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Keine Panik, ehrliche Spiegel altern immer mit!









Meine Rück-Sicht auf Lust und Frust












Arno Backhaus
Keine Panik, ehrliche Spiegel altern immer mit!
Meine Rück-Sicht auf Lust und Frust Geb., 256 S., 4-farbige Innengestaltung
Nr. 395.934, ISBN: 978-3-7751-5934-0
€D 18,–
€A 18,60/CHF 27.70*
Blitzlichter und Tiefgang, scheinbare Widersprüche, Lesestoff und optischer Hingucker: die Bücher von Arno Backhaus sind wie er als Person ist, schillernd. Und so ist auch seine etwas andere Biografie. der christliche Tausendsassa gewährt uns Einblicke in sein buntes Lebens-Album: in seine wilde Jugendzeit,




Begegnungen mit persönlichen Hoffnungsträgern und seine Erlebnisse mit Gott. Er beleuchtet die Schattenseiten seines Lebens, aber er zeigt auch, wie Gottes Licht immer wieder in sein Leben scheint und ihn bis heute begleitet.












Arno Backhaus ist live seit 1950 erlebbar, Arbeit studiert und wurde als Liedermacher im In- und Ausland unterwegs.














Im Dezember herrschte bei uns zu Hause Hochbetrieb: Meine Mutter überschlug sich förmlich bei all ihren Back-, Koch- und Dekoaktivitäten. Ihre ohnehin schon stark ausgeprägte
Gastfreundlichkeit fand in den Weihnachtsvorbereitungen ihren Höhepunkt. Obwohl sie das ganze Jahr über darauf bedacht war, anderen Menschen ihren Aufenthalt bei uns zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen, schien sie in der Vorweihnachtszeit sogar noch eine Schippe draufzulegen.






Bei mir ru der Gedanke an frisches Weihnachtsgebäck allerdings auch heute noch ein ziemlich ungutes Gefühl hervor. Trotz oder gerade wegen dieser Geschä igkeit habe ich Weihnachten als Kind regelrecht gehasst. Die Erlebnisse in der angeblich friedlichsten Zeit des Jahres haben sich als das Wahrzeichen unserer familiären
Hilflosigkeit und meiner grund-
Hilflosigkeit und meiner grundsätzlich eher problematischen Kindheit in mein Herz eingebrannt. Weih









Auch um diese Menschen geht es in diesem Buch. Sie haben mir bewusst oder unbewusst gezeigt, dass Liebe eine Entscheidung ist. Dass Liebe tiefer geht als Leidenscha oder Bewunderung. Dass sie Mühe macht und nicht unbedingt etwas mit Wolke sieben oder rosarotem Zuckerguss zu tun hat.

Aber: Diese Liebe lohnt sich und ist spannend. Sie macht Spaß, ist romantisch, rührt zu Tränen, trägt in Durststrecken und ist einfach wunderbar. Sie ist kreativ, voller Fragen, voller Antworten, aber auch voller Herausforderungen. Es ist die Liebe Gottes zu uns Menschen, die sich auf unsere zwischenmenschlichen Beziehungen auswirkt und so erfahrbar wird. In Worten und Taten. Beides ist mir sehr wichtig.
Denn ich weiß, was Worte so alles anrichten können: Gutes und Schlechtes.


Und Taten waren mir schon immer wichtig, weil ich nie ein Typ war, der nur über etwas geredet hat. Sondern die Sache musste gleich ausprobiert werden. Ich habe als Jugendlicher nicht nur darüber nachgedacht, meinen Schulranzen nach meinem letzten Schultag zu verbrennen, sondern ich habe es wirklich getan.








Ich wurde 1950 in Frankenberg/Eder geboren. Als leibliches Kind meiner Eltern. Ich erwähne das explizit, weil ich mich als Kind o ernstha gefragt habe, ob ich nicht adoptiert worden bin. Der Grund dafür war das Verhältnis zu meiner Mutter. Dass eine leibliche Mama so brutal mit ihrem Kind umgeht, konnte ich mir einfach nicht vorstellen. Wir beide hatten kein herzliches Verhältnis zueinander.

