Skip to main content

394148

Page 1

Vorwort

»Unterwegs und doch zu Hause« so heißt der Vorläuferband zu diesem Buch. In beiden Bänden erzähle ich Erlebnisse aus meinem Leben. Im Lauf der Jahre bin ich in verschiedenen Ländern und Kontinenten unterwegs gewesen und habe so manches schöne Fleckchen Erde und seine Bewohner kennen gelernt. Meine ganz persönliche Reise mit Gott begann, als ich siebzehn Jahre alt war. Natürlich hat Gott mich auch schon vorher begleitet. Doch mir war das lange Zeit nicht bewusst. Erst später habe ich ihn entdeckt und ihn dann zum »Reiseleiter« meines Lebens gemacht. Begonnen hat diese bewusste Reise mit Gott als ich Christen traf, die mit Gott lebten. Kindergottesdienst, Konfirmandenunterricht, Religionsunterricht – all das hatte mich geprägt. Dennoch hatte ich Gott noch nicht persönlich kennen gelernt. Ich wusste nicht einmal, dass das möglich ist. Im Gegenteil: Ich dachte damals, dass ich als einzelner Mensch viel zu uninteressant und zu unwichtig, zu wenig hilflos oder in Not für Gott bin, als dass er sich mit mir beschäftigen könnte.

6

Diese Einstellung stellte sich als Irrtum heraus. Ich merkte, dass Gott an mir interessiert war. Er hatte Zeit für mich. Er wollte mein Leben prägen. Er wollte mit mir unterwegs sein und – wie ich dann feststellte – auch einige meiner Ziele verändern, korrigieren oder genauer gesagt: verbessern. Erst, als ich Jesus erlaubte, in mein Leben zu kommen, fand ich mein eigentliches Zuhause. Bei Gott. Ich bin als Mensch für eine kurze Zeit auf dieser Erde. Aber ich bin geschaffen, um ewig zu leben. In der Gemeinschaft mit Gott. Die fängt schon auf dieser Erde an. Ich bin unterwegs zum ewigen Leben. Und auf dem Weg dorthin ist Gott bei mir. Überall! In allen Begebenheiten, die ich hier erzähle, ist mir wichtig, dass Gott diese ganze Welt im Blick hat. Gott macht keinen Unterschied zwischen Menschen im Westen oder Osten, im Norden oder Süden. Er liebt alle Menschen und will, dass sie zur Erkenntnis der Wahrheit, zur Erkenntnis von Jesus Christus kommen. Seit ich Jesus erlaubt habe, Herr in meinem Leben zu sein, habe ich einen festen Halt, ein neues Zuhause gefunden. Deshalb kann ich auch unterwegs sein, wo immer es auch sei, und bin doch zu Hause. Überall ist Jesus der Herr, ist er bei mir. Nie bin ich wirklich allein. Wo ich auch hinkomme, begegne ich seinen Mitarbeitern, Christen, Freunden von Jesus.

7


Meine Reise ist spannend. Mit Jesus unterwegs zu sein, ist wie die Reise einer Schnecke. Nicht die Geschwindigkeit ist dabei für mich der Vergleichspunkt, sondern das Schneckenhaus. Ich habe immer meinen Schutzraum um mich herum, egal wo ich bin. Und deswegen kann ich überall »zu Hause« sein. Dennoch will ich mich nicht verkriechen und verstecken. Ich will diese Welt mit allen ihren Nöten wahrnehmen. Ich will helfen. Ich will auf Gott hinweisen, wo immer das möglich ist. Mit diesem Buch möchte ich Ihnen Mut machen. Mut, Jesus neu zu entdecken. Er will uns neues Leben schenken. Mut, unterwegs zu sein. Hin zu den Menschen, die Gott noch nicht kennen. Ob sie nun um die Ecke wohnen oder am anderen Ende der Welt. Wohin die Reise geht, bestimmt Jesus. Aber ich werde das Ziel meines Lebens nur dann erreichen, wenn ich bereit bin, unterwegs zu sein. Denn schließlich bin ich überall zu Hause! Elke Werner

8


Eine Uhr für einen Blinden

D

er Gottesdienst war soeben zu Ende gegangen. Unser afrikanischer Gastprediger rief uns Mitarbeiter ganz aufgeregt nach vorn: »Ein Wunder ist geschehen, ein Wunder ist geschehen.« Was war passiert? Schon einige Tage vorher war unser Freund aus Afrika bei uns in Marburg eingetroffen. Es war sehr kalt in diesen Tagen. Erst einmal mussten wir sehen, dass wir ihm warme Kleidung besorgten. Er kam von einer Konferenz in Holland und wollte von Marburg aus nach Frankfurt und von dort zurück nach Afrika fliegen. Seine Zeit bei uns war knapp bemessen. Er kannte sich schon ein wenig in Marburg aus und ging allein einkaufen. Für ihn war es selbstverständlich, dass er solche Reisen nach Europa nutzte, um Besorgungen für viele Menschen zu machen, Dinge einzukaufen, die er in seiner Heimat nicht bekommen konnte. So brauchte er mehrere Stunden, um seine Liste einigermaßen abzuarbeiten. Dann kam er zurück zu uns in die Wohnung, wir aßen zusammen und gingen dann zum Gottesdienst. Seine Predigten sind immer sehr anschaulich und

