ANDREAS BOPPART
SCM Hänssler ist ein Imprint der SCM Verlagsgruppe, die zur Stiftung Christliche Medien gehört, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für die Förderung und Verbreitung christlicher Bücher, Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt.
© 2018 SCM Hänssler in der SCM Verlagsgruppe GmbH Max-Eyth-Straße 41 · 71088 Holzgerlingen Internet: www.scm-haenssler.de; E-Mail: info@scm-haenssler.de Die Bibelverse wurden, soweit nicht anders angegeben, folgenden Ausgaben entnommen: Neues Testament und Psalmen: Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung. Copyright © 2009 Genfer Bibelgesellschaft, CH-1204 Genf. Wiedergegeben mit der freundlichen Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten. Altes Testament Lutherbibel, revidiert 2017 © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. Weiter wurden verwendet: Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002 und 2006 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlingen. (NLB) Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlingen. (ELB) Hoffnung für alle ® Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis - Brunnen Basel. (HFA) Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, © 1980 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart. (EIN) Gesamtgestaltung: Kathrin Spiegelberg, Weil im Schönbuch Collage Titelbilder: Profil Andreas Boppart: Joel Waldvogel, Landschaft: Eutah Mizushima, Sternenhimmel: Dino Reichmut Druck und Verarbeitung: Druck und Verarbeitung: GGP Media GmbH, Pößneck Gedruckt in Deutschland ISBN 978-3-7751-5797-1 Bestell-Nr. 395.797
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WIDMUNG Dankbare Umarmungen gehen an Tamara, meine vier Mädels, Angi und Joni, Peter und Silke. Ohne euch gäbe es nicht wirklich viel Neuländisches hier zu lesen. Mögen die vorliegenden unter viel Schweiß entstandenen Zeilen auch dich innerlich aufwühlen, begeistern, herausfordern, inspirieren, bewegen und ab und zu zum Schwitzen bringen – vor allem aber die Sehnsucht nach einem neuländischen Inneren wecken.
INHALT
FANTASTISCH – Der Prolog .............................................. 8 Muskelmasse ........................................................................ 11 Terra Incognita .................................................................... 14 1 TRANSFORMATORISCH – Der neuländische Gott............ 18 Gott spricht neuländisch ..................................................... 19 Gott liebt neue Brillen .......................................................... 24 Gottes Neuland hört nie auf ................................................27 2 PANISCH – Die Angst vor Neuem ...................................... 32 Das sockenfressende Mümmelmonster ........................... 35 Der Angst-Lichtschalter ....................................................... 38 Die eklige Zahnpasta .......................................................... 41 Der biblische Horrorthriller ................................................. 45 Die angstfreie Zone ............................................................. 50 3 ELASTISCH – Der Weitmacher .......................................... 54 Das Gecko-Phänomen ....................................................... 56 Die Papierflieger-Botschaft ............................................... 61 Die Neuland-Himmelsrichtungen ..................................... 63 4 EPISCH – Das Gott-Neuland ............................................. 70 Der Klang des »Ich liebe dich!« ......................................... 73 Das große Geheimnis ......................................................... 76 Die Reise Gottes zu dir ....................................................... 78 Der Asaf-Weg ...................................................................... 82 Der heilige Ort in dir ........................................................... 86
5 KARDIOLOGISCH – Das Herz-Neuland........................... 90 Herzensreise ....................................................................... 93 Gottessicht ........................................................................... 97 Ovoausguss......................................................................... 100 Kindsein................................................................................ 104 Gottesglaube ...................................................................... 109 Identitätstrip ....................................................................... 112 Altmetall............................................................................... 116 6 ROMANTISCH – Das Beziehungs-Neuland .................... 122 Mit Gottes Augen sehen .................................................... 125 Das Handtuch halten ......................................................... 127 Dieselbe Sprache sprechen .............................................. 130 Den Beziehungsnerv freilegen ......................................... 134 7 IDYLLISCH – Das Einheits-Neuland ................................. 140 Der Schlüssel für Einheit .................................................... 145 Der Krieg ist vorbei............................................................. 152 8 KÄMPFERISCH – Das Welt-Neuland ................................ 158 Die Friedensstifter-Aufgabe ............................................. 162 Das Osterinsel-Drama ..................................................... 166 9 MAGISCH – Der neuländische Spirit ............................... 170 Versöhn dich mit dir selbst ................................................ 173 Bleibe lernbereit ................................................................ 178 Konzentrier dich auf das Richtige .................................... 183 Durchquer die Wüste ........................................................ 188 Jag das Unsichtbare........................................................... 193
10 STRATEGISCH – Nimm dein Neuland ein .................... 202 Die Jericho-Geduld .......................................................... 203 Die Ai-List ........................................................................... 205 Die Sichem-Rutsche.......................................................... 208 Die Amoriter-Wunder ...................................................... 209 Die Abhängigkeits-Strategie ............................................ 2 1 2 11 PRAKTISCH – Schritte ins Neuland................................ 216 Deck das Dach ab ............................................................ 219 Mach dein Bett selber ..................................................... 221 Komm heraus..................................................................... 227 12 HIMMLISCH – Im Neuland leben .................................. 232 Am Neuland dranbleiben ................................................. 234 Sich der Wahrheit verschreiben ....................................... 239 Mit dem Horizont-Blick leben .......................................... 245 Dem Wasser folgen ............................................................ 250 FUTURISTISCH – Der Epilog .............................................. 254 Eine neuländische Entscheidung ..................................... 262 FAKTISCH – Die Anmerkungen ........................................... 266
»Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein riesiger Sprung für die Menschheit.« Mit diesem markigen Satz setzte Neil Armstrong am 21. Juli 1969 als erster Mensch einen Fuß auf den Mond. Man mag denken, dass dieser bedeutende
Schritt überhaupt nichts mit einem zu tun hat. Und liegt da-
mit völlig daneben. Der Raumfahrt werden eine schier endlose
Liste von Erfindungen und Weiterentwicklungen zugeschrieben: Schaumstoff, natürlicher Zusatz für Säuglingsnahrungen,
durchsichtige Zahnspangen, Ohr-Fiebermesser, Sonnenbrillen-
gläser, Akkuwerkzeug, Rauchmelder, kratzfeste Gläser, präzise GPS-Systeme, digitale Bildsensoren für Kameras, Flugzeugoptimierungen, Areodynamik-Designs bei LKWs, Dämpfungen bei
Gebäuden und Brücken, internationales Rettungssystem etc.1
Vieles davon beeinflusst unseren Alltag direkt oder indirekt.
Wie sähe dein Leben aus, wenn vor dir Menschen nicht im-
mer wieder mutig Neuland betreten hätten? Ohne Entdeckerin-
nen und Abenteurer würden nicht nur Gewürze in deiner Küche fehlen. Es wäre so ziemlich alles weg, auf dem dein Leben
aufbaut und das es so angenehm macht. Wir stehen auf den Schultern von Neuland-Gängerinnen und Neuland-Reisenden der Vergangenheit. Und: Wir selber brauchen immer wieder Neuland!
Ich beobachte bei Menschen zwei Entwicklungsrichtungen,
was den persönlichen Glauben betrifft: Entweder wir werden unterwegs durchs Leben »geistlich fitter« oder aber »geistlos bitter«. Mich inspirieren all jene, die mit zunehmendem Alter zu einem tiefen Glauben und einem weiten Herz gefunden und
die eine Gelassenheit, eine »Altersgroßzügigkeit« entwickelt
haben. In ihnen wummert ein »neuländischer« Spirit, weil sie nie aufgehört haben, Neuland zu betreten.
Es ist heikel, dem Gedanken zu verfallen, dass Gott mit uns,
unserer Persönlichkeit und unserem Glauben irgendwann fer9
tig ist. Er hat das Leben als Abenteuer konzipiert, in dem wir an der Seite von Jesus immer wieder von Gott vorbereitetes Neuland entdecken sollen und dürfen.
Dein Glaube gehört nicht in eine sauber abgemessene Box,
die du bis zum Lebensende abgeschlossen verstaust, sondern muss sich frei immer weiter entwickeln können.
Wir brauchen mehr denn je diese mutigen Menschen, die
aktiv nach diesem weit werdenden Glauben suchen. Die nicht nur nett glauben, sondern herzhaft nachfolgen. Die nicht nur
rückwärtsgewandt leben, sondern sich nach vorne orientieren und diese neuländische Art zu denken, zu handeln, zu fühlen
und zu glauben, selbst leben und ansteckend weiterverbreiten.
»Neuländisch« möchte die abgestumpfte Neugierde stimulieren und die totgelebte Sehnsucht wiederbeleben.
Ich habe das Buch im Bündnerland begonnen und hier in
der Region Zürich fertiggeschrieben, wo wir eigentlich nicht hinwollten, Gott uns aber hingeführt hat. Noch immer weint
ein Auge über den Wegzug, aber das andere strahlt voller Vor-
freude auf das, was Gott mit uns am neuen Ort vorhat. Denn was er für uns vorbereitet hat, ist immer gut – nicht immer einfach und nicht immer angenehm, aber immer gut und richtig. Und weil es sich dermaßen richtig anfühlt, erfüllt mich dieser
berühmte und so oft ersehnte innere Friede. Ich bin mitten im Neuland. Prickelnd unangenehm. Aber genau da, wo ich sein
möchte, weil ich hier hingehöre. Und weil es meinen neuländischen Geist nährt. Bist du bereit, dich zu bewegen? Bereit für Neuland? »Das Leben ist entweder ein großes Abenteuer oder nichts«, hat die taub-blinde Schriftstellerin Helen Keller festgehalten. Das Abenteuer erwartet dich!
10
MUSKELMASSE Es gibt ein universelles Lebenskonzept: Was sich nicht bewegt, stirbt. Unser Herzmuskel erinnert uns mit jedem einzelnen
Pulsschlag daran. Gerade kürzlich bin ich über einen asketischen Inder gestolpert (also nicht vor der Haustür, sondern on-
line), der über Jahre einen Arm in die Luft streckte, bis dieser tatsächlich abstarb und sich nicht mehr bewegen ließ.2 Unbe-
wegtes stirbt. Wenn in einem System Gleichgewicht herrscht –
was biologische Systeme natürlicherweise anstreben – und sich
die Moleküle darin nicht mehr bewegen, dann bedeutet das biologisch gesehen den Tod. Auch wir selbst müssen uns immer
wieder vorwärtsbewegen. Du könntest dich entscheiden, mit dem Atmen, Essen oder Trinken aufzuhören, aber dein Körper
würde das nicht lange mitmachen. Genauso verkümmern auch dein Glaube und dein Geist, wenn du aufhörst, dich zu bewegen. »Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte«, sagte Gustav Heinemann. Zuallererst führt Stillstand zu Rückbildungen.
Auch das Gehirn muss trainiert und immer wieder mit Neu-
em gefüttert werden. Wenn die Zellen nicht stimuliert werden, bleiben sie nicht einfach auf ihrem Leistungsniveau, sondern
bauen sich ab. Die gute Nachricht ist jedoch, dass ein menschliches Gehirn sogar nach einer Beschädigung durch richtige Stimulation wieder expandieren kann. Es ist so angelegt, dass
es lernen muss – ein Leben lang. Wenn wir es nicht benutzen, dann nehmen unsere geistigen Fähigkeiten ab. Use it or lose it!3
Meine Kinder haben von der Urgroßmutter eine Holzkuh
auf Rädern geerbt – ein Familienerbstück, das schon mehr als ein Jahrhundert auf dem Buckel hat. Die Kuh ist super erhalten
und man sieht ihr an, dass mit ihr nur ganz selten gespielt wurde, weil sie so wertvoll war. Meine Kinder hatten auch Freude 11
an der Kuh – aber sie wollten sie nicht nur anschauen, sondern
mit ihr herumfahren, was zur Folge hatte, dass der Kuh nach weniger als einer Woche schon ein Fuß und die Glocke fehl-
ten. Ich weiß nicht, was frustrierender ist: Der Gedanke, dass
die Spielzeug-Kuh nach über einem Jahrhundert in wenigen
Stunden von meinem Nachwuchs verstümmelt wurde, oder die
Tatsache, dass dieses Spielzeug wohl über hundert Jahre kaum
zum Spielen benutzt worden ist, weil es zu kostbar schien. Wir sollten es mit dem Hirn nicht wie mit dieser Kuh machen: Es ist
kein Museumsstück, das schön bleibt, weil man es wegschließt und auf keinen Fall gebraucht. Vielmehr bleibt es gut, gerade
weil man es einsetzt und gebraucht. Und mit gebrauchen meine ich vor allem, dass wir dazulernen und Neues ausprobieren – auch im Glauben. Gebrauchen wir den während Wochen oder
Monaten nicht, beginnt die »Glaubensmasse« zu schrumpfen.
Genau deshalb ist es zentral, dass wir ihn immer wieder an-
wenden, trainieren und aufbauen. Und das geschieht, indem
wir Neuland betreten. Indem wir uns bewusst Situationen aussetzen, in denen wir Gottes Zutun brauchen. Bei der Mystikerin Teresa von Ávila klingt das so: »Ich meine, dass es der
Liebe nicht möglich ist, irgendwo stehen zu bleiben. Wer nicht wächst, schrumpft.«
Der Wachstumsgedanke basiert auf dem simplen biblischen
Prinzip von Matthäus 25,14-30. Jesus erzählt hier die Geschichte von einem Mann, der auf Reisen ging und seinen Knechten
ihren Fähigkeiten entsprechend unterschiedlich hohe Geldbeträge (»Talente Silber«) anvertraute. Zwei davon vermehrten diese in seiner Abwesenheit, während einer sein Talent vergrub, um es bei der Rückkehr seines Chef wieder vorweisen zu
können. Dieser lobte die ersten beiden und beschenkte sie; den dritten bezeichnete er als »böse« und »faul« und nahm ihm das eine Talent noch weg.
12
Jesus spricht hier von Talenten als Gewichtseinheit. Letzt-
lich lässt es sich jedoch auf alle von Gott geschenkten Dinge
anwenden. Das können deine Fähigkeiten sein, aber auch dein
Charisma oder dein Glauben. Wenn du das, was dir als dein persönliches »Kapital« von Gott geschenkt worden ist, nicht an-
wendest und vermehrst, dann lebst du an deiner Bestimmung
vorbei. Du läufst Gefahr, am Ende genau das zu verlieren, was du vielleicht verzweifelt bewahren wolltest.
Viele Christen bewegen sich glaubensmäßig nicht in Neuland
hinein, weil sie entweder denken, dass Glaube etwas Unverän-
derliches ist, das man sich überstülpt, oder weil sie insgeheim große Angst haben, was das Unbekannte mit ihrem Glauben
machen könnte. Neuland kann an unserem Fundament rütteln und uns zwingen, Grundlegendes in unserem Glauben zu über-
denken, zu hinterfragen und neu zu sortieren. Aus Angst vor
dieser unsicheren und vielleicht unbequemen Situation begin-
nen viele unweigerlich, alles Andersartige, Fremde und Neue abzublocken – mit dem Resultat, dass sie genau das erreichen,
was sie eigentlich vermeiden wollten: das Verkümmern oder gar Absterben ihres Glaubens.
Wenn du deinen Glauben bewahren willst, dann darfst du
ihn nicht einbuddeln, bis er erstickt. Du musst ihn einsetzen, ihn sich vermehren lassen. Das geschieht, indem du dich im-
mer wieder in Bereiche und Situationen hineinwagst, in denen du dich voll und ganz auf Gott stützen musst. Und indem du
dich immer wieder mit Menschen umgibst, die dir in ihrer Art, wie sie mit Gott unterwegs sind, fremd sind. Denn so besteht
die Chance, dass du Gott auf neue Art und Weise erlebst. Nur
dort im Unbequemen und Unbekannten entdeckst du Seiten an Gott, die dir bis dahin völlig unbekannt waren – und es wird deinen Glauben weiten, ohne dass du dich sorgen musst, etwas zu verlieren. Du gewinnst vielmehr dazu. 13
Wann hast du das letzte Mal in deinem Leben Neuland betreten? Und wo war das in den letzten Wochen oder Monaten der Fall? Wo hast du etwas entdeckt, neu gelernt? Nimm dir einmal Zeit, je einen Lernschritt konkret zu benennen: Ich habe etwas Neues gelernt über 1. mich, 2. andere Menschen, 3. Gott.
Falls dir nichts in den Sinn kommt, solltest du unbedingt wei-
terlesen. Und falls dir etwas oder sogar mehrere Sachen eingefallen sind … auch. Es lohnt sich, sich auf diese Reise zu
begeben. Allein das Unterwegssein produziert in dir drin ganz viel Neuland und ein Reisender kehrt nicht unverändert wieder nach Hause zurück. Neuland verändert dich.
