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Der Ehebund


Verzeichnis bisher erschienener Bücher und Booklets von Derek Prince Bücher:

Biblische Grundlagen für den Befreiungsdienst

Biblische Prophetie und der Nahe Osten

Bis die Zeit vollendet ist

Bittere Oasen

Christus herrscht inmitten Seiner Feinde

Braucht Ihre Zunge Heilung?

Das Tal der Entscheidung

Danksagung, Lobpreis und Anbetung

Deine Berufung ist heilig

Der Ehebund im Lichte Gottes

Der Endzeit entgegen

Der Heilige Geist in Ihnen

Der Weg nach oben führt nach unten

Die Gaben des Heiligen Geistes

Eine verständige Frau ist vom Herrn

Die Gemeinde I / Einführung/Ämter

Er ist auferstanden

Die Gemeinde II / Die wahre und die falsche Gemeinde

Fest in Seiner Hand

Die Waffe des Betens und Fastens

Für Gott gibt es keine Kluft zwischen den Generationen

Die Zukunft Israels und der Gemeinde

Gewissheit in der Endzeit

Du erquickst meine Seele

Gottes Plan für Ihre Finanzen

Ehemänner und Väter

Im Ebenbild Gottes

Flüche – Ursache und Überwindung

Kommt der Antichrist aus Europa?

Fundamente des christlichen Glaubens

Mein Körper, mein Geist und meine Seele

Geheimnisse eines Gebetskämpfers

Pilgerreise durch den Römerbrief

Gott stiftet Ehen

Prophetische Sicht für unsere heutige Zeit

Gottes Erfolgsstrategie für Ihr Leben

Schwerter des Geistes

Gottes Verheißung göttlicher Versorgung

Sicher in unsicheren Zeiten

Gottes Wort heilt

Sie und Ihr Haus

Grundsteine

Standfest im geistlichen Kampf

Heirat, Scheidung und Wiederheirat

Überwindendes Gebet

Ihr werdet Kraft empfangen!

Vergebung – Zurück zur Einheit

In Gottes Gegenwart eintreten

Wachsen in der Furcht des Herrn!

Leben aus Glauben

Wahrheit, Glaube, Liebe – Ziele, die Gott mir gab

Luzifer ist entlarvt

Warum Israel?

Richten – Wann? Warum? Wie? Schutz vor Verführung Segen oder Fluch – Sie haben die Wahl Sie werden Dämonen austreiben Sühne – Ihre persönliche Begegnung mit Gott Tod, wo ist dein Stachel? Um der Engel willen Vergäße ich dein, Jerusalem Wer bin ich? / Entdecken Sie sich im Spiegel Gottes

Booklets: Gottes Arznei Der Tausch am Kreuz Die drei mächtigsten Worte Die Macht des Opfers Die Verführung des Humanismus Wer kümmert sich um die Waisen, Witwen, die Armen und Unterdrückten? Philosophie, die Bibel und das Übernatürliche

Serie „Nachfolge Konkret“

Partner fürs Leben

Angenommen vom Vater

Was wir Israel schuldig sind

Antisemitismus – der Anteil der Christen

Für die Regierung beten

Auf der Suche nach der Wahrheit

Gebete und Proklamationen

Hunderte von Audio- und Videobotschaften von Derek Prince unter www.ibl-dpm.net


Derek Prince

Der Ehebund Gottes BĂźndnistreue in der Ehe, zum einzelnen und zu Seiner Gemeinde

Internationaler Bibellehrdienst


Originally published in English under the title: The Marriage Covenent Copyright © 1978 Derek Prince Ministries International All rights reserved Alle Rechte vorbehalten Aus dem Englischen übersetzt von Monika Gibbs German Translation used by permission Copyright © 2000 Derek Prince Ministries International

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Umschlag: Amanda Tracy – Azar GbR Seitenlayout: IBL-Deutschland Druck: CPI books GmbH, 25917 Leck 7. Taschenbuchauflage Sommer 2009 – revidierte Fassung 8. Auflage Herbst 2009 9. Auflage Februar 2013 ISBN 978-3-932341-21-2 Die Bibelzitate wurden in der Regel dem revidierten Luthertext nach der Ausgabe Die Bibel (Hausbibel), © 1967 Deutsche Bibelstiftung Stuttgart, entnommen; der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlags. Wo jedoch in einzelnen Fällen der Luthertext nicht das vom Autor für wesentlich Erachtete wiedergibt, wurde die jeweilige englische Textversion übersetzt und benannt; dabei verweist NASB auf die New American Standard Bible, NIV auf die New International Version und KJV auf die King James Version.


INHALT

Vorwort von Ruth Prince . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Kapitel 1: Die Ehe ist ein Bund . . . . . . . . . . . . . . . . 11 Kapitel 2: Das Wesen eines Bundes . . . . . . . . . . . . . 27 Kapitel 3: Einheit zwischen Mann und Frau . . . . . . 45 Kapitel 4: Einheit mit Gott . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69 Kapitel 5: Einheit mit Gottes Volk . . . . . . . . . . . . . . 79 Kapitel 6: Der Punkt der Entscheidung . . . . . . . . . . 99 Ăœber den Autor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115

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VORWORT

von Ruth Prince

B

ald nachdem ich 1970 den Herrn Jesus als meinen Erlöser und Messias kennen lernte, kam ich mit echten Christen in Berührung, deren Ehen ein beständiges Zeugnis für Seine Herrschaft in ihrem Leben waren. Etwa zur gleichen Zeit wurde ich mit der Lehre und dem geistlichen Dienst von Derek Prince, Charles Simpson und anderen bekannt. Als unverheiratete Frau war mein Gebet zu Gott: „Stelle mich unter Autorität, an den Platz, den Du für mich bestimmt hast, damit ich Dir auf die beste Art und Weise diene und zur Vorbereitung für das Kommen Deines Reiches beitragen möge.“ Meine Gebete wurden mehrere Jahre später erhört, auf eine Art und Weise, die ich nicht vorhergesehen hatte, nämlich als Gott mich erwählte, Dereks Frau zu sein, seine neue Gehilfin. Dereks erste Frau, Lydia, war eine außergewöhnliche Frau, die ihr Leben und ihren eigenen erfolgreichen Dienst in Jerusalem für ihren Mann niederlegte. Als Derek sie 1946 heiratete, war sie dort eine geachtete geistliche Leiterin mit einem Werk, das 7


Der Ehebund im Lichte Gottes

sie selbst gegründet hatte1. Sie übernahm jedoch willig hinter den Kulissen die Rolle der Fürbitterin, Hausfrau, Unterstützerin – die Rolle einer wahrhaften Ehefrau. Als ich zuerst in engen persönlichen Kontakt mit Derek kam, war ich beeindruckt, wie er seine Lehre in seinem persönlichen Verhalten auslebt; er praktiziert, was er lehrt. Ich habe erkannt, dass ein großer Teil seiner gegenwärtigen Fähigkeit, Gottes Volk zu dienen, in der Beziehung verwurzelt ist, die er und Lydia fast dreißig Jahre lang miteinander hatten, sowie in ihrer Beziehung – als einer Einheit – mit dem Herrn. Das im vorliegenden Buche Der Ehebund enthaltene Material wurde zum größten Teil bereits erarbeitet und gelehrt, bevor ich in Dereks Leben trat. Während des gleichen Zeitabschnitts jedoch, als ich in Jerusalem lebte und keinerlei Kontakt mit seinem Dienst und seiner Lehre hatte, sprach der Heilige Geist in ähnlicher Weise über die wahre Bedeutung eines „Bundes“ zu mir. Mein Bibelstudium führte mich zu 1. Mose, Kapitel 15. Ich versetzte mich in Abrahams Erfahrung, als er in eine tiefe, persönliche, lebensumwandelnde Beziehung zu Gott trat – eine Beziehung, die so tief war, dass wir unseren Gott noch immer als den „Gott Abrahams“ kennen. Es war ein Leben völliger Hingabe. 1

Lydias eigene dramatische Geschichte wird von Derek Prince in ihrem gemeinsamen Buch Apointment in Jerusalem erzählt, das kurz vor Lydias Heimgang 1975 veröffentlicht wurde. (Anmerkung des Herausgebers: Die deutsche Ausgabe unter dem Titel Vergäße ich dein, Jerusalem erschien 1976). 8


