4634084

Page 1


Bill Johnson Der Heilige Geist

Wer Er ist und warum wir nicht ohne Ihn leben können

Für Carrie Lloyd – meine Inspiration, meine Freundin

Hinweis: Dieses Buch ist nicht dazu gedacht, medizinische oder psychologische Ratschläge zu erteilen oder die medizinische Beratung und Behandlung durch einen behandelnden Arzt zu ersetzen. Wer Selbstmordgedanken hat oder emotional, körperlich oder sexuell missbraucht wurde, sollte sich an einen Psychologen oder qualifizierten Berater wenden. Weder der Herausgeber noch der Autor noch der Dienst oder das Unternehmen des Autors übernehmen irgendeine Verantwortung für mögliche Konsequenzen, die sich aus dem Lesen oder Befolgen der Informationen dieses Buches ergeben. Wenn Leserinnen und Leser verschreibungspflichtige Medikamente einnehmen, sollten sie sich mit ihren Ärzten beraten und nicht ohne ärztliche Aufsicht verschriebene Medikamente absetzen. Konsultiere stets deinen Arzt oder eine andere qualifizierte medizinische Fachkraft, bevor du irgendeine Änderung deiner physischen Lebensweise vornimmst, sei es Fasten, Ernährung, Medikamenteneinnahme oder Sport.

Copyright @ 2024 by Bill Johnson

Originally published in English under the title: The Holy Spirit: Who He Is and Why We Can't Live Without Him Bill Johnson, BRevived LLC, 933 College View Drive, Redding, CA 96003, USA www.bjm.org

Deutsche Übersetzung © 2025 Alle Rechte vorbehalten.

Pferdemarkt 1

D – 31737 Rinteln

Fon (05751) 7019 229 info@king2come.de www.king2come.de

1. Auflage, Mai 2025

ISBN 978-3-98602-084-2

Druck: GGP Media GmbH, Pößneck

Die Bibelzitate sind in der Regel der Revidierten Elberfelder Bibel, R. Brockhaus Verlag Wuppertal, entnommen. Folgende weiteren Bibelübersetzungen kamen zum Einsatz (im Text jeweils mit den Kürzeln in den Klammern gekennzeichnet):

• Schlachter 2000 (SLT): Copyright © 2000 Genfer Bibelgesellschaft

• Luther Bibel, 2017 (LU): Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers, revidierte Fassung, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2016.

• Hoffnung für alle® (HfA): Copyright © 2015 by Biblica, Inc., Brunnen Verlag, Basel, Gießen.

• Zürcher Bibel, 2007 (ZB): Deutsche Bibelgesellschaft

• Neue Genfer Übersetzung (NGÜ): Die Bibel. Neue Genfer Übersetzung. Neues Testament und Psalmen. 1. Auflage. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2011.

• The Amplified, 1987 (AMP): Lockman Foundation

• The Amplified® Bible Classic, © 2015 (AMPC): The Lockman Foundation

• New King James Version, 1984 (NKJV): Thomas Nelson

• New American Standard Bible®, nasb®, © 1995 (NASB): The Lockman Foundation.

• Holy Bible, New International Version, © 2011 (NIV): Biblica, Inc.

• Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 2016 (EÜ) Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart

Teil 1 – Den Unbegreiflichen kennen

2 Die Person des Geheimnisses

Zum Ruheplatz werden

4 Verwandelt werden in das Bild Jesu

Teil 2 – Unser Helfer

6 Der krönende Abschluss

7 Die Schönheit Seiner Stimme

8 Von Gott geborene Träume, kreative Ausdrucksformen und erfüllte Sehnsüchte

9 Frucht, Gaben und das „Alltägliche“

Teil 3 – Ein überfließender Lebensstil

Erfüllt und überfließend

Danke

Ich danke Carrie Lloyd, Hosanna Kummer und Michael Van Tinteren für ihre Hilfe bei der Zusammenstellung aller notwendigen Inhalte für dieses Buch. Und wie immer gilt mein besonderer Dank Pam Spinosi für ihre Editierfähigkeiten.

