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Heinrich Christian Rust Beten 7 GrĂźnde, warum ich es tue


Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar Bibelzitate, soweit nicht anders angegeben, wurden der Gute Nachricht Bibel (Revidierte Fassung der »Bibel in heutigem Deutsch«, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung) entnommen. © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart Umschlaggestaltung: Olaf Johannson, Langgöns Satz: David Neufeld, Schwarzenfeld Herstellung: AALEXX Druck GmbH, Großburgwedel © 2006 Neufeld Verlag Schwarzenfeld ISBN 10: 3-937896-31-7 ISBN 13: 978-3-937896-31-1 Bestell-Nummer 588 631 In Kooperation mit dem Born-Verlag Kassel ISBN 10: 3-87092-425-X ISBN 13: 978-3-87092-425-6 Bestell-Nummer 182 425 Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlages www.neufeld-verlag.de

Heinrich Christian Rust

Beten 7 Gründe, warum ich es tue


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Warum ...?

Inhalt Vorwort

»Wir haben viel Know-how, aber wenig Know-why.« Roger Willemsen In dieser Buchreihe nehmen wir die WarumFrage wörtlich und geben Antwort. Warum beten wir eigentlich? (Und in den bisher zwei anderen Bänden: Warum lohnt es sich, Jesus Christus nachzufolgen? Und warum macht es Sinn, in der Bibel zu lesen?) Fundiert und mit überzeugenden Argumenten werben Autoren, die das leben, wovon sie schreiben, darum, die Warum-Frage selbst zum ersten Mal oder ganz neu zu beantworten. Egal, ob Sie zu diesem Thema mehr Fragen als Antworten haben oder sich schon lange mit dem Beten beschäftigen: Wir sind sicher, dass Sie vom Inhalt der folgenden Seiten profitieren werden!

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1. Weil ich Gott dankbar bin

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2. Weil ich bedürftig bin

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3. Weil andere bedürftig sind

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4. Weil ich Gott anbeten will

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5. Weil ich auf Gott hören will

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6. Weil ich dadurch gestärkt werde

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7. Weil ich Gott liebe

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Zum Autor

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Buchempfehlungen

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Beten


Vorwort

!?

Vorwort

»Haben Sie schon einmal gebetet?« Ich habe noch keinen Menschen getroffen, der diese Frage mit »nein« beantwortet. Vielmehr eröffnet sich zumeist ein vielfältiger und interessanter Dialog. Die meisten Leute beten, wenn sie in eine besondere Notsituation geraten. Sie bitten Gott, oder »den da oben, wenn es ihn denn gibt«, um Hilfe. Manchmal bleibt dann die erhoffte Hilfe aus und der Gebetsfrust setzt sich tief in die Seele. Dabei ist nicht nur die Tatsache schwer zu verkraften, dass das eigene Gebet so kraftlos und ohne Wirkung war, sondern hinzu kommen Zweifel, ob es überhaupt einen Gott gibt, der auf persönliche Anliegen hören könnte. Innerlich landen viele bei dem Entschluss: »Mit Gott bin ich fertig! – Wenn er sich nicht um mich küm6

mert, dann kümmere ich mich auch nicht um ihn. Wenn es einen Gott der Liebe gibt, dann bin ich ihm noch nicht begegnet!« – Wenn ich dann von meinen persönlichen Erfahrungen mit diesem liebenden Gott spreche oder sogar von einigen Gebetserfahrungen erzähle, die ich gemacht habe, so schmerzt die aufgerissene Wunde bei denjenigen, die solche Erfahrungen nicht gemacht haben, um so stärker. Nun ist es ohne Zweifel so, dass wohl jeder Mensch dieser Erde irgendwann einmal betet, ein Stoßgebet »zum Himmel« schreit oder irgendwie zumindest in Gedanken so etwas wie ein Gebet formuliert. Die Vorstellungen darüber, wie dieses göttliche Gegenüber denn nun aussieht, welches Wesen es hat oder ob es ein an mir persönlich interessierter Gott ist, sind allerdings sehr unterschiedlich. Es gibt ernsthafte Muslime oder auch Buddhisten, die ihr Gebetsgegenüber völlig anders sehen als ich. Als Christ bete ich zu dem einen, lebendigen Gott der Bibel. Er ist der Schöpfer des Himmels und der Erde. Er ist der Gott, der mit dem Volk Israel in dieser Welt Geschichte schreibt. Die vielen biblischen Berichte und Gebete sprechen davon, dass er ein Gott ist, der Wunder tut, der 7


