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PhIl roBertSon mit mark Schlabach
aus dem amerikanischen englisch von doris c. leisering
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Inhalt Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 Happy, happy, happy
1 Low-Tech . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 Happy, happy, happy leben – Regel Nr. 1: Das Leben vereinfachen (weg mit den Mobiltelefonen und Computern, ihr Yuppies!)
2 Freie Natur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31 Happy, happy, happy leben – Regel Nr. 2: Mein Enkel wird kein Stubenhocker!
3 Aufstehen, schlachten, essen . . . . . . . . . . . . . . 47 Happy, happy, happy leben – Regel Nr. 3: Kochen lernen (statt Müll essen)
4 Seltsame Kreaturen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61 Happy, happy, happy leben – Regel Nr. 4: Bloß nicht versuchen, die Frauen zu verstehen (sie sind seltsame Kreaturen)
5 Wer ist ein Mann?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75 Happy, happy, happy leben – Regel Nr. 5: Immer Schuhe tragen (das ist angenehmer für die Füße)
6 Kneipenchef . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87 Happy, happy, happy leben – Regel Nr. 6: Weg mit der Flasche (morgen früh werdet ihr mir dankbar sein)
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7 Jägerparadies . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103 Happy, happy, happy leben – Regel Nr. 7: Ein Haus am Wasser kaufen (damit hat man viel mehr Spaß)
8 Der Duck Commander . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119 Happy, happy, happy leben – Regel Nr. 8: Nie zu kleine Brötchen backen (wer weiß, vielleicht wird man dabei ja Millionär)
9 Familienunternehmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133 Happy, happy, happy leben – Regel Nr. 9: Es ist billiger, Verwandte zu beschäftigen (es sei denn, man kann sie nicht leiden)
10 Wenn es quakt wie eine Ente … . . . . . . . . . 149 Happy, happy, happy leben – Regel Nr. 10: Lieber gleich richtig (sonst muss man es zweimal machen)
11 Redneck-Kaviar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 167 Happy, happy, happy leben – Regel Nr. 11: Krebsen immer den Kopf aussaugen (wer das einmal gemacht hat, wird es immer wieder machen wollen)
12 Verlorene Söhne . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181 Happy, happy, happy leben – Regel Nr. 12: Vergeben lernen (dann ist das Leben viel einfacher)
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13 Wasserratten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201 Happy, happy, happy leben – Regel Nr. 13: Gottes Wort weitersagen (das wünscht er sich von uns)
14 Gründerväter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 217 Happy, happy, happy leben – Regel Nr. 14: Die Bibel lesen (wir können dieses einst so große Land noch retten – noch ist es nicht zu spät)
Nachwort – Briefe von der Familie . . . . . . . . . . 227 Ein Wort von Alan Ein Wort von Jase Ein Wort von Willie Ein Wort von Jep Ein Wort von Kay
Danke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 241 Glossar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 243
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Vorwort Happy, happy, happy
