Karl Thewes Die Gemeinde nach dem Neuen Testament
Karl Thewes Die Gemeinde nach dem Neuen Testament
Dieses Buch ist bei Ihrer christlichen Buchhandlung erhältlich, sowie unter anderem bei folgenden Versandbuchhandlungen: Schweiz: Edition Nehemia Sanddornweg 1 CH-3613 Steffisburg Tel.: +41 33/437 63 43 info@edition-n.ch Deutschland und Österreich: Christliche Buchhandlung Wolfgang Bühne GmbH Eisenweg 2 D-58540 Meinerzhagen Tel.: +49 23 54/70 65 400 bestell@leseplatz.de
Die Bibelzitate sind in der Regel der unrevidierten Elberfelder-Bibel 1905 entnommen ISBN: 978-3-9523896-6-9 Artikelnr.: 588 366 Stilistisch leicht überarbeitete Auflage; 2012 Herausgeber: Edition Nehemia, Steffisburg © 1988; Christliche Verlagsgesellschaft mbH; D-35683 Dillenburg Umschlaggestaltung: Christoph Berger Umschlagbild: © Fotolia.com Satz: Team Edition Nehemia Druck und Bindung: AALEXX Buchproduktion, Großburgwedel Printed in Germany
Inhalt
Vorbemerkung der Herausgeber
7
I. Das Wesen der Gemeinde
9
1. Die Gemeinde oder Versammlung 2. Der Leib Christi 3. Das Geheimnis 4. Die Braut 5. Die Herde 6. Der Tempel des Heiligen Geistes 7. Das Haus Gottes a) Der Grund b) Der Eckstein c) Die Grundlage des Hauses d) Gottes Bau
10 12 15 18 20 22 24 25 25 26 26
II. Die örtliche Gemeinde
27
1. Die überörtliche Zusammenarbeit 2. Das große Haus 3. Die Aufnahmebedingungen für die Gemeinde Gottes 4. Die Taufe 5. Die Wiedergeburt 6. Die Heiligung 7. Die Leitung der Gemeinde
28 30 31 33 34 36 37
8. Die Gaben und Dienste in der Gemeinde a) Die grundlegenden Gaben b) Die beweisführenden Gaben c) Die aufbauenden Gaben 9. Der Evangelist 10. Der Lehrer 11. Der Hirte 12. Der Ältestendienst a) Voraussetzungen für den Ältestendienst b) Das Ältestenamt 13. Die Diener oder Diakone 14. Das allgemeine Priestertum 15. Das Zusammenkommen zum Gebet 16. Das Mahl des Herrn 17. Die Erbauungsstunde 18. Gott wohlgefällige Gaben 19. Frauendienst 20. Die Taufe mit dem Heiligen Geiste 21. Die biblische Unterweisung 22. Das Bibelstudium 23. Wiederherstellung 24. Das Verhältnis untereinander 25. Verharren in der Sünde
39 40 42 43 45 46 48 49 49 51 52 53 55 57 60 62 64 66 68 70 72 73 74
Vorbemerkung der Herausgeber
E
s ist uns ein Anliegen, diese jahrelang vergriffene Schrift von Karl Thewes auch einer neuen Generation von Gläubigen zugänglich zu machen. Karl Thewes war ein Bibellehrer aus dem Kreis der westdeutschen »freien Brüderversammlungen«. Während seiner sowjetischen Kriegsgefangenschaft musste er in einem Kohlenbergwerk arbeiten, wo ihm ein Mann aus Lettland eine deutsche Bibel schenkte. Durch das gewaltige Eingreifen Gottes wurde sie ihm bei den folgenden militärischen Kontrollen nicht abgenommen, obwohl er sie gar nicht zu verstecken suchte. So wurde es möglich, dass er sich in dieser Zeit einem intensiven Bibelstudium widmen konnte. Nach Ende der Gefangenschaft kehrte er in seinen Beruf zurück, wurde aber später vom Herrn in den vollzeitlichen Lehr- und Verkündigungsdienst gerufen. Er hatte eine Gnadengabe von seinem Herrn, biblische Zusammenhänge schlicht und klar darzustellen. Er studierte die Heilige Schrift selbst und suchte ihre Lehren und Zusammenhänge aus diesem demütigen Bibelstudium zu ergründen, wobei er sich von der Lehre bewährter älterer Lehrer aus den Brüderversammlungen leiten ließ. Für ihn wie für die Brüderversammlungen, aus deren Mitte er kam, war die entscheidende Voraussetzung für den Dienst am Wort nicht theologische Schulung und rhetorische Befähigung, sondern die Berufung und Begabung durch den Herrn der Gemeinde. Er vertraute in seinem Dienst auf die Kraft des Heiligen Geistes, der das verkündigte Wort aufschließen und kräftig an den Herzen der Hörer wirken lassen kann. In diesem kann er auch uns heute ein wertvolles Vorbild geben. Wir haben seine Lehrdienste selbst noch erlebt und als segensreich erfahren. 7
