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Inken Weiand Wer löst das Adventsrätsel?
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Inken Weiand
Wer löst das Adventsrätsel? Kindergeschichten für jeden Adventstag
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. ISBN 978-3-8429-2600-4 Bestell-Nr. 512 2600 © 2010 mediaKern GmbH, Meißenheim Umschlagbilder: oben: © pixphoto/Fotolia, unten: © Wojciech Gajda//Fotolia Umschlaggestaltung: Ch. Karádi Lektorat: Dr. Ulrich Parlow Satz: Ch. Karádi Druck: BasseDruck GmbH, Hagen Printed in Germany 2010 www.media-kern.de
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Inhalt (Eine volle Buchseite entspricht etwa einer Minute Vorlesedauer. Die Vorlesedauer der meisten Geschichten beträgt zwischen drei und fßnf Minuten.) 28. November
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2. Dezember
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28. November, Sonntag, der erste Advent »Ihr könnt Eberhard zu mir sagen.« Antonia und Mirko sehen den großen, bärtigen Mann böse an. Ja, sie werden Eberhard zu ihm sagen und bestimmt nicht Papa oder Vati. Das soll er sich bloß nicht einbilden! Vati ist tot, seit drei Jahren, und nur weil Mutti jetzt mit diesem Unglückswurm ankommt, ist er noch lange nicht ihr Vater. Ganz heimlich hat Mutti ihn ihnen unterjubeln wollen, diesen Eberhard. Aber Antonia hat gleich Verdacht geschöpft, sofort. Sie lässt sich doch nicht für dumm verkaufen! Als sie sich das erste Mal – angeblich ganz zufällig – in der Stadt getroffen haben, da hat sie schon gewusst, dass da etwas nicht stimmt. Mutti hat ihn auf so einer christlichen Freizeit kennengelernt, sagt sie. Und das mag ja wohl stimmen. Er war jedenfalls nicht verheiratet, nicht bevor er Mutti kennenlernte. Er hat mit seinen Eltern zusammengewohnt und sie wohl auch gepflegt, bis sie dann gestorben sind. Na ja. Schön für die Eltern. Und jetzt haben Mutti und dieser Eberhard geheira-
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tet. Schon vor zwei Monaten. Und Antonia und Mirko mussten mit Mutti umziehen. In das alte Haus mit den großen Bäumen im Garten, das Eberhard gehört. Jetzt haben sie jeder ein eigenes Zimmer, und das ist immerhin nett. Noch netter ist, dass die Zimmer direkt nebeneinanderliegen. Übrigens schlafen Antonia und Mirko im Moment im selben Zimmer. In Mirkos. Dafür stehen in Antonias Zimmer die beiden Schreibtische. So finden die Kinder es lustiger. Doch, Mutti hat die Kinder gefragt. Ja, sie hat sie geradezu gebeten, Eberhard heiraten zu dürfen. Natürlich haben die beiden zugestimmt. Man kann seiner eigenen Mutter ja wohl nicht verbieten, den Mann zu heiraten, den sie lieb hat. Aber eigentlich, ja, ganz eigentlich wollten sie mit Mutti alleine bleiben. Was hat dieser Unglücksmensch herbeizukommen und ihre ganze nette kleine Familie durcheinanderzubringen? Und jetzt ist der erste Advent. Jetzt beginnt die schönste Zeit des Jahres, mit Kerzenschein und Adventskalendern, mit Geschichten und Backen und Basteln und Singen. Für die Adventssonntage überlegt sich Mutti immer etwas Besonderes. Eigentlich. Heute aber, am ersten Advent, verkündet sie nach dem Mittagessen, dass das
