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Ulrich Parzany

Hallo, hört mich einer? Verbindung unter »Vater unser«


Inhalt Einleitung.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Container-Gebete. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was man so denkt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kann man beten lernen?.. . . . . . . . . . . . . . . . .

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1. Kapitel Wie gefährlich ist Gott? Oder: »Unser Vater im Himmel«. . . . . . . . . . . . . . . . . Wo ist die Gefahr?.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hat Beten Zweck?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der tut was.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Überraschend neue Beziehungen.. . . . . . . . . . . .

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2. Kapitel Gott riskiert seinen guten Namen Oder: »Geheiligt werde dein Name«. . . . . . . . . . . . 43 3. Kapitel Ist das Jüngste Gericht nur ein altes Gerücht? Oder: »Dein Reich komme; dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden«. . . . . . . . . . . . . . . . . . Sind das nicht unsinnige und schlimme Bitten?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . So werden wir fit für die Zukunft. . . . . . . . . . . . Hoffen und Harren macht viele zu Narren!?. . Die Wirkung in die Vergangenheit: Gott bestätigt Jesus .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Wirkung in die Gegenwart: Jesus handelt jetzt.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Wirkung in die Zukunft: Sie liegt in seiner Hand.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Wir geben Gott recht.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69 Unsere neue große Leidenschaft. . . . . . . . . . . . . 71 4. Kapitel Mehr-Fieber: Warum kriegen wir nie genug? Oder: »Unser tägliches Brot gib uns heute«. . . . . . Die Magenfrage wird zur Gottesfrage .. . . . . . . Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.. . . . . . . . . . . Das Wir-Gebet. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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5. Kapitel Raus aus der Schuldenfalle! Oder: »Vergib uns unsere Schuld wie wir vergeben unsern Schuldnern«. . . . . . . . . . . . . . . . . . Wer hat denn Schulden bei Gott?. . . . . . . . . . . . Kann man denn einfach um Schuldenerlass bitten?.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ist die Bedingung zu schwer?. . . . . . . . . . . . . . . .

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6. Kapitel Beten auf Teufel komm raus! Oder: »Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen«.. . . . . . . . . . . . Keiner soll ums Leben betrogen werden. . . . . . Aber es geht noch um mehr.. . . . . . . . . . . . . . . . . Yes, he can!. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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7. Kapitel Was ist, wenn das Handy verstummt? Oder: »Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.«.. . . . . . . 111 Verbindungen sind lebenswichtig .. . . . . . . . . . . 113 Was heißt Amen?.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 Anmerkungen.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119


Neun Monate – von Juli 2008 bis März 2009 – waren die »Container der Hoffnung« in sechzig Städten Deutschlands und Österreichs unterwegs. Sie standen jeweils für fünf, sechs Tage auf Marktplätzen und vor Einkaufszentren. Sie waren auffallend orange und blau lackiert. Auf dem einen stand in großen Buchstaben das Wort »Zweifeln«, auf dem anderen »Staunen«. Innen befanden sich sechs Monitore mit Kopfhörern. Zwei-Minuten-Filme zeigten die zum Teil erschütternden Geschichten von Menschen, die über ihren Weg zu Gott und über Erfahrungen aus ihrem Leben mit Gott berichteten. Im ZweifelnContainer fanden die Besucher Berichte mit Lebensgeschichten, die Zweifel und Verzweifeln zeigten. Im Staunen-Container Berichte zum Staunen darüber, dass Gott Neuanfänge in hoffnungslosen Lebenssituationen ermöglicht hatte. Die kurzen Filmberichte boten Stoff zum Nachdenken und für Gespräche. Es gab ein zusätzliches Angebot. Die Besucher konnten auf einem Blatt ihre eigenen Zweifel und Sorgen aufschreiben und in einen MiniContainer legen. Die Christen, die diese Aktion veranstalteten, boten an, die aufgeschriebenen Zweifel, Sorgen und Nöte als Gebete vor Gott zu bringen. Über 5 000 Menschen machten von diesem Angebot Gebrauch. Viele von ihnen ließen erkennen, dass sie mit dem Glauben an Gott Schwierigkeiten hatten. Nicht wenige beteten selber nicht, aber sie nahmen dankbar die Möglichkeit in Anspruch, dass andere für sie beteten.