1

Unfassbare Nachrichten

Wahrscheinlich hast du dir auch schon mal vorgestellt, wie es wohl wäre, einer der Jünger Jesu gewesen zu sein. Vor allem, wie sie dazu kamen, Ihm nachzufolgen. Im ersten Jahrhundert gab es noch nicht die heutigen Möglichkeiten, um gute Mitarbeiter zu finden. Jesus führte keine Serie von Einstellungsgesprächen mit einer Vielzahl möglicher Kandidaten durch, nach denen Er dann die Besten für Sein Dienstteam auswählte. Er sammelte nicht zehntausende Bewerbungen, prüfte sie und lud die besten Kandidaten zu Vorstellungsgesprächen ein, um dann die letzten zwölf auszuwählen. Die Männer, die zu Jesu Aposteln wurden, waren in keiner Hinsicht die Besten der Besten. Die meisten von ihnen waren kulturell nicht besonders bewandert. Somit gehören sie in gewisser Weise zu den langweiligsten aller biblischen Charaktere. Aber sie wurden zu den Besten der Besten, wegen demjenigen, dem sie folgten. Jesus berief jeden von ihnen persönlich in Seine Nachfolge. Und der Eine, der sie bei ihrem Namen rief, veränderte alles bezüglich ihrer Identität, Bestimmung und Fähigkeit.

VON JESUS GERUFEN

Als Jesus die Jünger zu sich rief, lag schon in Seiner Stimme etwas Lebensveränderndes. Hier folgt ein Bericht aus dem Matthäus-Evangelium über die Berufung einiger Jünger:

Als er aber am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder: Simon, genannt Petrus, und Andreas, seinen Bruder, die ein Netz in den See warfen, denn sie waren Fischer. Und er spricht zu ihnen: Kommt, mir nach! Und ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sie aber verließen sogleich die Netze und folgten ihm nach. Und als er von dort weiterging, sah er zwei andere Brüder: Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, im Boot mit ihrem Vater Zebedäus, wie sie ihre Netze ausbesserten; und er rief sie. Sie aber verließen sogleich das Boot und ihren Vater und folgten ihm nach.

Matthäus 4:18-22

Was konnte vier Männer dazu bewegen, sich auf eine unbekannte Reise mit einem beinah Fremden zu begeben, fort von ihren Berufen, die sie von ihren Vätern übernommen hatten? Nachfolgen bedeutet immer, etwas zurückzulassen.

Diese Männer ließen ihre Väter, Netze und Boote zurück. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Entscheidung bei ihren Familien gut ankam. Denn beim Fischen braucht man die volle Aufmerksamkeit aller an Bord. Zweifellos sollten sie das Fischereigeschäft erben. Aber sie verließen alles und folgten Jesus – und ihr Handeln schrie ein lautstarkes Ja zu ihrer neuen Lebensaufgabe in die Welt hinaus.

Um sie zur Nachfolge zu bewegen, lockte Jesus sie nicht etwa mit Erfolgsaussichten; Er gab ihnen keine Garantien für persönliche Errungenschaften oder die Erfüllung von Träumen. Er erwähnte nicht einmal die alles überschattende Thematik von Himmel und Hölle. Als Er die Einladung zur Nachfolge aussprach, kam in diesem göttlichen Moment genau das an die Oberfläche, was bereits in ihren Herzen schlummerte, zuvor aber noch von niemandem erkannt worden war: Ihre aufrichtige Hingabe an Gott.

Nun gut, die Jünger folgten Jesus. Aber wohin? An alle Orte, an die Er ging. Anders als bei anderen Reisen stand bei dieser

nicht das Ziel im Zentrum. Es ging ausschließlich um die Reise selbst. Sie waren mit Jesus zusammen.

