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395401000/1 – 8295 – Goode_Das Licht des Orients typoscript [AK] – 28.09.2012 – Seite 3 – 2. Korrektur

Reema Goode

Das Licht des Orients Wunderbare Begegnungen in der arabischen Welt


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Inhalt Vorwort von Bruder Andrew . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Dank . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 Die Geschichte hinter der Geschichtenerzählerin. . . . . . . 13 Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 1. Die offene Tür . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 2. Mit der Angst umgehen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38 3. Fragen öffnen Türen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54 4. Wenn man am wenigsten damit rechnet. . . . . . . . . . 70 5. Die Belange der Familie. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90 6. Die Dschinns und der böse Blick. . . . . . . . . . . . . . . . 106 7. Träume und Visionen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122 8. Ohne Gemeinde geht es nicht. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 138 9. Tropfen der Gnade . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150 Weitere Informationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157


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Vorwort Gott wirkt auf geheimnisvolle Weise, und manchmal auch durch Ereignisse, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Im Jahr 1990 prägte Luis Bush den Begriff »10/40-Fenster« für ein Gebiet der Erde, in dem die meisten unerreichten Volksgruppen des Planeten leben. Auch in den Medien steht die arabische Welt immer wieder im Brennpunkt. Beide Aspekte – der geistliche und der politische – hatten großen Einfluss auf die weltweite Gemeinde Jesu. Warum? Gott gebrauchte beides, um den Blick seiner Gemeinde auf die islamische Welt zu lenken – eine Welt, deren Bevölkerung damals 51 Prozent der Weltbevölkerung ausmachte und noch kaum etwas vom Evangelium gehört hatte. In den nächsten zwei Jahrzehnten konzentrierte sich durch eine Reihe von weltbewegenden Ereignissen die Aufmerksamkeit auf diese Regionen noch weiter – nicht nur auf die islamische Welt im Allgemeinen, sondern insbesondere auf die arabisch-islamische Welt. Worte, die in unserem Leben zuvor nie eine Bedeutung hatten, wurden Teil unseres Alltagsvokabulars: Koran, Allah, Burka, Dschihad. Das Bewusstsein für und die Sorge um eine Milliarde Menschen, die unter islamischer Herrschaft leben, stieg sprunghaft an. Bücher über den Islam, die arabische Kultur und darüber, wie man mit Muslimen über den christlichen Glauben reden kann, überschwemmten den Buchmarkt. Scharen von Christen auf der ganzen Welt begannen zu beten, zu spenden und zu gehen. Aber heute, nach zwei Jahrzehnten konzentrierter und weiter wachsender Bemühungen der Gemeinde Jesu, scheinen die Fernsehnachrichten aus dem Nahen Osten so deprimierend 16


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wie eh und je zu sein. Antwortet Gott auf unsere Gebete? Tut er überhaupt etwas im Leben von Muslimen? Und wenn ja, was? Genau darum geht es in diesem Buch. Unsere Familie lebt seit über zwölf Jahren mitten in einer typischen muslimischen Nachbarschaft. Wir möchten Ihnen einen Einblick in das geben, was wir als Christen, die »vor Ort« in einem islamischen Land leben, zu sehen bekommen. Wir denken, das wird Sie sehr ermutigen. Dies ist kein Buch über die Religion Islam an sich oder über die arabische Kultur, und es ist auch keine Anleitung über die Arbeit unter Muslimen, denn zu diesen Themen gibt es schon viele hervorragende Bücher. Wir möchten einen etwas anderen Blickwinkel einnehmen: Statt dem Leser eine »LuftaufnahWir möchten Ihnen einen me« der islamischen Welt im Einblick in das geben, was wir als Christen, die »vor Ort« in Allgemeinen zu zeigen, möcheinem islamischen Land leben, ten wir das »heranzoomen«, zu sehen bekommen. was Gott tatsächlich in den letzten Jahren im praktischen, alltäglichen Leben an einem einzigen von vielen islamischen Orten getan hat. Statt über Statistiken zu reden, die beleuchten, wie Muslime zu Jesus finden, möchten wir mit Ihnen anhand von Geschichten durch die Nachbarschaft gehen, in der wir leben. Sehen Sie selbst, wie unglaublich kreativ, vielfältig, unerwartet und aufregend Gott unsere Nachbarn mit dem Evangelium von Jesus Christus erreicht. Sein Wort breitet sich aus, und sein Geist bestätigt ihrem Herzen die Wahrheit – ganz greifbar. Obwohl die Geschichten in diesem Buch ermutigend, aufbauend und manchmal sogar humorvoll sind, können wir nicht leugnen, dass die islamische Welt oft ein gefährlicher Ort ist. Wo wir leben, steht es unter Strafe, einen Einheimischen zu Jesus zu führen. Muslime, die sich bekehren, wissen, 17


