Skip to main content

446720

Page 1

Inhalt Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

7

1. Was um alles in der Welt läuft nur schief? . . . . . . . . . . . . .

13

2. Die Wurzel des Übels . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

35

3. Das Gute geschieht nicht von alleine . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

49

4. Sich von Gott unterbrechen lassen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

67

5. Die Liebe findet eine Lösung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

79

6. Böses mit Gutem überwinden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

91

7. Gerechtigkeit für die Unterdrückten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107 8. Liebe schließt ein, nicht aus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133 9. Wertschätzung zeigen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 153 10. Überragende Freundlichkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 175 11. Finden Sie heraus, was andere brauchen und werden Sie Teil der Lösung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187 12. Bedingungslose Liebe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 197 13. Die Liebe rechnet das Böse nicht an . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207 14. So wird Liebe praktisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 217 15. Brauchen wir Erweckung oder eine Revolution? . . . . . . . 241 Unser Bekenntnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 253 Anmerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 255


The Love Revolution

Gastautoren in »The Love Revolution« Darlene Zschech . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

26

Martin Smith . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 124 Pastor Paul Scanlon . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 144 John C. Maxwell . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 164 Pastor Tommy Barnett . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 231

6


Einleitung

Einleitung Revolution. Wie kein anderes Wort in unserem Wortschatz weckt dieses Wort Hoffnung, Leidenschaft und Loyalität in uns. Schon immer in der Geschichte war der Gedanke an Revolution, als ob man Öl ins Feuer gießen würde und er hat den Schwachen neuen Mut gegeben. Revolutionen haben diejenigen zusammengebracht, die nach etwas Höherem als sich selbst gesucht haben. Revolutionen haben Männern und Frauen, die kein Ziel im Leben hatten, ein Ziel gegeben, für das sie zu sterben bereit waren. Aus Revolutionen sind große Führungspersönlichkeiten hervorgegangen und großartige Menschen, die ihnen gefolgt sind. Sie haben buchstäblich die Welt verändert. Bei einer Revolution wird der normale Lauf der Dinge plötzlich, tief greifend und vollkommen verändert. Eine Revolution wird gewöhnlich von einer einzelnen Person oder einer kleinen Gruppe von Menschen ausgelöst, die nicht mehr bereit ist, ihr Leben so weiterzuführen wie bisher. Diese Menschen sind überzeugt, dass sich etwas verändern kann und muss, und treiben ihre Ideen so lange voran, bis sie eine ganze Bewegung in Gang gesetzt haben, die letztlich alles verändern wird, und das oft sehr radikal. Die Welt hat in der Vergangenheit schon oft Revolutionen erlebt, bei denen Regierungen, die die Bürger eines Landes ausgebeutet haben, gestürzt wurden. Das geschah im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, bei der Französischen Revolution und der Russischen Revolution (auch Oktoberrevolution genannt), um nur ein paar zu nennen. Andere Revolutionen fanden statt, wenn überkommene, uneffektive Methoden durch neue ersetzt wurden oder alte Denkweisen durch neue Gedanken, wie zum Beispiel in der Wissenschaft oder in der industriellen Revolution. Thomas Jefferson hat einmal gesagt, »Jede Generation braucht ihre Revolution«, und ich glaube, dass es jetzt Zeit ist für eine neue Revolution, die größte Revolution überhaupt. Wir 7


