George Verwer
Gnade gewinnt
Inhalt Vorwort zur deutschen Ausgabe .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Einleitung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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1. Operation Mobilisation – Die Anfänge .. . . . . . . . . . . . . . 2. Den Schmerz annehmen .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3. Versagen, die Hintertür zum Erfolg .. . . . . . . . . . . . . . . . . 4. Urbana 1968 .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5. Großer Wandel .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6. Die Revolution der Liebe weiterführen .. . . . . . . . . . . . . . 7. Sieben Schwerpunkte .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8. Weitere Überzeugungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9. Sieben globale Plagen und die Menschen, die unter ihnen leiden.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10. Ein Sünder wie ich.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11. Einige einfache Wahrheiten .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12. Zehn Herausforderungen in der Mission.. . . . . . . . . . . . . 13. Gefahren der Zunge.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14. Aktionen und Reaktionen .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15. 25-Punkte-Strategie zum Sieg über die sexuelle Versuchung.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16. Laienarbeit oder Professionalität?.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17. Revolution des Gleichgewichts.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18. Ermutigende Worte für Heimkehrer . . . . . . . . . . . . . . . . . 19. Wieder daheim .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20. Was ist aus den Gebetstreffen geworden?.. . . . . . . . . . . . 21. Denomination oder Abspaltung?.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22. Den Tatsachen ins Auge sehen.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23. Gottes Weg zum geistlichen Wachstum .. . . . . . . . . . . . .
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24. Grßnde, warum Arbeiter das Feld verlassen .. . . . . . . . . 148 25. Das Gleichgewicht zwischen Realitätssinn, Gnade und Handeln.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 151 Wer oder was ist OM?.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155
3. Versagen, die Hintertür zum Erfolg Der KGB-Offizier, der mein Verhör leitete, sagte, ich wäre ein Spion. »Wir haben einen Ort für amerikanische Spione«, sagte er zu mir. »Er heißt Sibirien.« Es lief nicht gut. Die Sowjet-Offiziere hatten unseren Wagen. Sie verhörten meinen Partner Roger in einem anderen Raum. Es konnte sich nur um Minuten handeln, bis sie unsere Bibeln und die anderen Materialien fanden, die wir ins Herz der kommunistischen Welt geschmuggelt hatten. Es war das Jahr 1961 und der Kalte Krieg war in vollem Gang. Mein Traum, das Evangelium in geschlossene Länder zu bringen, könnte ein schnelles Ende finden – ganz zu schweigen von meinem Leben. Was tun? Jeder, der mich kannte, wäre nicht von meiner prekären Lage überrascht gewesen. Ich war als Radikaler bekannt. Seit meiner Bekehrung im Jahre 1955 bei einer Evangelisation mit Billy Graham in New York City ergriff ich jede Gelegenheit, das Evangelium zu verkünden. Kurz nach meiner Bekehrung bekam ich die Gelegenheit, vor der gesamten Schülerschaft an meiner Highschool zu sprechen, und ich nutzte die Gelegenheit, um von Jesus zu erzählen. Ich ging von Tür zu Tür und sprach von meinem Glauben. Ich organisierte Versammlungen. Zu einer Versammlung kamen 600 Leute, und 125 bekannten sich zu ihrem Glauben an Jesus, darunter auch mein Vater. 1957 organisierte ich eine Busfahrt zu einer Evangelisation mit Billy Graham, aber ich selbst nahm nicht teil. Da jeder Platz ausgebucht war, wollte ich keinem Nichtchristen den Platz wegnehmen. Während Billy Graham im Madison Square Garden sprach, predigte ich in den Straßen von New York. Etwas später machte ich mich mit zwei Freunden auf den Weg, um in Mexiko zu evangelisieren. Es erschien mir einfach sinnvoll. Warum nicht dahin gehen, wo noch niemand das Evangelium kennt?