Vorwort

Während jener Zeit dachte ich auch über die Rolle der Frau im Leibe Christi nach. Ich erkannte, dass Gott Eva für den alleinigen Zweck geschaffen hatte, Adams Bedürfnis zu stillen, dass der Mann nicht vollkommen war ohne die von Gott gegebene Gehilfin. Es scheint mir, dass in der heutigen westlichen Gesellschaft und zum großen Teil auch in der Kirche zu viele Frauen (oft laut) danach streben, etwas zu tun, wozu sie niemals geschaffen wurden, nämlich als unabhängige Einzelwesen im Leben erfolgreich zu sein. Mehrere Jahre lang suchte ich selbst mich auf diese Art zu verwirklichen, als Karrierefrau. Als ich jedoch in eine Beziehung mit Jesus trat, erhielt mein Leben eine völlig neue Richtung. Ich sah jetzt, dass die Frauen die Verlierer sind – zusammen mit den Männern, die unfähig sind, die Ganzheit zu erreichen, die Gott in der Einheit mit ihrer Gefährtin für sie bestimmt hat. Ich bin mir darüber im Klaren, dass es nicht für jeden Mann und jede Frau möglich ist, diesen idealen Gefährten zu finden, und dass es sicherlich besser ist, mit dem Herrn allein zu sein, als mit einem Ungläubigen am ungleichen Joch zu ziehen. Viele haben keine andere Wahl, als unverheiratet zu bleiben. Die Qualität des Lebens als ledige Person, mit dem ich wohl bekannt bin, kann durch die Qualität der Beziehung mit Gott und die Beziehung mit anderen Christen bestimmt werden. Hingabe scheint die wichtigste Grundlage zu sein; Hingabe an Gott, an Seinen Willen für unser Leben, und Hingabe an den Teil des Leibes Christi, dem wir angehören. 9


Der Ehebund im Lichte Gottes

Es erscheint passend, dass dieses Buch gerade zu dem Zeitpunkt erscheint, da Derek und ich unser Leben im Ehebund verbinden. Gleichzeitig verbinde ich mich mit dem Teil des Leibes Christi, dem er in den Vereinigten Staaten angehört, und er verbindet sich mit dem Teil des Leibes Christi, dem ich in Jerusalem angehöre. Wir sind überzeugt, dass wir Gottes vorgeordnetem Plan folgen, indem wir beide unser Leben füreinander hingeben, um eine neue Einheit unter der Herrschaft Jesu zu bilden. Wir wissen, dass dies, wie alles im geistlichen Leben, täglich ausgelebt werden muss. Ich glaube, dass dieses Buch nicht nur das Muster, sondern auch die praktische Anleitung zur Verwirklichung dieses Lebens enthält. Ich bete, dass die Anwendung der Grundsätze dieses Buches Sie als Mann oder Frau zur Erfahrung dieser Ganzheit führt, die Gottes Wille für Sie ist, zu einem persönlichen Bund mit Ihm und mit Seinem Volk.

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KAPITEL 1

Die Ehe ist ein Bund

G

ibt es ein Geheimnis für eine erfolgreiche Ehe? Warum haben manche Ehepaare Erfolg in ihrer Ehe, während andere versagen? Ist das alles nur Glückssache?

Eines ist sicher: wenn es ein Geheimnis gibt, das eine erfolgreiche Ehe garantiert, dann haben es Millionen von Ehepaaren in unserer heutigen Gesellschaft nie entdeckt. In fast jedem Land unserer westlichen Kultur ist das Verhältnis von Ehescheidungen zu Ehen in den letzten Jahrzehnten dramatisch gestiegen. In den Vereinigten Staaten endet jetzt ungefähr jede zweite Ehe in Scheidung. Vor fünfzig Jahren hätte niemand, der mit dem amerikanischen Leben vertraut war, es sich träumen lassen, dass eine derartige Situation in einer so kurzen Zeit entstehen könnte. Das Verhältnis von Ehescheidungen zu Ehen zeigt jedoch nicht den ganzen Sachverhalt. Viele Ehen, die noch nicht endgültig gescheitert sind, befinden sich dennoch in sehr schwierigen und unglücklichen Umständen. In 11


Der Ehebund im Lichte Gottes

manchen Fällen herrschen offener Streit und Missklang vor, wovon gewöhnlich alle, die unter einem Dach wohnen, sowohl Eltern als auch Kinder, betroffen sind. In anderen Fällen erscheinen die Dinge oberflächlicher gesehen zwar ziemlich ruhig, aber darunter sind Wunden der Bitterkeit, der Unversöhnlichkeit und der Auflehnung verborgen. Es besteht die Gefahr, dass diese früher oder später in Form eines geistigen oder emotionalen Zusammenbruchs offen hervortreten, und die Ursache dafür wird vielleicht niemals genau erkannt werden. Fachleute, die sich mit geistiger Gesundheit beschäftigen, haben erklärt, dass heute ungefähr jeder Vierte in Amerika psychiatrische Versorgung braucht oder brauchen wird. Die psychiatrischen Stationen in vielen Krankenhäusern sind überfüllt, und es besteht ein zunehmender Bedarf an geschulten Psychiatern. Dies steht in direktem Zusammenhang mit dem Zustand von Ehe und Familie, denn man ist sich allgemein darüber einig, dass die Mehrzahl geistiger und emotionaler Probleme auf Spannungen und Missklang in der Familie, vor allem in der Ehebeziehung, zurückgeführt werden kann. Der fortschreitende Zerfall geistiger und emotionaler Gesundheit ist daher eines von vielen Symptomen in unserer heutigen Gesellschaft, welche alle auf das dringlichste soziale Problem unserer Zeit hindeuten – die Zerrüttung der Ehe und Familie. Gewisse moderne Soziologen reagieren auf diese Situation, indem sie das Unvermeidliche passiv ak12


Kapitel 1: Die Ehe ist ein Bund

zeptieren. Manche sind sogar so weit gegangen, dass sie erklären, der Begriff der Ehe sei von Anfang an ein „Fehler“ gewesen, und die Ehe habe auf unserer gegenwärtigen „höheren“ Stufe sozialen Fortschritts keine Bedeutung mehr. Aber viele dieser „Experten“, die derartige Aussagen machen, sind selbst Produkte unglücklicher Familien; nicht wenige von ihnen haben außerdem mindestens eine erfolglose Ehe in ihrem Leben hinter sich. Wir mögen deshalb Grund haben, die Frage zu stellen, ob ihre Aussagen mit dem Sinn, dass die Ehe „irrelevant“ oder „veraltet“ sei, sie nicht einfach auf die Stufe des Fuchses in Äsops Fabel stellen. Er hatte vergeblich versucht, eine süße Traube am Weinstock zu erreichen, aber es war ihm nicht gelungen. Schließlich erklärte er: „Sie sind ja sowieso sauer!“ Angesichts dieser verwirrten Situation und dieser entgegengesetzten Meinungen möchte ich klar und kurz meine eigene persönliche Überzeugung darlegen. Ich glaube, es gibt ein Geheimnis, welches eine erfolgreiche Ehe sichern kann. Ich bin darüber hinaus der Auffassung, dass dieses Geheimnis auf den Seiten eines einzigartigen Buches offenbart wird – nämlich der Bibel. Bevor ich fortfahre zu erklären, was dieses Geheimnis ist, möchte ich kurz einiges über meinen eigenen persönlichen Hintergrund sagen. Man könnte dies als den Vorweis meiner „Referenzen“ bezeichnen.

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Der Ehebund im Lichte Gottes

Persönlicher Hintergrund Ich wurde an zwei der berühmtesten englischen Ausbildungs-Institutionen unterwiesen – am Eton College und an der Universität Cambridge. Vor dem 2. Weltkrieg strebte ich eine Karriere in Philosophie an, und 1940 wurde ich auf einen Lehrstuhl als Professor auf diesem Gebiet am Kings College in Cambridge berufen. Der Beginn des 2. Weltkrieges unterbrach jedoch meine akademische Laufbahn. Im Jahre 1941, als ich als Krankenwärter bei der Britischen Armee diente, hatte ich eine dramatische, lebensumwandelnde Begegnung mit Gott, – was völlig außerhalb meiner vorhergehenden philosophischen Theorien und vorgefassten Meinungen lag. Aus dieser Begegnung zog ich zwei Schlüsse, und seit jener Zeit habe ich niemals Grund gehabt, sie zu ändern: erstens, dass Jesus Christus lebt; zweitens, dass die Bibel ein wahres, wichtiges und zeitgemäßes Buch ist. Diese beiden Schlüsse haben die Richtung meines Lebens völlig und bleibend verändert. 1946 heiratete ich in Jerusalem eine dänische Frau, Lydia Christensen, die „Mutter“ eines kleinen Mädchenheimes war, das sie dort gegründet hatte. Durch meine Ehe mit Lydia wurde ich innerhalb eines Tages Adoptivvater von acht Mädchen, von denen sechs jüdischer, eines arabischer und eines englischer Abstammung waren. Zu jener Zeit studierte ich auch zwei Jahre an 14


Kapitel 1: Die Ehe ist ein Bund

der Hebräischen Universität in Jerusalem. Lydia, ich und unsere acht Mädchen lebten in Jerusalem während der Umwälzungen, welche die Geburt des Staates Israel kennzeichneten. Wir wurden so als Familie mit der harten Wirklichkeit der Belagerung, der Hungersnot und des Krieges konfrontiert. Später zogen wir zusammen als Familie nach England. In den folgenden Jahren diente ich in mehreren Eigenschaften in verschiedenen Ländern: als Pastor in Großbritannien; als Lehrer in Kenia; als Bibellehrer und Konferenzsprecher in Europa, Kanada, den Vereinigten Staaten, Neuseeland, Australien und anderen Ländern. Während aller meiner Reisen war Lydia beständig an meiner Seite. Wenn wir öffentlich zusammen im geistlichen Dienst gewirkt hatten, hörten wir manchmal die Bemerkung: „Ihr beide arbeitet so zusammen, als wäret ihr eine Person.“ In Kenia adoptierten Lydia und ich unser neuntes Kind – ein kleines afrikanisches Mädchen. Wir haben die Erziehung aller unserer neun Mädchen erfolgreich abgeschlossen. Alle, außer unserer jüngsten Tochter, sind verheiratet und haben uns viele Enkelkinder geschenkt. Nach dreißig Jahren endete meine Ehe mit Lydia durch ihren Tod. Unser gemeinsames Leben war immer ein offenes Buch gewesen, – nicht nur für unsere Kinder, sondern auch für zahllose Menschen, die all die Jahre hindurch in unser Heim kamen, um Rat und Gebet zu empfangen. 15