Als der Fernsehsender A&E TV auf uns zukam und anfragte, ob er eine Reality-Serie über unsere Familie drehen könnte, war ich eher zurückhaltend und wusste nicht genau, ob das funk tionieren würde. »Lassen Sie mich mal raten, wie es dazu kam«, sagte ich zu den Produzenten. Ich erklärte ihm, dass in meiner Vorstellung in der Zentrale von A&E in New York City in irgendeinem Sitzungszimmer alle Anzugträger, Yuppies und kreativen Köpfe des Senders zu einer Besprechung saßen und Ideen für eine neue RealitySerie hin und her diskutierten. Irgendwann meldete sich dann wahrscheinlich einer zu Wort und sagte: »Ähm, Bob, ich weiß, das klingt verrückt, aber warum machen wir nicht mal eine Serie über eine normale, funktionierende amerikanische Familie?« Und bestimmt rief ein Kerl auf der anderen Seite des Tisches: »Na, das ist ja mal was ganz Neues!« Heute sieht man im Fernsehen kaum noch etwas »Normales«. Und das ist schon seit über vierzig Jahren so. Die letzten Serien, in denen es normale Familien zu sehen gab, waren die Andy Griffith Show, Die Waltons, die Beverly Hillbillies (nicht lachen!) und Unsere kleine Farm. Das ist alles schon so lange her! Bestimmt fragte dann jemand bei der A&E-Sitzung: »Bob, wo in den USA finden wir eine normale, funktionierende Fa11
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HAPPY, HAPPY, HAPPY
milie?« Aus irgendeinem Grund suchten sie in West Monroe, Louisiana. Ehrlich gesagt unterscheidet sich unsere Familie nicht sehr von anderen Familien in den USA. Es gibt eine Mutter und einen Vater, vier erwachsene Kinder, vierzehn Enkel und ein paar Urenkel. Wir haben ein Familienunternehmen gegründet, es heißt Duck Commander. Es hat sich durch jede Menge harte Arbeit, Teamwork und Gottes Segen zu einem ziemlich lukrativen Geschäft entwickelt. Aber wie ihr beim Lesen dieses Buches feststellen werdet, hatten wir auch eine Menge Probleme und Kämpfe, wie es sie in vielen anderen Familien auch gibt. Wir haben gegen Alkohol- und Drogensucht gekämpft, wir hatten Probleme mit Geschwisterrivalität, und am Anfang unserer gemeinsamen Zeit als Familie lebten wir an der Armutsgrenze und am Rande der Verzweiflung. Es war nicht immer so, wie man es heute in der Serie im Fernsehen sieht. Außer unserem sehr männlichen Erscheinungsbild sind wir also auf den ersten Blick gar nicht so anders als alle anderen. Meiner Meinung nach ist aber das, was die Robertsons von vielen anderen Familien unterscheidet, unser Glaube an Gott und unsere Liebe zueinander. Beide sind bedingungslos, und das schon, solange ich zurückdenken kann. Für mich ist der eindrücklichste Teil jeder Folge von Duck Dynasty das Ende: wenn sich unsere Familie am Esstisch versammelt, um gemeinsam die Mahlzeit zu essen, die Miss Kay höchstpersönlich zubereitet hat. Es passiert nicht mehr sehr oft, dass Familien so zusammenkommen. Heutzutage sind alle ja sooooo beschäftigt. Alle sind derart in ihre Mobiltelefone und Computer vertieft, dass sie sich keine Zeit mehr nehmen, sich mit ihren Ehepartnern, Kin12
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Vorwort
dern, Enkeln, Onkels, Tanten und Großeltern hinzusetzen und gemeinsam zu essen. Die Familienstrukturen in den USA lösen sich nach und nach auf – aber nicht in unserem Haus. Thomas Jefferson, der dritte Präsident der Vereinigten Staaten, hat das schon damals sehr treffend ausgedrückt. Kurz nachdem die Gründerväter die großen Städte Europas verlassen hatten, um in die endlosen Weiten Amerikas zu ziehen, gab Jefferson folgende Warnung an das amerikanische Volk weiter: »Wenn Sie sich in großen Städten übereinanderstapeln wie in Euro- Das, was die Robe rtsons von viele pa, werden Sie auch so verdorben wern andere n den wie in Europa.