Die vorliegende Schrift entstand offenkundig als Konzept oder Mitschrift eines mündlichen Vortrages; dieser Charakter ist auch beibehalten worden. Der Vortrag richtete sich an Gläubige aus den Brüderversammlungen und bezieht sich in vielen Einzelheiten auf deren Gemeindeverständnis und Gemeindepraxis. Dennoch hoffen wir, daß diese Ausführungen auch für Leser aus anderen Kreisen hilfreich sein können. Das Thema, das Karl Thewes am Herzen lag, ist auch heute noch von großer Bedeutung: Was sagt das Neue Testament über die Gemeinde des lebendigen Gottes? Was ist ihr Wesen, ihre Berufung, ihre Ordnung nach dem Wort Gottes? Zu diesem Thema gibt es heute mancherlei Verwirrung und Abweichung von der biblischen Lehre. Vielfach steht der Mensch im Mittelpunkt der Gemeinde und nicht mehr der Herr Jesus Christus – und diese Umpolung macht sich auch in den Auffassungen vieler Christen über die Gemeinde bemerkbar. Umso wertvoller ist es, heute neu auf die schlichten, biblisch gegründeten Gedanken eines Bruders zu hören, der ein geheiligtes, von Gottesfurcht und gesunder Lehre geprägtes Verständnis dieser Fragen hatte. Wir wünschen allen Lesern geistlichen Gewinn beim Lesen der folgenden biblischen Betrachtungen. Steffisburg, im Oktober 2012
8
Die Herausgeber
I. Das Wesen der Gemeinde
W
enn wir im Neuen Testament auch keine alphabetisch geordnete Beschreibung der Gemeinde Gottes finden, so gibt uns das Wort jedoch sehr viele Belehrungen und Hinweise, um uns mit der Stellung und Bedeutung der Gemeinde oder Versammlung vertraut zu machen. Die Einzigartigkeit der Berufung und Stellung macht es notwendig, eine umfassende Belehrung zu vermitteln, die wir in ausführlicher Weise in den Briefen des Apostels Paulus finden. Diese Beschreibung, die in den zuvor genannten Briefen einen breiten Raum einnimmt, soll auch dazu dienen, eine Verwechslung auszuschalten. Diese Gefahr, biblische Begriffe zu verwechseln und damit zu falschen Anwendungen zu kommen, besteht immer, wenn eine Aussage oder ein Wort unterschiedliche Bedeutung hat. Nachfolgend einige Bezeichnungen, die wir im Neuen Testament auf die Gemeinde Gottes angewendet finden, mit denen wir uns kurz beschäftigen wollen: –– –– –– –– –– –– ––
Die Gemeinde oder Versammlung Der Leib Christi Das Geheimnis Die Braut Die Herde Der Tempel Das Haus Gottes
9
1. Die Gemeinde oder Versammlung
D
ie Bezeichnung »Gemeinde« oder »Versammlung« ist der meist gebrauchte Ausdruck im Neuen Testament. Ungefähr 100mal wird diese Bezeichnung gebraucht. Im Griechischen steht bekanntlich hier das Wort »Ecclesia«. Entsprechend der Übersetzung wird es in unserer deutschen Bibel mit »Gemeinde« oder »Versammlung« wiedergegeben. Die wörtliche Übersetzung müsste eigentlich lauten: »herausgerufen« oder »die Herausgerufenen«. Nach dem Sprachgebrauch jener Zeit wurde diese Bezeichnung nicht nur auf die neutestamentliche Gemeinde angewendet, sondern auch auf Israel und ebenso auf jede Versammlung freier, stimmberechtigter Bürger (Apg 19,41). Da Israel und die Gemeinde Gottes manches gemeinsam haben, andererseits aber auch bestimmte Gegensätze vorhanden sind, ist die Bezeichnung »Ecclesia« im Sinne von »Herausgerufene« in dem einen wie in dem anderen Fall angebracht. So war Israel nach 5Mo 7,6 ein »aus allen Völkern, die auf dem Erdboden sind« erwähltes und herausgerufenes Volk. Eine ähnlich lautende Aussage finden wir auch im Neuen Testament, angewendet auf die Versammlung Gottes. So sagt Paulus in 2Tim 1,9 »der uns errettet hat und berufen hat mit heiligem Rufe« oder Gal 1,4 »der sich selbst für unsere Sünden hingegeben hat, damit er uns herausnehme aus der gegenwärtigen, bösen Welt.« Bei Israel handelte es sich um das Herausrufen des ganzen Volkes zu einer bestimmten Aufgabe in dieser Welt. Die Gemeinde Gottes setzt sich aus Menschen zusammen, die einzeln, durch das Evangelium herausgerufen, eine ganz neue geistige Gemeinschaft bilden. Bei der Aussage »Gemeinde« oder »Versammlung« in biblischem Sinne muss zunächst die Frage geklärt werden, um welche Versammlung es sich handelt. Um den Unterschied deutlich zu machen, benutzt man heute sehr oft den Begriff »Gemeinde Jesu«. Die Bibel gebraucht diesen Ausdruck an keiner Stelle. Wir sollten es uns 10
