Skip to main content

394193

Page 1

E R STES K APITE L

Gottes Segen befreit

Es war an einem schwülheißen Abend in New York. Meine Frau Carol und ich standen mit ein paar anderen um den Altar unserer kleinen Kirche in Brooklyn. Mit erhobenen Händen und vielen Tränen befanden wir uns in dem verwahrlosten Gebäude und beteten laut; wir wussten, dass unsere Gemeinde ums Überleben kämpfte und Probleme hatte, die nur Gott lösen konnte. Wenn sich etwas ändern, wenn die Gemeinde jemals ihr Potenzial entfalten sollte, dann brauchten wir unbedingt das einzig wirklich Entscheidende: Wir mussten zu Gottes Segen vordringen, sonst könnten wir keinen Tag länger existieren. Aber worin genau bestand dieser Segen, den wir suchten? Ich war noch jung und Pfarrer dieser Gemeinde mitten in der Stadt und fing gerade an zu erkennen, dass Gottes Segen etwas sehr Reales und Greifbares ist. Er kann das Leben eines Menschen verändern, ein ganzes Wohngebiet verwandeln, einer Gemeinde Kraft geben und sogar den Lauf der Geschichte beeinflussen. Oft bekommen ihn die Leute, von denen man es am wenigsten erwartet. Das erlebte ein Freund von mir, der von Anfang an verflucht zu sein schien. Sein Leben zeigt beispielhaft eine Verwandlung, die nur Gott bewirken kann. Auf einem Berg hoch über dem Dorf Las Piedras stand ein Haus, das finsteren Mächten verschrieben war. Darin wohnte eine Familie, die ihren Lebensunterhalt mit Zauberei, spiritistischen Sitzungen und dem Umgang mit bösen Geistern verdiente. Der Vater, ein stattlicher, in ganz Puerto Rico gefürchteter Mann, war als »der Große« bekannt. Seine Frau half ihm bei der Arbeit und bekam 18 Kinder von ihm: 17 Söhne und eine einzige Tochter. Das Haus auf dem Berg wurde auf der ganzen Insel ein bevorzugter Aufenthaltsort für Spiritualisten und Medien. 9


Einem der Jungen schadete es besonders, in diesem Haus aufzuwachsen. Er hatte Angst vor der Zauberei, die da getrieben wurde, und nahm es übel, dass er unter so vielen Geschwistern so wenig beachtet wurde. Früh und oft geriet er in Schwierigkeiten. Einmal erwischte ihn sein Vater, wie er Geld aus dem Portmonee seiner Mutter stahl. Zur Strafe wurde der Fünfjährige in ein schmutziges kleines Taubenhaus gesperrt. Der Junge versuchte verzweifelt herauszukommen, aber er scheuchte nur die Vögel auf; sie flatterten in der Dunkelheit umher und stießen immer wieder gegen das Kind. Nachdem sein Vater ihn befreit hatte, schrie der Junge noch stundenlang hysterisch. Nach diesem schrecklichen Erlebnis bekam er häufig Albträume. Dieser Junge schien vor all den anderen zum Bösen bestimmt. Als er acht Jahre alt war, erklärte seine Mutter, er sei nicht ihr Sohn, sondern »ein Sohn Satans, ein Kind des Bösen«. Als er sie daraufhin anschrie: »Ich hasse dich!«, lachte sie ihn nur aus. Ein verfluchtes Kind in einem verfluchten Haus. Schnell wurde der Junge zu einem unkontrollierbaren Rebellen. Er versuchte fünf Mal, von zu Hause wegzulaufen, und der Hass gegen seine Eltern verwandelte sich in Verachtung jeder Autorität. Weil sie mit ihrem schwierigen Sohn nicht fertig wurden, schickten ihn seine Eltern mit 15 Jahren nach New York. Gleich nach der Landung auf dem Flughafen verschwand er für zwei Tage auf der Straße. Schließlich meldeten ihn Verwandte dort in der Schule an, aber nachdem er Schüler, Lehrer und auch den Direktor wiederholt bedroht hatte, wurde er von ihr verwiesen. Bald danach verließ er das Haus seiner Verwandten und lebte auf der Straße in einer der gefährlichsten Gegenden der Stadt. Der Weg des jungen Mannes führte immer weiter nach unten. Was sonst konnte einem Kind passieren, das von seiner eigenen Mutter verflucht, vom Vater, der Satanspriester war, misshandelt und dem Teufel verschrieben worden war? Nicky Cruz wurde bald zum Anführer einer gefährlichen Jugendbande, die sich Mau Mau nannte. Die Wut, die in ihm kochte, entlud sich in Gewalt, Verbrechen und Blutvergießen. Er war seelisch so schwer geschädigt, dass er sogar seinen Freunden Angst machte. 10

