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41 3. KAPITEL

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Weib

Das Weib schweige in der Gemeinde?

Christen, die Frauen einen uneingeschränkten Zugang zu Predigt und Leitung vorenthalten, begründen ihre Abwehr meistens mit einer von drei Bibelstellen, auf die ich in diesem Schlussteil näher eingehen will.

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Der Mann als Haupt der Frau

Die erste dieser »Problemstellen« ist der Text in 1. Korinther 11,2-16: »Ich bin so froh, liebe Freunde, dass ihr stets an mich denkt und an der Lehre festhaltet, die ich euch weitergegeben habe. Doch es gibt noch eines, das ihr wissen sollt: Ein Mann ist Christus verantwortlich, eine Frau ist ihrem Ehemann verantwortlich und Christus Gott. Ein Mann entehrt Christus, wenn er beim Beten oder Weissagen seinen Kopf bedeckt. Eine Frau entehrt ihren Ehemann, wenn sie ohne Kopfbedeckung betet oder weissagt, denn das wäre dasselbe, als würde sie sich den Kopf kahl scheren. Wenn sie sich weigert, eine Kopfbedeckung zu tragen, könnte sie gleich ihr


42 Haar abschneiden. Da es für die Frau aber eine Schande ist, ihr Haar abzuschneiden oder sich den Kopf kahl zu scheren, soll sie eine Kopfbedeckung tragen. Ein Mann dagegen sollte nichts auf dem Kopf tragen, wenn er betet, denn der Mann ist zu Gottes Ehre geschaffen und sein Abbild, die Frau ist aber zur Ehre des Mannes geschaffen. Denn der erste Mann kam nicht von einer Frau, sondern die Frau vom Mann. Der Mann wurde nicht für die Frau erschaffen, sondern die Frau für den Mann. Deshalb soll die Frau eine Kopfbedeckung tragen, auch wegen der Engel. Nach dem Willen Gottes ist die Frau nicht unabhängig vom Mann und der Mann nicht unabhängig von der Frau. Denn obwohl die erste Frau vom Mann kam, wurden seitdem alle Männer von Frauen geboren, und alle kommen von Gott. Wie denkt ihr selbst darüber? Glaubt ihr, dass es sich gehört, dass eine Frau in der Öffentlichkeit zu Gott betet, ohne ihren Kopf zu bedecken? Ist es nicht offensichtlich, dass es für einen Mann eine Schande ist, langes Haar zu tragen, für eine Frau ist es dagegen eine Ehre. Denn das lange Haar wurde ihr als eine Art Schleier gegeben. Wenn allerdings jemand in diesem Punkt unbedingt Recht haben will, so kann ich nur sagen, dass wir keinen anderen Brauch haben als diesen und die anderen Gemeinden Gottes dieselbe Ansicht vertreten.« In diesem Kapitel steckt sehr vieles, das für die damalige Kultur in Korinth galt und wichtig war, was aber für uns heute zum Teil nur schwer zu rekonstruieren ist.

43 Fangen wir an mit dem, was klar ist: Als Erstes fällt hier auf, dass Paulus den öffentlichen Dienst von Frauen genauso bestätigt wie den Dienst von Männern. Paulus sagt explizit, dass Frauen bei einer öffentlichen Veranstaltung beten und prophezeien, das heißt, der Gemeinde Gottes Botschaft überbringen. Unabhängig von der Frage nach der Kopfbedeckung bestätigt Paulus damit deutlich, dass Frauen diese Gaben und Dinge praktizieren sollen. Einige argumentieren heute, dass Frauen dies nur in der Gemeinschaft mit anderen Frauen tun oder nur unter bestimmten Umständen oder dass sie diese Gabe nicht auf der Kanzel praktizieren dürften. Aus dem Kontext und den nachfolgenden Bestimmungen zur Kopfbedeckung wird jedoch eindeutig klar, dass Männer und Frauen hier zusammen sind. Das ist die auffallendste Aussage dieses Textes, denn sie stellt eine völlig neue Richtung in der Praxis des Volkes Gottes dar. Wir erleben hier eine radikale Abkehr von der Vergangenheit, in der Frauen nicht einmal zu den zehn Personen gezählt wurden, die in der Synagoge nötig waren. Es gab die Bestimmung, dass in der Synagoge zehn Männer sein mussten. Hier aber sagt Paulus ausdrücklich, dass öffentlicher Dienst, Beten und Prophezeien von Frauen genauso wie von Männern ausgeübt wird. Als Zweites drängt sich die Frage auf: Was bedeutet das Wort »Kopf«, wenn Paulus davon spricht, dass Gott der »Kopf« des Mannes sei oder der Mann der »Kopf« der Frau oder ein Ehemann der »Kopf« seiner Ehefrau?