TERRA INCOGNITA Wer nicht bereit ist, sich im Glauben auf Neuland einzulassen,
riskiert auch, den bisherigen Boden preisgeben zu müssen. Wer stehen bleibt und nicht mehr in seine Beziehung mit Gott inves-
tiert, wird bald auch mit Veränderungen um sich herum Mühe
bekommen – in der Kirche, im eigenen Leben und in der Begegnung mit anderen. Man ist nicht mehr eine Quelle »des lebendigen Wassers«, das andere bewässert und Wachstum schenkt.
14
WIDMUNG Dankbare Umarmungen gehen an Tamara, meine vier Mädels, Angi und Joni, Peter und Silke. Ohne euch gäbe es nicht wirklich viel Neuländisches hier zu lesen. Mögen die vorliegenden unter viel Schweiß entstandenen Zeilen auch dich innerlich aufwühlen, begeistern, herausfordern, inspirieren, bewegen und ab und zu zum Schwitzen bringen – vor allem aber die Sehnsucht nach einem neuländischen Inneren wecken.
INHALT
FANTASTISCH – Der Prolog .............................................. 8 Muskelmasse ........................................................................ 11 Terra Incognita .................................................................... 14 1 TRANSFORMATORISCH – Der neuländische Gott............ 18 Gott spricht neuländisch ..................................................... 19 Gott liebt neue Brillen .......................................................... 24 Gottes Neuland hört nie auf ................................................27 2 PANISCH – Die Angst vor Neuem ...................................... 32 Das sockenfressende Mümmelmonster ........................... 35 Der Angst-Lichtschalter ....................................................... 38 Die eklige Zahnpasta .......................................................... 41 Der biblische Horrorthriller ................................................. 45 Die angstfreie Zone ............................................................. 50 3 ELASTISCH – Der Weitmacher .......................................... 54 Das Gecko-Phänomen ....................................................... 56 Die Papierflieger-Botschaft ............................................... 61 Die Neuland-Himmelsrichtungen ..................................... 63 4 EPISCH – Das Gott-Neuland ............................................. 70 Der Klang des »Ich liebe dich!« ......................................... 73 Das große Geheimnis ......................................................... 76 Die Reise Gottes zu dir ....................................................... 78 Der Asaf-Weg ...................................................................... 82 Der heilige Ort in dir ........................................................... 86
5 KARDIOLOGISCH – Das Herz-Neuland........................... 90 Herzensreise ....................................................................... 93 Gottessicht ........................................................................... 97 Ovoausguss......................................................................... 100 Kindsein................................................................................ 104 Gottesglaube ...................................................................... 109 Identitätstrip ....................................................................... 112 Altmetall............................................................................... 116 6 ROMANTISCH – Das Beziehungs-Neuland .................... 122 Mit Gottes Augen sehen .................................................... 125 Das Handtuch halten ......................................................... 127 Dieselbe Sprache sprechen .............................................. 130 Den Beziehungsnerv freilegen ......................................... 134 7 IDYLLISCH – Das Einheits-Neuland ................................. 140 Der Schlüssel für Einheit .................................................... 145 Der Krieg ist vorbei............................................................. 152 8 KÄMPFERISCH – Das Welt-Neuland ................................ 158 Die Friedensstifter-Aufgabe ............................................. 162 Das Osterinsel-Drama ..................................................... 166 9 MAGISCH – Der neuländische Spirit ............................... 170 Versöhn dich mit dir selbst ................................................ 173 Bleibe lernbereit ................................................................ 178 Konzentrier dich auf das Richtige .................................... 183 Durchquer die Wüste ........................................................ 188 Jag das Unsichtbare........................................................... 193
10 STRATEGISCH – Nimm dein Neuland ein .................... 202 Die Jericho-Geduld .......................................................... 203 Die Ai-List ........................................................................... 205 Die Sichem-Rutsche.......................................................... 208 Die Amoriter-Wunder ...................................................... 209 Die Abhängigkeits-Strategie ............................................ 2 1 2 11 PRAKTISCH – Schritte ins Neuland................................ 216 Deck das Dach ab ............................................................ 219 Mach dein Bett selber ..................................................... 221 Komm heraus..................................................................... 227 12 HIMMLISCH – Im Neuland leben .................................. 232 Am Neuland dranbleiben ................................................. 234 Sich der Wahrheit verschreiben ....................................... 239 Mit dem Horizont-Blick leben .......................................... 245 Dem Wasser folgen ............................................................ 250 FUTURISTISCH – Der Epilog .............................................. 254 Eine neuländische Entscheidung ..................................... 262 FAKTISCH – Die Anmerkungen ........................................... 266
»Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein riesiger Sprung für die Menschheit.« Mit diesem markigen Satz setzte Neil Armstrong am 21. Juli 1969 als erster Mensch einen Fuß auf den Mond. Man mag denken, dass dieser bedeutende
Schritt überhaupt nichts mit einem zu tun hat. Und liegt da-
mit völlig daneben. Der Raumfahrt werden eine schier endlose
Liste von Erfindungen und Weiterentwicklungen zugeschrieben: Schaumstoff, natürlicher Zusatz für Säuglingsnahrungen,
durchsichtige Zahnspangen, Ohr-Fiebermesser, Sonnenbrillen-
gläser, Akkuwerkzeug, Rauchmelder, kratzfeste Gläser, präzise GPS-Systeme, digitale Bildsensoren für Kameras, Flugzeugoptimierungen, Areodynamik-Designs bei LKWs, Dämpfungen bei
Gebäuden und Brücken, internationales Rettungssystem etc.1
Vieles davon beeinflusst unseren Alltag direkt oder indirekt.
Wie sähe dein Leben aus, wenn vor dir Menschen nicht im-
mer wieder mutig Neuland betreten hätten? Ohne Entdeckerin-
nen und Abenteurer würden nicht nur Gewürze in deiner Küche fehlen. Es wäre so ziemlich alles weg, auf dem dein Leben
aufbaut und das es so angenehm macht. Wir stehen auf den Schultern von Neuland-Gängerinnen und Neuland-Reisenden der Vergangenheit. Und: Wir selber brauchen immer wieder Neuland!
Ich beobachte bei Menschen zwei Entwicklungsrichtungen,
was den persönlichen Glauben betrifft: Entweder wir werden unterwegs durchs Leben »geistlich fitter« oder aber »geistlos bitter«. Mich inspirieren all jene, die mit zunehmendem Alter zu einem tiefen Glauben und einem weiten Herz gefunden und
die eine Gelassenheit, eine »Altersgroßzügigkeit« entwickelt
haben. In ihnen wummert ein »neuländischer« Spirit, weil sie nie aufgehört haben, Neuland zu betreten.
Es ist heikel, dem Gedanken zu verfallen, dass Gott mit uns,
unserer Persönlichkeit und unserem Glauben irgendwann fer9
tig ist. Er hat das Leben als Abenteuer konzipiert, in dem wir an der Seite von Jesus immer wieder von Gott vorbereitetes Neuland entdecken sollen und dürfen.
Dein Glaube gehört nicht in eine sauber abgemessene Box,
die du bis zum Lebensende abgeschlossen verstaust, sondern muss sich frei immer weiter entwickeln können.
Wir brauchen mehr denn je diese mutigen Menschen, die
aktiv nach diesem weit werdenden Glauben suchen. Die nicht nur nett glauben, sondern herzhaft nachfolgen. Die nicht nur
rückwärtsgewandt leben, sondern sich nach vorne orientieren und diese neuländische Art zu denken, zu handeln, zu fühlen
und zu glauben, selbst leben und ansteckend weiterverbreiten.
»Neuländisch« möchte die abgestumpfte Neugierde stimulieren und die totgelebte Sehnsucht wiederbeleben.
Ich habe das Buch im Bündnerland begonnen und hier in
der Region Zürich fertiggeschrieben, wo wir eigentlich nicht hinwollten, Gott uns aber hingeführt hat. Noch immer weint
ein Auge über den Wegzug, aber das andere strahlt voller Vor-
freude auf das, was Gott mit uns am neuen Ort vorhat. Denn was er für uns vorbereitet hat, ist immer gut – nicht immer einfach und nicht immer angenehm, aber immer gut und richtig. Und weil es sich dermaßen richtig anfühlt, erfüllt mich dieser
berühmte und so oft ersehnte innere Friede. Ich bin mitten im Neuland. Prickelnd unangenehm. Aber genau da, wo ich sein
möchte, weil ich hier hingehöre. Und weil es meinen neuländischen Geist nährt. Bist du bereit, dich zu bewegen? Bereit für Neuland? »Das Leben ist entweder ein großes Abenteuer oder nichts«, hat die taub-blinde Schriftstellerin Helen Keller festgehalten. Das Abenteuer erwartet dich!
10
MUSKELMASSE Es gibt ein universelles Lebenskonzept: Was sich nicht bewegt, stirbt. Unser Herzmuskel erinnert uns mit jedem einzelnen
Pulsschlag daran. Gerade kürzlich bin ich über einen asketischen Inder gestolpert (also nicht vor der Haustür, sondern on-
line), der über Jahre einen Arm in die Luft streckte, bis dieser tatsächlich abstarb und sich nicht mehr bewegen ließ.2 Unbe-
wegtes stirbt. Wenn in einem System Gleichgewicht herrscht –
was biologische Systeme natürlicherweise anstreben – und sich
die Moleküle darin nicht mehr bewegen, dann bedeutet das biologisch gesehen den Tod. Auch wir selbst müssen uns immer
wieder vorwärtsbewegen. Du könntest dich entscheiden, mit dem Atmen, Essen oder Trinken aufzuhören, aber dein Körper
würde das nicht lange mitmachen. Genauso verkümmern auch dein Glaube und dein Geist, wenn du aufhörst, dich zu bewegen. »Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte«, sagte Gustav Heinemann. Zuallererst führt Stillstand zu Rückbildungen.
Auch das Gehirn muss trainiert und immer wieder mit Neu-
em gefüttert werden. Wenn die Zellen nicht stimuliert werden, bleiben sie nicht einfach auf ihrem Leistungsniveau, sondern
bauen sich ab. Die gute Nachricht ist jedoch, dass ein menschliches Gehirn sogar nach einer Beschädigung durch richtige Stimulation wieder expandieren kann. Es ist so angelegt, dass
es lernen muss – ein Leben lang. Wenn wir es nicht benutzen, dann nehmen unsere geistigen Fähigkeiten ab. Use it or lose it!3
Meine Kinder haben von der Urgroßmutter eine Holzkuh
auf Rädern geerbt – ein Familienerbstück, das schon mehr als ein Jahrhundert auf dem Buckel hat. Die Kuh ist super erhalten
und man sieht ihr an, dass mit ihr nur ganz selten gespielt wurde, weil sie so wertvoll war. Meine Kinder hatten auch Freude 11
an der Kuh – aber sie wollten sie nicht nur anschauen, sondern
mit ihr herumfahren, was zur Folge hatte, dass der Kuh nach weniger als einer Woche schon ein Fuß und die Glocke fehl-
ten. Ich weiß nicht, was frustrierender ist: Der Gedanke, dass
die Spielzeug-Kuh nach über einem Jahrhundert in wenigen
Stunden von meinem Nachwuchs verstümmelt wurde, oder die
Tatsache, dass dieses Spielzeug wohl über hundert Jahre kaum
zum Spielen benutzt worden ist, weil es zu kostbar schien. Wir sollten es mit dem Hirn nicht wie mit dieser Kuh machen: Es ist
kein Museumsstück, das schön bleibt, weil man es wegschließt und auf keinen Fall gebraucht. Vielmehr bleibt es gut, gerade
weil man es einsetzt und gebraucht. Und mit gebrauchen meine ich vor allem, dass wir dazulernen und Neues ausprobieren – auch im Glauben. Gebrauchen wir den während Wochen oder
Monaten nicht, beginnt die »Glaubensmasse« zu schrumpfen.
Genau deshalb ist es zentral, dass wir ihn immer wieder an-
wenden, trainieren und aufbauen. Und das geschieht, indem
wir Neuland betreten. Indem wir uns bewusst Situationen aussetzen, in denen wir Gottes Zutun brauchen. Bei der Mystikerin Teresa von Ávila klingt das so: »Ich meine, dass es der
Liebe nicht möglich ist, irgendwo stehen zu bleiben. Wer nicht wächst, schrumpft.«
Der Wachstumsgedanke basiert auf dem simplen biblischen
Prinzip von Matthäus 25,14-30. Jesus erzählt hier die Geschichte von einem Mann, der auf Reisen ging und seinen Knechten
ihren Fähigkeiten entsprechend unterschiedlich hohe Geldbeträge (»Talente Silber«) anvertraute. Zwei davon vermehrten diese in seiner Abwesenheit, während einer sein Talent vergrub, um es bei der Rückkehr seines Chef wieder vorweisen zu
können. Dieser lobte die ersten beiden und beschenkte sie; den dritten bezeichnete er als »böse« und »faul« und nahm ihm das eine Talent noch weg.
12
Jesus spricht hier von Talenten als Gewichtseinheit. Letzt-
lich lässt es sich jedoch auf alle von Gott geschenkten Dinge
anwenden. Das können deine Fähigkeiten sein, aber auch dein
Charisma oder dein Glauben. Wenn du das, was dir als dein persönliches »Kapital« von Gott geschenkt worden ist, nicht an-
wendest und vermehrst, dann lebst du an deiner Bestimmung
vorbei. Du läufst Gefahr, am Ende genau das zu verlieren, was du vielleicht verzweifelt bewahren wolltest.
Viele Christen bewegen sich glaubensmäßig nicht in Neuland
hinein, weil sie entweder denken, dass Glaube etwas Unverän-
derliches ist, das man sich überstülpt, oder weil sie insgeheim große Angst haben, was das Unbekannte mit ihrem Glauben
machen könnte. Neuland kann an unserem Fundament rütteln und uns zwingen, Grundlegendes in unserem Glauben zu über-
denken, zu hinterfragen und neu zu sortieren. Aus Angst vor
dieser unsicheren und vielleicht unbequemen Situation begin-
nen viele unweigerlich, alles Andersartige, Fremde und Neue abzublocken – mit dem Resultat, dass sie genau das erreichen,
was sie eigentlich vermeiden wollten: das Verkümmern oder gar Absterben ihres Glaubens.
Wenn du deinen Glauben bewahren willst, dann darfst du
ihn nicht einbuddeln, bis er erstickt. Du musst ihn einsetzen, ihn sich vermehren lassen. Das geschieht, indem du dich im-
mer wieder in Bereiche und Situationen hineinwagst, in denen du dich voll und ganz auf Gott stützen musst. Und indem du
dich immer wieder mit Menschen umgibst, die dir in ihrer Art, wie sie mit Gott unterwegs sind, fremd sind. Denn so besteht
die Chance, dass du Gott auf neue Art und Weise erlebst. Nur
dort im Unbequemen und Unbekannten entdeckst du Seiten an Gott, die dir bis dahin völlig unbekannt waren – und es wird deinen Glauben weiten, ohne dass du dich sorgen musst, etwas zu verlieren. Du gewinnst vielmehr dazu. 13
Wann hast du das letzte Mal in deinem Leben Neuland betreten? Und wo war das in den letzten Wochen oder Monaten der Fall? Wo hast du etwas entdeckt, neu gelernt? Nimm dir einmal Zeit, je einen Lernschritt konkret zu benennen: Ich habe etwas Neues gelernt über 1. mich, 2. andere Menschen, 3. Gott.
Falls dir nichts in den Sinn kommt, solltest du unbedingt wei-
terlesen. Und falls dir etwas oder sogar mehrere Sachen eingefallen sind … auch. Es lohnt sich, sich auf diese Reise zu
begeben. Allein das Unterwegssein produziert in dir drin ganz
viel Neuland und ein Reisender kehrt nicht unverändert wieder nach Hause zurück. Neuland verändert dich.
TERRA INCOGNITA Wer nicht bereit ist, sich im Glauben auf Neuland einzulassen,
riskiert auch, den bisherigen Boden preisgeben zu müssen. Wer stehen bleibt und nicht mehr in seine Beziehung mit Gott inves-
tiert, wird bald auch mit Veränderungen um sich herum Mühe
bekommen – in der Kirche, im eigenen Leben und in der Begegnung mit anderen. Man ist nicht mehr eine Quelle »des lebendigen Wassers«, das andere bewässert und Wachstum schenkt.
14
SCM Hänssler ist ein Imprint der SCM Verlagsgruppe, die zur Stiftung Christliche Medien gehört, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für die Förderung und Verbreitung christlicher Bücher, Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt.
