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Alexander Garth
Wozu? Den Sinn des Lebens suchen
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Inhalt Die Frage nach dem Sinn des Lebens . . . . . . 7 Wen interessiert das?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Fremdbestimmt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Wenn die Sehnsucht nach Sinn verstummt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 »Ich sehe keinen Sinn« . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 Wie der Mensch die Sinnfrage entdeckte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 Gott als Schlüssel .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 Ist die Sinnfrage überhaupt sinnvoll? . . . 21 Zum Sinnsucher verurteilt . . . . . . . . . . . . . . 24 Sinnfrage und Gottesfrage . . . . . . . . . . . . . . . . 27 Trostloser Atheismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29 Fortpflanzung als Lebenssinn. . . . . . . . . . . 32 Genuss als Lebenssinn. . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 Liebe als Lebenssinn .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 Arbeit als Lebenssinn. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37 Humanismus als Sinn-Motor . . . . . . . . . . . . 39 Ein unmoralisches Weltbild. . . . . . . . . . . . . 43 Der Tod als alles fressender Sinnkiller. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
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Auf der Suche nach Identität . . . . . . . . . . . . . . 49 Nur in die Welt gepresst werden, um am Ende zu sterben?. . . . . . . . . . . . . . . . 49 Ein Kochbuch und die Frage nach erfülltem Leben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53 Wer bin ich? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55 Zwischen Biochemie und Transzendenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59 Ganz schön schlau und trotzdem keine Ahnung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59 Nichts als Materie?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61 Der Mensch ist viel mehr als … . . . . . . . . . . 64 Mehr als ein Zufallsprodukt?. . . . . . . . . . . . 65 Was ist der Mensch? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66 Gottes Ebenbild . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67 Sinn suchen – Gott entdecken .. . . . . . . . . . . . 69 Gewollt und geliebt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71 Beauftragt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72 Die Geschichte vom Gott preisenden Bettler. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73 Das letzte große Ziel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
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Die Frage nach dem Sinn des Lebens Wen interess iert das ? Wozu in aller Welt lebe ich eigentlich? Wen interessiert überhaupt diese Frage? Geht es nicht um ganz andere Dinge in unserer Zeit und Kultur? Ist unser Leben nicht überladen von unzähligen Dingen, die uns völlig in Beschlag nehmen? Wir sitzen vor einem übervoll gedeckten Tisch. Alles ist im Übermaß vorhanden: Erlebnismöglichkeiten, Informationen, Reize, Menschen, Bilder, Lebenskonzepte, Konsumartikel, Weltanschauungen, Lebensmittel, Religionen, Musik, Klamotten, kulturelle Angebote, Lebensperspektiven, Fernsehprogramme, Kulturen. Tausend Dinge stürzen täglich auf uns ein. Mit einem Mausklick kann man den Urlaubstrip in die Kanaren erwerben, die neuste Musik streamen, die schönsten Frauen anstarren, seinen Shopping-Trip nach Mailand buchen, die Tickets für das Konzert der
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angesagtesten Band reservieren, den Traumwagen kaufen, seinen Lieblingsfilm downloaden, einen Videoclip anschauen. Das Leben ist ein gigantischer Marktplatz geworden, wo wir als Verkäufer und Kunde, als Werber und Umworbener zocken und abgezockt werden, bewerben und beworben werden, zutexten und zugetextet werden. Nicht nur, dass sich die Zahl der Angebote und der Anbieter astronomisch vergrößert hat, die Vielfalt und Verschiedenartigkeit ist unübersichtlich und unverständlich geworden. Wer findet da noch Muße, sich mit der Frage nach dem Sinn des Lebens auseinanderzusetzen? Fast jeder jammert über Stress und Überforderung, vom Schulkind bis zum Greis. »Alles zu viel« – so könnte man das Lebensgefühl vieler Menschen zusammenfassen. Wir haben eine überbordende Anspruchshaltung an das Leben entwickelt. Wir wollen immer mehr: mehr Klamotten, mehr TV, mehr Reisen, mehr Party, mehr Kneipe, mehr Sport, mehr Abenteuer, mehr Kick. Suchtartig stürzen wir uns ins Leben, um zu konsumieren, zu erleben, zu horten – bis zur Übersättigung. Freunde und Kollegen sagen uns, was heutzutage alles ein Muss ist. Wir machen uns »Must-do-Listen«,
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die wir dann mühsam abarbeiten. »Wir amüsieren uns zu Tode«, so der Titel von Neil Postmans Bestseller aus den 1980er-Jahren, der vor der Verblödung durch das Fernsehen warnt. Doch der Amüsierbetrieb von damals war vergleichsweise harmlos im Vergleich zur heutigen Rundumversorgung mit Zerstreuung. Wir befinden uns in einer Steigerungsspirale: Alles muss immer besser, effizienter, schneller, weiter, begeisternder, großartiger, leistungsfähiger sein. Haben wir letzte Woche einen guten Film gesehen, der uns geistig und emotional inspirierte, muss der Film in der nächsten Woche noch großartiger sein. Lässt sich das Leben wirklich endlos steigern? Wo führt uns diese Steigerungsmentalität hin? Wie viel Optimierung und Intensivierung ertragen wir eigentlich? Die Beschleunigung des Alltags hat uns im Griff. Schnelle Kommunikations- und Transportwege raffen die Zeit. Wir leben und arbeiten immer ungestümer und hektischer: arbeiten, essen, reisen, fernsehen, Bücher lesen. Lange Spannungsbögen ertragen wir kaum noch. Alles muss sofort faszinieren, fesseln, interessieren, begeistern. Die Bilder im Musikclip wechseln im Sekundentakt. Kaum hat man die Schönheit
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einer Frau auch nur ansatzweise wahrgenommen, springt die nächste ins Bild. Filme, die langsam Emotionen aufbauen, finden wir langweilig. »Fassen Sie sich kurz« ist der allgemeine Anspruch. Dicke Bücher haben es immer schwerer. Was nicht sofort interessiert, wird weggezappt: Filme, Bücher, Lehrer, Freunde, Kollegen, Musiker, Pfarrer.
