Bestell-Nr.: RKW 5037 © 2023 Kawohl Verlag, 46485 Wesel Alle Rechte vorbehalten Titelbilder: Getty Images / tugores34 & Bundes-Verlag / Nathanael Ullmann (Porträt) Innenbilder: A. Backhaus privat, S. 64 Bundes-Verlag / Nathanael Ullmann S. 89 Daniel Harter, S. 116 Getty Images / artisteer Illustrationen: Getty Images / Polina Tomtosova & Anna Leskinen Lektorat und Gestaltung: RKW / J. Dörr Druck und Verarbeitung: Drukarnia Dimograf, Bielsko-Biała, Polen ISBN 978-3-86338-037-3
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Arno Backhaus Arnos
KofferGeschichten Bunte Anekdoten aus meinem Leben als Musiker, Muntermacher und Mensch
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Damit fing alles an: Eine alte Laute, die Saiten im Dreiklang gestimmt. So konnte ich spielen, ohne einen Griff zu können…
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Inhaltsverzeichnis Vorwort ............................................................. 11 Arno Backhaus – von außen betrachtet ......... 13
Wer ist Arno Backhaus? ......................................................... 13 Kindheit & Schule .................................................................... 13 Glauben & Werden .................................................................. 15 Freunde & Familie .................................................................... 16 Beruf & Berufung ..................................................................... 17
Arno & Andreas ... und andere ........................ 21
Konzert im Bombentrichter ................................................. 21 Fake-Protest bei „The Lighters” ........................................... 21 Das Klo neben der Bühne ..................................................... 22 Macht hoch die Tür … ........................................................... 23 Die Entführer von Hanns Martin Schleyer ...................... 23 Who is WHO? ............................................................................. 25 Zigaretten aus der Jackentasche ....................................... 26 2.000 Vorbestellungen .......................................................... 27 Sonne & Schallplatten – nicht gut! .................................... 28 Das ging in die Hose ............................................................... 28 Ich kleb dir eine! ....................................................................... 29
Solo unterwegs ................................................ 30
Wer sucht, der findet .............................................................. 30 Die Zitterpartie auf der Autobahn und am Telefon..... 31 Nicht zur Nachahmung empfohlen .................................. 32 Schnapsfläschchen in der Schulaula ................................ 33 Können Sie auf 9 Millimeter herausgeben? ................... 34 Im Land der Frühaufsteher .................................................. 35 7
Raubtierfütterung im Schwarzwald ................................. 35 In 50 Jahren „Bühnen“-Präsenz ........................................... 36 Glaub nicht jeder Gastgeberin ........................................... 37 Park nie dein Auto an der Kirche ....................................... 37 1.000 km für die Katz ............................................................. 38 Weg vom Böcke bespaßen .................................................. 41 Eine farbverlaufende Besucherin ...................................... 42 Sie ziehen sich aber noch um?! .......................................... 43 Nur mit Talar! ............................................................................. 44 Dem Fisch muss der Wurm schmecken .......................... 45 Oh Mann, peinlich! .................................................................. 46 Gefahr für Hochschwangere ............................................... 47 Schilderstreich .......................................................................... 47 Schlips gewünscht .................................................................. 48 „Innen drin doch ganz nette Menschen“? ...................... 49 Ein vollgepacktes Vortragsleben ....................................... 50 Interne Hintergrundinfos ..................................................... 51 Gottes Umweg mit einem 50 €-Schein ........................... 55 Zweideutige Einladung zum „Kennenlernen“ ............... 56 Eine reichlich genervte Künstlerpersönlichkeit des Jahres ..................................... 57 2008 – Ein Jahr der Wechselbäder .................................... 59 Geballte Ladung Gewalt und Leid .................................... 60 Warten auf Auftrittstermine ................................................ 62
Arno & Hanna ................................................... 64
Gnadenhochzeit ...................................................................... 64 Verletzte Aufsichtspflicht ...................................................... 64 Autodiebstahl ........................................................................... 66 Fotos missbraucht ................................................................... 67 Ladies first, James last! .......................................................... 68 Die Polizei, mein Freund und Helfer ................................. 69 8