The Love Revolution

brauchen nicht noch mehr dieser Revolutionen, die seit Jahrhunderten wie bunte Punkte über die Menschheitsgeschichte verstreut sind. Wir brauchen keine politischen, wirtschaftlichen oder technischen Revolutionen mehr. Wir brauchen eine Revolution der Liebe. Wir müssen die Herrschaft der Selbstsucht und des Egoismus in unserem Leben stürzen. Es wird sich nichts in dieser Welt verändern, wenn wir nicht bereit sind, uns selbst zu verändern. Wir wünschen uns so oft, dass diese Welt anders wäre, und dabei merken wir gar nicht, dass der Zustand der Welt nur die Folge davon ist, wie wir unser persönliches Leben leben und welche Entscheidungen wir tagtäglich treffen. Wenn alle Menschen auf der Welt in der Lage wären, Liebe zu empfangen und zu geben, wäre diese Welt eine ganz andere. Ich denke, wir wissen alle, dass mit unserer Gesellschaft etwas nicht stimmt, und dass sich das ändern muss, aber niemand scheint zu wissen, wie oder wo wir damit anfangen sollen. Wir reagieren auf diese außer Kontrolle geratene Welt, indem wir uns beklagen und denken: Irgendjemand sollte etwas unternehmen. Wir glauben und sagen, dass Gott oder die Regierung oder irgendjemand anderes, der eine entsprechende Stellung hat, etwas tun sollte. Aber in Wirklichkeit ist jeder Einzelne von uns gefordert. Wir müssen lernen, das Leben aus einem ganz anderen Blickwinkel zu leben als bisher. Wir müssen bereit sein zu lernen, uns zu verändern und zuzugeben, dass wir selbst das Problem sind. Was wir nicht verstehen, können wir auch nicht ändern. Deshalb müssen wir zuerst die Wurzel des Problems finden. Warum ist die Mehrzahl der Menschen unglücklich? Warum gibt es so viel Gewalt in Familien, in manchen Stadtvierteln, in den Städten und Ländern? Warum sind die Menschen so wütend? Sie denken jetzt vielleicht, dass das alles so ist, weil wir in einer sündigen Welt leben. Sie sagen vielleicht: »Die Menschen sind Sünder. Das ist das Problem.« Theoretisch stimme ich Ihnen da zu. Aber ich würde das Problem gerne von der praktischen Seite angehen, mit der wir alle jeden Tag zu tun haben. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Wurzel dieser und noch vieler anderer Probleme 8


Einleitung

unsere Selbstsucht ist. Natürlich ist Selbstsucht eine Folge der Sünde. Selbstsucht ist, wenn jemand sagt: »Ich will, was ich will, und ich werde alles dafür tun, um es zu bekommen.« Sünde ist überall dort, wo ein Mensch sich gegen Gott und seinen Willen richtet. Wir tendieren dazu »rückwärts« zu leben — genau anders herum als wir eigentlich sollten. Wir leben ganz für uns selbst und scheinen doch nie das zu finden, was uns wirklich befriedigt. Dabei sollten wir für andere da sein und das wunderbare Geheimnis entdecken, dass alles, was wir weggeben, wieder vielfach zu uns zurückkommt. Ich mag es, wie der berühmte Arzt Lukas es einmal formuliert hat: Gebt, was ihr habt, dann werdet ihr so reich beschenkt werden, dass ihr gar nicht alles aufnehmen könnt. Mit dem Maßstab, den ihr an andere legt, wird man auch euch messen (Lukas 6,38; Hfa). In vielen Ländern sind Besitz, Eigentum und Macht das oberste Ziel der Menschen geworden. Jeder will die Nummer eins sein, was zwangsläufig dazu führen muss, dass viele Menschen enttäuscht sein werden, da immer nur einer zu einem bestimmten Zeitpunkt auf einem bestimmten Gebiet die Nummer eins sein kann. Nur einer kann der beste Läufer der Welt sein. Nur einer kann der Chef der Firma sein oder der berühmteste Schauspieler oder die berühmteste Schauspielerin. Nur einer kann der meistverkaufte Autor oder der beste Maler der Welt sein. Ich bin zwar davon überzeugt, dass wir alle ein Ziel haben und unser Bestes dafür geben sollten, aber ich glaube nicht, dass wir alles nur für uns selbst behalten und uns nicht um andere Menschen kümmern sollten. Als dieses Buch entstand, hatte ich bereits fünfundsechzig Jahre gelebt, was mich, denke ich, befähigt, ein paar Dinge zu wissen. Ich habe verschiedene Methoden ausprobiert, um glücklich zu werden und festgestellt, was funktioniert und was nicht. Mit Selbstsucht funktioniert das Leben jedenfalls nicht so, wie es sollte. Und Selbstsucht ist ganz sicher nicht Gottes Wille für uns Menschen. Ich denke, ich kann in diesem Buch beweisen, dass die Selbstsucht das Hauptproblem ist, dem wir uns heute welt9