Warum ich bete

eingreift in unser Leben. Es ist der Gott, der seine ganze Liebe nicht nur diesem auserwählten Volk der Juden zuteil werden lässt, sondern der seine Hand im Kommen von Jesus Christus zu allen Menschen ausgestreckt hat. Jesus hat die unendliche Distanz durchbrochen, die der Mensch durch seine Rebellion und Sünde gegen Gott aufgebaut hat. Jesus Christus ist derjenige, der uns Gehör bei dem lebendigen Gott verschafft. Wenn ich bete, dann bete ich nicht zu einem höheren, unbekannten Wesen, sondern ich bete zu diesem Gott der Bibel. Ich finde Zugang zu ihm, der sich als ein fürsorgender Vater, als eine erlösende und befreiende Autorität im Sohn Jesus Christus und als ein tröstender und unterstützender Geist gezeigt hat. So habe ich ihn erfahren. Gerne möchte ich Sie einladen, zu diesem Gott der Bibel zu beten. Sie werden dabei Erstaunliches erleben. Es ist meine Erfahrung, dass es dabei gar nicht so sehr auf die richtigen Worte oder Formen ankommt, sondern auf die innere Einstellung. Man muss nicht perfekt sein, um zu Gott beten zu können. Stellen Sie sich nur vor, Sie können mit dem, der alle Autorität dieser Erde übertrifft, mit dem, der Ihnen das Leben gege8

Vorwort

ben und ermöglicht hat, so reden und kommunizieren wie mit einem guten Freund! Was kann es da eigentlich noch Größeres geben? Ich bin zunehmend der Überzeugung, dass das Gebet die mächtigste Kraft ist, die wir Menschen auf dieser Erde haben. Gerne möchte ich Ihnen auf den folgenden Seiten beschreiben, warum ich so gerne bete und wie wichtig mir das Gebet ist. Heinrich Christian Rust

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1. Weil ich Gott dankbar bin

Weil ich Gott dankbar bin

1.

Hört nicht auf zu danken für das, was Gott euch geschenkt hat. Kolosser 2,7

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enn ich überlege, warum ich bete, so ist einer meiner hauptsächlichen Beweggründe, dass ich Gott danke sagen möchte. Es ist mir nicht etwa eine mühselige Pflichtübung, auf die ich des Öfteren verzichte. Sondern das Danken ist zu einem festen Bestandteil meines Gebetslebens geworden. Im Danken finde ich schneller zu Gott als im Bitten. Viele Menschen betrachten »beten« und »bitten« als Synonyme für ein und dieselbe Sache. Die Bibel zeigt uns jedoch ein viel weiteres Spektrum des Gebets auf. Auffallend ist dabei, dass das Dankgebet anscheinend wie ein guter Rahmen ist, in 10

dem der Beter seine Anbetung oder auch seine Bitte oder Fürbitte vortragen kann. So heißt es in Psalm 100,4: Geht durch die Tempeltore mit einem Danklied ... Ebenso finden wir die neutestamentliche Aufforderung: Macht euch keine Sorgen, sondern wendet euch in jeder Lage an Gott und bringt eure Bitten vor ihn. Tut es mit Dank für das, was er euch geschenkt hat (Philipper 4,6). Das Dankgebet ist wie ein Schuhlöffel auf dem Weg zu Gott. Dabei gibt es eine auffallende psychologische Nebenwirkung: Danken stimmt mich innerlich positiv und nimmt mir die erdrückenden Gedanken der Sorge erst einmal von meiner Seele. Das ist auch verständlich, denn während ich im Bittgebet immer die Defizite thematisiere, habe ich im Dankgebet das vor Augen, was Gott getan hat oder tun kann. Ich bin nicht in der Rolle des Opfers oder des Bedürftigen, sondern des Empfangenden. Diese innere Position bringt Freude in mein Leben und macht gelassen. Früher sagte man: »Danken schützt vor Wanken!« – Ich behaupte, dass Menschen, die viel Dank zu Gott bringen, leichter durchs Leben kommen als jene, die sich immer nur auf das Bittgebet konzentrieren. Dabei kann die dauerhafte Praxis des Dankgebetes sich zu einer positiven, ja 11