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dass sie wahrscheinlich Verfolgung erleben oder sogar sterben werden. Dennoch kommen jedes Jahr immer mehr Christen nach Arabien, um dort als Zeugen für Jesus Christus zu leben, und jedes Jahr gibt es mehr Geschichten wie diese zu berichten. Die folgenden Geschichten sind echte Erlebnisse von echten Menschen, die wir persönlich kennen. Natürlich haben wir einige Details und alle Personen- und Ortsnamen geändert, um die beteiligten Personen zu schützen. Wir beten, dass dieses Buch Gott verherrlicht, seine Kinder für ihren eigenen Glaubensweg inspiriert und Christen auf der ganzen Welt die Mut machende Botschaft vermittelt, dass Gottes Licht der Liebe auch die dunkelste Festung erhellt. Wir hoffen ebenfalls, dass diese Geschichten zu noch mehr Gebet für die islamische Welt und zu mehr Barmherzigkeit für die Menschen führen, die unter der Herrschaft des Islam leben. Diese Geschichten bezeugen, wie Gott Türen für das Evangelium öffnet, sein Wort bestätigt, seine Liebe offenbart und die Herzen von Menschen in Arabien gewinnt. Ja, Gott antwortet auf Gebete, und er baut seine Gemeinde! Wenn die Tore der Hölle ihr nichts anhaben können, wie könnte es dann der Islam?

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2. Mit der Angst umgehen Es hatte wie ein ganz normaler Anruf geklungen. Wie eine ganz normale Einladung. »Komm am Donnerstag um neun zu uns«, hatte Mozi gesagt. Mike würde dann inzwischen daheim sein, um auf die Kinder aufzupassen, also war er einverstanden. Wir hatten keinen Verdacht. In diesen ersten Jahren waren wir fest in die Nachbarschaft hineingewachsen. Wir gingen in den Häusern der anderen ein und aus und sie in unserem. Mozi hatte mich schon oft noch spät am Abend eingeladen, ebenso wie viele andere Frauen. Nachdem das Tagwerk getan war, die letzten Gebete verrichtet und die Spuren des Abendessens beseitigt waren, hatten die Frauen Zeit für sich. Früher am Tag, während der »regulären« Besuchszeiten, waren manchmal mehrere Gäste im Haus, und dann war es schwierig, tiefgründige Gespräche zu führen. Doch nach neun war alles ruhig. Manchmal redeten wir stundenlang, oft über geistliche Dinge. Mozi und ihre sieben anderen weiblichen Verwandten, die bei ihr im Haus lebten, waren mir besonders ans Herz gewachsen. Wir hatten unzählige Stunden gemeinsam zugebracht, hatten uns Als Mozi mich an jenem gegenseitig besucht, uns unterhalten Abend anrief, gab es überhaupt keinen Grund, und einfach gelebt. Mike und ich eine Falle zu vermuten. genossen ein solches Vertrauen bei dieser Familie, dass sie uns erlaubt hatten, einige der Frauen in eine zwei Stunden Autofahrt entfernte Stadt zu fahren und mit ihnen das Fastenbrechen nach dem Ramadan im Haus von Verwandten zu feiern. Ein anderes Mal hatte ich die ausgesprochene Ehre, eine Gruppe von ihnen zu ihrem ersten Essen in ein Restaurant zu entführen – 38