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44 Was bedeutet dieses Wort? Das griechische Wort ist das Wort Kεψαλ . In der Antike hatte dieses Wort mehrere Bedeutungen. Am häufigsten bedeutete es wörtlich »Kopf«, es konnte sich auch auf etwas beziehen, das oben auf etwas war, »der Kopf einer Mauer, die Oberkante einer Mauer«. Gemeint sein konnte auch das Leben als Ganzes – etwa in der Redewendung: »Dafür riskiere ich meinen Kopf.« Möglich ist auch, dass es sich auf den Ursprung oder die Quelle von etwas bezieht. Oder es beschreibt das Bild, das wir am häufigsten damit verbinden, der Chef oder die Autorität über etwas. Zu diesem Thema gab es große Diskussionen. Einige Fachleute sagen: »Kopf« in der Bedeutung von Chef oder Autorität ist in antiken Texten nur sehr selten zu finden. Andere sagen das Gleiche über die Verwendung des Wortes für Quelle. Zu diesem Thema gibt es jede Menge Fachartikel.

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gen Herzen, wie ihr Christus dient.« Trotz dieser Aufforderung an die Sklaven verteidigt Paulus nicht die Sklaverei als Institution. Wir haben festgestellt, dass die Bibel nicht sagt, die Sklaverei als Institution wäre Gottes Wille für die Menschheit (siehe Kapitel I). Wir sehen es genau umgekehrt. Paulus erkennt hier nur die herrschende Situation an. In der Kultur damals gab es Sklaven und irdische Herren. Die junge Kirche war nicht in der Position, die Sklaverei abzuschaffen. Paulus erkannte deswegen nur an: Diese Einrichtung gibt es. Und auf diese Weise sollen wir damit umgehen – wenigstens in der gegenwärtigen Zeit.

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Anerkennung, keine Festlegung

Ich glaube allerdings, dass es letztlich gar keine allzu große Rolle spielt, wie man hier Kεψαλ oder Kopf versteht. Aus folgendem Grund: Wenn wir noch einmal zu Epheser 6,5 und der Sklavenfrage zurückgehen, lesen wir: »Ihr Sklaven sollt euren irdischen Herren gehorchen. Achtet und ehrt sie und dient ihnen mit aufrichti-

Es ist sehr gut möglich, dass Paulus in seinem Brief an die Korinther die herrschende Situation in jener Stadt und ihrer Kultur anerkennt, dass in jener Gesellschaft Ehemänner über ihren Frauen standen – genauso wie Herren über ihren Sklaven standen. Paulus erwähnt diese Tatsache, ohne dass er damit in einem der beiden Fälle sagen würde, dieser Zustand wäre der ultimative Aus-


46 druck von Gottes Willen. Wie man also Kεψαλ oder Kopf versteht, ist nicht so wichtig, denn hier geht es nicht um Gottes Willen für die Menschheit. In Vers 7 sagt Paulus, dass eine Frau Ruhm oder Abbild oder Abglanz des Mannes sei. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Frau niedriger wäre als der Mann. Dieselbe Formulierung wird beispielsweise im Alten Testament benutzt, wenn es heißt, dass Saul der »Ruhm« oder »der Abglanz Israels« sei. Es handelt sich hierbei nicht um die Festlegung eines Status. Das Gleiche gilt in den Versen 8 und 9. Wenn Paulus schreibt, dass die Frau für den Mann geschaffen sei, bedeutet das nicht, dass sie eine niedrigere Stellung oder Funktion einnähme. Diese Wendung ist eher im Sinn von »Gehilfin« zu verstehen, ein Begriff, den der Schöpfungsbericht nennt. In den Versen 11 und 12 unterstreicht Paulus diese Auslegung: »Nach dem Willen Gottes ist die Frau nicht unabhängig vom Mann und der Mann nicht unabhängig von der Frau. Denn obwohl die erste Frau vom Mann kam, wurden seitdem alle Männer von Frauen geboren, und alle kommen von Gott.« Er hebt hier die gegenseitige Abhängigkeit von Mann und Frau hervor, die ab jetzt auch im öffentlichen Dienst von beiden zum Ausdruck kommt.


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