Warum ich bete

vielleicht sogar optimistischen Lebenshaltung entwickeln. Ich selber habe diese Grundhaltung meinen Eltern zu verdanken, die mir von klein auf das Danken beigebracht haben. Nicht etwa in dem Stil, wie man Kinder oftmals zurechtweist: »Und, was sagt man da?!« Oder in den Zeiten meiner Kindheit: »Mach einen Diener!« – Nein, so habe ich es nicht gelernt.

Ich denke besonders an meine Mutter. Objektiv gesehen hatte sie kein ganz einfaches Leben. Als junges Mädchen wurde sie mit ihrer Familie während des 2. Weltkrieges in Hamburg ausgebombt. Mit 19 Jahren heiratete sie meinen Vater und zog in ein niedersächsisches kleines Dorf. In kürzester Zeit schenkte sie uns vier Kindern das Leben, dazwischen gab es noch eine Fehlgeburt. Als mein Vater arbeitslos war, machte sie sich selbstständig und eröffnete ein Lebensmittelgeschäft in unserem Dorf. Ein Leben voller Arbeit und Mühe nahm seinen Lauf. Der Tag begann morgens um 5.00 Uhr und endete für sie oft erst gegen 23.00 Uhr. Der große Haushalt lief parallel zum Geschäft. Zudem war sie engagierte Christin und aktiv in unserer klei12

1. Weil ich Gott dankbar bin

nen Baptistengemeinde in der nahegelegenen Stadt. Über all die Jahre litt sie an Krampfadern, und zwar an offenen Beinen. Ich kann mich erinnern, dass sie oft mit zusammengekniffenen Lippen hinter dem Einkaufstresen stand und ihr Schmerzenstränen über das Gesicht kullerten. Mit 65 Jahren starb sie an einem Herzinfarkt. Wie sich herausstellte, war es nicht der erste in ihrem Leben gewesen. Obwohl sie wirklich allen Grund gehabt hätte, unzufrieden zu sein, imponierte sie uns mit ihrer dankbaren Fröhlichkeit. Es gab wohl keinen Tag, an dem sie nicht Dank- und Loblieder durch unser großes Treppenhaus schmetterte oder bei der spätabendlichen Hausarbeit mit uns Kindern sang. Ich höre ihr Beten noch heute wie eine Art Glockenklang: »Ich danke dir, Herr ... Ich danke dir, Herr!« Erstaunlich, für was man alles dankbar sein konnte! Das fing bei den so genannten Kleinigkeiten des Lebens an bis hin zu den großen Lebenszusammenhängen. Wenn es wirklich sehr schwer war, konzentrierte sich der Dank auf die Möglichkeiten, die Gott hat, um uns zu helfen: »Herr, du siehst unsere Not, aber wir danken dir, dass du die Kraft hast, uns zu helfen!« 13