The Love Revolution

weit gegenübersehen und dass unsere Antwort nur eine gewaltige Initiative sein kann, sie zu beseitigen. Wir müssen dem Egoismus den Krieg erklären. Wir brauchen eine Revolution der Liebe. Diese Liebe muss mehr sein als nur Theorie oder ein Wort, sie muss eine Tat sein. Man muss sie sehen und fühlen können. Gott ist Liebe! Die Liebe ist und war schon immer seine Idee. Er ist zu uns gekommen, um uns zu lieben, uns zu zeigen, wie wir ihn lieben können und wie wir uns selbst und andere lieben können. Wenn wir so leben, ist das Leben wunderbar; wenn nicht, dann läuft nichts richtig. Liebe ist die Antwort auf die Selbstsucht, denn die Liebe gibt, während die Selbstsucht nimmt. Wir müssen von unserem Selbst befreit werden, denn genau dazu ist Jesus gekommen, wie es im 2. Korinther 5,15 heißt: Und für alle ist er gestorben, damit die, welche leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferweckt worden ist. Als ich vor Kurzem einmal über all die schrecklichen Probleme in unserer Welt nachgedacht habe, über die Millionen von Kindern, die verhungern, über Aids, Kriege, Unterdrückung, Menschenhandel, sexuelle Gewalt und so weiter, habe ich Gott gefragt, »Wie kannst du das alles mit ansehen, ohne etwas zu unternehmen?« Da habe ich im Geist Gottes Antwort gehört: »Ich handle durch Menschen. Ich warte darauf, dass mein Volk sich erhebt und etwas unternimmt.« Sie denken vielleicht genau wie Millionen anderer Menschen: Ich weiß, dass es in der Welt Probleme gibt, aber sie sind so riesig. Was kann ich schon dagegen tun? Das ist genau die Denkweise, die uns lähmt, während das Böse seinen Triumphzug fortführt. Wir müssen aufhören, darüber nachzudenken, was wir nicht tun können und anfangen, das zu tun, was wir tun können. In diesem Buch werde ich Ihnen mit einigen Gastautoren zusammen viele Ideen und Wege aufzeigen, wie Sie Teil einer Bewegung werden können, die tief greifende, positive Veränderungen bewirken kann. Ich weigere mich, weiterhin tatenlos zuzusehen, wie sich die Welt in einer Abwärtsspirale immer weiter nach unten bewegt. Ich kann vielleicht nicht alle Probleme, die ich sehe, lösen. Aber 10


