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Eberhard Mühlan

EINZIGARTIG Das Temperament eines Kleinkindes erkennen und fördern!

MENANDER Verlag 1


Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek: Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

1. Auflage 2014

MENANDER Verlag www.menander-verlag.de ISBN 978-3-944584-25-6 Umschlaggestaltung: Nico Mühlan, Gobasil, www.gobasil.com Titelfoto: Nico Mühlan Herstellung: MENANDER Verlag / dbusiness.de gmbh, Berlin Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Autors.

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INHALT Einführung .......................................................................5 Persönlichkeitsentwicklung - wie geschieht sie? ............6 Jedes Kind ist einzigartig!......................................................... 6 Persönlichkeitsentwicklung ist nicht vorhersagbar! ............. 7 Wo hat es das bloß her? .. Fehler! Textmarke nicht definiert. Anlage oder Umwelt? Fehler! Textmarke nicht definiert. Determinierung oder Interaktion? ........ Fehler! Textmarke nicht definiert. Babys sind von Anfang an unterschiedlich und nehmen aktiv an ihrer Entwicklung teil! .... Fehler! Textmarke nicht definiert. Verschiedene Temperamentsanteile ..... Fehler! Textmarke nicht definiert. Drei häufige Temperamentstypen Fehler! Textmarke nicht definiert. Eine erste Einschätzung ............. Fehler! Textmarke nicht definiert. Besonderheiten und Eigenarten besser verstehen . Fehler! Textmarke nicht definiert. Das einfach zu handhabende Kind ...... Fehler! Textmarke nicht definiert. Das schwierig zu handhabende Kind... Fehler! Textmarke nicht definiert. 3


Das langsam zu erwärmende Kind ....... Fehler! Textmarke nicht definiert. Gibt es den idealen Elterntyp? ..... Fehler! Textmarke nicht definiert. Vernachlässigende Elternschaft . Fehler! Textmarke nicht definiert. Autoritäre Elternschaft ............... Fehler! Textmarke nicht definiert. Nachlässige Elternschaft ............. Fehler! Textmarke nicht definiert. Autoritätsbezogene Elternschaft Fehler! Textmarke nicht definiert. Eine Selbsteinschätzung .............. Fehler! Textmarke nicht definiert. Eine biblisch orientierte Elternschaft .. Fehler! Textmarke nicht definiert. Wenn die Temperamente aufeinander prallen .......... Fehler! Textmarke nicht definiert. Auf das Zusammenspiel kommt es an! . Fehler! Textmarke nicht definiert. Keine falschen Erwartungen ...... Fehler! Textmarke nicht definiert. Dulden oder Fordern?................. Fehler! Textmarke nicht definiert. Literaturverzeichnis ........ Fehler! Textmarke nicht definiert.