Die Jünger erkannten, wie Jesus an jedem Ort die Atmosphäre veränderte – und dies ohne Ausnahme. Ob Er mit den zwölf Jüngern allein war, Zeit mit einzelnen Jüngern unter vier Augen verbrachte oder vor Tausenden stand: Er brachte die spürbare Gegenwart des Himmels auf die Erde. Er lebte die Umsetzung jener Art von Gebet vor, die Er sie zu beten lehrte: Wie im Himmel, so auch auf Erden (Matthäus 6:10). Und die Gegenwart Gottes – der Heilige Geist – wurde freigesetzt, wann immer Er sprach. Der Grundsatz aus Johannes 6:63 wirkte: Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben. Die Jünger beobachteten, wie Jesus ihnen vorlebte, was Er ihnen auf so deutliche Weise sagte:

Ich sage nur, was ich meinen Vater sagen höre; ich tue nur, was ich meinen Vater tun sehe. nach Johannes 5:19

Ob sie dies nun verstanden oder nicht, sie fühlten es. Und es prägte sie. Die Worte Jesu wurden ihnen zu Geist und Leben. Seine Worte setzten Seine Gegenwart frei; eine lebensspendende Kraft, die alles veränderte.

EIN PLATZ IN DER ERSTEN REIHE

Stell dir Folgendes vor: Du stehst in einer Menschenmenge, in der alle drängeln und schubsen, um Jesus nahe zu kommen. Aber du bist privilegiert, zu fast jeder Tages- und Nachtzeit in Seiner Nähe zu sein, weil Er dich auserwählt hat. Das Empfinden solcher persönlichen Wichtigkeit war für die Jünger wahrscheinlich niemals größer als zu diesem Zeitpunkt. Allerdings glaube ich nicht, dass sie dachten, dies irgendwie

verdient zu haben. Es übertraf bei weitem die Erfahrung jedes anderen Menschen, einschließlich ihrer Helden, wie Mose, David und Jesaja. Es gab kaum Platz für Selbstverherrlichung, denn sie lebten in dem Bewusstsein der ihnen geschenkten Gnade.

Und dann stell dir weiter vor, du erlebst Wunder, die noch nie zuvor gesehen wurden – von niemandem! Die Jünger hatten einen Sitzplatz in der ersten Reihe und beobachteten von dort aus die Invasion des Himmels auf der Erde in Form von Wundertaten, welche sich außerhalb jeder menschlichen Logik und Vernunft bewegten. Durch diesen bevorzugten Platz konnten sie nicht nur miterleben, welche Auswirkungen solche Wunder auf die Menschen hatten, die sie empfingen. Sie erkannten auch, wie das Schicksal ganzer Familienlinien durch eine Berührung oder ein Wort von Jesus verändert wurde. Es muss außerordentlich wunderbar, verblüffend und vor allem einladend gewesen sein. Und als wäre das noch nicht genug gewesen, rüstete der Meister sie auch noch aus, dasselbe zu tun. Sie sollten die gleichen erstaunlichen Wunder und Befreiungen wirken, die sie durch Ihn geschehen sahen. Wahrscheinlich waren sie schon allein davon überwältigt, in ihrem persönlichen Dienst bereits die Manifestation der wunderwirkenden Hand Gottes erleben zu dürfen. Aber die Ereignisse überschlugen sich. Und dass sie bald sogar in das Wirken von Wundern quasi unvorbereitet einbezogen wurden, muss ihre Vorstellungskraft wohl bis zum Anschlag strapaziert haben.

IHNEN WAR NICHT BEWUSST, WAS SIE BEREITS WUSSTEN

Die alltäglichen Aktivitäten der Apostel – Fischfang, Umgang mit Beamten und das Befolgen religiöser Routinen – hatten jeden Glanz verloren. In ihnen war etwas geweckt worden, das

Unfassbare Nachrichten

durch nichts anderes als durch die Lebensweise Jesu befriedigt werden konnte. Der auf dem Sohn des Menschen ruhende Geist Gottes hatte alles für immer verändert. Nur Judas Iskariot setzte sich nie mit dem Problem auseinander, das er in seine Beziehung zu Jesus eingebracht hatte: die Liebe zum Geld. So konnte er nicht hinaussehen über den unmittelbaren Nutzen oder die Kosten der Nachfolge des Einen.