Warum ich bete

Von meinen Eltern lernte ich auch den Grundsatz: »Danken hat zuerst mit Nachdenken zu tun!« – Wer Gott dankt, der muss sich ja zunächst einmal bewusst werden, wofür er denn nun eigentlich danken kann. Gerade an den düsteren und tristen Tagen meines Lebens nehme ich mir zunächst ein Blatt Papier und einen Stift und dann schreibe ich in Stichworten auf, wofür ich Gott danke. Ich beginne dabei meist bei mir persönlich. Ich danke Gott dafür, dass ich lebe und dass ich in dieser herausfordernden Zeit leben darf. Ich danke Gott für meine Kindheit und Jugendzeit, für die Möglichkeit der Ausbildung und dafür, dass ich Arbeit habe. Ich danke Gott für meinen Körper, für Gesundheit oder auch für die Medikamente und Ärzte, durch die er mir helfen kann. Ich danke Gott für meine Stärken, für das, von dem ich glaube, dass ich es gut kann. Ich danke ihm aber auch für meine Schwächen, weil sie mich vor Hochmut bewahren können. In einem weiteren Gedankengang denke ich über die Beziehungen nach, in denen ich lebe: Ich danke Gott für meine Ehefrau Christiane, für ihre Geduld mit mir und für ihre Liebe zu mir und zu unseren Kindern. Ich danke Gott für unsere drei gesunden Kinder und dafür, dass sie 14

1. Weil ich Gott dankbar bin

eine gute Ausbildung wahrnehmen können. Ich danke Gott für unsere Eltern und Großeltern, die sich mit uns so viel Mühe gemacht haben und die uns nach bestem Wissen und Gewissen begleitet haben. Ich danke Gott für meine Geschwister und für die weiteren Familienangehörigen. Sodann gehen meine Gedanken in weitere Lebenszusammenhänge: Ich danke Gott für meine Arbeitskollegen, für meine Freunde und für jene, denen ich ein Freund sein kann. Ich danke Gott für die Menschen, die Verantwortung übernommen haben, damit das Zusammenleben in unserem Land gelingt: Ich danke für die Menschen in der Regierung und Opposition unserer Parlamente und dafür, dass ich zu einer Generation gehöre, die noch niemals einen Krieg im eigenen Land miterleben musste. Ich danke Gott für alle Versorgung, für die Infrastruktur in unserem Land, für die Kultur, in der ich mein Leben genießen darf. Ich danke Gott, dass ich noch niemals über längere Zeit hungern oder dürsten musste, dass ich mehr als genug zum anziehen habe und dass ich ein Dach über dem Kopf habe. Wie oft schlafe ich mit diesem Gedanken ein – und schlafe dann hervorragend! 15


Warum ich bete

Vor allen Dingen danke ich Gott aber für Jesus Christus und dafür, dass ich durch ihn Vergebung all meiner Schuld und Sünde fand und finde, und dass ich in ihm ein neues Leben empfangen habe. Das ist wohl das größte Geschenk meines Lebens. Ich freue mich und bin dankbar, dass ich mit vielen anderen Christen auf diese Weise verbunden bin. Ich danke Gott, dass ich in einer christlichen Gemeinde Gottesdienste feiern darf und Menschen habe, mit denen gemeinsam ich Jesus nachfolge. Mein Dankgebet formuliere ich auf möglichst vielfältige Weise. Manchmal geht es mir dabei so wie jemandem, der sich Gedanken darüber macht, wie er einen anderen durch ein Geschenk erfreuen kann. Ich weiß: Gott freut sich über jeden Dank. Ich singe gerne. Ich bin viel mit dem Auto unterwegs, und während der Fahrten singe ich Gott häufig Dank- und Loblieder. Manchmal habe ich mich auch schon hingesetzt und so etwas wie einen Psalm oder ein Gedicht verfasst, ein schriftliches Gebet, in dem ich meine Dankbarkeit Gott gegenüber zum Ausdruck bringe. Besonders freue ich mich, wenn ich Gott auch dadurch danken kann, indem ich ihm ein finanzielles Dankopfer bringen kann. Die Bibel berichtet uns von dem Segen, der darin liegt (»Habt 16

1. Weil ich Gott dankbar bin

keine Sorge, dass ihr dann selber in Not kommt! Stellt mich auf die Probe«, sagt der Herr, der Herrscher der Welt, »macht den Versuch, ob ich dann nicht die Fenster des Himmels öffne und euch mit Segen überschütte!« Maleachi 3,10). Es bereitet mir große Freude, Gott zu danken!

