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395781000/1 – 10986 – Bradford-Hardin_Für immer beste Freunde typoscript [AK] – 10.05.2017 – Seite 3 –2. Korrektur

Jim Bradford mit Andy Hardin

FÜR IMMER BESTE

FREUNDE Der blinde Junge, der mir die Welt erklärte

Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Schäfer


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Der SCM Verlag ist eine Gesellschaft der Stiftung Christliche Medien, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für die Förderung und Verbreitung christlicher Bücher, Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt.

© der deutschen Ausgabe 2017 SCM-Verlag GmbH & Co. KG · Max-Eyth-Straße 41 · 71088 Holzgerlingen Internet: www.scm-haenssler.de · E-Mail: info@scm-haenssler.de Originally published in English under the title: The Awakening of HK Derryberry © 2016 Jim Bradford Published by arrangement with Thomas Nelson, a division of HarperCollins Christian Publishing, Inc. Cover art used by permission of Thomas Nelson Publishers All rights reserved. This work published under license. Die Bibelverse sind, wenn nicht anders angegeben, folgender Ausgabe entnommen: Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002 und 2006 SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten. Übersetzung: Anja Schäfer Umschlaggestaltung: Sophia Wald Titelbild: © Thomas Nelson Bilder im Innenteil: S. 1 rechts unten und S. 8 links unten © Michelle Morrow, restliche Bilder © Jim Bradford Satz: typoscript GmbH, Walddorfhäslach Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck Gedruckt in Deutschland ISBN 978-3-7751-5781-0 Bestell-Nr. 395.781


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INHALT Vorwort – Ein trauriges Dasein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9   1  Eine Tasse Kaffee für 25 Cent . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11   2  Der kleine Taschendieb . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17   3  Und täglich grüßt das Murmeltier. . . . . . . . . . . . . . . . . . 23   4  »Ich werde Sie mein Leben lang nie mehr vergessen« . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29   5  Die wundervolle Pearl und ihr Stammbaum. . . . . . . . . 35  6  Feierabend . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41   7  Eine lebensrettende Entscheidung. . . . . . . . . . . . . . . . . 45   8  Das Wunderbaby . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49  9  Sonntagskind . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55 10  Die Wirklichkeit kehrt ein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59 11  Mit meinen Augen sehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63 12  Herausforderungen in der Schule . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71 13  Brendas Überraschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77 14  Kein Baum, kein Licht, kein Weihnachtsmann . . . . . . . 83 15  »Mit Daten kenne ich mich einfach aus«. . . . . . . . . . . . 89 16  »Bleibst du noch hier, bis ich gebetet habe?«. . . . . . . 97 17  »Keine Sorge, Mr Bradford ist ein guter Fahrer«. . . . . 103 18  Bluegrass und Freunde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113 19  Die Titelstory . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123


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20  »Sie wissen ja, ich bin berühmt« . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 131 21  Der weltbeste blinde Pilot . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137 22  Stolz, Rotarier zu sein .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 147 23  Göttliches Eingreifen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 153 24  William kehrt zurück . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 161 25  Am Steuer und auf dem Pferderücken . . . . . . . . . . . . . 169 26 Football-Rivalitäten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 175 27  Das Spielertrikot . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181 28  Große Träume . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187 29  Der 16.  Geburtstag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 191 30  Auftritt vor großem Publikum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 199 31  Die Flut . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207 32  Die Erinnerungsgabe. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 217 33  König des Abschlussballs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 227 34  »Ich glaube, sie hätte mich geliebt«. . . . . . . . . . . . . . . . 235 Nachwort – Zu neuem Leben erwacht . . . . . . . . . . . . . . . . . . 245 Danksagung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 247


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Wirf dein Herz über den Zaun und der Rest folgt von selbst. Norman Vincent Peale »Ich führe Blinde einen neuen Weg, einen Weg, den sie nicht kannten, lasse ich sie gehen. Ich werde die Dunkelheit vor ihnen hell machen und den holprigen Weg vor ihnen ebnen. Diese Dinge werde ich ausführen und nicht davon ablassen.« Jesaja 42,16