(Nach einem Test bei der Polizei erklärte ihm der Psychiater, er sei auf dem direkten Weg zum elektrischen Stuhl.) Dann schickte Gott eines Tages einen Straßenprediger namens David Wilkerson, der den Mut hatte, ihm das Evangelium von Jesus Christus zu erzählen. Es war unglaublich, aber der Bandenführer stellte sein Leben Christus zur Verfügung. Er veränderte sich sofort: Nicht mehr die quälende, selbstzerstörerische Wut bestimmte nun den jungen Mann, sondern Liebe und Mitgefühl für Menschen ohne Hoffnung – Kinder wie er selbst, die sich anscheinend nur selbst zerstören wollten. Nach kurzer Zeit fing Nicky an eine Bibelschule in Kalifornien zu besuchen, wo er seine zukünftige Frau kennen lernte. Später kam Nicky wieder nach Puerto Rico und erlebte, wie auch seine Mutter ihr Leben mit Christus begann. Im Lauf der Zeit schuf Gott ihm überall in der Welt Möglichkeiten, seine Geschichte zu erzählen; er wurde zu einem der größten Evangelisten seiner Generation. Durch diesen Mann, der einmal dem Teufel verschrieben war, haben viele tausend Menschen eine Beziehung zu Christus gefunden. Heute setzen sich alle seine vier Töchter, ihre Männer und Kinder für Gott ein. Der Fluch, der auf Nicky Cruz lag, war sehr wirkungsvoll, aber Gottes Segen hat den Fluch aufgehoben.1 Im Unterschied zu Nicky glaubten Carol und ich seit unserer Kindheit an Jesus, aber jetzt hatten wir ohne Gottes Segen keine Hoffnung. Der Durchbruch fing an einem Dienstagabend in dieser stickigen, ungemütlichen Kirche an, als ein paar Christen Gott um Hilfe baten. Tatsächlich hat Gott uns dann mehr gesegnet, als irgendjemand sich vorstellen konnte: Durch uns hat er Tausende von gescheiterten Existenzen erreicht – Drogensüchtige, Trinker, Obdachlose und Verbrecher, aber auch viele Menschen in gehobenen Berufen, die so dringend Gottes Segen benötigten. Die Überraschungen kamen direkt von Gott selbst und wir erleben sie auch heute noch.

11


Segen für das Volk Gott hat uns im Lauf der Zeit – oft auf dramatische Weise – viel gegeben, aber ich bin überzeugt, dass Geschenke, wie wir sie bekommen, für jede Gemeinde und jeden Christen gedacht sind, der ernsthaft darum bittet. In der Bibel wird uns vor allem gezeigt, dass Gottes Segen ein Zeichen seiner unglaublichen Liebe zu seiner Schöpfung ist. Sein Segen ist zwar seinem Wesen nach unsichtbar, aber unbesiegbar und überwindet alle Angriffe, die von Menschen oder bösen Mächten kommen können. Dieser Segen geht von der uralten Anweisung aus, die Gott Mose gegeben hat, damit der Hohe Priester Israels sie ausführt: »Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.« 4. Mose 6, 22-27 Diese Sitte, im Namen Gottes einen priesterlichen Segen weiterzugeben, hat Israel durch alle Jahrhunderte seiner Geschichte von den Nachbarvölkern unterschieden. Nur das Volk, das den Bund mit Gott geschlossen hatte, bekam den Segen von ihm. Als vom Herrn bevorzugtes und geschütztes Volk wussten die Israeliten, dass Gott versprochen hatte auf ihre Gebete zu hören und auf ihre Probleme zu achten. Der Gott des ganzen Weltalls hatte sich ihnen zugewandt, sodass sie seine göttliche Gnade in Empfang nehmen konnten. Sie hatten das große Vorrecht, unter Gottes Wohlwollen zu leben und täglich seinen Segen zu erhalten! Vor welchem Feind sollten sie Angst haben, wenn Gott mit seiner Macht bei ihnen war? Die gute Nachricht ist, dass Gott immer noch segnet. Man kann sogar sagen, die Bibel ist ein Buch, in dem Gottes Wunsch zum Ausdruck kommt, jedem Menschen, den er geschaffen hat, Gutes zu tun. 12