zur Gewohnheit machen, für biblische Begriffe auch biblische Aussagen zu gebrauchen. Durch entsprechende Beifügungen werden in der Bibel schon bestimmte Unterschiede gemacht. So wird Israel die »Versammlung Jehovas« (Elberfelder Übers.) oder die »Gemeinde des Herrn« (Schlachter u.a.) bezeichnet. In Ri 20,2 finden wir noch den Ausdruck »Versammlung des Volkes Gottes« und in der Apg 7,38 » Versammlung in der Wüste«. Die neutestamentliche Versammlung wird »Versammlung Gottes« genannt (1Kor 1,2; 11,22; 15,9; 1Tim 3,5) oder »Versammlung des lebendigen Gottes« (1Tim 3,15). Wo die Beifügung fehlt, zeigt der Textzusammenhang die Bedeutung. Im Neuen Testament wird der Begriff »Versammlung« in dreifacher Weise angewendet. –– als Bezeichnung einer örtlichen Versammlung (1Kor 1,2; 1Th 1,1; Phlm 2 u.a.); –– die Zusammenfassung aller gegenwärtig auf dieser Erde lebenden Gläubigen (Apg 8,3; 1Kor 15,9); –– die Versammlung als »Gesamtgemeinde«. In diesem Sinne umfasst sie alle Gläubigen des gegenwärtigen Zeitalters. Also von Pfingsten (1Kor 12,13) bis zur Entrückung (Röm 11,25). Vergl. Eph 1,22. u. Kol 1,18. Die richtungsweisenden Belehrungen für die örtliche Gemeinde finden wir vornehmlich im 1. Korintherbrief. Im Epheserbrief steht mehr die Gesamtgemeinde im Blickpunkt der Belehrung. Darum wird im Epheserbrief auch mehr die heilsgeschichtliche Bedeutung und Stellung der Gemeinde entwickelt, im Korintherbrief mehr die Ordnung und Verantwortung als Zeugnis Gottes in dieser Welt. Die sichtbare Darstellung der Gemeinde Gottes in der Zeit findet in der örtlichen Gemeinde ihren Ausdruck (1Kor 3,16; 12,27). Eine 11
weltweite, organisatorisch zusammengefasste Gemeinde im Sinne einer einheitlich ausgerichteten Kirche kennt das Neue Testament nicht.
2. Der Leib Christi
I
m Unterschied zu der Bezeichnung Gemeinde (Ecclesia), die auch auf andere Gruppierungen angewendet wird, wird die Aussage »Leib Christi« ausschließlich bei der neutestamentlichen Gemeinde gebraucht. Wir finden diese Aussagen im Römerbrief (12,4-6), im 1. Korintherbrief (10,16; 12,12-17), ebenso im Epheserbrief (1,23; 2,16 u.a.) und Kolosserbrief (1,18; 2,19 u.a.). Wenn wir uns die einzelnen Stellen etwas näher ansehen, erkennen wir sehr leicht den Grundgedanken, daß mit diesem Begriff der Lebensorganismus der Gemeinde Gottes verdeutlicht werden soll. Als Anschauungsbild und Beispiel für diese tiefgehende Belehrung dient der menschliche Körper oder die Lehre der Physiologie (Erforschung der Körperfunktionen). Dabei ergeben sich als Leitgedanken drei besondere Belehrungsschwerpunkte. a) die Bedeutung, die das Haupt für den Leib hat (Grundgedanke im Kolosserbrief). b) die Bedeutung, die der Leib für das Haupt hat (Grundgedanke im Epheserbrief). c) die Bedeutung der Glieder des Leibes für- und zueinander (Grundgedanke im 1. Korintherbrief). Die unter a) und b) erwähnten Belehrungen werden mehr vom heilsgeschichtlichen Standpunkt aus bestimmt. Die Belehrungen 12
unter c), entsprechend dem Charakter des Briefes, zeigen mehr die praktische Seite dieser Wahrheit. Die Darstellung der Versammlung als Leib Christi ist somit die umfassendste Belehrung des Neuen Testamentes. Keine andere Aussage offenbart uns die Einzigartigkeit und Berufung der Gemeinde so, wie die Aussagen, die über den Leib gemacht werden. Wichtig ist es, zu beachten, dass die »Ecclesia« nicht bildlich als Leib Christi betrachtet wird, sondern wiederholt wird betont: »Ihr seid der Leib Christi« (1Kor 12,27; Eph 1,23; Kol 1,24). Diese Aussage wird ebenso bestimmt und unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, wie die Aussage, dass der Herr das Haupt des Leibes ist. Durch diese organische Lebensgemeinschaft ergeben sich Verhältnisse, wie wir sie im menschlichen Körper beobachten, nur mit dem Unterschied, dass es sich bei Christus und der Gemeinde, die sein Leib ist, um eine höhere Ordnung handelt. Darum wird auch von einem Christusgeheimnis geredet (Eph 3,4 – Christusmy sterium). Einige Belehrungen, die sich aus dieser Darstellung ergeben: Die Einheit: Gerade diese Wahrheit wird im Blick auf den Leib sehr oft betont. Im Korintherbrief liegt der Schwerpunkt der Belehrung auf der Aussage, dass der Leib viele Glieder hat. »Alle Glieder des Leibes aber, obgleich viele, ein Leib sind« (1Kor 12,12). Also geht es um die Zugehörigkeit aller Glieder zu dem einen Leib. Im Epheserbrief liegt der Schwerpunkt auf der Tatsache, dass die Gemeinde »sein Leib ist« (Eph 1,23; 4,15). Hier haben wir das Einssein mit ihm. Die Abhängigkeit: Auch hier sind die Belehrungen gerade im Korintherbrief so überzeugend, dass sie keiner großen Erklärung bedürfen (1Kor 12). Zu der Abhängigkeit der Glieder voneinander 13
kommt die wichtigste Frage: die Abhängigkeit des Leibes vom Haupt. Diese bedeutungsvolle Wahrheit wird uns besonders im Kolosserbrief vorgestellt. Die Vollständigkeit: Ebenso wie ein Leib ohne Haupt unvollständig ist, so ist es auch mit einem Haupt ohne Leib. Aus dieser Überlegung ergibt sich schon die heilsgeschichtliche Notwendigkeit für die Existenz der »Ecclesia«. Diese Gedankengänge werden in besonderer Weise im Epheserbrief entwickelt. Damit wird dieser Brief zu einer großen Offenbarung der Heilsratschlüsse Gottes. Die Herrlichkeit: Das Ziel Gottes ist das Offenbarwerden des Christus. Vor Ihm wird sich einmal jedes Knie beugen müssen (Phil 2,10). »Wenn der Christus, unser Leben, geoffenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm geoffenbart werden in Herrlichkeit.« (Kol 3,4). Aus dem Einsgemachtsein mit ihm (wörtlich: verwachsen sein – Röm 6,5) ergibt sich die Teilnahme an seiner Herrlichkeit. Die Verantwortlichkeit: Die Stellung der »Ecclesia«, betrachtet als Leib des Christus, zeigt uns aber auch die große Verantwortung, sowohl in unseren Beziehungen untereinander, als auch in unserem Verhältnis zum Haupt. Diese Verantwortlichkeit ergibt sich aus der Tatsache, dass wir ein Teil von ihm sind. Der Apostel Paulus gebraucht hierzu den besonderen Ausdruck »der Christus« (1Kor 1,13; 12,12). In dieser Aussage ist die Versammlung als sein Leib mit eingeschlossen. Die Unterschiedslosigkeit: Gerade darin besteht der Gegensatz zu den Heilsordnungen in anderen Zeitaltern. Die Tatsache, dass wir ein Leib 14
sind, zeigt die unterschiedslose Teilnahme sowohl der Juden und Nationen und ebenso die gleichberechtigte Teilhaberschaft aller Erlösten an den Segnungen und Vorrechten. »Denn er ist unser Friede, der aus beiden eins gemacht hat … und die beiden in einem Leibe mit Gott versöhnte durch das Kreuz« (Eph 2,14 u. 16).
3. Das Geheimnis
I
n Verbindung mit der »Ecclesia« wird sehr oft von einem Geheimnis geredet (wörtlich: Mysterium). Die Ausdrucksweise will nicht sagen, dass es sich hierbei um etwas Mysteriöses handelt, sondern um ganz neue Offenbarungen. Im Unterschied zu der alttestamentlichen Heilsordnung ist die Versammlung Gottes etwas ganz Neues. Schon vor den »Zeiten der Zeitalter« (2Tim 1,9; Tit 1,2) »vor Grundlegung der Welt« (Eph 1,4) »in Gott« beschlossen, war es in den alttestamentlichen Zeitaltern verborgen. Darum können wir im Alten Testament, selbst in den Evangelien, keine unmittelbare Offenbarung im Blick auf die neutestamentliche Gemeinde finden. Der einzige, direkte Hinweis ist die Ankündigung des Herrn »auf diesen Felsen will ich meine Versammlung bauen« (Mt 16,18). Ohne die später gegebene göttliche Mitteilung wäre aber diese Offenbarung unklar geblieben. Erst durch den Heiligen Geist wurden den Aposteln und Propheten im Neuen Testament diese Geheimnisse geoffenbart (Eph 3,5). Durch »prophetische Schriften« (Röm 16,26) ist dieses Geheimnis »welches in anderen Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht kundgetan worden, wie es jetzt geoffenbart worden ist« (Eph 3,5). Darum nennt sich der Apostel Paulus mit seinen Mitarbeitern auch ein Verwalter der Geheimnisse Gottes (1Kor 4,1). Die Auserwählung der »Ecclesia« vor Grundlegung der Welt bezeugt nicht nur die Vorkenntnisse Gottes (1Pt 1,2), sondern weist 15
