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EINE SAMBISCHE PRINZESSIN KÄMPFT FÜR DAS LEBEN


Inhalt Zu meiner Geschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Vorwort der Co-Autorin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Teil I Ein Kind des Mutes und der Hoffnung . . . . . . . . . . . . . . 1. Positiv . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2. Princess ist ihr Name . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3. Meine große Familie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4. Das kurze Leben eines Babys namens Linda . . . . . . . . . . . 5. Bataas Gewehr verschwindet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6. Sei stark und mutig . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Teil II Veränderungen und Herausforderungen . . . . . . . . . . . . 69 7. Das Sugar-Daddy-Syndrom . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71 8. Eine junge Mutter auf der Suche nach Gott . . . . . . . . . . . . 88 9. Zu den Kranken gerufen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106 10. Ich muss es wissen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115 11. Ich werde nicht sterben, bevor ich tot bin . . . . . . . . . . . 125 Teil III Der Kampf beginnt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12. Eine Quelle des Lebens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13. Per Anhalter mit Lastwagenfahrern unterwegs . . . . . . . 14. Begegnung mit Dr. Phiri . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15. Häusliche Turbulenzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16. Ich werde Radiomoderatorin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17. Sie hören Positive Living . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18. Meine Vision für die Welt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Teil IV Die amerikanische Flagge steht still . . . . . . . . . . . . . . . 19. Ankunft in Amerika . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20. Chicago . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21. Vom Dorf ins Weiร e Haus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22. Gemeinsam kรถnnen wir es schaffen . . . . . . . . . . . . . . . 23. Alles hat seine Zeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Epilog . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 317 Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1. Lernen, analysieren und fragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2. Meditieren und beten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3. Sagen Sie es allen! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4. Was kรถnnen Sie ganz praktisch tun? . . . . . . . . . . . . . . . . Dank . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Endnoten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Princess ist ihr Name »Ihr Name ist Princess. Sie wird eine Prinzessin unter Prinzessinnen sein. Sie wird mit den bedeutendsten Männern der ganzen Welt zusammenkommen.« Dies sind die Worte meines Bataa (so nenne ich meinen Vater in der Sprache meines Stammes, der Lenje), gesprochen unter den Schatten spendenden Blättern eines Mangobaumes in unserem Zuhause in Kabwe, etwa eine Woche nach dem 6. Januar 1976 – dem Tag, an dem ich geboren wurde. Ich kenne diese Geschichte, weil sie mir in meiner Kindheit wieder und wieder erzählt wurde. Wenn ich jetzt daran zurückdenke, habe ich das Gefühl, die Szene beinahe zeichnen zu können: den dunklen Kopf hoch erhoben, verkündet er mit starker, stolzer, selbstsicherer Stimme seinen Entschluss. Die Wahl meines Namens war eine große Sache gewesen, denn ich war das erste Kind meiner Eltern. Nach sambischen Maßstäben führten wir ein privilegiertes, modernes Leben. Meine Mutter brachte mich unter der Obhut einer Krankenschwester im Krankenhaus in Kabwe zur Welt, nicht in ihrem Dorf, wo mich eine Familienangehörige oder Geburtshelferin unseres Stammes auf die Welt geholt hätte. Trotzdem hielten sich meine Eltern an den traditionellen sambischen Brauch, dass meine Bamaa, meine Mutter, die letzten Stunden vor der Geburt im Kreis der Frauen der Familie verbrachte. Bataa war in diesem Kreis nicht zugelassen. Während Bamaa und die Schwester mit meiner Geburt beschäftigt waren, befassten sich die Frauen, die von nah und fern angereist waren, damit, einen passenden Namen für das Neugeborene 21


auszusuchen. »Freda. Sie sieht Freda so ähnlich, sie muss Freda heißen«, meinte eine der Tanten von Bataa. Ich habe nie erfahren, wer Freda war oder was meine Tante in mir sah, das sie so sehr an Freda erinnerte. Vielleicht war es mein Lächeln, denn später sagten sie mir, dass ich nach der Geburt nicht etwa geschrien, sondern gelacht hätte. Aber das sind Spekulationen; wissen werde ich es nie. Bataa hatte den Vorschlag gehört und wusste nicht recht, was er tun sollte. Als Vater des Kindes und Oberhaupt der Familie hatte er das Recht, meinen Namen auszusuchen. Doch unsere Kultur verlangt, die Älteren zu achten, und da die betreffende Tante etliche Jahre älter war als er, war er geneigt, den Namen, den sie vorgeschlagen hatte, zu akzeptieren. Bamaa verhielt sich während dieser Diskussion völlig still, so erzählte man mir; es war ihr wohl zu riskant, Partei zu ergreifen. Warum es eine volle Woche dauerte, einen Namen für mich zu finden? Nun, eine wichtige sambische Tradition, die meine Eltern befolgen wollten, besagt, dass ein Kind erst dann einen Namen erhalten darf, wenn seine Nabelschnur abgefallen ist und unter einem Baum begraben wurde. An dem Tag, an dem das geschah, fasste mein Bataa, während er die winzige Schnur, die neun Monate lang meine Lebensader gewesen war, mit Erde bedeckte, einen Entschluss. »Ich will nichts mehr hören. Ihr Name ist Princess. Ich sage euch, dass dieses Kind zu Großem bestimmt ist.« Nun ist Freda zwar ein sehr schöner Name, doch ich bin heute noch froh, dass mein Bataa so unnachgiebig war. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dem Namen einer Frau etwas Magisches anhaftet. Der Name Princess hat mir später viele Türen geöffnet, die sich vielleicht nicht aufgetan hätten, wenn man mich Freda genannt hätte. Mein Bataa nahm sich das Recht heraus, mich Princess zu nennen, weil meine Abstammung durch ihn auf den Häuptling unseres Stammes zurückgeht. In meinem Land bringen mich mein 22


