Jnhalt Grußwort (Händel-Haus Halle) 6 1. Georg Friedrich Händels Auferstehung (Stefan Zweig) 9 2. Das Leben von Georg Friedrich Händel (Gordon Paine) 41 Von Halle nach Italien – Händels Aufstieg 41 Die Krise in London 48 Das Wagnis eines Theaterunternehmers 49 Ein heiß umstrittener Text 52 Erfolg in Irland 54 Dichtung und Wahrheit 58 Ein Meisterwerk lebt weiter 58 3. »Das große Halleluja!« – Was steckt dahinter? (David Winter / Ute Zintarra) 63 Der Messias – eine Sternstunde? 63 Der kommende Messias – Verheißung und Warnung 66 Die Geburt des Messias 68 Das Leben des Messias 72 Der leidende Messias 73
Der auferstandene Messias 78 Der Messias als Kรถnig 82 Leben durch den Messias 88 Der Triumph des Messias 90
4. Der Text eines Meisterwerks 96 Text- und Bildnachweise 103
Von 1725 bis zu seinem Tod wohnte H채ndel in der Lower Brook Street 57 (heute 25) in London (undatierte Radierung, signiert mit J.C.).
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1.
Georg Friedrich Händels Auferstehung
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(Stefan Zweig)
21. August 1741
er Diener Georg Friedrich Händels saß am Nachmittag des 13. April 1737, auf das Sonderbarste beschäftigt, vor dem Parterrefenster des Hauses in Brookstreet. Er hatte ärgerlich bemerkt, dass sein Tabakvorrat ausgegangen war, und eigentlich hätte er nur zwei Straßen weit zu laufen gehabt, um sich in der Bude seiner Freundin Dolly frischen Knaster zu besorgen, aber er wagte sich nicht vom Hause aus Furcht vor seinem jähzornigen Herrn und Meister. Georg Friedrich Händel war in vollsaftiger Wut aus der Probe nach Hause gekommen, prallrot das Gesicht von aufwallendem Blut und dick die Adersträhnen an den Schläfen, mit einem Knall hatte er die Haustür zugeworfen und wanderte jetzt, der Diener konnte es hören, so heftig im ersten Stock auf und ab, dass die Decke bebte: es war nicht ratsam, an solchen Zorntagen lässig im Dienste zu sein.
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So suchte der Diener ablenkende Beschäftigung für seine Langeweile, indem er statt schöngekringelten blauen Rauches aus seiner kurzen Tonpfeife Seifenblasen aufsteigen ließ. Er hatte sich einen kleinen Napf mit Seifenschaum zurechtgemacht und vergnügte sich, aus dem Fenster die bunten farbigen Blasen auf die Straße zu jagen. Die Vorübergehenden blieben stehen, zerstäubten im Spaß mit dem Stock eine und die andere der farbigen Kugeln, sie lachten und winkten, aber sie wunderten sich nicht. Denn von diesem Hause in Brookstreet konnte man alles erwarten; hier dröhnte plötzlich nachts das Cembalo, hier hörte man Sängerinnen heulen und schluchzen, wenn sie der cholerische Deutsche in seinem Berserkerzorn bedrohte, weil sie um einen Achtelton zu hoch oder zu tief gesungen. Für die Nachbarn von Grosvenorsquare galt Brookstreet 25 seit langem als Narrenhaus. Der Diener blies still und beharrlich seine bunten Blasen. Nach einiger Zeit hatte sich seine Geschicklichkeit schon sichtbar gemehrt, immer größer und dünnhäutiger wurden die marmorierten Kugeln, immer höher und leichter schwebten sie empor, und eine sogar über den niederen First des gegenüberliegenden Hauses. Da, plötzlich schrak er auf, denn das ganze Haus erbebte von einem dumpfen Schlag. Die Gläser klirrten, die Gardinen schwankten; etwas Massiges und Schweres musste im obern Stockwerk hingeschmettert haben. Und schon sprang der Diener auf und in einem Rand die Stufen empor zu dem Arbeitszimmer. Der Sessel war leer, auf dem der Meister bei der Arbeit saß, das Zimmer war leer, und schon wollte der Diener weitereilen in den Schlafraum, da entdeckte
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Händel wurde im »Haus am Schlamm« am 23. Februar 1685 in Halle geboren (älteste bekannte Abbildung seines Geburtshauses, nach einem Foto von C. Klingemann, 1859).
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Das Leben von
Georg Friedrich Händel 2.
(Gordon Paine)
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Von Halle nach Italien – Händels Aufstieg
eorg Friedrich Händel komponierte den Messias im letzten Drittel seiner langen und schillernden Laufbahn. Das Werk markierte einen Wendepunkt seines Berufslebens, eine Tatsache, die man am besten versteht, wenn man eben dieses Leben von Anfang an betrachtet. Als junger Mann hatte sich Georg Friedrich Händel (1685–1759) zugunsten des Musikerberufes und gegen die juristische Laufbahn entschieden, die sich sein Vater für ihn gewünscht hatte.
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Händels Vater galt als guter Arzt und strenger Vater. Dieses Porträt des etwa 55-Jährigen stammt von Benjamin Block (1631-1690) und ist als Kupferstich von Johann Jacob Sandrart (1655–1698) überliefert.
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H채ndels Vater wird oft angekreidet, dass er seinen Sohn am Musizieren hinderte. Andererseits muss zugestanden werden, dass H채ndels Vater als Arzt einen guten Ruf hatte, wie zum Beispiel folgender Brief 체ber eine besondere Operation zeigt:
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