Der Ehebund im Lichte Gottes

Ich bezweifle, dass es unter all denen, die uns auf diese Weise kannten, jemanden gibt, der nicht bestätigen würde, dass unsere Ehe glücklich und erfolgreich war. Sicherlich hatte sie genug Spannungen und Probleme, – mehr, als ein Ehepaar, das sein ganzes Leben in einer einzigen vertrauten Umgebung verbringt, normalerweise erfahren würde. Aber der Erfolg einer Ehe hängt nicht von der Abwesenheit von Spannungen und Problemen ab; er ist abhängig von einer besonderen Qualität der Beziehung, die zwischen Mann und Frau entwickelt werden muss. Ich möchte auf den folgenden Seiten das Geheimnis darlegen, wie eine Beziehung dieser Art aufgebaut werden kann. Ich hoffe, dass die kurze Zusammenfassung meines Lebens bis zum jetzigen Zeitpunkt ausreichend ist, um zu zeigen, dass meine Überzeugungen nicht bloß aus einer Reihe abstrakter Theorien bestehen, die im wirklichen Leben niemals erprobt worden sind. Ich sollte vielleicht hinzufügen, dass ich, während ich dies schreibe, kurz vor einer neuen Ehe stehe. Ich traf übrigens meine zweite Frau Ruth – wie meine erste – in Jerusalem. Ich gehe diese zweite Ehe in dem stillen Vertrauen ein, dass so wie Ruth und ich die Voraussetzungen erfüllen, welche Gott in der Heiligen Schrift offenbart hat, Er auch diese Ehe mit Seinem Segen krönen wird.

Die Ehe ist ein Geheimnis In Epheser 5,22-32 beschreibt Paulus die Ehe aus christlicher Sicht. Er schließt mit den Worten: „Dies 16


Kapitel 1: Die Ehe ist ein Bund

Geheimnis ist groß...“ Er erklärt somit, dass die Ehe ein „Geheimnis“ ist. Zu Paulus’ Zeiten hatte das Wort „Geheimnis“ eine spezifischere Bedeutung als heute. Es stand in einer religiösen Gedankenverbindung. Es kennzeichnete eine Form des Wissens, welches wertvolle Vorteile verschaffte, jedoch auf eine besondere Gruppe von Menschen begrenzt war, die durch ihre religiösen Praktiken verbunden war. Um Zugang zu diesem Wissen zu erhalten, musste man zuerst in die Gruppe „eingeweiht“ werden. Der Gebrauch des Wortes „Geheimnis“ zur Beschreibung des ehelichen Verhältnisses deutet bei Paulus deshalb auf zwei Dinge hin: erstens, dass es eine verborgene Form von Wissen gibt, welches die Ehe zu dem machen kann, was sie sein sollte; zweitens, dass ein Mensch dieses verborgene Wissen nur dadurch erhalten kann, indem er sich bestimmten Prüfungen unterzieht und bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Meine Absicht in diesem vorliegenden Buch ist in erster Linie, den Leser in diese Prüfungen und Voraussetzungen „einzuführen“. Im 5. Buch Mose, als das Volk Israel bereit war, sein verheißenes Erbe im Lande Kanaan einzunehmen, gab Mose den Israeliten einen Überblick über den Lebensstil, den Gott für sie in ihrer neuen Umgebung bestimmt hatte. Er verhieß ihnen im Namen Gottes, dass, wenn sie Gottes Gesetz hielten, Er sie in jedem Bereich ihres Lebens reichlich segnen würde. Insbesondere teilte Mose ihnen mit, ihre Häuser würden wie „Himmel auf Erden“ 17


Der Ehebund im Lichte Gottes

sein (5 Mose 11,21; wörtl. a. d. Engl.). Er zeichnete ein wunderbares Bild der Zufriedenheit und des ungestörten Einklangs. Dies war die Qualität des Familienlebens, die Gott für Sein Volk geplant hatte. Ungefähr zwölfhundert Jahre später nahm Gott durch den Propheten Maleachi eine Bestandsaufnahme von Israels Verhalten seit dem Einzug ins verheißene Land vor. Im Allgemeinen hatten sie darin versagt, Gottes Voraussetzungen zu erfüllen, und hatten sich aus diesem Grund nicht der Lebensqualität erfreut, die er für sie bestimmt hatte. In Seiner Bestandsaufnahme deutete Gott auf eine Reihe spezifischer Bereiche hin, in denen sie versagt hatten. Einer dieser Bereiche war ihr Familienleben, und besonders ihre Ehe. In Bezug darauf sagt Er in Maleachi 2,13 u.14 dieses: „Weiter tut ihr auch das: Ihr bedeckt den Altar des Herrn mit Tränen und Weinen und Seufzen; aber er mag das Opfer nicht mehr ansehen noch etwas Angenehmes von euren Händen empfangen. Ihr aber sprecht: „Warum das?“ Weil der Herr Zeuge war zwischen dir und dem Weib deiner Jugend, dem du treulos geworden bist, obwohl sie doch deine Gefährtin und die Frau ist, mit der du einen Bund geschlossen hast.“ Offensichtlich war Israels Versagen in dieser Hinsicht nicht auf mangelnde Religiosität zurückzuführen. Sie „bedeckten den Altar des HERRN mit Tränen.“ Aber 18


Kapitel 1: Die Ehe ist ein Bund

trotz all ihrer Gebete versagten sie dennoch in ihren Ehen. Wir stehen heute oft einer ähnlichen Situation gegenüber. Die Menschen können auf religiösem Gebiet sehr aktiv und dennoch unfähig sein, in ihrer Ehe erfolgreich zu sein. Ihre Religion befähigt sie nicht, ihr Familienleben zu meistern. Wenn ein oder beide Partner übermäßig von religiösen Aktivitäten außerhalb der Familie in Anspruch genommen sind, ist dies manchmal in der Tat ein wichtiger Faktor für das Versagen der Ehe. Das wesentliche Versagen Israels wird im abschließenden Vers 14 erwähnt – „obwohl sie ... die Frau ist, mit der du einen Bund geschlossen hast.“ Die Israeliten sahen die Ehe schließlich als eine Beziehung, in der sie ihre eigenen Maßstäbe setzen konnten – eine Beziehung, die sie nach freiem Willen und gemäß ihren eigenen Bedingungen beginnen oder beenden konnten. Gott erinnert sie jedoch daran, dass Er die Ehe ganz anders betrachtet. Seinem unveränderlichen Plan gemäß ist die Ehe ein Bund. Dies ist das Geheimnis, welches allein den Erfolg der ehelichen Beziehung garantiert. Wenn dieses Geheimnis vergessen oder ignoriert wird, verliert die Ehe unvermeidlich ihre Heiligkeit und somit ihre Stärke und Festigkeit. Vieles von dem, was wir heute in unserer Gesellschaft sehen, entspricht durchaus dem Zustand Israels zur Zeit Maleachis, und die eigentliche Ursache ist dieselbe – eine falsche Auffassung von der Ehe.

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Der Ehebund im Lichte Gottes

Jesu Maßstab der Ehe Nach Maleachi wird uns die nächste und völligere Offenbarung der Ehe durch Jesus vermittelt. Der Kern Seiner Lehre über die Ehe ist in einem Gespräch enthalten, welches Er mit einigen Pharisäern führte, und das in Matthäus 19,3-19 wiedergegeben wird: „Da traten Pharisäer an ihn heran, stellten ihn auf die Probe und fragten: Darf ein Mann aus jedem Grund seine Frau aus der Ehe entlassen? Er aber antwortete: Habt ihr nicht gelesen, dass der, der im Anfang den Menschen geschaffen hat, sie als Mann und Frau geschaffen und gesagt hat (1. Mose 2,24): „Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die beiden werden ein Leib sein“? So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern eins. Darum: Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden. Da fragten sie: Warum hat dann Mose geboten, ihr einen Scheidebrief zu geben und sie zu entlassen? Er sagte zu ihnen: Mose hat euch wegen eurer verstockten Herzen erlaubt, eure Frauen zu entlassen; von Anfang an aber ist’s nicht so gewesen. Ich aber sage euch: Wer seine Frau entlässt, es sei denn wegen Unzucht, und eine andere heiratet, der bricht die Ehe.“ Wir können Jesu Lehre in diesem Abschnitt anhand vier aufeinander folgender Aussagen zusammenfassen: 20