© 2018 SCM Hänssler in der SCM Verlagsgruppe GmbH Max-Eyth-Straße 41 · 71088 Holzgerlingen Internet: www.scm-haenssler.de; E-Mail: info@scm-haenssler.de Die Bibelverse wurden, soweit nicht anders angegeben, folgenden Ausgaben entnommen: Neues Testament und Psalmen: Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung. Copyright © 2009 Genfer Bibelgesellschaft, CH-1204 Genf. Wiedergegeben mit der freundlichen Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten. Altes Testament Lutherbibel, revidiert 2017 © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. Weiter wurden verwendet: Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002 und 2006 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlingen. (NLB) Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlingen. (ELB) Hoffnung für alle ® Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis - Brunnen Basel. (HFA) Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, © 1980 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart. (EIN) Gesamtgestaltung: Kathrin Spiegelberg, Weil im Schönbuch Collage Titelbilder: Profil Andreas Boppart: Joel Waldvogel, Landschaft: Eutah Mizushima, Sternenhimmel: Dino Reichmut Druck und Verarbeitung: Druck und Verarbeitung: GGP Media GmbH, Pößneck Gedruckt in Deutschland ISBN 978-3-7751-5797-1 Bestell-Nr. 395.797
WIDMUNG Dankbare Umarmungen gehen an Tamara, meine vier Mädels, Angi und Joni, Peter und Silke. Ohne euch gäbe es nicht wirklich viel Neuländisches hier zu lesen. Mögen die vorliegenden unter viel Schweiß entstandenen Zeilen auch dich innerlich aufwühlen, begeistern, herausfordern, inspirieren, bewegen und ab und zu zum Schwitzen bringen – vor allem aber die Sehnsucht nach einem neuländischen Inneren wecken.
INHALT
FANTASTISCH – Der Prolog .............................................. 8 Muskelmasse ........................................................................ 11 Terra Incognita .................................................................... 14 1 TRANSFORMATORISCH – Der neuländische Gott............ 18 Gott spricht neuländisch ..................................................... 19 Gott liebt neue Brillen .......................................................... 24 Gottes Neuland hört nie auf ................................................27 2 PANISCH – Die Angst vor Neuem ...................................... 32 Das sockenfressende Mümmelmonster ........................... 35 Der Angst-Lichtschalter ....................................................... 38 Die eklige Zahnpasta .......................................................... 41 Der biblische Horrorthriller ................................................. 45 Die angstfreie Zone ............................................................. 50 3 ELASTISCH – Der Weitmacher .......................................... 54 Das Gecko-Phänomen ....................................................... 56 Die Papierflieger-Botschaft ............................................... 61 Die Neuland-Himmelsrichtungen ..................................... 63 4 EPISCH – Das Gott-Neuland ............................................. 70 Der Klang des »Ich liebe dich!« ......................................... 73 Das große Geheimnis ......................................................... 76 Die Reise Gottes zu dir ....................................................... 78 Der Asaf-Weg ...................................................................... 82 Der heilige Ort in dir ........................................................... 86
5 KARDIOLOGISCH – Das Herz-Neuland........................... 90 Herzensreise ....................................................................... 93 Gottessicht ........................................................................... 97 Ovoausguss......................................................................... 100 Kindsein................................................................................ 104 Gottesglaube ...................................................................... 109 Identitätstrip ....................................................................... 112 Altmetall............................................................................... 116 6 ROMANTISCH – Das Beziehungs-Neuland .................... 122 Mit Gottes Augen sehen .................................................... 125 Das Handtuch halten ......................................................... 127 Dieselbe Sprache sprechen .............................................. 130 Den Beziehungsnerv freilegen ......................................... 134 7 IDYLLISCH – Das Einheits-Neuland ................................. 140 Der Schlüssel für Einheit .................................................... 145 Der Krieg ist vorbei............................................................. 152 8 KÄMPFERISCH – Das Welt-Neuland ................................ 158 Die Friedensstifter-Aufgabe ............................................. 162 Das Osterinsel-Drama ..................................................... 166 9 MAGISCH – Der neuländische Spirit ............................... 170 Versöhn dich mit dir selbst ................................................ 173 Bleibe lernbereit ................................................................ 178 Konzentrier dich auf das Richtige .................................... 183 Durchquer die Wüste ........................................................ 188 Jag das Unsichtbare........................................................... 193
10 STRATEGISCH – Nimm dein Neuland ein .................... 202 Die Jericho-Geduld .......................................................... 203 Die Ai-List ........................................................................... 205 Die Sichem-Rutsche.......................................................... 208 Die Amoriter-Wunder ...................................................... 209 Die Abhängigkeits-Strategie ............................................ 2 1 2 11 PRAKTISCH – Schritte ins Neuland................................ 216 Deck das Dach ab ............................................................ 219 Mach dein Bett selber ..................................................... 221 Komm heraus..................................................................... 227 12 HIMMLISCH – Im Neuland leben .................................. 232 Am Neuland dranbleiben ................................................. 234 Sich der Wahrheit verschreiben ....................................... 239 Mit dem Horizont-Blick leben .......................................... 245 Dem Wasser folgen ............................................................ 250 FUTURISTISCH – Der Epilog .............................................. 254 Eine neuländische Entscheidung ..................................... 262 FAKTISCH – Die Anmerkungen ........................................... 266
»Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein riesiger Sprung für die Menschheit.« Mit diesem markigen Satz setzte Neil Armstrong am 21. Juli 1969 als erster Mensch einen Fuß auf den Mond. Man mag denken, dass dieser bedeutende
Schritt überhaupt nichts mit einem zu tun hat. Und liegt da-
mit völlig daneben. Der Raumfahrt werden eine schier endlose
Liste von Erfindungen und Weiterentwicklungen zugeschrieben: Schaumstoff, natürlicher Zusatz für Säuglingsnahrungen,
durchsichtige Zahnspangen, Ohr-Fiebermesser, Sonnenbrillen-
gläser, Akkuwerkzeug, Rauchmelder, kratzfeste Gläser, präzise GPS-Systeme, digitale Bildsensoren für Kameras, Flugzeugoptimierungen, Areodynamik-Designs bei LKWs, Dämpfungen bei
Gebäuden und Brücken, internationales Rettungssystem etc.1
Vieles davon beeinflusst unseren Alltag direkt oder indirekt.
Wie sähe dein Leben aus, wenn vor dir Menschen nicht im-
mer wieder mutig Neuland betreten hätten? Ohne Entdeckerin-
nen und Abenteurer würden nicht nur Gewürze in deiner Küche fehlen. Es wäre so ziemlich alles weg, auf dem dein Leben
aufbaut und das es so angenehm macht. Wir stehen auf den Schultern von Neuland-Gängerinnen und Neuland-Reisenden der Vergangenheit. Und: Wir selber brauchen immer wieder Neuland!
Ich beobachte bei Menschen zwei Entwicklungsrichtungen,
was den persönlichen Glauben betrifft: Entweder wir werden unterwegs durchs Leben »geistlich fitter« oder aber »geistlos bitter«. Mich inspirieren all jene, die mit zunehmendem Alter zu einem tiefen Glauben und einem weiten Herz gefunden und
die eine Gelassenheit, eine »Altersgroßzügigkeit« entwickelt
haben. In ihnen wummert ein »neuländischer« Spirit, weil sie nie aufgehört haben, Neuland zu betreten.
Es ist heikel, dem Gedanken zu verfallen, dass Gott mit uns,
unserer Persönlichkeit und unserem Glauben irgendwann fer9
tig ist. Er hat das Leben als Abenteuer konzipiert, in dem wir an der Seite von Jesus immer wieder von Gott vorbereitetes Neuland entdecken sollen und dürfen.
Dein Glaube gehört nicht in eine sauber abgemessene Box,
die du bis zum Lebensende abgeschlossen verstaust, sondern muss sich frei immer weiter entwickeln können.
Wir brauchen mehr denn je diese mutigen Menschen, die
aktiv nach diesem weit werdenden Glauben suchen. Die nicht nur nett glauben, sondern herzhaft nachfolgen. Die nicht nur
rückwärtsgewandt leben, sondern sich nach vorne orientieren und diese neuländische Art zu denken, zu handeln, zu fühlen
und zu glauben, selbst leben und ansteckend weiterverbreiten.
»Neuländisch« möchte die abgestumpfte Neugierde stimulieren und die totgelebte Sehnsucht wiederbeleben.
Ich habe das Buch im Bündnerland begonnen und hier in
der Region Zürich fertiggeschrieben, wo wir eigentlich nicht hinwollten, Gott uns aber hingeführt hat. Noch immer weint
ein Auge über den Wegzug, aber das andere strahlt voller Vor-
freude auf das, was Gott mit uns am neuen Ort vorhat. Denn was er für uns vorbereitet hat, ist immer gut – nicht immer einfach und nicht immer angenehm, aber immer gut und richtig. Und weil es sich dermaßen richtig anfühlt, erfüllt mich dieser
berühmte und so oft ersehnte innere Friede. Ich bin mitten im Neuland. Prickelnd unangenehm. Aber genau da, wo ich sein
möchte, weil ich hier hingehöre. Und weil es meinen neuländischen Geist nährt. Bist du bereit, dich zu bewegen? Bereit für Neuland? »Das Leben ist entweder ein großes Abenteuer oder nichts«, hat die taub-blinde Schriftstellerin Helen Keller festgehalten. Das Abenteuer erwartet dich!
10
MUSKELMASSE Es gibt ein universelles Lebenskonzept: Was sich nicht bewegt, stirbt. Unser Herzmuskel erinnert uns mit jedem einzelnen
Pulsschlag daran. Gerade kürzlich bin ich über einen asketischen Inder gestolpert (also nicht vor der Haustür, sondern on-
line), der über Jahre einen Arm in die Luft streckte, bis dieser tatsächlich abstarb und sich nicht mehr bewegen ließ.2 Unbe-
wegtes stirbt. Wenn in einem System Gleichgewicht herrscht –
was biologische Systeme natürlicherweise anstreben – und sich
die Moleküle darin nicht mehr bewegen, dann bedeutet das biologisch gesehen den Tod. Auch wir selbst müssen uns immer
wieder vorwärtsbewegen. Du könntest dich entscheiden, mit dem Atmen, Essen oder Trinken aufzuhören, aber dein Körper
würde das nicht lange mitmachen. Genauso verkümmern auch dein Glaube und dein Geist, wenn du aufhörst, dich zu bewegen. »Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte«, sagte Gustav Heinemann. Zuallererst führt Stillstand zu Rückbildungen.
Auch das Gehirn muss trainiert und immer wieder mit Neu-
em gefüttert werden. Wenn die Zellen nicht stimuliert werden, bleiben sie nicht einfach auf ihrem Leistungsniveau, sondern
bauen sich ab. Die gute Nachricht ist jedoch, dass ein menschliches Gehirn sogar nach einer Beschädigung durch richtige Stimulation wieder expandieren kann. Es ist so angelegt, dass
es lernen muss – ein Leben lang. Wenn wir es nicht benutzen, dann nehmen unsere geistigen Fähigkeiten ab. Use it or lose it!3
Meine Kinder haben von der Urgroßmutter eine Holzkuh
auf Rädern geerbt – ein Familienerbstück, das schon mehr als ein Jahrhundert auf dem Buckel hat. Die Kuh ist super erhalten
und man sieht ihr an, dass mit ihr nur ganz selten gespielt wurde, weil sie so wertvoll war. Meine Kinder hatten auch Freude 11
an der Kuh – aber sie wollten sie nicht nur anschauen, sondern
mit ihr herumfahren, was zur Folge hatte, dass der Kuh nach weniger als einer Woche schon ein Fuß und die Glocke fehl-
ten. Ich weiß nicht, was frustrierender ist: Der Gedanke, dass
die Spielzeug-Kuh nach über einem Jahrhundert in wenigen
Stunden von meinem Nachwuchs verstümmelt wurde, oder die
Tatsache, dass dieses Spielzeug wohl über hundert Jahre kaum
zum Spielen benutzt worden ist, weil es zu kostbar schien. Wir sollten es mit dem Hirn nicht wie mit dieser Kuh machen: Es ist
kein Museumsstück, das schön bleibt, weil man es wegschließt und auf keinen Fall gebraucht. Vielmehr bleibt es gut, gerade
weil man es einsetzt und gebraucht. Und mit gebrauchen meine ich vor allem, dass wir dazulernen und Neues ausprobieren – auch im Glauben. Gebrauchen wir den während Wochen oder
Monaten nicht, beginnt die »Glaubensmasse« zu schrumpfen.
Genau deshalb ist es zentral, dass wir ihn immer wieder an-
wenden, trainieren und aufbauen. Und das geschieht, indem
wir Neuland betreten. Indem wir uns bewusst Situationen aussetzen, in denen wir Gottes Zutun brauchen. Bei der Mystikerin Teresa von Ávila klingt das so: »Ich meine, dass es der
Liebe nicht möglich ist, irgendwo stehen zu bleiben. Wer nicht wächst, schrumpft.«
Der Wachstumsgedanke basiert auf dem simplen biblischen
Prinzip von Matthäus 25,14-30. Jesus erzählt hier die Geschichte von einem Mann, der auf Reisen ging und seinen Knechten
ihren Fähigkeiten entsprechend unterschiedlich hohe Geldbeträge (»Talente Silber«) anvertraute. Zwei davon vermehrten diese in seiner Abwesenheit, während einer sein Talent vergrub, um es bei der Rückkehr seines Chef wieder vorweisen zu
können. Dieser lobte die ersten beiden und beschenkte sie; den dritten bezeichnete er als »böse« und »faul« und nahm ihm das eine Talent noch weg.
12
Jesus spricht hier von Talenten als Gewichtseinheit. Letzt-
lich lässt es sich jedoch auf alle von Gott geschenkten Dinge
anwenden. Das können deine Fähigkeiten sein, aber auch dein
Charisma oder dein Glauben. Wenn du das, was dir als dein persönliches »Kapital« von Gott geschenkt worden ist, nicht an-
wendest und vermehrst, dann lebst du an deiner Bestimmung
vorbei. Du läufst Gefahr, am Ende genau das zu verlieren, was du vielleicht verzweifelt bewahren wolltest.
Viele Christen bewegen sich glaubensmäßig nicht in Neuland
hinein, weil sie entweder denken, dass Glaube etwas Unverän-
derliches ist, das man sich überstülpt, oder weil sie insgeheim große Angst haben, was das Unbekannte mit ihrem Glauben
machen könnte. Neuland kann an unserem Fundament rütteln und uns zwingen, Grundlegendes in unserem Glauben zu über-
denken, zu hinterfragen und neu zu sortieren. Aus Angst vor
dieser unsicheren und vielleicht unbequemen Situation begin-
nen viele unweigerlich, alles Andersartige, Fremde und Neue abzublocken – mit dem Resultat, dass sie genau das erreichen,
was sie eigentlich vermeiden wollten: das Verkümmern oder gar Absterben ihres Glaubens.
Wenn du deinen Glauben bewahren willst, dann darfst du
ihn nicht einbuddeln, bis er erstickt. Du musst ihn einsetzen, ihn sich vermehren lassen. Das geschieht, indem du dich im-
mer wieder in Bereiche und Situationen hineinwagst, in denen du dich voll und ganz auf Gott stützen musst. Und indem du
dich immer wieder mit Menschen umgibst, die dir in ihrer Art, wie sie mit Gott unterwegs sind, fremd sind. Denn so besteht
die Chance, dass du Gott auf neue Art und Weise erlebst. Nur
dort im Unbequemen und Unbekannten entdeckst du Seiten an Gott, die dir bis dahin völlig unbekannt waren – und es wird deinen Glauben weiten, ohne dass du dich sorgen musst, etwas zu verlieren. Du gewinnst vielmehr dazu. 13
Wann hast du das letzte Mal in deinem Leben Neuland betreten? Und wo war das in den letzten Wochen oder Monaten der Fall? Wo hast du etwas entdeckt, neu gelernt? Nimm dir einmal Zeit, je einen Lernschritt konkret zu benennen: Ich habe etwas Neues gelernt über 1. mich, 2. andere Menschen, 3. Gott.
Falls dir nichts in den Sinn kommt, solltest du unbedingt wei-
terlesen. Und falls dir etwas oder sogar mehrere Sachen eingefallen sind … auch. Es lohnt sich, sich auf diese Reise zu
begeben. Allein das Unterwegssein produziert in dir drin ganz
viel Neuland und ein Reisender kehrt nicht unverändert wieder nach Hause zurück. Neuland verändert dich.
TERRA INCOGNITA Wer nicht bereit ist, sich im Glauben auf Neuland einzulassen,
riskiert auch, den bisherigen Boden preisgeben zu müssen. Wer stehen bleibt und nicht mehr in seine Beziehung mit Gott inves-
tiert, wird bald auch mit Veränderungen um sich herum Mühe
bekommen – in der Kirche, im eigenen Leben und in der Begegnung mit anderen. Man ist nicht mehr eine Quelle »des lebendigen Wassers«, das andere bewässert und Wachstum schenkt.
