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Peter Hahne Das Buch zum
Weihnachtsfest
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Š 2011 mediaKern GmbH, Friesenheim-Schuttern
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Vorwort Weihnachten! Ein Wort, das die Welt verzaubert. Ganz gleich, ob allein oder im Familienkreis, ob zu Hause oder in der Ferne, ob gläubig oder suchend: Es ergreift jeden auf geheimnisvolle Weise. Ganz persönlich. Das Fest der Liebe lässt niemanden kalt. Auch ich freue mich auf Weihnachten. Alle Jahre wieder. Und es liegt an uns, diese Festtage zu etwas Besonderem werden zu lassen. Dazu will dieses Buch Anregungen geben. Ich wünsche Ihnen in den eiligen Tagen bis zum Heiligen Abend die wahre Freude des Advents: Die Herren dieser Welt gehen, unser Herr aber kommt. Diese Erwartung macht das Fest gehaltvoll und unser Leben wertvoll. »Die Freude ist der Doktorhut des Glaubens« (Martin Luther). Frohe und gesegnete Weihnachten wünscht Ihnen
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Die Weihnachtsverheißung . . . Und du, Bethlehem Ephratha, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, welches Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist. Der Prophet Micha 5,1 Darum so wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie heißen Immanuel. Der Prophet Jesaja 7,14 Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht; und über die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunderbar, Rat, Kraft, Held, Ewig-Vater, Friedefürst. Der Prophet Jesaja 9,1.5 Aber du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm, und reitet auf einem Esel und auf einem jungen Füllen der Eselin. Der Prophet Sacharja 9,9 6
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. . . und ihre Erfüllung Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger von Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren 8
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wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der HÜhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen! Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott um alles, was sie gehÜrt und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. Die Weihnachtsgeschichte nach dem Lukasevangelium 2,1–20
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Weihnachten! Gottes Liebe bekommt in Jesus Hand und FuĂ&#x;. Friede und Geborgenheit sind zum Greifen nahe.
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Zum ersten Mal Es muss im Jahre 1912 gewesen sein, am 23. Dezember. Wir fuhren von Göttingen bis Eichenberg mit der Bahn, ein Dutzend Jungen, die dem Alt-Wandervogel angehörten, und wateten dann durch den hohen Schnee querfeldein auf die Burgruine Hanstein zu. Noch war sie nicht in Sicht. Wir zogen über Berg und Tal, durch Wälder, durch Schluchten und an Hängen hin. Manchmal gab es kleine Raufereien, der eine und andere wurde im Schnee herumgewälzt und »gewaschen«. Wenn das Gelände es zuließ, fassten wir Tritt und sangen. Die Sonne schien matt durch den Frostrauch, der über der Erde stand. Schweigend lagen die Dörfer im Grunde. Höchstens, dass einmal ein Hundegebell an unser Ohr drang. Wir zogen dahin, sangen und waren guten Mutes. Damals hatte das Wanderwesen gerade begonnen, die Jugend zu verlocken. Jede Fahrt bedeutete ein Abenteuer. Jugendherbergen gab es noch nicht. Und wenn es sie gegeben hätte, wären wir an ihnen vorbeigegangen. Noch lag der Glanz des Neuen, ja des Unerhörten über allen Unternehmungen. Man entdeckte die Landschaft, die Freiheit, die Lieder, die Spiele, die Tänze, die Freunde, sich selbst, 12
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die Welt, alles. Ich war damals vierzehn Jahre alt und erst wenige Wochen bei der Gruppe. Wir dachten nicht viel über das Leben nach, aber wir lebten. Gerade weil wir nicht über das Leben nachdachten, lebten wir. Wir waren ein Teil des Lebens. Ich fürchte, die klugen jungen Menschen von heute würden nicht viel von uns gehalten haben. Wir von ihnen übrigens auch nicht. Um die Abenddämmerung erreichten wir die Ruine. Und alsbald begann im Saal, den eine Balkendecke, verglaste Fenster und ein offener Kamin bewohnbar machten, eine bewegende und erregende Weihnachtsfeier. Für mich war sie deshalb so bewegend, weil fast alles, was geschah, unter dem verklärten Zeichen des »Zum ersten Mal« stand. Zum ersten Mal sah ich einen Weihnachtsbaum, der keinen anderen Schmuck als einige Kerzen trug und mit seinem weit ausladenden, stark duftenden Gezweig so waldhaft, so unberührt wirkte. Zum ersten Mal vernahm ich die Weihnachtsgeschichte in der großen, männlichen Sprache des HeliandDichters. Zum ersten Mal ließ die zärtliche, von Geigen und Blockflöten umjubelte Melodie des »Susani, susani« mein Herz erbeben. Zum ersten Mal erfuhr ich, was das ist, eine Gemeinschaft. Zum ersten Mal war ich nicht mehr allein. Und dann kam noch ein anderes, ein unvergessliches »Zum ersten Mal«. 13
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Ehe wir uns im aufgeschütteten Stroh schlafen legten, tastete ich mich die dunkle Stiege im Turm empor. Als ich oben ins Freie trat, flimmerte ein winterlich klarer Sternenhimmel über mir. Ich erkannte den Orion, den Fuhrmann, den Großen Bären, ich erkannte Perseus, den ich vor allen anderen liebte, Andromeda, Kepheus und Kassiopeia. Zu meinen Füßen lagen die verschneiten Bergrücken und Wälder. Dort unten im Tal strömte die Werra. Jenseits erhob sich der Ludwigstein, damals noch eine unbekannte Burg. Nahebei dunkelten die Häuser des Dorfes. Unmittelbar unter mir dämmerte hinter den Fenstern des Saales ein rötlicher Kerzenschein. Dort summten und sangen die Kameraden. Und da überkam mich plötzlich ein Glücksgefühl von geradezu mystischer Tiefe. Wie traumverloren war das mattsilberne Bergland mit seinen Schatten, wie geheimnisvoll die Grenzenlosigkeit der Nacht mit den strahlenden Sternbildern. Wie abgründig das Schweigen ringsumher. Wie liebte ich das alles. Wie liebte ich die Welt. Aber seltsamerweise brachte das Glück, das Übermaß von Glück, keinen Frieden in meine Seele, sondern eher Unruhe und Traurigkeit. Es war das Glück, ohne Frage. Ich glaubte sogar zu wissen, dass ich nie wieder so glücklich sein könne wie in dieser Stunde. Und doch war es nicht genug. Es fehlte etwas. Ich zitterte vor Glück und ich zit14
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terte gleichzeitig vor Ungenügen und Sehnsucht. Eine Ahnung überkam mich, dass nichts, was ein Mensch auf Erden erlebt, imstande ist, die Ruhelosigkeit in ihm zu stillen. Auch in ihrer schönsten Schönheit war die Welt nicht vollkommen, nicht heil, nicht tröstlich im Letzten. Es gab etwas in mir, in meinem bebenden Jungenherzen, das sich über den flimmernden Glanz der Welt, über jedes Maß an irdischer Seligkeit hinaus nach einer Seligkeit und Schönheit und Wahrheit verzehrte, die ohne die rätselhafte Friedlosigkeit, ohne die Gebrochenheit, ohne das Ungenügen sein sollte. In jener Nacht auf dem Turm der Burg Hanstein erfuhr ich zum ersten Mal, unbestimmt nur und jungenhaft, wie es ist, wenn ein Mensch von einem Verlangen nach dem Unendlichen oder nach Gott durchflutet wird. Manfred Hausmann (1898–1986)
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