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VORWORT

VORWORT Wir alle wissen, was es bedeutet, Durst zu haben – körperlich und geistlich. Das Verlangen, Durst zu löschen, kann quälend werden. Aber ein trockenes Herz ist unerträglich. Sie brauchen Erfrischung – und zwar sofort. Wenn Ihr Herz etwas krustig und Ihr Geist ausgedörrt ist, dann sind Sie hier richtig. In diesem Buch führt Max Lucado Sie zu dem Brunnen, den Gott für uns bereithält. Und, was genauso wichtig ist, Max Lucado zeigt uns auch, wie wir von Gott alles erhalten können, was er uns geben möchte. Oft fällt es uns schwer, etwas anzunehmen. Mehr als alles andere macht Lucado uns klar, dass Gott uns beschenken will. Gott möchte, dass wir durstig kommen und in langen, tiefen Zügen das lebendige Wasser trinken, das für jeden von uns da ist. Ich habe sehr viel von Max Lucado gelernt. Jahrelang habe ich mich von seinen Büchern anregen lassen. Und seine Freundschaft werde ich immer in Ehren halten. Ich hatte das Vorrecht, unter vier Augen mit Max Lucado zu sprechen und mir von ihm weiterhelfen zu lassen, und ich durfte miterleben, wie er ebenso wirkungsvoll auf die geistlichen Bedürfnisse von fünfzehntausend Menschen in einem Sportstadion einging. Ich bete, lieber Leser, dass durch dieses großartige Buch Ihre Seele erfrischt und belebt wird. Michael W. Smith

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DAS VERTROCKNETE HERZ

DAS VERTROCKNETE HERZ Jeder von uns kennt körperlichen Durst. Unser Körper besteht schätzungsweise aus achtzig Prozent Flüssigkeit. Das bedeutet, dass ein Mann meiner Größe etwa siebzig Kilogramm Wasser mit sich herumschleppt. Abgesehen vom Gehirn, den Knochen und ein paar Organen sind wir wandelnde Wasserbomben. Das muss so sein. Wir brauchen nur mit dem Trinken aufzuhören und abzuwarten, was geschieht: Wir können nicht mehr klar denken, die Haut wird welk und die lebenswichtigen Organe schrumpfen. Unsere Augen brauchen Tränenflüssigkeit, ohne Feuchtigkeit im Mund können wir nicht schlucken, unsere Drüsen brauchen Schweiß, um unseren Körper kühl zu halten, unsere Zellen werden vom Blut getragen und unsere Gelenke werden von Flüssigkeit geschmeidig gehalten. Wie ein Reifen Luft braucht, braucht unser Körper Wasser. Unser Schöpfer hat uns mit Durst ausgestattet – einem »Flüssigkeitsmangelanzeiger«. Wenn unser Flüssigkeitspegel sinkt, leuchten die Warnsignale auf: trockener Mund, dicke Zunge, benommener Kopf, schwache Knie. Unser Körper teilt uns mit, wenn wir nicht genügend Flüssigkeit haben. Unsere Seele teilt uns mit, wenn wir sie nicht genügend mit geistlichem Wasser versorgen. Vertrocknete Herzen senden verzweifelte Botschaften aus: Unausgeglichenheit, innere Unruhe, Schuld und Angst. Glauben Sie, Gott will, dass wir damit leben? Hoffnungslosigkeit, Schlaflosigkeit, Einsamkeit, Bitterkeit, Reizbarkeit und Unsicherheit sind Warnzeichen, Symptome einer inneren Trockenheit. Vielleicht haben Sie das alles noch nie so gesehen. Sie haben angenommen, dass diese Dinge ein Bestandteil Ihrer Reise sind, etwa wie Hubbel zur Verkehrsberuhigung. Sie nehmen an, dass 25


