischer Betrieb GmbH & Co. KG, Kevelaer

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Vorwort

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Der 18. April 2007

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Typisch türkisch?

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Ein ernsthafter Muslim

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Eine unerschrockene Botin Jesu

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Bedingungslose Liebe und Vergebung

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Zwei Wassermelonen unter einem Arm

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Beginn der Liebe und der Leiden

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Ernste Krise und endgültige Entscheidung

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Himmlischer Vater, richte du unsere Hochzeit aus!

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Eine neue Familie

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Auf der Bühne des Lebens

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Dreißig Tage Gefängnis

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Umzug in unbekanntes Gebiet

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Ugur

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Malatya

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Göttliche Kettenreaktion

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Saat und Ernte des Unheils

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© 2009 Neufeld Verlag Schwarzenfeld ISBN 978-3-937896-81-6, Bestell-Nummer 588 781

Größere Verantwortung

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»Müssen wir erst noch mehr leiden?«

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Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlages

Treu bis zum Tod

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»Ich vergebe!«

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www.neufeld-verlag.de

Bringt Verfolgung Erweckung?

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Verantwortung der Christen in Deutschland

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Zum Schluss

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Anmerkungen Hinweis zu den Namen

Zum Schutz mancher Personen wurden ihre Namen geändert. Die türkischen Namen und Orte wurden im Buch nicht in Umschrift, sondern in der Originalschreibweise wiedergeben – abgesehen von den im deutschen Alphabet fehlenden türkischen Buchstaben. Hinweis zur Aussprache

Der Name Necati Aydin wird etwa wie »Nedschati Aiden« – stimmhaftes »dsch« wie im englischen Namen »John« – ausgesprochen, der Name »Semse« etwa wie »Schemsa«. Bei »Ugur« wird das »g« nicht gesprochen, er wird etwa betont wie ein gedehntes »Uur«. Der Name von Necatis und Semses Sohn Elisa Günes wird Elischa Günesch ausgesprochen.

Vorwort

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hristen in Deutschland sind heute wahrscheinlich über den Verdacht erhaben, sich zu sehr nach Leiden zu sehnen. Messbarer Erfolg und möglichst reibungslose Befriedigung der Bedürfnisse scheinen auch für das geistliche Leben die Messlatte zu sein. Gleichzeitig bemerke ich jedoch so etwas wie eine Sehnsucht nach Märtyrern. Menschen wie Dietrich Bonhoeffer oder Martin Luther King wird eine große Achtung entgegengebracht. Ich bin überzeugt, dass sich Menschen in Deutschland Visionen und Ziele wünschen, für die es sich lohnt, zu leben und zu sterben – und Vorbilder, die darüber nicht nur philosophieren, sondern das auch praktizieren. Wir brauchen Märtyrer! Im Jahr 2007 haben drei Männer ihr Leben hingegeben – ganz eindeutig als Christen. Sie waren treu bis zum letzten Atemzug. Ihr Tod zog die Linien ihres Lebens weiter, selbst in der Art des Todes ähnelten sie »Opferlämmern«. Sie waren authentische Nachfolger ihres Herrn Jesus Christus. Ich war in diesem Geschehen mittendrin; die Mörder wollten eigentlich auch mich töten, und einer der Männer war mein Verwandter, der türkische Pastor Necati Aydin: Mein Schwager – ein Märtyrer. Wolfgang Häde

