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KAPITEL
Kommunikation – Gemeinschaft – Einheit –
I. Kommunikation
Unter Kommunikation mit Gott ist schlicht und einfach das Denken an Gott sowie das Reden und das Hören auf IHN zu verstehen. Dazu sagt man üblicherweise »beten«. Jesus Christus selbst hat uns das vorgelebt, indem er sich regelmäßig in die Gemeinschaft mit seinem Vater zurückzog.Wenn er sagt: »Denn ich habe nicht aus mir selbst geredet, sondern der Vater, der mich gesandt hat, der hat mir ein Gebot gegeben, was ich tun und reden soll« (Joh. 12,49 – Luther), dann bedeutet das, dass Jesus sehr viel Zeit damit verbrachte, an seinen Vater zu denken und auf IHN zu hören. Es war diese tägliche Abhängigkeit von seinem Vater, was das Leben von Jesus ausgezeichnet hat. Was zeichnet unser Leben als Christ aus? Ist es diese innige Gemeinschaft mit Jesus Christus, oder haben wir Gemeinschaft mit Religion ersetzt? In unserer modernen Welt haben wir als Christen drei verschiedene Übersetzungen der Bibel auf dem Nachttisch stehen, das BibelComputerprogramm installiert, den Neukirchener Kalender an der Wand, das Losungsbüchlein im Regal, den Fisch auf dem Auto, das Kreuz um den Hals, Johannes 3,16 8 auf dem T-Shirt und das WWJDBand9 um den Arm.Aber ich fürchte, wir reden kaum mit Gott und wir hören nicht auf Gott. 8
Joh. 3,16 ist der wahrscheinlich bekannteste Bibelvers und lautet: »Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben« (Luther). 9 WWJD bedeutet »What would Jesus do« (Übersetzt: Was würde Jesus tun)
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Ich gerate ins Schwitzen darüber, wie ich den Streit mit meiner Frau ausbaden werde. Aber ich bete nicht darüber.
Ich habe mich mit Gebet immer schwer getan und ich kann bis heute nicht behaupten, dass es mir leicht fällt. Denn obwohl es für mich das Normalste sein sollte, mit meinem Gott zu reden, ist es oft das Letzte, was ich im Alltag praktiziere. Ich sitze im Auto oder im Büro und mache mir Sorgen um die Finanzen der nächsten Monate, ich grüble über das krebskranke Nachbarskind nach und wie man ihm helfen könnte, und gerate ins Schwitzen darüber, wie ich den Streit mit meiner Frau ausbaden werde. Aber ich bete nicht darüber. Oft scheint es das Letzte zu sein, was mir in den Sinn kommt, nach dem Motto: »Wenn sonst gar nichts mehr hilft, dann bete eben!«
Gott wohnt nicht außerhalb Damit die Kommunikation mit Gott zu einer innigen Beziehung werden kann, muss uns bewusst werden, dass Gott geographisch nicht irgendwo außerhalb von uns wohnt, sondern dass er jedem Menschen »nahe« ist. In Apostelgeschichte 17,27 sagt Paulus, dass Gott nicht fern ist von einem jeden von uns. Und im Brief an die Epheser erinnert er die Gläubigen: »Jetzt aber, in Christus Jesus, seid ihr, die ihr einst fern wart, durch das Blut des Christus nahe geworden« (Eph 2,13). Wenn ein Mensch anfänglich zu Gott betet, findet die Kommunikation vielleicht noch über eine gewisse Distanz statt. Er redet zwar zu Gott, jedoch so, wie wenn ich mit meinem Schwager in Neuseeland telefoniere. Gott ist weit weg, irgendwo im Himmel. Für viele Christen ist Gott immer noch irgendwo außerhalb ihrer selbst, wenn sie beten. Dadurch laufen sie Gefahr, das Gebet zu einem Ritual zu machen, mit dem sie versuchen bis zu Gott durchzudringen. Manchmal frage ich etwas provokativ,wie weit sie denn mit ihrem Gebet durchdringen wollen,damit es bei Gott ankommt; durch die erste Betondecke ihres Hauses oder auch durch die zweite, durch die Ozonschicht, unser Sonnensystem oder die Milchstraße? Ich erinnere mich an ein Mädchen,das mir sagte: 40
