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Bianka Bleier

Dem Leben ein Zuhause geben


SCM Hänssler ist ein Imprint der SCM Verlagsgruppe, die zur Stiftung Christliche Medien gehört, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für die Förderung und Verbreitung christlicher Bücher, Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt.

© 2017 SCM Hänssler in der SCM Verlagsgruppe GmbH Max-Eyth-Straße 41 • 71088 Holzgerlingen Internet: www.scm-haenssler.de; E-Mail: info@scm-haenssler.de Soweit nicht anders angegeben, sind die Bibelverse folgender Ausgabe entnommen: Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002 und 2006 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlingen Weiter wurden verwendet: Lutherbibel, revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlingen Gute Nachricht Bibel, revidierte Fassung, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart Hoffnung für alle ® Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis - Brunnen Basel Umschlaggestaltung: Patrick Horlacher, Stuttgart Titelbild: Lea Weidenberg Satz: Satz & Medien Wieser, Stolberg Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck Gedruckt in Deutschland ISBN 978-3-7751-5816-9 Bestell-Nr. 395.816


Inhalt Nur-Tage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Wer ist der Wichtigste im ganzen Land? . . . . . . . . . . . . . . . 11 Das Leben ist ein Tanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 Aus dem Leben gefallen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 Öfter mal was Neues . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 Keine Angst vor der Energie der kleinen Lady . . . . . . . . . 33 Wie man die Ehe prickelig und die Liebe frisch hält . . . . . 36 Himmlische Duftnote . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44 Der Weg und das Ziel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 Lobhudelei . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51 Vorfreude ist die schönste Freude . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53 Der andere ist so anders . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56 Gemischte Gefühle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59 Schönheit vergeht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 Kreuz und quer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 Stunde der Entscheidung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67 Frauenlinien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69 Vergebliche Liebesmüh . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76 Ein trotziger, kleiner Mut . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79 Dem Leben ein Zuhause geben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82 Ärawechsel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84 Café-Reise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87 Tagebuchnotizen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90 Paradigmenwechsel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103 Himmelweiter Unterschied . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105 Parfümerie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108 Popeye lässt grüßen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 112 Sei nicht bekümmert! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114 5


Schuldentilgung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 Sehnsucht nach Big Dad . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119 Petrüssin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122 Zaudern und gehen – Gottes Wegführung für Angsthasen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125 Vater, väterlicher, Gott . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 128 Perspektivenwechsel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 131 Warum ich gerne auf dem Dorf lebe . . . . . . . . . . . . . . . . . 134 Lavendeltrost . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 141 Ja, ich will! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 145 Die Kraft der Worte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149 Vertrauen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 154 Gottes Heiligkeit an den Polen des Lebens . . . . . . . . . . . . 159 Zugvögel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 166 Save the dates . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 170 Alles wird gut … . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 173 Gott ist ein Nähetyp . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 176 Super getankt! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179 Wunschzettel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 182 Herzblut-Geschenke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185 Endverbraucher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 189 Hand in Hand mit Gott . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 192 Tanz der Generationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 204 Gott bewegt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 208 Warum ich immer noch glaube oder warum ich keinen Grund habe, nicht an Gott zu glauben . . . . . . . . . . . . . . . . 211 Anmerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 217

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Nur-Tage Viele Tage meines Lebens fühlen sich belanglos an. Tage, an denen ich nur aufstehe, Routinetätigkeiten verrichte und schlafen gehe. Nur-Tage. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dies die Tage sind, nach denen ich mich sehnen werde, wenn mein Leben aus den Angeln gerät. Aber mittendrin in diesen Nur-Tagen fühlen diese sich oft an, als fänden sie gar nicht statt. Als fände das Leben darin nicht statt. Dann muss ich es suchen gehen. Oft finde ich es in den Keimzellen der Menschlichkeit, in kleinen Spuren der Natur. Meine Freundin, die in einer christlichen Buchhandlung arbeitet, hat ein Gespräch mit einer Kundin, die ihr Herz ausschüttet. Sie ist alt und gebrechlich und pflegt ihren schwer kranken Mann. Sie zergeht fast unter der Last. Andrea hört zu, voller Erbarmen und Mitgefühl. Die alte Frau bedankt sich und sagt beim Gehen: »Sie sind genau richtig hier!« Andrea sagt zu mir: »Dabei habe ich nur zugehört!« Was heißt hier nur? Ein anderes Mal erzählt sie: »Im letzten Hauskreis hat nur jeder seine schwere Geschichte erzählt. Dann haben wir noch gebetet.« Ich denke, was für ein guter Hauskreis und frage mich wieder: »Was heißt nur? Das war ja essenziell! Ich beschließe, meinen eigenen »Nur’s« auf den Leib zu rücken und sie zurechtzurücken. Meine Mutter hat als Berufsbezeichnung immer stolz »Hausfrau« geschrieben. Dadurch war dieser Beruf für mich von Anfang an positiv belegt. Und von daher war für mich der zu mei7