auch schon auf die überzeitliche Bedeutung ihrer Stellung »in Christus« hin (Eph 1,3-14). Damit nimmt die Gemeinde Gottes in den Ratschlüssen Gottes einen bestimmten Platz ein. Vorübergehend ist die Vorrechtsstellung Israels aufgehoben und die Gläubigen aus den Nationen sind gleichberechtigte »Miterben«, »Mit-Leib« und »Mitteilhaber« seiner Verheißung in Christus Jesus (Eph 3,6). In belehrender Weise werden wir in den Schriften des Apostels Paulus mit den Geheimnissen vertraut gemacht. Das Geheimnis Gottes, Kol 2,2: Gott selbst ist der eigentliche Ursprung und Ausgangspunkt der Gemeinde Gottes. Darum nennt Paulus sie »in Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus« (1Th 1,1). Gott selbst ist der Ursprung aller Geheimnisse. Das Geheimnis des Christus, Eph 3,4; Kol 4,3: Christus ist der Mittelpunkt der Ratschlüsse Gottes. »Alle Dinge sind durch ihn und für ihn geschaffen. Und er ist vor allen, und alle Dinge bestehen zusammen durch ihn« (Kol 1,16-17). »Durch ihn« sind wir errettet, »in ihm« sind wir begnadigt, um »mit ihm«, lebendig gemacht und auferweckt, Teilhaber aller Segnungen in Christus zu sein (Eph 2). Das Geheimnis seines Willens, Eph 1,9: Das Ziel der göttlichen Ratschlüsse ist es, alles, was auf der Erde und im Himmel ist, unter ein Haupt zusammenzubringen. Der verherrlichte Sohn des Menschen wird einmal diese alles beherrschende Stellung einnehmen (Hebr 2; Mt 25,31). An dieser zukünftigen Herrlichkeit wird die Gemeinde Gottes ihren bestimmten Anteil haben. Das große Geheimnis, Eph 5,32: Die Belehrung über die Ehe (Eph 5) gebraucht der Apostel Paulus, um uns das innige Verhältnis von Christus und seiner Gemeinde vorzustellen. 16
Die Herrlichkeit des Geheimnisses, Kol 1,27: »Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit«, ist der Grundgedanke des Kolosserbriefes. Damit haben wir zum Epheserbrief, wo wir »in Christus« betrachtet werden, im Kolosserbrief die Gegenseite »Christus in euch«. Das geoffenbarte Geheimnis, Röm 16,25; Eph 3,3: Was in den vorhergehenden Zeitaltern verborgen war, hat Gott jetzt geoffenbart. »Uns aber hat Gott es geoffenbart durch [seinen] Geist« (1Kor 2,10). Die Bitte des Apostels war es »dass der Gott unseres Herrn Jesus Christi, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und Offenbarung in der Erkenntnis seiner selbst« (Eph 1,17). Das Geheimnis des Glaubens, 1Tim 3,9: Nur der Glaube vermag es zu erfassen und in Besitz zu nehmen. »Ohne Glauben aber ist es unmöglich, ihm wohlzugefallen« (Hebr 11,6). Darum soll dieses Geheimnis in einem reinen Gewissen bewahrt werden. Das Geheimnis des Evangeliums, Eph 6,19: Der Inhalt der guten Botschaft, die gegenwärtig verkündigt wird, ist Gottes Weisheit in einem Geheimnis (1Kor 2,7). Für den natürlichen Menschen ist es nicht zu erfassen, da es geistlich beurteilt werden muss (1Kor 2,14). Die Verwaltung des Geheimnisses, 1Kor 4,1; Eph 3,3: Gott hat Menschen berufen, dieses Geheimnis zu bezeugen. Damit ergibt sich die Verpflichtung, treu zu sein, bis der Herr kommt. Das Geheimnis der Entrückung, Röm 11,25; 1Kor 15,51: Die Gemeinde Gottes lebt in der Erwartung des wiederkommenden Herrn. Die himmlische Berufung und 17
Stellung macht einen Standortwechsel notwendig (Phil 3,20). Die Glaubenserwartung ist nicht das irdische Reich Gottes, sondern »bei Christus« zu sein.
