

Samuel Holzhäuer Holy Mountain
VON DEN BERGEN FÜR UNSERE JESUS-NACHFOLGE LERNEN
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© 2025 Hänssler in der SCM Verlagsgruppe GmbH · Max-Eyth-Straße 41 · 71088 Holzgerlingen Internet: haenssler.de
Soweit nicht anders angegeben, sind die Bibelverse folgender Ausgabe entnommen: Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002 und 2006 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Holzgerlingen Weiter wurden verwendet: Lutherbibel, revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. Elberfelder Bibel 2006, © 2006 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Holzgerlingen (LUT)
Hoffnung für alle ® Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis - Brunnen Basel (HFA) Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung - Neues Testament und Psalmen , Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft; Wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten. (NGÜ)
Bibeltext der Schlachter Bibelübersetzung. Copyright © 2000 Genfer Bibelgesellschaft. Wiedergegeben mit der freundlichen Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten. (SLTI Zürcher Bibel © Verlags der Zürcher Bibel beim Theologischen Verlag Zürich.
Lektorat: Jael-Deborah Jaensch Gesamtgestaltung: Grafikbüro Sonnhüter, www.grafikbuero-sonnhueter.de Titelbild: Timo Kappler
Druck und Bindung: Finidr s.r.o. Gedruckt in Tschechien
ISBN 978-3-7751-6269-2
Bestell-Nr. 396.269
Inhalt
HALT

»Holy Mountain verbindet die majestätische Schönheit der Berge mit tiefen geistlichen Einsichten. Mit eindrucksvollen Erzählungen über seine Bergabenteuer nimmt Samuel Holzhäuer die Leser mit auf eine geistliche Bergtour und macht Lust, sich auf das Abenteuer Gott einzulassen. Eine fesselnde Lektüre für alle, die die Berge lieben und neue Perspektiven auf Gott gewinnen möchten. Absolut lesenswert!«
DAMARIS BINDER, Redakteurin und Moderatorin
»Dieses Buch steckt voller im Leben verwurzelter Glaubenseinsichten –sehr authentisch und zugleich inspirierend für mein eigenes Leben.«
CHRISTOPH SCHNEIDER, Diakon und Jugendreferent im Evang. Jugendwerk in Württemberg und Young Life
»Samuel schafft durch seine Bergsteiger-Erfahrungen neue und interessante Bilder, die er in so noch nicht dagewesener Form auf den Glauben überträgt. Das spornt an, im Alltag mit Jesus unterwegs zu sein – ganz egal, ob man sich selbst zu den Bergsteigern zählt oder nicht. Klare Lese-Empfehlung!«
BASTIAN BENOA, Singer/Songwriter, Anbetungsleiter
»Samuel fasst in seinem Buch 25 Jahre alpine Erfahrung auf verschiedenen Kontinenten zusammen. Seine lebendigen Einblicke aus dem Tourentagebuch berichten von Erfolgen ebenso wie von Misserfolgen und Fehlentscheidungen. Spannende und außergewöhnliche Vergleiche zwischen Bergsteigen und Glaubensleben regen dazu an, Themen wie Gottvertrauen, Stille und das eigene Gemeindeleben neu zu überdenken. Ein ermutigendes Buch für alle, die die Berge lieben und im Glauben wachsen möchten.«
DANIEL JÄGERS, Theologe, Erlebnispädagoge und Gründer der deutschlandweiten DAV-Sektion Gipfelkreuz
»Ein Buch wie eine Bergtour – mit Höhen und Tiefen, Momenten zum Durchatmen und neuem Weitblick. Samuel Holzhäuer nimmt dich mit auf eine Reise, die inspiriert, herausfordert und Mut macht, Täler zu durchschreiten und Gipfel zu erklimmen.
Eine starke Einladung, den eigenen Weg neu zu entdecken!«
SEBASTIAN LOHMER, Systemischer Coach & Berater, Gebetshaus Augsburg

Bevor eslosgeht…
Gratulation zum Erwerb dieses Wanderführers! Dieses Buch ist keine theoretische Lektüre, sondern ein Handbuch zur praktischen Umsetzung. Da Bergmenschen per Du sind, nehme ich mir die Freiheit heraus, dich während der gemeinsamen Reise auf diesen Seiten zu duzen.