Zugegeben: Ich habe meinen Eltern das Leben nicht gerade leicht gemacht. Ich war ein auffälliges Kind, denn ich hatte (und habe immer noch) ein ausgeprägtes, hochgradiges ADHS – AufmerksamkeitsDefizit-Hyperaktives-Syndrom. Lange Zeit hatten weder meine Eltern noch ich jedoch die leiseste Ahnung davon. Meine Mutter ist 1909 geboren, mein Vater 1913. Sie waren beide überfordert und wussten nicht, wie sie mit mir umgehen sollten. leib ernst
Diesen Satz habe ich nicht nur zu Weihnachten von ihr gehört. Es war eine verbale Ohrfeige, die mindestens genauso wehtat wie die echten Prügelstrafen, die ich häufig von ihr bezogen habe.








Langeweile war mein Feind. Genau wie Stillsitzen. Das gehörte ebenfalls nicht zu meinen Kernkompetenzen. Meine Mutter hat mich zeitweilig im Haus angebunden, damit ich keinen Unsinn anstellen und sie in Ruhe arbeiten konnte.



Am Sonntag wurde ich mit meiner Schwester o ins Kino geschickt statt in den Gottesdienst. Denn das Kino war einer der wenigen Orte, an denen ich ruhig war. Die Natur-, Heimat- und Tierfilme, die dort auf dem Programm standen, haben mich mehr fasziniert als die langatmigen Predigten im Gottesdienst. Und meine Schwester und ich haben uns hier ausnahmsweise mal nicht gegenseitig geärgert.












Meine Mutter hat Deutschland noch zu einer anderen Zeit erlebt. 1909 geboren, hat sie selbst zwei Kriege mitbekommen und wurde dadurch stark geprägt, wie eine ganze Generation.

Meinem Vater erging es
Meinem Vater erging es nicht anders. Im Dritten Reich hat er die Unterstützung des Naziregimes verweigert und daraufhin Konsequenzen zu spüren bekommen: Da er der NSDAP nicht beitreten wollte, wurde ihm kein Studienplatz bewilligt. Und er verlor seinen Job als Buchhändler, weil er nicht bereit war, Hitlers Buch »Mein Kampf« zu verkaufen. Da passte für ihn nicht zusammen: eine menschenverachtende Ideologie und sein Glaube an Gott. Mir hat es sehr imponiert, dass er solches Rückgrat gezeigt hat.
Später wurde mein Vater Verwaltungsangestellter und hat somit wunderbar für seine Familie sorgen können. Uns Kinder hat er geliebt. Und meine Mutter hat er wie eine Königin behandelt. Er hat sie förmlich auf Händen getragen, nie kam ein böses Wort über sie über seine Lippen. Er hat sie geachtet und geschützt. Obwohl sie ihn so manches Mal niedergemacht hat.
Vater war ein friedliebender Mensch, der unter den Verhaltensweisen meiner Mutter gelitten hat. Wenn er abends von der Arbeit kam und gerade




ein Konflikt mit uns Kindern ausgebrochen war, brüllte ihn meine Mutter zum Empfang manchmal an: »Du bist ein Waschlappen, kannst keine Kinder erziehen. Nun schlag den Arno doch auch mal.«
Das hat er dann – sichtlich zerknirscht – auch getan. Und hat sich hinterher bei mir entschuldigt. Allerdings so, dass meine Mutter es nicht mitbekam. Das hat mich verwirrt und traurig gemacht.



Der intensivste Körperkontakt zu meinen Eltern bestand aus Schlägen. Wir wurden nie in den Arm genommen, getröstet oder gestreichelt. Das hatte natürlich Auswirkungen auf mein Urvertrauen, meine Beziehungsfähig keit und meine Gefühlswelt, bis ins hohe Alter.






Beziehungsfähigwelt, bis ins hohe Alter.
















In den 80er-Jahren haben Hanna und ich versucht, in liebevoller Art mit meiner Mutter über ihren Erziehungsstil und ihre eigene Kindheit zu reden. Aber sie war – anders als mein Vater – nicht in der Lage, darüber zu reflektieren.