Angst von Ihren Genen bestimmt wird, so ähnlich wie Ihre Augenfarbe. Manche Menschen haben schwache Knöchel, andere einen hohen Cholesterinspiegel oder einen zurückweichenden Haaransatz. Und Sie? Sie machen sich Sorgen. Und Niedergeschlagenheit? Jeder ist mal deprimiert. Sind solche Emotionen nicht unvermeidlich? Sicher, aber keineswegs unlöschbar. Betrachten Sie den Kummer Ihres Herzens nicht als Kampf, den Sie durchstehen müssen, sondern als einen inneren Durst, der gestillt werden muss – als Beweis, dass in Ihnen etwas ausdörrt. Behandeln Sie Ihre Seele wie Ihren Durst. Nehmen Sie einen herzhaften Schluck. Nehmen Sie Feuchtigkeit in sich auf. Bewässern Sie Ihr Herz. Wo findet man Wasser für die Seele? An einem Oktobertag in Jerusalem gab Jesus die Antwort. Beim alljährlichen Fest zum Gedenken an Moses Wunder mit dem Felsen, der Wasser gab, drängten sich die Menschen in den Straßen. Zu Ehren ihrer nomadischen Vorfahren schliefen sie in Zelten. Zur Erinnerung an den Strom in der Wüste vergossen sie Wasser. Jeden Morgen füllte ein Priester einen goldenen Krug mit Wasser an der Gihon-Quelle und trug ihn durch die von Menschen gesäumten Straßen zum Tempel. Beim Klang der Posaunen schritt der Priester um den Altar herum und begoss ihn mit Wasser. Er tat das einmal an jedem Tag, sieben Tage lang. Dann, am letzten Tag, ging der Priester, wie damals die Vorfahren der Israeliten um Jericho, siebenmal um den Altar herum und begoss ihn mit sieben Krügen voller Wasser. Vielleicht hat in diesem Augenblick der kleinstädtische Rabbi aus dem nördlichen Teil des Landes die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich gezogen. »Am letzten Tag, dem Höhepunkt des Festes, stellte Jesus sich hin und rief der Menge zu: ›Wenn jemand Durst hat, soll er zu mir kommen und trinken! Wer an mich glaubt, aus dessen Inneren werden Ströme lebendigen Wassers fließen, wie es in der Schrift heißt‹« (Johannes 7,37-38). 26

Die Priester in ihren prächtigen Gewändern drehten sich um. Die Menschen horchten erstaunt auf. Kinder mit weit aufgerissenen Augen und zahnlose Großeltern hielten inne. Sie kannten diesen Mann. Einige hatten ihn in den hebräischen Bergen, andere in den Straßen der Stadt predigen gehört. Zweieinhalb Jahre waren vergangen, seit er aus dem Wasser des Jordans gestiegen war. Die Menge hatte diesen Zimmermann schon gesehen. Aber hatten sie ihn schon so aufmerksam betrachtet? Er »stellte ... sich hin und rief«. Es hatte sich eingebürgert, dass ein Rabbiner im Sitzen lehrte und in gemessenen Worten sprach. Aber Jesus stand auf und schrie. Der Blinde schrie, als er um Augenlicht flehte (Markus 10,46-47). Der sinkende Petrus schrie um Hilfe (Matthäus 14,29-30). Der von Dämonen besessene Mann schrie und bat um Gnade (Matthäus 5,2-7). Johannes benutzt dasselbe griechische Wort, um die Lautstärke der Stimme von Jesus zu beschreiben. Hier haben wir es nicht mit einem sanften Räuspern zu tun. Gott schlug mit dem Hammer auf die Bank des Himmels. Christus forderte Aufmerksamkeit. Er schrie, weil seine Zeit kurz war. Seine Uhr war bald abgelaufen. In sechs Monaten würde er ein Kreuz durch diese Straßen schleppen. Und die Menschen? Die Menschen hatten Durst. Sie brauchten Wasser, nicht für ihre Kehle, sondern für ihr Herz. Deshalb lud Jesus sie ein: Verdorrt ihr in eurem Inneren? Dann trinkt mich. Jesus kann für Ihr Herz das tun, was H2O für Ihren Körper tun kann. Er hält es geschmeidig, bewässert es, erweicht das Krustige und wäscht das Rostige. Wie? Wie Wasser geht Jesus dahin, wo wir nicht hinkommen. Wenn man einen Menschen gegen eine Wand wirft, schlägt sein Körper dumpf auf und fällt zu Boden. Wenn man Wasser gegen eine Wand spritzt, passt sich die Flüssigkeit an und verteilt sich. Aufgrund seiner molekularen Struktur besitzt Wasser eine große Anpassungsfähigkeit: es kann sich teilen und in einer Felsspalte 27


