Claudia Pflaum
Inhalt Igittküsschen................................ . . . . . . . . . . . . . 9 Amanda........ .............................. . . . . . . . . . . . . . 15 Doppelter Schreck............................ . . . . . . . . . . . . . 20 Zwei Gehirnhälften........................... . . . . . . . . . . . . . 25 Ein Blinken in der Nacht.. .................... . . . . . . . . . . . . . 29 Bumba in Panik.............................. . . . . . . . . . . . . . 32 Miese Stimmung.. ............................ . . . . . . . . . . . . . 37 Wie der Zufall es will......................... . . . . . . . . . . . . . 41 Der Krimi in der Nachbarswohnung........... . . . . . . . . . . . . . 44 Familie in Not................................ . . . . . . . . . . . . . 49 Bumba der Prophet........................... . . . . . . . . . . . . . 52 Gefangen in der Klinik.. ...................... . . . . . . . . . . . . . 56 Ein fehlgeschlagener Versuch.. ............... . . . . . . . . . . . . . 61 Johnny....................................... . . . . . . . . . . . . . 64 Hilfe auf Rädern.. ............................ . . . . . . . . . . . . . 67 Der Medusapfau.............................. . . . . . . . . . . . . . 70 Krisenstab..... .............................. . . . . . . . . . . . . . 73 Pizza und Krankenakten...................... . . . . . . . . . . . . . 77
Blaulicht unter blauen Laternen.. ........... . . . . . . . . . . . . . . 82 Hotel »Zum Hauch des Todes«............... . . . . . . . . . . . . . . 86 Alte Bekannte – neuer Tatort.. .............. . . . . . . . . . . . . . . 90 Sensoren ausfahren!.. ....................... . . . . . . . . . . . . . . 95 Hoffnung?.. ................................. . . . . . . . . . . . . . . 98 Die Grusel-WG............................... . . . . . . . . . . . . . 102 Stürmische Zeiten........................... . . . . . . . . . . . . . 107 Der Tod steckt voller Leben................. . . . . . . . . . . . . . 113 Leichenschmaus.. ........................... . . . . . . . . . . . . . 118 Startschuss für die Ermittlungen............ . . . . . . . . . . . . . 123 Der liebe Onkel Sorbit....................... . . . . . . . . . . . . . 126 Die lila Zeugen-Schachtel................... . . . . . . . . . . . . . 130 Steine....................................... . . . . . . . . . . . . . 134 Noch mehr Steine........................... . . . . . . . . . . . . . 138 Schlüsseltausch............................. . . . . . . . . . . . . . 145 Karates geheimer Freund.................... . . . . . . . . . . . . . 149 Die Hausdurchsuchung...................... . . . . . . . . . . . . . 154 Unter die Lupe genommen.................. . . . . . . . . . . . . . 160 Dreimal Pommes weiß-rot................... . . . . . . . . . . . . . 169 Das rote Notizbuch.......................... . . . . . . . . . . . . . 172 Mittendrin.................................. . . . . . . . . . . . . . 174 Rauchende Köpfe.. .......................... . . . . . . . . . . . . . 177
Die Gastschüler.............................. . . . . . . . . . . . . 182 Heimaturlaub................................ . . . . . . . . . . . . 190 Ahnungslos überführt........................ . . . . . . . . . . . . 193 Der schlurfende Zeuge ....................... . . . . . . . . . . . . 201 Brunnwig sticht in ein Wespennest.. ......... . . . . . . . . . . . . 206 Der Eid einer Ärztin.......................... . . . . . . . . . . . . 209 Klinik-Kaffee mit Nebenwirkung.. ............ . . . . . . . . . . . . 212 Blumen für den Sarg......................... . . . . . . . . . . . . 213 Anrufer.. ....... .............................. . . . . . . . . . . . . 216 Game over.. .................................. . . . . . . . . . . . . 220 Muriels Gastmahl.. ........................... . . . . . . . . . . . . 225 Die Stunde der Wahrheit.. .................... . . . . . . . . . . . . 