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Damals war Mexiko ein halb geschlossenes Land. Protestanten wurden verfolgt. Der Import von christlicher Literatur war illegal. Unser Auto war vollgeladen mit Literatur und wir hatten keine Ahnung, wie wir über die Grenze kommen sollten. Aber wir schafften es. Wir beteten kräftig, stopften die Literatur unter unsere Matratzen, überquerten die Grenze bei Nacht und wurden durchgewunken. Wir arbeiteten unter Menschen, die auf Müllhalden lebten. Die enorme Armut dort ging mir an die Substanz. Als ich Fliegen über die Augen kleiner Babys krabbeln sah, brach es mir das Herz und ich flehte Gott an: »Was kann ich tun, um dieser Nation das lebensverändernde Evangelium von Jesus Christus nahezubringen?« Wir beschlossen, ins Radio zu gehen. Es gab da nur ein kleines Problem: Christliche Radiosender waren in Mexiko illegal. Ich dachte mir, dass man diese Hürde doch sicherlich irgendwie umgehen konnte. Ich kehrte in die Vereinigten Staaten zurück, wechselte vom Liberal Arts College ans Moody Bible Institute, organisierte ein Team von fünf Leuten und machte mich gemeinsam mit ihnen auf den Rückweg nach Mexiko. Vor unserer Abreise beteten wir und als wir in Mexiko ankamen, zeigte Gott uns einen Plan. Wir eröffneten einen Buchladen und wendeten uns an den örtlichen Radiosender. Wir sagten: »Wir vertreten eine Buchhandlung und wollen Werbung machen. Wir verkaufen Bibeln. Die Leute kaufen keine Bibeln, weil sie nicht wissen, was darin steht. Wir möchten in unseren Werbespots aus der Bibel vorlesen.« Es funktionierte. Wir lasen und erklärten im mexikanischen Radio Abschnitte aus der Bibel. Das war der Anfang einer wöchentlichen 15 M inuten langen Sendung. Nach meiner Rückkehr zum Moody-College betete ich, plante und las missionarische Bücher. Ich träumte davon, in Länder wie den Irak und Afghanistan zu gehen. Dort gab es fast keine Christen – das war die perfekte Gelegenheit! Ich wollte nicht von einer Romanze vom Weg abgebracht werden, daher entschloss ich mich zu einer »gesellschaftlichen Fas-
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tenzeit« (um Gottes Willen zu erkennen) – keine Mädchen! Das hielt zwei Jahre an. Dann eines Tages traf ich Drena, eine Mitarbeiterin bei Moody. Meine Fastenzeit endete schlagartig. Ich hatte mich verliebt. Ich wollte mir sicher sein, dass Drena meine radikale Einstellung zur Weltmission teilte, und so sagte ich während unseres ersten Treffens zu ihr: »Zwischen uns wird sich wahrscheinlich nichts abspielen, aber ich werde Missionar, und wenn du mich heiratest, wirst du wahrscheinlich von Kannibalen in Neuguinea aufgegessen.« Sie war mit Sicherheit nicht in mich verliebt, aber ich gab nicht auf. Schließlich verlobten wir uns. Ich wollte nie Geld ausgeben, weil ich jeden Cent für das Evangelium sparen wollte. Meine Einstellung war: »Warum Geld für Essen ausgeben, wenn es bei Moody kostenlos ist.« Eines Tages, als wir gemeinsam am Ufer des Michigansees saßen (ich ließ oft Mahlzeiten aus, aber ich hielt es nicht für richtig, das auch von ihr zu verlangen), bat ich den Herrn, er möge doch für etwas zu essen für Drena sorgen, ohne dass ich es kaufen musste. Die Leute, die hinter uns saßen, hatten gepicknickt und räumten gerade auf und gingen weg. Ich ging zu dem Mülleimer, zog eine braune Papiertüte heraus, die sie weggeworfen hatten, und entdeckte ein Sandwich, das noch verpackt war. Ich gab es meiner Verlobten. Sie bekam einen Vorgeschmack darauf, was es bedeutete, mit mir verheiratet zu sein. Wir heirateten 19604 in Milwaukee direkt nach meinem Abschluss. Zu der Zeit hielt ich nichts von Hochzeitszeremonien. Wir wurden direkt nach der Sonntagspredigt getraut, sodass der Pastor das Evangelium für die anwesenden Nichtchristen predigen konnte. Während des Empfangs stand mein guter Freund Dale Rhoton auf und sagte, »Das Beste, was ihr George und Drena 4 Ich schaffte die Arbeit in zwei Jahren, indem ich einige Klassen anrechnen ließ und einige Fernkurse absolvierte. Ich erinnere mich daran, wie ich an der Bushaltestelle saß (eigentlich hatte ich gerade ein Rendezvous mit Drena) und an einer Arbeit für meinen Fernkurs schrieb.