Kapitel 1: Die Ehe ist ein Bund

1. Die Form der Ehe, die in Israel unter dem Judentum akzeptiert worden war, lag unterhalb des Niveaus des Willens Gottes. 2. Gottes eigentlicher Zweck der Ehe kam zum Ausdruck, als Er im Anfang Mann und Frau schuf. 3. In der ursprünglichen Verbindung von Mann und Frau waren sie so vollkommen vereint, dass sie ihre getrennten Identitäten verloren und „ein Leib“ wurden. 4. Es ist Jesu Absicht, die Ehe im Leben Seiner Jünger in Übereinstimmung mit dem ursprünglichen Maßstab, der bei der Erschaffung des Menschen offenbart wurde, wiederherzustellen. Betrachten wir in 1. Mose, Kapitel 1 und 2, den Bericht von der Erschaffung und Vereinigung Adams und Evas, so erkennen wir, dass eine Tatsache immer wieder betont wird. Gott selbst war direkt und persönlich daran beteiligt. Es war Sein Entschluss, nicht Adams, dass Adam eine Gehilfin haben sollte; Er war es, der Eva aus Adam schuf; Er war es, der sie Adam brachte; und Er war es, der die Bedingungen des Bundes festlegte, durch den Er sie vereinte. Man kann deshalb mit Recht sagen, dass die Ehe im ganzen Alten Testament als eine Bundes-Beziehung betrachtet wurde. Die Vorstellung, die sich jedoch unter dem Judentum entwickelte, entsprach einem niedrige21


Der Ehebund im Lichte Gottes

ren Niveau, als jenes, welches bei der Schöpfung zum Ausdruck kam. Unter dem Judentum wurde dieser Bund nur als eine Beziehung auf horizontaler Ebene gesehen – zwischen einem Mann und einer Frau. Aber der Bund, der bei der Erschaffung des Menschen begründet worden war, hatte zwei Dimensionen – horizontal und vertikal. Auf horizontaler Ebene verband er Adam und Eva miteinander; aber auf vertikaler Ebene verband er beide zusammen mit Gott.

Eine dreifache Schnur In Prediger 4,9-12 wird in einem Abschnitt der Unterschied zwischen diesen beiden Ebenen der Ehe bildlich zum Ausdruck gebracht: „So ist’s ja besser zu zweien als allein; denn sie haben guten Lohn für ihre Mühe. Fällt einer von ihnen, so hilft ihm sein Gesell auf. Weh dem, der allein ist, wenn er fällt! Dann ist kein anderer da, der ihm aufhilft. Auch, wenn zwei beieinander liegen, wärmen sie sich; wie kann ein einzelner warm werden? Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen, und eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei.“ Das Prinzip, von dem Salomo ausgeht: „So ist’s ja besser zu zweien als allein“, stimmt mit dem Grund überein, den Gott ursprünglich dafür angab, dass Er Adam eine Gefährtin schuf: „Es ist nicht gut, dass der 22


Kapitel 1: Die Ehe ist ein Bund

Mensch allein sei.“ Salomo führt drei Beispiele an, welche dieses Prinzip klar veranschaulichen: wenn zwei zusammen sind und einer fällt, dann kann ihm der andere aufhelfen; wenn zwei beieinander liegen, wärmen sie sich gegenseitig; wenn zwei angegriffen werden, so können sie zusammen den Angreifer forttreiben. Aber das letzte Beispiel, welches Salomo gibt, unterscheidet sich von den anderen: „... eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei.“ In diesem Fall geht die Kraft nicht nur von zweien aus, sondern von dreien zusammen. Wir können Salomos bildliche Darstellungen benützen, um den Unterschied zu veranschaulichen, den wir zwischen dem Begriff der Ehe unter dem Judentum und dem Begriff der Ehe, wie sie von Gott selbst bei der Schöpfung ins Leben gerufen wurde, beobachtet haben. Die ersten drei Beispiele Salomos von „zweien beieinander“ veranschaulichen den Begriff der Ehe auf menschlicher Ebene, eine horizontale Beziehung, zwischen einem Mann und einer Frau allein. Aber Salomos viertes Bild – die „dreifache Schnur“ – zeigt die Ehe, wie sie bei der Schöpfung verstanden wurde, eine Verbindung von drei Personen – einem Mann, einer Frau und Gott. Die Beziehung zwischen Mann und Frau befindet sich immer noch auf menschlicher Ebene; aber wenn Gott in diese Beziehung eingeschlossen wird, so wird eine neue Dimension hinzugefügt. Er wird zu einem wesentlichen Bestandteil der Ehe. Jesu Maßstab der Ehe war einer der umwälzendsten 23


Der Ehebund im Lichte Gottes

Aspekte Seiner Lehre. Er weigerte sich, etwas Geringeres als Gottes ursprünglichen Plan anzuerkennen. Deshalb veranschaulicht Salomos Bild einer „dreifachen Schnur“ nicht nur das Muster der Ehe, wie es bei der Schöpfung festgelegt wurde; es veranschaulicht auch genau das Muster der Ehe für Gläubige in unserer Zeit, die durch ihren Glauben an Christus verbunden sind. Die dreifache Schnur ist der Mann, die Frau und Gott. Das Prinzip, das sie untrennbar verbindet, ist ein Bund. Was Salomo über eine derartige Schnur sagt, gilt auch heute noch; sie „reißt nicht leicht entzwei.“ Vor einiger Zeit sprach ich in Neuseeland über diese bildliche Darstellung der christlichen Ehe als eine dreifache Schnur. Als ich meine Rede beendet hatte, kam ein Mann auf mich zu und stellte sich mir vor. „Ich bin Seiler von Beruf“, sagte er. „Die Herstellung von Seilen ist meine Beschäftigung. Ich möchte Ihnen mitteilen, dass das, was Sie gesagt haben, im praktischen Bereich vollkommen richtig ist. Das stärkste Seil ist ein dreifaches Seil.“ Daraufhin gab er mir folgende Erklärung: Die höchste Anzahl von Schnüren, die alle einander berühren können, ist drei. Nimmt man eine davon weg und lässt nur zwei übrig, so wird das Seil auf diese Weise offensichtlich geschwächt. Fügt man jedoch eine extra Schnur hinzu und erhält somit vier, so wird das Seil dadurch nicht stärker, weil die Schnüre einander nicht mehr alle berühren. Bei einer dreifachen Schnur können 24


Kapitel 1: Die Ehe ist ein Bund

eine – oder sogar zwei – Schnüre unter Druck stehen und anfangen, sich durchzureiben. Aber solange die dritte Schnur hält, wird das Seil nicht reißen. Die Erklärung dieses Seilers ließ das Bild der christlichen Ehe als einer dreifachen Schnur in mir so anschaulich werden, dass ich tagelang darüber nachdachte. Ich konnte vor meinen geistlichen Augen das Seil unter so starker Belastung sehen, dass zwei seiner Litzen auszufransen begannen. Aber die dritte Litze blieb stark und hielt aus, bis die Belastung nachließ und die beiden abgenutzten Litzen ausgebessert werden konnten. „Genauso ist es in einer wahrhaft christlichen Ehe!“ sagte ich mir. „Es kommen Zeiten der Belastung, wo sowohl Mann als auch Frau beginnen, schwächer zu werden und sich unfähig fühlen durchzuhalten. Aber Gott selbst ist diese dritte Litze, und Er bleibt stark, bis der Druck nachlässt und Mann und Frau beide geheilt und wiederhergestellt werden können.“ Bei unserem Vergleich der christlichen Ehe mit einer dreifachen Schnur sagten wir, dass das Prinzip, welches die Litzen verbindet und zusammenhält, ein Bund ist. Dies lässt den Bund offensichtlich zu einem wesentlichen Bestandteil einer erfolgreichen Ehe werden. Und dennoch wird der Begriff des Bundes von den meisten Christen heute kaum verstanden, obwohl er eines der Hauptthemen der biblischen Offenbarung ist. Wir wollen deshalb in Kapitel 2 fortfahren, das Wesen eines Bundes, 25


Der Ehebund im Lichte Gottes

wie es in der Schrift offenbart wird, zu untersuchen. In Kapitel 3 wollen wir dann praktisch erklären, wie ein Bund einen Mann und eine Frau in der Ehe vereint und sie zusammenhält. In Kapitel 4 und 5 werden wir jeweils untersuchen, wie der Bund außerdem als die wesentliche bindende Kraft in zwei anderen sehr wichtigen Beziehungen dient: zwischen Gott und dem einzelnen Christen; und zwischen christlichen Geschwistern in ihrer Beziehung zueinander. Schließlich, in Kapitel 6 „Der Punkt der Entscheidung“, werden wir denen, welche das Bedürfnis fühlen, ihre persönlichen Beziehungen mit den Prinzipien, die in diesem Buch erklärt werden, in Einklang zu bringen, praktische Anweisungen geben.