4. Die Braut
S
chon im Alten Testament dient das Liebesverhältnis, wie es zwischen Bräutigam und Braut besteht, als Illustration für die göttliche Liebe und Beziehung zu dem Volk Gottes. Das Hohelied der Liebe ist, neben vielen anderen Aussagen in den prophetischen Büchern, ein Beispiel und Zeugnis für diese Wahrheit. In ermunternder, aber auch ermahnender Weise, gebraucht der Geist Gottes diese Beispiele, um das Gewissen und das Herz zu erreichen (Jer 2,2; Hos 1-3; Hes 16 u. 23; Ps 45 u.a.). Auch die zukünftige Wiederherstellung und Annahme Israels wird in diesem Bild beschrieben (Jes 54; 62,5). Da auch die Versammlung Gottes in einem innigen Liebesverhältnis zu dem Herrn steht, übernimmt der Geist Gottes im Neuen Testament dieses Beispiel, um es auf Christus und die Gemeinde anzuwenden. Zurückgehend bis zur Schöpfungsgeschichte können wir in den menschlichen Beziehungen, wie sie in der Ehe vorhanden sind, ein schwaches Abbild dieser ewigen, überzeitlichen Verbindung sehen. Besonders zwei Abschnitte in den Briefen des Apostels Paulus werden von diesem Gedanken bestimmt: Eph 5 und 2Kor 11,2. Der Ursprung, Eph 5,30: Die Aussage des ersten Adam: »Diese ist einmal Gebein von meinen Gebeinen und Fleisch von meinem Fleisch« (1Mo 2,23) gebraucht der Geist Gottes, um uns den Ursprung der Versammlung zu zeigen. Denn so wie Eva aus Adam war (1Mo 2,21), so kommt die »Ecclesia« von Christus her. 18
Die Versammlung verdankt ihre Existenz dem Tod und der Auferstehung des Herrn. Die Notwendigkeit, Eph 5,31: Dem Schöpfungsakt, der zur Erschaffung Evas führte, ging die göttliche Feststellung voraus: »Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei, ich will ihm eine Hilfe machen, seines Gleichen [oder: ihm entsprechend]« (1Mo 2,18). Diese Notwendigkeit ergab sich auch für den Herrn in seiner Stellung als »der letzte Adam«, »der zweite Mensch vom Himmel« (1Kor 15,45 u. 47). Die Verbundenheit, Eph 5,30 und 1Kor 1,30: In dem Ursprung »aus ihm« liegt auch die Begründung für die Gemeinschaft »mit ihm« »Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und sie werden ein Fleisch sein« (1Mo 2,24). Das Geheimnis der ehelichen Gemeinschaft ist groß, weil es in einer tieferen Bedeutung das Verhältnis der innigen Liebesgemeinschaft zwischen Christus und seiner Gemeinde versinnbildlicht. Die Gemeinschaft, Eph 5,25: Die Liebe ist das eigentliche verbindende Element einer ehelichen Gemeinschaft. Christus hat den Beweis seiner Liebe erbracht, indem Er »sich selbst für sie hingegeben hat« (Eph 5,2 u. 25). Die Liebe des Christus (Röm 8,3539) ist darum die Grundlage einer überzeitlichen Gemeinschaft. Die Fürsorge, Eph 5,29: Die Feststellung, dass niemand sein eigenes Fleisch (Körper) hasst, sondern nährt und pflegt, ist ein Beispiel für die Verantwortung, die wir füreinander haben in der ehelichen Gemeinschaft. Der Herr ist auch hier das erhabenste Beispiel, der die Gemeinde nährt und pflegt. 19
Die Abhängigkeit, Eph 5,24: In der Schöpferordnung erkennen wir die Stellung, die wir auch als Versammlung Gottes dem Herrn gegenüber einzunehmen haben. »Aber gleichwie die Versammlung dem Christus unterworfen ist.« Nicht erzwungene Unterwürfigkeit, sondern die Anerkennung seiner Liebe und Größe führt dazu, Christus als Haupt anzuerkennen. Warnung, 2Kor 11,2; Offb 2,4: So wie jede Gemeinschaft gestört werden kann, besteht auch die Gefahr, den Zustand der Gemeinschaft mit dem Herrn zu stören. Der Gedanke »mit einem Mann verlobt« zu sein, verpflichtet zur Reinheit oder Keuschheit (unberührt bleiben von allen ungöttlichen Einflüssen ‒ Jak 4,4). Nicht die äußere Form, sondern die »erste Liebe« bestimmt die Gemeinschaft.
5. Die Herde
S
chon im Alten Testament dient die Herde als vielsagendes Beispiel, um die Abhängigkeit des Volkes Gottes deutlich zu machen. Andererseits zeigt es die göttliche Fürsorge (1Kö 22,17; Hes 34,11-23 u.a.). Auch der Herr übernimmt dieses Beispiel, um es zu erweitern im Blick auf bestimmte neutestamentliche Offenbarungen. Die Grundsätzlichkeit der Aussagen erlaubt eine Anwendung, die sich nicht nur auf die Gemeinde Gottes beschränkt. Der Apostel Paulus benutzt diese Aussage bei seinem Abschied in Milet, um die Ältesten an ihre Aufgabe zu erinnern. Einige Belehrungen, die sich aus dieser Darstellung ergeben: Die erworbene Herde, Apg 20,28: Die Herde, die rechtmäßig gekauft wurde, wechselt den Besitzer und wird damit erkauftes Eigentum. Für alle, die 20
