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PHIL & JULIE PARSHALL

AISHAS TÖCHTER WIE FRAUEN IM ISLAM WIRKLICH LEBEN


Inhalt

Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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1. Muhammad und die Frauen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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2. Fundamentalismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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3. Der Schleier . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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4. Modernität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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5. Himmel und Hölle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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6. Volksglaube . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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7. Beschneidung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 8. Sex . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 127 9. Ehe und Polygamie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146 10. Verheiratete Frauen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 166 11. Mütter und ihre Kinder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 182 12. Scheidung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 192 13. Frauen aus dem Westen, die zum Islam konvertieren . . 205 14. Zeugnis und Bekehrung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 219 15. Begleitung in der Nachfolge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 241 16. Der Weg in die Zukunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 260 Literaturliste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 263 Anmerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 276


Einführung

Johura und Rumia waren unsere ersten muslimischen Freundinnen. Es war März 1962. Ich war vierundzwanzig, Julie war zweiundzwanzig, Johura war zehn und Rumia war acht. Julie und ich waren gerade in dem kleinen Dorf Manikganj in Ostpakistan (jetzt Bangladesch) angekommen. Wir waren seit zehn ereignisreichen Monaten verheiratet. Unser erster Eindruck von diesem verschlafenen Städtchen ohne Strom, fließendes Wasser, geteerte Straßen oder Autos war etwas erschütternd. Aber auf uns warteten noch viele andere Erfahrungen. Julie und ich gingen eine staubige Straße entlang und wurden von aufgeregten Kindern umringt. Schließlich war ich der erste Weiße, der seit der Erschaffung der Welt in Manikganj leben wollte. Es war, als käme ein Zirkus in die Stadt. Vor uns stand ein baufälliges, löchriges Blechhaus, das unser erstes Zuhause auf dem Missionsfeld werden sollte. Wir hatten das Pech, dass wir zur heißesten Jahreszeit ankamen. Durch das Blechdach und die Blechwände war unser Haus wie ein Ofen. Unter den gaffenden Nachbarn waren auch Johura und Rumia, kluge Mädchen, die mit ihrer Mutter und ihrem jüngeren Bruder in einer Hütte, die nur aus einem einzigen Raum bestand, direkt vor unserem Schlafzimmerfenster lebten. Sie wurden schnell unsere besten Freundinnen. Von unserem Fenster aus beobachteten wir das muslimische Leben in seinem bunten, vielfältigen Mosaik. Heirat, Geburt, Beerdigung, Streitigkeiten, Liebe, Armut, Feiern, Fasten, Gebete und eine Vielzahl anderer gesellschaftlicher Zyklen fanden nur wenige Meter von unserem Schlafzimmer entfernt für uns gut hörbar und sichtbar statt. Nach drei Jahren in diesem Dorf wurde unsere Tochter, Lyndi, geboren. Da wir Johura und Rumia hatten, fehlte es uns nie an 7


einem Babysitter. Wir hatten freien Zugang zu ihrem Zuhause und sie zu unserem. Durch die Gitter an unserem Schlafzimmerfenster wurde häufig Tee, Zucker und Salz ausgeliehen. Diese Familie führte uns in die Kultur der muslimischen Frauen ein. Dafür waren wir sehr dankbar. Sie ertrugen großzügig unsere ganzen Fehler und unser Gestammel, als wir ihre Sprache lernten. Später während unseres Aufenthalts in Bangladesch lernten wir Amma, Bhabi und Meye kennen. Mit diesen soziologischen Begriffen sind Mutter, Schwägerin und Tochter gemeint. Dieses Buch ist allen Dreien gewidmet. Unsere Herzen waren mit diesen muslimischen Bangladeschis eng verbunden. Da wir schon fast zu ihrer Verwandtschaft gehörten, hatten wir Einblick in ihr Privatleben. Von ihnen lernten wir die Rituale einer extrem religiösen muslimischen Familie der Oberschicht. Ohne ihre Hilfe würde dieses Buch mehr auf Theorien als auf Erfahrungen beruhen. Durch Briefe, E-Mails und das Telefon haben wir immer noch engen Kontakt zueinander, auch wenn wir durch mehrere Zeitzonen getrennt sind. Bei den Recherchen für dieses Buch und beim Schreiben dieser Zeilen ringe ich mit zwei widersprüchlichen Realitäten innerhalb der Welt der muslimischen Frauen.