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KAPITEL 2

Das Wesen eines Bundes

W

as ist in einem Bund enthalten, das der Ehe eine Kraft und Stabilität verleiht, die sonst nicht möglich sind? Was ist das Wesentliche eines Bundes? Die Beschaffenheit des Bundes ist eines der sorgfältig gehüteten Geheimnisse der Schrift. Es ist eine „Perle“, die Gott nicht vor die Unachtsamen wirft. Es ist etwas Heiliges, das Gott den Unreinen nicht offenbaren wird. In Psalm 25,14 sagt David: „Der Herr ist denen Freund, die ihn fürchten; und seinen Bund lässt er sie wissen.“ Das Geheimnis des Bundes muss in ehrerbietender Gottesfurcht gesucht werden. Es wird denen vorenthalten, die sich in irgendeiner anderen Haltung nähern. Es bedarf außerdem des sorgfältigen und gründlichen Studiums der Schrift, um ein Verständnis des Bundes zu erhalten. Zeit und Konzentration sind nötig. In Sprüche 2,4 erklärt Salomo, dass jene, die nach Vernunft und Einsicht streben, sie wie Silber suchen und nach ihr forschen müssen wie nach Schätzen. Dies deutet auf eifriges Bemühen hin. Gerade so wie die Erde ihre Schätze 27


Der Ehebund im Lichte Gottes

nicht dem oberflächlichen Betrachter ausliefert, so gibt die Schrift nur denen das wahre Verständnis des Bundes, die bereit sind, unter der Oberfläche nachzuforschen und für ihre Suche Zeit und Fleiß zu opfern. Das sei an Stelle einer Einleitung zum Studium des Bundes gesagt, das wir nun in diesem Kapitel unternehmen wollen. Dieses Studium mag zunächst etwas schwierig und mühsam erscheinen. Aber wenn wir es mit Geduld und Fleiß verfolgen, werden wir schließlich unendlich wertvolle Schätze finden. Diese werden das Thema der nachfolgenden Kapitel sein.

Definition des Bundes In der Heiligen Schrift sind zwei grundlegende Wörter für „Bund“ zu finden. Das griechische Wort, das im Neuen Testament verwendet wird, ist diatheke. Das hebräische Wort, das im Alten Testament gebraucht wird, ist b’rit (oder b’rith). Dieses hebräische Wort kommt im Namen der bekannten jüdischen Organisation B’nai B’rith vor, was wörtlich „Söhne des Bundes“ bedeutet. Jedes dieser Wörter – diatheke im Griechischen und b’rit im Hebräischen – wird regelmäßig mit zwei verschiedenen deutschen Wörtern übersetzt: „Bund“ und „Testament“. Das deutsche Wort, welches jeweils gebraucht wird, ist je nach dem Zusammenhang verschieden. Im Deutschen betrachten wir „Bund“ und „Testament“ normalerweise nicht als denselben Begriff. Wir 28


Kapitel 2: Das Wesen eines Bundes

beschränken das Wort „Testament“ auf ein gesetzliches Dokument, das – wie die Schrift ausführt – erst nach dem Tod dessen, der das Testament machte, in Kraft tritt. Andererseits betrachten wir gewöhnlich einen „Bund“ nicht als etwas, das notwendigerweise in Zusammenhang mit dem Tod der Parteien des Bundes steht. In der Vorstellung der Heiligen Schrift ist diese Unterscheidung zwischen „Testament“ und „Bund“ jedoch nicht gültig. In der Schrift ist ein „Bund“ ein „Testament“ und ein „Testament“ ein „Bund“. Wir alle wissen natürlich, dass die Bibel uns in Form zweier „Testamente“ überliefert ist – dem Alten Testament und dem Neuen Testament. Unser Verständnis wird jedoch erweitert, wenn wir jeweils das Wort „Testament“ durch „Bund“ ersetzen und vom „Alten Bund“ und „Neuen Bund“ sprechen. Es ist mit Sicherheit eine Tatsache von außerordentlicher Bedeutung, dass Gottes gesamte schriftliche Offenbarung an den Menschen in Form von zwei Bünden erhalten ist. Der Begriff des Bundes steht somit im Mittelpunkt der gesamten göttlichen Offenbarung. Wenn wir das Wesen des Bundes nicht verstehen, inwieweit können wir dann hoffen, die wahre Bedeutung der Botschaft Gottes an uns zu verstehen? Was ist also die Bedeutung des Wortes „Bundes“? Es ist nicht leicht, eine genaue und einfache Definition zu geben. Es gibt die Auffassung, dass die Grundbedeutung des hebräischen Wortes b’rit mit binden zu übersetzen ist, aber dies ist nicht sicher. Sicher ist 29


Der Ehebund im Lichte Gottes

jedoch, dass ein Bund bindend ist. Die Grundbedeutung des griechischen Wortes diatheke ist, etwas als Ordnung festsetzen. Es deutet deshalb die Darlegung bestimmter Bedingungen und Voraussetzungen an. Es steht mehr in einem gesetzlichen Zusammenhang als sein hebräisches Gegenstück b’rit. In der Schrift sind zwei verschiedene Arten des Bundes zu finden. Der eine besteht auf horizontaler Ebene, ein Bund zwischen zwei Menschen. Diese Art kommt dem Begriff eines „Vertrages“ näher. Salomo z.B. schloss einen Bund mit Hiram, dem König von Tyrus (siehe 1. Könige 5,26). (In der Lutherbibel ist b ’rit hier mit „Vertrag“ übersetzt.) Durch diesen Bund verpflichteten sich Salomo und Hiram zu gegenseitiger Freundschaft und setzten die Bedingungen fest, gemäß welcher Hiram Salomo Material und Arbeitskräfte für den Tempelbau liefern würde. Obwohl diese Form des Bundes nur auf menschlicher Ebene – zwischen zwei Königen – bestand, ist es interessant zu bemerken, dass später, als Gott durch den Propheten Amos erklärte, Er werde das Gericht über das Königreich von Tyrus bringen, ein Grund, den Er dafür angab, war, dass sie „nicht an den Bruderbund gedacht haben“, – d.h. den Bund, der zwischen Salomo und Hiram geschlossen wurde (siehe Amos 1,9). Wir sehen also, dass Gott selbst auf menschlicher Ebene den Bruch eines Bundes als eine sehr ernste Angelegenheit betrachtet und als eine, die ein Gericht über den schuldigen Teil herbeiführt. 30


Kapitel 2: Das Wesen eines Bundes

Der Bund: Die Grundlage einer Beziehung Darüber hinaus ist der hauptsächliche Gebrauch eines Bundes in der Schrift jedoch nicht als ein Vertrag zwischen zwei Menschen auf horizontaler Ebene zu sehen, sondern als eine von Gott selbst souverän eingeleitete Beziehung mit dem,“ Menschen, in welcher die beiden Parteien nicht auf derselben ’ Ebene stehen. Ein Bund drückt im Wesentlichen eine Beziehung aus, die Gott selbst unumschränkt einleitet, nach Seiner eigenen Wahl und Seinem eigenen Entschluss. Er bestimmt die Bedingungen, nach welchen Er bereit ist, diese Verbindung mit dem Menschen einzugehen. Es muss betont werden, dass die Initiative völlig von Gott ausgeht und die Bedingungen ausschließlich von Gott festgelegt werden. Die Rolle des Menschen besteht einfach darin, auf Gottes Angebot eines Bundes einzugehen und die Beziehung zu akzeptieren, die dieser Bund mit sich bringt. Der Mensch legt die Bedingungen nicht fest und leitet auch niemals die Verbindung ein. Man muss ein wenig Presbyterianer oder Calvinist sein, um diesen Aspekt des Bundes zu verstehen. Historisch gesehen hat die calvinistische Strömung des Protestantismus schon immer besondere Betonung auf den Bund gelegt. Auf diese Weise hat sie einen Faden der Wahrheit bewahrt, der sehr wichtig ist. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass wir unsere Beziehung zu Gott nicht völlig verstehen können, es sei denn, wir verstehen den biblischen Begriff des Bundes. Letzten Endes gründet sich jede dauerhafte Beziehung 31


Der Ehebund im Lichte Gottes

Gottes mit dem Menschen auf einen Bund. Gott geht niemals eine dauerhafte Beziehung außerhalb eines Bundes ein. In Psalm 50,1-5 gibt der Psalmist eine prophetische Vorschau auf das Kommen des Herrn in Kraft und Herrlichkeit am Ende dieses Zeitalters, um Sein Volk zu versammeln. Er kennzeichnet dabei ganz klar diejenigen, die Gott als Sein Volk anerkennen wird: „Gott, der Herr, der Mächtige, redet und ruft der Welt zu vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang [Dies ist ein Aufruf an die ganze Welt]. Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes. Unser Gott kommt und schweigt nicht. Fressendes Feuer geht vor ihm her und um ihn her ein mächtiges Wetter [Dies ist eine klare Prophezeiung auf das Kommen des Herrn hin, in Macht und Herrlichkeit und Gericht]. Er ruft Himmel und Erde zu, dass er sein Volk richten wolle [Dies ist das Gericht des Volk Gottes vor dem Richterthron Christi. Es ist nicht das Gericht der Ungläubigen, sondern das Gericht der Gläubigen; nicht das Gericht zur Verurteilung, sondern das Gericht zur Belohnung]: „Versammelt mir meine Heiligen, die den Bund mit mir schlossen beim Opfer [Dieser Vers macht deutlich, an wen sich Gottes Aufruf wendet].“ Das hebräische Wort, das hier mit „Heilige“ übersetzt wird, ist hassid. Dieses Wort bezeichnet die Form des orthodoxen Judentums, welche durch äußerste Intensi32