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schenken könnt, ist, dass ihr für sie betet. Alles andere verkaufen sie sowieso für das Evangelium.«5 Wir verzichteten auf die Hochzeitsreise und machten uns auf den Weg nach Mexiko. Wir beschlossen, auf dem Weg dorthin kein Geld auszugeben. Am ersten Abend brachte ich unsere Hochzeits torte zu einer Tankstelle in Wheaton und bot sie dem Inhaber im Austausch gegen Benzin an. Er füllte uns den Tank und ließ uns außerdem die Torte behalten. Am nächsten Morgen ließ mich auch der Besitzer einer anderen Tankstelle (ein Christ) die Torte behalten. Der nächste Tankstelleninhaber war nicht so großzügig. Ihm gefiel die Torte und wir tauschten sie gegen Benzin ein. Wir schafften es bis nach Mexiko, ohne einen einzigen Cent auszugeben. Während der nächsten sechs Monate eröffneten wir Buchläden und waren missionarisch tätig. Dann drangen wir in ein anderes abgeschlossenes Land vor, Spanien. Spanien unter Franco hatte wenig Toleranz für das Evangelium. Wir schlugen dort unser Lager auf. Ich lernte Russisch und wir bereiteten uns auf den Vorstoß nach Russland vor. Unser Plan für die Sowjetunion war einfach. Roger Malstead und ich schmuggelten Teile der Bibel und eine Druckerpresse ins Land. Der Plan war, die einzelnen Evangelien an Adressen aus dem Telefonbuch zu schicken. Es lief sehr gut, bis ich aus Versehen flüssige Butter auf eines der Bücher schüttete und es dadurch unbrauchbar wurde. Roger schlug vor, es die Toilette hinunterzuspülen. Doch ich fand den Gedanken an eine solche Verschwendung unerträglich. »Ich weiß, was ich mache«, dachte ich bei mir. »Ich suche mir einen abgelegenen Ort auf dem Land und werfe das Buch aus dem Fenster. Dann kann es jemand aufheben und lesen.« 5 Seitdem habe ich erkannt, dass, wenn alles für das Evangelium aufgegeben wird, dies zu verkehrten gesetzlichen Regeln führen kann. Zum Beispiel halten es manche für ungeistlich, ein schönes Haus zu haben. Ich habe aber festgestellt, dass ein schönes (wenn auch nicht extravagantes) Heim ein Zeugnis für die Freude sein kann, die wir in Jesus Christus haben.