Das Negative Der Himmel der Frau ist unter den Füßen ihres Mannes. Ein Mann liebt zuerst seinen Sohn, dann sein Kamel und dann seine Frau. Arabische Sprichwörter Die Unterordnung unter Männer ist der Lebensstil, den die meisten muslimischen Frauen akzeptiert haben. Der Mann kann frei handeln, ohne dass seine Autorität in Frage gestellt wird. Frauen 8


sollen sich unterordnen. Ihre Lebensaufgabe ist es, ihre Männer zufriedenzustellen. Bildung kann jedoch dazu führen, dass eine muslimische Frau eine solche Unterordnung in Frage stellt. Eine Iranerin, die in London lebt, schreibt über das Leben in ihrer Heimat: „Es gibt einen Ort nur fünf Flugstunden von hier, wo ich sitze und dieses Buch schreibe, entfernt, an dem ich einen Preis habe, und dieser Preis ist halb so hoch wie der Preis für einen Mann. Es gibt eine andere Welt, eine fremde Welt, in der ein Mann mich töten kann, ohne dafür bestraft zu werden, es sei denn, meine Familie bezahlt viel Geld, um meinen Wert auf den Preis für einen Mann zu erhöhen. Wenn in dieser anderen Welt mein Vater stirbt, erbe ich nur halb so viel, wie mein Bruder bekommt. Und wenn mein Mann stirbt, kann ich nur ein Achtel von dem Leben, das wir uns miteinander aufgebaut haben, erwarten. Es gibt einen Ort, nur fünf Flugstunden von hier, an dem die Söhne ihren Müttern nur in den ersten sieben Jahren ihres Lebens gehören. Es gibt einen Ort, vor dessen Gerichten ich nur ein halber Zeuge bin. Es gibt einen Ort, an dem ich die Erlaubnis meines Vaters brauche, um zu heiraten, egal, wie alt ich bin. Es gibt einen Ort, an dem ich die Zustimmung meines Mannes brauche, um einen Pass zu bekommen, und seine Einwilligung, bevor ich verreisen kann. Es gibt einen Ort, nur fünf Flugstunden von hier, an dem ich nur ein halber Mensch bin.“2 Eine andere Autorin erklärt, welche Auswirkung Angst auf muslimische Frauen hat. Sie schreibt: „Durch persönliche Erfahrungen und genaue Beobachtungen ist in mir die Gewissheit gewachsen, dass der Charakter von Frauen durch Angst am meisten verzerrt wird. Ich lebte oft in einem Zustand der Angst: dass ich 9


dabei entdeckt werden könnte, wie ich blute, ein Gedicht schreibe, mir einen Mann aussuche. Ich lebte sogar in Angst davor, mit einem Mädchen schwanger zu werden statt mit einem Jungen.“3 Vor ein paar Tagen bekam ich eine E-Mail von einem guten Freund aus Bangladesch, der an der Universität Princeton studiert hat. Er schreibt: „Ich versuche, etwas zu tun, dass das Leiden von Frauen und Kindern lindert. Frauen werden immer noch unterdrückt, sie werden getötet, weil man die Mitgift nicht bezahlen kann. Frauen werden von abgewiesenen Verehrern mit Säure begossen, Hausangestellte werden sexuell missbraucht und dann von Wohnblöcken gestoßen. Unglaubliche Dinge!“

Das Positive Vor mir liegt ein Brief, den unsere muslimische „Tochter“ aus Bangladesch geschrieben hat. Sie schreibt: „Es ist so schön, Post von euch zu bekommen. Ich konnte die Tränen nicht zurückhalten, denn ihr seid so sehr ein Teil unseres Lebens, ein Teil unserer Familie. Wir haben euch sehr, sehr lieb. Ich habe das Gefühl, eure andere Lyndi zu sein. Ich vermisse euch.“ Liebe. Ja, Julie und ich durften Liebe, Fürsorge, Mitgefühl und Opferbereitschaft im inneren Heiligtum muslimischer Familien erleben. Die folgenden Seiten werden furchtbare Benachteiligungen von Frauen ans Licht bringen. Aber ich habe auch versucht, die positiven Aspekte des muslimischen Lebens für das weibliche Geschlecht zu betonen. Eine berufstätige Frau aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, die an einer Universität in Kalifornien ihren Studienabschluss gemacht hat, denkt im Buch Der Himmel der Frau ist unter den Füßen ihres Mannes von Jan Goodwin über ihren Glauben nach: „Mein Glaube ist wichtig für mich. Ich bin gern Muslima, ich genieße die geistliche Seite meines Lebens. Der Islam gibt mir 10