»Wenn ich bete, dann geht mein Gebet nur bis an die Decke!« Ich weiß genau, was sie damit »Wenn ich meint und kann ihr sehr gut nachfühlen. Ich bete, dann konnte sie aber ermutigen, indem ich ihr versigeht mein cherte, dass Gott unterhalb der Decke wohnt Gebet nur bis und sie mit ihrem Gebet nicht erst bis ins Weltan die all durchdringen muss. Decke!« Gott ist uns in Christus nahe gekommen. Er hat versprochen, in uns zu wohnen (Joh. 14,23) und bei uns zu bleiben bis ans Ende der Welt (Mt. 28,20). Darum darf ich das Gebet nicht zu einem Ritual verkommen lassen, bei dem ich versuche zu IHM vorzustoßen. Ich sollte mich darin üben, mit allem zu meinem Herrn zu gehen, der hier bei mir ist, damit ich die anstehenden Probleme gemeinsam mit ihm in Angriff nehmen kann. So wie die Kompassnadel immer wieder automatisch in Richtung Norden zeigt, können wir unsere Gedanken trainieren, uns an dieses neue Leben in uns zu wenden.Von Natur aus haben wir ein falsches Denken. Darum sagt Paulus im Römerbrief 12,2: »Ändert euer Denken!« Und in Bezug auf Gebet müssen wir lernen zu verstehen, dass Jesus Christus nicht irgendwo »da oben« ist, sondern bei mir, mit mir und sogar in mir. Erst dann entsteht aus der Kommunikation eine von Vertrauen geprägte Gemeinschaft, auch Freundschaft genannt.
II. Gemeinschaft oder Freundschaft
Mit jemandem Gemeinschaft zu pflegen ist in der Regel mehr, als nur über etwas zu reden. Da teilt man sich persönliche Gedanken und Gefühle mit, man lernt, wie der andere denkt. Es ist eine andere Form, eine tiefere Ebene der Kommunikation. Wenn ich z. B. an meinem freien Tag oder im Urlaub einmal den ganzen Tag zu Hause bin, so rede ich mit meiner Frau und meinen Kindern viel über alle möglichen, anstehenden Dinge. Einmal ruft man dem anderen etwas zu, dann habe ich eine Frage, mal wechselt man beim Vorbeigehen ein paar Worte miteinander. Die Themenbereiche spannen sich vom Ra41
senmäher über unsere Hasen bis hin zum Schraubenzieher, der mir gerade runtergefallen ist.Wenn Hannelore aber ruft: »Komm, lass uns einen Kaffee trinken«, oder gar: »Schatz, wie wär’s, wenn wir heute Abend essen gehen?«, so ist das der Aufruf zur Gemeinschaft, dann weiß ich, dass jetzt »richtig« geredet wird. Dass wir uns in die Augen schauen, wenn wir miteinander reden und wir uns bewusst Zeit nehmen, auf den anderen einzugehen. In diesen Zeiten bespricht man oft wesentlichere Dinge und hier entstehen Freundschaften. Es ist schön, mein eigenes Leben dem anderen mitzuteilen und am Leben des anderen Anteil zu haben. Ich werde später im Kapitel 8 noch einmal näher darauf eingehen. Dort geht es darum, »ohne Unterlass« mit Gott zu reden. Die Psalmen als Tür zur Gemeinschaft mit Gott Ich beginne die Psalmen mehr und mehr zu schätzen, denn sie informieren uns nicht in erster Linie über Gott und machen auch keine Vorschläge für eine bessere Moral, sondern in den Psalmen lernen wir ein persönliches Gespräch mit Gott zu führen. Wenn Sie sich schwer tun persönlich mit Gott zu reden, dann lesen Sie immer wieder die Psalmen. Gott spricht zu uns und wir antworten. Dabei sind die Antworten nicht immer schön formuliert, sondern oft voll Zorn, Misstrauen, sogar Fluchens. Aber sie sind real und wenden sich mitten im Alltagsleben an Gott. Vom ER zum DU Ich habe vor kurzem wieder einmal den Psalm 23 gelesen und habe ihn sogar neu auswendig gelernt. Da schreibt David: »Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar« (Luther). 42
