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08.09.2010

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Wie ein Baum ‌ Das Andachtsbuch

Zusammengestellt von Dietmar Kamlah und Ernst GĂźnter Wenzler


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Inhalt Vorwort ...............................................................................

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Andachten ...........................................................................

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Bibelstellenverzeichnis ........................................................... 373 Autoren des Andachtsbuchs .................................................... 381


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1. Januar Ich schaue hinauf zu den Bergen – woher wird meine Hilfe kommen? Psalm 121,1 Der Psalm 121 ist ein altes israelitisches Wallfahrtslied. Wörtlich heißt das: ein Lied für Leute, die von unten nach oben unterwegs sind. Als Christen sind wir ebenfalls auf einem Weg von unten nach oben, auf dem Weg aus den Niederungen der Vergänglichkeit hinauf in die ewige Herrlichkeit. Dieser Weg von unten nach oben ist alles andere als ein harmloser Spaziergang. Es ist vielmehr die Überquerung eines gewaltigen Gebirges auf schmalem Pfad mit anstrengenden Steigungen, schwindelerregenden Abgründen und gefährlichem Steinschlag. Wer diese Reise antritt, der darf sich keinen Illusionen hingeben. Der muss dieses gewaltige Gebirge des Lebens mit seinem oft so schnell wechselnden Wetter und seinen bösen Überraschungen und Ausweglosigkeiten und der letzten überhängenden Wand des Todes nüchtern in den Blick nehmen und die Frage beantworten: Woher wird meine Hilfe kommen? Wer kennt sich im Gebirge des Lebens aus? Wer kann mich warnen vor den zugeschneiten, versteckten Gletscherspalten? Wer kennt die Schatten spendenden Felsvorsprünge in der sengenden Mittagshitze? Wer ist in der Lage, sich um mich zu kümmern, ja, mich zu tragen, wenn mich die Kräfte verlassen? Wer wirft mir das Seil zu, das mich über die überhängende Todeswand zieht? Der Psalmist beantwortet die Frage selbst: »Meine Hilfe auf dem Weg über das Gebirge kommt von dem, der die Berge selbst gemacht hat. Meine Hilfe durch Hitze, Sturm und alle Wetterlagen kommt von dem her, der den Himmel gemacht hat.« Und Paul Gerhardt drückt es so aus: »Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.« Dietmar Kamlah

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2. Januar Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den Herrn zu suchen! Hosea 10,12 (L) Was bewirkt eigentlich das Pflügen? Durch Pflügen erhöht man die Sauerstoffzufuhr. Zusammen mit den Witterungseinflüssen und der Zersetzung der organischen Stoffe erhält der Boden dadurch eine lockere Struktur. Er wird aufnahmefähiger für Wasser. Wenn wir Hoseas Sprachbild auflösen, heißt das für uns: Es geht um Aufnahmefähigkeit. Harte Herzen sollen aufbrechen und aufnahmefähig werden – für Gott. Es sah schlecht aus zu Hoseas Zeiten. Israel war ein »harter Boden« für Gott. Alles, was er durch seine Propheten an Worten einsäen wollte, blieb wirkungslos an der Oberfläche. Der Boden war hart durch Bosheit und Lüge und durch falsche Herzen. Es gab kein Durchkommen für Gottes Wort. Nichts sprach die Israeliten mehr an: weder Gottes liebevolle Zuwendung noch seine Drohungen. Ihre Herzen hatten die Verbindung zum Herzen Gottes verloren. Aber Gott findet sich nicht damit ab. Er will die Sache klären. Deshalb fordert er Israel zu zwei Handlungen auf: »Pflügt ein Neues!« Wie oft haben wir uns schon gewünscht, ganz neu beginnen zu können. Wie sehr wünschen sich viele Menschen um uns, nicht in ihrer jetzigen Lage stecken bleiben zu müssen. »Die Chance besteht«, sagt Gott. »Pflügt ein Neues!« Wir leben in allen Lebensbereichen davon, dass wir das Alte aufreißen, damit der Sauerstoff, der Atem Gottes, wieder Raum bekommt. Dann erreichen die Worte Gottes wieder unser Herz und die Größe der Liebe Gottes rührt uns wieder an. Das Leid der Menschen treibt uns neu an und unser Glaube wird wieder lebendig und gelassen, feurig und geborgen. »Es ist Zeit, den Herrn zu suchen!« Wir können uns nicht selbst helfen. Es ist Zeit, sich an Gott zu wenden. Es ist Zeit zu beten. Es ist Zeit, Gottes Hilfe zu erwarten. Das ist unsere Chance – heute! Armin Jans 8