14
WIDMUNG Dankbare Umarmungen gehen an Tamara, meine vier Mädels, Angi und Joni, Peter und Silke. Ohne euch gäbe es nicht wirklich viel Neuländisches hier zu lesen. Mögen die vorliegenden unter viel Schweiß entstandenen Zeilen auch dich innerlich aufwühlen, begeistern, herausfordern, inspirieren, bewegen und ab und zu zum Schwitzen bringen – vor allem aber die Sehnsucht nach einem neuländischen Inneren wecken.
INHALT
FANTASTISCH – Der Prolog .............................................. 8 Muskelmasse ........................................................................ 11 Terra Incognita .................................................................... 14 1 TRANSFORMATORISCH – Der neuländische Gott............ 18 Gott spricht neuländisch ..................................................... 19 Gott liebt neue Brillen .......................................................... 24 Gottes Neuland hört nie auf ................................................27 2 PANISCH – Die Angst vor Neuem ...................................... 32 Das sockenfressende Mümmelmonster ........................... 35 Der Angst-Lichtschalter ....................................................... 38 Die eklige Zahnpasta .......................................................... 41 Der biblische Horrorthriller ................................................. 45 Die angstfreie Zone ............................................................. 50 3 ELASTISCH – Der Weitmacher .......................................... 54 Das Gecko-Phänomen ....................................................... 56 Die Papierflieger-Botschaft ............................................... 61 Die Neuland-Himmelsrichtungen ..................................... 63 4 EPISCH – Das Gott-Neuland ............................................. 70 Der Klang des »Ich liebe dich!« ......................................... 73 Das große Geheimnis ......................................................... 76 Die Reise Gottes zu dir ....................................................... 78 Der Asaf-Weg ...................................................................... 82 Der heilige Ort in dir ........................................................... 86
5 KARDIOLOGISCH – Das Herz-Neuland........................... 90 Herzensreise ....................................................................... 93 Gottessicht ........................................................................... 97 Ovoausguss......................................................................... 100 Kindsein................................................................................ 104 Gottesglaube ...................................................................... 109 Identitätstrip ....................................................................... 112 Altmetall............................................................................... 116 6 ROMANTISCH – Das Beziehungs-Neuland .................... 122 Mit Gottes Augen sehen .................................................... 125 Das Handtuch halten ......................................................... 127 Dieselbe Sprache sprechen .............................................. 130 Den Beziehungsnerv freilegen ......................................... 134 7 IDYLLISCH – Das Einheits-Neuland ................................. 140 Der Schlüssel für Einheit .................................................... 145 Der Krieg ist vorbei............................................................. 152 8 KÄMPFERISCH – Das Welt-Neuland ................................ 158 Die Friedensstifter-Aufgabe ............................................. 162 Das Osterinsel-Drama ..................................................... 166 9 MAGISCH – Der neuländische Spirit ............................... 170 Versöhn dich mit dir selbst ................................................ 173 Bleibe lernbereit ................................................................ 178 Konzentrier dich auf das Richtige .................................... 183 Durchquer die Wüste ........................................................ 188 Jag das Unsichtbare........................................................... 193
10 STRATEGISCH – Nimm dein Neuland ein .................... 202 Die Jericho-Geduld .......................................................... 203 Die Ai-List ........................................................................... 205 Die Sichem-Rutsche.......................................................... 208 Die Amoriter-Wunder ...................................................... 209 Die Abhängigkeits-Strategie ............................................ 2 1 2 11 PRAKTISCH – Schritte ins Neuland................................ 216 Deck das Dach ab ............................................................ 219 Mach dein Bett selber ..................................................... 221 Komm heraus..................................................................... 227 12 HIMMLISCH – Im Neuland leben .................................. 232 Am Neuland dranbleiben ................................................. 234 Sich der Wahrheit verschreiben ....................................... 239 Mit dem Horizont-Blick leben .......................................... 245 Dem Wasser folgen ............................................................ 250 FUTURISTISCH – Der Epilog .............................................. 254 Eine neuländische Entscheidung ..................................... 262 FAKTISCH – Die Anmerkungen ........................................... 266
»Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein riesiger Sprung für die Menschheit.« Mit diesem markigen Satz setzte Neil Armstrong am 21. Juli 1969 als erster Mensch einen Fuß auf den Mond. Man mag denken, dass dieser bedeutende
Schritt überhaupt nichts mit einem zu tun hat. Und liegt da-
mit völlig daneben. Der Raumfahrt werden eine schier endlose
Liste von Erfindungen und Weiterentwicklungen zugeschrieben: Schaumstoff, natürlicher Zusatz für Säuglingsnahrungen,
durchsichtige Zahnspangen, Ohr-Fiebermesser, Sonnenbrillen-
gläser, Akkuwerkzeug, Rauchmelder, kratzfeste Gläser, präzise GPS-Systeme, digitale Bildsensoren für Kameras, Flugzeugoptimierungen, Areodynamik-Designs bei LKWs, Dämpfungen bei
Gebäuden und Brücken, internationales Rettungssystem etc.1
Vieles davon beeinflusst unseren Alltag direkt oder indirekt.
Wie sähe dein Leben aus, wenn vor dir Menschen nicht im-
mer wieder mutig Neuland betreten hätten? Ohne Entdeckerin-
nen und Abenteurer würden nicht nur Gewürze in deiner Küche fehlen. Es wäre so ziemlich alles weg, auf dem dein Leben
aufbaut und das es so angenehm macht. Wir stehen auf den Schultern von Neuland-Gängerinnen und Neuland-Reisenden der Vergangenheit. Und: Wir selber brauchen immer wieder Neuland!
Ich beobachte bei Menschen zwei Entwicklungsrichtungen,
was den persönlichen Glauben betrifft: Entweder wir werden unterwegs durchs Leben »geistlich fitter« oder aber »geistlos bitter«. Mich inspirieren all jene, die mit zunehmendem Alter zu einem tiefen Glauben und einem weiten Herz gefunden und
die eine Gelassenheit, eine »Altersgroßzügigkeit« entwickelt
haben. In ihnen wummert ein »neuländischer« Spirit, weil sie nie aufgehört haben, Neuland zu betreten.
Es ist heikel, dem Gedanken zu verfallen, dass Gott mit uns,
unserer Persönlichkeit und unserem Glauben irgendwann fer9
tig ist. Er hat das Leben als Abenteuer konzipiert, in dem wir an der Seite von Jesus immer wieder von Gott vorbereitetes Neuland entdecken sollen und dürfen.
Dein Glaube gehört nicht in eine sauber abgemessene Box,
die du bis zum Lebensende abgeschlossen verstaust, sondern muss sich frei immer weiter entwickeln können.
Wir brauchen mehr denn je diese mutigen Menschen, die
aktiv nach diesem weit werdenden Glauben suchen. Die nicht nur nett glauben, sondern herzhaft nachfolgen. Die nicht nur
rückwärtsgewandt leben, sondern sich nach vorne orientieren und diese neuländische Art zu denken, zu handeln, zu fühlen
und zu glauben, selbst leben und ansteckend weiterverbreiten.
»Neuländisch« möchte die abgestumpfte Neugierde stimulieren und die totgelebte Sehnsucht wiederbeleben.
Ich habe das Buch im Bündnerland begonnen und hier in
der Region Zürich fertiggeschrieben, wo wir eigentlich nicht hinwollten, Gott uns aber hingeführt hat. Noch immer weint
ein Auge über den Wegzug, aber das andere strahlt voller Vor-
freude auf das, was Gott mit uns am neuen Ort vorhat. Denn was er für uns vorbereitet hat, ist immer gut – nicht immer einfach und nicht immer angenehm, aber immer gut und richtig. Und weil es sich dermaßen richtig anfühlt, erfüllt mich dieser
berühmte und so oft ersehnte innere Friede. Ich bin mitten im Neuland. Prickelnd unangenehm. Aber genau da, wo ich sein
möchte, weil ich hier hingehöre. Und weil es meinen neuländischen Geist nährt. Bist du bereit, dich zu bewegen? Bereit für Neuland? »Das Leben ist entweder ein großes Abenteuer oder nichts«, hat die taub-blinde Schriftstellerin Helen Keller festgehalten. Das Abenteuer erwartet dich!
10
MUSKELMASSE Es gibt ein universelles Lebenskonzept: Was sich nicht bewegt, stirbt. Unser Herzmuskel erinnert uns mit jedem einzelnen
Pulsschlag daran. Gerade kürzlich bin ich über einen asketischen Inder gestolpert (also nicht vor der Haustür, sondern on-
line), der über Jahre einen Arm in die Luft streckte, bis dieser tatsächlich abstarb und sich nicht mehr bewegen ließ.2 Unbe-
wegtes stirbt. Wenn in einem System Gleichgewicht herrscht –
was biologische Systeme natürlicherweise anstreben – und sich
die Moleküle darin nicht mehr bewegen, dann bedeutet das biologisch gesehen den Tod. Auch wir selbst müssen uns immer
wieder vorwärtsbewegen. Du könntest dich entscheiden, mit dem Atmen, Essen oder Trinken aufzuhören, aber dein Körper
würde das nicht lange mitmachen. Genauso verkümmern auch dein Glaube und dein Geist, wenn du aufhörst, dich zu bewegen. »Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte«, sagte Gustav Heinemann. Zuallererst führt Stillstand zu Rückbildungen.
Auch das Gehirn muss trainiert und immer wieder mit Neu-
em gefüttert werden. Wenn die Zellen nicht stimuliert werden, bleiben sie nicht einfach auf ihrem Leistungsniveau, sondern
bauen sich ab. Die gute Nachricht ist jedoch, dass ein menschliches Gehirn sogar nach einer Beschädigung durch richtige Stimulation wieder expandieren kann. Es ist so angelegt, dass
es lernen muss – ein Leben lang. Wenn wir es nicht benutzen, dann nehmen unsere geistigen Fähigkeiten ab. Use it or lose it!3
Meine Kinder haben von der Urgroßmutter eine Holzkuh
auf Rädern geerbt – ein Familienerbstück, das schon mehr als ein Jahrhundert auf dem Buckel hat. Die Kuh ist super erhalten
und man sieht ihr an, dass mit ihr nur ganz selten gespielt wurde, weil sie so wertvoll war. Meine Kinder hatten auch Freude 11
an der Kuh – aber sie wollten sie nicht nur anschauen, sondern
mit ihr herumfahren, was zur Folge hatte, dass der Kuh nach weniger als einer Woche schon ein Fuß und die Glocke fehl-
ten. Ich weiß nicht, was frustrierender ist: Der Gedanke, dass
die Spielzeug-Kuh nach über einem Jahrhundert in wenigen
Stunden von meinem Nachwuchs verstümmelt wurde, oder die
Tatsache, dass dieses Spielzeug wohl über hundert Jahre kaum
zum Spielen benutzt worden ist, weil es zu kostbar schien. Wir sollten es mit dem Hirn nicht wie mit dieser Kuh machen: Es ist
kein Museumsstück, das schön bleibt, weil man es wegschließt und auf keinen Fall gebraucht. Vielmehr bleibt es gut, gerade
weil man es einsetzt und gebraucht. Und mit gebrauchen meine ich vor allem, dass wir dazulernen und Neues ausprobieren – auch im Glauben. Gebrauchen wir den während Wochen oder
Monaten nicht, beginnt die »Glaubensmasse« zu schrumpfen.
Genau deshalb ist es zentral, dass wir ihn immer wieder an-
wenden, trainieren und aufbauen. Und das geschieht, indem
wir Neuland betreten. Indem wir uns bewusst Situationen aussetzen, in denen wir Gottes Zutun brauchen. Bei der Mystikerin Teresa von Ávila klingt das so: »Ich meine, dass es der
Liebe nicht möglich ist, irgendwo stehen zu bleiben. Wer nicht wächst, schrumpft.«
Der Wachstumsgedanke basiert auf dem simplen biblischen
Prinzip von Matthäus 25,14-30. Jesus erzählt hier die Geschichte von einem Mann, der auf Reisen ging und seinen Knechten
ihren Fähigkeiten entsprechend unterschiedlich hohe Geldbeträge (»Talente Silber«) anvertraute. Zwei davon vermehrten diese in seiner Abwesenheit, während einer sein Talent vergrub, um es bei der Rückkehr seines Chef wieder vorweisen zu
können. Dieser lobte die ersten beiden und beschenkte sie; den dritten bezeichnete er als »böse« und »faul« und nahm ihm das eine Talent noch weg.
12
Jesus spricht hier von Talenten als Gewichtseinheit. Letzt-
lich lässt es sich jedoch auf alle von Gott geschenkten Dinge
anwenden. Das können deine Fähigkeiten sein, aber auch dein
Charisma oder dein Glauben. Wenn du das, was dir als dein persönliches »Kapital« von Gott geschenkt worden ist, nicht an-
wendest und vermehrst, dann lebst du an deiner Bestimmung
vorbei. Du läufst Gefahr, am Ende genau das zu verlieren, was du vielleicht verzweifelt bewahren wolltest.
Viele Christen bewegen sich glaubensmäßig nicht in Neuland
hinein, weil sie entweder denken, dass Glaube etwas Unverän-
derliches ist, das man sich überstülpt, oder weil sie insgeheim große Angst haben, was das Unbekannte mit ihrem Glauben
machen könnte. Neuland kann an unserem Fundament rütteln und uns zwingen, Grundlegendes in unserem Glauben zu über-
denken, zu hinterfragen und neu zu sortieren. Aus Angst vor
dieser unsicheren und vielleicht unbequemen Situation begin-
nen viele unweigerlich, alles Andersartige, Fremde und Neue abzublocken – mit dem Resultat, dass sie genau das erreichen,
was sie eigentlich vermeiden wollten: das Verkümmern oder gar Absterben ihres Glaubens.
Wenn du deinen Glauben bewahren willst, dann darfst du
ihn nicht einbuddeln, bis er erstickt. Du musst ihn einsetzen, ihn sich vermehren lassen. Das geschieht, indem du dich im-
mer wieder in Bereiche und Situationen hineinwagst, in denen du dich voll und ganz auf Gott stützen musst. Und indem du
dich immer wieder mit Menschen umgibst, die dir in ihrer Art, wie sie mit Gott unterwegs sind, fremd sind. Denn so besteht
die Chance, dass du Gott auf neue Art und Weise erlebst. Nur
dort im Unbequemen und Unbekannten entdeckst du Seiten an Gott, die dir bis dahin völlig unbekannt waren – und es wird deinen Glauben weiten, ohne dass du dich sorgen musst, etwas zu verlieren. Du gewinnst vielmehr dazu. 13
Wann hast du das letzte Mal in deinem Leben Neuland betreten? Und wo war das in den letzten Wochen oder Monaten der Fall? Wo hast du etwas entdeckt, neu gelernt? Nimm dir einmal Zeit, je einen Lernschritt konkret zu benennen: Ich habe etwas Neues gelernt über 1. mich, 2. andere Menschen, 3. Gott.
Falls dir nichts in den Sinn kommt, solltest du unbedingt wei-
terlesen. Und falls dir etwas oder sogar mehrere Sachen eingefallen sind … auch. Es lohnt sich, sich auf diese Reise zu
begeben. Allein das Unterwegssein produziert in dir drin ganz
viel Neuland und ein Reisender kehrt nicht unverändert wieder nach Hause zurück. Neuland verändert dich.
TERRA INCOGNITA Wer nicht bereit ist, sich im Glauben auf Neuland einzulassen,
riskiert auch, den bisherigen Boden preisgeben zu müssen. Wer stehen bleibt und nicht mehr in seine Beziehung mit Gott inves-
tiert, wird bald auch mit Veränderungen um sich herum Mühe
bekommen – in der Kirche, im eigenen Leben und in der Begegnung mit anderen. Man ist nicht mehr eine Quelle »des lebendigen Wassers«, das andere bewässert und Wachstum schenkt.
14
SCM Hänssler ist ein Imprint der SCM Verlagsgruppe, die zur Stiftung Christliche Medien gehört, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für die Förderung und Verbreitung christlicher Bücher, Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt.
