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pontius

24.03.2010

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Seite 3

Das Kamel im Nadelรถhr Fromme und unfromme Schmunzelgedichte

Eckart zur Nieden Jรถrg Peter (Illustr.)


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Inhalt Süßes Leben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Der Nil . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

14

Schäfchenwolken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

17

Von Pontius bis Pilatus . . . . . . . . . . . . . . . .

18

Die Kirchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

21

Eins dreißig . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

24

Große Sprünge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

25

Platzhirsche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

26

Freiheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

28

Des Ritters Leid . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

32

Irrtum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

35

Im Kuhstall . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

37

Voller Leben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

40

Der Wal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

43

Der Storch und die Kröte . . . . . . . . . . . . . .

44

Der Morgen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

47

Der Specht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

48

Identität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Zwischen den Extremen . . . . . . . . . . . . . .

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Botschafter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Geduld und Stärke . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

54

Gerüchte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

55

Sein und Schein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

56

David und der Löwe . . . . . . . . . . . . . . . . . .

58

An Bileam . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

64

Hochzeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

65

Das Nadelöhr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Topf und Deckel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Der Star . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

75

Prominenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

78

Frage zehn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

81

Der Schauspieler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

83

Ich bin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

90

Eigenlob stinkt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

93

Wunder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

94

Spiegelbilder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

95

Neid . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

97

Grußworte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

98

Maßstäbe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Kommunikation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Standpunkte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

105

In der Kirchenbank . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

106

Vorsicht! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

112

Ganz einfach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

113

Kontinentalverschiebung . . . . . . . . . . . . . .

114

Schönheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

117

Weltabgewandt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

118

Einladung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

120

Imagebildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

121

Zu spät . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Über dir . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Das Nadelöhr Die Erna sitzt mit einer Decke zum Sticken in der Sofaecke. Auf einem Tischchen neben dran, so dass sie´s leicht erreichen kann, da liegen ihre Utensilien. Sie stickt gerade weiße Lilien, und drum herum noch bunte Pflänzchen, um dann bei ihrem Kaffeekränzchen, das mittwochs sie zu halten pflegen, die Decke auf den Tisch zu legen. 68


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Grad jetzt will sie das Stickgarn wechseln. Sie muss es fest zusammendrechseln, damit die aufgespreizte Wolle durchs Öhr der Nadel passen solle. Es klappt noch nicht. Zu diesen Zwecken muss sie erst an dem Faden lecken. Denn ist das Ende etwas feucht, geht einzufädeln meistens leicht. In diesem einen Fall jedoch trifft dieser Faden nicht das Loch – beinahe zwar, doch nicht ganz richtig, denn leider – Erna ist kurzsichtig. Ein lang bekannter Augenschaden. Erst hält sie Nadelöhr und Faden weit fort, dann hält sie´s aber wieder sehr dicht, fast vor die Augenlider. Sie schiebt die Brille vor, zurück – es nützt ihr nichts. Sie hofft auf Glück, sticht mit dem Garn aufs Gratewohl, dass es das Löchlein treffen soll. Da, beim Versuche Nummer neun, geht in der Tat ihr Faden rein. Sie zieht ihn durch, und voll Entzücken kann sie nun endlich weitersticken.

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Sie führt den Faden her und hin. Da kommt ihr plötzlich in den Sinn – vom Konfirmandenunterricht – ein Bibelwort, das Jesus spricht: dass ein Kamel, dick, hoch und schwer, schnell schlüpfte durch ein Nadelöhr, das wäre – wenn auch schwer verträglich – doch immerhin noch eher möglich, als dass ein Reicher, Frau und Mann, einst in den Himmel kommen kann. Und während Erna stickt, da zieht ein Blitz Humor durch ihr Gemüt. Sie malt sich aus, wie das wohl wär´, mit dem Kamel und Nadelöhr: Ich müsste, um das hinzukriegen, das Tier sehr strecken und verbiegen – von wegen dieses Loches Enge – auf Fadendicke und auch -länge. Ich müsst´ es an den Nackenwirbeln sehr stark verdrehen und verzwirbeln. Ich müsst´ es an der Schnauze lecken, um es durchs Nadelöhr zu stecken. Auch dürft es lang kein Wasser kriegen, damit die Höcker flacher liegen. Doch lebend es durchs Loch zu bringen, 70


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das dürfte keinesfalls gelingen. Das aussichtsloseste Beginnen, selbst bei geübten Stickerinnen, ob alten Weibern oder Mädeln, das Tier durchs Nadelöhr zu fädeln! Ein hoffnungsloses Unterfangen! Doch da erschrickt sie! Angst und Bangen durch Herz und Hirn und Seele blitzt, weil sie ja auch etwas besitzt! Bin ich darum, fragt sie verdrossen, vom Himmelreiche ausgeschlossen? Sie legt beiseit die Stickerei und holt die Bibel sich herbei, um dies Geheimnis zu ergründen. Sie blättert, um das Wort zu finden, sucht unermüdlich. Nach zwei Stunden hat endlich sie den Vers gefunden. Da liest sie, dass auch Petrus sagte, was sie sich selber auch schon fragte: Wie kann ein Mensch auf dieser Erden, wenn das so ist, je selig werden? Denn jeder hat doch was besessen! Jawohl, nach menschlichem Ermessen, 71


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sagt Jesus, geht es keinesfalles! Gott aber macht´s. Denn er kann alles. Er kann dies groĂ&#x;e Wunder tun. Und Erna denkt: Da weiĂ&#x; ich nun, was hier zu tun ist, unbestritten: Ich muss ihn um dies Wunder bitten.

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