Irgendwannhabenwirunsentschlossen, meinerMutterkeineGesprächemehr aufzudrängen…

Meine Mutter war es gewohnt, immer zu gehorchen, alles hinzunehmen und erst recht nichts zu hinterfragen. Friss oder stirb. Glaub’s oder lass es. Keine Widerrede, basta! Von Pädagogik, Empathie oder Psychologie keinen Schimmer. Logisch, viele Angehörige dieser Generation haben nicht gelernt, selbstständig zu reflektieren, Gutes und Schlechtes zu analysieren. Erst recht nicht meine Mutter, die streng religiös erzogen wurde und schlimme Gewalt erfahren hat. Druck, Zwang und Schläge gehörten in ihrer Familie zum Tagesprogramm. Und diese Prägung hat sie eben an mich weitergereicht.




















































Manchmal sage ich verschmitzt: »Wenn ich das gewusst hätte, wie schön es mit Enkeln ist, hätte ich mit denen angefangen!«
Denn ich liebe es, mit meinen Enkelkindern Zeit zu verbringen. Aber ich genieße es ebenfalls, dass diese Zeiten begrenzt sind: Irgendwann können Hanna und ich die Kinder wieder zu ihren Eltern schicken und uns um unsere eigenen Dinge kümmern. Das ist insofern wichtig, als wir durch unsere bundesweite Vortragsarbeit viel unterwegs sind.


Meine Großeltern waren bestimmt auch jedes Mal froh, wenn der kleine Arno wieder im Zug nach Kassel saß. Aber sie haben sich wirklich aufopferungsvoll um meine Freizeitgestaltung gekümmert. In Berlin habe ich die Tierwelt lieben gelernt: Ich kann mich an wunderbare Besuche im Berliner Zoo erinnern.
Auch das erste halbe Brathähnchen meines Lebens habe ich dort verzehrt und mein erstes Malzbier genossen. Der Berliner Wannsee war ein weiteres beliebtes Ausflugsziel, sodass die Zeit wie im Flug verging. Ich war immer traurig, wenn ich meinen Ko er packen musste, weil die Rückreise nach Kassel anstand.


Kassel gehörte damals zur amerikanischen Besatzungszone. In der Nähe unseres Hauses waren amerikanische Soldaten einquartiert. Eine Diskothek und ein typisch amerikanischer Wohnblock mit großem Spielgelände befanden sich nur ein paar Straßen weiter.
Im Lauf der Zeit freundete ich mich mit einem etwa gleichaltrigen afroamerikanischen Jungen an.



Er konnte kein Deutsch, ich kein Englisch, aber wir kamen trotzdem ganz gut zurecht. Gemeinsam krochen wir in Kriegsruinen herum, erkundeten unterirdische Gänge und stöberten alte Grammofone und andere Hinterlassenscha en aus dem Krieg auf.























In meinem Zeugnis standen in den ersten vier Schuljahren unter »Bemerkungen« Sätze wie:
»Arno ist noch etwas verspielt und macht auch gern noch mal ein Schwätzchen.«
»Arno kann sich nicht gut in die Gemeinscha einordnen, er geht zuweilen wüst mit den Kindern um. Sein Fleiß hat sehr nachgelassen, er hat ö er die Aufgaben nicht gemacht, die He e sind nicht sehr ordentlich.«


»Arno hat die letzten Wochen wieder in den Leistungen nachgelassen, die Schulaufgaben zuweilen nicht gemacht.«
»Arno könnte bei mehr Fleiß mehr leisten. Arno stört den Unterricht, er fügt sich nicht der Schulzucht, […] er ist nicht unbegabt, nutzt aber leider seine Gaben nicht, sonst wären seine Leistungen bedeutend besser.«
Aus Kapitel 3






Auch nach meiner Schulzeit: Menschen, die mehr in mir gesehen haben als nur den schwer unter Kontrolle zu haltenden Schüler. Mehr als den Revolutionär in der christlichen Gemeinde. Mehr als den Musiker, den Autor, den Straßenaktionskünstler oder den Evangelisten. Es waren Menschen, die mich nicht nur bewundert oder beneidet, bemitleidet oder kritisch beäugt haben.



Solche Menschen sind rar gesät, aber es gibt sie. Mit manchen habe ich nur eine kurze gemeinsame Wegstrecke zurückgelegt, andere begleiten mich bis heute. Und für alle diese Menschen in meinem Leben bin ich unheimlich dankbar.