« Ich werde nie in Familien unters c h eidet, ist unser eine Stadt ziehen, Leute! Wo ich lebe, Glaube a n Gott und unsere L bin ich mein eigener Notruf. Ich sage iebe zueinand er. immer: Wer zu lange in der Stadt lebt, läuft panisch weg, wenn plötzlich Schlangen aus den Bäumen fallen! Das andere Problem heutzutage in den USA ist, dass die jungen Frauen nicht mehr kochen können. Ihre Omas und Mütter haben für sie gekocht, aber sie haben sich nie die Zeit genommen, selbst kochen zu lernen. Andere Dinge haben sie mehr interessiert. Wenn man die ganzen Wohnsiedlungen und Vororte der USA schaut, wo die Karrieremenschen, die Yuppies, leben, sieht man überall voll besetzte Restaurants. Die Leute wollen kein Billigessen in sich reinstopfen und sind auf der Suche nach etwas Gutem. Sie wollen sich aber nicht die Zeit nehmen, es zuzubereiten. Der Vater arbeitet, die Mutter arbeitet, und damit hat keiner mehr die Zeit oder Energie, ein gutes Essen zu kochen. Also essen die Familien in Restaurants. Dort sind sie 13
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HAPPY, HAPPY, HAPPY
von Lärm und Chaos umgeben, anstatt in ihrem eigenen Zuhause als Familie wertvolle Zeit miteinander zu verbringen. Als ich zögerlich meine Zusage gab, bei der Serie Duck Dynasty mitzumachen, sagten die Produzenten, sie wollten eine Reality-Serie ohne Entenjagd. Daraufhin fragte ich sie, ob ihnen klar sei, dass ich den größten Teil des Tages in einem Unterstand oder im Wald verbringe. Viel mehr mache ich nicht! Ich fragte die Produzenten: »Sie haben es hier mit einem Haufen Rednecks zu tun, die Enten jagen. Meinen Sie denn wirklich, das funktioniert?« »Bei Ozzy Osbourne hat es funktioniert«, sagten sie. Ozzy hat es im Reality-Fernsehen geschafft und das hat uns ermutigt. Ich habe nicht viele Reality-Serien im Fernsehen gesehen und kannte mich deshalb nicht gut aus. Ich war aber hundertprozentig davon überzeugt, dass Duck Dynasty niemals funktionieren würde. Das zeigt, wie wenig ich darüber weiß, was die Menschen heute interessiert, denn ich lag total daneben. Ich habe beim besten Willen keine Ahnung, was die Leute an unserer Familie so faszinierend finden. Vielleicht ist es interessant, weil wir so leben, wie die Menschen eigentlich leben wollen. So, wie wir alle gelebt haben, bevor das ganze Leben derart hektisch wurde. Duck Dynasty hat uns berühmter gemacht, aber es hat uns ansonsten nicht sehr verändert. Miss Kay und ich leben noch immer im gleichen Haus am Ouachita River außerhalb von West Monroe, und ich fahre noch immer den gleichen Pick-up und jage mit den gleichen Gewehren und Hunden. Natürlich gehen wir immer noch jeden Sonntag zur Kirche, und ich lese immer noch in der Bibel. Das Einzige, was sich verändert hat, ist, dass 14
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Vorwort
es jetzt schwieriger ist, irgendwo hinzugehen. Das fängt schon bei Dingen an wie zum Beispiel auf der Autobahn zu fahren oder durch ein Flughafengebäude zu laufen. Wenn ich irgendwohin fahre, kann es passieren, dass mich jemand überholt und mich erkennt (natürlich an meinem Bart). Er holt sein Telefon raus und ruft seine Freunde an, und wenn ich einen Boxenstopp mache, muss ich eine halbe Stunde lang Autogramme geben und für Fotos posieren. Neulich waren wir zum Entenjagen in Arkansas und haben bei Walmart angehalten, um unsere Jagdlizenzen zu bezahlen. Wir waren in der Sportabteilung, als uns ein paar Leute erkannten. Also haben wir für Fotos posiert und T-Shirts signiert. Als wir endlich gehen wollten, kamen drei afroamerikanische Mädchen auf uns zu. »Na, Mädels? Ich wusste ja gar nicht, dass ihr auch auf Entenjagd seid!