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Claudia Pflaum


Inhalt Lolatte....................................... . . . . . . . . . . . .

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Krawatte..................................... . . . . . . . . . . .

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Nacht­gedanken.. ............................. . . . . . . . . . . .

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Kampftag.................................... . . . . . . . . . . .

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Das Buch im Waschpulver.. ................... . . . . . . . . . . .

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Unerklär­licher Waffen­stillstand.............. . . . . . . . . . . .

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Der miss­lungene Plan........................ . . . . . . . . . . .

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Karate macht den Mund auf.................. . . . . . . . . . . .

37

Böse Überraschung.. ......................... . . . . . . . . . . .

47

Erbsenhirne, aufgepasst!..................... . . . . . . . . . . .

52

Krawatte leidet doppelt...................... . . . . . . . . . . .

63

Spurensplitter ............................... . . . . . . . . . . .

72

Sei lieb zu grünen Männern.................. . . . . . . . . . . .

78

Auch Strafen haben gute Seiten.............. . . . . . . . . . . .

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Von Mann zu Mann........................... . . . . . . . . . . .

87

Schwarz auf weiß.. ........................... . . . . . . . . . . .

92

Der Nebel lichtet sich........................ . . . . . . . . . . .

95

Grüner sieht rot.............................. . . . . . . . . . . . . 100


Angstschweiß............................... . . . . . . . . . . .

105

Florentine bringt den Stein ins Rollen.. ..... . . . . . . . . . . .

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Im tiefsten Dunkel.......................... . . . . . . . . . . .

117

Ein Tisch für acht Personen.. ................ . . . . . . . . . . .

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Das Einauge Tess............................ . . . . . . . . . . .

124

Die Villa des Herrn Professor Gaudich....... . . . . . . . . . . .

137

Schaum vor dem Mund...................... . . . . . . . . . . .

153

Perfektes Timing............................ . . . . . . . . . . .

158

Schlag auf Schlag........................... . . . . . . . . . . .

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Das Verhör.................................. . . . . . . . . . . .

170

Die Früchte des Mutes....................... . . . . . . . . . . .

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Hausmeister gesucht........................ . . . . . . . . . . .

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KaMPFtaG »Kampftag! Leute, eh, Kampftag!« Mit diesen Worten begrüßte Karate seine Erbsenhirne am nächsten Morgen am Weg zur Schule. Wie abgesprochen, hatten sie sich etwas früher getroffen, um einen Rachefeldzug gegen Lolatte und Krawatte vorzubereiten. Bumba, Harakiri, Welle, Tomte und Nikotin lugten noch etwas benommen aus der Wäsche, doch keiner hätte es gewagt, zu spät an diesem Rachemorgen zu erscheinen. »Wir machen die beiden so was von fertig, eh!« »Yeah-eah-eah« war die hingegähnte Antwort von fünf müden Kriegern. »Und das ist mein genialer Plan: Die beiden Feiglinge werden garantiert Händchen haltend zur Schule gehen. Das bedeutet, zwei Fliegen auf einen Schlag – hähä, eh. Wir lauern den Nullen hier auf, denn das hier ist die engste Stelle auf ihrem Weg. Wir verstecken uns links und rechts in den Büschen und wenn Hänsel und Gretel angewatschelt kommen, dann krallen wir sie uns, klar? Alles hört auf mein Kommando!« Mit diesen Worten teilte Karate seine Gang in zwei Gruppen und schickte sie ins Gebüsch. »Und keine Gnade Leute, denkt an gestern, eh, keine Gnade!« Zuletzt verschanzte sich Meister Karate selbst hinter der Hecke. Karate hatte richtig vermutet. Lolatte und Krawatte hatten sich verabredet. Lolatte wartete deshalb unter der Straßenlaterne vor ihrem Häuserblock. Sie wartete bereits fünf Minuten. Langsam wurde die Zeit knapp. Für den Weg brauchte sie gute fünfzehn Minuten, im Notfall auch nur zehn. In zwölf Minuten begann der Unterricht. Wo blieb nur Krawatte? Hatte er es sich womöglich anders überlegt? Aber nein, so schätzte sie ihn nicht ein. Noch zehn Minuten. Jetzt musste sie einfach los. Lolatte hatte einen