Jesus an sich war schon eine Bewegung. Wie kein König, Prophet oder Priester vor Ihm ließ Er den Geist Gottes in sich wohnen. Die Menschenmassen waren überwältigt von Seinen Wundertaten, welche die ultimative Offenbarung des Vaterherzens für Seine Schöpfung deutlich machten. Und sie waren verblüfft von den Worten Jesu und gaben zu, so etwas noch nie gehört zu haben.

… denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat. Matthäus 7:29

Sie erkannten sehr deutlich, dass all die anderen Stimmen ohne Autorität sprachen, denn sie waren nur Lärm, Ideen und unwirksame Befehle. In ihnen lag keinerlei lebensverändernde Kraft. Der Kontrast zu dem, was sie ihr bisheriges Leben lang gehört hatten, raubte den Menschen den Atem.

Die Jünger lernten durch eigenes Erfahren, was Jesus sie über Seinen Lebensschwerpunkt lehrte: dem Vater zu gefallen. Alle Seine Taten und Worte kamen vom Vater, bevollmächtigt durch den Heiligen Geist. Zweifellos erkannten sie etwas Einzigartiges an Jesus und an der Art, wie Er lehrte. Aber erkannten sie, dass es sich bei dieser Einzigartigkeit um den Heiligen Geist handelte? Das lässt sich nicht sicher sagen, ich bezweifle es aber.

Jesus an sich war schon eine Bewegung. Wie kein König, Prophet oder Priester vor Ihm ließ Er den Geist Gottes in sich wohnen.

EIN SCHOCK FÜRS LEBEN

Nun multipliziere meine Beschreibung der Reise der Jünger mit Jesus tausendmal. Dann bekommst du vielleicht eine Vorstellung von ihrem Schock, als Er ihnen die unfassbare Nachricht Seines nahenden Abschieds mitteilte.

Was Jesus Seinen Jüngern gegen Ende ihrer gemeinsamen dreieinhalb Jahre offenbarte, war für sie fast ebenso schwer begreiflich, wie die von Ihm vollbrachten Wunder. Zu hören, Er würde sie verlassen, muss ein Schock gewesen sein. Und dann waren sie endgültig durch Seine Worte herausgefordert, Sein Fortgang sei zu ihrem Vorteil. Er hätte sagen können, es sei wichtig, dass Er ginge, denn Er wolle für ihre Sünden büßen, damit sie wiedergeboren werden könnten – und darin bestünde der Vorteil. Er hätte sagen können, Er würde von den Toten auferstehen und beim Vater für sie eintreten, und das wäre zu ihrem Vorteil. Beide Aussagen wären absolut wahr gewesen. Aber dieses Mal konzentrierte Er sich auf das eine Geschenk. Es übertraf derart weit alles andere im Leben, so dass nichts sonst ihre sofortige Aufmerksamkeit verdiente. Er sagte ihnen, nach Seinem Fortgang würde Er Ihnen „den Beistand“, den Heiligen Geist, senden:

Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch nützlich [zu eurem Vorteil, gemäß NASB], dass ich weggehe, denn wenn ich nicht weggehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden.

Johannes 16:7 [Ergänzung d. Übers.]