Kapitel 2: Das Wesen eines Bundes

tät und Hingabe gekennzeichnet ist. Ein hassid ist ein Mensch, dessen Leben vollkommen von Gott eingenommen wird. Es ist ein Mensch, der nur für Gott lebt. Der Psalmist beschreibt jedoch hier die „Heiligen“ – die wahren hassidim – als „die den Bund mit mir schlossen beim Opfer“, – wörtlicher ausgedrückt, „die meinen Bund mit mir teilten auf Grund eines Opfers.“ Im Hebräischen heißt es, einen Bund „teilen“ oder „schneiden“ und nicht nur einen Bund „schließen“. Dies deutet auf die Verwendung eines Messers hin, mit dem das Opfer getötet wird. „Mein“ Bund meint im Besonderen den Bund, der von Gott selbst ausging, der ewige Bund. Es gibt nur eine Grundlage, auf der Gott einen Bund schließt – die Grundlage eines Opfers. Ohne Opfer kann es keinen Bund geben. Vor Jahren, etwa 1944, als ich anfing, die Bibel in hebräischer Sprache zu studieren, veranlasste mich der Heilige Geist, etwas Ungewöhnliches zu tun. Ich bewaffnete mich mit drei Farbstiften – blau, grün und rot – und begann, drei verschiedene Themen mit jeweils einer besonderen Farbe zu unterstreichen. Die Themen waren: Bund, Opfer und Blutvergießen. Blau war für Bund, grün für Opfer und rot für Blutvergießen. Ich stieß auf diese Weise unerwartet auf eine Offenbarung, denn ich entdeckte, dass an jeder Stelle, wo ich blau benutzte, auch grün vorkam; und an jeder Stelle, wo ich grün benutzte, kam auch rot vor. Mit anderen Worten, wo immer ein Bund ist, muss auch ein Opfer sein, und wo immer 33


Der Ehebund im Lichte Gottes

es ein Opfer gibt, da muss auch Blutvergießen sein. Dies steht im Einklang mit der Beschreibung des Volkes Gottes – Seiner Heiligen – in Psalm 50,5: „die meinen Bund mit mir teilten auf Grund eines Opfers.“ Zwei Dinge sind wesentlich, um in eine dauerhafte Beziehung mit Gott zu treten: ein Bund und ein Opfer. Ohne einen Bund kann es keine Beziehung mit Gott geben; und ohne ein Opfer kann es keinen Bund geben. Geschichtlich gesehen war die Art und Weise, wie die Menschen vor der Zeit des Neuen Bundes in Jesus Christus einen Bund mit Gott eingingen, äußerst bemerkenswert, und sie ist vielen nicht bekannt. In Jeremia 34,18-20 wird darauf eingegangen. Dies ist ein Zeitabschnitt in der Geschichte der Israeliten, wo sie von Gott abgefallen waren und sich in ihrer Beziehung zu Gott auflehnten, und sie hatten etwas getan, was Gott ihnen verboten hatte, – sie hatten Israeliten, ihre eigenen Brüder, zu Sklaven gemacht. Als Gott sie dafür durch den Propheten Jeremia tadelte, täuschten sie Buße vor und gingen einen Bund ein, in dem sie einwilligten, ihre Sklaven freizulassen. Aber dann brachen sie ihren Bund und nahmen die Sklaven wieder zurück und sündigten so noch mehr. Wir wollen uns hier momentan nur mit einem bestimmten Teil dieses Ereignisses beschäftigen, nämlich mit dem Verfahren, durch das sie den Bund eingingen. Die Bedeutung dieses Vorgangs reicht weit über diesen besonderen Augenblick in der Geschichte Israels hinaus. Dieser Vorgang wird in Jeremia 34,18-20 beschrieben, wo Gott spricht: 34


Kapitel 2: Das Wesen eines Bundes

„Und ich will die Leute, die meinen Bund übertreten und die Worte des Bundes nicht halten, den sie vor mir geschlossen haben, so zurichten wie das Kalb, das sie in zwei Stücke geteilt haben und zwischen dessen Stücken sie hindurchgegangen sind, nämlich die Oberen von Juda und von Jerusalem, die Kämmerer, die Priester und das ganze Volk des Landes, alle, die zwischen den Stücken des Kalbes hindurchgegangen sind. Und ich will sie geben in die Hand ihrer Feinde...“ Dies liefert einen wichtigen Zusatz zu unserem Verständnis des Verfahrens, wie ein Bund geschlossen wurde. Um einen Bund zu schließen, war nicht nur ein Opfer nötig, sondern das Opfer musste auf eine besondere Weise behandelt werden. Das Tier, das als Opfertier geschlachtet wurde, musste in zwei Teile geteilt werden, und die beiden Teile wurden so einander gegenüber angeordnet, dass zwischen ihnen ein Raum blieb. Dann gingen die Menschen, die den Bund schlossen, zwischen den beiden Teilen des Opfers hindurch. Durch diese Handlung gingen sie den Bund ein.

Gottes Bund mit Abram In Anbetracht dieses Vorgangs, der notwendig war, um einen Bund zu schließen, wollen wir uns nun 1. Mose 15,7-18 zuwenden, wo beschrieben wird, wie der Herr einen Bund mit Abram (sein Name war noch nicht Abraham) einging: 35


Der Ehebund im Lichte Gottes

„Und er sprach zu ihm: Ich bin der Herr, der dich aus Ur in Chaldäa geführt hat, auf dass ich dir dies Land zu besitzen gebe. Abram aber sprach: Herr, mein Gott, woran soll ich merken, dass ich’s besitzen werde? Und er sprach zu ihm: Bringe mir eine dreijährige Kuh, eine dreijährige Ziege, einen dreijährigen Widder, eine Turteltaube und eine andere Taube. Und er brachte ihm dies alles und zerteilte es in der Mitte und legte je einen Teil dem andern gegenüber; aber die Vögel zerteilte er nicht. Und die Raubvögel stießen hernieder auf die Stücke, aber Abram scheuchte sie davon. Als nun die Sonne am Untergehen war, fiel ein tiefer Schlaf auf Abram, und siehe, Schrecken und große Finsternis überfiel ihn. Da sprach der Herr zu Abram: Das sollst du wissen, dass deine Nachkommen Fremdlinge sein werden in einem Lande, das nicht das ihre ist; und da wird man sie zu dienen zwingen und plagen vierhundert Jahre. Aber ich will das Volk richten, dem sie dienen müssen. Danach sollen sie ausziehen mit großem Gut. Und du sollst fahren zu deinen Vätern mit Frieden und in gutem Alter begraben werden. Sie aber sollen erst nach vier Menschenaltern wieder hierher kommen; denn die Missetat der Amoriter ist noch nicht voll. Als nun die Sonne untergegangen und es finster geworden war, siehe, da war ein rauchender Ofen, und eine Feuerflamme fuhr zwischen den Stücken hin. An dem Tage schloss 36


Kapitel 2: Das Wesen eines Bundes

der HERR einen Bund mit Abram und sprach: Deinen Nachkommen will ich dies Land geben...“ Zu Beginn dieses Abschnitts verheißt der Herr Abram, dass er ihm das Land Kanaan als Besitz geben wird. Abram antwortet mit einer Frage: „Woran soll ich merken...?“ Als Erwiderung darauf schließt der Herr einen Bund mit Abram. Mit anderen Worten, Gott geht die endgültige Verpflichtung, etwas zu tun, durch einen Bund ein. Wenn Gott einen Bund eingegangen ist, kann Er darüber hinaus nichts mehr tun, um sich weiter zu verpflichten. Ein Bund stellt eine endgültige, unwiderrufliche Bindung dar. Sobald Gott den Bund mit Abram geschlossen hat, spricht Er nicht länger in der zukünftigen Zeitform. Er sagt nicht: Ich will geben...“, sondern: „Ich habe gegeben...“. Der Bund hat es besiegelt – endgültig und für immer.2 Der Vorgang, durch den der Herr den Bund mit Abram einging, entspricht genau dem, der in Jeremia 34,18-20 beschrieben wird. Abram musste die Opfertiere nehmen, sie töten und sie in zwei Stücke teilen. Es scheint, dass der Herr und Abram dann im rechten Moment zwischen den Stücken des Opfers hindurchging. Durch diese seltsame Handlung ging der Herr einen verpflichtenden Bund mit Abram ein. Wir wollen nun einige Einzelheiten dieser Abwicklung betrachten. Jede Einzelne ist erkennt2

Die Lutherübersetzung hat die Form „... will ich ... geben ...“ beibehalten. – Anmerkung des Herausgebers 37