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ganz ohne männliche Eskorte! Sie waren so aufgeregt gewesen wie Abiturientinnen vor dem Abschlussball. Hilma, die bis auf die Augen komplett verschleiert war, warf immer wieder verstohlene Blicke über den Rand ihrer Speisekarte auf die verschiedenen Restaurantgäste um sie herum. Ich kannte diese Frauen und sie kannten mich. Ich hatte sie sehr gern. Als Mozi mich an jenem Abend anrief, gab es überhaupt keinen Grund, eine Falle zu vermuten. Vielleicht wären wir misstrauisch gewesen, wenn wir mehr über die männlichen Mitglieder der Familie gewusst hätten. Doch Gott in seiner Souveränität hatte dafür gesorgt, dass Mike Beziehungen zu anderen Männern in der Nachbarschaft aufgebaut hatte. Trotz meiner häufigen Besuche kannte auch ich die männlichen Verwandten nicht, die im Haus lebten – schlichtweg, weil es als indiskret galt, nach ihnen zu fragen. Die kulturelle Konvention kannte keinen Grund, warum eine Frau sich für die Männer einer anderen Familie interessieren sollte. Doch diese Männer wussten über mich Bescheid. Aber eigentlich war gar nicht ich das Problem oder meine Familie. Es war Gott. Die Gute Nachricht hatte sich ausgebreitet und Gott hatte verschiedenen Menschen seine Wahrheit auf unterschiedliche Art und Weise bestätigt. Als Gott für zwei Mitglieder ihres Haushaltes eine dramatische Gebetserhörung schenkte, waren Mozis männliche Verwandte nicht dankbar – sie waren aufgebracht. Zwei von Mozis Schwestern hatten Dschinns (Wüstendämonen) in sich, und nichts, was der Islam zu bieten hatte, konnte diese Dämonen austreiben. Drei Monate lang hatte die Familie die Mädchen zur Behandlung zu verschiedenen Mutawwas gebracht. Diese Männer gelten als religiöse Experten, und sie bieten ihren muslimischen Glaubensgeschwistern geistlichen Rat an – gegen Bezahlung. Die Mädchen ließen die Zaubertränke und »Behandlungen« von sieben verschiedenen Mutawwas 39


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über sich ergehen, und die Familie zahlte ein kleines Vermögen dafür, doch nichts half. In Kapitel sechs erzähle ich die ganze Geschichte; hier soll es genügen, zu sagen, dass die Mädchen am Ende durch ein Gebet in Jesu Namen von den Dschinns befreit wurden. Es war wie beim Gottesurteil auf dem Berg Karmel, dem Wettstreit zwischen Elias Gott und den Baalspropheten. Wie Elia sagte: »Ruft ihr den Namen eures Gottes an, und ich werde den Namen des Herrn anrufen. Der Gott, der mit Feuer antwortet, ist der wahre Gott!« (1. Könige 18,24). Als Gott das Gebet der Christen erhörte und die Mädchen befreite, erschütterte das die Welt dieser Familie von Grund auf. Es war nicht anders als zu der Zeit, als Jesus auf dieser Erde lebte: Sein Wirken spaltete das Volk. Manche glaubten und fühlten sich von ihm angezogen; andere wurden wütend und reagierten aggressiv. Einer der Männer in Mozis Haushalt, der schließlich auch aggressiv wurde, arbeitete zu allem Überfluss für die Special Intelligence Agency (SIA) – die Geheimpolizei. Der Donnerstagabend kam. Nach dem Abendessen brachEs war so wie zu der Zeit, als ten wir die Kinder wie gewohnt Jesus auf dieser Erde lebte. zu Bett. Unser zweites Kind, Sein Wirken spaltete das Volk. Manche glaubten und die dreijährige Lydia, war mittfühlten sich von ihm angezo­ lerweile alt genug, um mit uns gen; andere wurden wütend zu beten, bevor ich zu meinem und reagierten aggressiv. Besuch aufbrach. Wir hatten es uns zur Gewohnheit gemacht, füreinander zu beten, bevor wir zu einem Termin aus dem Haus gingen, bei dem wir unter Umständen Gelegenheit hatten, von Jesus zu erzählen. Kurz nach neun traf ich an Mozis Haus am Ende der Stadt ein. Seltsam, es war sehr still. Wenn ich sonst zu Besuch kam, liefen drinnen zumindest die Fernseher, tobten Kinder über den Hof, kamen einige der Frauen zum Tor, um mich zu begrüßen. 40


