Valerie Lill
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Bestell-Nr. 52 50113 ISBN 978-3-86773-138-6 Alle Rechte vorbehalten © 2012 cap-books by cap-music Oberer Garten 8 72221 Haiterbach-Beihingen 07456-93930 info@cap-music.de www.cap-music.de Illustrationen: Janik Lill Satz: cap-books, Rebecca Tetzlaff, Claudia Kirschner Druck: Schönbach-Druck
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Inhalt Milchbrötchen & Zopftrallala.....7 Schiela & Schnulli...................... 21 Matsch & Plemplem................... 35 Ketchupkopf & Zipfelmütze.... 43 Dreck & Dingsda........................ 51 Limo & Seife................................ 59 Moos & Matsch........................... 65
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Gl端ck im Ungl端ck oder Ungl端ck im Gl端ck...................... 75 Schwamm & Schere................... 87 Gemeinsam gemein sein oder einsam allein.............................. 99 Wolf oder Schaf....................... 105
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Milchbrötchen & Zopftrallala Am Montagmorgen wachte ich schon vor dem Wecker auf. Jesus lag zusammengerollt wie eine Lakritzschnecke auf seinem Lieblingsplatz vor meinem Bett und schnarchte leise. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass er grinste. Vielleicht träumte er gerade von einem riesigen Knochen oder von den vorwitzigen Enten im Schulteich. Mein erster Schultag an der weiterführenden Schule lag vor mir und ich war zu kribbelig, um noch länger im Bett zu bleiben. Also stieg ich vorsichtig über den schlafenden Hund. Aber Jesus
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bekommt immer alles mit. Sofort ging ein Auge auf und der Schwanz fing an zu wedeln. Er gähnte herzhaft und erhob sich dann, um den leckeren Gerüchen aus der Küche nachzugehen. Meine Mutter hatte Jesus nach anfänglichem Zögern in ihr Herz geschlossen und hat nun immer eine kleine Leckerei für ihn. Als Jesus damals auf einmal aufgetaucht war und beschlossen hatte, bei uns zu wohnen, hatte sie sich erst gesträubt. Aber man kann ihn einfach nur lieben! Er ist der freundlichste Hund, den man sich vorstellen kann und dabei sehr mutig. Sein einziger Nachteil ist, dass er uns mit seiner Neugierde manchmal in Schwierigkeiten bringt. Bevor Jesus bei uns einzog, war vieles anders gewesen. „Du hast gar keine Freunde!“, hatte Mutti traurig festgestellt. Dabei stimmte das nicht ganz. Opa war der beste Freund, den ich mir vorstellen konnte. Und er hatte Jesus für mich herbeigebetet. Ja, das war das Beste gewesen: Mein neugieriger Mischlingshund war auf einmal wie aus dem Nichts aufgetaucht, um mich zu beschützen und hatte mein Leben gründlich durcheinandergewirbelt. Seitdem war ich nicht nur mutiger geworden, ich hatte auch noch an-
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dere Freunde gefunden neben Opa. Richtige Freunde in meinem Alter! Und ich hatte endlich den Mut gefunden, mich gegen die großen Jungs zu wehren, die mir immer wieder das Leben schwer machten, weil sie mir irgendwo auflauerten. Genau genommen hatte Jesus das für mich gemacht. Sie hatten nämlich mächtig Respekt vor ihm und ließen mich fortan in Ruhe. Und dann wurden Jesus und ich zu Helden des Tages, als wir Opa das Leben retteten. Er hatte einen Schlaganfall und Jesus und ich fanden ihn gerade noch rechtzeitig. Opa ist immer noch in einer Reha-Klinik, wo er wieder lernen muss zu gehen und zu sprechen und alleine zu essen, aber er macht gute Fortschritte und vielleicht können wir schon bald wieder zusammen „Mensch-ärgere-dich-nicht“ spielen. Diese ganze Geschichte hatte ich aufgeschrieben. Mein größtes Hobby ist nämlich schreiben. Ja, das stimmt echt! Ich schreibe für mein Leben gern, aber nie im Leben hätte ich den Mut gehabt, meine Geschichten irgendjemandem zu zeigen. Das hatte Lene dann für mich gemacht. Lene ging mit mir in eine Klasse und gab Herrn Groß,
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dem beliebten und beleibten Deutschlehrer, heimlich die Geschichte von mir und meinem Hund Jesus. Ja und dann kam es, wie es kommen musste: Ich gewann einen Sonderpreis und – was viel wichtiger ist – Freunde: Henrik und Lene und natürlich Jesus. Henrik und ich freuten uns schon auf unsere neue Schule. Na ja, so gut wie man sich eben auf die Schule so freuen kann. Lene und Leonie würden auch in unsere Klasse kommen. Ich war total gespannt auf die Lehrer und meine neuen Mitschüler. Das einzig Blöde an der weiterführenden Schule war bloß, dass ich nun mit dem Bus fahren musste. Aber Henrik und Lene würden nicht nur mit mir in einer Klasse sein, wir würden auch gemeinsam mit dem Bus fahren und da würde es uns sicher nicht langweilig werden. Ich putzte also meine Zähne und kämmte heute sogar freiwillig meine Haare. Am ersten Tag möchte man schließlich keinen schlechten Eindruck machen. „Gar nicht so übel“, dachte ich zufrieden, als ich in den Spiegel guckte.
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Zum Frühstück gab es Milchbrötchen, Müsli und Zopftrallala. Ja – richtig gelesen! Zopftrallala. Meine kleine Schwester Pia machte ein riesiges Theater, weil sie keine Zöpfe wollte und meine Mutter schon. Also Mutti wollte, dass Pia Zöpfe trägt natürlich. Meine Mutter trägt nie Zöpfe. Keine Ahnung, warum man Kinder mit Sachen quält, die man selbst nicht mag! Aber dafür so ein Theater zu machen, ist doch ein bisschen übertrieben.
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Ich war froh, als ich endlich weg kam, so viel steht fest! Nach einer ausgiebigen Verabschiedung von meinem traurigen Hund machte ich mich also endlich auf den Weg. Henrik würde an der Bushaltestelle auf mich warten, das hatten wir gestern so abgemacht. Natürlich war weit und breit kein Henrik zu sehen! Das sah ihm mal wieder ähnlich. Hoffentlich kam er vor dem Bus! Ich kam mir ein bisschen verloren vor zwischen den vielen älteren Kindern, die sich alle schon kannten. Da schnodderte auf einmal hinter mir eine nur allzu bekannte Stimme: „Hey Zwerg, setz dich doch auf den Boden, der ist Dreck gewöhnt!“ Mein Herz setzte einen Schlag aus und beinahe hätte ich mich wirklich auf den Hintern gesetzt vor Schreck. Aber den Gefallen wollte ich dem blöden Doofmann hinter mir nicht tun. Ich drehte mich um und schaute Kevin direkt vor die schwarze Lederjackenbrust. Kevin! Meine Augen kletterten hoch bis in sein Gesicht, das sich nun zu einem gemeinen Grinsen verzog. „Na, so sieht man sich wieder, was? Und deinem Beschützer-Hund wird wohl schlecht vom Busfahren, was? So ein Pech aber auch!“
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