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Vorwort An manchen Tagen erfüllt mich tiefe Dankbarkeit darüber, wie der lebendige Gott handelt und offene Türen schenkt, wo alles verschlossen scheint. Und es gibt Tage, da begreife ich nichts mehr. Trotz vieler Gebete starb eine junge Freundin an einer heimtückischen Krankheit. Kurz danach waren wir auf einer Freizeit mit dem Thema: »Josef – Gott macht es gut.« Die junge Frau hätte gerne anderen noch von ihrem neu gefundenen Glauben an Jesus Christus erzählt. Ihre Tochter muss ohne Mama aufwachsen. Was war daran gut? Maßarbeit Gottes? Eines ist klar: Maßarbeit Gottes entspricht nicht immer unserem Wunschdenken. Offene Fragen und dunkle Wegstrecken bleiben uns nicht erspart. Aber ich weiß, dass einer da ist, der versprochen hat, bei uns zu sein. Alle Tage und auch alle Nächte. Jesus. Jederzeit können wir mit ihm reden und ihm unsere Fragen bringen. Manche Antworten werden wir erst am Ziel bekommen. Bis dahin bleibt: Auch 5


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wenn wir nichts sehen oder fühlen: Gott ist da. Dieses Vertrauen wünsche ich Ihnen – und viel Freude beim Lesen! Brigitte Hauth


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Inhalt Vorwort

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Schleichendes Gift

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Aline

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Eisheilige

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Eine Handvoll Gänseblümchen

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Maßarbeit Gottes

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Ein hoffnungsloser Fall

57

Im Sturm des Alltags

67

Nehmt euch der Schwachen an

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Nichts ist unmöglich

85

Die verpasste Hauptrolle

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Schleichendes Gift Umlagert von einem bizarren Felsmassiv lag der malerische Urlaubsort am Ufer der See. Ellen Kastner öffnete das Fenster und genoss den Ausblick. Die herrliche Kulisse war ein Genuss und Ellen staunte immer wieder neu über dieses Schöpfungswunder. Auf der Hotelterrasse ließen sich die Gäste das reichhaltige Frühstücksbuffet schmecken. Ein älteres Ehepaar winkte ihr zu. »Bis später«, formte Ellen lautlos die Worte. Das Ehepaar Schneider war wieder für einige Tage an Land, ehe es mit dem Kreuzfahrtschiff weiterging zu neuen Ufern. Es waren angenehme Gäste. Sie verbreiteten immer wieder eine wohltuende Atmosphäre. Ellen war schon im vorigen Jahr an der Rezeption mit ihnen ins Gespräch gekommen. Frank und Melanie Schneider hatten ein mittleres Unternehmen geleitet und es in den letzten Jahren in jüngere Hände abgegeben. Danach fanden sie eine außergewöhnliche Aktivität, um ihre Zeit und die finanziellen Mittel zu nutzen. Sie 9


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buchten Schiffsreisen, um mit der Schiffsmannschaft in Kontakt zu kommen. Das konnte Kapitän oder Schiffsjunge oder der Pianist an Bord sein. In ihrem Reisegepäck waren Bibeln in verschiedenen Sprachen und Fernkurse zum Bibelstudium. Die Mannschaft befand sich oft über Monate auf See fernab von zu Hause. Die persönliche Anteilnahme tat gut. Beim Landgang erfüllte das Ehepaar manchen Wunsch derjenigen, die an Bord bleiben mussten. Unermüdlich lud das Ehepaar zum Lesen der Bibel ein. Die Resonanz war unterschiedlich. Manchmal kam Ablehnung. Aber mehr als einmal erlebten die beiden, dass einer seine (Wasser-)Straße fröhlich zog wie der Kämmerer aus dem Mohrenland in der biblischen Apostelgeschichte. Ellens Neugier war geweckt. So kam es, dass sie sich in ihrer Freizeit mit Schneiders traf. Die Bibel, bisher ein fremdes Buch für sie, wurde zur täglichen Lektüre. Sie spürte sich ganz persönlich angesprochen vom Ruf Jesu in die Nachfolge. Ellen brachte Dinge aus der Vergangenheit in Ordnung. Neues Leben erfüllte sie mit einer nie gekannten Freude. 10


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Beim Gedanken an diese bedeutende Veränderung ihres Lebens setzte sie sich gut gelaunt an ihren Computer. Ihr Blick wanderte zur Uhr. Es war kurz nach zehn Uhr. Hinter der Glaswand mit den vielen Grünpflanzen saß Herr Harlacher in seinem Büro. In wenigen Minuten waren sie mit ihrem Computerfachmann wegen der neuen Software verabredet. »Frau Kastner, kommen Sie bitte in mein Büro.« Das klang nicht gut. »Bitte setzen Sie sich.« Die Miene des Chefs war kühl. »Mit ihrer Arbeit war ich bisher sehr zufrieden. Was sich im letzten Monat ereignet hat, enttäuscht mich sehr.« Verwundert sah Ellen den Hotelier an. »Ich verstehe nicht …« »Vielleicht verstehen Sie, wenn ich Sie an die Kasse in unserer Rezeption erinnere.« Ellens Augen waren ein einziges Fragezeichen. »Ich wurde vor einigen Tagen darauf aufmerksam gemacht, dass der Kassenbestand nicht stimmt. Das wiederholte sich immer dann, wenn Sie Dienst hatten. Gestern war der Fehlbetrag besonders hoch.« 11


