Volker Gäckle
Bibel ist mehr Der unbekannte Bestseller
Mehr! Basiswissen Christentum Herausgeber: Volker Gäckle
Inhalt 1 Die Bibel ist mehr Anziehend, interessant, irritierend Gotteswort in Menschenwort Ein Wort schreibt Geschichte Ein Wort setzt sich durch Aus dem Leben für das Leben Die Bibel: Einladung, Friedenserklärung, Kompass
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2 Die Bibel im Überblick 52 Vom »Garten Eden« zum »himmlischen Jerusalem« an einem Tag – oder: Fit für »Wer wird Millionär?« 53 3 Die Bibel von A-Z Die Bibel entdecken – Tipps
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Die Bibel ist mehr
Anziehend, interessant, irritierend Drei Stunden Zugfahrt von Kassel nach Stuttgart. Ich sitze im ICE-Großraumwagen und lese in meiner Bibel. Gegenüber sitzt ein Geschäftsreisender, der mit seinem Laptop beschäftigt ist, neben ihm eine junge Dame, die einen Krimi liest, und neben mir ein Student, der durch die Ohrenstöpsel seines MP3-Players offensichtlich in eine andere Welt abgetaucht ist. Vier gewöhnliche Reisende, aber was wirklich die Blicke anzieht, ist mein Buch. Das Mienenspiel der ein- und aussteigenden Fahrgäste, der durchlaufenden Passanten und des kontrollierenden ICE-Personals ist vielsagend: Die Blicke wandern von meiner Bibel zu meinem Gesicht und wieder zurück. Die Mundwinkel der Passanten senden leicht zu enträtselnde Botschaften: mal peinlich berührt, mal spöttisch lächelnd, mal irritiert suchend, aber auch immer wieder ein zustimmendes Lächeln. Als ich die Bibel kurz auf den Tisch lege, läuft gerade ein Fahrgast vorbei, tippt auf meine Bibel und zeigt mir mit ausgestrecktem Daumen: gutes Buch! Abends, wenn ich zu müde bin für irgend sonst was, nachts, wenn ich wieder aufwache, greife ich zur Bibel. Einst las ich nachts Karl Marx, nichts gegen ihn. Aber die Bibel ist noch spannender. Günther Nenning, 1921-2006, Journalist und Buchautor Wo soll man anfangen, wenn man dieses Buch beschreiben will? Aus welcher Richtung nähert man sich diesem Buch am besten? Die Bibel hat so viele Facet7
ten und viele von ihnen werden kontrovers diskutiert und sind mit vielen Emotionen besetzt. Deshalb will ich zunächst ein wenig von den Wirkungen dieses Buches erzählen und Sie zu einer Spurensuche biblischer Fußabdrücke in unserer Kultur und Geschichte einladen.
Die Bibel gleicht einem Acker, der nie abgeerntet werden kann und deshalb nie öde und leer daliegt. Sie gleicht einer Quelle, die beständig fließt und um so reichlicher strömt, je mehr man daraus schöpft. Ephräm der Syrer, 306-373, syrischer Kirchen lehrer und Bischofsberater in Nisibis und Edessa Ein Buch »macht« Kultur Seit vielen Jahren arbeite ich mit Studierenden zusammen. Die meisten von ihnen studieren Theologie, aber es waren auch Mediziner, Mathematiker, Historiker und andere dabei. Eines Tages kamen zwei junge Germanistikstudentinnen in die Studienberatung und erzählten ganz verblüfft von ihrer ersten Germanistikvorlesung. Der Dozent, selbst des Christseins völlig unverdächtig, habe allen Studierenden empfohlen, sich einen Bibelkreis zu suchen. Als Begründung gab er an, sie könnten die deutsche und europäische Literatur ohne ausreichende Bibelkenntnis nicht verstehen. Ganz gleich, ob man Goethes Faust oder Thomas Manns Romane liest, überall stößt man auf biblische Motive.
