BEATE & WINRICH SCHEFFBUCH
DEN KUMMER SICH VOM HERZEN SINGEN UND DENNOCH FRÖHLICH SINGEN
LEBENSBILDER BEKANNTER LIEDERDICHTER
DEN KUMMER SICH VOM HERZEN SINGEN Band 1
SCM Hänssler ist ein Imprint der SCM Verlagsgruppe, die zur Stiftung Christliche Medien gehört, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für die Förderung und Verbreitung christlicher Bücher, Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt.
1. überarbeitete Auflage 2017 (4. Gesamtauflage) Dieser Titel erschien zuletzt unter der ISBN 978-3-7751-4510-7. © 2017 SCM Hänssler in der SCM Verlagsgruppe GmbH Max-Eyth-Straße 41 • 71088 Holzgerlingen Internet: www.scm-haenssler.de • E-Mail: info@scm-haenssler.de Umschlaggestaltung: SCM Verlagsgruppe GmbH, Holzgerlingen Satz: Satz & Medien Wieser, Stolberg Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck Gedruckt in Deutschland ISBN 978-3-7751-5814-5 Bestell-Nr. 395.814
Inhalt Band 1
Rudolf Alexander Schröder und der wieder entdeckte Glaube Wenn die Burgen dieser Welt um dich her in Trümmer brechen .10 Friedrich von Bodelschwinghs Ringen mit der Naziherrschaft Keine Not, über die nicht Gottes Liebe leuchtet . . . . . . . . . . . . . 16 Dietrich Bonhoeffer – im KZ ermordet Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche. . . . . . . . . . . . . . . . 21 Gerhard Fritzsche – im Krieg verschollen Die Freude über den Namen im Buch des Lebens . . . . . . . . . . . 24 Jochen Kleppers Kampf um die Rettung von Frau und Tochter Nicht klagen sollst du: loben! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 Otto Riethmüllers Kampf um die evangelische Jugend Herr, mach uns still und rede du! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32 Neue Lieder im Diakonissenmutterhaus Aidlingen Freude, die Mauern durchbricht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37 Als plötzlich der Vater Hedwig von Rederns starb Weiß ich den Weg auch nicht!. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41 Kein Geld für den Sarg beim Begräbnis Marie Schmalenbachs Dass uns werde klein das Kleine und das Große groß erscheine! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47 Wie die Lieder Julie Hausmanns bekannt wurden Allein nicht einen Schritt!. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 Die überheblich belächelten englischen Lieder Weltweit gesungene Freude über Jesus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
Der Schmerz der achtzehnjährigen Luise Hensel Deine Gnad und Jesu Blut machen allen Schaden gut . . . . . . . 55 Johann Christoph Blumhardts Kampf mit dunklen Mächten Jesus ist Sieger! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57 Der Konkurs des Kaufmanns Friedrich Räder Vor dem finanziellen Ruin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 Das Mediengenie Christian Gottlob Barth und die Mission Nachts in der Hängematte des Arbeitszimmers . . . . . . . . . . . . . 63 Verwahrloste Jugendliche um Christian Heinrich Zeller Erziehung braucht liebende und demütige Menschen . . . . . . . 70 Der unerschrockene Freiheitskämpfer Ernst Moritz Arndt Was in dem Grauen des Todes nicht als Staub verweht . . . . . . 75 Warum Philipp Spitta kein Sudelkoch sein wollte Vom kritischen Zweifel zur festen Gewissheit . . . . . . . . . . . . . . . . 81 Albert Knapps Lebenskrise im Studium der Theologie Wenn ein Pfarrer selbst zum lebendigen Glauben kommt . . . . 93 Karl Bernhard Garve – als Lehrer gescheitert Geborgen in den Armen Jesu . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101 Das gar nicht fröhliche Leben des Johannes Daniel Falk Durch Gottes Härte barmherzig geworden . . . . . . . . . . . . . . . . . 107 Matthias Claudius – der Literat in der Stille von Wandsbek Wie Kinder fromm und fröhlich sein! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113 Friedrich von Hardenbergs Leben im Schatten des Todes Die romantische Liebe eines Künstlers zu Christus . . . . . . . . .
120
Der geistreiche Prediger Johann Kaspar Lavater in Zürich Für Leute, die ganz von Gott verlassen zu sein glauben . . . .
123
Karl Friedrich Harttmann legt unter Protest sein Amt nieder Im Schmelztiegel heftiger Leiden und Schmerzen . . . . . . . . . .