Ein undankbares Ende ........................................................... 72 Rettung im letzten Moment ................................................ 73 Das verrückteste Wochenende seit langer Zeit ............ 74 Park nie Geld im Handschuhfach ...................................... 80 Ein „ruhiger“ Abendausklang .............................................. 81 Einfach genial ........................................................................... 83
Arno & Hanna auf Korsika ............................... 84
Just in time ................................................................................ 84 Schlüsselerlebnis auf Korsika .............................................. 85 Ein schockierender Ringkampf .......................................... 87 Notlandung ............................................................................... 88 Machen Sie das nie wieder! ................................................. 88 Heiratsantrag über dem Meer ............................................ 89
Arnos Bauchladen ............................................ 90
Unkonventionelles Geschäftsgebaren ............................ 90 Worin ich mich vielleicht von anderen unterscheide ................................................... 93 Briefmarken im Angebot ...................................................... 95 Taufheft ....................................................................................... 96 T-Shirts gegen den Zeitgeist ............................................... 98 Ratschläge für Diebe ............................................................100 Wenn der Geist Gottes weht ... .........................................100 Bau nicht den Plattentisch auf den losen Sand ..........101 Hunde-Schokolade ...............................................................101 Neues aus der Gerüche-Küche .........................................102 Kriminelle Machenschaften? .............................................103 Selbstbedienungskasse ......................................................104 Weihnachten am 24. Juni ...................................................105 Verrückte Namen ...................................................................106
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Jungschar mit Arno ....................................... 109 Das ist ja Bombe! ...................................................................109 Ganz schön abgefahren! .....................................................109 Hochwasser mit Tiefgang ...................................................111 Frech gefragt – eiskalt gewonnen ...................................113 Glaub nicht allen Entführungen ......................................114
Ganz persönlich ............................................. 115
Ich soll die Frau loslassen?..................................................115 Und nicht vergessen: Zu Lebzeiten schon mal den Löffel abgeben ..............115 Arno Backhaus im Glückskeks ..........................................116 Der Mensch lebt nicht vom Brot allein ..........................117 Die Welt ist kleiner als man denkt ..................................118 Beleidigte Kamele .................................................................119 Ökumenische Stroh-Christen? ..........................................119 Einfach bombig ......................................................................120 Wallfahrt ...................................................................................121
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Vorwort Im November 2023 feierte ich mein 50-jähriges Bühnen jubiläum. Ich kramte in meinen Koffern und fand in meinen Notizen Skurriles, Lustiges, Verrücktes, Trauriges und Ernstes. Vieles, was ich über die Jahre erlebt habe, ist unglaublich und doch wahr. Das musste einfach mal aufgeschrieben werden. So viel Tragisches, so viel Herrliches – und so viel unfreiwillige Lebens-Komik! Manches hat mich nachdenklich werden lassen, anderes ließ mich einfach nur laut lachen, weil es hinreißend himmlisch war. Die besten Witze erlebt man übrigens, wenn man über sich selbst lachen kann. Und so plaudere ich auch manches aus, was andere vielleicht lieber für sich behalten würden. Und weil ich auch sonst ein buntes Leben führe, habe ich noch ein paar ganz private Anekdoten eingestreut. Dass ich diese Ereignisse körperlich, menschlich, finan ziell und geistlich überlebt habe, habe ich nur Gott zu verdanken! Ohne die bewusste und oft unbewusste Hilfe Gottes und sein Eingreifen, säße ich heute nicht hier und würde dieses Buch schreiben. Arno Backhaus Übrigens: Einige Geschichten sind nur auf dem Hintergrund zu verstehen, dass es damals noch keine Handys gab, kein Internet, keine Navigationsgeräte im Auto etc. So mussten Orte mit Landkarte und Wegbeschreibungen mühsam gefunden werden. Und wenn etwas schieflief, konnte man sich nicht eben mal absprechen. 11
Arno & Andreas ... und andere Konzert im Bombentrichter In den 70er Jahren war ich mit der Gruppe „Suppensalz“ in England auf Tournee. Neben einem Konzert in einem kleinen Musikclub am Trafalgar Square in London spielten wir auch ein Konzert etwas außerhalb in einem Amphitheater. Wie sich später herausstellte, handelte es sich um einen ehemaligen Bombentrichter aus dem Zweiten Weltkrieg, der zu Freilicht-Theater umgebaut worden war. Als wir das hörten, war uns schon ein bisschen mulmig zumute.