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Einführung

Ein Kleinkind in das Leben zu begleiten, ist ein spannendes Abenteuer. Denn jedes Baby kommt als ein Original mit individuellen Temperamentsanteilen zur Welt und nimmt von Anfang an aktiv an seiner Entwicklung teil. So hat man unter Psychologen nicht immer gedacht. Eine prominente Theorie ist, dass ein Kind wie ein „unbeschriebenes Blatt" zur Welt kommt und dann durch Eltern und Umwelteinflüsse geformt wird. Die Erkenntnis über die Individualität des Kleinkindes haben wir den amerikanischen Psychologen Chess und Thomas zu verdanken. In einer aufwändigen Langzeitstudie über mehr als zwanzig Jahre haben sie die Entwicklung von Kindern vom Säuglings- bis ins Erwachsenenalter begleitet. Ihr Ziel war es, Aufschluss darüber zu erlangen, welchen Einfluss die Anlagen und welchen die Umwelt auf die Entwicklung des Menschen hat. Eine ihrer wichtigsten Beobachtungen: Babys sind von Anfang an unterschiedlich! Wenn dem so ist, benötigen junge Eltern eine Anleitung, wie sie das individuelle Temperamentsmuster ihres Kindes richtig erkennen und fördern können. Dazu möchte ich Sie in diesem Buch anleiten. Ein nächster Schritt ist, zu einem guten Zusammenspiel zwischen dem Temperamentsmuster des Kindes und dem Temperament sowie Erziehungsstil der Eltern zu finden. Sie können zu einem guten oder schlechten Zusammenspiel finden und sich damit das Zusammenleben mehr oder weniger angenehm machen. Also werden wir uns damit befassen, was für einen Persönlichkeitstyp Sie darstellen und zu welchem Erziehungsstil Sie tendieren. Ziel ist, die spezifischen Seiten der kindlichen Individualität zu erkennen und danach Erziehungsschritte zu ergreifen, die sich möglichst optimal mit der kindlichen Temperamentsstruktur vertragen. Wie das praktisch aussieht, werden Sie auf den nächsten Seiten lesen. Da Kleinkinder in der heutigen Zeit immer stärker unter Fremdbetreuung stehen, ist ebenso ein gutes Zusammenspiel zwischen Elternhaus und Erziehern/innen von entscheidender Wichtigkeit. Eltern und Erzieher/innen müssen sich gemeinsam bemühen, das kindliche Temperament zu entdecken und zu fördern, um dann zu einem guten Zusammenspiel in der Allianz von Elternhaus und Tagesmutter beziehungsweise Krippe, Kindergarten, Hort oder Grundschule zu finden. Deshalb ist dieses Buch nicht nur an junge Eltern gerichtet, sondern gleichzeitig an Erzieher/innen und Lehrer/innen. Ich habe mich mit den unterschiedlichen Theorien zur Kindesentwicklung intensiv befasst und sehe es als meine Aufgabe, den psychologischen Fachjargon in eine verständliche Alltagssprache herunterzubrechen, so dass jede junge Mutti und Vati die komplizierten Abläufe im Miteinander nachvollziehen können. Für die, die ein größeres Interesse an psychologischen Fachbegriffen und Hintergrundwissen haben, habe ich eine Reihe Fußnoten mit Verweisen beigefügt. Wer schnell zum Ziel kommen möchte, kann das Buch auch ohne den Ballast der Fußnoten zügig durcharbeiten.

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Persönlichkeitsentwicklung - wie geschieht sie?

Jedes Kind ist einzigartig! Ich erinnere mich gern daran, wie sich bei Claudia, meiner Frau, früher ein Mütterkreis traf. Meistens waren es Frauen mit Babys oder Kleinkindern, die zusammensaßen und miteinander plauderten. Ich genoss es, für ein zweites Frühstück von meiner Studierklause zu ihnen ins Esszimmer zu schlüpfen und ihren Gesprächen zu lauschen. Aber am meisten beobachtete ich die Kinder. Ich liebte es, ihnen zuzuschauen und so meine Schlüsse zu ziehen. Wie unterschiedlich sie doch sind! Keins gleicht dem anderen. Das eine Baby liegt ruhig, beinahe ausdruckslos im Arm seiner Mutter, ein anderes macht ihr mit seinem Strampeln so zu schaffen, dass sie nur mit Mühe zum Frühstücken kommt. Ein Zweijähriger schreit mit entschlossener Miene nach einem Puzzle im Regal, an das er nicht heranreichen kann, eine andere trällert mit friedlicher Miene ein Lied. Und dann die Mütter: Die eine scheint nichts aus der Ruhe bringen zu können. Mit stoischer Miene bleibt sie bei ihrem „Nein", obwohl sich die Kleine aus Protest auf den Boden wirft. Einer anderen ist die Nervosität ins Gesicht geschrieben… Als ich wieder in meinem Studierzimmer sitze, geht mir durch den Kopf: Wie werden sich diese süßen Kleinen weiterentwickeln? Und die Eltern? Wie werden sie es packen, wie auf ihre Kinder eingehen? Jede Familie ist doch eine Welt für sich. Nehme ich nur einmal unseren Mühlan-Clan: Vater, Mutter, sechs angenommene und sieben leibliche Kinder. Claudia und ich – jeder hat seinen eigenen Stil und seine eigene Art, auf die Kinder einzugehen, obwohl wir uns mit den Jahren weitestgehend aufeinander abstimmen konnten. Claudia von Haus aus die etwas kühlere, strengere, ich der etwas warmherzigere, großzügigere… Beide sind wir allerdings durchorganisierte Arbeitstypen. Wenn wir zupacken, fliegen die Fetzen! Wenn ich so an die Hoch-Zeit unseres Familienlebens zurückdenke: Wir lebten in einem großzügig gestalteten, alten Haus. Da gab es immer etwas zu renovieren und zu reparieren. Das bewältigten wir während unserer gemeinsamen Arbeitszeiten hauptsächlich mit den älteren Kindern zusammen - da bekamen sie viele handwerkliche Fähigkeiten mit, die sie heute noch nutzen. Dann zeichnete uns ein regelrechter „Natur-Tick“ aus: Die Kinder wuchsen mit Garten, Tieren und gesunder Ernährung auf. Urlaube verbrachten wir am liebsten als Globetrotter in einem verschwiegenen Winkel der Welt. Pilze sammeln, angeln, die halbe Nacht am Lagerfeuer verbringen, im Freien schlafen und möglichst keine anderen Menschen dabei begegnen. Oder mit unserem alten Wohnmobil durch die Vorsahara in Marokko schaukeln und die Gastfreundschaft in den kleinen abgelegenen Dörfern genießen und als die Kinder älter waren, mit Trekking-Rucksack durch Thailand, Nepal und Indien tingeln. 6