230 Der Mann in der Ausnüchterungszelle........ . . . . . . . . . . . . 232 Der Cowboy und der Präsident.. .............. . . . . . . . . . . . . 235 Gute Nachrichten?.. .......................... . . . . . . . . . . . . 238 Smollig und die verletzte Raubkatze......... . . . . . . . . . . . . 241 Vater und Tochter............................ . . . . . . . . . . . . 245 Karate sorgt für Nachschub.. ................. . . . . . . . . . . . . 248 Na also....................................... . . . . . . . . . . . . 250 Onkel Sorbits Helden......................... . . . . . . . . . . . . 254
StaRtSChUSS FÜR DIE ERMIttlUnGEn Der Unterricht ging an Krawatte beinahe spurlos vorbei. In der letzten Reihe traf er bereits Vorüberlegungen für den Nachmittag mit Lolatte. Zettelchen wanderten von einem zum anderen. In der zwanzigminütigen Pause trafen sich alle an den Mülltonnen, dort waren sie größtenteils ungestört. Krawatte, Tomte und Welle würden wie im Falle Grüner wieder das Polizeipräsidium in der Stadt aufsuchen. Sie kannten sich inzwischen aus, wussten, wo sie die Kommissare Bunter und Sieber finden konnten, und auch die Dame vom Empfang, Frau Braun, war keine Fremde für sie. Allerdings hoffte Tomte inständig, dass er Herrn Sorbit, dem Staatsanwalt, nicht unter die Augen kommen würde. In seinem jugendlichen Leichtsinn hatte er sich als dessen Neffe ausgegeben, was zwangsläufig als freche Lüge entlarvt wurde – schließlich waren alle Herrschaften von der Polizei. Wann immer sich eine Gelegenheit ergab, machten sich seine Kumpels lustig darüber. So auch jetzt. »Dann gehst du also heute deinen Onkel besuchen«, stellte Harakiri fest, und alle grinsten fies. »Haltet bloß die Klappe, ihr Idioten, sonst verweigere ich meine Dienste.« Alle lachten. »Wir können auf deine super Kontakte aber nur schwer verzichten«, meinte Bumba, der hungrig an einer Schinken-Laugenbrezel hing. »Findet heraus, ob sie schon eine Spur von Miss Hungerhaken haben, denn wenn nicht, dann wird das unsere Priorität sein.« Lolatte war für eine klare Abarbeitung der Punkte und lenkte das Gespräch wieder in die produktive Bahn. »Harakiri und Bumba übernehmen die Beobachtung der
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Buchhandlung Brunnwig«, befahl Karate. »Haltet Ausschau nach Menschen, die rein wollen, befragt sie, wenn möglich, unauffällig zu diesem üblen Kerl, zu Erfahrungen mit ihm und so weiter.« Harakiri und Bumba nickten. »Bestimmt ist auch die Polizei vor Ort. Benehmt euch also nicht zu auffällig, sonst schicken die euch wie kleine Kinder zu Mami nach Hause. Das Gleiche gilt für mich, da ich das Wohnhaus der Brunnwigs im Auge behalten werde. Nikotin kümmert sich um diese Steine, die irgendeine Rolle zu spielen scheinen.« Krawatte reichte ihm den Stein. Alle Aufgaben waren verteilt, aber eine Ermittlerin blieb übrig. Lolatte wechselte peinlich berührt von einem Bein auf das andere, als sie merkte, dass die Jungs sie fragend anschauten. »Was ist mit Madame Superhirn?«, wollte Bumba wissen, der seine Brezel verputzt hatte. Nur ein einsames Salzkorn hing als schwache Erinnerung noch an seinen feuchten Lippen. »Nun, ich werde klar Schiff für Johnny und Daniel machen. Wenn alles klappt, werden sie bei uns zu Hause unterkommen.« Den Hausarrest verschwieg sie tunlichst, und Krawatte würde sie niemals verraten, das wusste sie. »Oho, wie edelmütig.« Tomte machte einen übertrieben tiefen Knicks vor dem großen Mädchen und fuchtelte mit seiner roten Kappe ehrerbietig herum. »Danke, mein Hofnarr, das genügt«, kam es leicht verärgert von Lolatte zurück. Alle lachten, bis auf Tomte. »He, nicht frech werden, Mädchen.« Er machte einen Schritt auf sie zu, um seinen Worten mehr Ausdruck zu verleihen, was misslang. »Lass gut sein, Rotkäppchen«, reizte Lolatte ihn noch mehr. Krawatte versetzte ihr einen freundschaftlichen Schubs, der ihr zeigen sollte, dass es reichte, bevor sich die Auseinandersetzung wieder hochschaukelte. Lolatte gehorchte, was selten der Fall war. »Wir treffen uns um zwanzig Uhr zu einer Besprechung, am besten bei Bumba«, bestimmte Karate. Bumba verzog das Gesicht, als hätte er plötzlich heftige Zahnschmerzen. »Das ist ein Problem, ehrlich gesagt. Meine Mutter will nicht, dass wir ständig bei uns meditieren.« »Meditieren?«, entfuhr es Welle ungläubig. »Ja, meditieren. Meine Mutter lässt es sich nicht nehmen, uns