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Der 18. April 2007

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ieses Datum werde ich vermutlich mein Leben lang nicht vergessen können. Gerade ist in Kadiköy, dem antiken Ort Chalcedon, der heute ein Stadtteil der türkischen 12Millionen-Metropole Istanbul ist, eine Besprechung mit anderen Pastoren zu Ende gegangen. Ich habe ein Ticket gekauft, um per Überlandbus die 75-minütige Rückreise nach Izmit anzutreten. Dort wirke ich mit meiner Frau Janet und unserer knapp 9-jährigen Tochter Debora seit über fünf Jahren beim Aufbau einer evangelischen türkischen Gemeinde mit. Ich rufe Janet an, damit sie weiß, wann ich zu Hause sein werde: »Wolfgang, gerade habe ich mit Semse gesprochen. Es hat einen Überfall auf Necatis Büro im christlichen Zirve-Verlag in Malatya gegeben. Sie weiß noch nichts Genaues«, erklärt sie mir. Sofort versuche ich, Necati anzurufen. Er ist der Mann von Semse, der jüngeren Schwester meiner Frau, und Pastor einer kleinen evangelischen Gemeinde in Malatya, im Osten der Türkei. Ich bekomme keine Antwort von seinem Handy. Aber ich habe noch zwei weitere Handynummern von Necati gespeichert. Als ich sie wähle, klingelt jeweils das Telefon. Dass niemand abnimmt, weckt schlimme Befürchtungen in mir. Ich rufe Semse an. Sie klingt erstaunlich ruhig: »Über Umwege wurde ich informiert, dass auf das Büro des Zirve-Verlags geschossen wurde. Ich habe jetzt das Fernsehen an. Wir müssen einfach beten!« Ich muss in den Bus einsteigen. Dann überschlagen sich die Meldungen. Christen aus Istanbul rufen mich an: David meldet sich, ein amerikanischer Missionar, dann Sara, die Frau eines Pastors aus Istanbul, dann Caner, ein türkischer Bruder. Jeder gibt mir die Information weiter, die gerade eine der vielen Fernsehstationen

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über den Bildschirm laufen lässt: »Vier Christen sind ermordet worden!« »Wahrscheinlich ist Necati dabei!« »Eine gute Nachricht: Gerade hat ein Fernsehsender vier andere Namen durchgegeben!« »Einer der Toten gehörte zu den Mördern!« »Es tut mir sehr leid, es hat sich jetzt doch bestätigt, dass Necati dabei war.« Eigentlich ist es verboten, während der Fahrt zu telefonieren. Der Reisebegleiter im Bus scheint aber zu merken, dass etwas Außergewöhnliches vor sich geht. Er lässt mich gewähren. Ich fühle mich wie in eine ganz andere Wirklichkeit versetzt. Meine erste Reaktion auf die so erschreckenden Anrufe: »Isa‘nin adi yüceltilsin! – Der Name von Jesus werde erhöht!« Als ich zu Hause in Izmit ankomme, haben sich schon Glaubensgeschwister aus unserer kleinen Gemeinde in unserer Wohnung eingefunden. Für Türken ist es selbstverständlich, bei einem Todesfall sofort zum Haus des Verwandten oder nahen Bekannten zu eilen, um Trost zu spenden, ihn nicht alleine zu lassen, bei praktischen Verrichtungen zu helfen, einfach da zu sein. Ich bin in diesem Moment dankbar für diesen Bestandteil der orientalischen Kultur. Die groben Fakten der schrecklichen Ereignisse sind mittlerweile zur Gewissheit geworden. Mehr Einzelheiten erfahren wir in den kommenden Stunden und Tagen: Am Vormittag des 18. April kommen zwei junge türkische Männer in das Büro des Zirve-Verlags: Emre Günaydin und Abuzer Yildirim. Wie schon ein paar Mal in den Wochen zuvor möchten die Männer sich angeblich über den christlichen Glauben informieren. Necati will die Gelegenheit nutzen, um ihnen von Jesus zu erzählen, obwohl er seiner Frau vorher gesagt hat, er halte das Interesse der Männer für nicht sehr aufrichtig. Dass sie jetzt zwei große Messer und eine Schreckschusspistole bei sich haben, weiß Necati nicht.