127
Der unbeugsame Johann Jakob von Moser – gefangen auf dem Hohentwiel Euer Durchlaucht werden einen ehrlichen Mann finden! . . . . . 132 Christian Fürchtegott Gellerts Ehrfurcht vor Gottes Wunder Tief verwurzeltes Gottvertrauen gegen den modischen Gotteshass . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 138 Als Philipp Friedrich Hiller plötzlich seine Stimme verlor Man kann den Kummer sich vom Herzen singen . . . . . . . . . . . 144 Gerhard Tersteegen in der Gegenwart des ewigen Gottes Ein merkwürdiger Einsiedler zieht Unzählige an . . . . . . . . . . . . 156 Graf von Zinzendorfs einzige Leidenschaft: Er – Jesus Hört ihr seiner Räder sausendes Getön? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 169 Benjamin Schmolcks Glaubensmut vor der Feinde Toben Als in Schlesien mehr als tausend Kirchen geraubt wurden . . . 178 Johann Mentzers Schmerz an zwölf Familiengräbern Im Himmel soll das arme Lob viel besser werden! . . . . . . . . . . 184 Von der Hobelbank zur Universität – Johann Jakob Rambach Wo ist ein Herr, der so mit Knechten tut? . . . . . . . . . . . . . . . . . . 189 Johann Daniel Herrnschmidt pflegt verletzte Soldaten Wenn du nur bei Jesus bist! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 192 Der ungestüme und mutige Querdenker Gottfried Arnold Im Ringen um neues geistliches Leben in der Kirche . . . . . . . . 196 Der frühe Tod des Mediziners Christian Friedrich Richter Auf der Suche nach der Liebe Gottes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201
Samuel Rodigasts Krankenbesuch bei einem Studienfreund Gott kann man wirklich trauen! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 204 Eine Gräfin als Waisenkind im Dreißigjährigen Krieg Bis hierher hat mich Gott gebracht durch seine große Güte! .206 Als Christian Scriver elf Kinder an Pest starben Das betende Gespräch mit Jesus – der Pulsschlag eines Christen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 211 Wie Georg Neumark bei einem Raubüberfall alles verlor Den barmherzigen Gott einfach walten lassen! . . . . . . . . . . . . 215 Überströmender Dank in dem kurzen Leben Joachim Neanders Wie der Neandertaler Urmensch zu seinem Namen kam . . . 218 Paul Gerhardts Trost in Kriegsnot, Angst und Todesschrecken Wider die Qual der schweren Gedanken . . . . . . . . . . . . . . . . . 224 Der kranke, schwermütige und angefochtene Michael Schirmer Die Freude auf den König besiegt das schwarze Trauergift . . 244 Der gefeierte Dichter Johann Rist fertigte Arzneien Viele Lieder hat mir das liebe Kreuz ausgepresst! . . . . . . . . . . 247 Die Leidensbereitschaft von Adam Thebesius Das Danklied für den großen Schmerzensmann . . . . . . . . . . . 253 Die überwältigende Dankbarkeit Martin Rinckarts In Hungersnot, Pestseuche und Kriegsängsten. . . . . . . . . . . . . 256 Johann Heermann – 24 Jahre ganz in Schmerzen Lebt Christus – was bin ich betrübt? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 261 Johann Matthäus Meyfarts letzte Posaunenklänge Schäden und Missstände im Licht der Ewigkeit betrachtet . . . 268
Paul Fleming auf der Reise nach Persien Die untreue Brautliebe und Gottes ewige Treue . . . . . . . . . . . . 270 Josua Stegmann – in Spott und Hass gedemütigt und zerbrochen Die Sorge um Beständigkeit im Glauben. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 275 Valerius Herberger – einsam singend hinter dem Leichenwagen Ein volkstümlicher Prediger, dem Jesus alles war . . . . . . . . . . . 277 Philipp Nicolais große Vorfreude auf das himmlische Gloria In den Tagen, als der schwarze Tod wütete . . . . . . . . . . . . . . . . 281 Martin Luther in schweren Krankheiten und Anfechtungen Mitten im Rachen des Teufels! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 286 Literatur Band I + II . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bd. II, S. 557 Quellennachweis Band I + II . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bd. II, S. 561 Verzeichnis der Lieder und Strophen Band I + II . . . . . . Bd. II, S. 561 Verzeichnis der Dichter und Komponisten Band I + II . . . Bd. II, S. 587
Haenssler : Der Kummer / Dennoch 3.Aufl : 19-Jun-17 : Page: 13
Rudolf Alexander Schröder und der wieder entdeckte Glaube