Fremdbestimmt Wir werden total in Beschlag genommen von dem, was unmittelbar auf uns einströmt: Ist die Frage nach dem Sinn des Lebens dann überhaupt von Interesse? Die Wahrheit ist: Wenn wir uns einfach treiben lassen, ohne zu wissen, wofür wir leben, dann wird das Leben für uns zu einem Strudel, der jeden mitreißt, der sich ohne Verankerungen auf die Strömung der Zeit einlässt. Wir sind der Fülle von Eindrücken, Aufgaben, Personen, Dingen und Reizen nicht mehr gewachsen. Wenn wir die Frage nach dem Sinn ignorieren, dann verlieren wir
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nicht nur an Lebensqualität. Vielmehr verlieren wir uns selbst. Wenn wir rastlos Erlebnissen und Konsumgütern hinterherjagen, werden wir von uns selbst entfremdet. Die Beziehung des Menschen zu sich, zu seinem Mitmenschen und schließlich auch zur Welt wird beschädigt. Er fühlt sich fremd gegenüber seinem eigenen Leben. Der von seiner Gier getriebene Mensch lebt nicht mehr wirklich, er wird gelebt von tausend Zwängen, die seine Seele manipulieren. Er wird dirigiert und gehetzt von Umständen, von Menschen, Terminen, Reizen, Verpflichtungen, Angeboten. Sein Herz kann nicht mehr frei wählen. Es ist fremdbestimmt, programmiert von Werbung und Medien. Er denkt, er sei ein Original, in Wirklichkeit ist er eine armselige Kopie. Er denkt, er habe sich frei entschieden. In Wahrheit folgt er nur dem Mainstream – wie alle in seiner Clique, in seiner Firma, in seiner Seminargruppe, in seiner Klasse, in seinem Sportverein, in seinem Club. Er hält sich für einen originellen Individualisten, der souverän seinen eigenen Weg geht. In Wirklichkeit folgt er einer gelenkten Masse. Er glaubt, dass er autonom sein Leben steuere, aber in Wahrheit ist er dirigiert von fragwürdigen Bedürfnissen, die von
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außen in ihn eingepflanzt wurden. Die Frage, auf die es ankommt, stellt er nicht. Er fragt sich niemals, wer er wirklich ist, denn er bezieht seine Identität durch das, was er hat, was er kauft, welche Markenklamotten er trägt, was für Musik er hört, was für Freunde er hat, was für ein Auto er fährt, welche Abschlüsse er macht, welche Aufträge er an Land zieht. Er kommt nicht auf die Idee, nach seinem wahren Ich zu fragen: Wer bin ich ohne Bankkonto, ohne Kreditkarte, ohne Führerschein, ohne Doktortitel, ohne Clique, ohne Auto, ohne Selbstinszenierung bei Facebook? Wer bin ich eigentlich und was bleibt von mir, wenn ich diese unzähligen Dinge, über die ich mich definiere und mit denen ich mich umgebe, nicht mehr habe? Diese Frage könnte ihn erlösen und zu sich zurückbringen. Aber genau diese Frage meidet er wie der Teufel das Weihwasser. Sie würde seine Entfremdung von sich selbst offenbaren. Sie würde die Leere und Sinnlosigkeit seines Lebens enthüllen. Nur manchmal, wenn die Musik aus ist, wenn die Lampen verlöschen, wenn der Konsumtempel schließt, wenn die Gläser leer sind, wenn die Gesichter abgeschminkt und die Instrumente weggepackt werden, befällt ihn die
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leise Ahnung, dass er eine fremde Rolle spielt und dass er in dem Leben, welches er führt, nicht wirklich zu Hause ist. Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist aktueller denn je, wenn wir uns nicht selbst verlieren wollen in der Banalität des täglichen Lebens. Der Soziologe Gerhard Schulze prognostiziert in seinem 2004 erschienenen Buch »Die beste aller Welten«: »Das 21. Jahrhundert wird wie nie zuvor die Frage nach dem Wozu stellen, nach dem was zeitlos wahr und gut ist.«
Wenn die Sehnsucht nach Sinn verstummt Zwei Schreckens-Szenarien haben uns als Studenten in den 1980er-Jahren beschäftigt: Es waren die Romane »Schöne neue Welt« von Aldous Huxley und George Orwells »1984«. Orwell entwirft darin das düstere Bild eines totalitären Überwachungsstaates, der das Leben seiner Bürger bis in die privatesten Details kon-
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