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Kurt H. Mรถller
Hรถrt auf den Stern 24 Adventsgeschichten
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. ISBN 978-3-8429-2601-1 Bestell-Nr. 512 2601 © 2010 mediaKern GmbH, Meißenheim Umschlagbild: © Giordano Aita/Fotolia Umschlaggestaltung: Ch. Karádi Lektorat: Dr. Ulrich Parlow Satz: Ch. Karádi Druck: BasseDruck GmbH, Hagen Printed in Germany 2010 www.media-kern.de
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Meinen lieben Eltern posthum mit Dank für eine besonnte Kindheit in trüben, ärmlichen Zeiten
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Inhalt Anstelle eines Vorworts
1 Der Adventsstern im Oktober 2 Das Weihnachtslicht 3 Das Tannenurwaldraupentier 4 Clemens begegnet dem Christkind 5 Euch ist heute der Heiland geboren 6 Die Botschaft der Nikoläusin 7 Ein Stern strahlt in die Weite 8 Die Weihnachtsdose 9 Fremde waren es in Bethlehem 10 Immer wenn du denkst, es geht nicht mehr
11 Kamingespräch 12 Hirten tragen keine steifen Hüte 13 Macht hoch die Tür
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14 Mein schönstes Weihnachtsfest 15 Mensch, ärgere dich nicht 16 Puddingpulver zum Advent 17 Weihnachtsglanz 18 Tochter Zion, freue dich 19 Sonntagsschule Weihnachten 1953 20 Weihnachtsbaum im Juli 2 1 Wir haben seinen Stern gesehen 22 Gnadenbringende Weihnachtszeit 23 Die Last der Geschenke 24 Der Lobgesang der Maria
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Anstelle eines Vorworts Hört auf den Stern Ich bin mit euch gegangen durch Tage und Nächte Hitze und Kälte durch Wüste und Sand über Berge und Täler durch Sümpfe und Moor habe Wolken durchbrochen und Nächte erhellt die Sonne geblendet und Monde ersetzt mit flimmerndem Schein und strahlendem Glanz
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überzogen Schuld Leid, Kummer und Not mit liebendem Blick der Vergebung und Gnade des göttlichen Sohns vom Vater gesandt Ich bringe das Licht vom ewigen Herrn in euer Dunkel der Zeit Nun nehmt es doch an das Licht für die Welt denn sonst war alles umsonst
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Der Adventsstern im Oktober
»Nach einem nachdenklichen Abend bei einem guten Tropfen war es«, berichtete der alte Camper. »Mit Freunden hatten wir zusammengesessen und die großen und kleinen Themen der Weltgeschichte durchdiskutiert. Natürlich waren wir nicht zu einem einhelligen Ergebnis gekommen. Vielmehr standen die unterschiedlichen Meinungen und Überzeugungen scheinbar unvereinbar, fast trotzig gegeneinander. Es ging auf Mitternacht zu, als wir uns schließlich auf den Weg machten, jeder zu seinem Wohnwagen. Als wir aus dem Vorzelt in die Nacht traten, fanden wir uns unter einem sternenklaren Himmel wieder. Den ganzen Tag war das Wetter wechselhaft gewesen, hatten Wolken und Sonne um die Vorherrschaft gerungen. Nun hatten die Sterne ge11
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wonnen um den Preis der Kälte. Drei Grad zeigte das Thermometer. Unsere Blicke gingen nach oben, wie wir es abends auf dem Weg zum Waschhaus zu tun pflegen. Die Klarheit und Brillanz der Sterne vor einem tiefdunklen Firmament in seiner Reinheit überwältigte uns. Still und ehrfurchtsvoll, fast anbetend schauten wir in die gute Stube des ewigen, heiligen Gottes. Das Gefühl unserer Kleinheit, vielleicht auch menschlicher Erbärmlichkeit nahm Besitz von unserer Seele. Andächtig neigten wir unsere Sinne, während die Blicke fasziniert nach oben gerichtet waren. Im Nordosten über drei gewaltige Buchen hinweg wanderte ein Lichtschein in die Ferne, bis er ganz im Dunkel des Waldes versunken war. Auf der anderen Seite folgte ihm ein diffuser Lichtkreis, als wenn einer eine riesengroße Taschenlampe in die Himmelswelt gehalten hätte. Drüben im Süd12
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westen, wo die Nachmittagssonne uns sonst die Kaffeestunde vor dem Zeltplatz noch erlaubte, blinkte mit großer Strahlkraft der Abendstern als Gegenüber zu dem geheimnisvollen Licht. Schweigend und andachtsvoll überließen wir uns dem eigentümlichen Schauspiel am nächtlichen Oktoberhimmel. ›Als wäre der Stern von Bethlehem in unsere heutige Welt zurückgekehrt‹, musste ich denken, umgeben vom Lichtschein der Ewigkeit. Mich ergriff ein Gefühl der Ehrfurcht und Anbetung. So nah hatte ich mich den Hirten auf den Feldern von Bethlehem noch nie gefühlt wie in diesem Augenblick unter dem norddeutschen Himmel. So musste es gewesen sein damals: Ein gewaltiges, unbekanntes Licht aus einer anderen Welt, das die Hirten übermannt hatte. Es hätte nur noch die Stimme des Engels ›Fürchtet euch nicht‹ gefehlt und ich wäre auf die Knie gesunken, so ergriffen war ich. 13
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Dass die anderen von Lichtspiegelung oder optischer Täuschung sprachen, einer sogar die Möglichkeit einer Raumstation ins Gespräch brachte, rauschte an meinem Ohr wie ungehört vorbei. Selbst die Vermutung, dass es der Wein gewesen sein könnte, der unsere Sinne genarrt hätte, ließ mich unbeeindruckt. Ich hatte den Stern der Ewigkeit gesehen, vielleicht sogar den Weihnachtsstern, der auf dem Weg war, die Weisen zu suchen, dass sie pünktlich zum Anbeten des Jesuskindes an der Krippe seien. Still, ganz still ging ich in den Wohnwagen und ließ die anderen mit ihren Vermutungen, die sich immer lauter artikulierten und schließlich in dröhnendem, fast höhnischem Gelächter untergingen, allein. Mich hatte Weihnachten im Oktober erreicht, Grund zum Staunen und Beten. Seitdem stelle ich bereits im Oktober die erste Adventskerze ins Fenster, auch wenn 14
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die Nachbarn über mich lächeln«, schloss der alte Camper seinen Bericht und ging still ins Haus.
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