Einleitung

ich werde tun, was ich kann. Ich bete, dass Sie sich mit mir gemeinsam gegen Ungerechtigkeit wehren und bereit sind, das Leben radikal anders anzugehen. Es kann im Leben nicht mehr nur darum gehen, was andere für uns tun können, sondern es muss darum gehen, was wir für andere tun können. Jede Bewegung braucht ein Motto oder ein Bekenntnis, nach dem sie lebt. Wir von Joyce Meyer Ministries haben gebetet und dann eine Vereinbarung getroffen, nach der wir leben wollen. Wollen Sie sich uns anschließen? Ich höre mit den Ausreden auf und fange an, Mitgefühl zu zeigen. Ich stehe auf gegen Ungerechtigkeit und verpflichte mich, Gottes Liebe durch einfache Taten weiterzugeben. Ich weigere mich, untätig zu bleiben. Dazu bin ich fest entschlossen. ICH BIN DIE REVOLUTION DER LIEBE. Ich hoffe, dass Sie diese Worte auch zu Ihrem Lebensmotto machen werden — zu jenem neuen Leitbild, nach dem Sie leben wollen. Warten Sie nicht darauf, was andere beschließen zu tun oder ob es eine weitverbreitete Bewegung wird. Dies hier müssen Sie ganz für sich alleine entscheiden. Sie müssen sich ganz alleine dazu verFragen Sie sich selbst pflichten. Fragen Sie sich selbst einmal: einmal: »Will ich weiter»Will ich weiterhin Teil des Problems hin Teil des Problems sein? Oder will ich lieber Teil der Lösein? Oder will ich lieber sung sein?« Ich habe für mich beschlosTeil der Lösung sein?« sen, Teil der Lösung zu sein. Die Liebe Ich habe für mich besoll das zentrale Thema meines Lebens schlossen, Teil der Lösein. sung zu sein. Die Liebe Und Sie? Wollen Sie die Probleme soll das zentrale Thema dieser Welt fortsetzen? Oder werden meines Lebens sein. Sie sie ignorieren und so tun als würden sie nicht existieren? Oder wollen 11


The Love Revolution

Sie sich der Love Revolution — der Revolution der Liebe — anschließen?

12


Was um alles in der Welt läuft nur schief?

Kapitel

1

Was um alles in der Welt läuft nur schief? Ich bin nur ein einzelner Mensch, aber ich bin ein Mensch. Ich kann nicht alles tun, aber ich kann etwas tun, und ich werde mich nicht weigern, etwas zu tun, nur weil ich nicht alles tun kann. Edward Everett Hale (1822—1909, Geistlicher des US-Senats)

Während ich am Frühstückstisch sitze, meinen Kaffee trinke und den wunderschönen Blick aus dem Fenster genieße, hungern 963 Millionen Menschen. Über eine Milliarde Menschen verdienen weniger als einen Dollar pro Tag. Dreißigtausend Kinder werden heute an den Folgen der Armut sterben. Sie sterben in den ärmsten Dörfern der Erde — weit außerhalb des Bewusstseins dieser Welt. Das heißt, dass jede Woche 210 000 Kinder sterben — elf Millionen jährlich — und die meisten davon sind dann noch nicht einmal fünf Jahre alt. Von den 2,2 Milliarden Kindern weltweit haben 640 Millionen kein angemessenes Zuhause, 400 Millionen kein sauberes Trinkwasser und 270 Millionen sind ohne jede medizinische Versorgung. Empfinden Sie diese Zahlen auch als so erschütternd wie ich? Ich hoffe es. Das sind die verblüffenden, ernüchternden Fakten dieser Welt, in der wir leben. Diese Dinge geschehen auf unserem 13


The Love Revolution

Planeten, vor unseren Augen. Mir ist bewusst, dass die Zahlen, die Sie gerade gelesen haben, vielleicht nicht auf die Stadt oder das Land zutreffen, in dem Sie leben, aber wir alle leben heute mehr denn je in derselben Welt. Wir gehören zu einer weltweiten Gemeinschaft, und Mitglieder unserer großen Menschheitsfamilie erleiden undenkbare, unaussprechliche Dinge. Ich glaube, es ist Zeit für einen weltweiten Weckruf — einen Weckruf, der uns aus unserer Gleichgültigkeit, aus unserer Unwissenheit und unserer Abneigung gegenüber Schwierigkeiten aufweckt und uns aufrüttelt, etwas gegen Leid und Armut, Verlust und Mangel, Ungerechtigkeit und Unterdrückung und Lebensbedingungen, unter denen ein gesundes, menschenwürdiges Leben unmöglich ist, zu unternehmen. Es ist Zeit für eine Revolution der Liebe.