Fake-Protest bei „The Lighters” Der holländische Chor „The Lighters“ war 1975 mit Band auf Deutschland-Tournee. Ich begleitete die Truppe zu einer Zeit, zu der mich noch nicht viele kannten und zu 21
der es unendlich viele Streitgespräche um christliche Pop- und Rockmusik gab. Bei einem der Konzerte im frommen Siegerland tat ich so, als ob ich ein ganz normaler Konzertbesucher wäre, unterbrach „spontan“ gleich am Anfang ein Lied und protestierte, dass solche Rockmusik und die christliche Botschaft nicht zusammenpassten. Das Publikum war verwirrt und verärgert über mich. Ad Everaars, der Leiter des Chores, diskutierte mit mir eine Weile und fragte mich, was denn besser zur christlichern Botschaft passen würde. Ich wirkte etwas irritiert und tat so, als ob ich ein Lied spontan vortragen würde, nämlich „Let the sunshin in“ aus dem Musical „Hair“ – aber viel rockiger und fetziger als die ersten Lieder von „The Lighters“. Jetzt war das Publikum erst recht verwirrt. Nicht jeder hat es kapiert, dass das Ganze nur gestellt war und manche haben mir am Ende dumme Fragen gestellt.
Das Klo neben der Bühne Ein Fan schrieb uns: „Ich habe einen Ordner mit fast allen Veranstaltungsflyern seit 1976 (Garth Hewitt). Die erste Veranstaltung mit Arno & Andreas fand in der TASV Halle statt, einer alten Sporthalle. Der Eingang zu den Toiletten war direkt neben der Bühne. Ihr kamt rein und es roch auf der Bühne entsprechend: Jetzt ins Auto und nichts wie weg, habt Ihr wohl gedacht. Du kamst dann auf einem Skateboard durch den Mittelgang als Auftakt zum Konzert. Noch ein Ausspruch an diesem Abend: ‚Kann jemand einen Satz mit hatada? Neulich war ich in Wuppertal, hatadajerechnet.‘“ 22
Macht hoch die Tür … Wir fuhren als Band mit drei Autos zum Veranstaltungs ort. In unserem R4 hatten wir die Rückbank ausgebaut und dafür unser Schlagzeug untergebracht. Mitten auf der Autobahn, kurz vor Dortmund, öffnete sich unsere Heckklappe langsam und stand sperrangelweit auf. Wir bekamen einen mächtigen Schrecken, denn wäre unser Schlagzeug auf die Autobahn gestürzt, hätte das am Freitagnachmittag im Berufsverkehr üble Folgen gehabt. Wir waren Gott dankbar, dass alles im Auto blieb, haben sofort angehalten, neu sortiert und die Heckklappe gut verschlossen. Wir sagten später immer mal wieder untereinander „Halt doch mal die Klappe!“
Die Entführer von Hanns Martin Schleyer Am 5. September 1977 wurde der Arbeitgeber-Präsi dent Hanns Martin Schleyer von der Roten ArmeeFraktion (RAF) entführt. Ende September vermuteten das Bundes kriminalamt und der Verfassungsschutz, dass die Terroristen den Entführten in einem Liefer 23
wagen gefangen hielten. Ihre Forderungen kamen in schneller Folge aus unterschiedlichen Orten. Soweit die Vorgeschichte.
Ahnungslos lotsten wir (Arno & Andreas) in einem alten Volvo mit Hamburger Kennzeichen das englische Folk-Trio „Nutshell“ (u. a. mit Paul Field) in ihrem Bed ford-Transporter mit britischem Kennzeichen durch Deutschland von Konzert zu Konzert. Andreas Malessa war kurz vorher in München der Pass gestohlen worden und so geriet er, ohne sein Wissen natürlich, in die Rasterfahndung. Andreas und ich trafen uns mit „Nutshell“ an einer Autobahnraststätte in der Nähe von Siegen, ohne zu ahnen, dass wir von dort an von Sondereinsatzkräften der Polizei beschattet wurden. Am 4. Oktober 1977 nachmittags, zwischen Kassel und Eschwege, hefteten sich zwei Polizeiwagen in Zivil an unsere Fersen. An einer engen Stelle der Bundesstraße war plötzlich die Straße gesperrt. Wir hielten an und sahen hinter den Bäumen Scharfschützen kauern. Einer brüllte durchs Megaphon: „Aussteigen! Hände aufs Autodach!“ Vorsichtig kamen sie aus der Deckung. „Entleeren Sie ihre Hosentaschen!“, brüllt uns ein Polizist mit Maschinengewehr im Anschlag und zitternder Stimme entgegen. 24
Andreas hatte gerade mal ein Gitarrenplättchen in der Hose und warf das auf die Straße. Wir anderen konnten nichts beisteuern, weil unsere Taschen leer waren. Mit Knarre im Anschlag tasteten uns die Polizisten ab. Heather Barlow, eine der Sängerinnen von „Nutshell“, fing an zu weinen. Als zwei Bewaffnete den Transporter hinten aufmachten, sahen sie Schallplattenkartons, Gitarrenkoffer, Soundboxen, aber keinen gefesselten Hanns Martin Schleyer. Die Situation entspannte sich. Ein Polizist nahm den Helm ab, steckte sich eine Zigarette in den Mundwinkel, aber seine Hände zitterten zu sehr, um sie anzuzünden. Ich gab ihm Feuer. Hinter uns und vor uns an der Straßensperre hatten sich lange Staus gebildet. Die Leute stiegen aus und einer rief: „Se hamse, se hamse !“ Seither wissen wir die Unschuldsvermutung als hohes Rechtsgut zu schätzen!
