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Bernd Kramp
Feuerfest
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Inhalt Dank. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Vorwort des Herausgebers.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Eiskalte Rettung.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 Sven Gross Ein Tag bei der Berufsfeuerwehr Karlsruhe .. . . . . . . . . . . . 20 Daniel Kloft Bis an die Leistungsgrenze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 Daniel Kloft Aus Konkurrenten werden Brüder .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 Steffen Schwarz Wenn ich morgens aus dem Haus gehe .. . . . . . . . . . . . . . . . 33 Dr. Roland Goertz Geburt im Rettungswagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44 Jörg Mezger Hürden bei der Einstellung – Mit meinem Gott springe ich über Mauern3. . . . . . . . . . . . . 49 Daniel Kloft Meine Zeit steht in deinen Händen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53 Johannes Stocker Die Welt zu Gast bei Freunden .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61 Jörg Benner Mein Tag bei der Berufsfeuerwehr Stuttgart . . . . . . . . . . . . 68 Jörg Mezger Bei Anruf »Brandeinsatz«.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 Andreas Diemer
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Bei Anruf »Suizid«. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71 Andreas Diemer Neuanfang.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73 Werner Reutter Wachablauf eines Leitungsdienstes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76 Sven Gross In letzter Sekunde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81 Werner Reutter Gewissheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84 Steffen Schwarz Dringender Einsatz für den Rettungswagen . . . . . . . . . . . . 87 Jörg Benner Kleine Ursache – große Wirkung .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89 Dr. Jens Müller Leichenbergung Hartheim . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95 Jörg Mezger Wie alles begann – oder ein großes Wunder . . . . . . . . . . . . 100 Sven Wetzmüller 110 000 Volt – Ein Sonntag unter »Hochspannung« .. . . . . 105 Bernd Kramp Der Katzenfänger der Feuerwehr. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111 Jörg Mezger Brand in einer Wohnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117 Jörg Mezger Sicherer Rückzugsort?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119 Steffen Schwarz
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Warum? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122 Hans-Peter Koch Suizidandrohung mit MEK-Einsatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 124 Jörg Mezger Person auf einem Baukran . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 127 Jörg Mezger Nur knapp davongekommen .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129 Werner Reutter Unfassbar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 131 Daniel Kloft Ein unvergessliches Erlebnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133 Werner Reutter Eingeklemmt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 134 Werner Reutter Ins Gesicht geschrieben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 136 Jörg Benner Tod an Weihnachten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 142 Daniel Kloft Erste Versuche zu einer Christlichen Feuerwehrvereinigung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146 Manfred Rode »Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt.«8 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 148 Andreas Hörmann Anmerkungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 154 Die Christliche Feuerwehrvereinigung. . . . . . . . . . . . . . . . . 155
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Meine Zeit steht in deinen Händen