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Haus endlich in einen »ordentlichen Zustand« gebracht werden solle. Eine schöne Adventsbeschäftigung! Leere Kisten auf den Speicher tragen. Staubsaugen. Spiele im Regal sortieren. Fenster putzen. Nach einer Stunde aber sind die unangenehmen Arbeiten beendet. Mutti stellt Stollen auf den Tisch und kocht Kaffee und Früchtetee. »Dann können wir gleich noch alles ein bisschen adventlich herausputzen«, meint sie. »Die Räuchermännchen aufstellen«, schlägt Antonia vor. »Und Kerzen.« »Fensterbilder aufhängen.« »Die Weihnachtstischdecke auflegen.« »Einen Kranz an die Tür hängen.« Die Kinder machen Vorschläge über Vorschläge. Mutti lacht. »Eins nach dem anderen. Ein paar Fensterbilder haben wir mitgenommen, die liegen da auf der Kommode. Wir können sie nachher aufhängen. Die Räuchermännchen sind ... dort hinten in der rechten Schublade. Einen Adventskranz habe ich gekauft, allerdings ohne Kerzen. Aber davon haben wir ja genug. Und einen Türkranz muss ich noch besorgen. Das hat Zeit.« Antonia springt auf. »Ich hänge die Fensterbilder auf!«
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»Ich hole die Räuchermännchen!«, bietet Mirko an. »Dann können wir beide ja die Kerzen verteilen«, meint Eberhard. »Wo hast du sie?« Mutti sieht ihn erstaunt an. »Ich habe sie ... in irgendeine Schublade getan ... glaube ich ...« Und dann beginnt das große Suchen. Die Kerzen sind in keiner Kommodenschublade im Wohnzimmer, in keiner Kommodenschublade im Flur. Nicht in einer der Küchenschubladen und auch nicht im Bad. »Warum suchst du im Bad?«, fragt Antonia ihren Bruder. »Kerzen gehören nicht ins Bad.« »Anderswo sind sie ja nicht«, brummt Mirko. Der lange Eberhard guckt auf den Schränken, Mutti sieht hinein. Mirko liegt mittlerweile flach auf dem Boden und schaut unter dem Sofa nach. Antonia guckt in die Truhe im Flur. Vergebens! Schließlich sitzen sie alle erschöpft im Wohnzimmer. »Ich muss eben morgen ein paar Kerzen kaufen«, meint Mutti seufzend. »Was ist eigentlich in dem komischen Pappkarton dort auf dem Beistelltisch?«, erkundigt sich Antonia interessiert. Mutti stößt einen kleinen Schrei aus. Sie öffnet den Karton und entnimmt ihm – die Kerzen. Beim Abendessen brennt die erste Kerze am Ad-
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ventskranz. Zufrieden sieht Antonia auf das freundlich flackernde Licht, dann auf die Räuchermännchen am Fenster. »Trotzdem«, meint sie nachdenklich. »Trotzdem war dieser Adventssonntag vor allem anstrengend. Früher haben wir am ersten Advent zusammen gespielt.« »Was denn?«, erkundigt sich Eberhard. Mirko zuckt mit den Schultern. »Rätseln zum Beispiel.« Eberhard grinst. »Rätselaufgaben kann ich dir stellen. Pass auf: Welche Person aus der Bibel hatte viele verschiedene Berufe, zum Beispiel Räuberhauptmann, König, Hirte und Krieger?« »Räuberhauptmann? Mensch, kommt so etwas in der Bibel vor?«, wundert sich Mirko. »Ja«, brummt Antonia. »Beim barmherzigen Samariter.« »Aber die haben keinen Hauptmann. Das sind einfach so Räuber. Und ihr Hauptmann ist bestimmt nicht gleichzeitig König ...« Welche biblische Gestalt meint Eberhard?