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3. Januar Dann kam eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen hinein. Markus 12,42 In den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs flogen die Briten täglich Bombenangriffe auf Berlin. Als die Bomber eines Nachts zurückflogen, wurden sie selbst angegriffen. Einer sah ein deutsches Flugzeug rasch näherkommen. Die Engländer waren auf das Schlimmste gefasst. Hilflos sahen sie die Leuchtspurgeschosse heranpeitschen. Gleich fünf davon schlugen in den Rumpf nahe des Tanks ein. Kraftstoff quoll aus den Einschusslöchern. Gleich würde die Explosion kommen. Aber das Flugzeug explodierte nicht und konnte jenseits der Grenze sicher landen. Ein Mechaniker fand im Tank der Maschine fünf zerbeulte Geschosse. Der Pilot öffnete eine Hülse und fand ein winziges Stück Papier mit einer Notiz: »Wir sind polnische Kriegsgefangene und werden gezwungen, in der Fabrik Geschosse herzustellen. Wenn die Wärter nicht gucken, füllen wir kein Schießpulver ein. Das ist nicht viel, aber das Beste, das wir tun können. Bitte sagt unseren Familien, dass wir leben.« Der Zettel war unterschrieben mit den Namen vier polnischer Kriegsgefangener. Gott hat oft auf Winzlinge geachtet: auf David vor Goliath, auf Gideon vor den Midianitern, auf Elia vor den Baalspriestern. So hat er auch die Frau gesehen: ein Bild der Armut. Ihre Kleidung ist schäbig. Sie schlurft über den Tempelboden und wirft zwei kleine Münzen in die Opferkiste. Nicht der Stoff, aus dem man Filme macht. Aber ein Blitzlicht im Auge Gottes. Ein kleiner Schritt des Glaubens, eine winzige Tat aus Liebe zu Gott … Wir leben nicht zuletzt von den Winzlingen unter uns, von den gefalteten Händen eines Rentners, vom Seufzen unserer Mutter, vom Glauben unserer Gemeinde, die uns mitträgt. Hanspeter Wolfsberger

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4. Januar Sieh, ich habe dich in meine Handflächen gezeichnet. Das Bild deiner Mauern habe ich immer vor Augen. Jesaja 49,16 Als Gott dieses Wort durch den Propheten sprach, war Jerusalem ein Trümmerhaufen. Die Stadtmauer war zerstört, der Tempel als ehemaliger Ort der Gegenwart Gottes eine Geröllhalde. Schutzlos waren die Einwohner Jerusalems ihren Feinden ausgeliefert. Ihre Beziehung zu Gott war zerbrochen. Er schien weit weg zu sein von ihnen. Sie dachten: »Gott hat uns vergessen.« Gottesferne, das Gefühl der Verlassenheit, das gibt es auch bei Menschen, die mit Jesus unterwegs sind. Immer wieder holt mich meine Schuld ein, in Form von Ängsten, Zweifeln und Ungehorsam. Das ist dann wie eine Mauer, die mich von Gott trennt. Doch gerade dann gilt Gottes Zuspruch: »Deine Mauern habe ich immer vor Augen. Ich weiß Bescheid über das, was Dir Not macht. Deine Trümmer sind für mich ideales Baumaterial. Sieh, ich habe dich in meine Handflächen gezeichnet.« »Siehe«, das heißt: Pass auf und schau genau hin! Das, was Gott jetzt sagt, ist ganz wichtig. Damit er mich nicht vergisst, hat er mich in seine Handflächen gemalt. Das bedeutet, dass Gott nichts mit seinen Händen tun kann, ohne an mich erinnert zu werden. Gott hört nicht auf, an mich zu denken. Er will nicht, dass ich ohne ihn bin. Das ließ er sich seinen geliebten Sohn kosten, der auf Golgatha für meine Schuld bezahlt hat. So wichtig bin ich ihm. Trotz dem Schutt und dem Zerbrochenen in meinem Leben. »Siehe«, so will ich es mir heute neu sagen lassen, »ich habe deine Person, deine Verhältnisse, deine Sünden, deine Versuchungen, deine Schwachheiten und deine Bedürfnisse eingegraben in meine Hand. Ich vergesse dich nicht!« Carola Boeddinghaus