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Bertolt Brecht, nach seinem Lieblingsbuch gefragt, antwortete: Sie werden lachen – die Bibel. Bertolt Brecht, 1898-1956, deutscher Schriftsteller In der Tat, selbst in der modernen, säkularen und in der Regel gewiss nicht christlichen Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts stößt man auf Schritt und Tritt auf biblische Geschichten, Figuren, Verse und Motive. Man kann Gleiches auch für die Musik sagen. Unsere europäische Musikkultur ist geprägt von einem biblisch-christlichen Lebensverständnis. In ihren Fundamenten ist die europäische Musik Teilhabe an der himmlischen Freude über den Sieg Christi. Selbst in der modernen Popularmusik mit all ihren Verzerrungen ist das noch hörbar! Die Aussage, bei der Bibel handele es sich um den Weltbestseller der Buchgeschichte, ist eine Untertreibung. ZDF-Lieblingsbücher 2004 Ein Wort mit 1000 Bildern Auch in der Malerei hat kein anderes Buch mehr Spuren in unserer abendländischen Geschichte und Kultur hinterlassen als die Bibel. Wenn wir zwischen Portugal und Russland, zwischen Griechenland und Irland in Kirchen gehen, dann sehen wir bei aller Unterschiedlichkeit die gleichen Motive und Bilder. Ursprünglich waren sie für die Armen gedacht, die nicht lesen konnten und denen man die biblischen Geschichten eben in Bildern nahebringen wollte. Wenn man bedenkt, wie 9
viel Mühe, Zeit und auch Geld die Christen in früheren Jahrhunderten in diese Bilder, Altäre und Kirchenfens ter investierten, dann erzählt diese biblia pauperum, die Bibel der Armen, die Geschichte einer beeindruck enden Liebe zu ungebildeten Menschen. Die Motive dieser Bilder begegnen uns wieder, wenn wir durch unsere Museen und Galerien schlendern. Immer wieder neu interpretiert und manchmal verfremdet, finden wir überall dieselben charakteristischen Motive aus biblischen Geschichten. Für mich entspringt die Vollkommenheit in der Kunst und im Leben aus der biblischen Quelle. Marc Chagall, 1887-1985, russischer Maler und Grafiker Beim Namen gerufen Unsere Spurensuche geht weiter bei unseren Namen. Bis heute bestimmen biblische Namen unser Leben. Ganz gleich, ob wir auf der Neugeborenenstation einer Johanna, Salome oder Lea zuwinken, bei der Einschulung einem Daniel, Tobias oder David viel Glück wünschen, in der Ausbildung mit Markus, Michael und Matthias zu tun haben oder nachher im Büro mit Sara, Maria oder Stefanie zusammenarbeiten, wir begegnen auf Schritt und Tritt der Namenswelt der Bibel. Mit der Namensgebung im Zusammenhang mit der Taufe verbanden Christen immer auch ein Lebensprogramm: Möge dieser kleine Mensch einmal das Leben so entdecken wie Hanna und Debora, die Kraft in ihrem Gott fanden, und wie Johannes und Thomas, die in Jesus ihrem Erlöser begegnet sind. 10
Kein Buch hat mehr Bedeutung für unsere Identität, unsere Literatur und die Entwicklung der Sprache als die Bibel. P.D. James, geboren 1920, englische Krimiautorin Ein Buch »macht« Schule Ohne die Bibel wäre auch unser Schulwesen undenkbar. Dass es in der ganzen Welt Schulen gibt, hat die Welt Europa zu verdanken, und Europa hat es maßgeblich dem christlichen Glauben und der Bibel zu verdanken. Aufgrund der Thora, dem Gesetz Moses, haben die Juden lesen und schreiben gelernt, und aufgrund der Bibel haben Menschen in der spätantiken Welt dasselbe getan. Das europäische Schulwesen ist aus den Kirchen und Klöstern heraus gewachsen. Das Ziel des Lesens und Schreibens waren freilich nicht Reichtum, Ehre, Karriere, sondern Seligkeit, Frieden und Heil. Jeder Mensch sollte die Bibel lesen können, damit er sein Heil in Jesus Christus findet. Eine gründliche Kenntnis der Bibel ist mehr wert als ein Universitätsstudium. US-Präsident Theodore Roosevelt, 1858-1919 Die Würde des Kindes wird unantastbar Aus den Schulen ist eine christliche Pädagogik erwachsen, welche die Würde eines jeden Menschen zur Grundlage hatte – auch die Würde eines jeden Kindes. Das war in der antiken Welt alles andere als selbstverständlich. Wenn in Griechenland oder Rom ein Kind geboren wurde, dann wurde es zunächst einmal dem Familienoberhaupt vor die Füße gelegt. 11