Manchmal nehme ich mir ganz bewusst im Laufe eines Tages Zeiten heraus, in denen ich ausschließlich Gott danke. Diese Momente sind dann wie »Dankinseln« mitten im Alltag. Ich atme auf und freue mich an dem, was Gott mir alles geschenkt hat. »Danken schützt vor Wanken!«, da ist etwas Wahres dran! Und eine »Dankinsel« im Laufe des Alltags würde Ihnen auch gut tun, oder? Probieren Sie es doch einfach einmal aus ...

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2. Weil ich bedürftig bin

Weil ich bedürftig bin

2.

Bittet und ihr werdet bekommen! Matthäus 7,7

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indeutiger kann Jesus wohl kaum zum Ausdruck bringen, dass unser Glaube davon geprägt sein darf und soll, dass wir im Gebet als Bittende zu Gott kommen. Und obendrein ist diese Aufforderung auch noch mit einer sehr klaren Zusage verbunden. Der Gott, der uns in der Bibel begegnet, ist kein knauseriger Herrscher, der aus seiner Fülle nur ungern etwas abgibt oder weitergibt. Ganz im Gegenteil: Gott beschenkt Menschen sogar, ohne dass sie ihn darum bitten, und er gibt uns über das Maß unseres Bittens und Verstehens hinaus (Gott kann unendlich viel mehr an uns tun, als wir jemals von ihm erbitten oder uns ausdenken können, Epheser 3,20). 18

Manchmal fragt man sich allerdings schon, warum Gott uns im biblischen Wort überhaupt auffordert, mit Bitten zu ihm zu kommen. In der Bergpredigt betont Jesus ja, dass Euer Vater weiß, was ihr braucht, bevor ihr ihn bittet (Matthäus 6,8). Wenn Gott ohnehin Bescheid weiß und wenn er ohnehin souverän in seinem Handeln ist, warum sollte er dann um etwas gebeten werden? Hier leuchtet etwas von der Menschenliebe Gottes auf. Der Gott der Bibel ist eben nicht vergleichbar mit der islamischen Vorstellung von Gott. Hier kann ein Mensch sich nur unter den Willen Allahs beugen. Das Evangelium von Jesus Christus macht sehr klar, was wir schon im Alten Testament finden: Gott möchte mit uns über unsere Bedürfnisse sprechen. Er möchte, dass wir ihm unsere Not klagen und unser Herz vor ihm ausschütten. Er möchte auch, dass wir das inständig tun, ja, dass wir in tiefer Not sogar zu ihm schreien. Darin werde ich mir auch meiner eigenen Bedürftigkeit und Abhängigkeit von Gott bewusst. Bitten bedeutet immer auch mit leeren Händen vor Gott stehen. Im Bittgebet geht es nicht darum, dass ich Gott über meine Bedürftigkeit »informiere«, sondern dass ich mir im Ausspre19


Warum ich bete

chen darüber klar werde: Meine Hilfe kommt von dem Herrn! Er will, dass ich ihn bitte. Schon der Psalmist Asaf weiß sich von Gott dazu aufgefordert, wenn er schreibt: Bist du in Not, so rufe mich zu Hilfe! Ich werde dir helfen und du wirst mich preisen (Psalm 50,15). Diese Bibelstelle wird auch als »Telefonnummer« Gottes bezeichnet. Ja, es ist wirklich so, wir dürfen und sollen mit unserer existenziellen Not zu Gott kommen. Das wiederum bedeutet jedoch nicht, dass er nur für die großen Sachen im Leben zuständig wäre. Vielmehr wird deutlich, dass wir mit allen Anliegen zu Gott kommen sollen: Macht euch keine Sorgen, sondern wendet euch in jeder Lage an Gott und bringt eure Bitten vor ihn (Philipper 4,6 a). Keine Bitte kann so unbedeutend sein, dass sie nicht Gott gegenüber ausgesprochen werden kann. Kein Flehen kann so groß sein, dass Gott es nicht erhören könnte. Nun stellt sich die Frage, ob Gott alle meine Bitten erhört. Die oben zitierte Aussage Jesu könnte man ja so deuten. Sicher hört Gott alle meine Bitten, aber er erhört sie nicht immer so, wie ich mir das vorstelle. Gott erfüllt alle seine Verheißungen, aber nicht alle meine Wünsche! 20