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Außer Necati ist auch Tilmann Geske im Büro, ein deutscher Christ, der seit Jahren in der Türkei wohnt und nun neben seiner beruflichen Tätigkeit als Englischlehrer in der von Necati geleiteten evangelischen Gemeinde von Malatya mitarbeitet. Ugur Yüksel kommt dazu. Seine Heimat ist die Nachbarstadt Elazig. Seit gut einem Jahr ist auch er Mitarbeiter im Zirve-Verlag. Wie es zur türkischen Gastfreundschaft gehört, wird Tee angeboten. Nach kurzem Gespräch klingelt es an der Tür. Emre erklärt, dass gerne noch drei weitere Freunde bei der Diskussion dabei sein wollen. Dann stehen auch Hamit Ceker, Cuma Özdemir und Salih Gürler den drei Christen gegenüber. Mitgebracht haben sie, in Plastikbeuteln versteckt, drei weitere große Messer, ausreichend Wäscheleine und Plastikhandschuhe, außerdem noch zwei Schreckschusspistolen, die selbst von Experten auf den ersten Blick schwer von einer scharfen Waffe zu unterscheiden sind. Der genaue Hergang des Massakers, das dann folgt, ist bis heute nicht eindeutig zu rekonstruieren. Die Mörder versuchen später vor Gericht, sich die Hauptschuld gegenseitig zuzuschieben, und geben daher widersprüchliche Aussagen zu Protokoll. In groben Umrissen sieht der Tathergang aber so aus: Die jungen Männer bedrohen Necati, Ugur und Tilmann mit der Pistole und den Messern. Dann werden alle drei an Armen und Beinen gefesselt und mit dem Gesicht nach unten auf den Boden des Büros geworfen. Die drei Christen werden beschimpft, »verhört«, wahrscheinlich auch dazu gedrängt, ihren Glauben zu widerrufen. Als später der Richter einen Mörder danach fragt, ob die Opfer denn gar nichts erwidert hätten, wird aktenkundig, wie erstaunlich ruhig die drei selbst angesichts des Todes gewesen sein müssen. Aktenkundig wird auch, dass Ugur »Christus!« gerufen habe, als seine Brüder ermordet wurden. Einer der Mörder versucht, Necati mit der Wäscheleine zu erdrosseln. Als Semse später davon erfährt, ruft das bei ihr besonderes Entsetzen hervor: Eine der größten Ängste von Necati sei Zeit seines Lebens die Angst vor engen Räumen und Atemnot gewesen.

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Alle drei werden dann mit Messerstichen und Fußtritten am ganzen Körper gefoltert. Die gerichtlichen Autopsieberichte sprechen später von Würgespuren sowie sechs Messerstichen und -schnitten bei Necati, sechzehn Messerstichen und -schnitten bei Tilmann und vierzehn bei Ugur. Die Mörder vollenden ihre grausame Tat, indem sie ihren Opfern von hinten – auf ihnen kniend – die Halsschlagadern durchschneiden und sie verbluten lassen. Ugur ist an der Reihe, als die Polizei schon naht. Trotz der Transfusion von fünfzig Bluteinheiten stirbt er im Krankenhaus gegen 18 Uhr 30 an seinen Verletzungen. Gökhan, ein türkischer Praktikant in der Gemeinde Malatya, und seine Frau Özge sind kurz vor 13 Uhr zum Büro des Verlages gekommen. Als Gökhan merkt, dass die Bürotür verschlossen ist und der Schlüssel von innen steckt, versucht er, seine Glaubensbrüder per Handy zu erreichen. Necati und Tilmann können nicht mehr antworten. Sie sind bereits tot. Ugur sagt auf Druck der Mörder ins Telefon: »Wir sind im Hotel ›Goldene Aprikose‹ zu einer Versammlung. Du kannst uns dort treffen.« In diesem Hotel hatten sie vor zehn Tagen in einem gemieteten Raum Ostern gefeiert. Aber was sollten die Männer jetzt dort zu tun haben? Ugurs Stimme klingt zu ungewöhnlich und gequält: Gökhan ruft die Polizei. Beim Versuch, der Polizei zu entkommen, stürzt Emre Günaydin, der Haupttäter, vom Balkon der dritten Etage. Er ist der vierte, anfangs als tot gemeldete Mann. Er erleidet schwere Verletzungen und ist erst nach Wochen vernehmungsfähig. Die vier anderen Mörder werden am Tatort verhaftet. Polizisten tragen Necati und Tilmann tot in schwarzen Tüchern aus dem Haus. Das Bild des verblutenden Ugur, der noch seine Hand hebt, um auf seine schlimmsten Wunden zu zeigen, geht um die Welt. Klar ist die Motivation der Mörder: Sie sahen im »Missionarswesen« eine Gefahr für ihre Religion und ihr Land und wollten dem Einhalt gebieten. Wären sie nicht auf frischer Tat ertappt worden, so sagen sie später aus, dann wären sie noch nach Izmit in der Westtürkei gereist. Dort wollten sie auch Pastor Wolfgang,