© 2018 SCM Hänssler in der SCM Verlagsgruppe GmbH Max-Eyth-Straße 41 · 71088 Holzgerlingen Internet: www.scm-haenssler.de; E-Mail: info@scm-haenssler.de Die Bibelverse wurden, soweit nicht anders angegeben, folgenden Ausgaben entnommen: Neues Testament und Psalmen: Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung. Copyright © 2009 Genfer Bibelgesellschaft, CH-1204 Genf. Wiedergegeben mit der freundlichen Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten. Altes Testament Lutherbibel, revidiert 2017 © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. Weiter wurden verwendet: Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002 und 2006 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlingen. (NLB) Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlingen. (ELB) Hoffnung für alle ® Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis - Brunnen Basel. (HFA) Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, © 1980 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart. (EIN) Gesamtgestaltung: Kathrin Spiegelberg, Weil im Schönbuch Collage Titelbilder: Profil Andreas Boppart: Joel Waldvogel, Landschaft: Eutah Mizushima, Sternenhimmel: Dino Reichmut Druck und Verarbeitung: Druck und Verarbeitung: GGP Media GmbH, Pößneck Gedruckt in Deutschland ISBN 978-3-7751-5797-1 Bestell-Nr. 395.797
SCM Hänssler ist ein Imprint der SCM Verlagsgruppe, die zur Stiftung Christliche Medien gehört, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für die Förderung und Verbreitung christlicher Bücher, Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt.
© 2018 SCM Hänssler in der SCM Verlagsgruppe GmbH Max-Eyth-Straße 41 · 71088 Holzgerlingen Internet: www.scm-haenssler.de; E-Mail: info@scm-haenssler.de Die Bibelverse wurden, soweit nicht anders angegeben, folgenden Ausgaben entnommen: Neues Testament und Psalmen: Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung. Copyright © 2009 Genfer Bibelgesellschaft, CH-1204 Genf. Wiedergegeben mit der freundlichen Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten. Altes Testament Lutherbibel, revidiert 2017 © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. Weiter wurden verwendet: Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002 und 2006 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlingen. (NLB) Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlingen. (ELB) Hoffnung für alle ® Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis - Brunnen Basel. (HFA) Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, © 1980 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart. (EIN) Gesamtgestaltung: Kathrin Spiegelberg, Weil im Schönbuch Collage Titelbilder: Profil Andreas Boppart: Joel Waldvogel, Landschaft: Eutah Mizushima, Sternenhimmel: Dino Reichmut Druck und Verarbeitung: Druck und Verarbeitung: GGP Media GmbH, Pößneck Gedruckt in Deutschland ISBN 978-3-7751-5797-1 Bestell-Nr. 395.797
WIDMUNG Dankbare Umarmungen gehen an Tamara, meine vier Mädels, Angi und Joni, Peter und Silke. Ohne euch gäbe es nicht wirklich viel Neuländisches hier zu lesen. Mögen die vorliegenden unter viel Schweiß entstandenen Zeilen auch dich innerlich aufwühlen, begeistern, herausfordern, inspirieren, bewegen und ab und zu zum Schwitzen bringen – vor allem aber die Sehnsucht nach einem neuländischen Inneren wecken.
INHALT
FANTASTISCH – Der Prolog .............................................. 8 Muskelmasse ........................................................................ 11 Terra Incognita .................................................................... 14 1 TRANSFORMATORISCH – Der neuländische Gott............ 18 Gott spricht neuländisch ..................................................... 19 Gott liebt neue Brillen .......................................................... 24 Gottes Neuland hört nie auf ................................................27 2 PANISCH – Die Angst vor Neuem ...................................... 32 Das sockenfressende Mümmelmonster ........................... 35 Der Angst-Lichtschalter ....................................................... 38 Die eklige Zahnpasta .......................................................... 41 Der biblische Horrorthriller ................................................. 45 Die angstfreie Zone ............................................................. 50 3 ELASTISCH – Der Weitmacher .......................................... 54 Das Gecko-Phänomen ....................................................... 56 Die Papierflieger-Botschaft ............................................... 61 Die Neuland-Himmelsrichtungen ..................................... 63 4 EPISCH – Das Gott-Neuland ............................................. 70 Der Klang des »Ich liebe dich!« ......................................... 73 Das große Geheimnis ......................................................... 76 Die Reise Gottes zu dir ....................................................... 78 Der Asaf-Weg ...................................................................... 82 Der heilige Ort in dir ........................................................... 86
5 KARDIOLOGISCH – Das Herz-Neuland........................... 90 Herzensreise ....................................................................... 93 Gottessicht ........................................................................... 97 Ovoausguss......................................................................... 100 Kindsein................................................................................ 104 Gottesglaube ...................................................................... 109 Identitätstrip ....................................................................... 112 Altmetall............................................................................... 116 6 ROMANTISCH – Das Beziehungs-Neuland .................... 122 Mit Gottes Augen sehen .................................................... 125 Das Handtuch halten ......................................................... 127 Dieselbe Sprache sprechen .............................................. 130 Den Beziehungsnerv freilegen ......................................... 134 7 IDYLLISCH – Das Einheits-Neuland ................................. 140 Der Schlüssel für Einheit .................................................... 145 Der Krieg ist vorbei............................................................. 152 8 KÄMPFERISCH – Das Welt-Neuland ................................ 158 Die Friedensstifter-Aufgabe ............................................. 162 Das Osterinsel-Drama ..................................................... 166 9 MAGISCH – Der neuländische Spirit ............................... 170 Versöhn dich mit dir selbst ................................................ 173 Bleibe lernbereit ................................................................ 178 Konzentrier dich auf das Richtige .................................... 183 Durchquer die Wüste ........................................................ 188 Jag das Unsichtbare........................................................... 193
10 STRATEGISCH – Nimm dein Neuland ein .................... 202 Die Jericho-Geduld .......................................................... 203 Die Ai-List ........................................................................... 205 Die Sichem-Rutsche.......................................................... 208 Die Amoriter-Wunder ...................................................... 209 Die Abhängigkeits-Strategie ............................................ 2 1 2 11 PRAKTISCH – Schritte ins Neuland................................ 216 Deck das Dach ab ............................................................ 219 Mach dein Bett selber ..................................................... 221 Komm heraus..................................................................... 227 12 HIMMLISCH – Im Neuland leben .................................. 232 Am Neuland dranbleiben ................................................. 234 Sich der Wahrheit verschreiben ....................................... 239 Mit dem Horizont-Blick leben .......................................... 245 Dem Wasser folgen ............................................................ 250 FUTURISTISCH – Der Epilog .............................................. 254 Eine neuländische Entscheidung ..................................... 262 FAKTISCH – Die Anmerkungen ........................................... 266
»Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein riesiger Sprung für die Menschheit.« Mit diesem markigen Satz setzte Neil Armstrong am 21. Juli 1969 als erster Mensch einen Fuß auf den Mond. Man mag denken, dass dieser bedeutende
Schritt überhaupt nichts mit einem zu tun hat. Und liegt da-
mit völlig daneben. Der Raumfahrt werden eine schier endlose
Liste von Erfindungen und Weiterentwicklungen zugeschrieben: Schaumstoff, natürlicher Zusatz für Säuglingsnahrungen,
durchsichtige Zahnspangen, Ohr-Fiebermesser, Sonnenbrillen-
gläser, Akkuwerkzeug, Rauchmelder, kratzfeste Gläser, präzise GPS-Systeme, digitale Bildsensoren für Kameras, Flugzeugoptimierungen, Areodynamik-Designs bei LKWs, Dämpfungen bei
Gebäuden und Brücken, internationales Rettungssystem etc.1
Vieles davon beeinflusst unseren Alltag direkt oder indirekt.
Wie sähe dein Leben aus, wenn vor dir Menschen nicht im-
mer wieder mutig Neuland betreten hätten? Ohne Entdeckerin-
nen und Abenteurer würden nicht nur Gewürze in deiner Küche fehlen. Es wäre so ziemlich alles weg, auf dem dein Leben
aufbaut und das es so angenehm macht. Wir stehen auf den Schultern von Neuland-Gängerinnen und Neuland-Reisenden der Vergangenheit. Und: Wir selber brauchen immer wieder Neuland!
Ich beobachte bei Menschen zwei Entwicklungsrichtungen,
was den persönlichen Glauben betrifft: Entweder wir werden unterwegs durchs Leben »geistlich fitter« oder aber »geistlos bitter«. Mich inspirieren all jene, die mit zunehmendem Alter zu einem tiefen Glauben und einem weiten Herz gefunden und
die eine Gelassenheit, eine »Altersgroßzügigkeit« entwickelt
haben. In ihnen wummert ein »neuländischer« Spirit, weil sie nie aufgehört haben, Neuland zu betreten.
Es ist heikel, dem Gedanken zu verfallen, dass Gott mit uns,
unserer Persönlichkeit und unserem Glauben irgendwann fer9
tig ist. Er hat das Leben als Abenteuer konzipiert, in dem wir an der Seite von Jesus immer wieder von Gott vorbereitetes Neuland entdecken sollen und dürfen.
Dein Glaube gehört nicht in eine sauber abgemessene Box,
die du bis zum Lebensende abgeschlossen verstaust, sondern muss sich frei immer weiter entwickeln können.
Wir brauchen mehr denn je diese mutigen Menschen, die
aktiv nach diesem weit werdenden Glauben suchen. Die nicht nur nett glauben, sondern herzhaft nachfolgen. Die nicht nur
rückwärtsgewandt leben, sondern sich nach vorne orientieren und diese neuländische Art zu denken, zu handeln, zu fühlen
und zu glauben, selbst leben und ansteckend weiterverbreiten.
»Neuländisch« möchte die abgestumpfte Neugierde stimulieren und die totgelebte Sehnsucht wiederbeleben.
Ich habe das Buch im Bündnerland begonnen und hier in
der Region Zürich fertiggeschrieben, wo wir eigentlich nicht hinwollten, Gott uns aber hingeführt hat. Noch immer weint
ein Auge über den Wegzug, aber das andere strahlt voller Vor-
freude auf das, was Gott mit uns am neuen Ort vorhat. Denn was er für uns vorbereitet hat, ist immer gut – nicht immer einfach und nicht immer angenehm, aber immer gut und richtig. Und weil es sich dermaßen richtig anfühlt, erfüllt mich dieser
berühmte und so oft ersehnte innere Friede. Ich bin mitten im Neuland. Prickelnd unangenehm. Aber genau da, wo ich sein
möchte, weil ich hier hingehöre. Und weil es meinen neuländischen Geist nährt. Bist du bereit, dich zu bewegen? Bereit für Neuland? »Das Leben ist entweder ein großes Abenteuer oder nichts«, hat die taub-blinde Schriftstellerin Helen Keller festgehalten. Das Abenteuer erwartet dich!
10
MUSKELMASSE Es gibt ein universelles Lebenskonzept: Was sich nicht bewegt, stirbt. Unser Herzmuskel erinnert uns mit jedem einzelnen
Pulsschlag daran. Gerade kürzlich bin ich über einen asketischen Inder gestolpert (also nicht vor der Haustür, sondern on-
line), der über Jahre einen Arm in die Luft streckte, bis dieser tatsächlich abstarb und sich nicht mehr bewegen ließ.2 Unbe-
wegtes stirbt. Wenn in einem System Gleichgewicht herrscht –
was biologische Systeme natürlicherweise anstreben – und sich
die Moleküle darin nicht mehr bewegen, dann bedeutet das biologisch gesehen den Tod. Auch wir selbst müssen uns immer
wieder vorwärtsbewegen. Du könntest dich entscheiden, mit dem Atmen, Essen oder Trinken aufzuhören, aber dein Körper
würde das nicht lange mitmachen. Genauso verkümmern auch dein Glaube und dein Geist, wenn du aufhörst, dich zu bewegen. »Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte«, sagte Gustav Heinemann. Zuallererst führt Stillstand zu Rückbildungen.
Auch das Gehirn muss trainiert und immer wieder mit Neu-
em gefüttert werden. Wenn die Zellen nicht stimuliert werden, bleiben sie nicht einfach auf ihrem Leistungsniveau, sondern
bauen sich ab. Die gute Nachricht ist jedoch, dass ein menschliches Gehirn sogar nach einer Beschädigung durch richtige Stimulation wieder expandieren kann. Es ist so angelegt, dass
es lernen muss – ein Leben lang. Wenn wir es nicht benutzen, dann nehmen unsere geistigen Fähigkeiten ab. Use it or lose it!3
Meine Kinder haben von der Urgroßmutter eine Holzkuh
auf Rädern geerbt – ein Familienerbstück, das schon mehr als ein Jahrhundert auf dem Buckel hat. Die Kuh ist super erhalten
und man sieht ihr an, dass mit ihr nur ganz selten gespielt wurde, weil sie so wertvoll war. Meine Kinder hatten auch Freude 11
an der Kuh – aber sie wollten sie nicht nur anschauen, sondern
mit ihr herumfahren, was zur Folge hatte, dass der Kuh nach weniger als einer Woche schon ein Fuß und die Glocke fehl-
ten. Ich weiß nicht, was frustrierender ist: Der Gedanke, dass
die Spielzeug-Kuh nach über einem Jahrhundert in wenigen
Stunden von meinem Nachwuchs verstümmelt wurde, oder die
Tatsache, dass dieses Spielzeug wohl über hundert Jahre kaum
zum Spielen benutzt worden ist, weil es zu kostbar schien. Wir sollten es mit dem Hirn nicht wie mit dieser Kuh machen: Es ist
kein Museumsstück, das schön bleibt, weil man es wegschließt und auf keinen Fall gebraucht. Vielmehr bleibt es gut, gerade
weil man es einsetzt und gebraucht. Und mit gebrauchen meine ich vor allem, dass wir dazulernen und Neues ausprobieren – auch im Glauben. Gebrauchen wir den während Wochen oder
Monaten nicht, beginnt die »Glaubensmasse« zu schrumpfen.
Genau deshalb ist es zentral, dass wir ihn immer wieder an-
wenden, trainieren und aufbauen. Und das geschieht, indem
wir Neuland betreten. Indem wir uns bewusst Situationen aussetzen, in denen wir Gottes Zutun brauchen. Bei der Mystikerin Teresa von Ávila klingt das so: »Ich meine, dass es der
Liebe nicht möglich ist, irgendwo stehen zu bleiben. Wer nicht wächst, schrumpft.«
Der Wachstumsgedanke basiert auf dem simplen biblischen
Prinzip von Matthäus 25,14-30. Jesus erzählt hier die Geschichte von einem Mann, der auf Reisen ging und seinen Knechten
ihren Fähigkeiten entsprechend unterschiedlich hohe Geldbeträge (»Talente Silber«) anvertraute. Zwei davon vermehrten diese in seiner Abwesenheit, während einer sein Talent vergrub, um es bei der Rückkehr seines Chef wieder vorweisen zu
können. Dieser lobte die ersten beiden und beschenkte sie; den dritten bezeichnete er als »böse« und »faul« und nahm ihm das eine Talent noch weg.
12
Jesus spricht hier von Talenten als Gewichtseinheit. Letzt-
lich lässt es sich jedoch auf alle von Gott geschenkten Dinge
anwenden. Das können deine Fähigkeiten sein, aber auch dein
Charisma oder dein Glauben. Wenn du das, was dir als dein persönliches »Kapital« von Gott geschenkt worden ist, nicht an-
wendest und vermehrst, dann lebst du an deiner Bestimmung
vorbei. Du läufst Gefahr, am Ende genau das zu verlieren, was du vielleicht verzweifelt bewahren wolltest.
Viele Christen bewegen sich glaubensmäßig nicht in Neuland
hinein, weil sie entweder denken, dass Glaube etwas Unverän-
derliches ist, das man sich überstülpt, oder weil sie insgeheim große Angst haben, was das Unbekannte mit ihrem Glauben
machen könnte. Neuland kann an unserem Fundament rütteln und uns zwingen, Grundlegendes in unserem Glauben zu über-
denken, zu hinterfragen und neu zu sortieren. Aus Angst vor
dieser unsicheren und vielleicht unbequemen Situation begin-
nen viele unweigerlich, alles Andersartige, Fremde und Neue abzublocken – mit dem Resultat, dass sie genau das erreichen,
was sie eigentlich vermeiden wollten: das Verkümmern oder gar Absterben ihres Glaubens.
Wenn du deinen Glauben bewahren willst, dann darfst du
ihn nicht einbuddeln, bis er erstickt. Du musst ihn einsetzen, ihn sich vermehren lassen. Das geschieht, indem du dich im-
mer wieder in Bereiche und Situationen hineinwagst, in denen du dich voll und ganz auf Gott stützen musst. Und indem du
dich immer wieder mit Menschen umgibst, die dir in ihrer Art, wie sie mit Gott unterwegs sind, fremd sind. Denn so besteht
die Chance, dass du Gott auf neue Art und Weise erlebst. Nur
dort im Unbequemen und Unbekannten entdeckst du Seiten an Gott, die dir bis dahin völlig unbekannt waren – und es wird deinen Glauben weiten, ohne dass du dich sorgen musst, etwas zu verlieren. Du gewinnst vielmehr dazu. 13
Wann hast du das letzte Mal in deinem Leben Neuland betreten? Und wo war das in den letzten Wochen oder Monaten der Fall? Wo hast du etwas entdeckt, neu gelernt? Nimm dir einmal Zeit, je einen Lernschritt konkret zu benennen: Ich habe etwas Neues gelernt über 1. mich, 2. andere Menschen, 3. Gott.