Johannes Stocker »Meine Zeit steht in deinen Händen« Psalm 31,16 Dieser Psalm ist der Trauspruch für mich und meine Frau Steffi, den wir gemeinsam mit unserem Pfarrersfreund Gerhard Kern anlässlich unserer Hochzeit am 26. 09. 2009 ausgesucht haben. Und genau dieser Psalm hat nicht nur privat eine sehr große Bedeutung für uns als Eheleute, sondern gerade für mich persönlich auch in dienstlicher Hinsicht, im Rückblick auf den 11. März 2009. Der Wecker klingelte, wie immer an einem Arbeitstag, an jenem Morgen pünktlich um 05.45 Uhr. Es war ein nasskalter Morgen an diesem 11. März 2009. Der Winter hielt sich in diesem Jahr besonders hartnäckig. Wer kennt das nicht, man schält sich aus dem warmen Bett und will eigentlich gar nicht so richtig. Um 06.50 Uhr starteten wir dann mit dem Dienstwagen von Schwaikheim zur Arbeit nach Waiblingen. Für die etwa 7 Kilometer lange Strecke brauchen wir ungefähr zehn Minuten. Meine Frau arbeitet bei einer Landesbehörde als Beamtin und hat ihren Dienstsitz auch in Waiblingen. So können wir meistens zusammen zur Arbeit und auch wieder nach Hause fahren. Kurz nach 07.00 Uhr erreichte ich meine Dienststelle in Waiblingen,
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die Kreisgeschäftsstelle des DRK-Kreisverbandes Rems-Murr e. V. Für diesen Tag hatte ich zwei Termine eingetragen. Um 09.30 Uhr erwartete ich den Mitarbeiter unserer Bekleidungsfirma für Schutzkleidung. Bei diesem Termin wollten wir uns über eine neue Art von Schutzkleidung unterhalten. Der zweite Termin, ein Personalgespräch, war für 14.30 Uhr vorgesehen. Um 07.30 Uhr begann jeder mit seinen Tätigkeiten, von denen manche noch von gestern abzuarbeiten waren, andere aktuell auf den Tisch kamen. Meistens beginnen wir damit, E-Mails zu lesen, sie zu bearbeiten und weiterzuleiten. Von wegen papierlosem Büro, ich habe den Eindruck, dass die Arbeit durch E-Mails immer umfangreicher wird. Anschließend verlustierte ich mich an meinen Kostenblättern für die Notfallrettung. Die Kostenblätter für die Notfallrettung und die der Integrierten Leitstelle werden jährlich erstellt und dienen als Grundlage für die anstehenden Kostenverhandlungen mit den Kostenträgern (Krankenkassen). Diese Tätigkeit zählt nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, aber, was muss, das muss. Ich nenne diese Tätigkeit Malen nach Zahlen, bei der allerdings nie irgendein tierisches Gebilde zum Vorschein kommt. Neben der finanziellen Verantwortung habe ich auch die personelle Verantwortung für über 140 Mitarbeiter meiner Abteilung. Seit sieben Jahren bin ich jetzt in dieser Position und kann behaupten, dass es keinen Tag gibt, an dem ich nicht gern zur Arbeit gehe. Dies liegt zum einen am netten Kollegenkreis und zum anderen an den Gestaltungsmöglichkeiten dieses Kreisverbandes. Dazu gehört aber eine große Portion gegenseitiges Vertrauen und vor allem der nötige Respekt vor dem anderen. Beides muss man sich erarbeiten. Es war mittlerweile kurz nach halb zehn und ich wollte gerade mein Büro in Richtung Sozialraum der Integrierten Leitstelle
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verlassen, als mein Kollege und Stellvertreter zur Tür hereinkam und mir mitteilte, dass in einer Schule in Winnenden eine »Lage« sei. An seinem angespannten Gesichtsausdruck konnte ich erkennen, dass dies nichts Gutes zu bedeuten hatte. Dann war er auch schon wieder weg. Anstatt in den Sozialraum zu gehen, machte ich mich auf den Weg zur Leitstelle. Es war, wie den Medien später zu entnehmen war, 09.35 Uhr. Alle drei Disponenten nahmen eingehende Notrufe von Schülern unterschiedlichster Klassen der Albertville-Realschule entgegen. Die Meldungen hatten immer den gleichen Inhalt, nämlich dass in der Schule »geschossen« werde. Sofort wurden mehrere Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeuge alarmiert. Die Maschinerie begann anzulaufen. Bei sogenannten Großlagen haben wir eine klare, strukturierte und vor allem eingespielte Aufgabenverteilung. Während mein Kollege und Stellvertreter die Aufgaben des Lagedienstführers in der Integrierten Leitstelle übernahm, fuhren ein weiterer Kollege des Führungsteams und ich zur Schule als Organisatorische Leiter Rettungsdienst, kurz »OrgLRD«. Da ich aber den Auftrag hatte, den Leitenden Notarzt am Krankenhaus Waiblingen abzuholen, stimmte ich mich mit dem Kollegen ab, dass dieser mit dem Ersatz-NEF (Notarztfahrzeug) als Führungsstelle bereits abrücken soll. Als ich zu meinem Dienstfahrzeug hinunterlief, kam mir der Mitarbeiter unserer Bekleidungsfirma entgegen, den ich im Vorbeilaufen kurz grüßte und ihm zurief, er solle oben warten und sich einen Kaffee geben lassen, da ich vermutlich recht schnell wieder zurück sein werde. Dass ich erst am Abend wieder zurückkehren würde und gerade im Begriff war, zu einer der größten Tragödien der jüngsten Geschichte abzurücken, war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst.