versickern, und es kann sich sammeln und die Victoriafälle hinunterdonnern. Wasser fließt dahin, wo wir nicht hinkommen. Das tut auch Jesus. Er ist Geist, und obwohl er für immer einen Körper hat, ist er nicht an einen Körper gebunden. Johannes erklärt: »Mit dem ›lebendigen Wasser‹ meinte er den Geist, der jedem zuteil werden sollte, der an ihn glaubte« (Johannes 7,39). Der Geist von Jesus fließt durch die Kehle Ihrer Seele, spült Ängste fort und vertreibt Kummer. Er tut für Ihre Seele das, was Wasser für Ihren Körper tut. Und glücklicherweise müssen wir ihm keine Weisungen erteilen. Wir erteilen dem Wasser ja auch keine Weisungen. Bevor wir es verschlucken, schauen wir es nicht an und sagen: »Zehn Tropfen von dir sind für meine Milz bestimmt, fünfzig brauche ich für das Herz-Kreislaufsystem und der Rest von euch geht Richtung Norden in meinen Kopf. Der braucht heute besonders viel.« Irgendwie weiß Wasser selbst, wo es hinzufließen hat. Auch Jesus weiß das. Unsere Anweisungen braucht er nicht, aber unsere Genehmigung. Wie Wasser kommt Jesus nicht, wenn wir ihn nicht aufnehmen. Wir müssen uns willig unter seine Herrschaft stellen. Man kann bis zur Hüfte tief in einem Fluss stehen und trotzdem verdursten. Solange man das Wasser nicht schöpft und trinkt, nützt es einem nichts. Auch Christus nützt uns nichts, wenn wir ihn nicht in uns aufnehmen. Haben Sie Durst? Sehnen Sie sich danach, Ihre Angst, Unsicherheit und Schuld fortzuspülen? Es ist möglich. Schauen Sie, an wen seine Einladung gerichtet ist. »Wenn jemand Durst hat, soll er zu mir kommen und trinken« (V. 37, Kursivschrift vom Autor). Sind Sie jemand ? Wenn ja, kommen Sie zum Brunnen. Dieses Wasser ist für Sie da. Menschen jeden Alters, jeden Geschlechts und jeder Rasse sind eingeladen. Schurken, Schufte, Halunken und Tölpel, alle sind willkommen. Man muss nicht reich oder religiös oder erfolgreich sein, um trinken zu dürfen. Man muss nur der Anordnung nach28

kommen, was – oder besser gesagt, wen – man trinken soll: Ihn. Wenn Jesus das tun soll, was Wasser tut, müssen Sie ihn tief, ganz tief in Ihr Herz eindringen lassen. Verinnerlichen Sie ihn. Nehmen Sie ihn in sich auf. Laden Sie ihn in das Innerste Ihres Lebens ein. Lassen Sie Christus zum Wasser für Ihre Seele werden. Wie geschieht das? Achten Sie zunächst auf Ihren Durst. Setzen Sie sich nicht über Ihre Einsamkeit hinweg. Streiten Sie Ihren Ärger nicht ab. Ihre innere Unruhe, Ihre Magenkrämpfe, das Angstgefühl, das Sie in Schweiß ausbrechen lässt, all das lässt Warnsignale im Himmel aufleuchten: Wir hier unten brauchen Wasser! Lassen Sie Ihr Herz nicht wie eine Rosine vertrocknen. Bewässern Sie Ihre Seele, um derer willen, die Ihre Liebe brauchen! Achten Sie auf Ihren Durst. Und trinken Sie gutes Wasser. Verschlucken Sie keinen Schmutz und keine Steine. Trinken Sie Plastik oder Papier oder Pfeffer? Natürlich nicht! Wir haben gelernt, nach dem Richtigen zu greifen, wenn es um körperlichen Durst geht. Tun Sie das Gleiche für Ihr Herz! Nicht alles, was Sie zu Ihren Lippen führen, stillt Ihren Durst. Die Arme verbotener Liebe befriedigen vielleicht eine Zeit lang, aber eben nur eine Zeit lang. Wochen mit einer Arbeitszeit von achtzig Stunden verleihen ein Gefühl der Erfüllung, löschen aber niemals den Durst. Nehmen Sie sich besonders die Flasche mit der Aufschrift »Religion« vor. Jesus hat das getan. Achten Sie auf das Umfeld, in dem er spricht. Er wendet sich nicht an Prostituierte, Unruhestifter, Gefängnisinsassen oder Jugendliche in Erziehungsheimen. Nein, er spricht bei einer religiösen Versammlung zu Kirchgängern. Dieser Tag ist ein kirchlicher Höhepunkt, etwa vergleichbar mit dem Ostersonntag im Vatikan. Man erwartet fast, dass im nächsten Vers der Papst erscheint. Religiöse Symbole sind reichlich vorhanden: der Tempel, der Altar, die Posaunen und die Priestergewänder. Er hätte auf jedes dieser Dinge zeigen und sie 29