Falls dir nichts in den Sinn kommt, solltest du unbedingt wei-
terlesen. Und falls dir etwas oder sogar mehrere Sachen eingefallen sind … auch. Es lohnt sich, sich auf diese Reise zu
begeben. Allein das Unterwegssein produziert in dir drin ganz
viel Neuland und ein Reisender kehrt nicht unverändert wieder nach Hause zurück. Neuland verändert dich.
TERRA INCOGNITA Wer nicht bereit ist, sich im Glauben auf Neuland einzulassen,
riskiert auch, den bisherigen Boden preisgeben zu müssen. Wer stehen bleibt und nicht mehr in seine Beziehung mit Gott inves-
tiert, wird bald auch mit Veränderungen um sich herum Mühe
bekommen – in der Kirche, im eigenen Leben und in der Begegnung mit anderen. Man ist nicht mehr eine Quelle »des lebendigen Wassers«, das andere bewässert und Wachstum schenkt.
14
WIDMUNG Dankbare Umarmungen gehen an Tamara, meine vier Mädels, Angi und Joni, Peter und Silke. Ohne euch gäbe es nicht wirklich viel Neuländisches hier zu lesen. Mögen die vorliegenden unter viel Schweiß entstandenen Zeilen auch dich innerlich aufwühlen, begeistern, herausfordern, inspirieren, bewegen und ab und zu zum Schwitzen bringen – vor allem aber die Sehnsucht nach einem neuländischen Inneren wecken.
INHALT
FANTASTISCH – Der Prolog .............................................. 8 Muskelmasse ........................................................................ 11 Terra Incognita .................................................................... 14 1 TRANSFORMATORISCH – Der neuländische Gott............ 18 Gott spricht neuländisch ..................................................... 19 Gott liebt neue Brillen .......................................................... 24 Gottes Neuland hört nie auf ................................................27 2 PANISCH – Die Angst vor Neuem ...................................... 32 Das sockenfressende Mümmelmonster ........................... 35 Der Angst-Lichtschalter ....................................................... 38 Die eklige Zahnpasta .......................................................... 41 Der biblische Horrorthriller ................................................. 45 Die angstfreie Zone ............................................................. 50 3 ELASTISCH – Der Weitmacher .......................................... 54 Das Gecko-Phänomen ....................................................... 56 Die Papierflieger-Botschaft ............................................... 61 Die Neuland-Himmelsrichtungen ..................................... 63 4 EPISCH – Das Gott-Neuland ............................................. 70 Der Klang des »Ich liebe dich!« ......................................... 73 Das große Geheimnis ......................................................... 76 Die Reise Gottes zu dir ....................................................... 78 Der Asaf-Weg ...................................................................... 82 Der heilige Ort in dir ........................................................... 86
5 KARDIOLOGISCH – Das Herz-Neuland........................... 90 Herzensreise ....................................................................... 93 Gottessicht ........................................................................... 97 Ovoausguss......................................................................... 100 Kindsein................................................................................ 104 Gottesglaube ...................................................................... 109 Identitätstrip ....................................................................... 112 Altmetall............................................................................... 116 6 ROMANTISCH – Das Beziehungs-Neuland .................... 122 Mit Gottes Augen sehen .................................................... 125 Das Handtuch halten ......................................................... 127 Dieselbe Sprache sprechen .............................................. 130 Den Beziehungsnerv freilegen ......................................... 134 7 IDYLLISCH – Das Einheits-Neuland ................................. 140 Der Schlüssel für Einheit .................................................... 145 Der Krieg ist vorbei............................................................. 152 8 KÄMPFERISCH – Das Welt-Neuland ................................ 158 Die Friedensstifter-Aufgabe ............................................. 162 Das Osterinsel-Drama ..................................................... 166 9 MAGISCH – Der neuländische Spirit ............................... 170 Versöhn dich mit dir selbst ................................................ 173 Bleibe lernbereit ................................................................ 178 Konzentrier dich auf das Richtige .................................... 183 Durchquer die Wüste ........................................................ 188 Jag das Unsichtbare........................................................... 193
10 STRATEGISCH – Nimm dein Neuland ein .................... 202 Die Jericho-Geduld .......................................................... 203 Die Ai-List ........................................................................... 205 Die Sichem-Rutsche.......................................................... 208 Die Amoriter-Wunder ...................................................... 209 Die Abhängigkeits-Strategie ............................................ 2 1 2 11 PRAKTISCH – Schritte ins Neuland................................ 216 Deck das Dach ab ............................................................ 219 Mach dein Bett selber ..................................................... 221 Komm heraus..................................................................... 227 12 HIMMLISCH – Im Neuland leben .................................. 232 Am Neuland dranbleiben ................................................. 234 Sich der Wahrheit verschreiben ....................................... 239 Mit dem Horizont-Blick leben .......................................... 245 Dem Wasser folgen ............................................................ 250 FUTURISTISCH – Der Epilog .............................................. 254 Eine neuländische Entscheidung ..................................... 262 FAKTISCH – Die Anmerkungen ........................................... 266
»Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein riesiger Sprung für die Menschheit.« Mit diesem markigen Satz setzte Neil Armstrong am 21. Juli 1969 als erster Mensch einen Fuß auf den Mond. Man mag denken, dass dieser bedeutende
Schritt überhaupt nichts mit einem zu tun hat. Und liegt da-
mit völlig daneben. Der Raumfahrt werden eine schier endlose
Liste von Erfindungen und Weiterentwicklungen zugeschrieben: Schaumstoff, natürlicher Zusatz für Säuglingsnahrungen,
durchsichtige Zahnspangen, Ohr-Fiebermesser, Sonnenbrillen-
gläser, Akkuwerkzeug, Rauchmelder, kratzfeste Gläser, präzise GPS-Systeme, digitale Bildsensoren für Kameras, Flugzeugoptimierungen, Areodynamik-Designs bei LKWs, Dämpfungen bei
Gebäuden und Brücken, internationales Rettungssystem etc.1
Vieles davon beeinflusst unseren Alltag direkt oder indirekt.
Wie sähe dein Leben aus, wenn vor dir Menschen nicht im-
mer wieder mutig Neuland betreten hätten? Ohne Entdeckerin-
nen und Abenteurer würden nicht nur Gewürze in deiner Küche fehlen. Es wäre so ziemlich alles weg, auf dem dein Leben
aufbaut und das es so angenehm macht. Wir stehen auf den Schultern von Neuland-Gängerinnen und Neuland-Reisenden der Vergangenheit. Und: Wir selber brauchen immer wieder Neuland!
Ich beobachte bei Menschen zwei Entwicklungsrichtungen,
was den persönlichen Glauben betrifft: Entweder wir werden unterwegs durchs Leben »geistlich fitter« oder aber »geistlos bitter«. Mich inspirieren all jene, die mit zunehmendem Alter zu einem tiefen Glauben und einem weiten Herz gefunden und
die eine Gelassenheit, eine »Altersgroßzügigkeit« entwickelt
haben. In ihnen wummert ein »neuländischer« Spirit, weil sie nie aufgehört haben, Neuland zu betreten.
Es ist heikel, dem Gedanken zu verfallen, dass Gott mit uns,
unserer Persönlichkeit und unserem Glauben irgendwann fer9
tig ist. Er hat das Leben als Abenteuer konzipiert, in dem wir an der Seite von Jesus immer wieder von Gott vorbereitetes Neuland entdecken sollen und dürfen.
Dein Glaube gehört nicht in eine sauber abgemessene Box,
die du bis zum Lebensende abgeschlossen verstaust, sondern muss sich frei immer weiter entwickeln können.
Wir brauchen mehr denn je diese mutigen Menschen, die
aktiv nach diesem weit werdenden Glauben suchen. Die nicht nur nett glauben, sondern herzhaft nachfolgen. Die nicht nur
rückwärtsgewandt leben, sondern sich nach vorne orientieren und diese neuländische Art zu denken, zu handeln, zu fühlen
und zu glauben, selbst leben und ansteckend weiterverbreiten.
»Neuländisch« möchte die abgestumpfte Neugierde stimulieren und die totgelebte Sehnsucht wiederbeleben.
Ich habe das Buch im Bündnerland begonnen und hier in
der Region Zürich fertiggeschrieben, wo wir eigentlich nicht hinwollten, Gott uns aber hingeführt hat. Noch immer weint
ein Auge über den Wegzug, aber das andere strahlt voller Vor-
freude auf das, was Gott mit uns am neuen Ort vorhat. Denn was er für uns vorbereitet hat, ist immer gut – nicht immer einfach und nicht immer angenehm, aber immer gut und richtig. Und weil es sich dermaßen richtig anfühlt, erfüllt mich dieser
berühmte und so oft ersehnte innere Friede. Ich bin mitten im Neuland. Prickelnd unangenehm. Aber genau da, wo ich sein
möchte, weil ich hier hingehöre. Und weil es meinen neuländischen Geist nährt. Bist du bereit, dich zu bewegen? Bereit für Neuland? »Das Leben ist entweder ein großes Abenteuer oder nichts«, hat die taub-blinde Schriftstellerin Helen Keller festgehalten. Das Abenteuer erwartet dich!
10
MUSKELMASSE Es gibt ein universelles Lebenskonzept: Was sich nicht bewegt, stirbt. Unser Herzmuskel erinnert uns mit jedem einzelnen
Pulsschlag daran. Gerade kürzlich bin ich über einen asketischen Inder gestolpert (also nicht vor der Haustür, sondern on-
line), der über Jahre einen Arm in die Luft streckte, bis dieser tatsächlich abstarb und sich nicht mehr bewegen ließ.2 Unbe-
wegtes stirbt. Wenn in einem System Gleichgewicht herrscht –
was biologische Systeme natürlicherweise anstreben – und sich
die Moleküle darin nicht mehr bewegen, dann bedeutet das biologisch gesehen den Tod. Auch wir selbst müssen uns immer
wieder vorwärtsbewegen. Du könntest dich entscheiden, mit dem Atmen, Essen oder Trinken aufzuhören, aber dein Körper
würde das nicht lange mitmachen. Genauso verkümmern auch dein Glaube und dein Geist, wenn du aufhörst, dich zu bewegen. »Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte«, sagte Gustav Heinemann. Zuallererst führt Stillstand zu Rückbildungen.
Auch das Gehirn muss trainiert und immer wieder mit Neu-
em gefüttert werden. Wenn die Zellen nicht stimuliert werden, bleiben sie nicht einfach auf ihrem Leistungsniveau, sondern
bauen sich ab. Die gute Nachricht ist jedoch, dass ein menschliches Gehirn sogar nach einer Beschädigung durch richtige Stimulation wieder expandieren kann. Es ist so angelegt, dass
es lernen muss – ein Leben lang. Wenn wir es nicht benutzen, dann nehmen unsere geistigen Fähigkeiten ab. Use it or lose it!3
Meine Kinder haben von der Urgroßmutter eine Holzkuh
auf Rädern geerbt – ein Familienerbstück, das schon mehr als ein Jahrhundert auf dem Buckel hat. Die Kuh ist super erhalten
und man sieht ihr an, dass mit ihr nur ganz selten gespielt wurde, weil sie so wertvoll war. Meine Kinder hatten auch Freude 11
an der Kuh – aber sie wollten sie nicht nur anschauen, sondern
mit ihr herumfahren, was zur Folge hatte, dass der Kuh nach weniger als einer Woche schon ein Fuß und die Glocke fehl-
ten. Ich weiß nicht, was frustrierender ist: Der Gedanke, dass
die Spielzeug-Kuh nach über einem Jahrhundert in wenigen
Stunden von meinem Nachwuchs verstümmelt wurde, oder die
Tatsache, dass dieses Spielzeug wohl über hundert Jahre kaum
zum Spielen benutzt worden ist, weil es zu kostbar schien. Wir sollten es mit dem Hirn nicht wie mit dieser Kuh machen: Es ist
kein Museumsstück, das schön bleibt, weil man es wegschließt und auf keinen Fall gebraucht. Vielmehr bleibt es gut, gerade
weil man es einsetzt und gebraucht. Und mit gebrauchen meine ich vor allem, dass wir dazulernen und Neues ausprobieren – auch im Glauben. Gebrauchen wir den während Wochen oder
Monaten nicht, beginnt die »Glaubensmasse« zu schrumpfen.
Genau deshalb ist es zentral, dass wir ihn immer wieder an-
wenden, trainieren und aufbauen. Und das geschieht, indem
wir Neuland betreten. Indem wir uns bewusst Situationen aussetzen, in denen wir Gottes Zutun brauchen. Bei der Mystikerin Teresa von Ávila klingt das so: »Ich meine, dass es der
Liebe nicht möglich ist, irgendwo stehen zu bleiben. Wer nicht wächst, schrumpft.«
Der Wachstumsgedanke basiert auf dem simplen biblischen
Prinzip von Matthäus 25,14-30. Jesus erzählt hier die Geschichte von einem Mann, der auf Reisen ging und seinen Knechten
ihren Fähigkeiten entsprechend unterschiedlich hohe Geldbeträge (»Talente Silber«) anvertraute. Zwei davon vermehrten diese in seiner Abwesenheit, während einer sein Talent vergrub, um es bei der Rückkehr seines Chef wieder vorweisen zu
können. Dieser lobte die ersten beiden und beschenkte sie; den dritten bezeichnete er als »böse« und »faul« und nahm ihm das eine Talent noch weg.
12
Jesus spricht hier von Talenten als Gewichtseinheit. Letzt-
lich lässt es sich jedoch auf alle von Gott geschenkten Dinge
anwenden. Das können deine Fähigkeiten sein, aber auch dein
Charisma oder dein Glauben. Wenn du das, was dir als dein persönliches »Kapital« von Gott geschenkt worden ist, nicht an-
wendest und vermehrst, dann lebst du an deiner Bestimmung
vorbei. Du läufst Gefahr, am Ende genau das zu verlieren, was du vielleicht verzweifelt bewahren wolltest.
Viele Christen bewegen sich glaubensmäßig nicht in Neuland
hinein, weil sie entweder denken, dass Glaube etwas Unverän-
derliches ist, das man sich überstülpt, oder weil sie insgeheim große Angst haben, was das Unbekannte mit ihrem Glauben
machen könnte. Neuland kann an unserem Fundament rütteln und uns zwingen, Grundlegendes in unserem Glauben zu über-
denken, zu hinterfragen und neu zu sortieren. Aus Angst vor
dieser unsicheren und vielleicht unbequemen Situation begin-
nen viele unweigerlich, alles Andersartige, Fremde und Neue abzublocken – mit dem Resultat, dass sie genau das erreichen,
was sie eigentlich vermeiden wollten: das Verkümmern oder gar Absterben ihres Glaubens.
Wenn du deinen Glauben bewahren willst, dann darfst du
ihn nicht einbuddeln, bis er erstickt. Du musst ihn einsetzen, ihn sich vermehren lassen. Das geschieht, indem du dich im-
mer wieder in Bereiche und Situationen hineinwagst, in denen du dich voll und ganz auf Gott stützen musst. Und indem du
dich immer wieder mit Menschen umgibst, die dir in ihrer Art, wie sie mit Gott unterwegs sind, fremd sind. Denn so besteht
die Chance, dass du Gott auf neue Art und Weise erlebst. Nur
dort im Unbequemen und Unbekannten entdeckst du Seiten an Gott, die dir bis dahin völlig unbekannt waren – und es wird deinen Glauben weiten, ohne dass du dich sorgen musst, etwas zu verlieren. Du gewinnst vielmehr dazu. 13
Wann hast du das letzte Mal in deinem Leben Neuland betreten? Und wo war das in den letzten Wochen oder Monaten der Fall? Wo hast du etwas entdeckt, neu gelernt? Nimm dir einmal Zeit, je einen Lernschritt konkret zu benennen: Ich habe etwas Neues gelernt über 1. mich, 2. andere Menschen, 3. Gott.
Falls dir nichts in den Sinn kommt, solltest du unbedingt wei-
terlesen. Und falls dir etwas oder sogar mehrere Sachen eingefallen sind … auch. Es lohnt sich, sich auf diese Reise zu
begeben. Allein das Unterwegssein produziert in dir drin ganz
viel Neuland und ein Reisender kehrt nicht unverändert wieder nach Hause zurück. Neuland verändert dich.
