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Billy Graham

Friede mit Gott


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I Der Christ und die Gemeinde

Durch Christus, den Eckstein, werdet auch ihr eingefügt und zu einer Wohnung, in der Gott durch seinen Geist lebt. Eph 2,22

er Mensch ist ein geselliges Wesen, er lebt von Natur aus in der Gemeinschaft und findet das größte Gefühl der Sicherheit und Zufriedenheit in der Gesellschaft mit anderen, die seine Interessen und seine Einstellung teilen. Von all den vielen Gruppen, in denen sich die Menschen gesammelt haben, von all den vielen Stämmen, Sippen, Organisationen und Gesellschaften ist im Laufe der Geschichte keine so mächtig, so weit reichend oder so allgemein gewesen wie die Gemeinde Christi. In der frühesten Zeit schlossen sich die Menschen zusammen zu ihrem gegenseitigen Schutz, erst in einer viel späteren Zeit lernten sie, sich zusammenzuschließen zum gegenseitigen Nutzen und Vergnügen. Mit der fortschreitenden Zivilisation entstanden geheime Gesellschaften, die ihren Mitgliedern ein Gefühl der Besonderheit gaben und sie daher von den Nichtmitgliedern unterschieden. Besondere Eide, Bräuche und Gesetze wurden eingeführt, und ihnen wurde große Bedeutung verliehen. Es entstanden Gruppen von Rassen und Nationen, und die Mitgliedschaft wurde auf diejenigen beschränkt, die einen ähnlichen Ursprung hatten oder einer gemeinsamen Fahne verschworen waren. Vereinigungen einzelner Länder, Studentenverbindungen, Wohngemeinschaften, literarische Gesellschaften, politische Parteien, militärische Organisationen – alle diese, von dem exklusivsten »Herrenklub« bis zum Verein der Hochschulen – zeigen das Bedürf-

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nis des Menschen, Trost und Sicherheit in der Gesellschaft anderer zu finden, die seine Lebensweise gutheißen, weil ihre eigene Lebensweise ähnlich ist. Nirgends jedoch hat ein Menschen diesen Trost, diese Sicherheit, diesen Frieden gefunden wie in der Gemeinde Christi; denn alle anderen Gruppen sind deutlich vom Menschen angeregt. Sie ziehen künstliche Grenzen und stellen dann nur die Täuschung eines Schutzes auf, während die Kirche einen lebendigen, kraftvollen Organismus schafft, der seine Kraft aus sich selbst schöpft, statt sich auf andere Quellen zu verlassen, damit diese ihm einen Sinn und eine Lebenskraft verleihen. Das Wort Gemeinde ist eine Übersetzung des griechischen Wortes ecclesia, das bedeutet »die Herausgerufenen« oder eine Versammlung von Leuten. Obgleich Gemeinde bald ein kennzeichnendes christliches Wort wurde, hat es eine vorchristliche Geschichte. In der griechischen Welt war das Wort ecclesia die Bezeichnung einer regelrechten Versammlung der ganzen Körperschaft der Bürger in einem freien Stadtstaat. Eine Gruppe von Bürgern wurde von einem Herold herausgerufen für die Erörterung und Entscheidung öffentlicher Angelegenheiten. Dieses selbe Wort Gemeinde wurde auch im Alten Testament gebraucht und übersetzt als »Gemeinde« Israels, in der die Mitglieder bestimmt wurden als die Auserwählten Gottes. In dem ersten Jahrhundert bedeutete daher das Wort Gemeinde für die Griechen eine sich selbst regierende demokratische Gesellschaft; für die Juden eine theokratische Gesellschaft, deren Mitglieder die Untertanen Gottes waren. Das Wort Gemeinde, auf die christliche Gesellschaft angewandt, wurde zuerst von Jesus selbst gebraucht, als er zu Petrus sagte: »Von nun an sollst du Petrus heißen. Auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und alle Mächte der Hölle können ihr nichts anhaben« (Mt 16,18). So gründete Jesus Christus selbst seine Gemeinde. Er ist der große Eckstein, auf den die Gemeinde gebaut ist. Er ist der Grundstein alles christlichen Seins, und die Gemeinde ist auf ihn gegründet. »Denn niemand kann ein anderes Fundament legen als das, das schon gelegt ist – Jesus Christus« (1. Kor 3,11). Jesus erklärte, dass er selbst der Gründer und Erbauer der Gemeinde ist, und die Gemeinde gehört ihm und ihm allein. Er hat versprochen, mit und in allen denen zu leben, die Glieder seiner Gemeinde sind. Hier besteht 148


nicht nur eine Organisation, sondern ein Organismus, der vollständig anders ist als alles andere, das die Welt jemals gekannt hat: Gott selbst lebt mit und in gewöhnlichen Männern und Frauen, die Glieder seiner Gemeinde sind. Das Neue Testament lehrt, dass, während es tatsächlich nur eine einzige Gemeinde gibt, es dann eine Anzahl von örtlichen Gemeinden geben kann, welche in verschiedenen Bezeichnungen und Gesellschaften oder Versammlungen ausgeprägt sein mögen. Diese örtlichen Gemeinden und verschiedenen Denominationen können nach nationalen oder theologischen Gesichtspunkten oder nach der besonderen Art ihrer Mitglieder getrennt sein. Jedoch lehrt das Neue Testament: Wenn es auch viele Spaltungen und Teilungen innerhalb des großen Gebäudes der Kirche geben mag, so haben wir doch nur »einen Herrn«. Wie das Kirchenlied es ausdrückt: »Ein einig Volk von Brüdern, das ist das Volk des Herrn, verzweigt in seinen Gliedern, doch eins in seinem Kern.« Jesus Christus ist das Haupt dieser großen allgemeinen Kirche, von ihm muss alle Tätigkeit und Lehre ausgehen, denn er ist der Urquell alles christlichen Lebens. Die Kirche ist weithin kritisiert worden wegen ihrer vielen inneren Streitigkeiten, wegen der großen Zerrissenheit und des deutlichen Mangels an Einheit und Geschlossenheit. Dies sind jedoch überflüssige Dinge; dies sind Streitigkeiten, welche herrühren von den leicht voneinander abweichenden Auslegungen der Befehle des Generals, und in keiner Weise spiegeln sie die Weisheit des Feldherrn oder seine vollständige Autorität bei der Ausgabe seiner Befehle wider. Wenn man die vorliegenden Glaubensformen der verschiedenen Bekenntnisse untersucht, so wird man finden, dass sie im Grunde historisch beinahe identisch sind. Sie mögen sich in den äußeren Gebräuchen unterscheiden, sie mögen eine Fülle von theologischen Eigentümlichkeiten in sich schließen, aber im Grunde genommen erkennen sie alle Jesus Christus als den Mensch gewordenen Gott an, welcher am Kreuz gestorben und wieder auferstanden ist zur Erlösung der Menschen – und das ist die allerwichtigste Tatsache für die ganze Menschheit. 149


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