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Das war ein großer Fehler. Jemand hat uns gesehen. Kaum fünfzehn Kilometer weiter wurden wir an einer großen Straßensperre gestoppt und als Spione verhaftet. Wir wurden zwei Tage lang verhört. Ich beschloss, ihnen die Wahrheit zu sagen. Als sie unsere Druckerpresse und die ganze Literatur fanden, die wir im Auto versteckt hatten, rasteten sie aus. So kamen wir in der Sowjetunion in die Schlagzeilen. Der Prawda gefiel die Geschichte so gut, dass sie sie zehn Jahre später noch einmal veröffentlichte. Zur Zeit unseres Verhörs hatten die Russen gerade ihren ersten bemannten Flug ins Weltall gestartet. Der Leiter des Verhörs sagte zu mir, »Schau, wir hatten gerade einen Kosmonauten da oben. Er hat alles genau untersucht und wir haben euren Gott nicht gefunden.« Nach zwei Tagen waren sie davon überzeugt, dass wir religiöse Fanatiker waren und keine CIA-Agenten. Mit Maschinengewehren ausgerüstet eskortierten sie uns an die österreichische Grenze. Mein Ziel, mein Wunsch, mein Verlangen war es, das Evangelium in abgeschlossene Länder zu bringen. Wir waren in eines der verschlossensten Länder gegangen und prompt wieder herausgeworfen worden. »Was hat Gott vor?«, fragte ich mich. Ich beschloss, dass es an der Zeit war zu beten. Ich kletterte auf einen Baum in den Bergen von Österreich, um zum Beten allein zu sein. Ich verbrachte den ganzen Tag im Gebet. Jener Tag veränderte mein Leben und meine Arbeit radikal. Gott zeigte mir, dass meine Vision zu klein war. Er zeigte mir, dass es meine Aufgabe war, die Kirche zu mobilisieren, und er wollte, dass ich mit der europäischen Kirche begann. Das war verständlich. Europäer konnten die abgeriegelten Länder per Auto erreichen. Amerikaner hingegen mussten den Ozean überqueren, bevor sie in die Länder gelangen konnten, die sie erreichen wollten. Für das Geld, das man brauchte, um einen Amerikaner in ein abgeriegeltes Land zu bringen, konnte man drei Europäer an denselben Ort bringen. Außerdem waren Europäer normalerweise lieber gesehen als Amerikaner.
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Ich hatte keine Ahnung, dass dies der Wegbereiter einer radikalen Veränderung in der missionarischen Arbeit sein sollte. Das Konzept verbreitete sich explosionsartig von Europa nach Asien und Afrika und dann nach Lateinamerika. Menschen aus allen Ländern wurden zu gleichwertigen Partnern in der Missionsarbeit. Gott gab mir einen Namen – den Namen, der letztendlich blieb, Operation Mobilisation – OM. Gott zeigte mir auch, wie die Kirche zu mobilisieren war: Zwei Jahre lang brachten wir Menschen über den Sommer zusammen und schickten sie auf Missionseinsätze. Dann schickten wir sie zurück in ihre Heimatgemeinde oder zu einer anderen missionarischen Organisation, um neue Energie und neues Leben in die Gemeinden zu bringen und die Vision zu verbreiten. Das war 1961. Kurzzeit-Missionseinsätze waren so gut wie unbekannt. Es war ein revolutionäres Konzept, aber es funktionierte. Im folgenden Sommer warben wir 200 freiwillige Mitarbeiter. Im zweiten Sommer 1963 war unsere Gruppe auf 2 000 angewachsen, und wir erreichten 25 Millionen Menschen. Wir zogen nach London um, wo wir eine Flotte von 120 alten Lastwagen zusammenstellten. Wir überquerten den Ärmelkanal, bildeten mehrere Teams und fuhren los, um die Unerreichten zu erreichen. Kaum ein Jahr nach meiner Verhaftung in der Sowjetunion schickten wir Europäer in die UdSSR, die fließend Russisch sprachen und mehr erreichten, als ich es je gekonnt hätte. Wir konzentrierten uns auf die abgeriegelten Länder. Deshalb schickte ich Dale Rhoton, um Afghanistan zu erkunden. »Wenn du schon mal in der Gegend bist, dann schau dir auch gleich Pakistan und Indien an«, sagte ich. Ehrlich gesagt hatte ich keine große Erwartungen. Ich wusste, dass es in Westpakistan Missionare gab, und ich hatte bereits lebendige Christen aus Indien kennengelernt. Da Indiens starke Kirchen sich um die Missionsarbeit in Indien kümmerten, meinte ich, dass wir dort nicht gebraucht würden. Aber Dale war anderer Meinung. »Indien braucht uns«, sagte er.
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