Who is WHO? Im Februar 1980 waren wir mit Arno & Andreas und Dieter Falk einige Tage zu Schallplattenaufnahmen in den Odysey Studios am Marble Arch in London, eines der angesagtesten Studios für LP-Aufnahmen in den 80er Jahren. Das Studio war aufgeteilt in zwei Aufnahmeräume. In dem einen nahmen wir unsere LP „Die Platte“ auf, im anderen Studio arbeiteten THE WHO (Pete Townshend und Roger Daltrey). Ich habe nicht 25
herausbekommen, ob für Pete Townshends Solo-Album „Empty Glas“ oder für den Soundtrack von „McVicar“ oder bereits für ihr 1981 erschienenes Album „Face Dances“. In den Pausen, in denen ich nichts zu tun hatte, hielt ich mich im Pausenraum auf, der mit Getränken, Musik-Magazinen und Spielautomaten gefüllt war. „Space Invaders“ war eines der ersten Computerspiele damals (1978 erschienen) und Pete Townshend und ich versuchten, einander so viele außerirdische Flugobjekte abzuschießen wie möglich. Wer von uns beiden gewonnen hat, weiß ich nicht mehr. Vielleicht war ich auch etwas nervös angesichts meines populären Gegenspielers. Als THE WHO das Studio verließ und wegfuhr, konnten wir mal einen Blick in das Nachbarstudio werfen. Ich war etwas erstaunt bis schockiert, wie viele große Kühlschränke dort standen, gefüllt bis an den oberen Rand mit den härtesten Alkoholika.
Zigaretten aus der Jackentasche Es gab eine Zeit, in der ich noch ziemlich stark geraucht habe. Da ich keinen damit in Versuchung bringen wollte, habe ich das nicht öffentlich getan. Wir hatten im Bamberg einen Auftritt während eines Jugendtages. In der Pause gingen wir als Band hinter den Saal und die Raucher von uns steckten sich eine Zigarette an. Nach der Pause – der Saal war mit etwa 400 Jugendlichen gut gefüllt – stützte ich meine Hände auf die Holzbrüstung vor der Bühne und sprang lässig in einem großen 26
Schwung hinauf. Dabei fielen mir alle Zigaretten aus der Jacke und flogen im hohen Bogen – vor allen Besuchern – auf die Bühne. Ich musste in Gegenwart von 400 Jugendlichen die Zigaretten wieder einzeln einpacken. Das Ganze war mir natürlich oberpeinlich, aber rückgängig konnte ich es nicht machen. Einige sprachen mich nach der Veranstaltung an. Sie wussten gar nicht, dass ich rauchte – naja, jetzt wussten sie‘s. Mehrmals habe ich versucht, das Rauchen einzustellen, bis es mir nach vielen Versuchen gelang. Damals wie heute bin ich heil(!)-froh, dass ich nicht mehr rauchen muss.
2.000 Vorbestellungen 2.000 Vorbestellungen der LP „Langarbeitsheftspiel scheibe“ von Arno & Andreas lagerten 1984 bei uns im Keller und wurden von zwei Post-LKW zum Versand abgeholt. 27
Sonne & Schallplatten – nicht gut! Wir waren als Arno & Andreas am Sonntagvormittag auf dem Rhein-Main-Jugendtag in der Jahrhunderthalle, Frankfurt-Höchst, am Festival-Gottesdienst beteiligt. Am Abend davor hatten wir in dem gleichen Saal ein Konzert. Zur Verdunklung waren große, schwere, fast drei Meter lange Vorhänge vor den großen HallenFenstern zugezogen. Vor den Vorhängen hatte ich am Samstagabend einen langen Schallplattentisch aufgebaut. Am Sonntagmorgen sehr früh hatte der Hausmeister die Vorhänge für den Gottesdienst wieder zurückgezogen, damit Licht in die Halle kam. Er hatte nicht daran gedacht, dass dadurch die Sonne direkt auf die LPs schien. Als wir eintrafen, waren so sämtliche Platten derart verwellt, dass sie völlig unbrauchbar geworden waren.