Wenn Sie das überrascht, brauchen Sie nur daran zu denken, dass Liebe immer den Wunsch hat, ihrem Empfänger Gutes zu tun. Jeder Heilige Abend, wenn unsere Familie gemeinsam feiert, erinnert mich daran. Immer wenn wir so zusammenkommen, denke ich nicht darüber nach, was ich vielleicht für Geschenke bekomme. Wie die meisten Eltern und Großeltern interessiert mich das am wenigsten. Nein, ich denke an meine Kinder und Enkel und beobachte sie, wenn sie die Geschenke auspacken, die Carol und ich für sie vorbereitet haben. Ich freue mich am Schenken, nicht am Beschenktwerden. Fragen Sie sich einmal, wem Sie am liebsten etwas schenken; dann wissen Sie, wen Sie wirklich lieben. Egozentrische Leute freut es am meisten, Geld für sich selbst auszugeben, aber wenn Sie einen anderen Menschen lieben, wünschen Sie sich immer, ihm Gutes zu tun und ihm zu helfen. Das erklärt, warum das Wort barak und seine Verbindungen im Alten Testament über 330 Mal vorkommen. Es bedeutet »Segen« oder »segnen« und wird zum ersten Mal in 1. Mose 1, 22 für die Geschöpfe im Meer gebraucht: »Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet das Wasser im Meer …« Wenn Gott Krabben und Thunfische segnen wollte, interessiert es ihn dann nicht noch viel mehr, Ihnen und mir zu helfen, die er doch nach seinem Bild geschaffen hat? So sind dies die ersten Worte, die auf den Bericht von der Erschaffung Adams und Evas folgen: »Gott segnete sie« (1. Mose 1, 28). Gottes Segen war es auch, der es möglich machte, dass Noah der Sintflut entkam. In der Bibel steht: »Und Gott segnete Noah und seine Söhne« (1. Mose 9, 1). Mit Gottes Segen konnten sie auch die deprimierende Aufgabe auf sich nehmen, die Sicherheit ihrer Arche zu verlassen und ganz neu anzufangen. Zuerst hat Gott sie gesegnet, indem er sie der Verurteilung entzog. Dann segnete er sie, als sie zusammen ein neues Leben aufbauten, indem er sie versorgte und fruchtbar machte. Das Bemerkenswerteste an allen Menschen, die Gott zu seiner Ehre einsetzt, ist, dass Gottes besonderes Wohlwollen auf ihnen ruht. Das Beste, was wir von Gott hören könnten, ist das, was er 13


zu Abraham gesagt hat: »Und ich will dich zum großen Volk machen (das heißt, zu mehr als du selbst bist) und will dich segnen« (1. Mose 12, 2). Das ist es, ganz einfach gesagt: Gott wollte Abraham zu einem großen Volk machen und er will jeden von uns zu etwas Schönerem machen, als wir jetzt sind, und uns mit seinen Geschenken überschütten. Wie könnte Gottes vollkommene Liebe für seine Geschöpfe, für die er seinen Sohn als Opfer hergegeben hat, weniger wollen? Gott will nicht, dass wir nur in bescheidenem Umfang Geschenke von ihm bekommen. Er will uns überreichlich Gutes tun. Wie könnte sich sonst der Rest seines Versprechens an unseren Vater Abraham erfüllen: »… und du sollst ein Segen sein«? Wie von Abraham geht auch von uns Segen für andere aus, wenn Gottes Freundlichkeit zu uns überfließt und auch auf unsere Umgebung wirkt. Wenn das passiert, kann Gottes Name auf der ganzen Welt gelobt werden. Aber wie können wir für andere Gutes bewirken, wenn wir kaum genug Kraft aufbringen, selbst ein geistliches Leben zu führen? Wie kann ein Leben ohne Frucht für Menschen hilfreich sein, die Leben und Frieden suchen? Eine der wichtigsten Fragen, die sich uns Christen im 21. Jahrhundert stellen, ist die Frage, ob wirklich Gottes ganzer Segen auf uns liegt.

Die Blockade aufheben Nach der Bibel kann Gottes Segen Männern wie Frauen geschenkt werden, denn bei Gott gibt es keine Ungleichheit der Geschlechter. Eine ganze Familie, ein Kind und sogar ungeborener Nachwuchs kann ihn bekommen. Er kann eine Ortsgemeinde so sehr unterstützen, dass eine ganze Stadt oder Region die Wirkung spürt, die von Gottes Freundlichkeit zu dieser Gemeinde ausgeht. Gottes Segen kann auf unserer beruflichen Arbeit, unseren privaten Finanzen oder unserem körperlichen Wohlbefinden liegen. Mose hat den Israeliten sogar gesagt: »… so wird der HERR, dein Gott, dich segnen in allem, was du tust« (5. Mose 15, 18). Stellen Sie sich vor, was für 14


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
394193 by Fontis-Shop - Issuu