ner eigenen Mutterzeit eingeführte Begriff »Nur-Hausfrau« das Unwort schlechthin. Ich war mit Leib und Seele Mutter und Hausfrau und habe mich gern im Laufe der Jahre und Weiterentwicklung meiner Kinder in mein Berufsleben hineingetastet, das sich so individuell gestaltet hat wie das Leben selbst. Als die Kinder flügge wurden, was ja nur ein paar Jahre gedauert hat, durfte ich noch einmal ganz eigene Wege einschlagen und mit Freunden zusammen einen Traum verwirklichen, ein Dorfcafé mit Laden eröffnen. Als die Zeit und ich reif dazu waren. Unsere mittlere Tochter Lena steht kurz vor ihrer Trauung und räumt ihr Zimmer Stück für Stück leer. Dabei zieht sie Resümee. Sie beobachtet, wie ich mich in mein neues Leben hineintaste, in meine neue Selbstständigkeit und Unabhängigkeit, und bewertet: »Was ihr jetzt macht ist genial. Aber ich bin heilfroh, dass ihr das nicht vor zehn Jahren gemacht habt, da habe ich dich noch sehr gebraucht.« Nun bin ich zehn Jahre älter und stelle fest: Ich habe nichts verpasst. Diese Nur-Zeit war eine der kostbarsten meines vergänglichen Lebens. Wir haben unser Laden-Café Sellawie eröffnet. Wenn Menschen sich hier wohlfühlen, denken wir manchmal: Wie einfach! Wir sind doch einfach nur wir selbst, wir hören doch nur hin, wir geben doch nur, was wir sowieso haben, wir öffnen doch quasi nur unser Wohnzimmer. Das, was uns so leicht fällt, was uns in den Schoß gefallen ist, was wir nur zu teilen brauchen, nennt Gott »Gaben«. In anderen Sprachen gibt es aufschlussreichere Worte für diese drei Buchstaben. Seulement heißt es zum Beispiel im Französischen, Solamente im Italienischen, was auf etwas Einziges, Einzigartiges, Ausschließliches schließen lässt. Das klingt konzentriert statt minderwertig. 8


Heute war ein guter Tag. Ich habe nur gut geschlafen und einfach gefrühstückt. Dann bin ich nur mit dem Hund ausgegangen und habe mein Tagewerk verrichtet. Dabei bin ich nur einigen Menschen begegnet, habe Fragen gestellt, zugehört und erzählt. Dazwischen habe ich lediglich mein Mittagsmahl eingenommen und das Abendessen vorbereitet. Es ist alles ziemlich einfach gewesen und hat mich wenig gekostet. Es war nur ein Tag. Ein Nur-Tag. Ein Seulement-Tag. Ein einzigartiger Tag … Vielleicht habe ich nur jemandem einen Rahmen geboten, in dem er sein Leben etwas leichter leben konnte. Vielleicht war ich nur ein Tropfen auf einem heißen Stein. Vielleicht war ich durch mein Nur-Dasein heute für jemanden wichtig. Und wenn es nur für den Hund war. Oder einzig und allein für Gott … Ich traf nur Wilkins An einem der letzten Abende hatte ich wirklich Glück. Ich meine damit nicht, dass ich Geld gewonnen hätte oder so was. Nein. Ich traf nur Wilkins. Er machte einen kleinen Spaziergang und ich machte einen kleinen Spaziergang, und da trafen wir uns, und wir standen und unterhielten uns, und die Abendsonne schien noch warm, und ein Vogel sang über uns, und die Welt war friedlich und schön. Wir redeten über dies und das, und die Zeit verging wie im Flug. Wir lachten ein bisschen zusammen und bedauerten einen gemeinsamen Freund, der krank ist – und dann ging jeder nach Hause: Das war alles. Aber es tat wirklich gut, Wilkins so unerwartet zu treffen und miteinander zu reden und 9