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»Aber Sie glauben doch nicht, dass ich …« »Was ich glaube, spielt keine Rolle. Eigentlich müsste ich Sie fristlos entlassen. Aber ich schätze Ihre Arbeit hier im Büro und kann Sie jetzt mitten in der Saison einfach nicht ersetzen. Sie werden einen befristeten Vertrag unterschreiben. Die Arbeit an der Rezeption übernehmen andere.« Klaus Harlacher erhob sich. »Kommen Sie, wir wollen den Computermenschen nicht warten lassen.« Wie betäubt folgte Ellen. Immer noch benommen, traf sie am Nachmittag Frank und Melanie Schneider. Barfuß lief sie am Strand entlang. »Ist etwas passiert? Du siehst so verstört aus.« Stockend berichtete Ellen von dem Vorfall. Betroffen hörten die Freunde zu. »Ich bekam keine Chance, mich zu verteidigen.« »Das ist schon seltsam. Hast du einen Verdacht?« »Heute morgen kam ich von einer geschäftlichen Besprechung an der Rezeption vorbei. Herr Vittorio, ein Kollege, unterhielt sich leb12


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haft mit Vanessa, der Nichte von Herrn Harlacher. Als sie mich sahen, waren sie sofort still.« Sie waren weit gelaufen. Die Bucht war still und schattig. Die Touristen tummelten sich weiter vorn am sonnigen Sandstrand. »Vanessa wollte meine Stelle haben. Sie hat nicht die nötige Qualifikation.« Sie setzten sich auf Felsbrocken, die das Ufer säumten. »Ich habe versucht, ihr freundlich zu begegnen. Sie zeigt mir stets die kalte Schulter. Aber so etwas Gemeines traue ich keinem zu. Bestimmt ist es ein Irrtum.« Frank und Melanie hörten zu. Lange Zeit war es still. Dann beteten sie gemeinsam, breiteten die Not vor Gott aus und baten um seine Hilfe. »Bevor ich heute morgen zur Arbeit ging, habe ich im Liederbuch der Bibel, den Psalmen, gelesen: ›Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.‹ Da habe ich mir überlegt, welchen Text dieses neue Lied hat«, erzählt Ellen. »In den letzten Tagen haben wir mal gemeinsam im ersten Korintherbrief gelesen. ›Man schilt uns, so segnen wir, man ver13


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folgt uns, so dulden wir’s, man verlästert uns, so reden wir freundlich.‹ Ich denke, das ist jetzt mein ganz spezielles Kontrastprogramm.« »Setz dieses neue Lied in die Praxis um«, ermutigte Melanie, »auch wenn es nicht leicht fällt! Damit ehrst du deinen himmlischen Vater. Überlass Ihm das Handeln.« Die Arbeit, die Ellen bisher so viel Freude gemacht hatte, fiel ihr jetzt schwer. »Was macht das neue Lied?«, fragten Frank und Melanie vor ihrer Abreise. »Ich übe.« Ellen war sichtlich angespannt. »Aber ich gebe nicht auf.« »Wir unterstützen dich weiter«, versprachen die beiden und Frank zeigte mit dem Finger nach oben. Ellen winkte dem Taxi nach. Unbemerkt war Herr Vittorio neben sie getreten. Er flüsterte ihr zu: »Nehmen Sie sich vor Vanessa in Acht. Wo sie geht und steht, versprüht sie Gift. Sie ist eine Schlange!« Verwundert blickte Ellen auf. Warum sagte er ihr das? Eine Woche später wurde sie erneut in das Büro des Chefs gebeten. Herr Vittorio war 14


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ebenfalls anwesend. »Es ist mir äußerst peinlich, dass ich Sie verdächtigt habe, Frau Kastner. Herr Vittorio hat gerade die Schuldige überführt.« Er machte eine kleine Pause. Ellen lächelte den Kollegen dankbar an. Es fiel Herrn Harlacher sichtlich schwer, weiterzureden. »Vanessa packt die Koffer. Bitte verzeihen Sie mir!« »Sie wurden genauso wie ich betrogen. Aber – geben Sie Vanessa eine Chance!« Herr Harlacher stand am Fenster und sah lang hinaus. »Vanessa hat die Atmosphäre dermaßen vergiftet, dass selbst ich in die Falle tappte. Und Sie bitten um Gnade für Vanessa?« Verständnislos schüttelte er den Kopf. »Steht so etwas in der Bibel?« Ellen war überrascht. Der Chef hatte sie offensichtlich beobachtet. »So ist es«, bestätigte sie mit zitternder Stimme. »Das Rezept, das dieses Gift unschädlich macht, kommt aus der Bibel.« »Dann sollte ich sie vielleicht auch mal lesen.« Er zog die unterste Schreibtischschublade auf und holte eine Bibel heraus. »Die haben mir Schneiders schon beim ersten Auf15


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enthalt gegeben. Trotzdem – Vanessa wird erst einmal nach Hause fliegen. Da hat sie Zeit zum Nachdenken. Dann überlegen wir drei gemeinsam, wie es weitergeht.« Gleich nach Feierabend klingelte das Telefon bei Schneiders. Melanie meldete sich. »Es ist kaum zu glauben, was ich erlebt habe. Eigentlich kann ich es in einem Satz zusammenfassen: Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.«

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