Und dann die einzelnen Kinder! Wenn wir genauer hinschauen, ist jedes ein Original mit seinen eigenen Fähigkeiten und Begrenzungen. Sie haben eigentlich alle unsere Liebe zur Natur übernommen, und setzen dies wiederum in ihren eigenen Familien um. Auch scheinen alle eine fast unbändige Reiselust „geerbt" zu haben. Jedes ist auf seine Art praktisch und kreativ. Den flinken Arbeitsstil haben allerdings nicht alle übernommen. Im Vergleich zu Claudia und mir gibt es bemerkenswert langsamere Typen, die Arbeit ganz anders angehen als wir beide. Und dann ihre unterschiedlichen Interessen! Das eine Kind konnte sich mit „Biene“, unserem Berner Sennenhund, stundenlang draußen herumtreiben und starb vor Langeweile, wenn es sich bei schlechtem Wetter drinnen beschäftigen musste, ein anderes schuf sich in seinem Zimmer durch Zeichnen, Musizieren und Schmökern seine eigene Welt. Was haben wir aufgeatmet, wenn ein Kind alleine gut in der Schule zurechtkam, während wir bei einem anderen unendlich viel Zeit und Geduld für das Üben investieren mussten! Am auffallendsten: Ein Kind hielt sich leichter an Familienregeln, während ein anderes eine ganz schöne Portion Standhaftigkeit und Konsequenz unsererseits benötigte, bis es einlenkte. Die eine sang und strahlte fast immer, der andere zog eher verschlossen durchs Haus - und war besonders morgens nicht ansprechbar. Oder: Er, das Plappermäulchen und sie, die verschmuste Stille. Da gab es den Arbeitswilligen, der ungefragt mit anpackte, und den Drückeberger, der einfach nicht zu finden war, wenn es nach Arbeit roch – und das alles unter einem Dach. Bei sechs angenommenen und sieben eigenen Kinder ergab das ein sehr buntes Bild und erforderte enorme Flexibilität im Umgang mit jedem einzelnen. Das mussten wir erst einmal lernen! Es macht Riesenfreude, einem Kind bei seiner Persönlichkeitsentwicklung erfolgreich beistehen zu können, aber es bereitet Riesenkummer, wenn es trotz aller Mühe nicht gelingt und der Heranwachsende nicht nur einen anderen Weg einschlägt, sondern sich zusätzlich mit einer Menge Probleme herumschlägt und sein Leben einfach nicht in den Griff zu bekommen scheint.