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neuerdings für eine Art Sekte zu halten.« Unverständnis war in den Gesichtern um ihn herum zu lesen. »Nun, sie denkt, wenn junge Hüpfer wie wir zu acht im Zimmer im Kreis sitzen, keinen Kuchen essen wollen, sondern lieber etwas auf Blätter kritzeln und dabei noch unheimliche Stille herrscht, kann das nur mysteriös sein, aber nicht normal.« Nikotin klatschte anerkennend in die Hände. »Das sollte sie mal den Lehrern flüstern, brächte uns bestimmt Pluspunkte für die Betragensnote.« Allgemeines Gelächter erklang, gleichzeitig mit der Schulglocke, die alle Schüler zurück in die Klassenzimmer rief. »Wo treffen wir uns dann?«, wollte Karate wissen. »Kommt alle zu mir, dann habt ihr einen Blick auf das Zimmer von Amanda. Muriel hat bestimmt nichts dagegen.« Alle nickten und der Pulk von acht Schülern bewegte sich eine Spur zu lustlos in den Klassenraum. Frau Schreiber hatte bereits Notizen an die Tafel geschrieben und erwartete ihre Schüler, um sie mit Wissen zu überschütten und Bumba damit zu füttern.
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DER lIEBE OnKEl SORBIt Krawatte, Tomte und Welle machten sich wie schon einmal auf den Weg zum Polizeipräsidium. Nur verzichteten sie diesmal auf Requisiten und Verkleidung, denn man kannte die drei, und es würde keinerlei Probleme geben, vorgelassen zu werden, um mit Bunter und dem Cowboy reden zu können. Zielstrebig marschierten die drei jungen Männer zur Empfangsdame, Frau Braun. Sie hing gerade am Telefon und versuchte eine hysterische Dame zu beruhigen und ihr klar zu machen, dass das nicht das Tierheim sei, sondern die Polizei. Dabei verdrehte sie ungeduldig die Augen. Endlich klatschte sie den Hörer auf die Gabel und sah zu den Neuankömmlingen auf. »Euch kenne ich doch, oder?« Die drei stellten sich freundlich lächelnd nebeneinander auf. »Oh ja natürlich, Frau Braun. Wir waren vor gar nicht allzu langer Zeit mit einem Fall in dieser Stadt beschäftigt.« Das war Welle, der sich so prahlerisch ins Zeug legte, als gelte es, die Frau ins Kino einzuladen. Dabei spielte er mit der einen Locke, die ihm als Markenzeichen immer in ein Auge hing. Frau Braun nickte leicht genervt, dann blieb ihr Blick an Tomte hängen. Sie zeigte mit inbrünstigem Erkennen auf ihn. »Oh ja, ich weiß Bescheid. Der angebliche Neffe des Staatsanwaltes.« Ein verzerrtes Lächeln erschien auf Frau Brauns Gesicht, das sich wenig vorteilhaft ausnahm. »Falls ihr nun zu den Kommissaren, Herrn Bunter und Herrn Sieber, möchtet, so habe ich eine Botschaft für euch.« Die Jungs lächelten sich überheblich an. »Ihr sollt doch bitte die Finger von den Ermittlungen lassen, und sie hätten keine Zeit für euch.« Das saß. Frau Braun senkte ihr Haupt und nahm einen erneuten Anruf entgegen. Die Jungs waren für sie erledigt. In diesem Moment kam Staatsanwalt Sorbit an den Empfang, deutete stumm auf
