395435000/1 – 8733 – Siebald_Lass uns leise jubeln typoscript [AK] – 21.02.2013 – Seite 3 – 5. Korrektur
Manfred Siebald
Lass uns leise jubeln Noch mehr Liedergeschichten
395435000/1 – 8733 – Siebald_Lass uns leise jubeln typoscript [AK] – 21.02.2013 – Seite 5 – 5. Korrektur
Inhalt Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Morgenmantelmorgen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 Karlchen Mäleon . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 Bewahre uns . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 Du hast es schwer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25 Im Frühjahr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 Es geht ohne Gott (in die Dunkelheit) . . . . . . . . . . . 35 Bücher .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39 Auf den ersten Blick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44 Es wird nicht immer dunkel sein .. . . . . . . . . . . . . . . . 50 An jedem hellen Frühlingstag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57 Auf dein Wort hin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61 Gekreuzigter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68 Das kleine Kreuz an deinem Hals . . . . . . . . . . . . . . . . 74 Der Tag hat sich geneigt .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78 Alle Tage, alle Nächte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82 Für heute und hier . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86 Wer das Wasser in der Wüste kennt . . . . . . . . . . . . . . 91 Aber sicher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95 Friede sei mit dir .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100
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Das ungedüngte Feld . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103 Zuhaus in meiner Haut . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108 Alles, was in mir ist . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 112 Du dienst uns .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 Wir müssen einen Ausschuss bilden .. . . . . . . . . . . . . 120 Mitten unter uns .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 128 Manchmal spreche ich ganz leise .. . . . . . . . . . . . . . . . 132 Einfach leben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 136 Jakob . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 141 Lass uns leise jubeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 145 Hab keine Angst, mein Kind . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150 Wir haben es uns gut hier eingerichtet . . . . . . . . . . . 155 Das Beste kommt noch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 159 Wenn ich angekommen bin .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 163 Und sollte morgen die Welt untergehn . . . . . . . . . . . 168 Du kannst singen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 172 Erwähnte Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 177 Die Lieder • Die CDs • Die Rechte . . . . . . . . . . . . . . . . 179
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Lass uns leise jubeln Für Christine nach dreißig Jahren Viele Sommer, viele Winter haben wir durchlebt, haben sie durchstürmt, durchhumpelt, haben sie durchschwebt. Nun sind wir hier angekommen, wo wir staunend sehn: Wir sind immer noch zusammen, und es ist noch schön. Lass uns leise jubeln, zärtlich feiern und uns einfach tief im Innern freun. Lass uns leise jubeln, langsam tanzen, Gott für alles dankbar sein. Können wir denn damit prahlen, dass uns Bitternis, Leiden oder Sterben noch nicht auseinanderriss? Nein – wir waren lange doch genauso liebesblind wie die Freunde, die schon längst nicht mehr zusammen sind.
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Gut – wir haben uns bemüht und achteten darauf, dass ein Streit nicht bitter wurde, gaben nicht gleich auf; doch wir hingen, wenn im Haus nicht alles grade lief, immer ab vom Segen Gottes. Der hing niemals schief. Lass uns leise jubeln … Lass uns still genießen, was uns heut der Himmel schickt, so dass unser Jubel nicht die Trauernden erdrückt. Und lass unser Haus und unsre Herzen offen stehn für die Freunde, die nun einsam durch ihr Leben gehn. Lass uns leise jubeln …
Im Kreis unserer Freunde gab es in den frühen siebziger Jahren eine regelrechte Hochzeitswelle. Sowohl unter unseren Kommilitonen in der Studentenmission
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395435000/1 – 8733 – Siebald_Lass uns leise jubeln typoscript [AK] – 21.02.2013 – Seite 147 – 5. Korrektur
in Deutschland als auch innerhalb unseres Chores der Christus Sänger hatten sich Menschen ineinander verliebt und beschlossen, zusammen alt zu werden. Bei manchen Paaren nickten wir alle und sagten: Die sind füreinander geschaffen. Bei anderen waren wir erstaunt, wie sich doch manchmal Gegensätze anziehen. Auf alle Fälle luden wir einander zu den verschiedenen Hochzeiten ein und feierten ausgiebig das Geschenk von Freundschaft und Liebe. So oft geschah das, dass ich manchmal sagte: Wir haben uns in unserem Chor gegenseitig aufgeheiratet. Nun besteht das Leben wahrlich nicht nur aus Feiern. Es bringt auch den Alltag mit sich, die Konflikte und die Zeiten der Krankheit. Auch das haben wir in den folgenden Jahren versucht, miteinander zu teilen. Wir sahen, wie Kinder geboren wurden, beruf liche Wege anfingen und zu Ende gingen, wir litten mit, wenn eine schwere Krankheit in einer Familie zuschlug oder der Tod sie zerriss. Besonders belastend empfanden wir, dass auch in manchen scheinbar ganz harmonischen Ehen der Haussegen allmählich immer schiefer hing und Konflikte sich verhärteten, die schließlich ein dauerhaftes Zusammenleben unmöglich erscheinen ließen. Wir konnten von außen meist wenig helfen. Wir liebten sie und wir liebten ihn, verstanden sie und verstanden ihn, aber wir schafften es nicht, zwischen diesen zwei Menschen haltbare
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395435000/1 – 8733 – Siebald_Lass uns leise jubeln typoscript [AK] – 21.02.2013 – Seite 148 – 5. Korrektur
Brücken zu bauen, die sie beide gehen konnten. Wir haben dann gelernt, dass Freundschaft nicht nur heißt, miteinander zu feiern, sondern auch miteinander zu fasten. Christine und ich empfinden es als Geschenk, nun schon viele Jahre glücklich miteinander zu leben. Un- sere Silberhochzeit (und gleichzeitig unsere beiden 50. Geburtstage) feierten wir 1998 mit einem großen Fest, »125 Jahre Siebald«, bei dem viele unserer Künst lerfreunde etwas beitrugen, Lieder sangen, rezitierten, ihre Instrumente spielten und tanzten. Zum 30. Hoch zeitstag hatten wir das Gefühl, es etwas leiser angehen lassen zu sollen. Deswegen schrieb ich für meine Frau ein ganz kleines, stilles Lied. Das war nicht nur als Kontrast zu dem großen Silberhochzeitsfest gemeint, sondern es wollte auch ausdrücken, dass wir es für nicht selbstverständlich hielten, immer noch zusammen zu sein. Gerade im Blick auf diejenigen unserer Freundinnen und Freunde, die inzwischen aus irgendwelchen Grün den allein waren, war es uns ein Bedürfnis, nicht mit unserem Glück zu prahlen und unsere Freude nicht so laut hinauszuposaunen, dass es die inzwischen allein durchs Leben Gehenden belastete und traurig machte. Wir mochten manches richtig gemacht haben, aber im Letzten blieb unser gemeinsames Glück doch ein riesengroßes Geschenk. Unsere Dankbarkeit hat uns
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395435000/1 – 8733 – Siebald_Lass uns leise jubeln typoscript [AK] – 21.02.2013 – Seite 149 – 5. Korrektur
einfach besonders sensibel für diejenigen gemacht, die in ihrer Lebensgeschichte wenig Anlass zum Danken fanden. Der Jubel über Gottes Güte kann manchmal ganz leise sein, aber er wird unsere Herzen und unser Haus für die öffnen, die wenig zu jubeln haben.
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