als eine Quelle zum Trinken bezeichnen können. Doch er tut es nicht. Diese Dinge sind eben nur Symbole. Er weist auf sich selbst hin, den einen, auf den die Symbole hindeuten und in dem sie erfüllt sind. Die Religion beruhigt, doch sie kann nie Befriedigung schenken. Kirchliche Betätigungen überspielen möglicherweise den Durst, doch nur Christus stillt ihn. Trinken Sie ihn. Und trinken Sie oft. Jesus benutzt ein Verb, das wiederholtes Trinken nahe legt. Wörtlich sagt er: »Er soll kommen und trinken und nicht aufhören zu trinken.« Eine einzige Flasche ist nicht genug für Ihren Durst. Nur regelmäßiges Trinken befriedigt durstige Kehlen. Unaufhörliche Gemeinschaft befriedigt durstige Seelen. Dazu gebe ich Ihnen folgendes Werkzeug: ein Gebet für das durstige Herz. Haben Sie es, wie ein Fahrradfahrer seine Wasserflasche, immer bei sich. Das Gebet umreißt vier wesentliche Flüssigkeiten für die Bewässerung der Seele: Gottes Werk, Gottes Energie, Gottes Leitung und seine Liebe. Sie können sich das Gebet leicht merken, wenn Sie an das Wort W-E-L-L (deutsch: Quelle/Brunnen) denken.

Brauchen Sie nicht regelmäßig einen Schluck aus Gottes Wasserspeicher? Ich schon. Ich habe dieses Gebet schon in zahllosen Situationen gesprochen: bei anstrengenden Sitzungen, an lustlosen Tagen, bei langen Autofahrten, bei strapaziösen Reisen und ausschlaggebenden Entscheidungen. Viele Male am Tag steige ich zur Quelle Gottes hinunter und nehme von neuem sein Werk für meine Sünde und meinen Tod, die Energie seines Geistes, seine Leitung und seine Liebe an. Trinken Sie mit mir aus diesem bodenlosen Brunnen. Sie müssen nicht mit einem vertrockneten Herzen leben. Nehmen Sie das Werk von Christus am Kreuz, die Energie seines Geistes, seine Leitung in Ihrem Leben, seine unendliche, unerschöpfliche Liebe an. Trinken Sie kräftig und oft. Und aus Ihrem Inneren werden Ströme lebendigen Wassers fließen.

Herr, durstig komme ich zu dir. Ich komme, um zu trinken, um zu nehmen. Ich nehme dein Werk am Kreuz und in deiner Auferstehung an. Meine Sünden sind vergeben, und mein Tod ist besiegt. Ich nehme deine Energie für mich in Anspruch. Mit der Kraft deines Heiligen Geistes kann ich durch Christus, der mir Kraft gibt, alles tun. Ich nehme deine Leitung an. Ich gehöre dir. Nichts kommt auf mich zu, das nicht an dir vorübergegangen ist. Und ich nehme deine Liebe entgegen. Nichts kann mich von deiner Liebe trennen.

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