Zu ihrem Vorteil? Dies wäre wohl schwer zu glauben für einen der Jünger, der sich gerade in Reichweite der erstaunlichsten Person befindet, bei Gott Selbst im Fleisch, der leibhaftig auf der Erde wandelt. Und dies nicht nur irgendwo auf der Welt, sondern genau am eigenen Wohnort. Seitdem Adam und Eva

Unfassbare Nachrichten

mit Gott im Garten Eden in der Kühle des Abends spazieren gingen, hatte niemand mehr die Chance gehabt, eine so irdische und doch tiefgreifende Beziehung zu Gott in Person zu erleben (vgl. 1. Mose 3:8). Wie sollte die Entsendung des Heiligen Geistes, des Beistands, durch Jesus für sie vorteilhafter sein können als diese Eden-Erfahrung?

Und doch war es so. Meinen wir immer noch, es sei besser, Jesus leibhaftig auf der Erde bei uns zu haben? Dann verpassen wir das Wichtigste von dem, was Er uns zur Verfügung gestellt hat: Den Einen, ohne den wir nicht jenes Leben führen könnten, zu dem Jesus uns ruft. Die ständige, innewohnende Gegenwart des Geistes übertrifft bei Weitem, Jesus leibhaftig in unserer Reichweite zu haben.

Erst nach Jesu Tod und Auferstehung begriffen die elf Jünger dies schließlich. Sie verstanden die Realität der Gegenwart und Kraft des Geistes in ihrem Leben. Dieser Wert ließ sie alle bereit sein, große Prüfungen, Trübsal und sogar den Tod zu erleiden. Ihr Vorteil prägte sie von nun an und für immer.

UNSER VORTEIL

Eine der Bedeutungen des griechischen Wortes, das in Johannes 16:7 (gemäß NASB) mit „Vorteil“ übersetzt wurde, lautet „gewinnbringend sein“.1 Ein Gewinn ist im Grunde der sich aus einer Investition ergebende Zuwachs. Jesus versprach den Aposteln, sie würden bald aus ihrer Zeitinvestition mit Ihm einen Zuwachs erhalten. Dies wäre eine Steigerung von allem, was sie in den letzten mehr als drei Jahren gesehen, gehört und erlebt hatten. Nie gab es einen Gewinn oder eine Verbesserung von gleicher Bedeutung.

1 Strong’s Exhaustive Concordance of the Bible, G4851. In: Blue Letter Bible Lexicon. URL: https://www.blueletterbible.org/lexicon/g4851/kjv/tr/0-1/.

Es ist mir ein wenig peinlich, aber in den letzten Monaten, der schwierigsten Zeit meines Lebens, habe ich mehrmals gesagt oder gedacht: „Gott, ich weiß nicht, was ich tue. Ich wünschte, Du wärst hier, säßest mir gegenüber auf diesem Stuhl und sagtest mir, was ich denken und tun soll.“ Dieser Schrei nach Ihm war sowohl rühmlich als auch legitim und über alle Vorstellung hinaus zutiefst aufrichtig. Es war auch okay, mein eigenes Bedürfnis in dieser Art wahrzunehmen. Aber auf eine seltsame Art und Weise ähnelte dieser Schrei meines Herzens sehr dem Schrei der Israeliten in der Wüste. Sie sehnten sich, nach Ägypten zurückzukehren. Doch dies war ein Schritt in die falsche Richtung. So herrlich es wäre, mit Jesus an meinem Tisch zu sitzen – Tatsache ist: Er tut dies bereits!

Seine innewohnende Gegenwart sitzt an jedem Tisch, an dem ich sitze. Mein Bewusstsein für Ihn, meine gezielte Aufmerksamkeit für alles, was Er gesagt hat und gerade sagt, versetzt mich in die Lage, meinen Atem und mein Leben für ewige Zwecke hinzugeben. Nur wenn ich mich in diesem Sinne zur Verfügung stelle, kann ich im Lauf der Geschichte eine Spur hinterlassen, die Jesus wahrhaftig Ehre bringt.