Wenn die Burgen dieser Welt um dich her in Trümmer brechen Es war die Sinnlosigkeit des Ersten Weltkriegs, die selbst optimistische Menschen unheimlich tief erschütterte. Das massenhafte Sterben blutjunger Menschen und die grauenhaften Zerstörungen haben auch dem feinfühligen Künstler Rudolf Alexander Schröder eine völlig neue Weltsicht gebracht: Ich bin dahintergekommen, dass, wie die Schrift sagt, die Welt im Argen liegt; mit andern Worten, dass die Sünde eine große, ernste Wirklichkeit ist mitten in allem Schönen, Erfreulichen und Dankenswerten der Welt. Dies war eine einschneidende Lebenswende für den Hanseaten Rudolf Alexander Schröder. 1878 wurde er in einer wohlhabenden Bremer Kaufmannsfamilie geboren. Als Freund der schönen Künste und Formen lebte er in einem Kreis berühmter Künstler. Er richtete als Architekt und Raumgestalter mehrere Räume auf dem Überseedampfer Bremen ein und entwarf das Grabmal für Hugo von Hofmannsthal. Daneben war er Maler, Buchgestalter, vor allem aber ein ganz hervorragend begabter Übersetzer, meisterhafter Sprachgestalter und Lyriker. Seine klassische Übersetzung von Homers Odyssee veröffentlichte er schon mit 32 Jahren. Es folgten Übersetzungen. von Vergil und Horaz, später auch der Ilias, aber auch Molière und Racine, Shakespeare, Pope und Elliot. Mit Freunden gründete er 10
die künstlerische Zeitschrift Insel aus der später der für schöne Literatur berühmte Inselverlag hervorging. Doch dann gab Rudolf Alexander Schröder in diesem Verlag 1930 einen kleinen Gedichtband heraus mit dem Titel Mitte des Le bens und dem Untertitel Geistliche Gedichte. Dieses Büchlein sollte für Schröder zugleich die letzte Veröffentlichung in diesem Verlag sein. Was er hier publizierte, hatte den Rahmen dieses schöngeistigen Verlages gesprengt. Nicht nur die bestürzende Realität menschlicher Sünde hatte Rudolf Alexander Schröder zu dieser Lebenswende geführt, sondern das befreiende Evangelium von Jesus Christus, das er lange Zeit verloren hatte: Ich möchte gern gesunden: Du bist ein Arzt der Kranken! Das Wort hab ich gefunden, dein Wort! – Darf ich dir’s danken? Unter der Last schwerer Todeserfahrung entdeckte Rudolf Alexander Schröder im Wort Gottes unendliche Ermutigung. Es war im Frühling des letzten Kriegsjahres. Einer der Freunde starb, und die Nächsten saßen um den Sarg. Ich nahm die Bibel zur Hand und habe uns die Auferstehungsgeschichten der Reihe nach vorgelesen. Da haben wir einen Trost verspürt, so gewaltig und fest, wie kein anderer je hätte sein können; und er ist mit mir gegangen bis heute und wird, so Gott will, mit mir gehn bis ans Grab und übers Grab hinaus. In dem Lied Wer kann der Treu vergessen berichtet Schröder ganz unmittelbar und direkt, wie er die wunderbare Gnade Gottes erfuhr, als er noch im Ungewissen suchte: So bin ich dein geworden, eh ich mich selbst gewann; du nahmst mich in den Orden der Söhn und Brüder an. Weil ich noch kaum vom Weiten durch Dunst und Nebel sah, warst über meinem Schreiten du wie die Sonne nah. 11
Bist’s noch zu allen Tagen, auch wo ich dich nicht spür und mein, ich ging durch Plagen und Ängste für und für, und wähn, ich müsst in Sünden und Finsternis gesenkt, mich in der Hölle gründen, die dein mit Schrecken denkt; dein, der die Welt bereitet nach unbegriffnem Plan, die Strauchelnden geleitet, den Müden hilft voran, der hinter Zeit und Maßen, davor der Geist erschrickt, gebahnt die schönen Straßen zur Herrlichkeit erblickt; zum Vorhof deiner Wahrheit, zur erogen Gegenwart, da die vollkommne Klarheit sich allen offenbart, da alles Seufzen mündet in einen Lobgesang und Stern den Sternen kündet Fried, Freude, Preis und Dank. Auch darüber, was ihm wieder den Weg zum Glauben gewiesen habe, gibt Rudolf Alexander Schröder Auskunft: Es sind Paul Gerhardts Lieder gewesen, an denen ich mit leiser Hand zurückgeführt worden bin, noch ehe mir das Wort der Schrift selbst wieder lebendig geworden war. Wie wichtig die alten Lieder des Glaubens sind, erkannte Schröder noch viel mehr im rauschhaften Aufbruch des Dritten Reichs. Nicht nur junge Menschen ließen sich in jener revolutionären Zeit des Umbruchs vom Neuen begeistern und mitreißen. Schröder trat damals jenen entgegen, die meinten, man dürfe in solchen Zeiten jungen Menschen nicht mehr die alten Lieder 12