TERRA INCOGNITA Wer nicht bereit ist, sich im Glauben auf Neuland einzulassen,
riskiert auch, den bisherigen Boden preisgeben zu müssen. Wer stehen bleibt und nicht mehr in seine Beziehung mit Gott inves-
tiert, wird bald auch mit Veränderungen um sich herum Mühe
bekommen – in der Kirche, im eigenen Leben und in der Begegnung mit anderen. Man ist nicht mehr eine Quelle »des lebendigen Wassers«, das andere bewässert und Wachstum schenkt.
14
SCM Hänssler ist ein Imprint der SCM Verlagsgruppe, die zur Stiftung Christliche Medien gehört, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für die Förderung und Verbreitung christlicher Bücher, Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt.
© 2018 SCM Hänssler in der SCM Verlagsgruppe GmbH Max-Eyth-Straße 41 · 71088 Holzgerlingen Internet: www.scm-haenssler.de; E-Mail: info@scm-haenssler.de Die Bibelverse wurden, soweit nicht anders angegeben, folgenden Ausgaben entnommen: Neues Testament und Psalmen: Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung. Copyright © 2009 Genfer Bibelgesellschaft, CH-1204 Genf. Wiedergegeben mit der freundlichen Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten. Altes Testament Lutherbibel, revidiert 2017 © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. Weiter wurden verwendet: Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002 und 2006 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlingen. (NLB) Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlingen. (ELB) Hoffnung für alle ® Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis - Brunnen Basel. (HFA) Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, © 1980 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart. (EIN) Gesamtgestaltung: Kathrin Spiegelberg, Weil im Schönbuch Collage Titelbilder: Profil Andreas Boppart: Joel Waldvogel, Landschaft: Eutah Mizushima, Sternenhimmel: Dino Reichmut Druck und Verarbeitung: Druck und Verarbeitung: GGP Media GmbH, Pößneck Gedruckt in Deutschland ISBN 978-3-7751-5797-1 Bestell-Nr. 395.797
WIDMUNG Dankbare Umarmungen gehen an Tamara, meine vier Mädels, Angi und Joni, Peter und Silke. Ohne euch gäbe es nicht wirklich viel Neuländisches hier zu lesen. Mögen die vorliegenden unter viel Schweiß entstandenen Zeilen auch dich innerlich aufwühlen, begeistern, herausfordern, inspirieren, bewegen und ab und zu zum Schwitzen bringen – vor allem aber die Sehnsucht nach einem neuländischen Inneren wecken.
INHALT
FANTASTISCH – Der Prolog .............................................. 8 Muskelmasse ........................................................................ 11 Terra Incognita .................................................................... 14 1 TRANSFORMATORISCH – Der neuländische Gott............ 18 Gott spricht neuländisch ..................................................... 19 Gott liebt neue Brillen .......................................................... 24 Gottes Neuland hört nie auf ................................................27 2 PANISCH – Die Angst vor Neuem ...................................... 32 Das sockenfressende Mümmelmonster ........................... 35 Der Angst-Lichtschalter ....................................................... 38 Die eklige Zahnpasta .......................................................... 41 Der biblische Horrorthriller ................................................. 45 Die angstfreie Zone ............................................................. 50 3 ELASTISCH – Der Weitmacher .......................................... 54 Das Gecko-Phänomen ....................................................... 56 Die Papierflieger-Botschaft ............................................... 61 Die Neuland-Himmelsrichtungen ..................................... 63 4 EPISCH – Das Gott-Neuland ............................................. 70 Der Klang des »Ich liebe dich!« ......................................... 73 Das große Geheimnis ......................................................... 76 Die Reise Gottes zu dir ....................................................... 78 Der Asaf-Weg ...................................................................... 82 Der heilige Ort in dir ........................................................... 86
5 KARDIOLOGISCH – Das Herz-Neuland........................... 90 Herzensreise ....................................................................... 93 Gottessicht ........................................................................... 97 Ovoausguss......................................................................... 100 Kindsein................................................................................ 104 Gottesglaube ...................................................................... 109 Identitätstrip ....................................................................... 112 Altmetall............................................................................... 116 6 ROMANTISCH – Das Beziehungs-Neuland .................... 122 Mit Gottes Augen sehen .................................................... 125 Das Handtuch halten ......................................................... 127 Dieselbe Sprache sprechen .............................................. 130 Den Beziehungsnerv freilegen ......................................... 134 7 IDYLLISCH – Das Einheits-Neuland ................................. 140 Der Schlüssel für Einheit .................................................... 145 Der Krieg ist vorbei............................................................. 152 8 KÄMPFERISCH – Das Welt-Neuland ................................ 158 Die Friedensstifter-Aufgabe ............................................. 162 Das Osterinsel-Drama ..................................................... 166 9 MAGISCH – Der neuländische Spirit ............................... 170 Versöhn dich mit dir selbst ................................................ 173 Bleibe lernbereit ................................................................ 178 Konzentrier dich auf das Richtige .................................... 183 Durchquer die Wüste ........................................................ 188 Jag das Unsichtbare........................................................... 193
10 STRATEGISCH – Nimm dein Neuland ein .................... 202 Die Jericho-Geduld .......................................................... 203 Die Ai-List ........................................................................... 205 Die Sichem-Rutsche.......................................................... 208 Die Amoriter-Wunder ...................................................... 209 Die Abhängigkeits-Strategie ............................................ 2 1 2 11 PRAKTISCH – Schritte ins Neuland................................ 216 Deck das Dach ab ............................................................ 219 Mach dein Bett selber ..................................................... 221 Komm heraus..................................................................... 227 12 HIMMLISCH – Im Neuland leben .................................. 232 Am Neuland dranbleiben ................................................. 234 Sich der Wahrheit verschreiben ....................................... 239 Mit dem Horizont-Blick leben .......................................... 245 Dem Wasser folgen ............................................................ 250 FUTURISTISCH – Der Epilog .............................................. 254 Eine neuländische Entscheidung ..................................... 262 FAKTISCH – Die Anmerkungen ........................................... 266
»Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein riesiger Sprung für die Menschheit.« Mit diesem markigen Satz setzte Neil Armstrong am 21. Juli 1969 als erster Mensch einen Fuß auf den Mond. Man mag denken, dass dieser bedeutende
Schritt überhaupt nichts mit einem zu tun hat. Und liegt da-
mit völlig daneben. Der Raumfahrt werden eine schier endlose
Liste von Erfindungen und Weiterentwicklungen zugeschrieben: Schaumstoff, natürlicher Zusatz für Säuglingsnahrungen,
durchsichtige Zahnspangen, Ohr-Fiebermesser, Sonnenbrillen-
gläser, Akkuwerkzeug, Rauchmelder, kratzfeste Gläser, präzise GPS-Systeme, digitale Bildsensoren für Kameras, Flugzeugoptimierungen, Areodynamik-Designs bei LKWs, Dämpfungen bei
Gebäuden und Brücken, internationales Rettungssystem etc.1
Vieles davon beeinflusst unseren Alltag direkt oder indirekt.
Wie sähe dein Leben aus, wenn vor dir Menschen nicht im-
mer wieder mutig Neuland betreten hätten? Ohne Entdeckerin-
nen und Abenteurer würden nicht nur Gewürze in deiner Küche fehlen. Es wäre so ziemlich alles weg, auf dem dein Leben
aufbaut und das es so angenehm macht. Wir stehen auf den Schultern von Neuland-Gängerinnen und Neuland-Reisenden der Vergangenheit. Und: Wir selber brauchen immer wieder Neuland!
Ich beobachte bei Menschen zwei Entwicklungsrichtungen,
was den persönlichen Glauben betrifft: Entweder wir werden unterwegs durchs Leben »geistlich fitter« oder aber »geistlos bitter«. Mich inspirieren all jene, die mit zunehmendem Alter zu einem tiefen Glauben und einem weiten Herz gefunden und
die eine Gelassenheit, eine »Altersgroßzügigkeit« entwickelt
haben. In ihnen wummert ein »neuländischer« Spirit, weil sie nie aufgehört haben, Neuland zu betreten.
Es ist heikel, dem Gedanken zu verfallen, dass Gott mit uns,
unserer Persönlichkeit und unserem Glauben irgendwann fer9
tig ist. Er hat das Leben als Abenteuer konzipiert, in dem wir an der Seite von Jesus immer wieder von Gott vorbereitetes Neuland entdecken sollen und dürfen.
Dein Glaube gehört nicht in eine sauber abgemessene Box,
die du bis zum Lebensende abgeschlossen verstaust, sondern muss sich frei immer weiter entwickeln können.
Wir brauchen mehr denn je diese mutigen Menschen, die
aktiv nach diesem weit werdenden Glauben suchen. Die nicht nur nett glauben, sondern herzhaft nachfolgen. Die nicht nur
rückwärtsgewandt leben, sondern sich nach vorne orientieren und diese neuländische Art zu denken, zu handeln, zu fühlen
und zu glauben, selbst leben und ansteckend weiterverbreiten.
»Neuländisch« möchte die abgestumpfte Neugierde stimulieren und die totgelebte Sehnsucht wiederbeleben.
Ich habe das Buch im Bündnerland begonnen und hier in
der Region Zürich fertiggeschrieben, wo wir eigentlich nicht hinwollten, Gott uns aber hingeführt hat. Noch immer weint
ein Auge über den Wegzug, aber das andere strahlt voller Vor-
freude auf das, was Gott mit uns am neuen Ort vorhat. Denn was er für uns vorbereitet hat, ist immer gut – nicht immer einfach und nicht immer angenehm, aber immer gut und richtig. Und weil es sich dermaßen richtig anfühlt, erfüllt mich dieser
berühmte und so oft ersehnte innere Friede. Ich bin mitten im Neuland. Prickelnd unangenehm. Aber genau da, wo ich sein
möchte, weil ich hier hingehöre. Und weil es meinen neuländischen Geist nährt. Bist du bereit, dich zu bewegen? Bereit für Neuland? »Das Leben ist entweder ein großes Abenteuer oder nichts«, hat die taub-blinde Schriftstellerin Helen Keller festgehalten. Das Abenteuer erwartet dich!
10
MUSKELMASSE Es gibt ein universelles Lebenskonzept: Was sich nicht bewegt, stirbt. Unser Herzmuskel erinnert uns mit jedem einzelnen
Pulsschlag daran. Gerade kürzlich bin ich über einen asketischen Inder gestolpert (also nicht vor der Haustür, sondern on-
line), der über Jahre einen Arm in die Luft streckte, bis dieser tatsächlich abstarb und sich nicht mehr bewegen ließ.2 Unbe-
wegtes stirbt. Wenn in einem System Gleichgewicht herrscht –
was biologische Systeme natürlicherweise anstreben – und sich
die Moleküle darin nicht mehr bewegen, dann bedeutet das biologisch gesehen den Tod. Auch wir selbst müssen uns immer
wieder vorwärtsbewegen. Du könntest dich entscheiden, mit dem Atmen, Essen oder Trinken aufzuhören, aber dein Körper
würde das nicht lange mitmachen. Genauso verkümmern auch dein Glaube und dein Geist, wenn du aufhörst, dich zu bewegen. »Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte«, sagte Gustav Heinemann. Zuallererst führt Stillstand zu Rückbildungen.
Auch das Gehirn muss trainiert und immer wieder mit Neu-
em gefüttert werden. Wenn die Zellen nicht stimuliert werden, bleiben sie nicht einfach auf ihrem Leistungsniveau, sondern
bauen sich ab. Die gute Nachricht ist jedoch, dass ein menschliches Gehirn sogar nach einer Beschädigung durch richtige Stimulation wieder expandieren kann. Es ist so angelegt, dass
es lernen muss – ein Leben lang. Wenn wir es nicht benutzen, dann nehmen unsere geistigen Fähigkeiten ab. Use it or lose it!3
Meine Kinder haben von der Urgroßmutter eine Holzkuh
auf Rädern geerbt – ein Familienerbstück, das schon mehr als ein Jahrhundert auf dem Buckel hat. Die Kuh ist super erhalten
und man sieht ihr an, dass mit ihr nur ganz selten gespielt wurde, weil sie so wertvoll war. Meine Kinder hatten auch Freude 11
an der Kuh – aber sie wollten sie nicht nur anschauen, sondern
mit ihr herumfahren, was zur Folge hatte, dass der Kuh nach weniger als einer Woche schon ein Fuß und die Glocke fehl-
ten. Ich weiß nicht, was frustrierender ist: Der Gedanke, dass
die Spielzeug-Kuh nach über einem Jahrhundert in wenigen
Stunden von meinem Nachwuchs verstümmelt wurde, oder die
Tatsache, dass dieses Spielzeug wohl über hundert Jahre kaum
zum Spielen benutzt worden ist, weil es zu kostbar schien. Wir sollten es mit dem Hirn nicht wie mit dieser Kuh machen: Es ist
kein Museumsstück, das schön bleibt, weil man es wegschließt und auf keinen Fall gebraucht. Vielmehr bleibt es gut, gerade
weil man es einsetzt und gebraucht. Und mit gebrauchen meine ich vor allem, dass wir dazulernen und Neues ausprobieren – auch im Glauben. Gebrauchen wir den während Wochen oder
Monaten nicht, beginnt die »Glaubensmasse« zu schrumpfen.
Genau deshalb ist es zentral, dass wir ihn immer wieder an-
wenden, trainieren und aufbauen. Und das geschieht, indem
wir Neuland betreten. Indem wir uns bewusst Situationen aussetzen, in denen wir Gottes Zutun brauchen. Bei der Mystikerin Teresa von Ávila klingt das so: »Ich meine, dass es der
Liebe nicht möglich ist, irgendwo stehen zu bleiben. Wer nicht wächst, schrumpft.«
Der Wachstumsgedanke basiert auf dem simplen biblischen
Prinzip von Matthäus 25,14-30. Jesus erzählt hier die Geschichte von einem Mann, der auf Reisen ging und seinen Knechten
ihren Fähigkeiten entsprechend unterschiedlich hohe Geldbeträge (»Talente Silber«) anvertraute. Zwei davon vermehrten diese in seiner Abwesenheit, während einer sein Talent vergrub, um es bei der Rückkehr seines Chef wieder vorweisen zu
können. Dieser lobte die ersten beiden und beschenkte sie; den dritten bezeichnete er als »böse« und »faul« und nahm ihm das eine Talent noch weg.
12
Jesus spricht hier von Talenten als Gewichtseinheit. Letzt-
lich lässt es sich jedoch auf alle von Gott geschenkten Dinge
anwenden. Das können deine Fähigkeiten sein, aber auch dein
Charisma oder dein Glauben. Wenn du das, was dir als dein persönliches »Kapital« von Gott geschenkt worden ist, nicht an-
wendest und vermehrst, dann lebst du an deiner Bestimmung
vorbei. Du läufst Gefahr, am Ende genau das zu verlieren, was du vielleicht verzweifelt bewahren wolltest.
Viele Christen bewegen sich glaubensmäßig nicht in Neuland
hinein, weil sie entweder denken, dass Glaube etwas Unverän-
derliches ist, das man sich überstülpt, oder weil sie insgeheim große Angst haben, was das Unbekannte mit ihrem Glauben
machen könnte. Neuland kann an unserem Fundament rütteln und uns zwingen, Grundlegendes in unserem Glauben zu über-
denken, zu hinterfragen und neu zu sortieren. Aus Angst vor
dieser unsicheren und vielleicht unbequemen Situation begin-
nen viele unweigerlich, alles Andersartige, Fremde und Neue abzublocken – mit dem Resultat, dass sie genau das erreichen,
was sie eigentlich vermeiden wollten: das Verkümmern oder gar Absterben ihres Glaubens.
Wenn du deinen Glauben bewahren willst, dann darfst du
ihn nicht einbuddeln, bis er erstickt. Du musst ihn einsetzen, ihn sich vermehren lassen. Das geschieht, indem du dich im-
mer wieder in Bereiche und Situationen hineinwagst, in denen du dich voll und ganz auf Gott stützen musst. Und indem du
dich immer wieder mit Menschen umgibst, die dir in ihrer Art, wie sie mit Gott unterwegs sind, fremd sind. Denn so besteht
die Chance, dass du Gott auf neue Art und Weise erlebst. Nur
dort im Unbequemen und Unbekannten entdeckst du Seiten an Gott, die dir bis dahin völlig unbekannt waren – und es wird deinen Glauben weiten, ohne dass du dich sorgen musst, etwas zu verlieren. Du gewinnst vielmehr dazu. 13
Wann hast du das letzte Mal in deinem Leben Neuland betreten? Und wo war das in den letzten Wochen oder Monaten der Fall? Wo hast du etwas entdeckt, neu gelernt? Nimm dir einmal Zeit, je einen Lernschritt konkret zu benennen: Ich habe etwas Neues gelernt über 1. mich, 2. andere Menschen, 3. Gott.