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Die Menschen konnten übrigens auch aufschreiben, worüber sie staunten. Nicht wenige drückten ihre Dankbarkeit für Gutes aus: persönliches Wohlergehen, sinnvolles Leben, Familie, Freiheit in Deutschland. Aber die Liste der Nöte, Sorgen und Zweifel war viel länger. Container werden zum Transport von Gütern über große Entfernungen gebaut und gebraucht. Diese Container transportierten Hoffnung. Das versprach ihr Name »Container der Hoffnung«. Das Ganze war übrigens eine Aktion von ProChrist, einem Projekt von Christen verschiedener Kirchen, das suchende Menschen mit dem christlichen Glauben vertraut machen will. Viele Besucher der »Container der Hoffnung« waren nicht sicher, ob da einer die Gebete hört. Sie konnten noch nicht glauben, dass sie selber persönliche Erfahrungen mit Gott machen konnten. Christen haben für sie und ihre Nöte und Zweifel stellvertretend gebetet. Kann man beten lernen? Ist Gebet nur ein Selbstgespräch, in dem man so tut, als höre Gott einem zu? Hört da wirklich einer zu? Ist es nur ein frommer Wunsch, dass ein Gott existiert, der uns hört? Nur eine Illusion? Kann man etwas darüber wissen? Darum geht es in diesem Buch. Was man so denkt Es war am Vormittag des Heiligen Abends 2008, als ein Mensch, der sich hinter dem originellen Namen

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»die Kaltmamsell« versteckte, dem Rest der Menschheit folgende Einsicht im Internet kundtat: »Aber es ist doch nichts Schlimmes daran, dass das Leben sinn- und ziellos ist. Es ist einfach. Der größte Teil der Menschheit hat genug damit zu tun zu überleben, ob physisch oder psychisch – das kann schon eine Leistung sein. Vor allem, wenn das mit Haltung geschieht. Ansonsten gilt es sich abzulenken, bis es vorbei ist, das Leben. Die meisten greifen zu Fortpflanzung als fesselndster Abwechslung überhaupt, manche übernehmen sich dabei ein bisschen. Sind dadurch aber noch abgelenkter. Andere lenken sich mit Arbeit ab oder mit Karriere, mit dem Ansammeln von Wissen, Dingen oder Reichtümern. Meiner Ansicht nach besonders löblich sind diejenigen unter uns, die anderen angenehme Ablenkung verschaffen – sei es durch Wohltaten oder Kunst. Selbst denjenigen, die es nicht beim Anerkennen der Sinnlosigkeit belassen wollen, bleibt eine faszinierende Ablenkung: die Suche nach dem Sinn des Lebens.«1 Allerdings scheinen sich die Menschen doch nicht so leicht mit Sinn- und Ziellosigkeit abzufinden – jedenfalls wenn man nach der großen Zahl an Hilfsangeboten geht, die bei der Sinn- und Zielsuche Unterstützung anbieten. Seitdem die Wahlmöglichkeiten (Optionen) sich ins Unermessliche vermehrt haben, müssten wir eigentlich die glücklichste Menschengeneration sein, die je den Globus bevölkert hat. Sind wir aber nicht. Die Experten

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sagen uns auch, warum nicht. Wir haben einfach zu viele Möglichkeiten. Wir können nicht alle in unserem zeitlich und räumlich begrenzten Leben nutzen und genießen. Wir wollen aber nichts verpassen. Der Druck ist enorm hoch. Wir wollen alles, aber jetzt. Wir müssen, aber wir können nicht. Panik und Lähmung sind die Folgen. Einer der Experten ist der Soziologe Professor Peter Gross, der 1994 in seinem Buch »Die Multioptionsgesellschaft«2 die Situation beschrieb. Toll, welche Wahlmöglichkeiten wir haben! Aber wir haben keinen Maßstab für die Bewertung und Auswahl. Wir haben uns von den Zwängen der sozialen Kontrolle der früheren Gesellschaften befreit und genießen die Selbstbestimmung des eigenen Lebens. Keiner gibt uns mehr vor, was richtig und wichtig für uns ist, wen wir heiraten sollen, welchen Beruf wir ausüben sollen, wie wir uns zu benehmen haben. Wir dürfen alles selber entscheiden. Nebenwirkung: Wir müssen aber auch selber entscheiden, was gut für uns ist. Keiner nimmt uns die Verantwortung ab. Wir dürfen uns nicht beklagen, wenn wir Mist machen. Der Druck auf den Einzelnen steigt. Peter Gross, ein Mann mit katholischer Herkunft, erinnert sich, dass da mal was war: Es gab einmal für unser Leben den Rahmen der Herrschaft Gottes und den Horizont der Ewigkeit. Wenn allerdings Gott keine Rolle mehr spielt, dann müssen wir selber seine Rolle übernehmen. Dann fällt auch der Bezugsrahmen seiner Herrschaft und