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5. Januar Er wusste um unsere Schwachheit. Denn seine Gnade bleibt ewig bestehen. Psalm 136,23 Die Schwester schiebt dich in den Operationssaal. Dir ist ganz schlecht vor Angst und Aufregung. Doch dann fällt es dir ein: Jetzt denken sie an dich. Deine Familie, deine Freunde und die Leute aus deiner Gemeinde. Schließlich haben sie es versprochen. Manche haben sich sogar die genaue Uhrzeit notiert. Du bist nicht vergessen. Dein Herzschlag beruhigt sich. Du bist nicht vergessen. Das tut gut. Sie denken an dich und – was wichtiger ist – sie beten für dich. Sie bitten Gott im Himmel, dass er sich um dich hier unten auf der Erde kümmert. Dass er die Hände der Ärzte und der Schwestern lenkt und leitet. Später wirst du dich bei ihnen bedanken, wirst sagen, wie gut dir das getan hat, dass sie ihre Gedanken vom Vielerlei des Alltags losgerissen und auf dich konzentriert haben. Es hat dir Kraft gegeben. Und Zuversicht. Wie gut, wenn Menschen an uns denken. Wie viel besser, wenn Gott an uns denkt. Vor Jahren las ich den Satz: »Gott ist so groß, dass ihm das Kleinste nicht zu klein ist.« Da kann man nur staunen. Und Loblieder singen. Die Bibel ist voll mit solchen Liedern. Psalm 136 gehört dazu. Ein Psalm, der während des Passahfestes gesungen wurde und an den Auszug der Israeliten aus Ägypten erinnert. Der Vorsänger zählt Wunder über Wunder auf. Und die Gemeinde antwortet immer wieder mit dem Satz: »… denn seine Gnade bleibt ewig bestehen.« Ich weiß nicht, was heute auf Sie wartet. Ich weiß auch nicht, ob Menschen an Sie denken werden. Aber eines weiß ich: Gott denkt an Sie. Gott wendet sich Ihnen zu. »… denn seine Gnade bleibt ewig bestehen.« Jürgen Werth

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6. Januar Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu beschützen, wo immer du gehst. Psalm 91,11 Nach einer Filmveranstaltung wollten wir gegen Mitternacht nach Hause fahren. Die Leute in dem bengalischen Dorf rieten uns ab, da es nachts in ländlichen Gegenden oft gefährlich ist. Doch wir packten unsere Apparate ein und fuhren los. Zuerst ging die Fahrt über eine staubige und holprige Dorfstraße. Weit und breit war kein Licht zu sehen. Nur die Scheinwerfer des Autos leuchteten die Straße aus. Es war mir schon ein bisschen unheimlich zumute. Dann erreichten wir endlich die asphaltierte Straße. Ich gab Gas, um bald zu Hause anzukommen. Nach ein paar Minuten Fahrt sah ich im Fernlicht eine Brücke. Plötzlich erkannte ich, dass quer über die Brücke gelegte Bananenbaumstämme die Fahrbahn versperrten. Wahrscheinlich hatten sich unter der Brücke einige Männer versteckt, die uns ausrauben wollten. Innerlich flehte ich zum Herrn und bat um Weisheit, was ich jetzt tun sollte. Umzudrehen hatte keinen Wert mehr, da wir schon zu nahe an der Brücke waren. »Herr, was soll ich nur tun? Bitte hilf mir!«, flehte ich zu Gott. Es war, als ob eine Stimme in mir sagen würde: »Gib Gas und fahr voll durch.« Das tat ich dann auch. Es rumpelte kräftig unter dem Fahrgestell und Teile der Bananenbaumstämme flogen durch die Luft. Das Blut stockte uns fast in den Adern. Es herrschte eine unheimliche Spannung im Auto und jeder betete.. Nach wenigen Augenblicken hatten wir die Blockade überwunden. Mit starkem Herzklopfen setzten wir unsere Fahrt fort und erreichten sicher unsere Missionsstation. Dankbar lobten wir Gott. Wieder einmal hatten wir erlebt, wie er sein Wort hält. Heinz Mack

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