Name und meine Abstammung in Verbindung mit der Königsfamilie. Die Tatsache, dass ich Princess genannt wurde, bedeutet jedoch nicht, dass ich Königin werden könnte; Sambia hat keine Königin und meine Verbindung zur Königsfamilie wäre auch nicht eng genug. Ich gehöre zum Stamm der Lenje, dem Stamm meines Bataa. Bamaas Eltern waren Lamba und Kaonde Ile. In meiner Kultur gehören Kinder zum Stamm ihres Vaters, deshalb wurde Bamaa eine Lamba. Die Vorfahren der Lenje und ihre Verbindung zu unserem Land reichen weiter zurück als die aller anderen Stämme, deshalb sind wir der Ansicht, dass wir von allen Stämmen das größte Anrecht auf den Eingeborenenstatus in Mein Bataa Goodson Moffat Kasune, etwa Sambia haben, und deshalb 1975 in Livingstone. Dies ist das einzige Bild, pflegen wir auch oft mit leicht das wir noch von ihm besitzen. spöttischer Überlegenheit zu sagen: »So bene chishi« – »Uns gehört das Land.« Andere Stämme necken uns deswegen; sie lächeln und sagen: »Kulibonesha«, das bedeutet: »Ihr seid zu stolz« oder: »Ihr prahlt zu gern.« Heute gibt es in Sambia über siebzig Stämme und fast ebenso viele Dialekte. Die gebräuchlichste Sprache ist Nyanza Bemba; sie wird auch in unserem Teil des Landes, dem sogenannten Kupfergürtel, gesprochen. Die wichtigsten Stämme Sambias sind die Bemba, die Ngoni, die Tonga, die Lozi, die Luda, die Lu-vale und die Kaonde Ile.2 23


In gewisser Hinsicht hat der Stamm der Lenje mit dem Einzug der Errungenschaften der Moderne an Prestige gewonnen, da die Eisenbahn im Innern des Landes durch unser Gebiet führt. Seit die Hauptstadt von Livingstone nach Lusaka verlegt wurde, liegt auch sie in unserem Gebiet, sodass unser Stamm als Stadtvolk gilt. Ich erinnere mich noch an den Tod eines der Lenje-Häuptlinge. Mein Onkel aus dem Dorf kam zu Besuch. Er war zwar traurig über den Todesfall, gleichzeitig aber sehr aufgeregt, weil mein Bruder Muyani, der nach mir geboren wurde, als neuer stellvertretender Häuptling in Betracht kam – eine große Ehre, die unserer Familie wegen ihrer Verbindung zur Häuptlingsfamilie zufiel. Bamaa aber hatte anderes im Sinn. Als sie den Vorschlag meines Onkels hörte, nahm sie Muyani und tauchte mit ihm unter – wochenlang, wie mir schien. Sie hoffte, wenn sie ihren Sohn lange genug versteckte, würde mein Onkel seine kühnen Pläne schließlich aufgeben. Bamaa, eine tiefgläubige Christin, konnte sich das traditionelle Leben eines Häuptlings für ihren Sohn nicht vorstellen. Zu den Dingen, die ihr besonders widerstrebten, gehörte die Initiationszeremonie der Häuptlinge. Zwar hatte noch keiner von uns je an einer solchen Zeremonie teilgenommen, doch wir wussten, dass dazu die Anrufung der Geister der Ahnen zum Schutz des Häuptlings gehörte. Wir hatten auch gehört, dass Häuptlinge so etwas wie spirituelle Führer haben, die sie mithilfe von Hexerei und Voodoo vor ihren Feinden beschützen. Mochte das nun stimmen oder nicht – es genügte, um Bamaa abzuschrecken. Medizinmänner spielten in Sambia von jeher eine wichtige Rolle und daran hat sich bis heute wenig geändert. Man glaubt, dass sie mithilfe von Zaubertränken, Wurzelextrakten, Pulvern und Pülverchen, Tierblut, Flüchen und geheimnisvollen Riten das Schicksal eines Menschen beeinflussen können. Sie werden wegen aller möglichen Dinge aufgesucht, angefangen vom Wunsch nach geistlicher Führung bis hin zur Heilung von Kranken, Abwendung 24