2. Weil ich bedürftig bin

Deshalb finden wir in den weiteren Aussagen Jesu über das bittende Gebet häufig den Zusatz, dass wir »im Namen Jesu« beten sollen. Damit ist nicht etwa gemeint, dass wir schlicht und einfach die Worte »im Namen Jesu« hinzufügen, nachdem wir Gott unsere ganzen Bitten und Wünsche vorgetragen haben. Etwas »im Namen Jesu« zu erbitten, das bedeutet, dass ich vollkommen in seinem Willen, in seinem Wesen und in seiner Absicht bete und bitte. Das allerdings ist ja gar nicht so einfach zu erkennen. Oft nehme ich mir deshalb auch Zeit, bevor ich mit meinen Bitten Gott bestürme, und bin erst einmal ruhig. Ich stelle mir dann die Frage, aus welcher Motivation heraus ich meine Bitte vortragen möchte. Mir ist dabei bewusst, dass Gott Bitten, die aus einer üblen Gesinnung heraus kommen, gar nicht erhören kann. Das betont auch Jakobus in seinem Brief, wenn er schreibt: Und wenn ihr ihn bittet, bekommt ihr es nicht, weil ihr nur in der Absicht bittet, eure unersättliche Genusssucht zu befriedigen (Jakobus 4,3). Manchmal bete ich wirklich nicht in den edelsten Absichten. Gott weiß das und ich weiß, dass Gott mich so annimmt, wie ich bin. Ich muss nicht erst eine lange Gewissenserforschung 21


Warum ich bete

betreiben, ehe ich mich bittend an Gott wende. Im bittenden Gebet bringen gewöhnliche Menschen gewöhnliche und alltägliche Anliegen vor einen liebevollen Vater im Himmel. Wir bringen das vor Gott, was in uns ist, und nicht das, was in uns sein sollte. Manchmal reichen sogar die Worte nicht aus, da können wir nur seufzen oder weinen vor Gott. Aber er sieht auch diese wortlosen Gebete, die oft aus der Verzweiflung heraus kommen. Vor einigen Jahren fand ich mich in einer Situation vor, in der ich zutiefst verzweifelt war. Ich erhielt von meinem Arzt eine Diagnose, die mir jegliche Lebensfreude und Lebensperspektive zu nehmen schien. So gut ich das konnte, ging ich dagegen an. Am Anfang war ich nur stumm vor Gott, dann weinte ich meine Not heraus. Schließlich schrie ich richtig zum Herrn. »Herr, ich bin zutiefst verzweifelt! Höre meine Bitte und gib mir doch ein Zeichen, dass du mich hörst!« Kaum hatte ich diesen Satz ausgerufen, da klingelte mein Telefon. »Wie geht‘s dir?«, fragte da ein Freund. »Ich habe heute so viel an dich gedacht und für dich gebetet. Sicher bist du verzweifelt. Aber ich soll dir sagen, 22

2. Weil ich bedürftig bin

dass Gott eine Zukunft für dich hat! Vertraue auf ihn!« Nun verwandelten sich meine Verzweiflungstränen in Freudentränen.

Wieder einmal wurde ich darin bestärkt, dass ich mit allen meinen Anliegen zu Gott kommen soll. Er hilft gerne und er will mir in meiner Not begegnen. Nun könnte ich die Seiten dieses Buches füllen mit den unterschiedlichsten Erfahrungsberichten, wie der liebende Gott auf meine Bitten eingegangen ist. Ich bitte ihn oft am Anfang des Tages darum, dass er mich irgendwie durch den Tag hindurchleitet. Gerade wenn ich viele Termine habe, will ich mir sorgfältig Zeit nehmen für diese Audienz bei Gott. Seit vielen Jahren hängt in meinem Arbeitszimmer das Wort von Martin Luther: »Ich habe heute viel zu tun, deshalb muss ich heute viel beten!« Schon als Schüler und Student habe ich erfahren, dass ich so besser lernen kann und aufnahmefähiger bin. Wie oft bin ich mit meinen Bitten zu Gott gekommen, wenn ich in der Erziehung unserer Kinder nicht weiter wusste! Wie unzählige Male habe ich Gott um 23