Der Ehebund im Lichte Gottes

nisreich. Vers 11 – „Und die Raubvögel stießen hernieder auf die Stücke, aber Abram scheuchte sie davon.“ Diese Worte rufen sehr lebhafte Erinnerungen in mir hervor. Als ich während des 2. Weltkrieges bei den Britischen Streitkräften in Ägypten diente, lag ich ein ganzes Jahr lang im Krankenhaus, in einem Krankheitszustand, den die Ärzte offenbar nicht heilen konnten. In meiner Verzweiflung nahm ich Zuflucht zur Bibel, um zu sehen, was darin geschrieben steht. Endlich, nachdem ich die ganze Bibel gelesen hatte, kam ich zu dem Schluss, dass Gott durch den Tod Jesu Christi am Kreuz Heilung für mich geschaffen hatte, dass dies ein Teil des Bundes war, den Gott durch Christus mit mir geschlossen hatte. Aber als ich versuchte, von dieser Wahrheit Besitz zu ergreifen, wurden meine Gedanken beständig von allerlei Anwandlungen der Depression, des Zweifels und der Finsternis bestürmt. Während ich so dalag und mich abmühte, die Vorrechte meines Bundes in Christus in Anspruch zu nehmen und diese Stimmungen der Depression und des Zweifels zu bekämpfen, las ich zufällig obigen Abschnitt in 1. Mose, Kapitel 15, und ich sah, dass es Abrams Aufgabe war, die Raubvögel davonzuscheuchen. Gott bestimmte die Opfergaben, aber es war Abrams Aufgabe, sie unversehrt zu erhalten. In ähnlicher Weise erkannte ich, dass Gott in Christus für mich das Opfer geschaffen hatte, dass es aber meine Aufgabe war, jene teuflischen Raubvögel davon abzuhalten, am Opfer zu zehren und 38


Kapitel 2: Das Wesen eines Bundes

mich meiner Vorrechte zu berauben. Ich sah also, dass es eine Zeit gab, während der ich die Vögel ständig davonzuscheuchen haben würde. Ganz gleich wie oft Zweifel, Unglaube oder Furcht mich angreifen würden, es war mein Vorrecht und meine Verantwortung, jene Opfergaben unversehrt zu erhalten. Sie durften nicht entweiht werden durch die teuflischen Raubvögel, welche sich an Ihnen nähren und mich meines Erbes berauben wollten. In Vers 12 heißt es dann: „Als nun die Sonne am Untergehen war, fiel ein tiefer Schlaf auf Abram, und siehe, Schrecken und große Finsternis überfiel ihn.“ Dies war eine sehr tiefe geistliche Erfahrung, in der Abram als reifer hingegebener Gläubiger durch „Schrecken und große Finsternis“ ging. Lässt unsere Theologie dafür Raum? Ist uns bewusst, dass einige der größten Heiligen Gottes durch Zeiten geistlicher Finsternis gehen? Es ist nicht unbedingt ein Zeichen von Unreife oder Schwäche, wenn wir durch Dunkelheit gehen. In der Tat kann Gott dem unreifen und schwachen Gläubigen diese Art von Erfahrung nicht anvertrauen. Er weiß genau, wie viel jeder von uns ertragen kann. Abram ging nicht durch die Finsternis, weil er Schwäche oder Mangel an Hingabe zeigte, sondern er ging hindurch, weil es Teil seiner gesamten geistlichen Erfahrung war. Seine Finsternis war eine Vorschau auf das, was seine Nachkommen in Ägypten erleiden sollten. Als ihr Vater musste er an ihren Leiden teilhaben. In Vers 13 bis 16 erklärt der Herr Abram, was seinen 39


Der Ehebund im Lichte Gottes

Nachkommen in Ägypten zustoßen wird, und wie Er schließlich eingreifen, sie befreien und in das Land Kanaan zurückbringen wird. Dann wird in Vers 17 Abrams Erfahrung eine neue Dimension hinzugefügt: „Als die Sonne untergegangen und es finster geworden war, siehe, da war ein rauchender Ofen, und eine Feuerflamme fuhr zwischen den Stücken hin.“ Zur normalen Finsternis der Nacht kommt noch der dunkle Rauch aus einem Ofen hinzu. In der Heiligen Schrift stellt ein Ofen – oder Glutofen – oft intensives Leiden dar. In Jesaja 48,10 spricht Gott zu Israel: „Siehe, ich habe dich geläutert, aber nicht wie Silber, sondern ich habe dich geprüft im Glutofen des Elends.“ Dies gilt zu bestimmten Zeiten allen Kindern Gottes. Befinden wir uns jemals im Glutofen, so sollten wir daran denken, dass Gott uns läutern und prüfen will. Die Art und Weise, wie wir im Glutofen reagieren, wird unser Schicksal bestimmen. Wir sind nicht unbedingt deshalb im Glutofen, weil wir schwach oder vom Glauben abgefallen sind, oder weil wir Gott enttäuscht haben. Wir sind im Glutofen, weil der Glutofen wie nichts anderes an uns wirkt. In Maleachi 3,3 warnt Gott die Söhne Levi – Seine Priester –, dass Er sie wie Gold und Silber läutern wird. Wertvolle Metalle werden niemals ohne intensive Hitze gereinigt. Inmitten dieser überwältigenden Finsternis, welcher Abram ausgesetzt war – eine Finsternis, die sowohl natürlicher als auch übernatürlicher Art war –, geschah 40


Kapitel 2: Das Wesen eines Bundes

es: „eine Feuerflamme fuhr zwischen den Stücken hin.“ Welch tiefe Bedeutung ist darin verborgen! Die Feuerflamme war eine Erscheinung des Geistes Gottes, – eine Entsprechung für „sieben helle Fackeln, das sind die sieben Geister Gottes“, die Johannes vor dem Thron Gottes im Himmel sah (Offenbarung 4,5). In diesem Moment – dem Moment tiefster Finsternis – ging der Herr in der Erscheinung einer Feuerflamme Seine Bindung mit Abram ein. Er schritt durch die Stücke hindurch und ging so den Bund ein. Ich möchte noch einmal kurz auf meine Erfahrung in jenem Krankenhaus in Ägypten zurückkommen. In jener Zeit der Dunkelheit in meinem eigenen Leben wurde mir die Wahrheit dieses Geschehens in 1. Mose, Kapitel 15, so sehr lebendig. Ich erkannte, dass es Zeiten äußerster Dunkelheit gibt, wenn der Heilige Geist nur eines erhellt: die Wahrzeichen des Opfers. Denn dies ist alles, was wir zu sehen brauchen. Das Opfer ist das Wahrzeichen des Bundes, und der Bund ist Gottes endgültige, unwiderrufliche Hingabe. Es kann geschehen, dass wir durch eine Zeit gehen, wo wir nichts sehen können außer der einen Tatsache, dass Jesus für uns starb. Nur das brauchen wir zu wissen. Darin ist alles eingeschlossen. In Römer 8,32 heißt es: „Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahin gegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“ Es gibt Zeiten, wo wir nur daran fest halten können. Es ist der Bund, der durch den 41


Der Ehebund im Lichte Gottes

Opfertod des Herrn Jesus Christus geschlossen wurde. Auf diese Weise gingen der Herr und Abram also einen Bund ein. So wie ich es verstehe, gingen beide jeweils zwischen den Stücken der Opfer hindurch. Ist es nicht erstaunlich, dass der allmächtige Gott dies mit einem Menschen tun würde? Es überwältigt meinen Verstand, dass Gott in gewissem Sinne vom Himmel herunterkam, um zwischen jenen Stücken geschlachteter Tiere hindurchzugehen und Seine Bindung mit Abram einzugehen. Ich erkenne überwältigt, dass Gott so weit ging, um eine persönliche Hingabe an einen Menschen zu vollziehen.

Ein Bund ist nur durch den Tod gültig Warum aber war ein Opfer nötig? Warum war dies der einzige Weg, einen Bund einzugehen? Die Antwort darauf lautet, dass das Opfer den Tod eines jeden, der am Bund beteiligt war, symbolisierte. Als jede Partei zwischen den Stücken des geschlachteten Tieres hindurchging, sagte sie in Wirklichkeit: „Dies ist mein Tod. Dieses Tier starb als mein Stellvertreter. Es starb an meiner Stelle. Ich gehe diesen Bund durch den Tod ein. Jetzt, da ich in diesem Bund stehe, habe ich kein Recht mehr zu leben.“ Dies erklärt, warum im Hebräischen und Griechischen kein Unterschied zwischen „Bund“ und „Testament“ besteht. In Hebräer 9,16-17 wird betont, dass der Tod unumgänglich ist, um einen Bund gültig zu machen: 42


Kapitel 2: Das Wesen eines Bundes

„Denn wo ein Testament vorliegt, da muss der Tod dessen nachgewiesen werden, der das Testament gemacht hat. Denn ein Testament tritt erst dann in Kraft mit dem Tod; es ist noch nicht gültig, solange der noch lebt, der es gemacht hat.“ Diese Worte lassen keine Missverständnisse zu. Wer einen Bund eingeht, geht ihn durch den Tod ein. Solange ein Mensch noch lebt, ist er nicht im Bund. Es ist unmöglich, in einem Bund zu stehen und noch am Leben zu sein. Der Tod des Opfertieres ist physisch, aber er symbolisiert eine andere Form des Todes für den, der das Opfer darbringt und durch die Stücke hindurchgeht. Wer dies tut, gibt damit von diesem Augenblick an jedes Recht auf, für sich selbst zu leben. So wie jede Partei durch die Stücke des Opfers hindurchgeht, sagt sie in Wirklichkeit zu der anderen: „Wenn nötig, will ich für dich sterben. Von jetzt an haben deine Interessen Vorrang vor den meinen. Sollte ich etwas haben, was du brauchst, aber nicht beschaffen kannst, dann wird meine Versorgung zu deiner Versorgung. Ich lebe nicht mehr für mich selbst, ich lebe für dich.“ Vor Gott ist dieses Vorgehen, um einen Bund zu schließen, kein leeres Ritual. Es ist eine ernste und heilige Bindung. Wenn wir durch die Geschichte den Verlauf der Ereignisse verfolgen, die von Gottes Bund mit Abram herrührten, sehen wir, dass jede Partei die Verpflichtung zu erfüllen hatte, die der Bund darstellte. 43