«, sagte ich zu ihnen. »Enten? Enten sind uns egal«, erwiderte eine von ihnen. »Ihr seid doch ZZ Top, oder?« Anscheinend schaut nicht jeder in den USA Duck Dynasty. Miss Kay und mir geht es nicht schlecht, und Gott hat uns wirklich gesegnet. Wir sind seit fast fünfzig Jahren verheiratet, und unsere Söhne sind erwachsen und liebevolle Ehemänner und Väter geworden. Sie sind genau solche Männer geworden, wie ich es mir immer gewünscht habe. Unser Geschäft läuft gut, obwohl ich Zweifel hatte, wie es sich entwickeln würde. Aber als die Jungs es übernahmen, haben sie ihm neues Leben eingehaucht, und es wächst immer noch. Nicht viele Menschen haben so viel Glück wie wir, bei all den Problemen, die es auf der Welt gibt. 15
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HAPPY, HAPPY, HAPPY
Seit ich die Geschäftsleitung meinen Söhnen übergeben habe, bin ich mit Jagen, Angeln und Vorträgen gut beschäftigt. Für die Letzteren hat Gott gesorgt. Diese Auftritte geben mir die Gelegenheit, das Evangelium zu predigen – und das muss ich einfach tun. Ich hatte die Gelegenheit, von all den Menschen, die mir auf diesem Weg begegnet sind, etwas zu lernen. Außerdem hatte ich die Chance, durch das ganze Land zu reisen. Ich hoffe, ich konnte den Menschen helfen, die diese Botschaft gehört haben. Und wohin geht es jetzt? Der Zeitpunkt, an dem das, was an mir Erde ist, zur Erde zurückkehren wird und der Geist zu Gott, der ihn gegeben hat, ist nah herangerückt. Ich bin bereit dafür … aber noch nicht ganz. Ich habe noch viele Vorträge zu halten, viele Unterstände zu bauen, viele Folgen von Duck Dynasty zu drehen und wer weiß wie viele Enten zu jagen. Das vielleicht Größte ist, dass ich das Leben so leben konnte, wie ich es wollte. Bisher war es herrlich, Jesus nachzufolgen. Er hat mich mächtig gesegnet. Und das macht mich happy, happy, happy!
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1 loW-tech happy, happy, happy leben – regel nr. 1: das leben vereinfachen (weg mit den mobiltelefonen und computern, ihr Yuppies!)
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as ist eigentlich aus dem guten alten An-/AusSchalter geworden? Ich habe ja nicht viele Wünsche, aber ich hoffe, dass wir eines Tages wieder dahin kommen, dass Geräte einen Schalter haben, auf dem »An« und »Aus« steht. Heutzutage hat alles eine PIN, einen Zugangscode oder einen geheimen Decoder. Ich glaube, die Technikfreaks haben es mit ihren Computern übertrieben. Genau das, was einmal als größte Neuerung zur Zeitersparnis seit Menschengedenken angepriesen wurde, der Computer, nimmt jetzt die meiste Zeit im Leben der Menschen ein. Ein super Beispiel dafür: Eine Zeit lang hatte ich einen Toyota Tundra, und ich wollte nicht die ganze Zeit mit eingeschalteten Scheinwerfern herumfahren. Wenn ich spät am Abend durch den Wald fahre, will ich keinen Scheinwerfer. Ich versuchte, den Scheinwerfer auszuschalten, aber es ging nicht. Eine ganze Stunde verbrachte ich mit einem Freund in dem Pick-up und 17
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HAPPY, HAPPY, HAPPY