Das ging in die Hose Am Freitagabend hatten wir einen Konzerttermin im Ruhrgebiet. Am Nachmittag davor wurde ich am Rücken operiert – ein kleiner Eingriff, bei dem ein ca. 10 cm großer Griesbeutel entfernt wurde. Direkt nach der OP haben wir uns direkt ins Auto gesetzt und sind zum Konzert gefahren. Als ich am Veranstaltungsort ausstieg, war mein ganzer Rücken nass vor Blut. Auch meine Hose war bis zu den Knien mit Blut verschmiert. Die Naht der Wunde war aufgeplatzt, doch ich hatte die ganze Zeit weder Schmerzen noch etwas anderes bemerkt. Da wir nach dem Konzert direkt wieder zurückfahren wollten, hatte 28
ich natürlich keine Ersatzhose dabei. Es war etwas kompliziert, bis der Veranstalter eine mir halbwegs passende Hose besorgen konnte, die mir aber während des Konzerts ständig runterrutschte. Manche Besucher, die von der Vorgeschichte nichts mitbekommen hatten, guckten etwas komisch, dass ich „meine“ Hose auf der Bühne ständig hochzog.
Ich kleb dir eine! In meinem Lied „Bin kein Genie“ behauptete ich, dass mein Gesicht nie auf einer Briefmarke zu sehen sein würde. Wie konnte ich mir da so sicher sein? Ein Kunde von mir schickte mir einen Bogen offizieller 55er-Briefmarken mit dem Coverbild unserer LP „Die Platte“. Zuerst dachte ich, da hat sich einer einen Streich erlaubt, aber durch Recherchen bei der Post erfuhr ich von deren Service, individuelle Briefmarken mit eigenem Motiv zu drucken. Es kostet zwar einiges an Bearbeitungsgebühr, aber als Hochzeits-, Geburtstagsoder sonstigen Gag doch ganz witzig, oder? Diese Idee – nur ganz inoffiziell gebastelt – hatte übrigens schon mal ein Fan:
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Solo unterwegs Wer sucht, der findet Etwa 80 % der Wegbeschreibungen, die Veranstalter mir damals in Zeiten ohne Navigationsgeräten und ohne Handy zuschickten, waren falsch. Als ich im Jahr 2000 in Neustadt zu einem Konzert eingeladen war, gab es in dieser Hinsicht allerdings einen Höhepunkt: Auf der Wegbeschreibung stand sehr viel, und so ging ich davon aus, dass sie sehr ausführlich war. War sie aber nicht. Da stimmte fast nichts, und sie war offensichtlich für Menschen gedacht, die sich in dieser Gegend gut auskennen. Die ersten drei Leute (zwei Ältere und ein Jugendlicher), die ich nach der Kirche fragte, in der ich einen Auftritt haben sollte, konnten mit deren Namen überhaupt nichts anfangen, obwohl sie – dass stellte ich aber erst wesentlich später fest – ganz in der Nähe und eine wirkliche riesige (!) und erst 40 Jahre alte, nicht zu übersehende Kirche war. Ich suchte dann an anderen Stellen nach einer bestimmten Straße, aber auch hier konnte mir keiner weiterhelfen. Den Veranstalter konnte ich zu Hause telefonisch nicht erreichen, weil er sich bereits in der Kirche befand. Er hatte mir aber nur seine private Festnetz-Telefonnummer gegeben. Die Auskunft konnte ich von der Telefonzelle aus nicht anrufen, da das Gerät nicht mit Münzen funktionierte, sondern nur mit Telefonkarte. Plötzlich fing es an zu regnen und es schüttete ununterbrochen fast eine dreiviertel Stunde lang. In dieser Zeit befand sich kein Mensch auf der Straße, den 30
ich hätte fragen können. Ich machte mich gerade auf den Weg zum Bahnhof, um ein Taxi vor mir herfahren zu lassen, da entdeckte ich im letzten Moment die gesuchte Straße samt Kirche.