Ein kleiner Mund mit sechs vereiterten Zähnen Während eines medizinischen Einsatzes in Kambodscha hat ein Zahnarzt, der ehrenamtlich dort mitgearbeitet hat, einem kleinen Kind einundzwanzig Zähne gezogen, von denen sechs vereitert waren. Diese schmerzhafte Sache erinnert mich daran, wie mein Mann einmal schlimme Zahnschmerzen hatte, als wir nach Australien gereist sind. Es ging ihm sehr schlecht, denn er saß im Flugzeug und konnte nichts dagegen tun. Sobald wir um zehn Uhr abends gelandet waren, hat ihn jemand zu einem Zahnarzt gebracht, der ihm helfen konnte. Aber was ist mit diesem kleinen Mädchen und Tausenden anderer Kinder, die jeden Tag mit Schmerzen leben müssen und keinerlei medizinische Hilfe bekommen? Stellen Sie sich das einmal vor. Wie muss es sich wohl anfühlen, wenn man einundzwanzig Zähne im Mund hat, die voller Karies sind und vor Schmerzen pochen? Diese Art von unvorstellbarem Leid gibt es. Menschen wie Sie und ich erleben es an abgelegenen Orten. Die meisten von uns wissen entweder nichts davon oder wir sehen bestenfalls ein paar Bilder darüber im Fernsehen. Wir sagen: »Das ist eine 14


Was um alles in der Welt läuft nur schief?

Schande. Man sollte etwas dagegen tun« — und dann trinken wir wieder unseren Kaffee und genießen den Blick aus dem Fenster.

Wo Müll kostbar ist Die zehnjährige Gchi lebt in Kambodscha auf einer Müllhalde. Mit vier Jahren ist sie dorthin gezogen. Ihre Eltern konnten sie nicht mehr ernähren und haben ihre ältere Schwester gebeten, sich um sie zu kümmern. Die einzige Möglichkeit für die beiden zu überleben war, auf der Müllhalde zu leben und zu arbeiten. Gchi wühlt sieben Tage die Woche mit einer Greifzange oder mit den bloßen Händen im Müll: auf der Suche nach Essensresten oder nach Plastik und Glas, das sie sammelt und verkauft, um Geld für Nahrungsmittel zu bekommen. Gchi lebt jetzt seit sechs Jahren auf der Müllhalde; viele andere leben schon viel länger dort. Dazu muss man wissen, dass dies die städtische Müllhalde ist. Jeden Abend kommen die Müllautos und laden alles, was andere Menschen wegwerfen, hier ab. Die Kinder arbeiten dann nachts mit Stirnlampen in der Dunkelheit, denn den besten Müll findet man in den frisch abgeladenen Haufen. Nachdem ich die Müllhalde besucht hatte, hat mich jemand in einem Interview gefragt, was ich davon halte. Während ich versuchte, meine Gedanken in Worte zu fassen, wurde mir bewusst, dass die Situation so schrecklich war, dass ich nicht einmal wusste, was ich denken sollte. Die Erniedrigung dieser Menschen war so unvorstellbar, dass mein Verstand sich weigerte, sie zu begreifen und ich sie nicht in Worte fassen konnte. Aber ich beschloss, etwas dagegen zu tun. Ein Jahr Arbeit von mehreren Personen sowie finanzielle Mittel von unseren Partnern als auch von Dave und mir persönlich waren nötig, um etwas dagegen zu unternehmen. Aber wir konnten zwei alte Busse zu mobilen Suppenküchen umrüsten. Diese Busse fahren zur Müllhalde, die Kinder steigen in den Bus und bekommen eine ordentliche Mahlzeit und sogar ein wenig Unter15


The Love Revolution

richt im Lesen und Rechnen, um ihnen eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Natürlich erzählen wir ihnen auch, dass Jesus sie liebt. Aber wir erzählen nicht nur davon, sondern zeigen es ihnen auch, indem wir ihnen ganz praktisch helfen.

