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Ostern ist mehr

Das Geheimnis vom Kreuz und dem leeren Grab

Mehr! Basiswissen

Christentum

Herausgeber: Steffen Kern und Roland Werner

Steffen Kern

5 Tears in Heaven – Tränen im Himmel 60

Gott weiß um unsere Tränen 63

Gott weint unsere Tränen mit 65 Regenbogen in unseren Tränen 67

Gott wischt unsere Tränen ab 70

6 Was dürfen wir hoffen? 72

Wir haben den Himmel verloren 74

Unverzichtbar, unaufgebbar, unbegründbar 76

Die Heimat im Himmel 78

Sehnsucht nach dem Vaterhaus 80

Den Himmel im Herzen 83

Eine schöne Erinnerung an die Zukunft 88

4Auferstanden –kann das sein?

Für das Neue Testament sind die Berichte von der leiblichen Auferstehung absolut grundlegend. Es besteht kein Zweifel daran, dass sie genau so gemeint sind, wie sie geschrieben sind. Der moderne Geist reibt sich dennoch an diesen Vorstellungen. Der Opfertod am Kreuz und die Ostererscheinungen – kann man heute wirklich ernsthaft daran glauben? Eine kurze Erwiderung auf die vielfache Kritik am christlichen Glauben. Verschiedene Forscher haben das Wunder zu erklären versucht. In Wirklichkeit sei Jesus nicht auferstanden. Die Osterzeugnisse der Bibel seien vielmehr erst nachträglich in der christlichen Gemeinde gebildet worden. Vermutlich hätten Petrus und Paulus Visionen gehabt; und in die Berichte von diesen Visionen habe man nach und nach die Osterberichte eingetragen. Sie seien ein Stück Trauerarbeit der Jünger, die den Tod ihres Meisters so verarbeitet hätten und im Übrigen deutlich machen wollten, dass Jesus auch nach seinem Tod noch von Bedeutung wäre. Tiefenpsychologisch und überlieferungsgeschichtlich wird argumentiert. Der moderne Geist arbeitet so lange an den Osterberichten, bis er sie verstehen kann. Dabei reduziert er sie aber zwangsläufig auf das Verständliche, das Irdische, auf das, was schon immer da war.

Ostern lässt sich nicht beweisen

Um es ganz klar zu sagen: Ostern lässt sich nicht beweisen. Die Auferstehung eines Toten durchbricht alle Naturgesetze. Die Berichte sind so einzigartig, so anstößig, so unglaublich, dass sie mit den Mitteln der historischen Arbeit schlicht nicht belegt oder widerlegt werden können. Abgesehen davon, dass historische Urteile immer nur Wahrscheinlichkeitsurteile sind, lässt sich ein einzigartiges Geschehen niemals wahrscheinlich machen. Etwas, das in der Geschichte vergeblich seinesgleichen sucht, etwas total Analogieloses kann historisch nicht zweifelsfrei belegt werden. Und doch machen einige Überlegungen stutzig. Sie stellen sehr infrage, ob eine solche Geschichte wie die Ostergeschichte überhaupt wirklich hätte erfunden werden können.

Zum einen geht das gesamte jüdische Denken von einer leiblichen Auferstehung am Ende der Zeit aus. Das war zur Zeit von Jesus eine gängige Vorstellung, die sich in vielen Texten nachweisen lässt. Dabei wurde die Auferstehung nie nur geistig gedacht, sondern man stellte sich vor, dass sich die Gräber öffnen und die Verstorbenen leiblich auferstehen. Die ersten Christen waren Juden und haben im Rahmen des jüdischen Denkens ihre Osterberichte weitergegeben. Dabei haben sie selbstverständlich an eine leibliche Auferstehung gedacht. Manche Kritiker verkennen diesen historischen Horizont des Neuen Testaments.

Zum andern muss das Auffinden des leeren Grabes die Jünger erst dazu veranlasst haben, von Jesus zu reden. Sie konnten ihn an seinem Grab nicht als Mär-

Mehr als »Elvis lebt«

Außerdem ist historisch eindeutig zu rekonstruieren, dass sich die gesamte missionarische Bewegung des Urchristentums der Erscheinung des Auferstandenen verdankt. Innerhalb weniger Jahre ging diese Nachricht um die Welt. Irgendetwas muss diese Bewegung ausgelöst haben. Es können nicht nur der Tod eines Menschen und ein paar Legenden um sein angebliches Wiedererwachen gewesen sein – so wie bis heute schmunzelnd behauptet wird, dass Elvis lebt. Ein solcher Impuls wäre nach wenigen Jahren abgeebbt und hätte sich nur auf eine kleine Schar rückwärtsgewandter Anhänger beschränkt.

5 tyrer verehren, was damals bei gewaltsam getöteten Propheten durchaus üblich war. Ein Märtyrerkult am Grab von Jesus war gerade dadurch unmöglich geworden, dass das Grab leer war. Ansonsten hätte es um den gekreuzigten Jesus von Nazareth einen Märtyrerkult wie um unzählige andere Propheten gegeben –und sein Leben wäre eine Episode der Geschichte geblieben. Erst das leere Grab macht sein Leben und Sterben buchstäblich so bemerkenswert. Schließlich sind die ersten Zeugen des leeren Grabes ausgerechnet Frauen. Maria begegnet Jesus vor den Jüngern. Wer eine Geschichte glaubhaft hätte erfinden wollen, hätte mit Sicherheit nicht an erster Stelle Frauen auftreten lassen. Das wäre alles andere als sinnvoll gewesen, da Frauen zur damaligen Zeit nicht als volle Zeugen anerkannt waren.

Aber die erste Gemeinde explodierte förmlich. Von Jerusalem verbreitete sich das Evangelium in Windeseile nach Kleinasien und von dort bis nach Rom, Westeuropa und Nordafrika. Wer einigermaßen realistisch in die Geschichte blickt, muss zu dem Schluss kommen: Einer solchen Bewegung muss eine einzigartige Erfahrung zugrunde liegen. Am wahrscheinlichsten ist immer noch, dass es genau die Erfahrungen sind, die uns im Neuen Testament überliefert sind.

Ein Letztes: Wir werden den alten Zeugnissen mit Sicherheit nicht gerecht, wenn wir sie in den engen Horizont unseres Denkens pressen wollen. Sie wollen vielmehr unser Denken in die Weite einer neuen Wirklichkeit führen. Ostern ist mehr. Es passt nicht in unsere Kategorien und Denkschemata. Wie könnte es auch! Die Osterberichte erzählen ja gerade davon, wie ein Ereignis alle bisherigen Grenzen sprengt. Wir können als Sterbliche nicht weiter denken als eben bis zum Tod. Dass der Tod nicht ist, das ist schlechterdings nicht vorstellbar. Allmächtig regiert er alles Leben in dieser Welt. Ostern macht aber deutlich: Diese Macht ist vom Thron gestoßen. Das Leben siegt doch. Der Schöpfer der Welt überwindet selbst den Tod.

Zukunftsmusik

Die Osterberichte erzählen von einem neuen Lied. Sie stimmen eine ganz neue Tonart an, die niemals zuvor erklungen ist. Zweifellos geheimnisvoll. Angesichts des offenen Grabes bleiben Fragen offen, für die Men-

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