Warum ich bete

Kraft und Zeit gebeten, dass ich alle meine Aufgaben gut erfüllen kann! Natürlich komme ich mit meinen Bitten nicht nur einmal am Tag zu Gott. Mein ganzes Leben ist voller Bitten, ja, mein Leben ist eine einzige Bitte zu Gott, dass er mich führt und segnet und für andere Menschen zum Segen setzt. Dazu gehören auch die Stoßgebete im Straßenverkehr oder in brenzligen Lebenssituationen. Ein Bekannter von mir sagte mir einmal, dass er diese Gebete »Blitzlicht-Gebete« nennt. Es ist manchmal nur ein kurzer Gedanke, ein innerer Ruf zu Gott. Ebenso kurz wie das Aufleuchten des Blitzlichtes bei einer Fotoaufnahme. Da höre ich zum Beispiel plötzlich das Martinshorn eines Krankenwagens, und ich »blitze« mein Stoßgebet zum Himmel. Oder ich bin im inten-

2. Weil ich bedürftig bin

siven Gespräch mit einem Menschen, der mich persönlich angreift, und schon wieder geht ein »Blitzlicht-Gebet« zum Herrn. Mein Tagesablauf ist voll von diesen kurzen Stoßgebeten und ich bin überzeugt, dass Gott sie ebenso ernst nimmt wie die wohlüberlegten Bitten, die ich ihm mit viel innerer Anteilnahme vortrage.

Warum zögern wir eigentlich so oft, unsere Bitten zu dem zu bringen, dem alle Autorität im Himmel und auf der Erde gegeben ist? Ich lade Sie ein, mit allen Ihren persönlichen Anliegen im Gebet zu Gott zu kommen. Er fordert uns doch selber dazu auf!

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Warum ich bete

Der Autor Dr. Heinrich Christian Rust, geboren 1953, ist verheiratet und lebt mit seiner Familie in Braunschweig. Er ist Pastor einer Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten); zuvor war er Leiter der Heimatmission im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland (EFG). Daneben ist er Vorsitzender der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung – Initiative im Bund EFG. Veröffentlichungen (Auswahl) Rust, Heinrich Christian: Charismatisch dienen – gabenorientiert leben. Oncken, Kassel 2006 Rust, Heinrich Christian: Gemeinde der Zukunft. Aufbrechen aus der Stagnation. Oncken, Kassel 2006 Buchempfehlungen Vogel, Friedhold: Grenzenlos beten. Gebetshindernisse überwinden. Hänssler, Holzgerlingen 2003 Oft stellen sich unserem Gebet Hindernisse in den Weg. In diesem Buch zeigt Friedhold Vogel sieben Gebetsbarrieren auf und spricht davon, wie sie überwunden werden. 76

Anhang

Lohaus, Bettina: Beten überwindet. Die Bedeutung des Gebets im Erneuerungsprozess. Oncken, Kassel 2004 Die Verfasserin war viele Jahre Referentin in der überkonfessionellen Familienarbeit und ist verantwortliche Gebetsleiterin der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung – Initiative im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland. Erneuerung beginnt im Herzen des Einzelnen und in einer engen Beziehung zu Jesus. Die Autorin beschreibt, wie ein solcher Prozess neu beginnen kann. Hybels, Bill: Aufbruch zur Stille. Von der Lebenskunst, Zeit für das Gebet zu haben. Gerth Medien, Asslar 122001 Allzu oft finden wir in der Hektik des Alltags nicht die Ruhe, um Gott in der Stille zu suchen. Auch Bill Hybels erging es so. Offen und ehrlich erzählt er, wie Gott ihm seinen Mangel an Glauben und seine Unbeständigkeit vor Augen führte und ihn dann beten lehrte. Hybels macht viele praktische Vorschläge, wie unser Gebetsleben lebendig und beständig bleiben kann.

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