In der Vergangenheit habe ich schon mehrere geistliche Bücher frustriert zur Seite gelegt, weil sich ein gefühlter Grand Canyon zwischen der Lebenswirklichkeit der Autoren und meinem Alltag aufgetan hat. Ich hoffe von Herzen, dass es dir mit diesem Buch nicht so geht.
Wie du bereits dem Einband entnommen hast, geht es bei dieser inneren Reise um Berge und Jesus. Diese zwei Begriffe haben auf den ersten Blick ungefähr genauso viel gemeinsam wie Pizza und Schraubenschlüssel, Narzissen und Eisbären oder Steuererklärungen und Waldfruchtsorbet. Warum also ausgerechnet Berge und Jesus?
Die naheliegende Antwort auf diese Frage ist, dass beide Welten viel mit meiner eigenen Biografie zu tun haben: Ich liebe die Berge –und Jesus ist mein Leben.
Als ich gemeinsam mit meinem Vater meine erste richtige Bergtour auf den Schweizer Säntis gemacht habe, war ich elf Jahre alt. Die Tour war lang und anstrengend. Ehrlich gesagt kann ich mich nicht mehr an die Gedanken erinnern, die sich im Moment des Gipfelerfolgs in meinem Kopf geformt haben, aber ich weiß noch, dass ich völlig überwältigt war. Das Gefühl, auf dem Gipfel zu stehen, war herausragend! Dieses Erlebnis war auf vielen Ebenen so einprägsam, dass ich seitdem immer wieder meine Wanderstiefel schnüre, um neue Gipfel zu erklimmen. Ich bin nie zu einem richtigen Alpinisten geworden, kann mich keiner Erstbesteigung rühmen und habe auch nie eine Kletterroute nach mir benannt. Aber die Liebe zu den Bergen ist geblieben. Es ist mir zu jeder Jahreszeit eine Freude, am Berg unterwegs zu sein, und hier darf ich immer wieder viele kleine und große Abenteuer erleben. Die
Berge sind für mich eine Kulisse, vor der besonders schöne und prägende Szenen meines Lebensfilms spielen dürfen.
Kurz nach meiner ersten Gipfeltour hatte ich noch ein zweites Bergerlebnis. Auf einer Freizeit auf den Hügeln der Schwäbischen Alb bin ich zum ersten Mal in der Tiefe davon berührt worden, dass Gott an mir persönlich interessiert ist. Dieses Erlebnis hat mich mindestens so nachhaltig geprägt wie mein erstes Gipfelerlebnis. Ich habe meine geistlichen Wanderstiefel angezogen und dem Bergführer Jesus mein Leben anvertraut. Seitdem habe ich auf unterschiedlichen Lebensetappen viele Gipfel erklommen und auch Täler durchschritten. Meine geistlichen Wanderschuhe habe ich jedoch nie wieder abgestreift und ich weiß mich jeden Tag neu von diesem Bergführer begleitet, der meinem Leben Halt und Richtung schenkt.
Auf die Frage „Warum Berge und Jesus?“ gibt es aber auch noch eine nicht biografische Antwort. „Berge oder Meer?“ – Sicherlich wurde dir diese Auswahlfrage auch schon irgendwann mal in deinem Leben gestellt. Ich bin mir nicht sicher, wie Gott diese Frage beantworten würde. Aber in der Bibel spielen Berge auf jeden Fall eine herausragende Rolle. Das wird zum einen daran deutlich, dass es über 440 Stellen im Alten und Neuen Testament gibt, in denen Berge erwähnt werden, zum anderen haben sich aber auch viele besonders wichtige Begebenheiten in der Bibel am Berg zugetragen. Berge sind häufig Orte der Gottesbegegnung, von Anbetung und Opfer und geistlicher Transformation. Sie symbolisieren Sieg, Zuflucht und die Herrlichkeit Gottes. Woran liegt das?