Gute Absichten sind nicht genug Ich habe einmal von einem Mann gehört, der mit der guten Absicht nach Russland gereist ist, den Menschen dort von der Liebe Jesu zu erzählen. Während seines Aufenthaltes, hungerten dort viele Menschen. Als er einmal eine lange Schlange wartender Menschen sah, die hofften, Brot zu bekommen, ging er die Reihe entlang und erzählte allen von der Liebe Gottes. Er verteilte Traktate, auf denen erklärt wurde, wie man gerettet werden kann. Natürlich versuchte er auf seine Weise zu helfen, aber eine Frau sah ihn an und sagte verbittert: »Das sind schöne Worte, aber davon werde ich nicht satt.« Ich habe gelernt, dass es Menschen gibt, die zu tief verletzt sind, um die gute Botschaft von Gottes Liebe aufnehmen zu können. Sie müssen diese Liebe erfahren, und einer der besten Wege ist, wenn wir ihnen nicht nur sagen, dass sie geliebt sind, sondern ihnen auch ganz praktisch helfen. Wir müssen uns davor hüten zu denken, dass gute Worte alleine ausreichend sind. Jesus hat zwar die gute Nachricht gepredigt, aber er hat auch Gutes getan und alle geheilt, die an irgendetwas litten Wir müssen uns davor (siehe Apostelgeschichte 10,38). hüten zu denken, dass Reden ist billig und nicht sehr angute Worte alleine strengend, aber echte Liebe hat einen ausreichend sind. hohen Preis. Sie hat Gott seinen einzigen Sohn gekostet. Wenn wir es zulassen, dass diese Liebe durch uns fließt, wird es auch uns etwas kosten. Vielleicht müssen wir Zeit opfern, oder Geld, oder Kraft, oder etwas von unserem Besitz. Auf jeden Fall wird es uns etwas kosten! 16


Was um alles in der Welt läuft nur schief?

Gott rechnet mit uns Ich werde demnächst aus dem Haus gehen, um mit meinem Mann Kaffee trinken zu gehen, und anschließend werden wir zusammen Mittagessen. Wir werden wahrscheinlich etwa zwei Stunden weg sein. In dieser Zeit werden 240 Kinder entführt und in Bordelle verschleppt. Das heißt, dass durch die Selbstsucht und Habgier anderer Menschen in jeder Minute das Leben von zwei Kindern zerstört wird, wenn wir nichts dagegen tun. Was können wir tun? Wir können uns dafür interessieren und uns informieren. Wir können beten; und wir können handeln. Wir können Organisationen und Hilfsdienste unterstützen, die nachweislich Kinder und Frauen aus diesem schrecklichen Umfeld holen. Wenn Gott das von uns will, können wir sogar dort mitarbeiten. Wenn ein Vollzeiteinsatz nicht möglich ist, können wir vielleicht bei einem einzelnen Projekt mithelfen oder einen Kurzzeit-Missionseinsatz mitmachen.

Sex-Sklaverei Während man die düstere Gasse entlanggeht, begegnen einem in der Dunkelheit überall Anzeichen von Zerfall und Verderben. Metallflicken und Drahtstücke halten die bröckelnden Mauern zusammen. Es stinkt nach verrottendem Abfall und menschlichen Exkrementen. Hinter den verfallenen Häuserfassaden hört man das Weinen eines Kindes, unterdrückte Wutschreie und das grelle Aufheulen eines streunenden Hundes, von denen unzählige durch diese schrecklichen Straßen schleichen. Aber mehr noch als alles andere fühlt man in dieser Umgebung etwas. Es besteht kein Zweifel ... dieser Ort ist durch und durch böse. Auch wenn es für Sie vielleicht schwer vorstellbar ist, aber dieser Ort wurde von bösen, moralisch verwerflichen Menschen geschaffen, die Kinder in Bordelle verschleppen, um mit ihnen Geld zu machen. 17


