Ludwig Schneider
120 MAL ISRAEL Antworten auf h채ufig gestellte Fragen
Inhalt Über Ludwig Schneider .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Über Barbara Schneider.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 Israel, ein kleines Land, groß wie die weite Welt . . . . . . . . 13 Die Bibel als Grundbuch des modernen Israel.. . . . . .. . . . 25 Israel oder Palästina? .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39 Israel und seine Nachbarn .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . 51 Brennpunkt Jerusalem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63 Leben in Israel. Von Barbara Schneider.. . . . . . . . . . . . . . . . . 75 Was und wie feiern Juden?.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89 Auf welchen Messias wartet Israel?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99 Was macht ein Jude, der an Jesus glaubt?. . . . . . . . . . . . . . . . 113 Welche Rolle spielen die Minderheiten in Israel? .. . . . . . . 127 Israelisches Allerlei .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133 Schlusswort .. ...... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . 155
54. »Wie passen in Israel Kinder und Karriere zusammen?« Kinder und Karriere zu vereinbaren, ist eine jüdische Tra dition, die auf den nationalen Selbstbehauptungswillen zurückgeführt wird. Das Gebot »Seid fruchtbar und mehret euch« (1. Mose 1,22; Menge) wird als verbindliches Gebot ernst genommen – nicht nur von den religiösen Juden im orthodoxen Jerusalem, sondern auch von den sorglos dahinlebenden Israelis in Tel Aviv, bis hinein in die höchsten Chefetagen. Das wird auch von Professor Steinberg bestätigt. »Naches fun die Kinder! – Freude an den Kindern!«, ist ein beliebter Wunsch. Viele Großeltern sind heute durch ihre Handys jederzeit erreichbar. So ruft z. B. eine Rechtsanwältin, die schon drei Kinder hat und das vierte erwartet, ihre Mutter an: »Ich kann noch nicht Feierabend machen. Könntest du Dani vom Kindergarten abholen und mir Kopfschmerz tabletten mitbringen? Und vergiss nicht, um drei Uhr hat Michal Klavierunterricht!« Und während Operations schwester Nadia fürsorglich einen Patienten versorgt, weckt sie per Handy ihren Sohn. »Aber dreh dich nicht noch einmal im Bett um, sondern steh sofort auf!« Viele Mütter machen einen Spagat zwischen Beruf und Familie, der aber nur gelingt, wenn Omas, Opas, Onkel und Tanten abrufbereit sind. Im Beruf steht die Arbeit im Vordergrund, in der Familie ihre Rolle als jiddische Mame. Das ist auch bei den einundzwanzig weiblichen Knessetabgeordneten (17,5 Prozent Knessetanteil) so, die zwischen Politik und Familie pendeln. Der Sabbat ist dann aber ganz Familientag. Viele Israelis mussten ohne Großeltern aufwachsen, somit sind Kinder ein Geschenk an die Eltern und die Enkelkinder die Antwort auf Hitler, der ja versucht hatte, die Juden aus zurotten!
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So wird das biblische Gebot »Seid fruchtbar« in Israel noch befolgt, auch wenn der Staat kaum Kindergeld zahlt. Unsere Tochter Ruth beispielsweise bekommt für ihre acht Kinder im Monat nur umgerechnet 280 Euro. Doch Kinder sind ja weit mehr als eine Rechengröße, sie sind eine Gabe Gottes!
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55. »Wo liegen in frommen jüdischen Familien die Prioritäten?« Am Sabbat sieht man oft fünf oder zehn Mädchen und Jungs in dunkelblauen Kleidern und schwarzen Anzügen in einem Altersabstand von einem Jahr mit Vater und Mutter spazieren gehen. Dabei kümmert sich jedes Kind um das nächstjüngere. Jüdische Kinder werden angehalten das Wort Gottes zu lesen, Psalmen zu beten, die Hände vor dem Essen zu waschen und dabei einen Segen zu sprechen und sich von übler Nachrede fernzuhalten. Meistens unterweisen die Eltern sie mit Liebe, aber auch mit Strenge. Als Ermahnung genügt oft der Satz: »Willst werden e niemand?« (»Willst du im Leben ein Niemand werden?«) Das Studieren des Tenachs (Altes Testament) und des Tal muds ist wichtiger als jedes säkulare Fach – um Gott immer mehr zu gefallen. Und da die Bücher der Propheten voll von Verheißungen sind, die besonders heute für Gottes Volk gelten, haben diese absolute Priorität. Weil alles vom Rabbiner abgesegnet werden muss – bis hin zu den koscheren Cornflakes und zur Pizza – ist alles geregelt. Selbst in schwierigsten Lebenslagen erwartet man vom Rabbiner eine Antwort – somit bleibt kaum eine Frage offen. Wer sich willig in diese fromme Leitkultur fügt, führt ein geregeltes Leben ohne viel Wenn und Aber.