Berge spielen seit Menschengedenken in der Mythologie und auch in den unterschiedlichen Religionen eine besondere Rolle. Überall auf der Welt gibt es Berge, die als heilig gelten oder sogar selbst als Gottheiten verehrt werden. Auf vielen Hügeln und Bergen werden spirituelle und religiöse Rituale durchgeführt. Selbst in unseren Breiten sind Berge oft auf den ersten Blick religiös markiert. Wer gute Augen hat, kann bereits vom Tal aus einen Blick auf
das Gipfelkreuz erhaschen, das die Mehrzahl der Gipfel ziert. Diese Symbolik macht deutlich, dass Berge nicht nur in anderen Kulturen oder Ländern das religiöse Gespür der Menschen ansprechen.
Sicherlich sind es nicht die Höhenmeter, die einen Ort heiliger machen als einen anderen. Aber zum einen lässt sich die Schöpfung in der Abgeschiedenheit der Bergwelt besonders bewusst erleben und zum anderen ist man am Berg auch sich selbst ganz anders ausgeliefert als im Alltag. Wahrscheinlich sind dies zwei gute Gründe dafür, dass auch Gott die Berge immer wieder als besondere Kulisse für seine Geschichte gewählt hat.
Gottes Geschichte endet glücklicherweise nicht mit Jesu Tod und Auferstehung oder der letzten Seite der Bibel. Er schreibt seine Geschichte auch heute mit dir und mir weiter. Aus diesem Grund möchte ich dich auf eine geistliche Bergtour einladen. Ganz unabhängig davon, wo du gerade auf deinem persönlichen Lebensweg stehst und welche Rolle Jesus dabei spielt.
Bevor es losgeht, möchte ich noch zwei kurze Gedanken zur inneren und äußeren Haltung mit dir teilen.
Mach es dir gern äußerlich gemütlich, während du in dieses Buch eintauchst. Aber egal, ob du es auf deinem Sofa, in der Bahn oder unter einem Baum im Park liest, möchte ich dich einladen, die Seiten nicht nur an dir vorbeiziehen zu lassen, sondern innerlich aktiv zu werden und neues Gedankenland zu betreten. Gott hat uns als ganzheitliche Wesen mit Körper, Geist und Seele geschaffen. Wenn ich von einer Bergtour nach Hause komme, fühle ich mich zwar meist körperlich ausgepowert, aber dennoch ausgeglichen, sortiert und auf eine gewisse Weise auch wieder neu energiegeladen. Letzteres wünsche ich dir auch für diese innere Bergtour.
Ich persönlich habe die besten Gedanken unter der Dusche oder beim Wandern in der Natur. Søren Kierkegaard hat einmal gesagt,
dass er sich seine besten Gedanken ergangen hat. Vielleicht geht es dir ähnlich. Nimm dir deshalb gern zwischen den Kapiteln Zeit, um etwas an die frische Luft oder sogar in die Berge zu gehen und über das nachzudenken, was du gerade gelesen hast.
Jetzt freue ich mich sehr auf die gemeinsame Tour mit dir! Auf geht’s. Zieh deine Wanderstiefel an und lass uns gemeinsam losgehen.
Einen „Soundtrack“ zu dieser Tour findest du in dieser SpotifyPlaylist:

1.Aufbrechen
Die Gebirge sind stumme Meister und machen schweigsame Schüler.1
Johann Wolfgang von Goethe
Tourentagebuch
Juni 2014 – Weißseespitze, Ötztaler Alpen, Österreich/Italien
Es herrscht konzentrierte Stille. Wir überprüfen alle noch einmal unsere Rucksäcke und gehen das Material durch, bevor wir uns um den kleinen Küchentisch zwängen und mehr aus Pflichtbewusstsein als aus Appetit unser Frühstück verspeisen. Wenig später stehen wir am Parkplatz auf 1 900 Metern Höhe und machen uns nach einem kurzen gemeinsamen Gebet auf den Weg. Wir haben uns lange auf diese Tour gefreut, gemeinsam geplant und uns vorbereitet. Jetzt, da es losgeht, fühlt sich mein Magen nach der kurzen Nacht flau an. Es ist 04:30 Uhr.