The Love Revolution

Diese Hölle auf Erden wurde Samraworks Zuhause, als sie gerade einmal sieben Jahre alt war. Als sie mit zwölf Jahren am Busbahnhof aus dieser Hölle gerettet wurde, war sie nur noch die leblose Hülle eines kleinen Mädchens. Sie war Haut und Knochen, emotional abgetötet und hatte tief eingesunkene, ausdruckslose Augen. Fünf Jahre lang war sie das Opfer lüsterner, perverser Menschen gewesen, die extra viel dafür bezahlt hatten, ihren kleinen Körper vergewaltigen zu dürfen. Weil sie noch so jung war, hatten sie drei statt nur einen Dollar bezahlt. Die Verletzungen an Samraworks Geschlechtsorganen waren so schwer, dass sie nur mithilfe von umfangreichen chirurgischen Eingriffen jemals ein normales Leben wird führen können. Aber ihre offensichtlichen körperlichen Schäden waren gering im Vergleich zu den seelischen und emotionalen Schäden, die sie davontrug. Samrawork wurde HIV-positiv getestet. Sie ist Waise und kann sich an ihre Eltern nicht mehr erinnern. Wie so viele andere ist sie in einer Finsternis gefangen, die man sich nicht vorstellen kann. Die Statistik belegt:1 1,2 Millionen Kinder werden jedes Jahr verkauft, zusätzlich zu den Millionen von Kindern, die von den Zuhältern schon gefangen gehalten werden. Alle zwei Minuten wird ein Kind in die sexuelle Ausbeutung geschickt. Etwa 30 Millionen Kinder haben im letzten Jahr ihre Kindheit durch sexuelle Ausbeutung verloren. ●

●

●

Der Zahnarzt, von dem ich zu Beginn des Kapitels schrieb, hat an einem unserer medizinischen Einsätze mit Joyce Meyer Ministries teilgenommen, die wir in Ländern der Dritten Welt machen. Einige der Mitarbeiter bei diesen Einsätzen sind fest bei uns angestellt, aber die meisten arbeiten ehrenamtlich, nehmen Urlaub 18


Was um alles in der Welt läuft nur schief?

und bezahlen die Reise selbst. Sie arbeiten dann zwölf bis sechzehn Stunden am Tag — meistens in Ländern, wo die Temperaturen viel höher sind als bei uns, ohne Klimaanlage und manchmal sogar ohne Ventilatoren. Sie arbeiten in entlegenen Dörfern, in Zelten und können so Menschen helfen, die sonst niemals medizinische Hilfe bekommen würden. Wir können den Menschen vor Ort lebensrettende Medikamente und Schmerzmittel bringen. Wir geben ihnen Vitamine, Nahrung und erzählen ihnen, dass Jesus sie wirklich liebt. Jedem wird die Gelegenheit gegeben, sich für Jesus zu entscheiden, und die meisten tun es auch. Mir kommen die Tränen, wenn ich an die Ärzte, Zahnärzte, Krankenschwestern und anderen medizinischen Helfer denke, die uns immer wieder sehr bewegt davon erzählen, wie diese Einsätze ihr Leben verändert haben. Wenn wir uns bei ihnen für die Mitarbeit bedanken wollen, danken sie uns dafür, dass wir ihnen die Augen dafür geöffnet haben, worum es im Leben wirklich geht. Wir haben einmal eine Buchhalterin, die bei uns arbeitet, mit nach Kambodscha genommen. Obwohl sie schon oft Berichte von unseren Einsätzen gesehen hat, war sie tief beeindruckt von dem, was sie dort persönlich erlebte. Sie sagte: »Es fühlt sich an, als hätte ich mein ganzes Leben lang in einem Kokon gelebt.« Sie wollte damit sagen, dass sie keine Berührung mit der Realität hatte, und ich glaube, das gilt für die meisten von uns. Mir ist klar, dass nicht jeder die Gelegenheit haben wird, in ein Entwicklungsland zu reisen, um aus nächster Nähe zu erleben, unter welchen Bedingungen die Menschen dort leben müssen. Aber wir können zumindest versuchen, daran zu denken, dass das, was wir in den Medien manchmal lesen und sehen, reale Menschenschicksale sind — das Schicksal vieler Menschen. Gott liebt diese Menschen und er rechnet damit, dass wir etwas tun.