irgendeine Aufgabe in der Gemeinde Gottes haben, eine sehr wichtige Feststellung. Es ist nicht »unsere« Gemeinde, sondern »seine« Gemeinde, »welche er sich erworben hat durch das Blut seines »Eigenen« (Apg 20,28). Jeder Dienst wird damit zu einer Verwaltung, von der Rechenschaft abgelegt werden muss. Die Aufgaben: In einer Herde regelt sich nicht alles von selbst. Es gibt Aufgaben und Dienste, die notwendig sind. Der Herr ist der Erzhirte (1Pt 5,4). Der Heilige Geist setzt Aufseher ein (Apg 20,28). Bestimmte Kennzeichen sind notwendig, um sie anzuerkennen (1Tim 3,1-7; Tit 1,5-9; 1Th 5,12). Ihre Aufgabe ist nicht, zu herrschen, sondern zu dienen und Vorbilder der Herde zu sein. Die ganze Herde: Auch der Gedanke der Einheit kommt hier zum Ausdruck. Aber es geht hier weniger um den Gedanken, dass wir eins sind, sondern um die Verantwortung, die wir für die ganze Herde haben. Die Gefahren: Gerade die Hilflosigkeit bestimmten Gefahren gegenüber zeigt die Notwendigkeit einer Abhängigkeit von dem Hirten. Die Gefahren können von außen (Apg 20,29), aber auch von innen her wirksam werden (Apg 20,28 u. 30; 2Kor 11,13-15). Die Bewahrung: Nicht menschliche Mittel oder Wirksamkeit ist das entscheidende Element, sondern Gott und das Wort seiner Gnade. In dem Begriff Herde wird uns somit mehr die praktische Seite der Abhängigkeit gezeigt und der Eigentumsanspruch Gottes (1Kor 6,20). 21
6. Der Tempel des Heiligen Geistes
I
n der Bezeichnung der Gemeinde als »Tempel« kommt besonders der Gedanke der Gegenwart Gottes, und damit die Würde und Heiligkeit der Stellung zum Ausdruck. Der Begriff Tempel (lat.: templum = ein der Gottheit geweihter Raum) wird wiederholt auf die Gemeinde Gottes angewendet. An einigen Stellen dient diese Aussage dazu, den Gegensatz hervorzuheben, der zwischen der alttestamentlichen und neutestamentlichen Ordnung besteht. An die Stelle des Materiellen ist das Geistliche getreten. Darum ein »geistliches Haus«, gebaut mit »lebendigen Steinen« zu einem »heiligen Tempel im Herrn« (1Pt 2,5; Eph 2,21). Was im Alten Testament war, ist darum nur »Gleichnis auf die gegenwärtige Zeit« (Hebr 9,9) oder »ein Schatten der zukünftigen Güter« (Hebr 10,1). Die Wirklichkeit wird in der »Ecclesia« ihre Verwirklichung finden, die Behausung Gottes im Geist. »Aber sollte Gott wirklich auf der Erde wohnen? Siehe, die Himmel und der Himmel Himmel können dich nicht fassen, wieviel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe.« So lautet das Zeugnis Salomos nach der Fertigstellung des Tempels (1Kö 8,27). Dieser Aussage gegenüber steht die Zusage Gottes: »Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum, und bei dem, der zerschlagenen und gebeugten Geistes ist« (Jes 57,15). Wohnen bedeutet nicht nur Anwesenheit, sondern »zu Hause sein«. In den Schriften des Apostels Paulus finden wir ein vierfaches Zeugnis des neutestamentlichen Tempels: Der heilige Tempel im Herrn, Eph 2,21: Die Gläubigen im gegenwärtigen Zeitalter sind nicht nur »Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes«, sondern in ihrer Gesamtheit werden sie die »Behausung Gottes im Geiste« sein. Was »vor ewigen Zeiten« schon Ratschluss Gottes war, wird »in der Zeit« vollendet werden. Im Epheserbrief wird uns dieser Ratschluss Gottes vorgestellt als ein 22
Werk Gottes, das keiner menschlichen Hilfe bedarf. Darum »wächst der Bau wohl zusammengefügt« und »ihr werdet mit mitauferbaut«. Nicht »wir sollen wachsen« oder »wir bauen auf«. Die Verwirklichung der Ratschlüsse Gottes ist nicht von der Verantwortung des Menschen abhängig. (Vergl. Offb 21,1-8, besonders Vers 5). Der Tempel des lebendigen Gottes, 2Kor 6,16: Die Verheißung, die Gott schon im Alten Testament gab, wird in 2Kor 6,16 auf die gegenwärtig lebenden Gläubigen angewendet. Diese Aussage ist eine bestimmte Feststellung: »Denn ihr seid der Tempel des lebendigen Gottes«. Es wird hier nicht von einer Möglichkeit geredet, durch eine Trennung vom Ungöttlichen, Tempel Gottes zu werden. Die Aufforderungen und Ermahnungen gehen von einer selbstverständlichen Stellung aus und werden damit zu einer selbstverständlichen Folgerung. Der Tempel des Heiligen Geistes, 1Kor 3,16: Die Feststellung, dass wir Tempel des Heiligen Geistes sind, bezieht sich hier auf die örtliche Gemeinde. Durch die Innewohnung des Heiligen Geistes ergibt sich für die örtliche Gemeinde eine bestimmte Würde und Verantwortung. Das örtliche Zeugnis wird durch den Heiligen Geist zu einem göttlichen Zeugnis. Der Leib ‒ Tempel des Heiligen Geistes, 1Kor 6,19: Durch den Heiligen Geist, der in jedem Gläubigen (Wiedergeborenen) wohnt (Röm 8,9), wird der menschliche Leib zu einem Tempel oder zu einer Wohnung des Heiligen Geistes. Mit dieser Feststellung wird die Vorstellung widerlegt, der Leib und damit die Handlungen des Leibes könnten bei der Heiligung ausgeklammert werden. Vergl. 1Th 5,23: »Geist und Seele und Leib werde tadellos bewahrt bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus«; Röm 6,12: 23