79


reißen uns alle mit. In diesem Gottesdienst hatte er davon gesprochen, dass durch den Tod von Jesus Christus am Kreuz die Macht des Teufels gebrochen ist. Er erzählte ein Beispiel, mit dem er das Gesagte illustrierte: In einer afrikanischen Hütte wurde eine große Schlange entdeckt, die locker Menschen erwürgen und verschlingen kann. Alle Bewohner konnten die Hütte rechtzeitig verlassen, die Tür wurde geschlossen und die Schlange war in der Hütte gefangen. Nun wurde jemand gesucht, der treffsicher schießen konnte. Durch ein Fenster wurde ein Schuss abgegeben, der die Schlange genau in den Kopf traf. Der Schütze hatte genau gesehen, wie die Kugel eintrat und die Schlange tödlich getroffen wurde. Doch dann ging der Kampf erst richtig los. Die Schlange tobte durch das Haus und sorgte dafür, dass nichts mehr an seinem Platz stehen oder liegen blieb. Sie zerschlug Möbel und zuckte so wild, dass alle von außen dachten, sie sei nur verwundet, aber noch nicht getötet. Panik griff um sich. Wenn die Schlange nur verwundet war, aber nicht tot, was würde sie noch alles anstellen? Würde man sie noch einmal treffen können, wenn sie doch so wild war? Nur der Schütze blieb ruhig. Er wusste, dass er die Schlange im Kopf getroffen hatte. Und dass sie ihren Todeskampf kämpfte. Das Ende war absehbar.

viele Auswirkungen des Bösen in dieser Welt und manchmal hat man den Eindruck, alles würde nur noch schlimmer werden. Aber das stimmt nicht. Der Teufel ist durch den Tod von Jesus am Kreuz tödlich getroffen. Seine Zeit ist abgelaufen. Was wir jetzt erleben, sind die letzten wilden Zuckungen. Wenn Jesus wiederkommt, wird das Böse endgültig vernichtet werden. Aber der Sieg ist schon errungen. Jesus hat dem Tod die Macht genommen, er hat den Teufel besiegt. Diese Predigt hatte vielen Zuhörern Mut gemacht. Gegen Ende des Gottesdienstes sammelten wir noch Geld, um es unserem afrikanischen Gast für seine Gemeinde mitzugeben, die in großer materieller Not lebt. Meistens sind solche Kollekten viel höher, als bei unseren sonstigen Gottesdiensten. Und so war es auch heute. Doch noch etwas war anders als sonst.

Unser afrikanischer Freund hatte mit dieser Geschichte uns allen Mut gemacht. Wir sehen noch

»Kommt her, ich muss euch ein Wunder berichten«, rief unser Freund. In der einen Hand hielt er die Scheine und Münzen der Kollekte, die bereits gezählt und ihm ausgehändigt worden waren. In der anderen Hand hielt er eine Uhr. »Diese Uhr ist das Wunder«, sagte er. Was für ein Wunder? Eine Uhr? »Es ist keine normale Uhr, es ist eine Uhr für Blinde«, sagte er ganz begeistert. Er konnte seine Freude kaum zügeln. Und dann erzählte er uns, warum er sich so freute.

80

81


In seiner Heimat hatte ihn kurz vor der Abreise nach Europa ein blinder Mann besucht, der ihn darum bat, ihm eine Blindenuhr mitzubringen. In Holland hatte unser Freund nach solchen Uhren Ausschau gehalten und bald schon festgestellt, dass die Kosten dafür weit über seine Möglichkeiten hinausgingen. Also beschloss er, für eine Uhr zu beten und nicht zu versuchen, eine Uhr zu kaufen. Nun war am letzten Tag, bevor er nach Hause flog, am letzten Abend, in der letzten Veranstaltung eine Blindenuhr in der Kollekte gewesen. Gott hatte sein Gebet erhört.

Ich aber würde mich zu Gott wenden und meine Sache vor ihn bringen,

Wir waren alle mit ihm erstaunt und hocherfreut. Noch nie vorher und auch nie nachher hatten wir je eine Uhr in der Kollekte, geschweige denn eine Blindenuhr. Unser Mitarbeiter, der die Kollekte eingesammelt hatte, hatte selbst gesehen, wie ein blinder Gottesdienstbesucher seine Uhr abzog und in den Kollektenkorb legte. Er wollte schon nachfragen, ob das so richtig sei, hatte dann aber den Eindruck, dass der Blinde genau wusste, was er da tat. So kam die Uhr in die Kollekte. Und so kam der Christ in Afrika zu seiner Blindenuhr. Und so kamen wir glaubensarmen Deutschen zu einem echten Wunder, dem »UhrWunder«.

82

der große Dinge tut, die nicht zu erforschen sind, und Wunder, die nicht zu zählen sind. Hiob 5,8-9

83


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
394148 by Fontis-Shop - Issuu