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Also installierte ich Blaulicht, zog Einsatzstiefel und Einsatzjacke an und fuhr mit Sondersignal zum Waiblinger Krankenhaus. Kaum war ich dort eingetroffen, kam auch schon der Leitende Notarzt zum Fahrzeug gerannt. Er nahm neben mir Platz und fragte mich, ob ich eine genaue Lage von diesem Einsatz hätte. Ich sagte ihm, dass in der Albertville-Realschule angeblich geschossen würde. Er schaute mich fragend an und ich hatte keine Antwort. Auf der Anfahrt nach Winnenden konzentrierte ich mich auf den Straßen- und Funkverkehr. Es konnte noch keine genaue Lagemeldung abgegeben werden. Die ersten Einsatzfahrzeuge waren bereits eingetroffen, andere befanden sich noch auf der Anfahrt. Mit uns setzte sich ein Tross von Polizeifahrzeugen aus Waiblingen in Bewegung. Wie sich später herausstellte, war unser Anfahrtsweg auch der Fluchtweg des Täters. Er musste uns also begegnet sein, nachdem er den Autofahrer als Geisel genommen hatte. Es wäre ein Leichtes für ihn gewesen, uns abzupassen und dann abzudrücken. Bereits hier »stand meine Zeit in Gottes Händen«. An der Schule angekommen, stellte ich das Einsatzfahrzeug so ab, dass nachrückende Einsatzkräfte nicht behindert wurden. Hier hatte ich ein Erlebnis der besonderen Art. Aus der Menge einer Einsatzhundertschaft der Polizei kam der Ruf: »Hallo, Hannes!« Ich registrierte bekannte Stimmen, drehte mich um und sah Kollegen von der Polizei aus Öhringen. Öhringen ist eine knappe Stunde von Winnenden entfernt und ich fragte mich, wie es kam, dass die Kollegen hier im Einsatz waren. Später, als wir Gelegenheit hatten, miteinander zu sprechen, erfuhr ich, dass sie eine Einsatzübung in der Nähe des RemsMurr-Kreises abgehalten hatten und von dort hierher angefordert worden waren. Bei diesen Kollegen handelte es sich um gute Freunde, zu denen ich heute noch eine enge private
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Bindung habe. Mit dem Begriff »Freunde« wird oftmals sehr großzügig umgegangen. Seit der Scheidung von meiner ersten Frau verwende ich die Bezeichnung »Freunde« vorsichtiger. Da ich gemerkt habe, dass es »sogenannte« Freunde und »wahre« Freunde gibt, benutze ich diesen Begriff nun sehr selten – mit dem Ergebnis, dass man zwar plötzlich nur noch sehr wenige Freunde hat, diese jedoch wahre Freunde sind. Unsere ersten Einsatzkräfte kamen aus dem Schulgebäude heraus. Ihre Mienen sprachen eine deutliche Sprache. Wir waren für solche Schadenslagen ausgebildet worden, immer und immer wieder, und doch schreibt jedes Geschehen seine ganz eigene Geschichte. Es war nasskalt, die Temperaturen lagen um den Gefrierpunkt und ich hatte jedes Zeitgefühl verloren. Als ich das erste Mal auf die Uhr schaute, war es bereits 13.30 Uhr. Die verletzten Personen waren um diese Zeit längst in den Kliniken. Mit Handy und Funkgerät ausgerüstet ging es aber weiter: Wir mussten organisieren, planen und Maßnahmen umsetzen in enger Abstimmung zwischen Polizei, den einzelnen Ministerien, der Stadtverwaltung und anderen Einrichtungen. Dazwischen erhielt ich eine SMS von meinem großen Sohn Kevin, der vermutlich wie viele andere auch durch die Medien von der Tragödie erfahren hatte. Ich habe mir die SMS bis heute gespeichert, weil sie mir so viel wert ist und der Satz, den er schrieb, eine so große Bedeutung für mich hat. Der Satz lautet: »Pass auf Dich auf! Lieber Gruß Kevin.« Normalerweise ist es doch so, dass Eltern diesen Satz ihren Kindern sagen, wenn diese sich auf den Schulweg machen, auf Klassenfahrt gehen, abends oder am Wochenende weggehen oder das erste Mal alleine mit dem Auto unterwegs sind. Wie viele Eltern hatten wohl heute Morgen diesen Satz ihren Kindern mit auf den Weg gegeben? Wie viele Lehrkräfte, Polizeikräfte oder Rettungsdienstkräfte waren an diesem Morgen