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zügigen Schritt drauf und näherte sich der Stelle, an der Karate und seine Erbsenhirne im Gebüsch lauerten. Ahnungslos passierte Lolatte deren Versteck und meinte, ihr Herz höre auf zu schlagen, als plötzlich links und rechts von ihr ein wahnsinnig lautes Gebrüll startete. Sechs Gestalten stürzten auf sie los und umzingelten sie. Dass es sich um Karate und Co handelte, war Lolatte längst klar geworden. Wie gemein, sie hatte keine Chance zu fliehen, sie musste kämpfen. Krawatte war in Eile. Als er endlich zur Zufriedenheit seiner Oma fertig gefrühstückt hatte und gerade die Wohnung verlassen wollte, erinnerte er sich an die Bibel seines Vaters. Dieses Buch war wertvoll für ihn, einfach darum, weil es aus dem Besitz seines Vaters nun an ihn übergegangen war. Er wollte die Bibel bei sich tragen, genau wie die Krawatte. Die Bibel lag allerdings noch im Bett. Also rannte er zurück in sein Zimmer und schnappte sich das Buch. Er sollte schon längst am Treffpunkt bei Lolatte sein, aber er konnte doch nicht einfach abhauen. Seine Oma nahm ihn in den Arm und drückte ihn an sich. Der Kloß im Hals wurde wieder größer, er konnte all die Trauer in dieser Umarmung spüren. Das war heilig, so was machte man nicht kaputt, nicht für die Schule und auch nicht für ein wartendes Mädchen. Sanft löste Krawatte sich aus der Umarmung, reichte seiner Oma ein Taschentuch, stopfte die Bibel in das Außenfach des Rucksackes und rannte aus der Haustür. Lolatte war nicht mehr am verabredeten Treffpunkt. Logisch, warum sollte sie wegen ihm auch zu spät zum Unterricht kommen. Krawatte rannte los. Noch fünf Minuten bis Unterrichtsbeginn. Schon etwas außer Atem erreichte Krawatte die enge Stelle, die zusätzlich von einer Art lebendigem Knäuel vollends verstopft wurde. Die Mitte des Knäuels bildete Lolatte. Sie kämpfte wie eine Löwin gegen sechs stinkende Paviane. Krawatte fühlte endlose Wut in sich aufsteigen. Wie konnten sechs Jungs dermaßen

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feige sein, sich allesamt auf ein einziges Mädchen zu stürzen? »Karate, du feiges Suppenhuhn, kämpfe mit mir, Mann gegen Mann!« Das Gefuchtel von vierzehn Armen kam zum Erliegen. Karate, mit geröteten und zerkratzten Wangen schritt aus der Masse heraus und zog sich dabei die Jeanshose lässig nach oben, sodass der Hosenboden wieder dort hing, wo er der Mode nach hingehörte, nämlich in die Kniekehlen. Der lächerlichen Kleidung und dem lächerlichen Gehabe des Erbsenhirnchefs folgten dazu passende lächerliche Worte. »Hören meine Lauscher richtig? Heulsusi mit dem Babylätzchen will gegen mich im Kampf antreten? Gegen mich, den Karate-King? Willst du dich unglücklich machen, Mädchen, eh?« Dabei spuckte er großspurig vor Krawattes Sportschuhe. »Keine Ahnung, wie lange du Karate hattest, ich für meinen Teil war sechs lange Jahre im KiTu!« Karate machte unwillkürlich einen Schritt zurück. KiTu, das klang schwer nach fernöstlicher Kampfkunst. Sechs Jahre? Du grüne Schlabbersoße. Er hatte ja nie Karate gelernt. Aber er konnte auch nicht ablehnen, unmöglich, er würde sein Gesicht verlieren, verbeult war es ohnehin schon. »Na dann los, Babylätzchen!« Lolatte schaute Krawatte besorgt ins Gesicht, aber ihr Retter schien wild entschlossen. Karate ließ seine Mannen an die Seite treten, dann begab er sich in eine lächerlich wirkende Kampfpose. Krawatte verbeugte sich tief, dann verengte er die Augen bis nur noch Schlitze zu sehen waren und sprang mit einem tierisch lauten Schrei auf den Gegner zu. Diesem sank das Herz bis in die Kniekehle und er bedeutete seinen Kumpels, dass sie ihn gefälligst unterstützen sollten. Doch bevor einer von ihnen handeln konnte, passierte etwas anderes. Lolatte rief Krawatte eine Warnung zu. Krawatte drehte sich, um einen der hinteren Angreifer abzuwehren. Ein anderer hängte sich an seinen Rucksack. Krawatte riss sich den Rucksack vom Rücken, hielt ihn am ausgestreckten Arm in der Hand und drehte sich damit einmal um sich selbst. Er traf Karate volle Kanne am Kopf. Das wäre weiter nicht erwähnenswert, wenn