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den Schwager von Necati Aydin, aus dem Weg räumen, und damit »dem Missionarswesen zwei Beine brechen«. Pastor Wolfgang – das bin ich. Am nächsten Tag fliegen wir nach Malatya in den Osten der Türkei. Eine Busreise würde rund vierzehn Stunden dauern. In der Wohnung meiner Schwägerin Semse haben sich schon Christen aus verschiedenen Orten der Türkei versammelt, um die Witwen und die kleine christliche Gemeinde dort zu unterstützen. Dazu kommen immer wieder Reporter von Zeitung und Fernsehen. Die Malatyamorde sind zum Medienereignis geworden. Die Tage bis zur Beerdigung von Necati am 21. April sind voll von bewegenden und erschütternden Eindrücken: Für Tilmann, der auf Wunsch seiner Familie am Freitag in Malatya begraben werden soll, finden sich anfangs keine Totengräber. Am Freitag, dem muslimischen Feiertag, einen Christen zu begraben, scheint nicht angemessen zu sein. Christen, die aus anderen Städten herbeigereist sind, beginnen schließlich, selbst ein Grab in den harten Boden zu graben. Der älteste Bruder Necatis kommt aus Izmir hergereist. Statt aber lediglich sein Mitgefühl auszudrücken, verlangt er im Namen der ganzen Familie die Leiche seines Bruders, um sie nach islamischem Ritus zu begraben. Semse lehnt das natürlich ab. Schließlich ist Necatis Sarg, der zur Beerdigung nach Izmir gebracht werden soll, zu groß, um durch die Röntgenkontrolle am Flughafen geschoben zu werden. Auf penetrante Weise wollen die Verantwortlichen keine Abstriche an den Sicherheitsvorschriften machen. Ein Christ, der dabei steht, bemerkt bitter: »Nicht nur vor den Lebenden haben sie Angst, sondern sogar vor den Toten.« Für mich sind der 18. April und die folgenden Tage von ganz eigenartigen Gefühlen geprägt. Bitterer Schmerz begleitet den Abschied von meinem geliebten Schwager. Gleichzeitig fühle ich mich dem Himmel besonders nah. In diesen Tagen bleibt sozusagen die Zeit stehen und ein kleiner Blick in eine andere Welt wird gewährt, in die Welt Gottes, in der andere Maßstäbe und andere Werte gelten: Drei Leben wurden »im blühenden Alter« auf brutale Weise aus-

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Necatis Beerdigung.

gelöscht – aber aus Gottes Sicht war das kein Auslöschen, sondern ein Erhöhen in die Herrlichkeit. Scheinbar sinnlos wurden sie abgeschlachtet – aber wie das unschuldig vergossene Blut Jesu der Welt Rettung brachte, so wird das Blut dieser Männer nach einem bekannten Zitat des Kirchenvaters Tertullian »Same der Gemeinde Jesu« in der Türkei sein. Die Mörder scheinen es geschafft zu haben, die großen Möglichkeiten zum wirkungsvollen Dienst für Jesus, die Necati als einer der noch so wenigen hingegebenen Christen in der Türkei und als ein Leiter mit großem Potential für die Zukunft hatte, einfach zunichtezumachen – aber das »Weizenkorn, das in die Erde fiel und starb« (nach Johannes 12,24), wird gerade durch den Tod weit mehr geistliche Frucht bringen, als es selbst durch weitere dreißig oder vierzig Jahre evangelistischen und pastoralen Einsatzes möglich gewesen wäre.

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