Persönlichkeitsentwicklung ist nicht vorhersagbar! Da brechen Fragen auf: Wieso entwickeln sich manche Kinder glatt und unproblematisch, während andere alle möglichen Formen von Verhaltensschwierigkeiten aufweisen? Wie vollzieht sich überhaupt die Persönlichkeitsentwicklung1 eines Kindes in der Familie? 1

Wie ist der Begriff Persönlichkeit zu definieren? Was gehört dazu? Jeder meint zu wissen, was damit gemeint ist, aber wenn man es erklären soll, kann man leicht ins Stottern geraten. Es ist hilfreich von einer Außenseite, wie zum Beispiel die äußere Erscheinung, typische Gewohnheiten und Reaktionsweisen, und von der inneren Seite einer Persönlichkeit zu sprechen. Zur inneren Seite gehören zum Beispiel die Gefühle und Emotionen, die jemanden bewegen, was für ihn wichtig ist im Leben, welche Werte er hochhält, welche Einstellungen er zu anderen Menschen hat - zu Älteren oder Menschen anderer ethnischer Herkunft. Die verschiedenen Persönlichkeitsmerkmale eines Menschen bilden zusammen das individuelle Charaktermuster, das ihn auszeichnet. Die Begriffe Persönlichkeit und Charakter sind nach dieser Definition austauschbar. Nach Rita Kohnstamm, Praktische Kinderpsychologie, Huber 2006, S. 253ff.

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Es gibt zwei weitverbreitete aber irreführende Vorstellungen, die in vielen Elternköpfen herumspuken und ihr Erziehungsverhalten beeinflussen: Einmal, dass vor allem die Eltern die Hauptverantwortlichen wären für das Gelingen des Aufwachsens von Kindern. Eine zweite falsche Vorstellung ist die, dass die ersten Lebensjahre eines Kindes die allerwichtigsten wären; so entscheidend, dass es später nicht mehr viel zu verändern gäbe. Solche falschen Vorstellungen können zu fatalen Schlussfolgerungen führen: Nämlich, dass alles, was während der Persönlichkeitsentwicklung schiefgehen könnte, auf die Eltern zurückzuführen sei. Ob nun kleine Verhaltensauffälligkeiten, Schulschwächen, Lügen oder Stehlen…Schnell ist man dabei, den Eltern die Schuld zu geben, denn schließlich üben sie doch den größten Einfluss auf ein Kind aus. Viele Eltern quälen sich deshalb ein Leben lang mit unnötigen Schuldgefühlen ab. Umgekehrt machen erwachsene Kinder ihren Eltern schwere Vorwürfe für ihr missratenes Leben und kommen nicht darauf, dass es auch die Frucht ihrer eigenen falschen Entscheidungen sein könnte. Fatale Schlussfolgerungen zu der zweiten These können so aussehen: Wenn die ersten drei oder fünf Lebensjahre so entscheidend wichtig sind, dann gehören die Kleinkinder in die Hände von Fachleuten. Das können doch normale Eltern gar nicht bewältigen. Oder man gibt mit seinen Erziehungsbemühungen in den späteren Jahren einfach auf, da es ja jetzt sowieso nichts mehr zu erziehen gibt. Diese falschen Annahmen, die etwas verzerrt durch Elternköpfe schwirren, haben ihre Wurzeln in der Geschichte der Psychotherapien und Kindes-Entwicklungstheorien. Dem Psychoanalytiker Freud2 und seinen Nachfolgern haben wir die These zu verdanken…

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Siegmund Freud (1856 - 1939) ist ein österreichischer Psychiater und Neurologe und wird als der Begründer der Psychoanalyse, auch Tiefenpsychologie genannt, bezeichnet. Freuds Werk ist geprägt von seiner humanistischen Bildung. Er entwickelte eine Triebtheorie, die besagt, dass der Mensch überwiegend von Trieben gesteuert werde. Zu seinen unmittelbaren Nachfolgern zählt man Carl Gustav Jung und Alfred Adler.

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