Die Zitterpartie auf der Autobahn und am Telefon Am Freitagabend hatte ich ein Konzert um 19 Uhr im Erzgebirge und fünf Stunden Fahrt für etwa 350 km einkalkuliert. Als ich in Kassel um 13 Uhr auf die Autobahn fuhr, erwartete mich zähfließender bis schleichender Verkehr, der nicht mehr aufhören sollte. Es hatte mehrere Unfälle gegeben. Zudem brannte bei Chemnitz eine Papierrolle auf einem Tieflader und ließ sich schlecht löschen. Die Zeit rannte mir davon und ich merkte zunehmend, dass ich nicht pünktlich ankommen würde. Doch durch den zähfließenden Verkehr gab es keinen Stillstand. Während der Fahrt konnte ich nicht anrufen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch kein Mobiltelefon und kam auch gut ohne zurecht. Und alle Parkplätze und Ausfahrten waren mit Autos verstopft. Als es dann endlich um ca. 17 Uhr zu einem Stillstand auf der Autobahn kam, ging ich schnell zu einem der Autofahrer und fragte, ob er ein Handy habe und ich mal kurz anrufen könne. Als ich die Nummer des Veranstalters wählte, zeigte sich, dass wir uns in einem 31
Funkloch befanden. Es dauerte eine weitere Stunde, bis es auf der Autobahn mal wieder zum Stillstand kam. Als ich um 18 Uhr endlich auf der Festnetz-Nummer, die mir vorlag, durchkam, war nur der Anrufbeantworter dran. Der Veranstalter war nicht mehr in seinem Büro, sondern schon in der Kirche, in der das Konzert stattfinden sollte. Eine Handynummer hatte er in meinen Buchungsunterlagen nicht angegeben. Die Zeit verging und ich kam statt um 18 Uhr um 21:30 Uhr an der Kirche an. Von den 200 Besuchern war noch ein Rest von 50 Personen übrig. Die hatten sich die Zeit mit gemeinsamem Singen vertrieben. Ein kleiner Wermutstropfen blieb bei mir hängen: Ich verzichtete natürlich auf mein Honorar und sogar auf mein Kilometergeld und schlug vor, dass wir uns das Benzingeld jeweils zur Hälfte teilen. Obwohl es ja nicht mein Verschulden war, entschied der Kirchenvorstand aber, keinen Anteil zu übernehmen. Später wurde ich zu einem anderen Termin noch einmal eingeladen und kam pünktlich an. Wie in 99% aller anderen Veranstaltungen.
Nicht zur Nachahmung empfohlen Wir befanden uns auf einer dreispurigen Autobahn bei Frankfurt, als ich sah, dass auf der Mittelspur ein Kleinwagen stand und nicht weiterkam. Es gab keinen Unfall. Alle Autofahrer fuhren vorsichtig an dem Auto vorbei. Als ich den Wagen passierte, sah ich, dass eine ältere Frau darin saß und darauf wartete, dass ihr irgendjemand hilft. Ich fuhr sofort an den Standstreifen, 32
machte mir ein Bild von der Situation und hielt vorsichtig den Verkehr dieser dreispurigen Autobahn an. Ich ging zu der Frau, deren Auto nicht mehr anspringen wollte, und rief den stehenden Autofahrern zu, dass ich mal ein paar starke Männer brauche. Sofort kamen etliche Helfer und wir schoben den Wagen zur Seite. Niemand fuhr während unserer Hilfsaktion weiter. Alle warteten. Als das Auto der älteren Dame am Straßenrand stand, gab ich die Autobahn wieder frei. Der ADAC kümmerte sich dann um alles Weitere. Achtung Lebensgefahr! Nicht nachmachen!!!
Schnapsfläschchen in der Schulaula Steinhagen ist bekannt für seine Schnapsbrennereien. Ein Konzert dort ging geistlich besonders in die Tiefe. Passend wäre gewesen, dass die Zuhörer nach meinem Programm still und nachdenklich nach Hause gegangen wären. Lieb gemeint aber emotional trotzdem unpassend übernahm stattdessen der Veranstalter das Ende des Abends mit ein paar Dankesworten, bei denen ich eine Aufmerksamkeit überreicht bekam: einige kleine Fläschchen „Steinhäger“ (obwohl ich gar kein großer Schnapsfreud bin). Ich packte sie in meinen Bühnenkoffer und vergaß später, sie zu Hause herauszuholen. Drei Tage später gab ich ein Benefizkonzert in einer christlichen Schule, öffnete auf der Bühne der Schulaula 33