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29. November, Montag Antonia und Mirko kommen aus der Schule. Ganz langsam trödeln sie auf ihrem Heimweg, weil sie einfach keine Lust haben, zu Hause anzukommen. Eberhard ist oft zu Hause und dann ganz plötzlich wieder tagelang so oft weg, dass man kaum etwas von ihm zu sehen bekommt, das haben sie schon gemerkt. Eberhard repariert die Computer von anderen Leuten, wenn diese anderen Leute selber nicht mehr weiterwissen. Das heißt, dass er viel arbeiten muss, wenn viele nicht mit ihrem Computer zurechtkommen. Und wenig arbeiten, wenn keiner Probleme hat. Deshalb kann man nie vorher wissen, ob er zu Hause ist, wenn man heim zu Mutti kommt, oder ob man sie für sich alleine hat. Mutti scheint übrigens auch viel zu tun zu haben im Moment. Sie hat sich ziemlich schnell einem Frauenkreis von der Kirchengemeinde angeschlossen. Und dieser Frauenkreis scheint ständig irgendetwas zu planen, vorzubereiten oder zu unternehmen. Heute zum Beispiel duftet das ganze Haus appetitlich nach Honigkuchen. Schon vor der Haustür kann man es riechen. 12
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Mit gekrausten Nasen schnuppernd, nähern sich Antonia und Mirko der großen Küche. Dort steht Mutti mit vier Backblechen voller Honigkuchen. »Oh!«, macht Antonia. »Für uns?« Mutti schüttelt den Kopf. »Für Eberhard«, vermutet Mirko. Mutti schüttelt schon wieder den Kopf. »Für wen dann?« Ratlos sehen die Kinder sich an. »Heute Nachmittag ist ein Adventsnachmittag für alte Gemeindemitglieder. Dafür habe ich Honigkuchen gebacken. Ich werde also heute Nachmittag nicht zu Hause sein«, gibt Mutti Auskunft. Sie sieht die Kinder ernst an. »Ich erwarte von euch, dass ihr euch benehmt.« Antonia nickt. Natürlich benimmt sie sich. »Ihr könnt natürlich auch mitkommen, wenn ihr wollt«, fährt Mutti fort. Dazu haben die Kinder nun bestimmt keine Lust. Einen ganzen Nachmittag mit lauter einsamen Alten verbringen? Nein, da wollen die Kinder doch lieber allein zu Hause bleiben! Und das tun sie. Nach dem Mittagessen machen sich die Kinder an die Hausaufgaben. Mutti stellt ihnen auf einem Teller zwei Honigkuchen bereit. »Als Belohnung, wenn ihr fertig seid«, sagt sie. Und dann geht sie.
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Mirko und Antonia machen Hausaufgaben. Viel haben sie heute nicht auf. Und die Honigkuchen locken. »Lass uns schnell machen, dann haben wir hinterher noch Zeit«, meint Antonia. Als sie aufschaut, sieht sie ihren Bruder in die Luft starren. »Was ist?« »Ich habe es heraus!«, murmelt Mirko. »Was?« »Eberhards Rätsel. Es war der König David. Der war als Junge ein Hirte. Dann hat er Goliath besiegt und in Sauls Armee gekämpft. Und als er später vor Saul fliehen musste, war er doch so etwas Ähnliches wie Räuberhauptmann.« Er schreibt mit Druckbuchstaben auf einen Zettel: »König David«. Dann nickt er zufrieden und wendet sich endlich seinen Rechenaufgaben zu. Als die Kinder später, Honigkuchen schmausend, in ihrem Zimmer sitzen, fragt Antonia: »Und jetzt?« Mirko zuckt mit den Schultern. »Sollen wir etwas spielen?« »Was denn?« »Ein Brettspiel.« »Na okay.« Wie gut, dass sie gestern alle ihre Spielsachen ordentlich eingeräumt haben! Säuberlich aufgestapelt liegen die Spiele im Regal.
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Schnell haben sich die Kinder auf ein Spiel geeinigt. Und da Eberhard und Mutti nicht da sind, haben sie sich noch schneller geeinigt, ins Wohnzimmer an den großen Erkertisch zu gehen zum Spielen. Sie bauen den Spielplan auf dem Erkertisch auf. Dort liegen einige Zettel herum, ein Einkaufszettel anscheinend, ein paar Telefonnummern und – hoppla, was ist das denn? – eine Art Lageplan. Es sind verschiedene Zimmer aufgezeichnet, ganz offensichtlich. Fenster kann man erkennen, Türen, ein paar Kürzel und an manchen Stellen seltsame Vierecke. An einer Stelle jedoch ist ein dickes Kreuz eingezeichnet. »Boah, guck mal! Eine Schatzkarte!«, ruft Mirko. Was für einen Plan haben die Kinder gefunden?
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