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An jenem Abend bestand das Begrüßungskomitee offenbar lediglich aus Dschamila, der uralt aussehenden Beduinengroßmutter. Trotz ihres Alters war Dschamila ein Feuerwerk aus Schlagfertigkeit und herzlichem Lachen. Doch heute war sie weder fröhlich noch gesprächig, sondern eher kleinlaut, und sie schaute ständig auf den Boden statt in mein Gesicht. Als sie sich entschuldigte, dass Mozi und die anderen nicht zu Hause seien, versicherte ich ihr, dass ich genauso gern mit ihr zusammen war. »Kein Problem! Du kannst mir ein paar tolle Geschichten aus den alten Zeiten erzählen«, schlug ich vor. Wir gingen in den Madschlis der Frauen und ließen uns auf dem Teppich nieder. Statt mir gegenüber saß Dschamila neben mir, die Tür im Blick. Das erschien mir seltsam, doch ich vermutete noch immer nichts Böses. Zwei Minuten später flog die Tür auf. Ein Mann platzte ins Zimmer. Ein Mann. Im Madschlis der Frauen! In meinem Kopf schrillten die Alarmglocken. Das passiert normalerweise nicht. Etwas ist nicht in Ordnung. Der Mann war ganz offensichtlich aufgebracht. Kurz vor dem Explodieren. Seine Fäuste waren geballt und sein Atem ging heftig. Beim Anblick seines Ge­sichtsausdrucks verkrampfte sich In meinem Kopf schrillten mein Magen und meine Hände be­die Alarmglocken. Das pas­ siert normalerweise nicht. gannen zu schwitzen. Etwas Böses Etwas ist nicht in Ordnung. schien in den Raum zu strömen, schmutzig und verunreinigend. Es schlug wie eine Welle über mir zusammen und ich begann, am ganzen Leib zu zittern. Zwei Stunden lang zitterte ich von Kopf bis Fuß. Die Angst war so intensiv, dass ich meinte, ich müsse mich übergeben – und ich musste immer wieder schlu­ cken, damit das nicht geschah. O Gott, bitte hol mich hier raus. Ich habe Angst vor diesem Mann – und diesem bösen Geist. Bitte hol mich hier raus und bring mich wieder sicher nach Hause. 41


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Gott schien mir zu antworten: Bin ich dein Diener, der deinen Willen tut, oder gehörst du mir? Ich gehöre dir. Dann bleib hier. Ich habe durch dich etwas zu diesem Mann zu sagen. Ich konnte nur denken: Hoffentlich muss ich nicht lange bleiben. Der Mann setzte sich mir gegenüber auf den Boden, absichtlich nah und einschüchternd. Seine Knie berührten meine beinahe, und er beugte sich vor, bis sein Gesicht dicht an meinem war. Er kochte innerlich, aber sein Ton war beherrscht und wohlüberlegt. »Also. Sind Sie Muslim?« Ich schluckte gegen die wieder aufsteigende Übelkeit an. »Nein. Sie?« Er ließ die Höflichkeitsfloskeln sein und kam zur Sache. »Ja, Gott sei Dank! Und ich sage Ihnen, warum das auch für Sie besser wäre …« Die nächsten zwei Stunden lang beschrieb er in allen Einzelheiten das Leid und die Folter, die meine Familie und ich dafür verdienten, dass wir versuchten, Muslime von ihrer Religion abzubringen. Er stieß Drohungen aus, auch sexuelle Drohungen, und ich wandte den Blick Dschamila zu. Gott segne sie, sie wich nicht von meiner Seite, doch ihre Augen waren immer noch unnachgiebig auf den Boden gerichtet. Sie schämte sich zutiefst, dass solche Dinge in ihrem Haus und mit ihrer Freundin geschahen, doch sie war machtlos dagegen. Ich hatte keine Ahnung, ob dieser Mann vorhatte, seine Drohungen wahr zu machen, ob gar noch andere wie er in der Nähe warteten, oder ob man mich irgendwohin wegbringen würde. Meine Gedanken gingen zu meiner Familie daheim. Waren andere wütende Muslime in einer koordinierten Aktion gegen uns heute Abend zu unserem Haus gegangen? Tat man meiner Familie womöglich bereits das Leid an, das er beschrieben hatte? Würde ich sie wiedersehen? 42


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