Der Ehebund im Lichte Gottes

Einige Jahre später, als Abram zu Abraham geworden war, sprach Gott zu ihm: „Ich will deinen Sohn Isaak – deinen einzigen Sohn. Dein wertvollster Besitz gehört nicht mehr dir, denn du und ich, wir stehen in einem Bund. Er gehört mir.“ Es macht Abraham ewige Ehre, dass er nicht zögerte. Er war bereit, sogar Isaak aufzuopfern. Erst im letzten Augenblick griff der Herr vom Himmel ein und hielt Abraham davon ab, dass er seinen Sohn wirklich tötete (siehe 1. Mose 22). Dies ist jedoch nicht das Ende der Geschichte. Gott hatte sich auch Abraham gegenüber verpflichtet. Zweitausend Jahre später erfüllte Gott Seinerseits Seinen Teil des Bundes. Um der Not Abrahams und seiner Nachkommen zu begegnen, opferte Gott Seinen einzigen Sohn auf. Diesmal jedoch fand keine Begnadigung in letzter Minute statt. Jesus gab am Kreuz Sein Leben hin als vollen Erlösungspreis für Abraham und alle seine Nachkommen. Diese Handlung war die Folge der Bindung, die Gott und Abram in jener schicksalhaften Nacht zweitausend Jahre zuvor eingegangen waren, als sie zwischen jenen Stücken des Opfers hindurchgingen. Alles, was von da an im Laufe der Geschichte geschah, war von ihrem Bund bestimmt. So ernst, so völlig und so unwiderruflich ist die Verpflichtung, die in einem Bund eingegangen wird.

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ÜBER DEN AUTOR

(1915–2003)

D

erek Prince wurde als Sohn britischer Eltern in Indien geboren. Er wurde an zwei der berühmtesten englischen Institutionen in Griechisch und Latein unterwiesen – am Eton College und an der Universität Cambridge. Von 1940 bis 1949 hatte er einen Lehrstuhl als Professor für Alte und Neue Philosophie am Kings College in Cambridge inne. Er studierte außerdem Hebräisch und Aramäisch an der Universität Cambridge und an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Darüber hinaus spricht er eine Reihe anderer moderner Sprachen. Zu Anfang des zweiten Weltkrieges, während er als Krankenwärter bei der Britischen Armee diente, hatte Derek Prince eine lebensumwandelnde Begegnung mit Jesus Christus. In Bezug darauf schreibt er: Aus dieser Begegnung zog ich zwei Schlüsse, und seit jener Zeit habe ich niemals Grund gehabt, sie zu ändern: erstens, daß Jesus Christus lebt; zweitens, daß die Bibel ein wahres, wichtiges und zeitgemäßes Buch ist. Diese beiden Schlüsse 115


Der Ehebund im Lichte Gottes

haben die Richtung meines Lebens radikal und bleibend verändert. 1946 heiratete Derek Prince in Jerusalem seine erste Frau Lydia, die „Mutter“ eines kleinen Mädchenheimes war, welches sie dort gegründet hatte. Durch diese Ehe wurde er Adoptivvater von acht Mädchen, von denen sechs jüdischer, eines arabischer und eines englischer Abstammung waren. Während der nächsten dreißig Jahre diente Derek Prince als Pastor, Lehrer und Seelsorger in vielen Ländern und gewann international als Autor und Bibelausleger Anerkennung. Er und Lydia wirkten zusammen im geistlichen Dienst für viele Gruppen verschiedener konfessioneller und kultureller Hintergründe. Während sie 1958 als Lehrer in Kenia tätig waren, adoptierten sie ihr neuntes Kind – ein kleines afrikanisches Mädchen. Lydia starb 1975, und Derek Prince heiratete im Oktober 1978 erneut. Er traf seine zweite Frau Ruth, ähnlich wie seine erste, während sie dem Herrn in Jerusalem diente.

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Ergänzende Bücher von Derek Prince ... Gott stiftet Ehen Nach der Bekehrung ist die Partnerwahl die wichtigste Entscheidung im Leben eines Menschen. Dieses Buch kann helfen, Enttäuschungen und Irrwege zu vermeiden. Darüber hinaus ist die von Gott geschriebene Liebesgeschichte von Derek und Ruth, wie sie von ihnen selbst erzählt wird, bewegend und ermutigend zugleich. Pb. 192 Seiten; Bestell-Nr.: B35GE

Vergäße ich dein, Jerusalem Dies ist die wahre Geschichte von Derek Princes erster Frau Lydia. In den turbulenten Jahren vor und während der Geburt des modernen Staates Israel betreute sie in Jerusalem Scharen von jüdischen und arabischen Waisen-kindern und erlebte dabei Gott in außergewöhnlicher Weise. Pb, 222 Seiten; Bestell-Nr.: B26GE

Ehemänner und Väter Ausgehend von seiner eigenen langjährigen Erfahrung erläutert Derek Prince die Rolle von Ehemann und Ehefrau sowie die entscheidende „Zutat“ einer guten Ehe. Er skizziert den Vater als Priester, Prophet und König der Familie und ermutigt alle Männer, diese hohe Berufung festzuhalten, den Weg biblischer Vaterschaft zu gehen, ihre Familien nach dem Willen Gottes zu führen und sich auch als geistliche Väter zur Verfügung zu stellen. Pb, 176 Seiten; Bestell-Nr.: B45GE

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Einige der weiteren Bücher von Derek Prince ... Fundamente des christlichen Glaubens In diesem Buch legt Derek Prince die Fundamente des christlichen Glaubens nicht nur sehr klar und bibeltreu aus, er gibt außerdem noch konkrete Anweisung dazu, wie man diese grundlegenden Erkenntnisse im Alltag siegreich anwenden kann. Pb. 580 Seiten; Bestell-Nr.: B36GE

Ihr werdet Kraft empfangen! Gott möchte, dass Sie ganz natürlich ein übernatürliches Leben führen. Derek Prince erläutert in seiner einzigartig klaren Art und Weise, wie man die Fülle des Heiligen Geistes empfängt und sein Wirken im Alltag mehr und mehr wahrnimmt. Pb, 148 Seiten; Bestell-Nr.: B68GE

Gottes Wort heilt In diesem Buch teilt der Bestsellerautor und Bibellehrer Derek Prince aufregende Erfahrungen mit, die er selbst, sowie andere Personen bezüglich übernatürlicher Heilungen erlebt haben. Anhand der Wahrheiten der Bibel erläutert Derek in seiner klaren und leicht verständlichen Art, wie man göttliche Heilung in Anspruch nehmen kann. Pb, 239 Seiten; Bestell-Nr.: B98GE


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Die kostenlose Ergänzung zu diesem Buch ...

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Gottes Bündnistreue in der Ehe,

Ja, ich hätte gerne kostenlos Audio-Botschaft “Die Macht zum Einzelnen und zudieSeiner Gemeinde der Proklamation” als CD

zur Deckung der Kosten ist willkommen, aber nicht notwendig) „Ich glaube, es(Eine gibtSpende ein Geheimnis, welches eine erfolgreiche Ehe sichern kann. Ich bin darüber hinaus der Auffassung, dass dieses Geheimnis auf den Seiten eines einzigartigen Buches offenbart wird – nämlich der Bibel.“

Derek Prince führt den Leser in das Geheimnis der Ehe ein, so wie Gott sie Name: bei der Schöpfung begründete und wie Jesus sie durch den Neuen Bund wiederherstellte.

Straße:

Die Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau, sowie zu anderen Gläubigen ist eine Parabel zu der Liebesbeziehung zwischen Gott und den MenPLZ/Ort: schen in Jesus Christus. Im Schlusskapitel „Der Punkt der Entscheidung“ führt Derek Prince den Leser durch die einfache aber lebensverändernde Schritte, die zu dieser einTel:/Fax: zigartigen Liebesbeziehung hinführen. Derek Prince, ehemals Professor für Philosophie an der Universität Cambridge in England, ist heute ein international Coupon einfach abtrennen,anerkannter und uns Bibellehrer. Seine Bibelauslegungen sichper durch ihrezuschicken. klare, gründliche Strukin einemzeichnen Umschlag Post turierung sowie durch ihre Lebendigkeit und konkrete Umsetzbarkeit aus. Damit sindEntsprechende sie sowohl für dasIBL-Anschrift persönliche Studium auchNamen für den Einsatz sowieals Ihren in Haus- und Gebetskreisen sowie zur bitte Schulung vonvergessen Mitarbeitern und Seelund Ihre Anschrift nicht sorgern hervorragend geeignet. ISBN: 978-3-932341-21-2

B31GE – Der Ehebund im Lichte Gottes (CD4333GE)


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