An den Berghängen links und rechts von uns erstrecken sich ausgedehnte Wiesen und Latschenkieferfelder. Im Licht unserer Stirnlampen lassen sich diese zwar nur schemenhaft wahrnehmen, aber ihr süßlich-herber Geruch liegt auch im Dunkel des frühen Morgens in der Luft. Ich nehme einen tiefen Atemzug und spüre, wie sich bei meinen ersten Schritten ein vorfreudiges Kribbeln in mir breitmacht. Die Nacht ist klar, aber mondlos, und so lassen sich die Konturen der gewaltigen Bergriesen, die uns umgeben, nur erahnen. Nach dem ersten Kilometer beruhigt sich mein Magen und meine Atmung synchronisiert sich zunehmend mit dem Rhythmus meiner Schritte. Wir sprechen wenig und genießen die Stille dieses Morgens. Der Weg wird steiler und langsam zeigt sich uns im ersten Licht des neuen Tages die ganze Pracht der Bergwelt, in der wir uns hier bewegen dürfen.
Unsere Unterkunft in Langtaufers liegt in einem urigen Bergsteigerdorf, fernab vom Trubel der Außenwelt. Wir befinden uns im ersten Tal hinter der österreichisch-italienischen Grenze. Als wir gestern anreisten, ragte kurz vor unserer Unterkunft der berühmte Kirchturm von Altgraun als stummer Zeuge der Vergangenheit aus dem angestauten Reschensee heraus.
Unser heutiges Ziel ist die Weißseespitze. Ein eher unbekannter Berg im Weißkamm der Ötztaler Alpen, an der Grenze von Tirol zu Südtirol. Die Tour ist technisch nicht besonders anspruchsvoll, bietet uns aber aufgrund der Länge und des Anstiegs auf 3 498 Meter definitiv genug Herausforderung.
Für eine Hochtour2 sind wir früh dran im Jahr und so sind wir mit zunehmender Höhe nur noch im Schnee unterwegs. Der Himmel ist wolkenlos und strahlt in einem kräftigen Dunkelblau. Auf der anderen Talseite erhebt sich das majestätische Massiv der Weißkugel mit ihrem ausgedehnten Gletscher. Auch wir befinden uns inzwischen auf einem Gletscher, der hier aber relativ spaltenfrei ist und auf dem wir uns aufgrund der guten Schneeauflage sicher bewegen können. Die 40 Grad steile Flanke, die wir nun knietief im Schnee erklimmen müssen, ist herausfordernd. Um auf Nummer sicher zu gehen, sind wir nun angeseilt. Mein Atem geht in dieser Höhe immer schwerer, während ich den Tritten meines Vordermanns folge. Nach diesem Aufschwung dehnt sich ein großes Hochplateau aus, von dem aus wir bis zum Gipfel aufsteigen. Dort angekommen ist der Ausblick atemberaubend. Wir haben eine 360-Grad-Sicht über die ganzen Zentralalpen. Worte braucht es in diesem Moment keine. Wir saugen die Szenerie förmlich in uns auf und genießen diesen Augenblick in vollen Zügen. Wir geben uns der Stille hin und lauschen schweigend den „stummen Meistern“, während wir unseren Blick schweifen lassen.
Abenteuer Alltag
Auf dem Gipfel eines Berges zu stehen, ist mit wenig anderem auf dieser Welt vergleichbar. Die Berge sind erhaben. Gewaltig. Furcht einflößend. Majestätisch. Ihre Größe ist unter allen Formationen dieser Erde unübertroffen. Auf unserer Welt gibt es nichts, was ihnen gleichkommt. Nichts Menschengemachtes kann sich auch nur annähernd mit ihnen messen. In den Bergen findet sich grazile Schönheit in verschwenderischer Vielfalt – Milliarden von Blumen blühen im Sommer auf den Almwiesen um die Wette. Gleichzeitig sind Gebirge so massiv, dass sie unser Wetter maßgeblich beeinflussen und den Trinkwasserspeicher für einen Großteil der Weltbevölkerung darstellen. Schnee, Wasser und Felsen können eine unbändige Kraft entfalten und ganze Landstriche verwüsten. Alles kann tosen – und doch findet sich hier auch absolute Stille. Die Berge sind nicht zu zähmen – und dennoch geht von ihnen eine unglaubliche Anziehungskraft aus, nicht nur auf Wanderer und Alpentouristen, sondern auch auf Alpinisten und Pioniere. Hier können noch wahre Heldentaten vollbracht werden und Erstbesteigungen locken immer noch, neues Land zu erobern.