Falls dir nichts in den Sinn kommt, solltest du unbedingt wei-
terlesen. Und falls dir etwas oder sogar mehrere Sachen eingefallen sind … auch. Es lohnt sich, sich auf diese Reise zu
begeben. Allein das Unterwegssein produziert in dir drin ganz
viel Neuland und ein Reisender kehrt nicht unverändert wieder nach Hause zurück. Neuland verändert dich.
TERRA INCOGNITA Wer nicht bereit ist, sich im Glauben auf Neuland einzulassen,
riskiert auch, den bisherigen Boden preisgeben zu müssen. Wer stehen bleibt und nicht mehr in seine Beziehung mit Gott inves-
tiert, wird bald auch mit Veränderungen um sich herum Mühe
bekommen – in der Kirche, im eigenen Leben und in der Begegnung mit anderen. Man ist nicht mehr eine Quelle »des lebendigen Wassers«, das andere bewässert und Wachstum schenkt.
14
WIDMUNG Dankbare Umarmungen gehen an Tamara, meine vier Mädels, Angi und Joni, Peter und Silke. Ohne euch gäbe es nicht wirklich viel Neuländisches hier zu lesen. Mögen die vorliegenden unter viel Schweiß entstandenen Zeilen auch dich innerlich aufwühlen, begeistern, herausfordern, inspirieren, bewegen und ab und zu zum Schwitzen bringen – vor allem aber die Sehnsucht nach einem neuländischen Inneren wecken.
INHALT
FANTASTISCH – Der Prolog .............................................. 8 Muskelmasse ........................................................................ 11 Terra Incognita .................................................................... 14 1 TRANSFORMATORISCH – Der neuländische Gott............ 18 Gott spricht neuländisch ..................................................... 19 Gott liebt neue Brillen .......................................................... 24 Gottes Neuland hört nie auf ................................................27 2 PANISCH – Die Angst vor Neuem ...................................... 32 Das sockenfressende Mümmelmonster ........................... 35 Der Angst-Lichtschalter ....................................................... 38 Die eklige Zahnpasta .......................................................... 41 Der biblische Horrorthriller ................................................. 45 Die angstfreie Zone ............................................................. 50 3 ELASTISCH – Der Weitmacher .......................................... 54 Das Gecko-Phänomen ....................................................... 56 Die Papierflieger-Botschaft ............................................... 61 Die Neuland-Himmelsrichtungen ..................................... 63 4 EPISCH – Das Gott-Neuland ............................................. 70 Der Klang des »Ich liebe dich!« ......................................... 73 Das große Geheimnis ......................................................... 76 Die Reise Gottes zu dir ....................................................... 78 Der Asaf-Weg ...................................................................... 82 Der heilige Ort in dir ........................................................... 86
5 KARDIOLOGISCH – Das Herz-Neuland........................... 90 Herzensreise ....................................................................... 93 Gottessicht ........................................................................... 97 Ovoausguss......................................................................... 100 Kindsein................................................................................ 104 Gottesglaube ...................................................................... 109 Identitätstrip ....................................................................... 112 Altmetall............................................................................... 116 6 ROMANTISCH – Das Beziehungs-Neuland .................... 122 Mit Gottes Augen sehen .................................................... 125 Das Handtuch halten ......................................................... 127 Dieselbe Sprache sprechen .............................................. 130 Den Beziehungsnerv freilegen ......................................... 134 7 IDYLLISCH – Das Einheits-Neuland ................................. 140 Der Schlüssel für Einheit .................................................... 145 Der Krieg ist vorbei............................................................. 152 8 KÄMPFERISCH – Das Welt-Neuland ................................ 158 Die Friedensstifter-Aufgabe ............................................. 162 Das Osterinsel-Drama ..................................................... 166 9 MAGISCH – Der neuländische Spirit ............................... 170 Versöhn dich mit dir selbst ................................................ 173 Bleibe lernbereit ................................................................ 178 Konzentrier dich auf das Richtige .................................... 183 Durchquer die Wüste ........................................................ 188 Jag das Unsichtbare........................................................... 193
10 STRATEGISCH – Nimm dein Neuland ein .................... 202 Die Jericho-Geduld .......................................................... 203 Die Ai-List ........................................................................... 205 Die Sichem-Rutsche.......................................................... 208 Die Amoriter-Wunder ...................................................... 209 Die Abhängigkeits-Strategie ............................................ 2 1 2 11 PRAKTISCH – Schritte ins Neuland................................ 216 Deck das Dach ab ............................................................ 219 Mach dein Bett selber ..................................................... 221 Komm heraus..................................................................... 227 12 HIMMLISCH – Im Neuland leben .................................. 232 Am Neuland dranbleiben ................................................. 234 Sich der Wahrheit verschreiben ....................................... 239 Mit dem Horizont-Blick leben .......................................... 245 Dem Wasser folgen ............................................................ 250 FUTURISTISCH – Der Epilog .............................................. 254 Eine neuländische Entscheidung ..................................... 262 FAKTISCH – Die Anmerkungen ........................................... 266
»Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein riesiger Sprung für die Menschheit.« Mit diesem markigen Satz setzte Neil Armstrong am 21. Juli 1969 als erster Mensch einen Fuß auf den Mond. Man mag denken, dass dieser bedeutende
Schritt überhaupt nichts mit einem zu tun hat. Und liegt da-
mit völlig daneben. Der Raumfahrt werden eine schier endlose
Liste von Erfindungen und Weiterentwicklungen zugeschrieben: Schaumstoff, natürlicher Zusatz für Säuglingsnahrungen,
durchsichtige Zahnspangen, Ohr-Fiebermesser, Sonnenbrillen-
gläser, Akkuwerkzeug, Rauchmelder, kratzfeste Gläser, präzise GPS-Systeme, digitale Bildsensoren für Kameras, Flugzeugoptimierungen, Areodynamik-Designs bei LKWs, Dämpfungen bei
Gebäuden und Brücken, internationales Rettungssystem etc.1
Vieles davon beeinflusst unseren Alltag direkt oder indirekt.
Wie sähe dein Leben aus, wenn vor dir Menschen nicht im-
mer wieder mutig Neuland betreten hätten? Ohne Entdeckerin-
nen und Abenteurer würden nicht nur Gewürze in deiner Küche fehlen. Es wäre so ziemlich alles weg, auf dem dein Leben
aufbaut und das es so angenehm macht. Wir stehen auf den Schultern von Neuland-Gängerinnen und Neuland-Reisenden der Vergangenheit. Und: Wir selber brauchen immer wieder Neuland!
Ich beobachte bei Menschen zwei Entwicklungsrichtungen,
was den persönlichen Glauben betrifft: Entweder wir werden unterwegs durchs Leben »geistlich fitter« oder aber »geistlos bitter«. Mich inspirieren all jene, die mit zunehmendem Alter zu einem tiefen Glauben und einem weiten Herz gefunden und
die eine Gelassenheit, eine »Altersgroßzügigkeit« entwickelt
haben. In ihnen wummert ein »neuländischer« Spirit, weil sie nie aufgehört haben, Neuland zu betreten.
Es ist heikel, dem Gedanken zu verfallen, dass Gott mit uns,
unserer Persönlichkeit und unserem Glauben irgendwann fer9
tig ist. Er hat das Leben als Abenteuer konzipiert, in dem wir an der Seite von Jesus immer wieder von Gott vorbereitetes Neuland entdecken sollen und dürfen.
Dein Glaube gehört nicht in eine sauber abgemessene Box,
die du bis zum Lebensende abgeschlossen verstaust, sondern muss sich frei immer weiter entwickeln können.
Wir brauchen mehr denn je diese mutigen Menschen, die
aktiv nach diesem weit werdenden Glauben suchen. Die nicht nur nett glauben, sondern herzhaft nachfolgen. Die nicht nur
rückwärtsgewandt leben, sondern sich nach vorne orientieren und diese neuländische Art zu denken, zu handeln, zu fühlen
und zu glauben, selbst leben und ansteckend weiterverbreiten.
»Neuländisch« möchte die abgestumpfte Neugierde stimulieren und die totgelebte Sehnsucht wiederbeleben.
Ich habe das Buch im Bündnerland begonnen und hier in
der Region Zürich fertiggeschrieben, wo wir eigentlich nicht hinwollten, Gott uns aber hingeführt hat. Noch immer weint
ein Auge über den Wegzug, aber das andere strahlt voller Vor-
freude auf das, was Gott mit uns am neuen Ort vorhat. Denn was er für uns vorbereitet hat, ist immer gut – nicht immer einfach und nicht immer angenehm, aber immer gut und richtig. Und weil es sich dermaßen richtig anfühlt, erfüllt mich dieser
berühmte und so oft ersehnte innere Friede. Ich bin mitten im Neuland. Prickelnd unangenehm. Aber genau da, wo ich sein
möchte, weil ich hier hingehöre. Und weil es meinen neuländischen Geist nährt. Bist du bereit, dich zu bewegen? Bereit für Neuland? »Das Leben ist entweder ein großes Abenteuer oder nichts«, hat die taub-blinde Schriftstellerin Helen Keller festgehalten. Das Abenteuer erwartet dich!
10
MUSKELMASSE Es gibt ein universelles Lebenskonzept: Was sich nicht bewegt, stirbt. Unser Herzmuskel erinnert uns mit jedem einzelnen
Pulsschlag daran. Gerade kürzlich bin ich über einen asketischen Inder gestolpert (also nicht vor der Haustür, sondern on-
line), der über Jahre einen Arm in die Luft streckte, bis dieser tatsächlich abstarb und sich nicht mehr bewegen ließ.2 Unbe-
wegtes stirbt. Wenn in einem System Gleichgewicht herrscht –
was biologische Systeme natürlicherweise anstreben – und sich
die Moleküle darin nicht mehr bewegen, dann bedeutet das biologisch gesehen den Tod. Auch wir selbst müssen uns immer
wieder vorwärtsbewegen. Du könntest dich entscheiden, mit dem Atmen, Essen oder Trinken aufzuhören, aber dein Körper
würde das nicht lange mitmachen. Genauso verkümmern auch dein Glaube und dein Geist, wenn du aufhörst, dich zu bewegen. »Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte«, sagte Gustav Heinemann. Zuallererst führt Stillstand zu Rückbildungen.
Auch das Gehirn muss trainiert und immer wieder mit Neu-
em gefüttert werden. Wenn die Zellen nicht stimuliert werden, bleiben sie nicht einfach auf ihrem Leistungsniveau, sondern
bauen sich ab. Die gute Nachricht ist jedoch, dass ein menschliches Gehirn sogar nach einer Beschädigung durch richtige Stimulation wieder expandieren kann. Es ist so angelegt, dass
es lernen muss – ein Leben lang. Wenn wir es nicht benutzen, dann nehmen unsere geistigen Fähigkeiten ab. Use it or lose it!3
Meine Kinder haben von der Urgroßmutter eine Holzkuh
auf Rädern geerbt – ein Familienerbstück, das schon mehr als ein Jahrhundert auf dem Buckel hat. Die Kuh ist super erhalten
und man sieht ihr an, dass mit ihr nur ganz selten gespielt wurde, weil sie so wertvoll war. Meine Kinder hatten auch Freude 11
an der Kuh – aber sie wollten sie nicht nur anschauen, sondern
mit ihr herumfahren, was zur Folge hatte, dass der Kuh nach weniger als einer Woche schon ein Fuß und die Glocke fehl-
ten. Ich weiß nicht, was frustrierender ist: Der Gedanke, dass
die Spielzeug-Kuh nach über einem Jahrhundert in wenigen
Stunden von meinem Nachwuchs verstümmelt wurde, oder die
Tatsache, dass dieses Spielzeug wohl über hundert Jahre kaum
zum Spielen benutzt worden ist, weil es zu kostbar schien. Wir sollten es mit dem Hirn nicht wie mit dieser Kuh machen: Es ist
kein Museumsstück, das schön bleibt, weil man es wegschließt und auf keinen Fall gebraucht. Vielmehr bleibt es gut, gerade
weil man es einsetzt und gebraucht. Und mit gebrauchen meine ich vor allem, dass wir dazulernen und Neues ausprobieren – auch im Glauben. Gebrauchen wir den während Wochen oder
Monaten nicht, beginnt die »Glaubensmasse« zu schrumpfen.
Genau deshalb ist es zentral, dass wir ihn immer wieder an-
wenden, trainieren und aufbauen. Und das geschieht, indem
wir Neuland betreten. Indem wir uns bewusst Situationen aussetzen, in denen wir Gottes Zutun brauchen. Bei der Mystikerin Teresa von Ávila klingt das so: »Ich meine, dass es der
Liebe nicht möglich ist, irgendwo stehen zu bleiben. Wer nicht wächst, schrumpft.«
Der Wachstumsgedanke basiert auf dem simplen biblischen
Prinzip von Matthäus 25,14-30. Jesus erzählt hier die Geschichte von einem Mann, der auf Reisen ging und seinen Knechten
ihren Fähigkeiten entsprechend unterschiedlich hohe Geldbeträge (»Talente Silber«) anvertraute. Zwei davon vermehrten diese in seiner Abwesenheit, während einer sein Talent vergrub, um es bei der Rückkehr seines Chef wieder vorweisen zu
können. Dieser lobte die ersten beiden und beschenkte sie; den dritten bezeichnete er als »böse« und »faul« und nahm ihm das eine Talent noch weg.
12
Jesus spricht hier von Talenten als Gewichtseinheit. Letzt-
lich lässt es sich jedoch auf alle von Gott geschenkten Dinge
anwenden. Das können deine Fähigkeiten sein, aber auch dein
Charisma oder dein Glauben. Wenn du das, was dir als dein persönliches »Kapital« von Gott geschenkt worden ist, nicht an-
wendest und vermehrst, dann lebst du an deiner Bestimmung
vorbei. Du läufst Gefahr, am Ende genau das zu verlieren, was du vielleicht verzweifelt bewahren wolltest.
Viele Christen bewegen sich glaubensmäßig nicht in Neuland
hinein, weil sie entweder denken, dass Glaube etwas Unverän-
derliches ist, das man sich überstülpt, oder weil sie insgeheim große Angst haben, was das Unbekannte mit ihrem Glauben
machen könnte. Neuland kann an unserem Fundament rütteln und uns zwingen, Grundlegendes in unserem Glauben zu über-
denken, zu hinterfragen und neu zu sortieren. Aus Angst vor
dieser unsicheren und vielleicht unbequemen Situation begin-
nen viele unweigerlich, alles Andersartige, Fremde und Neue abzublocken – mit dem Resultat, dass sie genau das erreichen,
was sie eigentlich vermeiden wollten: das Verkümmern oder gar Absterben ihres Glaubens.
Wenn du deinen Glauben bewahren willst, dann darfst du
ihn nicht einbuddeln, bis er erstickt. Du musst ihn einsetzen, ihn sich vermehren lassen. Das geschieht, indem du dich im-
mer wieder in Bereiche und Situationen hineinwagst, in denen du dich voll und ganz auf Gott stützen musst. Und indem du
dich immer wieder mit Menschen umgibst, die dir in ihrer Art, wie sie mit Gott unterwegs sind, fremd sind. Denn so besteht
die Chance, dass du Gott auf neue Art und Weise erlebst. Nur
dort im Unbequemen und Unbekannten entdeckst du Seiten an Gott, die dir bis dahin völlig unbekannt waren – und es wird deinen Glauben weiten, ohne dass du dich sorgen musst, etwas zu verlieren. Du gewinnst vielmehr dazu. 13
Wann hast du das letzte Mal in deinem Leben Neuland betreten? Und wo war das in den letzten Wochen oder Monaten der Fall? Wo hast du etwas entdeckt, neu gelernt? Nimm dir einmal Zeit, je einen Lernschritt konkret zu benennen: Ich habe etwas Neues gelernt über 1. mich, 2. andere Menschen, 3. Gott.
Falls dir nichts in den Sinn kommt, solltest du unbedingt wei-
terlesen. Und falls dir etwas oder sogar mehrere Sachen eingefallen sind … auch. Es lohnt sich, sich auf diese Reise zu
begeben. Allein das Unterwegssein produziert in dir drin ganz
viel Neuland und ein Reisender kehrt nicht unverändert wieder nach Hause zurück. Neuland verändert dich.
TERRA INCOGNITA Wer nicht bereit ist, sich im Glauben auf Neuland einzulassen,
riskiert auch, den bisherigen Boden preisgeben zu müssen. Wer stehen bleibt und nicht mehr in seine Beziehung mit Gott inves-
tiert, wird bald auch mit Veränderungen um sich herum Mühe
bekommen – in der Kirche, im eigenen Leben und in der Begegnung mit anderen. Man ist nicht mehr eine Quelle »des lebendigen Wassers«, das andere bewässert und Wachstum schenkt.
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