versuchte, das Licht auszuschalten, aber wir konnten nicht herausfinden, wie es funktioniert. Also rief ich den Autohändler an und er sagte, ich solle in der Betriebsanleitung nachschauen. Aber es stand nicht in der Betriebsanleitung, die so dick war wie die Bibel. Schließlich, etwa zehn Tage später, sagte mir mein Kumpel, der sich bei ein paar jungen Kerlen mit Toyota-Pickups in der Stadt schlaugemacht hatte, er hätte jetzt den »Code«, um die Scheinwerfer auszuschalten. Und jetzt hören Sie genau zu: Zuerst muss man den Motor ausschalten. Dann muss man mit dem linken Fuß auf die Feststellbremse treten, bis man einen Klick hört. Nicht zwei Klicks – nur einen! Wenn man zwei Klicks hört, muss man die Bremse wieder ganz lösen und von vorn anfangen. Also, nachdem man einen Klick gehört hat, lässt man den Motor wieder an. Ich saß da und dachte: Warum in aller Welt braucht man einen Code, um die Scheinwerfer auszuschalten? Welcher verrückte Wissenschaftler hat sich das einfallen lassen? Mal im Ernst, was für ein Hirn denkt sich so was aus? Für mich ist das nicht logisch. Ich verstehe es einfach nicht, aber so ist es in der Welt von heute nun mal. Ich vermisse die Zeiten, als das Leben noch einfach war. Ich stamme aus ganz, ganz einfachen Verhältnissen. Als kleiner Junge, in der äußersten nordwestlichen Ecke von Louisiana, nur knapp zehn Kilometer von der Grenze zu Texas und fünfzehn von der Grenze zu Arkansas entfernt, besaßen wir alle in unserer Familie nicht viel. Doch selbst in den härtesten Zeiten habe ich weder von meinen Eltern noch von meinen Geschwistern je die Worte gehört: »Mann, sind wir arm!« Wir hatten nie ein neues Auto, schöne Kleidung oder viel Geld, und wir wohnten ganz sicher nie in einem extravaganten 18
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Low-Tech
Haus. Aber wir waren immer happy, happy, happy – ganz egal, wie die äußeren Umstände waren. Mein Vater James Robertson war einfach so. Ihm war der ganze Schnickschnack und Komfort im Leben egal, er war völlig zufrieden mit dem, was er hatte, und wir waren es auch. Wir versorgten uns als Familie selbst und aßen das Obst und Gemüse, das in unserem Garten wuchs. Oder eben das, was Gott uns auf andere Weise schenkte. Und wenn wir großes Glück hatten, gab es Fisch oder Fleisch von Wild, Eichhörnchen oder anderen Tieren, die meine Brüder und ich in der Gegend um unser Haus herum jagten oder fingen. Außerdem züchteten wir auf unserer Farm noch Schweine, Hühner und Rinder. Ich wuchs zwar in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts auf, aber wir lebten wie hundert Jahre früher. Mein Vater erinnerte uns immer daran, dass in seiner Kindheit seine Familie mit dem Pferdewagen in die Stadt fuhr, um ihn dort mit den Vorräten für Wir fuh einen ganzen Monat zu beladen. Für wegen ren nur selten Lebensm itteln in nur fünf Dollar konnten sie genug die Stadt. Wahrsch einlich, Mehl, Salz, Pfeffer, Zucker und an- weil wir nur selten fü nf Dollar zu dere Grundnahrungsmittel kaufen, m Ausge b en hatten, g eschweig um wochenlang zu überleben. Auch e denn genug B enzin, um wir fuhren nur selten wegen Lein die Stadt zu k o m m en! bensmitteln in die Stadt. Wahrscheinlich, weil wir nur selten fünf Dollar zum Ausgeben hatten, geschweige denn genug Benzin, um in die Stadt zu kommen! Ich wuchs in einer kleinen Blockhütte im Wald auf, und die lag weit von allen schicken Städten entfernt. Die Hütte 19
395579000/1 – 9581 – Robertson-Schlabach_Happy, happy, happy typoscript [AK] – 10.07.2014 – Seite 20 – 4. Korrektur
HAPPY, HAPPY, HAPPY