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VORWORT – EIN TRAURIGES DASEIN Der kleine neunjährige Junge saß dort, wo er jedes Wochenende saß: am immer selben Fenstertisch eines Fast-Food-Restaurants. Er hockte zusammengekauert da, sein Ohr an ein altes, kaputtes Radio gepresst, das mit drei Streifen silbernem Klebeband zusammengehalten wurde und einen von zwei Sendern spielte: entweder Sportnachrichten oder Predigten von Pfingstpastoren. Wie das Schlappohr eines alten Hundes ragte oben aus dem Gerät eine krumme Antenne heraus. Pearl Derryberry, die Oma des Jungen, musste ihrer Teilzeitstelle bei Mrs Winner’s Chicken & Biscuits nachgehen, erst recht seitdem ihre Stelle im Gaswerk nach 31  Jahren einer Kürzung zum Opfer gefallen war. Die bescheidene Abfindung samt Sozialleistungen reichte gerade eben für sie und ihren Enkel, den sie alleine aufzog. HK war blind, litt an Zerebralparese, umgangssprachlich auch Kinderlähmung genannt, und konnte daher seine Gliedmaßen auf der rechten Seite nicht bewegen. Unter der Woche besuchte er die Blindenschule, aber ohne eine bezahlbare Betreuungsmöglichkeit am Wochenende blieb Pearl keine andere Wahl, als ihn mit in die Imbissstube zu nehmen. In den Pausen ihrer Neun-Stunden-Schichten sah Pearl regelmäßig nach ihm und zwischendurch aßen sie meist zusammen, während Stammkunden und Fremde vorüberliefen und die beiden kaum eines Blickes würdigten. Der kleine blinde Junge, der da über seinem Radio hockte, blieb für die Welt unsichtbar und nur wenige nahmen Notiz von ihm. So sah sein Leben seit dem Unfall aus.

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1 EINE TASSE KAFFEE FÜR 25 CENT Ich heiße Jim Bradford. Ich bin als mittleres von drei Kindern mitten auf dem Land im Norden Alabamas aufgewachsen. Niemals in meinen wildesten Träumen hätte ich mir ausgemalt, wie viel Segen ich in den 90er-Jahren erleben würde. Meine Frau Brenda und ich waren seit 35  Jahren verheiratet und stolze Eltern von zwei wunderbaren, gesunden Töchtern, Bridget und Julie. Ich war dankbar für meine – auch in finanzieller Hinsicht – erfolgreiche Vertriebskarriere in der Textilindustrie. Als dann die Mädchen zu unabhängigen jungen Frauen geworden waren und das Nest verließen, freuten Brenda und ich uns darauf, zu reisen und all das anzugehen, was wir nun seit Jahren aufgeschoben hatten. Rückblickend kann man sagen, dass wir unsere Idealvorstellung von einem erfolgreichen Leben erreicht hatten. Wir konnten uns beinahe alle materiellen Wünsche erfüllen und dachten ernsthaft über den Ruhestand nach. Wegen einer Versetzung innerhalb der Firma waren wir 1975 aus Montgomery in Alabama nach Williamson County im Bundesstaat Tennessee gezogen. Williamson County taucht regelmäßig unter den wohlhabendsten Landkreisen der USA auf und gehört

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zu den am schnellsten wachsenden Vorortregionen. Vor allem im Norden, wo der Landkreis an den Großraum Nashville grenzt, sind große Pferde- und Rinderfarmen inzwischen bewachten Luxussiedlungen für Pendler, mehrstöckigen Bürogebäuden und ausladenden Einkaufszentren gewichen. Unser Bungalow im Farmhaus-Stil mit Rotklinkerfassade und vier Schlafzimmern liegt in Brentwood, einem netten Pendlerstädtchen, 17 Kilometer von der Innenstadt Nashvilles entfernt. Dieses schattige, viertausend Quadratmeter große Grundstück gehörte vorher über mehrere Generationen zur Rinderfarm einer Familie, deren Geschichte bis zum Bürgerkrieg im 19.  Jahrhundert zurückreichte. Als wir dorthin zogen, stand weit oben auf meiner wöchentlichen Prioritätenliste, meinen restaurierten Oldtimer, einen Chevrolet Bel Air, Baujahr 1955, in Schuss zu halten – zusammen mit der Pflege des Gartens und unseres makellosen Rasens. Der Eigentümerverband kürte zwischen Mai und September jede Woche einen Garten zum schönsten der Region und mindestens einmal pro Sommer fand das Siegerschild seinen Weg auf unseren Rasen. Wir hatten viel zu tun, aber nahmen uns Zeit, einmal pro Woche mit langjährigen Freunden Tennis zu spielen. Der Tennis- und Schwimmverein befand sich nur zwei Straßen weiter und zog uns als Familie jeden Sommer magnetisch an. In unserer Siedlung herrschte an den meisten Tagen praktisch keinerlei Verkehr, sodass Spaziergänger, Jogger, Fahrradfahrer und Mütter mit Kinderwagen die ganze Straße für sich allein hatten. Alle Hunde waren angeleint. In unserem idyllischen Vorort ohne Kriminalität hätte sich jeder Hilfssheriff wohlgefühlt. Unser Lebensstil war schlicht und in keiner Weise ausschweifend. Wir fuhren ältere, gut gepflegte Autos. Unser Alltag drehte