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von ihren Angehörigen mit diesem Satz verabschiedet worden? Ich vermute, dass dieser Satz für sehr viele Menschen seit jenem Tag eine andere Bedeutung und einen ganz hohen Stellenwert bekommen hat. Für 15 Personen und deren Angehörige war es das letzte Mal gewesen, dass sie diesen Satz austauschten. Gegen 16.00 Uhr verließen wir die Einsatzstelle, da der rettungsdienstliche Einsatz an der Albertville-Realschule abgeschlossen war. Auf der Rückfahrt versuchte ich krampfhaft, einen Radiosender zu finden, der nur Musik spielte, doch angesichts der Tragweite des Geschehens wurde auf allen Kanälen davon berichtet. Für 17.00 Uhr hatte ich eine Lagebesprechung anberaumt. Neben unseren Führungskräften nahmen auch Führungskräfte des Landratsamtes, der Polizei und der Leitende Notarzt teil. Ebenfalls bei der Sitzung anwesend war der Branddirektor der Berufsfeuerwehr Karlsruhe, Dr. Roland Goertz. Er hatte damals den Einsatz bei dem Amoklauf in Erfurt geleitet. Wir waren uns heute zum ersten Mal begegnet und verstanden uns auf Anhieb. Und das nicht nur auf der dienstlichen, sondern auch auf der menschlichen Ebene. Allen Teilnehmern dieser Runde war die Anspannung in höchstem Maße anzusehen. Jeder war konzentriert – und das, nachdem alle schon seit 09.35 Uhr in diesem belastenden Einsatz gewesen waren. Aber keiner erweckte den Eindruck, dass es ihm zu viel sei, im Gegenteil, alle wollten ihr Bestes geben mit der Botschaft, dass man sich auf uns verlassen kann. Zunächst bedankte ich mich bei allen eingesetzten Kräften für ihren Einsatz. Danach besprachen wir die aktuelle Lage sowie die Anschluss lage. Insgesamt waren am Tatort über 160 Kräfte eingesetzt gewesen. Nach der Besprechung kam Dr. Goertz auf mich zu, klopfte mir auf die Schulter und sagte: »Sie haben, was ich sehen und beurteilen konnte, die Arbeit sehr gut gemacht.« Ich sagte ihm,
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dass ich auf meine Abteilung sehr, sehr stolz bin. Er antwortete mir, dass ich das auch sein könnte. Ich bedankte mich bei Dr. Goertz für seine Unterstützung und für die Anerkennung, die er aussprach. Bei der Verabschiedung sagte er zu mir: »Glauben Sie mir, Herr Stocker, keiner weiß so gut wie ich, wie Sie sich jetzt fühlen.« Was er mit diesem Satz meinte, erfuhr ich später. Gegen 23.30 Uhr verließ ich das Büro und machte mich auf den Weg nach Hause. Ich legte eine CD von »Austria 3« ein und drehte die Lautstärke etwas höher als sonst. Ich fuhr langsamer als gewöhnlich und war dankbar für die Zeit allein. Zu Hause angekommen, betrat ich leise unser Haus, weil ich meine Frau nicht wecken wollte. Aber wie vermutlich sehr viele Menschen im Rems-Murr-Kreis war auch meine Frau wach. Wir nahmen uns wortlos in den Arm und ließen uns einige Zeit nicht mehr los. Es war ein schönes Gefühl, zu Hause zu sein. In solchen Momenten weiß man, was Partnerschaft bedeutet. Oft ist es doch so, dass man sich über den »anderen« ärgert, weil er wieder mal irgendetwas nicht gemacht oder vergessen hat. Mal ehrlich, in den meisten Fällen, in denen man sich über den Partner ärgert, geht es doch um Peanuts, oder? In vielen Gesprächen, gerade auch mit unserem Pfarrersfreund Gerhard Kern, stellte ich immer wieder die gleiche Frage. Es ist die Frage, die sich auch mein Freund Roland Goertz stellte: »Warum gerade ich?« Gerhard Kern erwiderte auf diese Frage: »Weil er da oben dich dafür bestimmt hat!« Oder: »Meine Zeit steht in deinen Händen.«
Johannes Stocker, Rettungsdienstleiter DRK – KV Rems-Murr
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