„EIN ANDERER, ABER GENAU DERSELBE“

Jesus hatte in der letzten Woche Seines irdischen Lebens viele abschließende Hinweise für Seine Jünger. Er erklärte ihnen den Heiligen Geist – den Helfer, den Anwalt, den Tröster, den zur Unterstützung an ihre Seite Herbeigerufenen – der kommen würde, um bei ihnen zu sein:

Und der Vater wird euch an meiner Stelle einen anderen Helfer geben, der für immer bei euch sein wird; ich werde ihn darum bitten. Er wird euch den Geist der Wahrheit geben, den die Welt nicht bekommen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt.

Unfassbare Nachrichten

Aber ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.

Johannes 14:16–17 (NGÜ)

Das griechische Wort in diesem Vers wurde mit „einen anderen“ übersetzt und bedeutet „ein anderer, aber genau derselbe“. Dick Mills beschreibt in einer seiner brillanten Wortstudien in der Spirit-Filled Life Bible die Bedeutung des Begriffs folgendermaßen: „Einer neben Mir und zusätzlich zu Mir, aber einer genau wie Ich. Er wird in Meiner Abwesenheit tun, was Ich tun würde, wenn Ich physisch bei euch wäre.2 Der Heilige Geist garantiert eine solche Gleichheit des Dienstes, ohne jegliche Minderung.

Jesus lässt Seine Jünger Folgendes wissen: Dieser Helfer, der Heilige Geist, der während Seines gesamten dreieinhalbjährigen Dienstes auf Ihm geruht hatte, ist ohne jegliche Abweichung genau derselbe wie Er selbst. Alles, was die Jünger mit Jesus erlebten, und alles, was sie an Ihm liebten, würden sie auch mit dem Heiligen Geist erleben und an Ihm lieben. Er fügte hinzu, dass sie Ihn bereits kannten. Da sie Jesus kannten und der Geist Gottes genau so ist wie Er, kannten sie auch den Geist Gottes.

Alles, was die Jünger mit Jesus erlebten, und alles, was sie an Ihm liebten, würden sie auch mit dem Heiligen Geist erleben und an Ihm lieben.

Jesus sagte ihnen: „Er bleibt bei euch und wird in euch sein“. Dieser Heilige Geist ist die Atmosphäre des Himmels, der ultimative Ruheort des Geistes, an dem sie bereits durch Jesus lebten. In Phase zwei ihres Lebens mit Jesus, also nach Seiner 2 Mills, Dick: „Word Wealth for John 14:16“. In: NKJV Spirit-Filled Life Bible, 3. Aufl., Hrsg. Jack W. Hayford (Nashville, TN: Thomas Nelson, 1991), 1603.

Rückkehr in den Himmel, würde der Heilige Geist in ihnen Wohnung nehmen. Er würde nicht nur bei ihnen sein. Er wäre nun die innewohnende Gegenwart Gottes. Die Jünger hatten schon genießen können, was keinem anderen Menschen seit Adam und Eva im Garten vergönnt gewesen war: Gott zum Greifen nah. Aber jetzt würde Gott in ihnen sein. Amen!

DER GEIST IN UNS: UNSER ERBE

Und was bedeutet es, Gott in uns zu haben? Wahrscheinlich bist du so wie ich dankbar, wiedergeboren zu sein. Ich kann gut nachvollziehen, wenn Menschen keine Belohnung von Gott zu erwarten meinen. Vor allem wenn wir verstehen, all unser richtiges und gottgefälliges Handeln stammt von Ihm selbst. Sogar unser Glaube, ohne den wir Gott nicht gefallen können (vgl. Hebräer 11:6), kommt von Ihm. Unsere Rolle besteht offensichtlich darin, auf Gott zu reagieren und für Ihn zu leben. Diese Rolle wird durch Ihn nicht nur ermöglicht, sondern in allem befähigt Er uns auch. Allein der Gedanke, wiedergeboren zu sein und in Gottes Familie aufgenommen zu sein, ist ein Geschenk jenseits aller Vorstellungskraft. Und doch geht Jesus auf Seine einzigartige Weise noch ein bisschen über die Grenzen unseres Verstehens hinaus. Denn Er fügt hinzu, dass wir Erben Gottes sind. Wir erben Gott. Erstaunlich! Gott, der Allgütige und Liebende, hat Sich uns geschenkt. Und das bedeutet es, Gott in uns zu haben.