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sich um die Gemeinde, wo man uns, wie so oft in den Südstaaten, mindestens dreimal pro Woche antraf, bei besonderen Anlässen auch häufiger. Ich hielt mich in jeglicher Hinsicht für völlig gewöhnlich, nicht besser und nicht schlechter als unsere Freunde und Nachbarn. Aber zweifellos hatte Gott unsere Familie reich gesegnet. Mit sieben Grad Celsius war der 16.  Oktober 1999 in meiner kleinen Ecke vom Paradies ein für diese Jahreszeit ungewöhnlich kühler Samstag. Vermutlich sehnte ich mich deswegen an diesem Morgen plötzlich nach einer heißen Tasse Kaffee. Normalerweise begrenze ich meine tägliche Koffeinzufuhr auf eine Tasse und dieses Maß hatte ich dank »Goldenem M« bereits erreicht. Aber heute war es anders, heute brauchte ich mehr. Unser morgendliches Tennismatch war zu Ende und meine Gedanken schweiften zur langen Liste meiner samstäglichen Pflichten. Daher verabschiedete ich mich rasch von meinen Tennispartnern. Ohne nachzudenken, nahm ich den zeit- und streckenmäßig längsten Rückweg nach Brentwood. Ich fuhr langsam und betrachtete die charmanten, alten Anwesen entlang des Tyne Boulevard. Mein gemütliches Tempo und die charakteristische Radiostimme von Moderator Garrison Keillor verstärkten mein Verlangen nach Kaffee und so bog ich südlich in die Hillsboro Street ein. Starbucks erschien als blinkende Vision vor meinem inneren Auge. Ich fuhr weitere fünf Kilometer und bog wie immer nach Osten in den Old Hickory Boulevard ein. An der Kreuzung Franklin Road war die Entscheidung eigentlich klar: rechts abbiegen, anderthalb Kilometer zum Starbucks fahren und zwei Dollar für eine Tasse Kaffee zahlen. Seltsamerweise bog ich spontan und ohne nachzudenken nach links ab und fuhr einen kurzen Weg

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über eine schmale Eisenbahnbrücke zu einer kleinen Imbissstube am Stadtrand von Brentwood. Bei Mrs Winner’s Chicken & Bis­ cuits gab es vor allem frittiertes Hühnerfleisch, aber man konnte hier auch frühstücken. Ich hatte dort schon ein, zwei Mal etwas gegessen, kann mich aber nicht daran erinnern, dass ich jemals nur für einen Kaffee dorthin gefahren wäre. Auf den kleinen Parkplatz passten nur wenige Autos, aber glücklicherweise fand ich einen Platz direkt gegenüber vom Eingang. Ich zog den Schlüssel aus dem Zündschloss und huschte eilig nach drinnen in die Wärme, denn ein unablässiger Nordwind sorgte an diesem wolkenverhangenen Tag dafür, dass die gefühlte Temperatur noch niedriger war. Zu meiner Überraschung war ich an diesem Samstagmorgen der einzige Gast, der sich etwas zum Mitnehmen holte. Als ich auf die Kassiererin zulief, fiel mir ein kleiner Junge auf, der allein an einem Fenstertisch saß. Ich wandte den Blick von ihm ab und konzentrierte mich auf meine Bestellung. Eine bunte Speisekarte hing hinter der Theke. Ein weiteres Schild über dem Eistee-Spender verkündete: »Maxwell-House-Kaffee hier! Lecker bis zum letzten Tropfen.« »Ich hätte gerne eine Tasse Kaffee«, sagte ich. »Sind Sie über 55?«, war die Antwort. Eine reichlich merkwürdige Frage, dachte ich. Ich möchte schließ­ lich keinen Alkohol kaufen, für den ich auf Volljährigkeit überprüft werden müsste. Dann erinnerte ich mich an Brendas häufige Bemerkungen, dass ich ein Hörgerät bräuchte, und fragte mich, ob ich sie richtig verstanden hatte. Etwas verwundert drehte ich mich um und sah nach, ob sie womöglich mit einer Person hinter mir gesprochen hatte. Aber ich war tatsächlich der einzige Kunde in der ansonsten leeren Imbissstube und sagte kleinlaut: »Ja.«

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