war an der Wende zum 20. Jahrhundert erbaut worden und ursprünglich ein schmaler Flachbau mit drei Räumen gewesen. Irgendwann hatte jemand noch einen kleinen vorspringenden Verschlag an die südwestliche Ecke des Hauses angebaut. Der Raum hatte eine Verbindungstür zum Hauptzimmer, wo sich der Kamin befand. Ich nehme an, derjenige, der den Raum angebaut hatte, dachte, in der Nähe des Kamins wäre es am wärmsten. Der Kamin war die einzige Wärmequelle in unserem Haus. Im Rückblick muss ich aber sagen, dass es wirklich egal war, wo man den Raum anbaute, weil die Innenwände weder isoliert noch verputzt waren. So oder so, es war kalt. In diesem kleinen Anbau schlief ich mit meinen drei älteren Brüdern: Jimmy Frank, dem Ältesten, der zehn Jahre älter als ich war; Harold, sechs Jahre älter und Tommy, zwei Jahre älter als ich. Ich habe nie darüber nachgedacht, dass ich mit meinen drei Brüdern in einem Bett schlief, ich dachte, alle machen das so. Mein jüngerer Bruder Silas schlief im Hauptzimmer am Westende des Hauses, weil er zum Bettnässen neigte. Meine ältere Schwester Judy schlief ebenfalls in diesem Raum. Ich weiß noch, wie es sich anfühlte, wenn man im Winter versuchte im Anbau zu schlafen. Wir hatten viele schlaflose Nächte. Die überlappenden Bretter an den Außenwänden des Hauses waren nicht in der Lage, den Wind abzuhalten, und waren nutzlos gegen die frostigen Temperaturen. Der Anbau war extrem klein und es passte nichts weiter hinein als ein normales Bett und eine ramponierte Kommode. Meine Brüder und ich bewahrten einige Bilder, Andenken und anderen Krimskrams auf den 60 mal 120 Zentimeter langen Kreuzverstrebungen der Innenwände auf. Jeden Abend vor dem Zubettgehen packten 20
395579000/1 – 9581 – Robertson-Schlabach_Happy, happy, happy typoscript [AK] – 10.07.2014 – Seite 21 – 4. Korrektur
Low-Tech
wir aus, was wir in den Taschen hatten – meist eine Handvoll Murmeln und was wir sonst noch am Tag gefunden hatten. Diese Schätze legten wir auf die Kreuzverstrebungen und luden sie am nächsten Morgen wieder in unsere Taschen. Im Kampf gegen die Kälte lagen meine Brüder und ich in schweren, handgearbeiteten Decken regelrecht »geschichtet« im Bett. Jimmy Frank und Harold waren die Größten, also schliefen sie jeweils an den Rändern, und Tommy und ich zwischen ihnen. Mein Vater James und meine Mutter Merritt (als unsere Kinder geboren wurden, fingen wir an, sie Opa und Oma zu nennen) schliefen in einem kleinen Raum in der Mitte des Hauses. Meine jüngste Schwester Jan war das Nesthäkchen und schlief in einem Kinderbettchen neben dem Bett meiner Eltern, bis sie alt genug war, bei Judy zu schlafen. Der Kamin war der einzige Ort, wo man sich aufwärmen konnte. Er war aus dem roten Naturstein gebaut, den es in unserer Gegend gab, und war ziemlich groß. Einer meiner Brüder witzelte einmal, er sei groß genug, um »ein nasses Maultier zu verbrennen«. Weil der Kamin die einzige Wärmequelle im Haus war, war er der Ort, an dem wir uns als Familie trafen. Im Winter war derjenige, der als Erster aufstand – irgendwie war das immer Harold –, dafür verantwortlich, Feuer zu machen. Meistens ließ es sich mithilfe von Kienspan wieder entfachen, aber manchmal musste man auch die Kohlen anblasen, um das Feuer zu schüren. Zu meinen liebsten Kindheitserinnerungen gehört es, dass wir in den Kaminkohlen Kartoffeln backten und Hickorynüsse rösteten. Die aßen wir dann meistens zusammen mit den hausgemachten Dillgurken meiner Mutter. Süßigkeiten oder anderes ungesundes Essen gab es nicht in unserem Haus. 21