Wenn aber Kinder, so auch Erben, Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir wirklich mitleiden, damit wir auch mitverherrlicht werden.

Römer 8:17

Unfassbare Nachrichten

Gott gewährt uns diese unbeschreibliche Gabe – den Heiligen Geist –, die als „Unterpfand“ (Epheser 1:14, LU) oder „Anzahlung“ (ELB) für dieses Erbe bezeichnet wird, und weist damit darauf hin, dass noch mehr kommt! Er gibt uns nicht nur Barmherzigkeit, Vergebung, Gnade, Segen, Verheißungen und geistliche Gaben im Überfluss. Er gibt uns auch Sich Selbst.

Und dies ist eine weitere erstaunliche Wahrheit: Gott erbt uns! Wie Paulus betet:

Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr wisst, was die Hoffnung seiner Berufung, was der Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes in den Heiligen ist …

Epheser 1:18

Das erste Kapitel des Epheserbriefs ist für mich wahrscheinlich das verblüffendste Kapitel der ganzen Bibel. Dieser Gedanke, dass Gott uns erbt, befindet sich ganz oben auf dem dort offenbarten Gedankenstapel und doch jenseits unseres Fassungsvermögens.

Wir sind kein Anhängsel der Schöpfung Gottes, sind nicht Sein Hobby oder ein Nebeninteresse. Er schlägt sich mit der Menschheit nicht an den Wochenenden herum. Ihm geht es um uns! Wir sind die Krönung Seiner Schöpfung. Diese wurde zwar verdorben, aber Er hat alles getan, um sie zu erlösen. Er geht All-In – bis zu dem Punkt, dass Er unser Erbe ist und wir Sein Erbe sind.

DAS SIEGEL

Der Geist Gottes liegt auch als Siegel auf uns und kennzeichnet uns als von Gott angenommen. Ein Siegel ist ein Zeichen des Eigentums und schützt den Inhalt. Ich hörte einmal eine schöne, alte Geschichte über einen Geschäftsmann, der zum Kauf von Getreide aufbrach. Er trug bei sich einen Stab, an dessen Ende

ein Siegel befestigt war. Damit kennzeichnete er jeden Sack, den er kaufen wollte. Dann bezahlte er alles, ging nach Hause und teilte seinen Arbeitern mit, wie viele Säcke sie abholen und heimbringen sollten. Die Arbeiter wussten, welche Getreidesäcke ihrem Arbeitgeber gehörten, denn diese trugen dessen Siegel (Markenzeichen). Zu einer bestimmten Zeit wird Jesus wiederkommen, um die Seinen heimzuholen. Durch das Siegel Seiner Gegenwart auf dem Leben der Gläubigen wird offensichtlich sein, dass sie zu Ihm gehören.

In ihm seid auch ihr, als ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils, gehört habt und gläubig geworden seid, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist der Verheißung. Der ist die Anzahlung auf unser Erbe, auf die Erlösung seines Eigentums hin zum Preis seiner Herrlichkeit.

Epheser 1:13-14

Somit ist dieses Siegel des Heiligen Geistes das Eigentumszeichen Gottes und wiederum das Pfand oder die Anzahlung auf unser Erbe:

Der uns aber mit euch festigt in Christus und uns gesalbt hat, ist Gott, der uns auch versiegelt und die Anzahlung des Geistes in unsere Herzen gegeben hat. 2. Korinther 1:21-22

Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, wieder zur Furcht, sondern einen Geist der Sohnschaft habt ihr empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater! Der Geist selbst bezeugt zusammen mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Wenn aber Kinder, so auch Erben, Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir wirklich mitleiden, damit wir auch mitverherrlicht werden. Römer 8:14-17