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in der Außentasche nur Taschentücher gewesen wären oder ein Softbällchen. Aber darin war die Bibel von Krawattes Vater und die Bibel hatte es in sich, so und so. Jedenfalls kippte Karate geradewegs aus den Latschen und landete auf dem Kiesweg. Die Erbsenhirne waren völlig verblüfft und erstarrten. »Wow« war das Einzige, das Lolatte dazu zu sagen hatte. Karate stützte sich auf die Ellenbogen und kämpfte sich verbissen hoch. Seine Stirn gab bereits jetzt den Hauch einer ausbaufähigen Beule zum Besten. »Ich will seine Waffe! Eh, ich will verdammt noch mal diese Waffe!« Bumba griff nach dem Rucksack, während die vier anderen Hirnchen Krawatte festhielten. Ein Buch kam zum Vorschein. »Es ist eine Bidel«, murrte Bumba und reichte seinem Chef das Buch. »Eine Bidel? Das ist eine Bibel, du Analphabet. Er hat mich mit einer Bibel k. o. geschlagen? Das glaub ich nicht! Das glaub ich einfach nicht!« Dennoch gab er das Buch nicht wieder zurück, sondern klemmte es sich unter den Arm und trabte mit dem Rest der Gang in Richtung Schule davon. Lolatte war begeistert. »Das war superspitze, Krawatte, du warst richtig gut, du …« Mitten im Satz verstummte Lolatte. Das konnte doch nicht wahr sein, Krawatte sank auf die Knie und weinte. Weinte hemmungslos. Warum sollte ein Sieger weinen? Er hatte doch allen Grund zu lachen, froh zu sein, stolz zu sein. Er könnte in die Schule einziehen wie ein Held. Aber er weinte, kniete mitten auf dem Kiesweg und weinte! Lolatte war wie gelähmt. Sie setzte sich neben ihn, neben dieses Häufchen Elend, das ihr heldenhaft das Leben gerettet hatte. »Sie ist von meinem Vater«, schluchzte Krawatte. »Was ist von deinem Vater?« »Die Bi … Bibel!« »Dein Vater wird das sicher verstehen, er kann sich doch wieder eine kaufen, oder?« Mit verquollenen blauen Augen sah Krawatte Lolatte ins Gesicht. »Er ist tot, mein Vater ist tot! Meine Mutter ist tot! Verstehst du, sie sind tot!« Lolatte erstarrte, sie spürte wie ein Schmerz ihr direkt in die Magengrube fuhr. Die Zeit spielte plötzlich keine Rolle mehr, die Schule schien in eine

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ganz andere Welt zu gehören, in eine Welt außerhalb des Hier und Jetzt. »Die Bibel ist ein Andenken an meinen Papa … und jetzt ist sie weg.« Lolatte wusste nicht, was sie sagen sollte, sie fühlte sich so leer. Bilder stiegen in ihr hoch, Bilder ohne ihre Eltern, Wochenenden ohne ihre Eltern, Nächte ohne ihre Eltern in der Nähe. Tränen brannten in ihren Augen und warteten auf ein Startzeichen. »Es tut mir so leid … ich hatte keine Ahnung.« Lange saßen die beiden so da. Einfach still nebeneinander. Zwei Freunde. Wie auf ein unsichtbares Zeichen hin kam langsam die Bewegung in die beiden zurück. Krawatte stand auf und glättete seine zerknüllte Hose. Lolatte tat es ihm gleich. Dann beluden sie sich mit ihren Rucksäcken und gingen los, in die Richtung, in die vor unendlichen Zeiten Karate und die Erbsenhirne entschwunden waren. Krawatte fühlte eine Art Trost von Lolatte ausgehen. Sie war bei ihm geblieben, hatte sein Weinen und seine Offenbarung ausgehalten, mit ihm durchgestanden. »Du bekommst die Bibel zurück, das verspreche ich dir.« Nach einer kleinen Weile blieb Lolatte stehen und sah auf Krawatte hinunter. »Was ist eigentlich KiTu?«, wollte Lolatte wissen. Sie staunte über das plötzliche schelmische Lächeln auf dem Gesicht ihres Freundes. »KiTu ist Kinderturnen und das sechs Jahre lang.« Lolatte prustete los. »Clever, echt clever, Mann.« Die beiden Nachzügler kamen gute fünfzehn Minuten zu spät zum Unterricht. Frau Schreiber, deren eindringlicher Blick von einem zum anderen wanderte, bedeutete ihnen sich hinzusetzen. Auf dem Weg in die letzte Reihe sahen sie viele Augenpaare neugierig an, so als wäre soeben die geheime Verlobung aufgeflogen. Karates Augen schienen geschminkt, die Erdränder standen ihm so gut wie einer überarbeiteten Mutter die dunklen Augenringe. Die Erbsenhirne streckten belegte Zungen raus, die sofort in die Garagen gefahren wurden, als sie die hochgezogenen Augenbrau-

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en von Frau Schreiber bemerkten. Frau Schreiber war nicht dumm, sie bekam einiges mehr mit, als viele Schüler annahmen. Deshalb brauchte sie Lolatte und Krawatte auch nicht zur Rede zu stellen, es war mehr als offensichtlich, was sich auf dem Weg zur Schule zugetragen hatte. Insgeheim war sie sehr froh, dass Lolatte und Krawatte sich zusammengetan hatten. Der Zusammenschluss zwischen Karate und den Erbsenhirnen machte ihr allerdings großen Kummer, doch im Moment fehlte ihr eine zündende Idee, um das in andere Bahnen zu lenken. Wie so oft war der Knackpunkt nicht bei den Kindern, sondern bei den Eltern der Kinder zu suchen. Ihr Blick streifte über die schreibenden Schüler, die sich mit einer Textaufgabe rumplagten, und verweilte auf Krawatte. Was dieser Junge durchmachen musste, jagte ihr eine Gänsehaut über den Körper. Und zu allem Überfluss kamen dazu noch die Anfeindungen ihrer speziellen Jungs. »Frau Schreiber, ich habe eine Frage.« Helen riss sie aus ihren Gedanken und katapultierte sie zurück in den Unterricht.

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