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einen Berg Akten und übergab ihn Frau Braun, die anklagend die Augen verdrehte, sich dann wieder dem Gegenüber in der Leitung zuwandte. »Wen sehen meine Augen?«, fragte der Staatsanwalt vergnügt, als er die drei Jungs wahrnahm, die ihm sehr wohl ein Begriff waren, vor allem jener mit der roten Mütze. »Hallo, Herr Sorbit«, grüßten die Jungs kleinlaut. »Na, was ist los mit der heutigen Jugend?«, wollte er wissen und sah hauptsächlich Tomte an. »Ähm, nun ja, wir wollten zu Kommissar Bunter und dem Cowboy. Aber die wollen uns nicht sehen, sagt Frau Braun.« Herr Sorbit nickte. »Ah. Verstehe – obwohl ihr den Neffen des Staatsanwaltes unter euch weilen habt. Das ist ein Skandal. Kommt mit, Jungs.« Tomte sah Krawatte und Welle unschlüssig an, dann folgten sie dem Staatsanwalt, der sie höchstpersönlich zum Büro der ermittelnden Kommissare brachte, anklopfte und sie hineingeleitete. Bunter war gerade am Telefon beschäftigt und notierte etwas eilig auf einem Zettel. Der Cowboy brütete vor dem Bildschirm des Computers, schien etwas zu suchen. Er blickte kurz hoch, sah erst die Kinder und dann den Staatsanwalt an. »Direkt beim Klauen erwischt, Herr Staatsanwalt?« Tomte und Welle wurden rot wie überreife Erdbeeren. Krawatte hätte beinahe gelacht: Was der Cowboy als lockeren Witz von sich gab, beinhaltete derart viel Wahrheit, dass es schon Klasse hatte. »Nein, nein, ich möchte nur, dass mein Neffe und seine Freunde von der Polizei empfangen werden. Das ist alles.« Sorbit zwinkerte kurz, und der Cowboy breitete die Hand zu einer lässig ausgeführten Einladung aus. Die Jungs setzten sich ihm gegenüber. »Ich geh dann mal – mein lieber Neffe, es wird Zeit, dass ich dich mal an die Pommesbude ausführe, sobald ich mehr Luft habe. Versprochen!« Er knuffte Tomte und schob ihm frech die Mütze ins Gesicht. »Ja, okay«, mehr kam nicht von dem überaus peinlich berührten Tomte. Der Cowboy lächelte die drei gnädig an. »Was kann ich für euch tun?« Krawatte ergriff das Wort. »Wir wollen mithelfen, den Fall der Brunnwigs zu klären. Wir haben schon einiges an Informationen, und das eine oder andere dürfte ihnen noch nicht bekannt sein.
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Deshalb sind wir hier.« Kommissar Sieber gab einen gespielten Startschuss ab, legte seine Beine gekreuzt übereinander auf das Pult und wartete. »Auf, Jungs, dann legt los.« Krawatte berichtete alles, und die drei merkten, dass die Aufmerksamkeit ihres Gegenübers wuchs, je mehr sie erzählten. Joachim Bunter stellte sich nach Beendigung seines Telefonates hinter seinen Kollegen, kreuzte die Arme vor der Brust und lauschte ebenso. »Ich schätze die Zusammenarbeit mit Kindern nicht allzu sehr, auch wenn ich zugeben muss, dass die Erfahrungen mit euch gut waren und auch jetzt wieder sind. Trotzdem dürfen wir euch nicht viele Auskünfte erteilen. Das dient vor allem eurem Schutz.« Bunter schwankte innerlich, sah seinen Kollegen an und sprach etwas leiser weiter. »Wir sind gerade dabei, die Kliniken zu überprüfen, und eine ist uns da unangenehm aufgefallen. Krawatte, Tomte und Welle rückten nahe an die Beamten heran, wie ein verschworener Zirkel saßen sie da. Frau Hausen würde das große Grausen bekommen und es als Meditationsübung einstufen. »Es handelt sich um eine Privatklinik, die etwa fünfundzwanzig Kilometer von hier in einer reizvollen Umgebung liegt. Ihr Name ist ›Ottenfels-Klinik‹ und wird von einem Professor mit eben diesem Namen geleitet. Die Fahndung nach Amanda Brunnwig und ihrem Vater läuft auf vollen Touren. Kurz vor eurem Auftauchen bekamen wir einen anonymen Hinweis, dass das Mädchen dort gesehen wurde. Diesem Verdacht müssen wir nachgehen, obwohl die Klinikleitung nichts von einer Amanda Brunnwig wissen will. Kollegen in Uniform sind im Moment vor Ort und überprüfen das.« Es herrschte Stille. Mitten hinein klingelte das Telefon wieder. Bunter ging zu seinem Apparat, meldete sich und lauschte. Die Jungs klebten mit ihren Augen förmlich an dem Kommissar, der die Stirn immer mehr runzelte und zu ihnen und dem Cowboy herüber sah. »Okay, kommt zurück, ich lasse die Klinik beschatten.« Bunter legte auf. Er sah Sieber an. »In der Klinik ist irgendetwas faul. Da stinkt etwas gewaltig. Aber wir müssen erst herausfinden, aus welcher Ecke.«
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