Urvertrauen und Wertschätzung sind Erfahrungen, die für die persönliche Entwicklung eines Menschen sehr wichtig sind. Bleiben diese Erfahrungen aus, neigen wir dazu, uns Beachtung über Leistung, materielle Werte, Äußerlichkeiten, Angeberei etc. »einzukaufen«.
Bei Gott muss ich zum Glück nichts vorspielen. Ich muss meine Schwächen und Begrenzungen nicht verheimlichen und meine Stärken nicht aufmotzen. Ich werde geliebt und geachtet, weil ich ein Geschöpf Gottes bin. Nicht, weil ich etwas habe, kann oder mache. Es entlastet und entkramp , wenn ich einfach ich sein kann und keine Rolle spielen muss.



Ebenso wie Geborgenheit – ein Gefühl, das ich zu Hause vermisste und mir deshalb ersatzweise selber scha te:







»Gesehen werden!«
Aus Kapitel 5





MitEskimo-Brille,ausder man kaum sehen konnte.
Nur wenige Meter von unserem Haus entfernt befand sich eine dicht gewachsene, ziemlich hohe Hecke. Um dem Stress, der Hektik und den Strafen zu entfliehen, richtete ich mir dort mein »Zuhause« ein. Ich entfernte einige Zweige und Blätter, sodass in dieser Hecke eine kleine Höhle entstand. Mithilfe von Steinen und Stöckchen machte ich es mir darin, so gut es ging, gemütlich. Und dort, in diesem feuchten und kalten Refugium, fühlte ich tatsächlich so etwas wie Geborgenheit; ich kam sogar zur Ruhe. Meine Mutter hat diesen Ort nie entdeckt. Sobald zu Hause dicke Lu war, verzog ich mich schnell in meine Hecke. Auf diese Weise bin ich sicherlich so mancher Prügelstrafe entronnen.
Wenn ich mit einer schlechten Note nach Hause kam oder auf irgendeine andere Weise den Ärger meiner Mutter herau eschworen hatte, musste ich mich nackt ausziehen und bäuchlings auf das Bett meiner Eltern legen. Und dann hat meine Mutter mit Holzkleiderbügeln, Lederriemen oder einem Teppichklopfer aus hartem Bambus auf mich eingeschlagen. Erbarmungslos.


Irgendwann konnte ich mich nicht länger zusammenreißen und habe laut geschrien.
Aber meine Mutter hat das nicht gestört.
Eigentlich hätten die Nachbarn über oder neben uns meine Schmerzensschreie hören müssen. Doch ich habe nie erlebt, dass von dieser Seite irgendeine Reaktion oder Nachfrage erfolgt wäre. Auch damals gab es schon Leute, die Augen und Ohren verschlossen haben, um sich nicht einmischen zu müssen.

Es kam mir so vor, als sei meine Mutter eine zweigeteilte Persönlichkeit. Obwohl sie mich so brutal behandelte, war sie den meisten Leuten gegenüber hilfsbereit und freundlich. Jeder, der bei uns zu Besuch war, fühlte sich wohl und herzlichst willkommen:












Meine Mutter bewirtete ihre Gäste nach Krä en und tat alles, damit es ihnen gut ging. Immer wieder betonten Fremde, aber auch Freunde und Bekannte, dass sie noch nie eine so gastfreundliche Atmosphäre wie in unseren vier Wänden genossen hätten. vier













Auf der Suche nach Anerkennung imitierte ich auch die Beatles. Dabei benutzte ich eine Laute, die ich irgendwann mal geschenkt bekommen hatte. Ich hatte sie so gestimmt, dass ein Dreiklang ertönte, wenn man alle Saiten anschlug. Denn ich konnte eigentlich noch gar nicht spielen – ich kannte keinen einzigen Gri . Kühn improvisierend, sang ich abwechselnd Songs der Beatles und die bekannten Fahrtenlieder. Alle Kinder, besonders die etwas älteren, waren begeistert und fanden mich großartig. Das tat mir gut. Ich fühlte mich in diesem Setting überraschend wohl, hatte ich doch das Gefühl, dass diese Menschen mich tatsächlich ernst nahmen und sogar mochten. Nach einigen Tagen saß ich bei einer Veranstaltung neben dem Lagerleiter, und der sagte zu mir, fast beiläufig: »Arno, du wirst sicher mal ein guter Jungscharleiter.« Ich war überrascht. Ein Lob. Krass. Warum? Und was bedeutet das jetzt? Solche Gedanken schossen mir durch den Kopf.


»Arno,duwirstsichermalein guterJungscharleiter.«





Arno Backhaus
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Arno Backhaus
Das Senfkorn–Prinzip
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Arno Backhaus
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