Der Berg ruft
Hörst du seinen Ruf? Da ist diese Sehnsucht, die sich weder durch eine Outdoorzeitschrift auf dem Nachttisch noch durch das Konsumieren von Bergsendungen oder durch unsere neueste Errungenschaft an Outdoorbekleidung stillen lässt. Die Berge berühren uns, auch wenn sie am Ende unverfügbar bleiben. Wir werden wahrscheinlich gerade von den Dingen wirklich tief berührt, die wir nicht bis ins Letzte kontrollieren können. Ich glaube, wir Menschen haben ein Gespür dafür, dass wir genau solche Begegnungen und Erfahrungen brauchen. Deshalb empfinden wir die Echtheit und Wildheit der Natur und im Speziellen der Bergwelt als faszi-
nierend und anziehend. „The mountains are calling – and I must go!“ (Deutsch: „Die Berge rufen – und ich muss los!“)3 So bringt der amerikanische Philosoph und Abenteurer John Muir diesen Ruf der Berge auf den Punkt.
Ich bin überzeugt, dass die Natur und insbesondere die Berge uns deshalb so tief berühren und etwas in uns zum Schwingen bringen, weil sie letztlich auf ihren Schöpfer hinweisen. Ich verstehe die ganze Schöpfung als Dauerwerbesendung für Gott, den Schöpfer. Paulus beschreibt die Natur in Römer 1,20 als einen sichtbaren Hinweis auf den unsichtbaren Gott, auf seine ewige Macht und sein göttliches Wesen. Die Schöpfung ist deshalb letztlich wie ein Vorgeschmack auf etwas, das noch kommen wird, wie ein erster Blick durch das Schlüsselloch der Ewigkeit.4 Genauso wie ein Schlüsselloch nur ein sehr begrenztes Sichtfeld freigibt, erhaschen wir beim Blick in die Schöpfung nur einen Bruchteil der Schönheit, Größe und Majestät ihres Schöpfers.
Ich wohne mit meiner Familie im Allgäu in Sichtweite der Berge und es ist jeden Morgen neu ein Geschenk, aus dem Fenster zu schauen und die Berge zu sehen. Beim Blick auf die Berge wird mir aber immer wieder bewusst, dass ihre Größe und all ihre Schönheit nur ein Abglanz dessen sind, der sie gemacht hat. So herrlich und mächtig die Berge auch sind, Gott stellt sie bei Weitem in den Schatten. Der Psalmist stellt ohne Übertreibung fest:
Du bist herrlicher und mächtiger als die ewigen Berge.
Psalm 76,5
Gott war da, bevor sich auch nur der erste Gipfel erhoben hat.5 Die Berge rauchen und beben vor ihm, ihrem Schöpfer.6 Sie zerschmelzen wie Wachs vor ihrem Herrn, dem Herrscher der ganzen Erde.7 Und die Berge werden sogar weichen und die Hügel hinfallen, während er und seine Gnade ewig sind.8
Vor einigen Jahren habe ich einen Freund in der französischsprachigen Schweiz besucht, der in einem kleinen Ort oberhalb des Genfer Sees gelebt hat. Die Gegend dort ist wunderschön. Auf der einen Seite des Sees erheben sich sanfte Weinberge, auf der anderen Seite das mächtige Mont-Blanc-Massiv mit seinen schneebedeckten Gipfeln. An einem wunderschönen Frühlingsnachmittag habe ich mich mit meiner Gitarre in die Natur gesetzt und begonnen, diese Eindrücke und das Staunen über den Schöpfer in Worte zu fassen:
Ein Wort von dir macht Dunkelheit zu Licht,
Dein Pinselstrich schafft Galaxien aus dem Nichts, Und ich bin hier, steh staunend vor dir. […]
All das ist nur ein Vorgeschmack auf das, was kommt, All das ist nur ein erster Blick durchs Schlüsselloch.9