David beginnt den Psalm,indem er über Gott in der dritten Person spricht. Er beginnt mit eiDas ist es, nem Selbstgespräch,in dem er sich selbst an die was wir im Versprechen Gottes erinnert und sagt: »Der Leben als HERR, er weidet mich, er erquicket mich, er fühChristen lerret mich.« Aber dann, als er in Bedrängnis gerät nen müssen; und im finsteren Tal wandert, redet David nicht wir müssen mehr zu sich selbst und über Gott, sondern vom »Er« zum wendet sich direkt an Gott, indem er sagt: »DU »Du« kombist bei mir!« Dieser Satz ist übrigens genau die men, vom Mitte des Psalms. SelbstgeDas ist es, was wir im Leben als Christen lerspräch zum nen müssen; wir müssen vom »Er« zum »Du« Gebet. kommen, vom Selbstgespräch zum Gebet. Wir müssen uns ständig daran erinnern, dass wir nicht alleine sind, sondern als Christen mindestens zu zweit durchs Leben gehen. Interessanterweise weiß ich das alles und Sie wissen es vielleicht auch, aber wir haben es wieder vergessen. Eine Konsequenz der Sünde ist,dass wir ständig vergessen im Alltag mit Gott zu rechnen. Darum ist es unser Vorrecht und unsere Pflicht uns gegenseitig daran zu erinnern, uns mit der Wahrheit zu ermutigen. Gott hat gern beim Essen Gemeinschaft mit uns Beim Lesen der Bibel ist mir aufgefallen, dass Gott mit den Menschen gern Gemeinschaft beim Essen hat.Als Mose und Aaron mit den 70 Ältesten der Israeliten auf den Berg Sinai gingen um Gott zu schauen, lesen wir in 2. Mose 24,11: »Sie schauten Gott und aßen und tranken.« Als der HERR Abraham bei Mamre aufsuchte und ihm versicherte, dass er im hohen Alter noch einen Sohn haben wird, ließ Gott sich gerne überreden, eine gute Mahlzeit einzunehmen (1. Mose 18). Der auferstandene Herr Jesus war selbst fast immer hungrig, wenn er seinen Jüngern erschien. Als er am Ostersonntag plötzlich mitten unter seinen Jüngern auftauchte und sie es noch nicht fassen konnten, dass er lebt,fragte er sie: »Habt ihr hier etwas zu essen?« (Lk.24,41) und in Johannes 21 bereitete Jesus ein Lagerfeuer vor, um mit seinen Jüngern zu frühstücken. 43
Essen bedeutet in der Bibel viel mehr als nur den Hunger stillen.Eine gemeinsame Mahlzeit führte immer zu einer tiefen engen Gemeinschaft. Meine Frau und ich laden in der Regel jene Menschen zu einem Abendessen ein, mit denen wir in Freundschaft verbunden sind. Gott hat uns zur Gemeinschaft geschaffen und er wünscht sich nichts mehr, als mit Ihnen und mir ein gemeinsames Mahl zu halten,mit uns zusammen zu sein. Darum sagt Jesus in seinem Brief an die Gemeinde in Laodicäa: »Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür auftut, zu dem werde ich eingehen und das Abendbrot mit ihm essen, und er mit mir« (Offb. 3,20). Kaffeezeit mit Jesus Im Januar 2002 predigte ich in Toronto, Kanada, auf einer Konferenz. Der Rückflug verzögerte sich durch die extrem frostigen Temperaturen in Kanada (bis minus 40 Grad Celsius) und so sah ich bei der Landung in Wien meine kleine Anschlussmaschine in Richtung Salzburg abfliegen, wo ich