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56. »Gehen in Israel auch Frauen zum Militär?« Ja! Etwa wenn ihre Eltern um die vierzig Jahre alt sind und die Väter den Reservedienst beendet haben, werden viele Söhne und Töchter achtzehn. Damit beginnt für sie die Militärzeit. Voller Spannung und mit dem Gefühl, mit dem Mili tärdienst zu den Erwachsenen zu gehören und auch vor neue Herausforderungen gestellt zu werden, treten die Jungen und Mädchen ihn an. Die Mädchen dienen statt drei Jahre nur zwei. Das schließt nicht aus, dass sich so manche junge Frau dazu entscheidet, schon vorher ein soziales Jahr beim Militär zu machen oder innerhalb der Militärzeit eine Ausbildung zu absolvieren. Es gibt auch Frauen, die sich für Kampfeinheiten ausbilden lassen. Für diese findet sich im Rahmen des Militärs ein breit gefächertes Angebot von Berufsausbildungsmöglichkeiten. Ein Marketingprogramm existiert z. B. unter dem Namen »Tikwa – Zukunft«. Dadurch will das Militär so manchen Dienst – unter Berücksichtigung der Begabungen – auch in sozial schwachen Bereichen leisten. Mädchen aus orthodoxen Familien sind vom Militärdienst befreit, müssen aber ihr Frommsein belegen. Auch sie haben die Möglichkeit einen Shirut Leumi (Dienst für das Gemein wohl) zu leisten – das ist heute ebenfalls in Kombination mit einer Berufsausbildung möglich.
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57. »Gibt es in Israel nur Basare oder auch moderne Einkaufszentren?« Noch immer ist der Schuk als Marktplatz – in Jerusalem der Machane Jehuda – ein sehr beliebter und immer voller Ein kaufsort. Die Obstdüfte und lauten Marktschreier fehlen mir, wenn ich im Supermarkt einkaufe und neben mir ein junger Mann von seinem Laptop abliest, was seine Frau braucht, zielsicher in die Regale greift und noch vor mir an der Kasse ist. Wir beide lassen uns die Waren dann nach Hause bringen, weil das nichts kostet. Die Kanyons (hebräisches Wort für »Kaufhäuser«) sind als mehrgeschossige Warenhäuser vormittags die Einkaufs adresse für junge Mütter mit Babys; nachmittags und abends die Bummelmeile für die ganze Familie. Denn im Kanyon ist es wunderbar kühl und man hat im Haus einen gebühren freien Parkplatz. Dafür, dass man am Eingang auf Spreng stoff kontrolliert wird, hat man alle Läden beieinander, kann dazu Kaffee trinken und mittagessen. Früher gab es in Israel nur zwei Brotsorten und zum Sabbat den geflochtenen Weißbrotzopf Challa. Heute fehlt keine Brotsorte. Sogar im »Tante-Emma-Laden«, dem Makoled, findet man alles, in der Weihnachts- und Chanukkazeit auch Tomer-Christstollen, der dem deutschen in nichts nachsteht. Trotz Ramsch- und Flohmarkt hat nicht nur Ikea in Israel seinen Platz gefunden; auch GAP, H&M, Prada, Zara und Breitling locken die Kunden in ihre Filialen.
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58. »Ist die israelische Küche wirklich so gut wie ihr Ruf?« Am Sabbat zeigt sich, aus welchem Land die Vorfahren eingewandert sind, denn sie alle brachten ihre Rezepte mit. Die Juden aus Marokko würzen sehr scharf, besonders den Fisch als Vorspeise; die Russen bevorzugen fette Gänse. Die Juden aus Tunesien können am Sabbat nicht ohne Couscous leben und die polnischen Juden nicht ohne Tscholent mit braun gekochten Eiern samt Fleisch und Graupen. Juden und Araber, Europäer und Nordafrikaner, Fromme und Nichtfromme, Einheimische und Fremde – sie alle nahmen irgendwie ihren Einfluss auf Israels Küche. Von der Jugend werden Falaffel und Humus-Kichererbsenbrei bevorzugt, aber schon drängen sich auch Pasta, Pizza, Bagels, SüßSaures aus Thailand und Bio-Rohkost den Geschmacksnerven auf. Israel hat tüchtige Chefköche, die häufig im Ausland in renommierten Hotelküchen ihr Handwerk gelernt haben. Doch inspirieren lassen sie sich in ihren berühmten Res taurants als Erstes von ihrer familiären Tradition und Her kunft! Beim Einkauf auf den Märkten verführen Gewürze aus Tausendundeiner Nacht mit ihren Düften zum Experimen tieren beim Kochen. Ich kann nur empfehlen: Mengen Sie einfach Ihrem Gehackten ein bis zwei Teelöffel von der Gewürzmischung »Baharat« bei. Diese besteht aus Pfeffer, Paprika, Kumin, Koriander, Nelkenpulver, Muskatnuss und Kardamom. Verfeinern Sie das Ganze anschließend mit angerösteten Pinienkernen. Sie werden meinen, Sie speisen in Israel! Guten Appetit – Bete Avon!
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