Unfassbare Nachrichten

Unter dem Einfluss des Heiligen Geistes zu leben, d. h. von Ihm geleitet zu werden, ist ein bestätigendes Zeichen dafür, dass wir Kinder Gottes sind. Hierbei finde ich den Teil der Annahme besonders erstaunlich. In einem sehr realen Sinn ist die Gegenwart des innewohnenden Geistes in einem Gläubigen der Beweis für die vollzogene Annahme. Der Heilige Geist ist das Rechtsdokument, das unsere Zugehörigkeit zu Ihm erklärt. Bei dem Konzept der Annahme liegt die Betonung darauf, dass es Gottes Wahl war: Er hat uns erwählt. Jesus, der unter uns auf der Erde lebte und in jeder Hinsicht durch den Heiligen Geist ermächtigt war, ist jetzt in Seinem herrlichen Auferstehungsleib im Himmel und sitzt zur rechten Hand des Vaters (vgl. z. B. Epheser 1:20.) Der Heilige Geist wurde erstmals zu Pfingsten auf die Gläubigen ausgegossen und verbleibt auf der Erde. Er wohnt nun in den Kindern Gottes und wirkt unter uns. Er ist Gott auf der Erde und somit unmittelbar für alle Gläubigen verfügbar. Diese Realität des von der Erde fortgegangenen Jesus und des als anderer Helfer zu uns gekommenen Geistes (Johannes 14:16) ist zu unserem vollen Vorteil, wie schon zuvor für die Apostel. Lebst du in der Fülle dieses Vorteils? Möchtest du mehr darüber erfahren, wie du jeden Tag darin leben kannst? Ich heiße dich willkommen in diesem Abenteuer der kontinuierlichen, engen Beziehung mit dem geschätzten Heiligen Geist, in der du von Gottes Gegenwart und Kraft überströmt wirst. Ich lade dich ein, den Heiligen Geist zu entdecken: Wer Er ist und warum wir ohne Ihn nicht leben können.

Teil 1 Den Unbegreiflichen kennen

Die Person des Geheimnisses

In vielerlei Hinsicht ist der Heilige Geist für uns ein Geheimnis. Wir verstehen mehr über Jesus, der 33 ½ Jahre lang auf der Erde lebte, als über den Heiligen Geist, obwohl dieser seit fast 2.000 Jahren mit der Gemeinde zusammen auf der Erde ist. Dieses Geheimnis erscheint unter folgendem Aspekt sogar noch paradoxer: Der Großteil unseres Wissens über die zweite Person der Trinität stammt aus der kurzen, dreieinhalbjährigen Zeit von Jesu öffentlichem Wirken; unser Wissen über die dritte Person der Trinität dagegen basiert auf unserer zweitausendjährigen Geschichte mit dem Heiligen Geist. Oberflächlich betrachtet ist es für uns viel einfacher, mehr über Jesus zu wissen als über den Heiligen Geist. Denn wir treten leichter mit jemandem aus Fleisch und Blut in Beziehung – mit einem Menschen wie wir. Die meisten von uns haben noch nicht erkannt, dass wir dem Wesen nach geistliche Geschöpfe sind, die eine Seele und einen Körper besitzen. Wir denken und leben deshalb gewöhnlich aus einer Perspektive der natürlichen Welt in Richtung möglicher geistlicher Erfahrungen und Realitäten. Doch wir sollten alles von der geistlichen Welt aus betrachten. Die Heilige Schrift gibt uns eine klare Beschreibung von Jesus, der uns den Vater offenbarte. Ob wir nun über die Gespräche Jesu lesen, über Sein Wirken von Wundern oder Seine tiefgründigen Lehren: Wir finden leichter eine praktische Verbindung zu Jesus als eine Beziehung mit dem Geist Gottes aufzubauen, den wir weder sehen noch uns richtig vorstellen

Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Issuu converts static files into: digital portfolios, online yearbooks, online catalogs, digital photo albums and more. Sign up and create your flipbook.