Kraft. Wenn ich meinen Glauben nicht gehabt hätte, hätte ich im Westen wahrscheinlich nicht überlebt. Er half mir, nein zu sagen, als alle um mich herum Drogen nahmen oder mich geringschätzig behandelten, weil ich mich weigerte, mit Männern auszugehen. Heute gibt er mir Frieden. Der Islam ist konsequent und sehr strukturiert. Aus diesem Grund ist er meiner Meinung nach leichter zu befolgen als jede andere Religion. Hier fasten oder beten alle zur gleichen Zeit. In den USA gibt es so viele verschiedene Religionen, dass es sehr verwirrend sein muss.“4 Eine weit gereiste Libanesin, Nadia Nouhid, beschreibt ihre Sicht: „Die libanesische Frau hat keinen Grund, irgendeine andere Frau auf der Welt zu beneiden. Ich habe in Nord- und in Südamerika gelebt und habe verschiedene Einstellungen gegenüber Frauen erlebt. Es gefällt mir immer noch, wenn Frauen ihren Stolz, ihre Ehre und ihre Würde behalten. Wir haben schöne Traditionen und sollten sie behalten. Reinheit des Körpers und auch des Denkens ist etwas Schönes. Die Ehre von Frauen ist unbezahlbar. Wenn sie die ganze Welt gewinnt und ihre Ehre verliert, befindet sie sich in keiner beneidenswerten Position. Die westliche Frau hat ihre Familie verloren. Ich liebe meine Familie. Ich würde das Glück meiner Familie gegen nichts, gegen absolut nichts auf der Welt eintauschen. Ich habe den Eindruck, die westliche Frau ist verloren. Es stimmt zwar, dass sie mehr persönliche Freiheit genießt als die Frau im Osten, und dass sie es bequemer hat; sie hat Freizeit und Erholung – etwas, das wir fast überhaupt nicht kennen –, aber ich habe den Eindruck, dass wir trotzdem glücklicher sind als westliche Frauen.“5 Negatives und Positives. Lesen Sie die Vorstellungen, theologischen Positionen und persönlichen Erfahrungen von muslimischen Frauen, die in diesem Buch beschrieben werden. Und ziehen Sie dann selbst Ihre Schlussfolgerungen. Ich hoffe, dass mein Buch dazu beiträgt, dass Sie muslimische Frauen besser ver11


stehen und ihnen mit mehr Liebe und mehr Gebet begegnen. Außerdem will dieses Buch Sie motivieren, sich aktiv dafür einzusetzen, den „Töchtern Ismaels“ Ihren Glauben zu bezeugen. Leider kann ich nicht auf alle Fragen, die auf den folgenden Seiten angesprochen werden, eine befriedigende Antwort geben. Aber es ist ein Anfang. Ich schreibe in diesem Buch durchweg in der ersten Person, aber eigentlich ist es ein Gemeinschaftswerk. Julie unterstützte mich mit Ratschlägen und Kritik und machte mir immer wieder Mut. Deshalb ist meine geliebte Frau, mit der ich seit über vier Jahrzehnten verheiratet bin, Mitautorin dieses Buches. Es macht uns viel Freude, unserem Herrn seit so vielen Jahren gemeinsam unter Muslimen zu dienen. Es ist keine Übertreibung, wenn ich sage, dass mein Lebensweg ohne Julie nie so produktiv, aufregend und erfüllend verlaufen wäre. Und ohne sie hätte ich sicher keine neun Bücher geschrieben. Zum Schluss möchte ich mich bei meinem guten Freund, Dr. Ed Welch, bedanken, der dieses Buch herausgegeben hat, und bei den vielen Missionarinnen, die meine Fragebogen ausgefüllt haben. Außerdem bedanke ich mich bei Frau Dr. Miriam Adeney, einer angesehenen Wissenschaftlerin und Autorin, die das Vorwort geschrieben hat. Bei SIM, einem wirklich großartigen Missionswerk, erfahre ich immer wieder viel Freiheit, Ermutigung und Motivation. Es ist eine Freude, seit 1989, als unser ursprüngliches Missionswerk, International Christian Fellowship, und SIM miteinander verschmolzen, zu SIM zu gehören.6

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