»So herrsche denn nicht die Sünde in eurem sterblichen Leibe, um seinen Lüsten zu gehorchen...« Zusammenfassend kann gesagt werden ‒ Wir sind Tempel: –– –– –– ––
als Gesamtgemeinde (Ecclesia) alle gegenwärtigen lebenden Gläubigen als örtliche Gemeinde jeder Gläubige
7. Das Haus Gottes
T
empel und Haus Gottes sind zwei Bezeichnungen für ein und dieselbe Einrichtung. In den Belehrungen des Neuen Testaments wird mit dem Begriff »Haus Gottes« mehr der Gedanke des Aufbaus (Hausbau) und der Ordnung (Hausordnung) verbunden. Im Epheserbrief beschreibt der Apostel Paulus dieses Haus als ein Werk Gottes. In anderen Briefen wird auch von einer Mitarbeit und damit von einer Mitverantwortung aller Gläubigen am Aufbau geredet (1Kor 3 u. 1Tim 3,15). Die sichtbare Darstellung des göttlichen Zeugnisses in dieser Welt wird durch diese menschliche Tätigkeit bestimmt. Ein Abweichen oder Nichtbeachten der göttlichen Bauvorschriften führt zu einer ungöttlichen Entwicklung. Darum können wir die Verheißung aus Mt 16,18: »und des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen«, nicht uneingeschränkt auf das anwenden, was Menschen im Laufe der Zeit gebaut haben oder in der Gegenwart bauen. Es gibt gemäß 1Kor 3,12-15 menschliche Werke, die »verbrennen«, das heißt, keinen ewigen Bestand haben, im Unterschied zu den Werken, die bleiben. Diese Feststellung zeigt schon die Notwendigkeit, die göttlichen Bauvorschriften als bindende Anweisungen zu respektieren. Dabei 24
ergibt sich eigentlich ein ganz logischer Werdegang, der vergleichbar ist mit dem Bau eines Hauses. Auf vier Dinge wird in diesem Zusammenhang besonders hingewiesen: –– –– –– ––
Der Grund Der Eckstein Die Grundlage des Hauses Der eigentliche Bau Gottes
a) Der Grund Die Aussage in 1Kor 3,11 zeigt, was der wahre und unerschütterliche Grund ist. »Denn einen anderen Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus«. Die Zusage des Herrn: »auf diesen Felsen werde ich meine Versammlung bauen« (Mt 16,18) kann sich nicht auf Petrus beziehen, sondern auf das, was in dem Bekenntnis zum Ausdruck gebracht wird: »Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes« (Mt 16,16).
b) Der Eckstein Dieses Wort beinhaltet eigentlich eine dreifache Bedeutung: –– der Grundstein –– der Eckstein –– der Schlussstein Als Grundstein ist der Herr die tragende Kraft der Gemeinde. Man wird nie einen morschen oder mürben Stein als Grundstein wählen, da er als tragender Stein den größten Druck aushalten muss. Als Eckstein ist der Herr der richtungsweisende Stein. Nur wirklich maßgerechte Steine können als Ecksteine verwendet werden, da sie die Richtung bestimmen. Nach der Beurteilung der Menschen 25
war der Herr nicht dazu geeignet, aber Gott hat ihn als den »kostbaren, lebendigen Stein« auserwählt (1Pt 2,4). Als Schlussstein gibt er dem Hause den eigentlichen Halt. Hier müssen wir an ein Gewölbe denken, wo der letzte Stein praktisch dem Ganzen den Halt gibt und alles verbindet.
c) Die Grundlage des Hauses Auf den festen Grund wird beim Bauen die erste Schicht Steine gelegt, die ebenso wie der Eckstein richtungsweisende Bedeutung hat. In diesem Sinne werden die Apostel und neutestamentlichen Propheten vorgestellt (Eph 2,20). Die Fortsetzung ihrer Wirksamkeit haben wir in der abgeschlossenen apostolischen Lehre als verbindliche Bauanleitung (Apg 2,42).
d) Gottes Bau Schon in der Aussage »Gottes Bau seid ihr« (1Kor 3,9) kommt der Anspruch Gottes zum Ausdruck. Nicht der Mensch, sondern Gott hat die Bauleitung. Wir können nur ausführende Arbeiter sein. Der Bestand unserer Tätigkeit wird nicht in erster Linie durch den Eifer, sondern durch die Treue dem Wort gegenüber bestimmt. Die Richtlinien für den Aufbau, sowie für das Verhalten im Hause Gottes, sind göttlich festgelegt (1Tim 3,15). Wir sollten uns aber hüten, in der äußeren Gemeindestruktur das Entscheidende zu sehen. Der Herr will mehr haben als eine biblische Fassade, die sehr leicht zu einer Selbstzufriedenheit führt. Die Beurteilung des Herrn: »Aber ich habe wider dich« (Offb 2,4), richtete sich an eine Gemeinde, die eine vorbildliche äußere Struktur aufweisen konnte. Bei allen Überlegungen bleibt die persönliche Heiligung als eigentliche Voraussetzung für die Verwirklichung der göttlichen Grundsätze. 26