mein Auto abgestellt hatte. Der nächste Flug war erst sieben Stunden später.Was sollte ich mit dieser verlorenen Zeit anfangen? Früher haben mich solche Verspätungen genervt, weil man in dieser Zeit eigentlich wenig Produktives tun kann. Ich kann weder vernünftig arbeiten noch kann ich einen Kaffee mit Hannelore genießen oder mit meinen Kindern spielen. Aber diesmal war es anders. Ich habe mich durch meine eigene Predigt (ich predige übrigens fast immer auch zu mir selbst) in Kanada daran erinnert, dass Gott gerne mit seinen Kindern isst und trinkt. Und so kam es, dass mich diese sieben Stunden Wartezeit kein bisschen genervt haben und ich sogar eine riesengroße Freude darüber verspüren konnte, dass ich jetzt endlich sieben volle Stunden mit meinem Herrn Jesus spazieren gehen, Kaffee trinken und eine ungestörte Zeit mit ihm haben konnte, ohne etwas anderes tun zu müssen. In diesen Kaffeezeiten sage ich Gott all meine Herzensanliegen, lese in seinem Wort und denke an IHN. Eine liebe Bekannte von mir, Anne Rebsch, erzählte mir, dass ihre Mutter in England beim Teabreak (Kaffeepause) immer eine zusätzliche Tasse auf den Tisch stellte; eine für Jesus Christus.Wann immer ich mit meinem Herrn einen Kaffee trinken möchte, bestelle ich zwar nur eine Tasse, aber ich empfinde es als eine nette Geste und eine Erinne44
rung daran,dass Christus bei uns ist und sich eine innige Gemeinschaft mit uns wünscht.Wenn wir uns darin üben, bekommen wir einen Vorgeschmack vom Himmel, nämlich von der ewigen Einheit mit Christus, wozu wir bestimmt sind. Ein ermutigender Brief Ich erhielt einen Brief von einer Teilnehmerin in unserem »Upward Bound Programm 2003«. Ich möchte hier ein paar Sätze von dem wiedergeben, was sie während dieser Zeit bei uns erlebt hat: »Wahrscheinlich hatte ich wegen meiner Herkunft aus einer autoritären Familie und Kirche immer ein falsches Bild von Gott. Gott war für mich immer streng, hart und unnahbar. Durch das Bibellesen weiß ich zwar schon lange, dass dies ein falsches Gottesbild ist,jedoch konnte ich »Ich hatte ein es nie in die Realität meines Lebens übersetzen, intellektuelegal wie sehr ich es auch versuchte. Ich hatte ein les Konzept intellektuelles Konzept von Gottes Freundlichvon Gottes keit und Liebe, jedoch erfuhr ich es nicht experiFreundlichmentell in meinem Leben.Es ist ungefähr so,wie keit und Liewenn man über den Dachstein (der höchste Berg be, jedoch in unserer Gegend) liest oder den Dachstein taterfuhr ich es sächlich erklimmt. Das eine ist eine super Idee, nicht experidas andere ist Realität.Während meiner Zeit am mentell in Tauernhof befolgte ich deinen Rat und untermeinem nahm Spaziergänge mit Jesus, ging sogar auf eiLeben.« nen Kaffee mit ihm. Ich bekam nicht, was ich erwartet hatte,aber was ich empfing übertraf alles, was ich mir erträumt hatte. Auf einem dieser Spaziergänge öffnete der Heilige Geist mir mein Herz und ich ERKANNTE Jesus. Es war nicht ein ›Bescheidwissen über ihn‹,nein,ich erkannte ihn.Er offenbarte mir seine Demut und Freundlichkeit, die offenbart ist in seiner Schöpfung.Wie ein Meistermaler seinen Charakter und seine Eigenschaften in einem Gemälde für alle sichtbar macht, so offenbarte Gott mir sein Herz im Wissen, dass ich ihn ablehnen und auslachen kann. Jedoch alles, was ich tun konnte,war ihn umarmen.Jesus ist kein arroganter Gott,der möchte,dass 45