Der Auftrag des Engels Max Lucado
In den biblischen Geschichten begegnet man auf Schritt und Tritt überirdischen Wesen. Engel singen. Dämonen ergreifen Besitz von Menschen. Himmlische Heerscharen kämpfen. Satans Helfershelfer gehen zum Angriff über. Wer über die Armeen Gottes und Satans hinwegsieht, sieht über ein Herzstück der Bibel hinweg. Seit die Schlange im Garten Eden Eva verführte, wissen wir es: Was unser Auge sieht, ist nur ein Teil der ganzen Wirklichkeit. Wir wissen weniger über diese Wesen, als wir uns wünschen. Wie sie aussehen, wie viele es sind, was für Strategien und Pläne sie verfolgen – darüber können wir nur spekulieren. In diesem Buch habe ich genau das versucht. Angeregt durch einen Beitrag von David Lambert, habe ich versucht, mir vorzustellen, was für
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Kämpfe wohl in der unsichtbaren Welt tobten, als Christus in die Welt kam. Bestimmt kam es zum Kampf. Wenn Satan das Kind in der Krippe hätte verhindern können, hätte es keinen Heiland am Kreuz gegeben. Glauben Sie nicht auch, dass Satan alles versucht hat? Ich glaube fest daran, und bestimmt war der Kampf viel größer und dramatischer, als jede menschliche Fantasie es sich ausmalen kann. Doch wissen wir, wer diesen Kampf gewonnen hat. Denn wir wissen, dass Jesus in die Welt kam. Möge dieses Buch Ihnen helfen, einen neuen Blick für Gottes große Macht und Liebe zu bekommen. Ich wünsche dem Leser eine frohe Lektüre! Max Lucado
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Blitzschnell zog ich mein Schwert und drehte mich um – bereit, mit Luzifer zu kämpfen. Die Hand des Vaters lag auf meiner Schulter. Ich stockte. »Keine Angst, Gabriel. Er wird dir nichts tun.« Ich trat zurück und starrte Gottes Feind an. Ein schwarzer Umhang verbarg seinen dürren Leib, die Arme und das Gesicht. Ganz unten ragten die Füße hervor, mit je drei Zehen wie Klauen. Die Haut auf seinen Händen glich Schlangenhaut, und seine Finger endeten in langen Krallen. Er zog die Kapuze tiefer ins Gesicht, als Schutzschild gegen das Licht, aber die blendende Helligkeit tat ihm sichtlich weh. Er drehte sich zu mir, als wollte er dem Licht ausweichen, und einen Augenblick lang sah ich unter der Kapuze ein Gesicht wie einen Totenschädel. »Was starrst du mich an, Gabriel?«, spöttelte er. »Freust du dich so, mich zu sehen?« Ich fand keine Worte für diesen gefallenen Engel. Was ich vor mir sah und das Bild meiner Erinnerung – beides machte mich sprachlos. Wie herrlich war er vor der Großen Rebellion gewesen: der stolze Führer unserer Heerscharen, die
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Flügel weit ausgebreitet, in der einen Hand ein flammendes Schwert, ein Vorbild für uns alle. Wer hatte ihm etwas abschlagen können? Mit seinem samtenen Haar und den kohlschwarzen Augen hatte er alle himmlischen Wesen an Schönheit übertroffen. Bis auf Unseren Schöpfer selbst natürlich. Niemand verglich Luzifer mit Gott – bis auf Luzifer. Wie er dazu kam? Zu meinen, er sei genauso anbetungswürdig wie Gott? Gott allein weiß es. Ich wusste nur eines: dass Ich Satan seit der Großen Rebellion nicht mehr gesehen hatte, und was ich jetzt vor mir sah, stieß mich ab. War wirklich nichts von seiner alten Herrlichkeit geblieben? Nein, nichts. »Dein Auftrag muss dringend sein.« Satan sprach Gott an und wich gleichzeitig seinem Licht aus. Die Antwort meines Vaters war königlicher Erlass. »Die Zeit ist gekommen, das zweite Geschenk zu senden.« Satans Kichern fuhr wie ein Windstoß durch seinen Umhang. »So, so, das zweite Geschenk? Ich hoffe, es macht sich besser als das erste.«
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»Bist du von dem ersten enttäuscht?«, fragte der Vater. »Oh, ganz im Gegenteil, es begeistert mich.« Satan hob einen knochigen Finger und buchstabierte ein Wort in die Luft: FREIHEIT »Du hast Adam seine Freiheit gegeben«, spottete er. »Und was hat er mit ihr gemacht? Er hat mich gewählt! Seit sie die Frucht von dem Baum in dem Garten pflückten, sind Deine Kinder in meiner Gewalt. Sie sind gefallen, damals. Ganz schnell und ganz tief. Sie sind mein! Du hast den Kürzeren gezogen, hehehe!« »Du klingst sehr zuversichtlich«, erwiderte der Vater. Seine Geduld überraschte mich. Luzifer machte einen Schritt nach vorne, sein Gewand schleifte hinterher. »Natürlich! Ich vereitele alles, was Du tust! Du machst Herzen weich, ich verhärte sie. Du zeigst die Wahrheit, ich verdunkele sie. Du gibst Freude, und ich stehle sie.« Er drehte sich und stolzierte wie ein eitler Hahn durch den Thronsaal. »Josef, der von seinen Brüdern verraten wurde – das trägt meine Hand-
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schrift. Dass Mose in die Wüste musste, weil er den Ägypter erschlagen hatte – mein Werk. Dass David Batseba beim Baden zusah – das habe ich eingefädelt. Du musst zugeben, dass ich listig war.«
Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. Johannes 8,32 »Listig? Vielleicht. Aber nicht sehr erfolgreich. Ich weiß, was du tun wirst, ehe du es ausgedacht hast. Ich habe den Verrat an Josef benutzt, um Mein Volk aus der Hungersnot zu erretten. Mose habe ich in der Wüste zu Meinem Diener erzo-
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gen. David hat Ehebruch mit Batseba getrieben – doch dann hat er seine Sünde bereut, und Tausende sind von seinem Beispiel beflügelt worden und haben gefunden, was er fand: unendliche Gnade. Deine Lügen und Listen ließen Meine Gnade nur um so heller leuchten. Du bist immer noch Mein Diener, Satan. Wann wirst du lernen? Deine schwachen Versuche, Mein Werk zu vereiteln, haben es nur umso stärker gemacht. Alles Böse, das du geplant hast, habe Ich zum Guten gewendet.« Ein kehlig knurrendes Geräusch drang aus Satans Kehle. Erst war es nur ein leises Brummen, dann schwoll es an, bis sein Brüllen den Thronsaal erfüllte, das die Grundfesten der Hölle erschüttern musste. Den König schien es nicht zu rühren. »Geht es dir nicht gut?« Aus Luzifers Stolzieren war ein Schlurfen geworden. Er atmete heftig, suchte nach Worten und nach einer dunklen Ecke, in der er sie aussprechen konnte. Schließlich fand er die Worte, doch keine Dunkelheit. »Zeige mir, o König des Lichtes, zeige mir einen Menschen auf der Erde, der immer das Rechte tut und Deinem Willen gehorcht!«
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