einander sympathisch zu finden. Es klingt nicht nach viel, oder? Aber ich genoss es ‌1 Herbert Leslie Gee

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Wer ist der Wichtigste im ganzen Land? Einst war ich fassungslos glücklich, als mich der Mann auserwählte, den ich mir auserwählt hatte. Ich konnte nichts anderes mehr denken als an seinen Namen, seine Schönheit, sein Lachen, seinen Schmerz, sein ganzes Wesen. Ich wollte jede freie Minute bei ihm sein, ihn ansehen, selbst wenn er schlief, seine warme Haut riechen, seinen Atem spüren, seine Stimme hören. Ich erlebte, was es heißt, seine Geliebte zu sein. Das Leben war wunderschön miteinander. Unsere Liebe wurde so groß und ausschließlich, dass wir uns vorstellen konnten, miteinander alt zu werden. Wir verschmolzen. Wir heirateten. Gemeinsam waren wir unbesiegbar. Unvorstellbar, dass jemand den besten Platz der Welt streitig machen konnte: Ganz nah beim anderen. Ich erlebte, was es heißt, seine Frau zu sein. Wir meisterten unseren Alltag, wuchsen an unseren Krisen, genossen unsere Zweisamkeit und reiften unserer Zukunft entgegen. Irgendwann war das Fundament so stark, dass wir uns vorstellen konnten, miteinander ein Kind zu haben. Unwesentlich später war ich schwanger. Neun Monate lang versuchte ich das Wunder zu begreifen, das sich in meinem Leib abspielte. Ich begriff es nie. Neun Monate lebte unser Kind geschützt in mir. Neun Monate lang barg und nährte ich 11


es, erlebte ich eine Gemeinschaft bisher ungekannter Dimension. Gespannt wartete ich auf den Tag der Abnabelung und des Kennenlernens außerhalb von mir. Dann war unsere Tochter da. Frucht unserer Liebe. Fleisch von meinem Fleisch. Ihre Bedürftigkeit rührte mich im Innersten meiner Seele. Ihre Abhängigkeit wurde zu einem unsichtbaren Band, das uns beide verband. Beim Stillen verschmolz ich mit ihr. Das Leben war wunderschön miteinander. Ich war fassungslos glücklich, dass ausgerechnet ich ausgerechnet dieses Wunderwesen zum Kind hatte. Ich konnte nichts anderes mehr denken als an seinen Namen, seine Schönheit, sein Lachen, seinen Schmerz, sein ganzes Wesen. Ich wollte jede freie Minute bei ihm sein, es ansehen, selbst wenn es schlief, seine warme Haut riechen, seinen Atem spüren, seine Stimme hören. Unsere Liebe war so groß und ausschließlich, dass ich mir kaum vorstellen konnte, nicht miteinander alt zu werden. Ich erlebte, was es heißt, ihre Mutter zu sein. Seither bin ich Geliebte und Mutter. Seither streiten zwei Seelen in meiner Brust. Bzw. zwei Seelen um meine Brust … Wer hat Vorrang in meinem Herzen? Es ist eine sensible Situation, wenn das erste Kind kommt. Beide Partner müssen in neue Rollen hineinwachsen. Zentral wird sein, ob sie noch ein Liebespaar bleiben. Die Frau besitzt für diese Weichenstellung für die Zukunft der Ehe einen wichtigen Schlüssel. Es wird entscheidend sein, ob der Partner oder die Kinder bei ihr an erster Stelle stehen. Welche innere Haltung wird sie einnehmen? Die Versuchung ist groß, sich auf die Seite des Kindes zu schlagen. Es kostet Anstrengungen, sich immer wieder zu vergegenwär12


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