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der Ewigkeit weg. Jeder ist der Architekt des Projektes seines eigenen Lebens. Na und? «Was geht uns das an? Da sieh du zu!« Diese Sätze stehen in der Bibel. Sie berichtet, wie Judas Jesus, dem er drei Jahre gefolgt ist, an die Regierung in Jerusalem verrät. Judas bekommt dafür Geld. Dreißig Silberlinge sind nicht die Welt, egal wie der Umrechnungskurs heute wäre. Wahrscheinlich ging es dem Judas auch gar nicht vor allem ums Geld. Als er aber sah, wie Jesus gefoltert und zum Tod verurteilt wurde, kapierte er: »Das habe ich nicht gewollt.« Er bereute seinen Verrat. Er brachte das Geld zurück. Aber keiner kümmerte sich um seinen Kummer. »Was geht uns das an? Da sieh du zu!« Kalt wiesen sie ihn ab. Da hängte er sich auf. Das traurige Modell eines selbstbestimmten Menschen. Wer Gott vergisst, verliert die Ewigkeit. Die Ewigkeit ist für viele Zeitgenossen in der westlichen Welt auf ihre Lebenszeit geschrumpft. Als Folge entsteht ein riesiger Zeitdruck: Die Zeit verrinnt und wird knapp, obwohl noch so viele Möglichkeiten ungenutzt sind. Vor allem ist das große Glück noch nicht gefunden. Dieser Zeitdruck addiert sich zu dem anderen Druck, der durch die Individualisierung und Vereinzelung entsteht. Ich allein muss alles selber schaffen, und ich muss es in meinem kurzen Leben schaffen. Manchmal gehe ich in Berlin in ein großes Kulturkaufhaus und schmökere in der Literatur. Neulich fand ich zwei interessante Titel: »1 000 Places to see before you die« und »1 000 Recipes to try before you die«3. So

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viel! Das schafft man nie. Also muss das Leben verlängert werden. Die Konrad-Adenauer-Gesellschaft veranstaltete im Jahr 2008 in Cadenabbia am Comer See, in der Villa la Collina, wo der alte Bundeskanzler Adenauer Urlaub machte, eine Experten-Tagung zum Thema »Leben wir länger, um krank zu werden?« Sehr beziehungsreich, denn Adenauer wurde 91 Jahre alt. Als Ergebnis der Tagung las ich u. a. die erstaunliche Feststellung: »Wir sind inzwischen so gesund, dass wir alt werden, dass wir wieder krank werden.« Der Wunsch, dass sich mit dem längeren Leben das perfekte Glück einstellt, geht also auch nicht so richtig in Erfüllung. Wie unerträglich groß der Druck geworden ist, kann man an den erstaunlichen Entlastungsvorschlägen sehen, die heute gemacht werden. Der Philosoph und Christentumskritiker Ludwig Feuerbach hatte gefordert, dass die Menschen von Kandidaten des Jenseits zu Studenten des Diesseits werden müssten. Also bitte nicht auf den Himmel warten und sich auf keinen Fall auf ein Leben nach dem Tod vertrösten lassen! Wir selber sind Götter, und alles spielt sich auf der Erde ab oder es findet nicht statt. Nun schrieb kürzlich der Philosoph Wilhelm Schmid in einem kleinen Büchlein über das Glück neben viel Erhellendem auch Folgendes4: »Zu den Bedingungen des Lebens gehört bis auf Weiteres eine zeitliche Begrenztheit, die, wenn sie nicht im Fühlen und Denken zu überschreiten ist, eine Art von Lebens-

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