von Missernten und Stillung von Rachegelüsten. Oft besitzen sie kleine Boote oder Flugzeuge, gebastelt aus Gräsern und Reisig, mit denen sie die Menschen angeblich an einen anderen Ort und in eine andere Zeit bringen können. Bamaa gefiel das alles gar nicht. Sie kehrte erst nach Hause zurück, als ein anderer zum Häuptling gewählt worden war und sie ihren Sohn wieder in Sicherheit wusste. Neben dem traditionellen Lebensstil eines Häuptlings machte Bamaa sicherlich der Gedanke Sorgen, dass ihr Sohn in so jugendlichem Alter eine so große Verantwortung übernehmen sollte. Die Menschen wandten sich von nah und fern mit allen möglichen Problemen an ihren Häuptling und Muyani war doch noch ein Kind. Bataa mochte hochfliegende Träume für seine Kinder haben, doch Bamaas Aufgabe war es, ihre kleine Familie zu beschützen. Nehmen wir einmal an, Muyani wäre Häuptling geworden, dann hätte er in einem Palast gelebt, wenn es auch natürlich kein Palast gewesen wäre, wie man ihn aus Kinofilmen kennt. Der Palast eines sambischen Stammesfürsten besteht im Allgemeinen aus einer mit Gras gedeckten Lehmhütte; nur wenige haben Hütten aus Eisenblech und Asbest, das es in meinem Land noch immer gibt. Manchmal verfügt der Palast eines Stammesfürsten sogar über Stromanschluss. Die Menschen, die meinen Bruder besuchten, würden ihm Geschenke mitbringen: Öl, Zucker, Getreide oder andere wertvolle Dinge. Zu unserem Leben gehörten dann viele Rituale. Als Häuptling hätte mein Bruder einen Kapaso, eine Art Leibwächter oder Assistenten, und die Besucher würden zuerst mit dem Kapaso sprechen müssen, bevor sie zu ihm vorgelassen wurden. Die Stammeshäuptlinge besitzen noch heute große Macht. Wenn unser Präsident einen Stammesfürsten besucht, muss er sich als Erster verneigen. Bis zu einem gewissen Grad sind sie in unsere, nach britischem Vorbild organisierte, Regierung integriert. So gibt 25


es im Parlament eine Kammer der Häuptlinge, in der die Stammesfürsten sich untereinander beraten können. Sambias Städte werden zwar von Abgeordneten regiert, doch die Dörfer unterstehen noch immer den Häuptlingen, die die Interessen der Menschen im Parlament vertreten. Einer dieser Häuptlinge steht über allen anderen. Er ist der Einzige, den die Engländer während ihrer Herrschaft anerkannt haben; es ist der Häuptling des Stammes der Lozi; wir nennen ihn den Litunga. Als wir unsere Unabhängigkeit erlangten, erhielten die Häuptlinge wieder den ihnen rechtmäßig zustehenden Platz. Ja, Goodson Moffat Kasune, mein Bataa, war stolz auf seine königliche Herkunft. Man merkte es an seinem Gang, seinem stolz erhobenen Kopf und seiner gewählten Sprache. Bataa sagte oft zu uns: »Muli bana babami« – »Ihr stammt aus einer königlichen Familie«. Er weckte in mir größten Respekt für unsere traditionellen Häuptlinge. Von ihm lernte ich, dass sie, auch wenn sie keinerlei materielle Reichtümer besitzen, doch unsere geistigen Führer und die Bewahrer unserer Kultur sind. »Ihre Rolle kann gar nicht überschätzt werden«, pflegte er mir unermüdlich zu predigen. »Sambias Häuptlinge sind unsere Torhüter; die Wächter unserer Kultur. Ohne sie sind wir ein verlorenes Volk.« Auf diese Weise prägte Bataa von Anfang an mein Selbstbild. Immer wieder hielt er mir vor Augen, dass ich eine wichtige Rolle in diesem ganz entscheidenden Bereich unserer Kultur spielte. Von Kindesalter an, als ich noch gar nicht wusste, welche Richtung mein Leben nehmen würde, lernte ich, stolz auf meine Lenje-Herkunft zu sein. Zugleich wuchs in mir der Wunsch, Verantwortung für andere zu übernehmen – ein Wesenszug, der mein Leben auf eine Weise beeinflussen sollte, wie ich es nie zu träumen gewagt hätte.

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