19


The Love Revolution

Unterernährung Mehret sieht die Welt aus einer ganz anderen Perspektive. In Angacha, einem kleinen Dorf in Äthiopien, versucht sie so gut es geht mit den anderen Kindern mitzuhalten. Aber sie ist einfach anders. Bei ihrer Geburt war Mehret gesund, aber durch ständige Mangelernährung wurde ihr Körper geschwächt und ihre Wirbelsäule immer krummer. Sie kann nur mühsam gehen, kann nicht rennen oder mit ihren Freunden spielen. Außerdem wuchs eine große Geschwulst auf ihrem Rücken, die ihr Schmerzen bereitet und sich nicht verbergen lässt. Ihre Knochen sind schwach und sie selbst ist es auch. Wenn jemand weiß, welche Schmerzen Mehret durchmachen muss, so ist es ihr Vater, Abeba. Eines wünscht er sich mehr als alles andere: seine Kinder ernähren zu können ... und seine geliebte, kleine Tochter wieder gesund zu machen. Wenn Mehret die Nährstoffe erhält, die ihr Körper braucht, kann der Zerfall ihres Körpers aufgehalten werden. Aber im Moment gibt es keine Hoffnung. Tag für Tag kämpft Abeba mit Schuldgefühlen, weil er nicht in der Lage ist, seine Kinder richtig zu ernähren. Er weiß, dass Mehrets Zustand sich weiter verschlechtern wird, wenn nichts geschieht. Bald wird sie nicht mehr laufen können und dann schließlich sterben. Mehret kennt den Schmerz des Hungers ... und den Schmerz, anders zu sein als die anderen. Und sie weiß, dass jeder neue Tag ein wenig schwieriger sein wird als der vergangene. In Zusammenarbeit mit der Internationalen Krisenhilfe hat Joyce Meyer Ministries angefangen, Mehret mit dem zu versorgen, was sie braucht, damit sie leben kann und sich ihre Wirbelsäule nicht weiter verkrümmt. Aber es gibt noch so viele liebenswerte Kinder, die ähnlich wie Mehret unsere

20


Was um alles in der Welt läuft nur schief?

Hilfe brauchen, um den Kampf gegen die Unterernährung zu gewinnen. Die Statistik belegt:2 In diesem Moment hungern schätzungsweise 963 Millionen Menschen auf der Erde. Jeden Tag sterben fast 16 000 Kinder an den Folgen des Hungers — alle fünf Sekunden ein Kind. 2006 sind ca. 9,7 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag gestorben. Fast alle diese Todesfälle haben sich in Entwicklungsländern ereignet, vier Fünftel davon in Zentral- und Südafrika und Südostasien, den Regionen, die auch die höchste Rate an Unter- und Mangelernährung haben. ●

●

●

Risse im Fundament unserer Welt Ich habe den Eindruck, dass das Fundament unseres Systems Risse hat, aber wir sitzen alle untätig herum und sehen zu, wie es zerfällt. Wenn Sie einmal genau hinhören, merken Sie, wie alle sagen: »Die Welt geht den Bach hinunter.« Das hören wir in den Nachrichten und in Alltagsgesprächen. Es scheint, als sprächen alle von der Ungerechtigkeit in dieser Welt. Aber nur darüber zu sprechen, ohne etwas zu tun, ändert gar nichts. Meine Frage ist: »Wer wird sich gegen die Ungerechtigkeit erheben und etwas dazu beitragen, Recht zu schaffen?« Ich habe beschlossen, dass ich es tun will. Und ich kenne einige Tausend andere Menschen, die beschlossen haben, das Gleiche zu tun. Aber wir brauchen Hunderttausende, die sich uns anschließen, um die Aufgabe zu bewältigen.

21


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook