»Wir kennen Sandra McCollom nun schon mehr als die Hälfte ihres Lebens, und sie ist durch und durch echt – eine hingebungsvolle Christin, Ehefrau und Mutter. In diesem Buch schildert sie offen und ehrlich, wie sie gelernt hat, ihr Leben von Gottes Gnade bestimmen zu lassen und dadurch mehr Freude zu erleben. … Sandras Geschichte hilft uns, Lasten und Hindernisse loszulassen, um die Herausforderungen des Lebens besser zu meistern (Hebr 12,1). Wer über das Geschilderte nachdenkt, wird daran erinnert, dass Christus uns zur Freiheit befreit hat (Gal 5,1). Dieses Buch wird Lesern helfen, sich vom unnützen Streben nach Perfektionismus zu lösen und sich an der Barmherzigkeit und Liebe Gottes zu erfreuen.«
— Jeff und Patsy Perry, Pastoren der St. Louis Family Church (Sandras Pastoren)
»Ich hatte das Privileg, Sandra persönlich von ihrem Weg erzählen zu hören, wie sie durch Gottes erstaunliche Gnade völlig befreit wurde. Ich bin hocherfreut, dass auch andere jetzt ihre Geschichte hören können. Ich habe keinen Zweifel daran, dass Leser die verwandelnde Kraft erleben werden, die darin liegt, unseren wunderbaren Herrn Jesus zu kennen, sobald sie erfahren, was er in Sandras Leben getan hat.«
— Joseph Prince, internationaler Bestsellerautor von Die Kraft des richtigen Glaubens und Seniorpastor der New Creation Church, Singapur
»Ich liebe Sandra McCollom und durfte miterleben, wie die Botschaft, die dieses Buch vermittelt, ihr Leben grundlegend verändert hat. So wie sie ihr eigenes Geliebtsein entdeckt hat, möchte sie nun auch dir helfen, das deine zu entdecken. Du wirst erfahren, dass du bereits durch und durch von Jesus geliebt und gutgeheißen bist.«
— Christine Caine, Gründerin der A21-Kampagne und Bestsellerautorin von Unstoppable
»In diesem Buch erzählt Sandra von ihrem persönlichen Weg, auf dem sie gelernt hat, tagtäglich in Gottes Gnade und zu seiner Freude zu leben. Wenn wir entdecken, welch wunderbaren, liebevollen Vater wir in Gott haben, können wir ein Leben voller Freude und Frieden erfahren. Unser liebender Vater sagte: ›Meine Gnade ist alles, was du brauchst. Meine Kraft zeigt sich in deiner Schwäche‹ (2Kor 12,9). Was auch immer dich heute belastet, bring es zum Herrn. Du bist sein Kind und er kümmert sich gern um dich. Möge Sandras Geschichte dich dazu inspirieren, heute zu ihm zu laufen und ihm zu vertrauen.
— James und Betty Robison, Co-Moderatoren von LIFE Today Television
»Sandra McCollom bietet ihren Lesern die ultimative Ermutigung: Gott erwartet von uns nicht, dass wir perfekt sind, und seine Liebe und Gnade reichen bis dorthin, wo wir gerade persönlich stehen. In einer Welt, die uns oftmals dazu drängt, so perfekt wie möglich zu sein, darf man sich diese Botschaft, die Entspannung und den Frieden der unverbrüchlichen Gnade und Liebe Gottes verspricht, nicht entgehen lassen! Sandra ist wirklich eine großartige Frau Gottes, die etwas zu sagen hat. Dieses Buch ist ein absolutes Muss.«
— Tommy Barnett, Co-Pastor der Phoenix First und Gründer des Los Angeles Dream Center
»Ruhe ist ein Zustand des Seins, in dem wir Frieden haben. In Gott zu ruhen bedeutet völligen Frieden und die Gewissheit, dass wir unser Vertrauen auf ihn setzen können. Das klingt so einfach. Weshalb mühen wir uns dann ab und belasten uns mit unnötigen Ängsten und Frustrationen? Sandra McColloms Buch ist eine ehrliche Schilderung persönlicher Kämpfe und erfahrener Siege in dieser Sache.«
— Dr. Marilyn Hickey, Präsidentin und Gründerin von Marilyn Hickey Ministries
Die englischsprachige Originalausgabe erschien im Verlag WaterBrook Press unter dem Titel I Tried Until I Almost Died. All rights reserved.
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.de abrufbar.
Bibelzitate, sofern nicht anders angegeben, wurden der Neues Leben Bibel entnommen.
Bibelübersetzungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Verlage verwendet. Hervorhebungen einzelner Wörter oder Passagen innerhalb von Bibelzitaten wurden von der Autorin vorgenommen.
Paperback: ISBN 978-3-95933-274-3, Bestellnummer 372274
E-Book: ISBN 978-3-95933-275-0, Bestellnummer 372275
Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlages.
www.gracetoday.de
Für meinen Mann Steve und meine Zwillingsmädchen Angel und Starr. Danke, dass ihr mich liebt und mir verzeiht und uns als Familie einen Neuanfang erlaubt. Ich liebe euch!
FREIES LEBEN
Vorwort von Dave und Joyce Meyer
Es ist uns eine Freude, unsere Tochter Sandra McCollom und ihr neues, spannendes Buch über Gnade vorzustellen. Zunächst sei gesagt, dass Sandra eine ganz wunderbare Tochter ist. Von unseren vier Kindern war sie am leichtesten zu erziehen, einfach weil sie immer gut sein wollte. Als Baby weinte sie nie, weshalb wir mit ihr zum Arzt gingen, weil wir dachten, sie sei viel zu brav –irgendetwas müsse doch mit ihr nicht in Ordnung sein! Der Arzt versicherte uns, dass es Sandra gut gehe und empfahl uns, es einfach zu genießen. Schon damals muss es in Sandras Leben perfektionistische Tendenzen gegeben haben.
Wir mussten mit ansehen, wie Sandra in ihrer Kindheit und Jugend unnötig litt, weil sie sich selbst unter Druck setzte, etwas zu sein, wozu niemand von uns in der Lage ist, nämlich perfekt zu sein. Vielleicht sind deine eigenen Bemühungen um Perfektion ähnlich frustrierend verlaufen. Frieden ist erst möglich, wenn wir Gottes erstaunliche Gnade verstehen, die ihn veranlasste, uns Jesus, das vollkommene Opfer, zu schicken, damit er für unsere Sünden bezahlen und unsere Strafe auf sich nehmen würde. Gnade ist das einzige Gegenmittel, wenn man frustriert ist, sich abmüht und ständig Kummer leidet.
Sandra weiß aus eigener Erfahrung, wie dieser Kampf aussieht, doch glücklicherweise hat sie auch erlebt, wie es ist, frei zu sein. Gott hat ihr in seiner Güte eine echte Offenbarung über die Wirksamkeit seiner Gnade gegeben, die in jedem Bereich unseres Lebens verfügbar ist. Ob wir nun Vergebung für Sünden, Kraft in schwierigen Zeiten, Weisheit für die Elternschaft oder was auch
Wir glauben, dass jeder von Sandras Geschichte profitieren kann und ihren erfrischenden Ansatz genießen wird, Gnade auf eine solch praxisnahe Weise zu lehren, dass man das Erlernte sofort auf das eigene Leben anwenden kann. Wir haben mit eigenen Augen gesehen, wie sie sich verändert hat – und tatsächlich weiter verändert, indem sie Gottes Gnade immer mehr zum Bestandteil ihres täglichen Lebens macht. Die guten Früchte, die an den Zweigen ihres Lebens sichtbar werden, verdrängen die toten Blätter der fleischlichen Werke, die sie frustriert haben und sie wütend auf sich selbst und das Leben im Allgemeinen sein ließen. Heute ist Sandra voller Freude, enthusiastisch, energiegeladen und verliebt in Jesus. Sie liebt es, Menschen zu helfen, und wir sind sicher, dass jeder, der dieses Buch liest, diese Hilfe für sich selbst erfahren wird.
— Dave und Joyce Meyer
10 Ich hab mich fast zu Tode bemüht immer brauchen, so ist Gottes Gnade hinreichend wirksam, alle unsere Bedürfnisse zu erfüllen!
Danksagungen
An Mama und Papa: Ganz großen Dank für all eure Liebe und dafür, dass ihr immer für mich da seid. Ihr seid die Besten!
David, Shelly, Doug, Laura, Dan, Nicol: Ich kann immer herzhaft lachen, wenn wir zusammen sind.
Pastor Jeff und Patsy: Es war eine von Gott gewollte Sache, als wir 2010 in die St. Louis Family Church kamen. Steve, die Mädchen und ich sprechen oft darüber, wie heimisch wir uns hier fühlen.
Cally: Ich bin so dankbar, dass Gott uns diesen Weg der Gnade gemeinsam gehen lässt. Du warst mir bei so vielen Gelegenheiten eine Lebensretterin. Ich schätze unsere Freundschaft sehr.
Pastor Mike und Pennie: Steve und ich sind unendlich dankbar für euch, für eure Führung und euren Rat in all den Jahren, dafür, dass ihr uns so sehr ermutigt habt, und für eure Freundschaft .
Lisa: Wie dankbar ich doch bin, dass Gott dafür gesorgt hat, dass sich unsere Wege kreuzen. Danke, dass du uns immer so unterstützt hast, und danke für deine Gebete und für deine Freundschaft.
Nancy, Katie, Kim, Eva, Renee, Linda: Ich schätze euch Ladys so sehr. Danke, dass ich meine Gedanken zur Gnade auf meinem Weg an euch ausprobieren durfte.
Tom: Danke, dass du mir eine Chance gegeben hast.
Steve: Danke, dass du an mich und mein Buch geglaubt hast.
Laura: Danke, dass du ein Genie bist und mich durch diesen gesamten Prozess geführt hast.
An alle, die sich die Zeit genommen haben, ihre Geschichte für mein Buch aufzuschreiben: Ich danke euch vielmals. Ich weiß euch wirklich zu schätzen.
DER AUSBRUCH
Ausbruch aus dem Gefängnis
Frei werden von den Fesseln endloser Erwartungen
Soweit ich mich zurückerinnern kann, lebte ich bis zu meinem 42. Lebensjahr in einem Gefängnis – nicht in einem aus Backstein und Mörtel errichteten, sondern in einem geistigen Gefängnis, eingesperrt durch Gesetzlichkeit, Regeln und Vorschriften. Ich errichtete Mauern um mich herum, um einen Ort der Sicherheit und Geborgenheit zu schaffen. Diese Begrenzungen sollten sicherstellen, dass ich niemals aus der Reihe tanzen und dadurch ein Scheitern riskieren würde. Ich wollte mir auf keinen Fall Gottes Missfallen zuziehen und weniger als perfekt sein.
Doch anstatt mich sicher zu fühlen, hatte ich ständig das Gefühl, mehr tun, mehr sein, mehr erreichen zu müssen.
So gut wie alles, was ich tat, war von der Überzeugung getrieben, ich müsse es tun, ich sollte es tun, ich dürfe es nicht unterlassen oder es sei meine Pflicht. Selten habe ich etwas getan, weil ich es wollte. Ich las die Bibel, weil ich dachte, ich müsse es tun, denn sonst sei Gott verärgert. Und hättest du mich gefragt, ob ich jeden Tag regelmäßig Zeit mit Jesus verbrachte, weil ich es für meine Pfl icht hielt oder weil ich es tatsächlich wollte, hätte ich dich angeschaut, als wärst du nicht ganz bei Trost. Seit ich ein kleines Mädchen war, hatte ich ein empfängliches Herz für Gott, und ich sprach immer
Ausbruch aus dem Gefängnis 15
Ich frage mich, ob du in einem ähnlichen Gefängnis sitzt, gefangen in dem Gefühl, dass du nie genug tun oder genug sein kannst, um deinen inneren Drang nach mehr Vollkommenheit zu befriedigen. Lebst du mit einer nicht enden wollenden, Schuldgefühle verursachenden Liste von Erwartungen? Wenn ja, kannst du dich vielleicht mit meiner Geschichte identifizieren, die mich jahrelang dem makellosen Leben hinterherjagen ließ, das ich mir für mich selbst vorstellte.
Beherrscht von Regeln
Hätte man mich während eines Großteils meines Erwachsenenlebens gefragt, ob ich glücklich sei, so hätte ich aus tiefstem Herzen erwidert: »O ja, total glücklich.« In Wahrheit war ich angespannt, labil und extrem furchtsam – und ob du es glaubst oder nicht, ich war mir dessen nicht bewusst. Mein extremer Ehrgeiz, meine persönlichen Ziele zu erreichen, täuschte über den in mir vor sich gehenden Kampf hinweg.
Ich stand fast jeden Morgen schon früh auf, um voller Enthusiasmus meine unrealistische, kilometerlange Liste zu erledigender Dinge in Angriff zu nehmen. Unweigerlich scheiterte ich daran, alle Punkte auf meiner Liste abzuarbeiten, doch irgendwann zwischen dem Ende des Tages und dem nächsten Morgen sorgte meine Willenskraft dafür, dass ich mich wieder aufrappelte und es von neuem versuchte, immer und immer wieder. Von meiner Persönlichkeit her bin ich sowohl melancholisch als auch optimistisch veranlagt, und der optimistische Teil half mir trotz der
16 Ich hab mich fast zu Tode bemüht davon, wie sehr ich ihn liebte, doch bis ins Erwachsenenalter hinein war ich nicht besonders gut darin, mich von ihm lieben zu lassen.
Heute ist der Tag, an dem ich es richtig machen werde. Ich werde die Kurve kriegen. Ich werde es ihnen zeigen, dachte ich. Ich bin mir nicht sicher, wen ich mit »ihnen« meinte, doch inzwischen ist mir klar, dass ich mir und der Welt unbedingt beweisen wollte, dass ich eine gute Christin, eine gute Ehefrau, eine gute Mutter, eine gute Tochter, eine gute Schwester, eine gute Angestellte und eine gute Freundin war. In irgendeinem Lebensbereich Defizite aufzuweisen, war für mich einfach inakzeptabel. Ich erwartete von mir und meiner Familie jederzeit Höchstleistungen.
Regeln waren meine besondere Spezialität. Fast alles im Haushalt der McColloms lief nach einer Regel ab. Wir müssen das Haus immer in Ordnung halten, damit es Mama nicht peinlich ist, wenn Leute vorbeikommen. Wir müssen ausreichend Wasser trinken oder es droht wieder eine Standpauke von Mama über die Wichtigkeit von Wasser für unsere Gesundheit. Wir müssen uns gesund ernähren und dürfen nur einmal in der Woche Nachtisch haben, weil wir dem Fleisch keinen Raum geben dürfen, immer mehr zu wollen. Wir müssen »bitte« und »danke« sagen, besonders vor anderen Leuten, damit sie Gutes von Mama denken. Wir dürfen unsere Schulbücher nur tagsüber auf dem Küchentisch ablegen und sie nicht im Haus herumliegen lassen. Wir müssen unsere Schularbeiten tagsüber erledigen, sonst werden wir auch noch abends daran sitzen (obwohl Flexibilität einer der Gründe war, warum wir uns überhaupt für den Heimunterricht entschieden haben). Wir müssen unsere Playlist aus dem Soundsystem löschen, wenn wir mit Musik hören fertig sind, damit es nicht von der nächsten Person, die es benutzt, getan werden muss, sonst bekommen wir
Ausbruch aus dem Gefängnis 17 Erfahrungen, die ich machte und die ich als Scheitern betrachtete, positiv zu bleiben. Jeden Morgen sagte ich mir (und glaubte es von ganzem Herzen): »Heute wird es besser als gestern«, während ich mir vorstellte, wie ich die Aufgaben auf meiner Liste abhakte.
Und wir dürfen nicht vergessen, den Wasserhahn richtig trocken zu wischen, sonst müssen wir zurück ins Bad marschieren und es noch einmal machen. Wir müssen alle zwei Wochen das ganze Haus putzen, auch wenn es nicht schmutzig aussieht.
Und ich kann dir sagen, das war erst der Anfang! Diese Liste ist lediglich ein kleiner Auszug aus den vielen Vorschriften, die meiner Welt die Illusion von Ordnung, Sicherheit und Kontrolle verliehen und somit unsere Tage beherrschten.
Wenn ich zurückblicke, kann ich mir wirklich nicht vorstellen, wie jemand all meine Regeln hätte befolgen können. Ich war als Ehefrau und Mutter nicht gemein oder kleinlich, jedoch war ich äußerst reglementiert. Wenn meine Mädchen bei etwas nicht gehorchten – wie hätte es bei all den Regeln auch anders sein sollen –, war ich der Meinung, dass sie eine angemessene Bestrafung brauchten, Punkt, Ende der Diskussion. Schließlich musste ich meinen Ruf als gottesfürchtige Mutter aufrechterhalten. Sicherlich hat ein geordnetes Zuhause seine Vorteile, doch meine Forderung nach strikter Einhaltung dieser Regeln ließen meine Mädchen in ständiger Angst leben, gegen die Vorschriften zu verstoßen. Wir alle lebten in Frustration. Meine Mädchen hatten das Gefühl, den Anforderungen nie gerecht werden zu können, und ich war es leid, meine unzähligen Regeln durchsetzen zu wollen. Wir alle brauchten dringend Barmherzigkeit, doch ich konnte nicht über die Beschränkungen und Richtlinien hinausblicken, die mich gefangen hielten.
Und ob du es glaubst oder nicht, mir selbst legte ich noch mehr Regeln auf als allen anderen.
18 Ich hab mich fast zu Tode bemüht einen Vortrag darüber, wie wichtig es ist, Rücksicht auf andere zu nehmen. Wir müssen gehorsam sein. Wir müssen unser gesamtes Wii-Zubehör ordentlich wegräumen, wenn wir mit Spielen fertig sind. Wir müssen jeden Tag unser Waschbecken sauberwischen.
Ich war zum Beispiel besessen davon, mich selbst gesund zu ernähren, meine Familie mit gesunden Lebensmitteln zu versorgen, Sport zu treiben und alles zu beachten, was mit Gesundheit zu tun hatte. Ich studierte die Angaben auf allen Lebensmitteln, die ich kaufte, und auf allen Körperpflegeprodukten, die wir zu Hause verwendeten, wie zum Beispiel Zahnpasta, Shampoo und Handseife. Ich verbrachte Stunden am Computer, um die verschiedenen Inhaltsstoffe der einzelnen Produkte zu recherchieren, damit ich weder meiner Familie noch mir selbst schaden würde.
Das Problem war nicht, gesunde Ernährung und die Verwendung von schadstoff freien Körperpflegeprodukten für wichtig zu halten, sondern die Tatsache, dass ich in diesem Bereich meines Lebens völlig von Angst beherrscht wurde. Anstatt mit den Informationen, die ich hatte, weise Entscheidungen zu treffen und darauf zu vertrauen, dass Gott mich leitet, tat ich so, als könne nur ich für die Gesundheit meiner Familie sorgen. Und doch hatte ich in jener Zeit, als die Produkte in unserem Haus wahrscheinlich so gesund waren wie zu keinem anderen Zeitpunkt, mehr Gesundheitsprobleme als in meinem ganzen übrigen Leben zusammengenommen. Ich glaube nicht, dass Gott mir die Gesundheitsprobleme verpasste, und ich glaube auch nicht, dass die gesunden Produkte ihre Wirkung verfehlten. Weißt du, was ich denke? Ich denke, der Stress hat mein Leben aufgezehrt und meine Gesundheit untergraben – der Stress, perfekt sein zu wollen und alles unter Kontrolle zu haben, ohne zu bedenken, was Jesus durch sein am Kreuz vollbrachtes Werk für mich bewirkt hat.
Ich war völlig erschöpft, weil ich ununterbrochen auf meiner Tretmühle der erreichten Erfolge lief. Ich gönnte mir nur an solchen Tagen eine Pause, an denen ich alle meine Aufgaben erledigt hatte. Diese Pausen dauerten jedoch immer nur kurz, denn ich wollte meinen Schwung nicht verlieren. Ich musste weitermachen, um
Ausbruch aus dem Gefängnis 19
Wir alle brauchten dringend Barmherzigkeit, aber ich konnte nicht über die Beschränkungen und Richtlinien hinausblicken, die mich gefangen hielten.
Im Alter von neununddreißig Jahren wurde ich sogar Sprinterin im Leistungssport. Dies war ein weiteres Mittel, mit dem ich meinen Wert und meine Bedeutung unter Beweis stellen wollte. Es ging mir nicht darum, andere zu schlagen, ich liebte es einfach, meine bisherige Bestzeit zu unterbieten, ähnlich wie zu Hause, wo ich im Wettkampf gegen meine Aufgabenliste antrat.
Ich wollte unbedingt Frieden empfi nden, schien ihn mir aber nie sehr lange bewahren zu können. Ich gab meinen Umständen und meinem Zeitplan die Schuld. Jedes Mal, wenn jemand meinen Plan störte, besonders am Ende des Tages, wenn ich merkte, dass ich nicht alles erledigen konnte, geriet ich in Panik. Ich rannte durchs Haus, um alles zu erledigen, und ließ dabei immer wieder negative, frustrierte Kommentare fallen: »Ich komme mir vor, als würde ich ständig nur arbeiten.« Nun, damit hatte ich sicherlich recht. Ich wusste nicht, wie ich meinen persönlichen Wert und meine Bedeutung in etwas anderem als der Arbeit finden sollte. Manchmal stieß ich auch etwas hervor wie: »Warum muss immer ich an alles denken, was hier zu tun ist?«, während ich den Rest meiner Familie dafür verurteilte, dass keiner von ihnen die Initiative ergriff, wie sie es meiner Ansicht nach hätten tun sollen.
20 Ich hab mich fast zu Tode bemüht mir und allen anderen zu beweisen, dass sich mein Leben und meine Anstrengungen lohnten. Also trieb ich mich weiter an, hetzte umher, völlig außer Atem. Ich … muss … weiter… machen!, schrie mein Verstand.
In Gesprächen mit anderen, vor allem mit Frauen, habe ich festgestellt, dass diese Neigung, andere für das Erreichen der Ziele, die wir uns selbst setzen, verantwortlich zu machen, nur allzu verbreitet ist. Marla zum Beispiel fragt dann: »Warum bin ich die Einzige, die sich hier kümmert?« Jody beschreibt ihren inneren Dialog folgendermaßen: »Normalerweise beginnt es damit, dass ich denke: Was hast du heute gemacht? Und dann zähle ich im Kopf auf, wie viele Windeln ich gewechselt und welche Mengen Wäsche ich gewaschen und wieder weggeräumt habe. Ich denke darüber nach, welche Mahlzeiten ich gekocht habe, wie oft ich die Küche danach wieder saubergemacht und wie viele Male ich den Boden gewischt habe.« In ihren Momenten der totalen Überforderung fragt sich Carla: Warum mache ich mir überhaupt die Mühe? Es ist ja nicht so, als würde es jemals jemand bemerken.
Chrissie hat das Mantra, das so viele von uns unter ständigen Druck setzt, perfekt auf den Punkt gebracht: »Wenn ich es nicht erledige, tut es keiner.« Für viele von uns – und ganz gewiss für mich in den Tagen, als das Leben noch von meinen Regeln und Vorschriften bestimmt wurde – ist der Gedanke, es könne etwas unerledigt bleiben, völlig inakzeptabel, ganz gleich, wie viel Stress das Festhalten an dem Ziel verursachen mag.
Mein Mann, Steve, ist ein friedliebender Mensch. Er musste mit ansehen, wie sehr mich das Leben immer wieder frustrierte, und er betete dafür, dass ich erkennen möge, was ich mir selbst antat. Bei einigen Gelegenheiten versuchte er, mit mir darüber zu sprechen, doch ich ging jedes Mal sofort in Abwehrhaltung: »Nun, ich fi nde schon, dass ich sehr friedvoll bin. Du siehst nur nie, was ich hier alles so tue.« Kannst du dir vorstellen, dass ich tatsächlich die Dreistigkeit besaß, das zu sagen? Steve konnte von meiner angeblichen Friedlichkeit nichts bemerken, weil sie einfach nicht real war. Daran erkennt man, in was für eine betrügerische Falle
Ausbruch aus dem Gefängnis 21
Heute weiß ich, dass es ein Wunder Gottes ist, dass mein Mann und meine Kinder mich nicht zu hassen begannen. Ich hatte zwar auch eine lebensfrohe, quirlige Seite, doch emotional war ich völlig instabil. Manchmal hatte ich das Gefühl, mein Leben zu hassen, was keinen Sinn machte, weil ich einen wunderbaren Mann und zwei wunderschöne Mädchen habe. Die Spannungen in unserem Haus wurden von Jahr zu Jahr größer, da ich mich fast ununterbrochen selbst unter Druck setzte und in einem ständigen Zustand der Angst lebte. Ich bekam gesundheitliche Probleme, darunter eine Zyste von der Größe einer Honigmelone. Ich war unter Gefühlen der Schuld und Verdammnis begraben und absolut davon überzeugt, dass meine körperlichen Probleme eine Strafe Gottes für meine Unzulänglichkeiten waren.
Was ist mit dir? Bist du es leid, unter einem Berg von Schuld und Verdammnis begraben zu sein? Hast du es satt, dein Leben von deinen Ängsten bestimmen zu lassen? Lass mich dir ein Geheimnis verraten, das ich schließlich für mich selbst erfahren habe: Mit Schuldgefühlen und Verurteilung und noch mehr Anstrengung können wir uns nicht befreien. Nichts davon wird uns zu dem ersehnten Ziel der süßen Freiheit führen. All das dient nur dazu, uns zu schwächen und uns noch tiefer in die Entmutigung zu stürzen.
Es gibt jedoch einen Weg, wie du von allen Schuldgefühlen und aller Verurteilung frei werden kannst. Ich weiß, dass dies wahr ist, denn heute genieße ich diese Freiheit endlich. Nach Jahren der immer größeren Anstrengung bin ich endlich dem Gefängnis entkommen, in dem ich so lange gefangen war.
22 Ich hab mich fast zu Tode bemüht der Teufel mich gelockt hatte. Ich fühlte mich durch meine Unfähigkeit, mit dem Leben Schritt zu halten, bereits so stark verurteilt, dass ich einfach keine Ratschläge oder Korrekturen annehmen konnte. Ich konnte es nicht ertragen, mich noch schlechter zu fühlen, als ich es ohnehin schon tat.
Alles begann damit, dass ich es derart satthatte, das Leben als Christ so zu leben, wie es meiner Auffassung nach gelebt werden sollte, dass ich schließlich ans Ende meiner Kräfte gelangte. In der letzten Woche des Jahres 2011 kam ich an den Punkt, dass ich innerlich zu Gott schrie. Ich kann so nicht mehr leben, sagte ich ihm. Ich bin so müde, Gott. Ich schaffe das nicht mehr. Ich brauche dringend Hilfe.
Und genau das hatte er schon die ganze Zeit hören wollen!
Gott schreitet ein
Nachdem ich jahrelang nach meiner eigenen langen Liste von Vorschriften gelebt hatte, begann der Geist der Unabhängigkeit, der mich angetrieben hatte, schließlich zu brechen und ich gab zu, dass ich Hilfe brauchte.
Laut meinem digitalen Tagebuch geschah das am 2. Januar 2012 um 5:30 Uhr. Ich hatte gerade meine Andachtszeit begonnen. Ich war noch nie ein großer Befürworter von Neujahrsvorsätzen gewesen, wahrscheinlich weil ich tief in meinem Inneren wusste, dass sie nur weitere Regeln zu meiner langen Liste hinzufügen würden, also noch mehr Gelegenheiten für mich, wieder einmal hinter meinen Erwartungen zurückzubleiben. Dennoch fragte ich
Gott an jenem Tag zögernd, ob er irgendeine bestimmte Aufgabe für mich habe, die ich im kommenden Jahr erfüllen solle.
Nun, er trug mir natürlich nicht auf, noch mehr zu tun, dennoch hatte er mir eine Menge zu zeigen an jenem Morgen. Ich erinnere mich, dass ich so schnell Wörter in mein Tagebuch tippte, dass ich kaum hinterherkam.
Ausbruch aus dem Gefängnis 23
Ich habe Gott gesagt, dass ich 2012 weniger nachdenken und mehr lachen möchte … Ich mache mir viel zu viele Gedanken über die Dinge, und dieses Jahr möchte ich mehr so leben, wie Jesus es getan hat.
Mit einem Mal spürte ich, wie mich die Liebe Gottes wie eine gigantische Welle überspülte. Ich tippte so schnell ich konnte, während immer neue Gedanken und Eindrücke in mein Herz strömten.
Ich habe mir immer gewünscht, mehr wie Jesus zu leben, voller Frieden und Lachen, und gestern wurde mir plötzlich etwas klar. Jesus hatte es nie eilig und er war nie gestresst. Er war in keinem Wettlauf mit sich selbst, um herauszufinden, wie viel er erreichen könnte. Er lebte einfach jeden Tag in einer engen Beziehung zu seinem Vater und tat den Menschen Gutes! Ich steige aus dem Zug der ständigen Leistung aus. Ich bin fertig mit den Bemühungen, meinen Wert und meine
Bedeutung aus dem zu beziehen, was andere Leute über mich denken, oder auch nur aus dem, was ich von mir selbst denke. Gott sieht mich als so wertvoll an, dass er seinen einziggeborenen Sohn sandte, um am Kreuz für mich zu sterben und mich vor mir selbst zu retten. So sehr liebt mich Gott. Ich empfange seine Liebe. Ich nehme sie in diesem Moment bewusst in mich auf, so wie die Luft, die ich atme. Ich vertraue auf Christus, und ich glaube, dass Gott es mir und meiner Familie ermöglichen wird, in diesem Jahr mehr Menschen zu helfen, als es jemals zuvor möglich war. Jesus hatte es nicht eilig, und ich sollte es auch nicht eilig haben. Zu viel zu tun zu haben – und deshalb in Eile zu sein –, ist wohl eine der schlimmsten Täuschungen, die der Teufel
24 Ich hab mich fast zu Tode bemüht
Wir können zwar unsere Liste abhaken, aber nicht unbedingt Gottes Liste für den Tag.
Während ich dies alles eintippte, spürte ich eine starke Berührung durch den Heiligen Geist. Es fühlte sich an, als würde er mir die Augen für eine Menge Dinge öff nen. Die Täuschung, die mich für Gottes Liebe und Gnade blind gemacht hatte, löste sich Schicht für Schicht. Ich musste der Tatsache ins Auge blicken, dass ich in vielerlei Hinsicht einem irregeleiteten Denken gefolgt war. Manche Menschen, die solche seelischen Qualen erleben, wie ich sie erlebt habe, sind entweder in gesetzlich orientierten Elternhäusern aufgewachsen oder haben in ihren Kirchen eine Menge gesetzlicher Lehren zu hören bekommen. Sie haben laufend Botschaften über die »Du sollst« und »Du sollst nicht« ihres Glaubens erhalten.
Bei mir war das nicht der Fall. Ich bin in einem liebevollen Zuhause mit wunderbaren Eltern aufgewachsen und hatte das Privileg, seit meiner Kindheit Teil von vielen wirklich großartigen Gemeinden zu sein. Man hatte mir schon früh die Wahrheit über Gottes Gnade beigebracht. Aber irgendwann unterstellte ich mich in dem Bemühen, Gott zu gefallen, dem Gesetz. Niemand sonst hat mich diesen Regeln und Vorschriften unterworfen. Ich habe es mir selbst angetan – und nicht nur das, ich war mir nicht einmal bewusst, was ich da tat. Was Gott anging, war ich voller Ängste und falscher Vorstellungen, doch er stand nun im Begriff, mir die Wahrheit über seine Herzenshaltung in Bezug auf mich in einer persönlichen Offenbarung zu zeigen.
Ausbruch aus dem Gefängnis 25 den Menschen je untergejubelt hat. Wenn wir in Eile sind, können wir Gott nicht zu uns reden hören, wir können nicht gleichbleibend liebevoll gegenüber anderen sein und wir können nicht erreichen, was Gott für uns vorgesehen hat.
Als ich am nächsten Tag über diese ganze Erfahrung nachdachte und insbesondere darüber, wie ich den Großteil meines bisherigen Lebens in meinen eigenen Regeln und Prioritäten gefangen gewesen war, tat ich Buße über mein törichtes Verhalten in diesem Bereich und betete dann folgende Worte:
Gott, bitte hilf mir, dieses Jahr so zu leben, wie du es für mich möchtest … wie Jesus leben würde, wenn er noch hier auf der Erde wäre. Hilf mir, all meine Erwartungen an mich selbst fallen zu lassen und mich einfach jeden Tag mitten in deinen Plan für mich fallen zu lassen. Wenn ich nun damit anfange, hilf mir, nicht arrogant zu werden, sondern dich einfach zu verherrlichen! Bitte hilf mir, mich vorzubereiten, um dann bereit zu sein, jederzeit von dir gebraucht zu werden.
Ich liebe dich, und ich bete dies im Namen Jesu.
Ich sagte niemandem etwas über diese Veränderung meiner Sichtweise. Stattdessen beobachtete ich in den nächsten Wochen mit Vorsicht, wie ich in einem Frieden lebte, den ich nie zuvor gekannt hatte. Ich reagierte auf alles ganz anders, und es gab in meinem Leben nicht mehr die Frustration und die Angst, die mich zuvor ständig begleitet hatten.
Eine der ersten persönlichen Veränderungen, die ich nach diesem 2. Januar bemerkte, betraf die Tatsache, dass ich aufhörte, mit mir selbst um die Wette zu laufen. Ich war aus der Tretmühle nicht nur ausgestiegen, ich konnte sie nicht einmal mehr finden. Es war total ungewohnt, einfach zu leben, ohne mir die ganze Zeit über etwas beweisen zu müssen. Es fühlte sich jedoch absolut wunderbar an! Ich dachte ständig: Ist das echt? Hat Gott am zweiten Januartag etwas getan, das mich dauerhaft verändert hat? Ich beschloss, weiter abzuwarten und zu beobachten.
26 Ich hab mich fast zu Tode bemüht
Hier ist ein Tagebucheintrag vom 28. Januar:
Mir scheint, ich habe ein wahres Wunder erlebt, was meine Sicht auf das Leben betrifft und wie ich auf das Leben reagiere. Ich bin derart entspannt, dass ich es kaum glauben kann.
Nachdem dieser innere Frieden in den nächsten Wochen anhielt, dachte ich: Wenn ich Steve nicht bald erzähle, was los ist, warum ich nicht mehr so hektisch bin, könnte er anfangen, sich über mich Gedanken zu machen. Also sagte ich ihm unter Tränen: »Gott hat etwas in mir verändert. Ich spüre den Unterschied.« Dann erzählte ich ihm, was ich soeben dir erzählt habe. Bald darauf setzten wir uns mit unseren Mädchen zusammen, um über die Veränderung in meinem Herzen zu sprechen und darüber, wie sich diese Veränderung auf unser Zuhause auswirken sollte.
Nachdem Gott die Scheuklappen von meinen Augen entfernt hatte, half er mir auch, die Ursachen für die Frustrationen in der Beziehung zwischen mir und meinen Mädchen zu erkennen. Er zeigte mir, dass sie sich nicht um ihrer selbst willen geliebt fühlten, besonders dann nicht, wenn sie Fehler machten. Ich konnte ihnen keine bedingungslose Liebe schenken, weil ich nicht wusste, dass Gott mich bedingungslos liebt. Meistens stellte ich mir vor, Gott stehe mit diesem ernsten Blick über mir und warte nur darauf, dass ich Fehler machte, und wenn ich es tat, hatte ich das Gefühl, von ihm getrennt zu sein, bis ich mich wieder »auf der Reihe« hätte. Ich hatte meine Kinder so behandelt, wie ich mich selbst von Gott behandelt glaubte. Gott hat mir jedoch in seiner Barmherzigkeit und Gnade geholfen, all das wieder in Ordnung zu bringen, und jetzt lernen wir gemeinsam als Familie jeden Tag seine unendliche Barmherzigkeit und erstaunliche Gnade besser kennen. Das soll nicht heißen, dass ich jetzt perfekt bin. Ich mache immer
Ausbruch aus dem Gefängnis 27
Komm mit mir auf eine unglaubliche Reise
An jenem Januartag führte mich der Heilige Geist auf eine fantastische Reise und begann mich zu lehren, anders darüber zu denken, wie er über mich denkt! Ich fühlte mich wie Hiob, der sagte: »Ich hatte von dir [nur] mit dem Ohr gehört, aber jetzt sieht dich mein [geistliches] Auge« (Hiob 42,5 amp). Der Heilige Geist half mir – und hilft mir immer noch –, die Wahrheit über Gott als eine das Herz formende Offenbarung zu sehen, und nicht als bloßes Kopfwissen.
Durch sein Wort und durch die biblische Lehre anderer begann Gott mir zu offenbaren, dass ich unter dem Gesetz anstatt unter seiner Gnade gelebt hatte. In den nächsten zwölf Monaten veränderte Gott mein Denken und meinen Glauben radikal, was wiederum mein Leben, meine Ehe, meine Erziehung und meine Freundschaften veränderte – ganz zu schweigen von meiner Liste der Erwartungen.
Ich hatte einen entscheidenden, lebensverändernden Moment, als ich Joyce Meyers Buch Tu dir selbst einen Gefallen – vergib! las. Obwohl Joyce meine Mutter ist und ich diese Wahrheiten schon früher von ihr gehört hatte, sprach Gott dieses Mal beim Lesen zu meinem Herzen und ich verstand endlich, dass ich wirklich wütend auf mich selbst war, weil ich meine Erwartungen an mich selbst nicht erfüllte. Wie schon gesagt, sah ich früher am
28 Ich hab mich fast zu Tode bemüht noch Fehler, und an manchen Tagen kommt es mir so vor, als täte ich nichts anderes. Doch wenn es passiert, entschuldige ich mich bei meinen Mädchen und bitte sie, mir zu vergeben. In unserer Familie vergeben wir gerne, weil wir wissen, dass uns viel vergeben wurde.
Ende eines jeden Tages nur die Dinge, die noch auf meiner Liste standen und unerledigt geblieben waren. Ich habe mich nicht über die Dinge gefreut, die ich tatsächlich geschafft hatte. Ich war ein Alles-oder-Nichts-Mensch. Ich erinnere mich noch genau an den Tag – einige Wochen nach meiner unglaublichen Erfahrung mit Gott an jenem 2. Januar –, an dem ich beschloss, mir selbst dafür zu vergeben, dass ich meinen Erwartungen an mich nicht gerecht geworden war.
So lange Zeit hatte ich versucht, perfekt zu sein, um Gott zu gefallen, und dabei nicht verstanden, warum es mir nicht gelang, diesem vermeintlichen Anspruch gerecht zu werden. Gott öffnete mir jedoch die Augen für die Schönheit der Gnade, für die Wahrheit, »dass wir absolut unfähig sind, das herrliche Leben zu führen, das Gott für uns will, [also] tat Gott es für uns. Aus lauter Großzügigkeit hat er uns in die Stellung der Gerechtigkeit vor ihm gebracht. Ein reines Geschenk« (Röm 3,23–24 msg).
So lange Zeit hatte ich versucht, perfekt zu sein, um Gott zu gefallen, und dabei nicht verstanden, warum es mir nicht gelang, diesem vermeintlichen Anspruch gerecht zu werden. Gott öff nete mir jedoch die Augen für die Schönheit der Gnade.
In den letzten Jahren verstand ich dieses kostbare Geschenk immer besser und habe Folgendes gelernt: Gnade ist Gottes unverdiente, nicht erarbeitete und nicht durch Eigenleistung erworbene Gunst. Wenn wir Gottes Gnade durch den Glauben empfangen, bewirkt sie seine göttliche Befähigung in unserem Leben. Es ist jedoch wichtig, immer daran zu denken, dass diese Befähigung
Ausbruch aus dem Gefängnis 29
Kein Wunder, dass ich so erschöpft und frustriert war. Jahrelang hatte ich das Geschenk der Gnade abgelehnt und versucht, mich Gott auf Grundlage meiner eigenen Kraft und Verdienste zu nähern. In 1. Petrus 5,5 heißt es, dass Gott den Hochmütigen widerstehe, den Demütigen aber Gnade schenke. Als er die Scheuklappen von meinen Augen entfernte, beschäft igte ich mich immer weniger mit meinem persönlichen Wohlverhalten und meinen eigenen Anstrengungen und stattdessen immer mehr mit Christus – und »die Gnade unseres Herrn wurde reichlich über mich ausgegossen, zusammen mit dem Glauben und der Liebe, die in Christus Jesus sind« (1Tim 1,14 niv).
Jetzt, unter der Gnade, ist alles anders. So zu leben gibt mir ein starkes Verlangen nach ihm. Meine Liebe zu Jesus ist größer geworden, als ich es je für möglich gehalten hätte. Das Wort Retter hat für mich eine ganz neue Bedeutung bekommen! Erinnerst du dich, dass ich in meinem Tagebucheintrag den Entschluss fasste, Gottes Liebe bewusst in mich aufzunehmen, so wie die Luft, die ich atme? Diese Praxis habe ich bis heute beibehalten. Seine Liebe zu empfangen, ist für mich so real und einfach geworden wie das Atmen.
30 Ich hab mich fast zu Tode bemüht allein von Jesus kommt, nicht von uns. Wahre Gnade entsteht niemals durch unser persönliches Wirken. Paulus, der größte Apostel der Gnade, beschreibt diese Wahrheit sehr klar in Römer 11,6: »Wenn aber aus Gnade, so ist es nicht mehr um der Werke willen; sonst ist die Gnade nicht mehr Gnade; wenn aber um der Werke willen, so ist es nicht mehr Gnade, sonst ist das Werk nicht mehr Werk.« Wahre Gnade verweist uns immer auf Jesus und auf das, was er getan hat, und nicht auf uns selbst oder auf etwas, was wir tun müssen. Gnade macht uns Jesus-bewusst statt selbst-bewusst!1
Als ich die Wahrheit über die Gnade zu erkennen begann, entwickelte ich auch ein unstillbares Verlangen, die Bibel zu studieren. Ich kann immer noch nicht genug davon bekommen! Wenn es Zeit ist, ins Bett zu gehen, wünsche ich mir oft, es wäre schon wieder Morgen, damit ich aufstehen und noch mehr Zeit mit Gott verbringen könnte, während ich sein Wort studiere. Nachdem Gott mein fehlerhaftes Denken entwirrt und korrekt wieder aufgespult hatte, begann ich, die Bibel mit ganz neuen Augen zu lesen. Der Heilige Geist führte mich zunächst dazu, das Johannesevangelium zu lesen und dabei insbesondere auf die Worte Jesu zu achten. Ich konnte nicht glauben, was ich da las. In denselben Versen, in denen ich immer eine geistliche To-do-Liste gesehen hatte, sah ich jetzt das Geschenk der Gnade – eine Einladung, allein in seiner Kraft zu ruhen!
Hier ein Beispiel. In Johannes 8,36 (amp) heißt es: »Wenn also der Sohn euch befreit [euch zu freien Menschen macht], dann seid ihr wirklich und ohne Zweifel frei.« Ich hatte diesen Vers schon viele Male zuvor gelesen, doch erst jetzt ging mir ein Licht auf. »Oh, ich verstehe«, sagte ich laut. »Wenn Jesus mich frei macht, dann bin ich wirklich frei, wohingegen ich auch dann nicht wirklich frei bin, wenn meine eigenen Anstrengungen mich scheinbar frei gemacht haben.«
Gott wollte mir bewusst machen, dass ich mich ihm – oder anderen – nicht ständig beweisen musste. Er zeigte mir, dass ich meinen Selbstwert mit einer langen Liste von Dingen gestützt hatte. In Sprüche 3,5 (amp) heißt es: »Stütze dich auf den Herrn, vertraue auf ihn und habe Zuversicht in ihm«. Welch eine Erleichterung in der Vorstellung lag, mich auf die ewigen Arme des Herrn stützen zu können, anstatt eine nicht enden wollende Liste abarbeiten zu müssen. Ich wusste, dass dieser Vers nicht mein gegenwärtiges
Ausbruch aus dem Gefängnis 31
Leben beschrieb, doch er zeigte, wo Gott mich hinführen wollte. Es war sein Ziel für mich.
Und es ist auch sein Ziel für dich!
Vielleicht wird dir allmählich klar, dass du zu viel Zeit mit der Jagd nach Sicherheit und Selbstwert verbringst, die dein Gefühl für die eigene Bedeutung stärken sollen. Geld, Besitz, Familie, Schönheit, körperliche Fitness, Karriere, Titel, Auszeichnungen, Diplome, Intelligenz, Humor, Selbstgerechtigkeit, erlangte Siege, Errungenschaften, Traditionen, Trends, immer ein blitzblankes Haus zu haben, die To-do-Liste komplett abzuhaken, bei anderen gut dazustehen – all das und mehr kann unsere Aufmerksamkeit voll in Anspruch nehmen und uns der Freiheit berauben, die aus dem Ruhen in Gottes Gnade kommt.
Als ich zu einem tieferen Verständnis von Gottes Liebe zu mir gelangte, begann er mir zu zeigen, dass ich mich gleich auf mehrere der soeben aufgelisteten Punkte stützte, vor allem auf die gute Meinung anderer Menschen von mir. Ich hatte ein schmerzhaftes Gefühl in meinem Bauch, wenn ich keine äußeren Zeichen der Ermutigung bekam, und sei es nur ein einfaches Dankeschön für eine freundliche Geste gegenüber einer Person. Natürlich ist es nicht verkehrt, wenn man gern ermutigt werden möchte, solange man nicht anfängt, sich dafür von anderen abhängig zu machen, oder wütend wird, wenn die Ermutigung ausbleibt.
Ich erkannte, dass Gott uns bereits sein eigenes Gütesiegel verpasst hat. »Gott aber ist es, der uns mit euch auf Christus hin stärkt und der uns gesalbt hat. Er hat uns auch sein Siegel aufgedrückt und als ersten Anteil den Geist in unsere Herzen gegeben« (2Kor 1,21–22 eü). Obwohl es ein schmerzhafter Prozess war, den ich zu durchlaufen hatte, tat Gott mir einen großen Gefallen, als er mir half, meine Sicherheit allein in Christus zu verankern. Wahre Freiheit entsteht aus dem Wissen, dass wir von Gott geliebt sind,
32 Ich hab mich fast zu Tode bemüht
Ausbruch aus dem Gefängnis 33 und zwar bedingungslos. Unser Selbstvertrauen, unser Wert und unsere Bedeutung hängen nicht davon ab, wie andere auf uns reagieren oder was wir heute geleistet haben, sondern sind fest in Christus allein verankert.
Vielleicht geht es dir wie mir: Du hast deine Errettung aus Gnade empfangen, doch dann hast du versucht, dein weiteres Leben als Christ selbst in die Hand zu nehmen, in dem Bemühen, Gott zu gefallen. Wenn dem so ist, möchte ich dir im Folgenden von der Freiheit erzählen, die ich gefunden habe, und von der Freude, die auch dir zuteilwerden kann – einfach, indem du dich entscheidest, in Gottes wunderbarer Gnade zu ruhen.
2
Wenn wir ans Ende
unserer selbst gelangen
Wie die Verheißung der Gnade unseren erschöpften Seelen Ruhe bringt
Fragst du dich manchmal, ob du genug für Gott getan hast? Suchst du nach einer To-do-Liste, die du für Gott erfüllen musst, um für ihn annehmbar zu sein? Wenn du mit Sünde kämpfst, denkst du dann, du könntest sie überwinden, wenn du dich nur mehr anstrengen würdest? Fällt es dir schwer, Gefühle der Schuld und Verurteilung abzuwehren, wenn du gesündigt hast? Hast du Angst, Gott könnte böse auf dich sein, wenn du nicht die Bibel liest, betest oder dienst? Würdest du dich sicherer fühlen, wenn dir jemand einfach eine Liste von Regeln geben und sagen würde: »Befolge die und es wird dir gut gehen«, anstatt dich vom Geist leiten zu lassen? Noch vor wenigen Jahren – und für die längste Zeit meines Lebens – wäre meine eigene Antwort auf all diese Fragen ein schallendes »JA!« gewesen. Was hat mir gefehlt? Gnade. Meine Hoff nung beruhte nicht einfach darauf, Gottes unverdiente Gunst (Gnade) zu erhalten, sondern darauf, dass ich in der Lage sein würde, die richtigen Dinge zu tun, um sie mir zu verdienen. Ich hatte das Wort Gnade im Laufe der Jahre zwar immer wieder gehört, da ich jedoch versuchte, ein christliches Leben unter dem Gesetz zu führen, stieß mein gesetzlich gepoltes Gehirn die Gnade
34 Ich hab mich fast zu Tode bemüht
Als Gott am 2. Januar 2012 eingriff, schenkte er mir glücklicherweise einen brandneuen Start in ein brandneues Leben. Anstatt mir vorzustellen, dass Gott jeden meiner Schritte überwachte und nur darauf wartete, mich bei einem Fehler zu erwischen, begann ich nun, die Bibel mit neuen Augen zu lesen und Gott als meinen himmlischen Vater zu sehen, der mich bedingungslos liebt und mich bereits als auserwählt, heilig und von Herzen geliebt bezeichnet (siehe Kol 3,12).
Setze dem Irrsinn ein Ende
Eine der faszinierendsten Bibelstellen, zu denen Gott mich auf meinem Weg in die Gnade führte, ist Galater 3. Ich erinnere mich, dass ich eines Tages das gesamte Kapitel las und mir dabei die Tränen in die Augen schossen – nicht, weil ich traurig war, sondern weil ich klarer zu sehen begann, was mich über so viele Jahre in Knechtschaft gehalten hatte. Als das Licht der Gnade in meine müde Seele hineinzudämmern begann, erlebte ich eine unbeschreibliche, nie dagewesene Erleichterung. So beginnt das Kapitel, in dem sich der Apostel Paulus an Gläubige wendet, die wie ich so tun, als könnten sie sich Gottes Gunst verdienen:
Ihr verdrehten Galater! Hat euch jemand verzaubert? Habt ihr den Verstand verloren? Etwas völlig Irrsinniges ist geschehen, denn es ist offensichtlich, dass ihr den
Wenn wir ans Ende unserer selbst gelangen 35 so schnell von sich, wie ein Maschinengewehr Geschosse ausspuckt. Mein Gehirn gab der Gnade nie eine Chance, denn meiner Auffassung nach hatte ich alles im Griff, solange ich die Regeln befolgte.
Jemand hatte mich eindeutig mit einem Zauber belegt, und zwar der Teufel. Er hatte mich in die Falle gelockt und mir eingeredet, dass ich ständig schuften müsse, um Gottes Wohlwollen zu behalten. Als ich mich weiter mit diesem Abschnitt beschäft igte, kam es mir so vor, als habe der Apostel Paulus meine Gedanken gelesen.
Ich möchte euch folgende Frage stellen: Wie hat euer neues Leben begonnen? Habt ihr euch abgerackert, um Gott zu gefallen? Oder habt ihr einfach auf Gottes Botschaft an euch reagiert? Werdet ihr mit diesem Irrsinn weitermachen? Denn nur Verrückte würden glauben, sie könnten aus eigener Kraft vollenden, was Gott begonnen hat. Wenn ihr nicht klug oder stark genug wart, es zu beginnen, wie meint ihr dann, es vollenden zu können? Habt ihr diesen ganzen schmerzhaften Lernprozess umsonst durchgemacht? Noch ist es kein Totalverlust, aber es wird einer werden, wenn ihr so weitermacht! — Galater 3,2–4 msg
Als ich diese Worte las, schluchzte ich, weil ich mich in ihnen wiedererkannte. Mir wurde klar, dass ich genau das getan hatte. Ich war auf dem Trip gewesen, hart arbeiten zu müssen. Ich hatte mich nicht auf Gott, Jesus und den Heiligen Geist verlassen, sondern allein auf mich, mein eigenes Können und meine eigene Kraft . Ich hatte einen guten Anfang genommen, als ich im Alter von acht Jahren die Rettung aus Gnade empfing, doch im Laufe der Zeit hatte ich mir eine Reihe von Regeln zu eigen gemacht, die
36 Ich hab mich fast zu Tode bemüht gekreuzigten Jesus in eurem Leben nicht mehr klar vor Augen habt. Sein Opfer am Kreuz wurde euch doch deutlich genug vor Augen geführt. — Galater 3,1 msg
Beantwortet diese Frage: Tut der Gott, der euch großzügig mit seiner Gegenwart, seinem Heiligen Geist, versorgt und Dinge in eurem Leben wirkt, die ihr niemals selbst tun könntet, tut er diese Dinge aufgrund eures kräftezehrenden moralischen Strebens oder deshalb, weil ihr darauf vertraut, dass er sie in euch vollbringt? Geschehen diese Dinge unter euch nicht genauso, wie sie Abraham widerfuhren? Er glaubte Gott, und aus diesem Glauben wurde ein Leben, das gerecht vor Gott war. — Galater 3,5–6 msg
Ich traute meinen Augen nicht, als ich diese Verse las. Mein Beitrag zu diesem unglaublichen Deal – diesem unfassbaren Privileg, in Freundschaft mit dem Allmächtigen zu leben – bestand einfach darin, Gott zu glauben, so wie Abraham es getan hatte. Ernsthaft?
Oh, ich hatte das Christsein dermaßen verkompliziert. Diese Verse waren eine überaus gute Nachricht, denn all mein angestrengtes moralisches Streben half mir nicht, ein besserer Mensch zu werden – zumindest nicht dauerhaft; stattdessen führten meine Bemühungen zu einer Menge Frustration, sowohl bei mir als auch bei den Menschen um mich herum. Je mehr ich versuchte, wie Jesus zu sein, desto häufiger verlor ich die Beherrschung, fühlte mich unzulänglich und verspürte Anspannung und Angst.
Bei den seltenen Gelegenheiten, bei denen ich einen kleinen Sieg erringen konnte – vielleicht verlor ich eine ganze Woche lang nicht die Beherrschung oder kam dreimal hintereinander pünktlich (Zuspätkommen war ein echtes Problem bei mir) –, begann
Wenn wir ans Ende unserer selbst gelangen 37 ich glaubte, befolgen zu müssen, um mir Gottes Wohlwollen zu verdienen.
Dankenswerterweise zeigte mir Gottes Gnade eine neue Art zu leben! Während der Heilige Geist mich auf diesem Weg weiterführte, öff nete er mir die Augen für all die Dinge, bei denen ich mein Vertrauen in mich selbst und nicht in Jesus gesetzt hatte. Er ließ mich Rückschau halten und von allen Projekten Abstand nehmen, die ich in eigener Kraft und mit unlauteren Motiven begonnen hatte. In einigen Fällen hatte ich bereits anderen Menschen von meinen guten Absichten erzählt, einschließlich meiner Vertrauenspersonen und sogar unseren Pastoren. Ich musste also zu diesen Leuten gehen, mich demütigen, ihnen von der neuen Offenbarung erzählen, die Gott in mein Leben gebracht hatte, und ihnen erklären, dass ich in Anbetracht dessen meine Zusagen für viele eigenmächtig ins Leben gerufene Vorhaben zurückziehen würde.
Welch einen Unterschied machte doch die Erkenntnis, dass all der Druck, den ich verspürte, nicht von Gott kam; er wollte mich von alledem befreien!
38 Ich hab mich fast zu Tode bemüht ich sogleich, andere darüber zu informieren, welche Methode ich angewandt hatte, um in diesen Bereichen frei zu werden, oder ich prahlte damit, wie ich endlich die nötige Disziplin entwickelt hatte, um es »richtig zu machen«. Ich kann mich wirklich nicht daran erinnern, dass ich jemals Gott die Ehre gegeben hätte, wenn ich in einem für mich schwierigen Bereich Fortschritte machte. Stattdessen lenkte ich die gesamte Aufmerksamkeit auf mich und auf das, was ich tat. Da ich darauf vertraute, dass ich den Sieg selbst erringen würde, nahm ich auch den Ruhm für mich in Anspruch. Ich bemaß meinen Wert an dem wenigen Guten, das ich zustande brachte, und konnte daher nicht widerstehen, mich vor anderen selbst zu loben.
Das Scheitern der Eigenbemühungen
Der Apostel Paulus findet klare Worte für das Problem, mit dem wir alle konfrontiert sind, wenn wir mit unseren eigenen verzweifelten Bemühungen nach geistlichem Erfolg streben, anstatt einfach die Verheißungen und die erlösende Kraft Gottes in Anspruch zu nehmen:
Ist es für euch nicht offensichtlich, dass Menschen, die ihr Vertrauen auf Christus setzen (nicht Menschen, die ihr Vertrauen auf das Gesetz setzen!), wie Abraham sind: Kinder des Glaubens? In der Heiligen Schrift war von vornherein festgelegt, dass Gott die Dinge mit den Nicht-Juden durch den Glauben in Ordnung bringen würde. Die Schrift nahm dies in der Verheißung an Abraham vorweg: »In dir werden alle Völker gesegnet werden.«
Diejenigen, die jetzt aus dem Glauben leben, sind also ebenso gesegnet wie Abraham, der aus dem Glauben lebte –das ist keine neue Lehre! Und es bedeutet, dass jeder, der versucht, aus eigener Kraft, unabhängig von Gott, zu leben, zum Scheitern verurteilt ist. Die Heilige Schrift unterstreicht dies: »Verflucht ist jeder Mensch, der nicht alles erfüllt, was im Buch des Gesetzes geschrieben steht.«
— Galater 3,7–10 msg
Ist dir der Satz aufgefallen, den ich hervorgehoben habe? Sind die Worte »zum Scheitern verurteilt« dir genauso ins Auge gestochen wie mir? Nun ging mir wirklich ein Licht auf. Kein Wunder, dass ich fast ununterbrochen Angst und Frustration empfunden hatte.
Wenn wir ans Ende unserer selbst gelangen 39
Ich hatte versucht, aus eigener Kraft zu leben, unabhängig von Gott, und glaub mir, ich fühlte mich wie ein Versager. Weißt du, jahrelang war ich mir nie sicher gewesen, wie Gott mich sah. In meiner Vorstellung war ich mal drin und mal draußen: in Gottes Gunst, wenn ich vollkommen gehorsam war und alles tat, was meiner Meinung nach zu tun war, aber raus aus Gottes Gunst, wenn ich versagte. Dieses ständige Hin- und Herpendeln zwischen Annahme und Verurteilung hat mich, gelinde gesagt, verunsichert. Folgendes hat Paulus über diese Situation zu sagen:
Die offensichtliche Unmöglichkeit, ein solches moralisches Konzept umzusetzen, sollte deutlich machen, dass niemand auf diese Weise eine Beziehung zu Gott aufrechterhalten kann. Der Mensch, der in rechter Beziehung zu Gott lebt, tut dies, indem er sich auf das einlässt, was Gott für ihn arrangiert. Dinge für Gott zu tun ist das Gegenteil davon, sich auf das einzulassen, was Gott für einen tut. Habakuk hatte recht: »Wer Gott vertraut, wird von Gott in Ordnung gebracht – und das ist das wahre Leben.« Das Einhalten von Regeln führt nicht automatisch zu einem Leben aus dem Glauben, sondern setzt sich nur in immer mehr Regeln fort, wie die Heilige Schrift zeigt: »Wer diese Dinge [das Halten von Regeln] tut, der lebt auch weiterhin nach ihnen.«
— Galater 3,11–12 msg
Es hat viele, viele Jahre gedauert, bis ich erkannte, dass alle Bemühungen der Welt nicht zu den von mir gewünschten Ergebnissen führten. Ich musste ans Ende meiner selbst kommen und alle meine Eigenbemühungen aufgeben und mich stattdessen auf die Gnade Gottes stützen und ihn die Führung übernehmen lassen. Nun, da ich dies getan hatte, trug mich Gottes Gnade an
40 Ich hab mich fast zu Tode bemüht
Ich musste nichts weiter tun, als diese Zusage zu ergreifen und sie zu glauben.
In Johannes 8,12 erklärt Jesus: »Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, braucht nicht im Dunkeln umherzuirren, denn er wird das Licht haben, das zum Leben führt.« Beachte, dass er uns nicht anwies, dem Gesetz zu folgen, sondern ihm nachzufolgen.
Christus in Anspruch zu nehmen – unser Vertrauen ganz und gar auf ihn zu setzen –, führt uns aus der Dunkelheit der Sünde und der Eigenanstrengung heraus und gibt uns die Zuversicht, in das herrliche Licht des Lebens in ihm einzutreten.
Christus hat uns von diesem selbstzerstörerischen, verfluchten Leben erlöst, indem er es vollständig in sich aufnahm. Erinnert ihr euch an die Schriftstelle, in der es heißt: »Verflucht ist jeder, der am Holz hängt«? Genau das geschah, als Jesus ans Kreuz genagelt wurde: Er wurde zum Fluch und löste gleichzeitig den Fluch auf. Jetzt ist die Luft gereinigt und wir können sehen, dass der Segen Abrahams auch für Nicht-Juden vorhanden und verfügbar ist. Wir alle sind in der Lage, Gottes Leben, sein Geist in und mit uns, zu empfangen, indem wir glauben – genau so, wie Abraham es empfangen hat. — Galater 3,13–14 msg
Wenn wir ans Ende unserer selbst gelangen 41 einen Ort der Gewissheit, sie brachte mich an einen Punkt, an dem ich lernte, mich nicht auf das zu konzentrieren, was ich tue oder nicht tue; stattdessen konnte ich voll und ganz dem vertrauen und mich sicher auf das stützen, was Jesus durch sein am Kreuz vollbrachtes Werk bereits geleistet hatte. Ich begriff allmählich die unfassbare Wahrheit, dass Jesus durch sein Werk am Kreuz alles für mich erreicht hat, was ich jemals brauchen werde. Ich kann nichts ohne ihn tun (siehe Joh 15), und wenn ich versage, hat er den Preis dafür bereits vollständig für mich übernommen.
Siehst du, genau hier in Vers 13 heißt es, dass Jesus »uns von diesem selbstzerstörerischen, verfluchten Leben erlöst [hat], indem er es vollständig in sich aufnahm«. Er hat unser Versagen auf sich genommen!
Als mir die Gnade Gottes offenbart wurde, dachte ich anfangs: So einfach kann es doch nicht sein. Da muss es etwas geben, das ich zu tun habe. Nun, für Jesus war es sicherlich nicht einfach, stellvertretend für uns als Fluch am Kreuz zu hängen, aber er tat es für seinen Vater und für uns alle, weil er uns so sehr liebte. Und wir entehren ihn, wenn wir versuchen, sein vollkommenes Opfer durch unsere armseligen Bemühungen zu ersetzen.
Alle Bemühungen der Welt führten nicht zu den von mir gewünschten Ergebnissen. Ich musste ans Ende meiner selbst kommen und alle meine Eigenbemühungen aufgeben und mich stattdessen auf die Gnade Gottes stützen und ihn die Führung übernehmen lassen.
Du sagst jetzt vielleicht: »Nein, ich würde Jesus nie entehren.« Das hätte ich auch gesagt, und doch habe ich genau das getan –jahrelang. Jedes Mal, wenn ich versuchte, für meine Sünden selbst zu bezahlen, indem ich mir Schuld und Verurteilung aufbürdete, sagte ich im Grunde: »Jesus, du hast am Kreuz deinen Job nicht gut genug gemacht, also lass mich etwas von meiner Selbstverurteilung zu deinem Opfer hinzufügen, damit ich auf der sicheren Seite bin.« Offen gestanden fällt es mir schwer, dies zu schreiben, weil es mir die Tränen in die Augen treibt, wenn ich an die Jahre denke, in denen ich missachtete, was Jesus für mich getan hat.
42 Ich hab mich fast zu Tode bemüht
Bedenke, was Jesus in Johannes 8,24 (amp) zu den Pharisäern sagte: »Darum habe ich euch gesagt, dass ihr in euren Sünden (unter dem Fluch eurer Sünden) sterben werdet; denn wenn ihr nicht glaubt, dass ich bin [der ich behaupte zu sein – wenn ihr euch nicht an mich haltet, mir vertraut und euch auf mich verlasst], werdet ihr in euren Sünden sterben.«
Oder anders gesagt: Diese gewissenhaften religiösen Männer, die streng nach dem Gesetz lebten, würden in ihren Sünden sterben, wenn sie nicht an ihn, Jesus, glaubten. Das Gleiche gilt für uns in jedem Bereich des Lebens, in dem wir uns auf unsere eigenen Bemühungen verlassen, anstatt auf ihn zu vertrauen und an ihn zu glauben. Wenn wir versuchen, Dinge aus eigener Kraft zu tun, leben wir unter einem Fluch – dem Fluch des ständigen Strebens und der Unfähigkeit, in seine Ruhe einzutreten.
Doch so müssen wir nicht leben. Das Blut Jesu hat uns einen neuen Weg eröff net, den neuen Bund – und genau in diesem leben wir jetzt. Wir können uns dafür entscheiden, auf Jesus und seine unfassbare Liebe zu vertrauen, die er bereits am Kreuz bewiesen hat!
Das Kreuz als Mittelpunkt behalten
Meine Freundin Judy erzählte mir liebenswürdigerweise ihre Geschichte, wie sie die Kraft der Gnade entdeckte, nachdem sie jahrelang die Wahrheit verkannt hatte:
Wenn wir ans Ende unserer selbst gelangen 43 Ich bin dankbar für Gottes Barmherzigkeit und ich fühle mich nicht schuldig, weil ich weiß, dass mir vergeben ist. Doch wie gern würde ich anderen das Elend ersparen, das ich durchlitt, als ich alles aus eigener Kraft zu tun versuchte.
Nach meiner Errettung wollte ich alles richtig machen – ich wollte die bestmögliche Christin sein, um wiedergutzumachen, was Jesus am Kreuz durchmachen musste. Ich dachte: Da er das für mich getan hat, werde ich den Rest meines Lebens damit verbringen, Dinge für ihn zu tun. Das war alles schön und gut, aber ich hatte den Sinn der Gnade nicht verstanden.
In jedem Bereich, in dem Gott mir Möglichkeiten eröffnete, wollte ich die Allerbeste sein und diese Gelegenheiten durch hervorragende Leistungen würdigen. Schon früh lernte ich, dass ich das Verhalten der anderen nicht kontrollieren konnte, und so wurde ich unglaublich hart zu mir selbst. »Scheitern ist keine Option« hätte durchaus mein Mantra sein können. Gnade existierte zwar als Wort in meinem christlichen Vokabular, doch verwendet habe ich es meist nur, um meinen Gebeten für andere Würze zu geben. Ich betete zum Beispiel um Gnade und inneren Frieden für jemanden, der mit einer Entscheidung rang, oder um Gnade und Kraft für jemanden, der einen vollen Terminkalender hatte. In der Zwischenzeit brachte ich Jahre damit zu, mir Auszeichnungen, Erfolge, Abschlüsse und Anerkennung zu verdienen. Ich betrachtete diese Dinge als eine Art Maßstab, dafür, wie gut ich mich machte. Ich wandte dieselbe Formel auf meine (wenn man es so nennen will) Beziehung zu Christus an. Wenn ich alles richtig gemacht hatte, konnte ich die Gegenwart Gottes genießen bzw. in ihr ruhen. Das Problem mit meiner Formel war, dass ich nie alles richtig machte. Ich wusste, dass es Dinge gab, die ich besser machen könnte: mehr beten, mehr studieren, mich seltener aufregen, mich öfter freiwillig engagieren und so weiter und so fort. Ich erfüllte nie ganz die vermeintlichen Erwartungen
Vor einigen Jahren war es dann so, dass ich mich nicht mehr in der Lage sah, den Bedürfnissen meiner Kinder, meines
44 Ich hab mich fast zu Tode bemüht
Mannes, meiner schwerkranken Mutter und meiner Vollzeitstelle als klinische Sozialarbeiterin gerecht zu werden. Außerdem wurde bei mir ein chronisches Gesundheitsproblem, rheumatoide Arthritis, diagnostiziert.
Ich wusste, dass Gott mich zu Hause haben wollte, damit ich mich um meine Familie und mich selbst kümmern konnte, also versuchte ich gemeinsam mit meiner Vorgesetzten einen Plan auszuarbeiten, wie ich meine Arbeitszeit reduzieren konnte. Doch weil der Gesundheitszustand meiner Mutter mehrmals kritisch wurde, scheiterte dieser Plan. Bald darauf stand ich zum ersten Mal seit meinem dreizehnten Lebensjahr ohne bezahlte Arbeit da – und im Grunde ohne jegliche äußere Möglichkeit eines Belegs oder einer Bestätigung, was meine Leistung anging.
Ich war ziemlich deprimiert und davon überzeugt, dass ich als Ehefrau, Mutter, Tochter, Freundin, Sozialarbeiterin und vor allem als Christin versagt hatte.
Dann drückte mir eine Freundin ein Buch über Gnade in die Hand. Ich nahm es an, obwohl ich dachte, dass ich das sicher alles schon einmal gehört hatte. Doch es war genau der richtige Zeitpunkt für den Heiligen Geist, mir zu offenbaren, was ich bisher übersehen hatte. Du meine Güte! Ich weiß nicht, wann ich vergessen hatte, wie sehr Jesus mich liebt, oder ob ich es überhaupt jemals wirklich gewusst habe. Doch als ich dann einen Blick auf seine Liebe erhaschte und seine Gnade verstand, wenn auch zunächst nur sehr elementar, hörte ich auf, mir seine Gunst verdienen zu wollen. Das war beängstigend und befreiend zugleich.
Obwohl ich schon seit Jahren errettet war, musste ich lernen, dass nichts, was ich tue, Einfluss auf meinen gerechten Stand vor Gott hat. Keine meiner Taten wird das Maß seiner Liebe zu mir verändern. Für all das hat Christus am Kreuz gesorgt.
Wenn wir ans Ende unserer selbst gelangen 45
Diese Offenbarung als verändernd zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung. Ich bete jetzt völlig anders; weil ich weiß, dass Gott mich liebt und mich mit seiner Gnade umhüllt, kann ich ihm gegenüber völlig aufrichtig sein. Ich gehe anders mit Menschen um; ich weiß, dass ich die Gnade, die ich empfange, an andere weitergeben kann. Kurz gesagt, ich bin eine andere Frau. Ja, ich habe immer noch ganz gern einen Plan und möglichst auch einen Ersatzplan, doch es macht mir nichts aus, wenn Gott meinen Tag übernimmt und meine Pläne über den Haufen geworfen werden. Seine Pläne sind besser als meine (seine Wege sind besser als meine). Im Mittelpunkt meines Lebens steht jetzt das, was Christus am Kreuz vollbracht hat. Seine Liebe und Gnade sind real und in jedem Augenblick an jedem Tag für mich verfügbar; und diese Liebe und Gnade befähigen mich, für ihn zu leben. Mein Leben gehört ihm, und es ist meine inbrünstige Hoff nung und mein Gebet, dass andere ihn durch seinen Geist und seine Gnade in meinem Leben sehen.
Ich liebe diese Geschichte! Spürst du nicht auch die Freude, die jetzt Judys Leben erfüllt, und die Freiheit, die ihre Tage bestimmt? Genau das ist das Geschenk der Gnade, nach dem sich jeder von uns sehnt und das wir so gern kennenlernen, annehmen und zum Kennzeichen unseres Lebens machen möchten.
46 Ich hab mich fast zu Tode bemüht Es ist schwer zu fassen und dennoch sehr befreiend. Ich habe keinen Leistungsdruck mehr und werde nicht mehr durch Versagensängste zu Höchstleistungen getrieben. Stattdessen kann ich jetzt aus meiner Liebe zu ihm heraus handeln, als Reaktion auf seine Liebe.
Gott möchte gern, dass wir seine bedingungslose Liebe zu uns fest in unserem Herzen verankern und immer wieder zu ihr als unserem Zufluchtsort zurückkehren, wenn wir versucht sind zu glauben, dass wir noch irgendetwas tun müssten, um uns seine Gunst zu verdienen.
Wenn wir unsere Hoff nung auf seine Liebe zu uns setzen, verändert sich unsere Sichtweise auf einfach alles. Ich kann ohne Übertreibung sagen, dass die Erkenntnis, dass Gott mich liebt, fast jeden Aspekt meines Lebens positiv beeinflusst hat. Das Wort »mich« ist hier entscheidend. Fast jeder gibt an zu wissen, dass Gott die Menschen liebt, aber es besteht ein Unterschied zwischen dem Wissen, dass er die Menschen im Allgemeinen liebt und der Gewissheit, dass Gott dich und mich als Einzelne ganz persönlich liebt, sogar mit all unseren Unvollkommenheiten.
Gott kümmert sich um alles, was uns betrifft, und ich meine wirklich alles. Ihn interessiert sogar ein eingerissener Fingernagel, der dich plagt. So persönlich ist seine Liebe. Er liebt es, wenn wir uns ihm öff nen und mit ihm über alles reden, ob gut oder schlecht! Du kannst ihm dafür danken, wenn er dir zu deiner Beförderung verhilft, aber du kannst ihm auch sagen, wie sauer du bist, wenn dein vermeintlich bester Freund Vertrauliches über dich ausplaudert. Ihn interessiert das eine nicht weniger als das andere. Er hört nicht lieber von deinen Erfolgen als von deinen Kämpfen. Er ist an deiner gesamten Geschichte interessiert. Gott liebt dich sehr und möchte an deinem ganzen Leben teilhaben, an jeder Sekunde davon.
Wenn wir ans Ende unserer selbst gelangen 47
Ich möchte dich dazu ermutigen, jeden Tag über Gottes persönliche Liebe zu dir nachzudenken. Sag laut zu dir selbst: »Gott liebt mich, [füge deinen Namen ein], auf eine sehr persönliche Weise, und er ist heute bei mir.« Meditiere über diese Wahrheit, tagträume davon, versenke dich darin.
Gott wünscht sich, dass wir seine bedingungslose Liebe zu uns fest in unserem Herzen verankern und immer wieder zu ihr als unserem Zufluchtsort zurückkehren.
Gott ist mit dir, Gott ist an deiner Seite und Gott ist für dich. Gott sehnte sich so sehr nach einer innigen Beziehung zu dir, dass er bereit war, mitanzusehen, wie sein einziggeborener Sohn litt und starb, um dies zu ermöglichen, und dank Jesus wird er niemals gegen dich sein. Tatsächlich wird nichts in der gesamten Schöpfung jemals in der Lage sein, dich von der Liebe Gottes zu trennen, die in Christus Jesus, unserem Herrn, offenbart ist (siehe Röm 8,39).
Wenn diese Wahrheit wirklich in deinem Herzen Wurzeln schlägt, wird sie dich unweigerlich verändern. Ganz gleich, womit das Leben dich konfrontiert, deine natürliche Reaktion wird dann immer sein, zu dieser gleichbleibenden, unerschütterlichen Realität zurückzulaufen, dass du für Gott wertvoll bist, dass er sich zutiefst um dich kümmert und dass er bei dir ist. Du wirst die lebensverändernde Offenbarung haben, dass seine Liebe nirgendwohin verschwindet. Du wirst tatsächlich spüren, dass du in seiner Liebe verborgen bist (siehe Kol 3,3).
48 Ich hab mich fast zu Tode bemüht
Wir haben es ganz falsch gesehen
Wenn wir wirklich an die Gnade glauben, verändert sich alles
Eines der wichtigsten Dinge, die ich bisher auf meinem Weg zur Gnade gelernt habe, ist die Tatsache, dass viele meiner vermeintlichen Probleme in Wirklichkeit nur falsche Denkweisen in Bezug auf meine Situation waren. Früher konnte ich zum Beispiel mein Tagespensum nicht bewältigen, ohne häufig frustriert zu sein. Nur selten schaffte ich es, die gesamte Liste meiner täglichen
Aufgaben abzuarbeiten, und an den meisten Tagen hatte ich sogar Mühe, nur einige davon zu erledigen. Meine Einstellung war: »Ich bin ein Versager.« Das Problem war eigentlich nie mein Zeitplan, doch davon hätte mich damals sicher keiner überzeugen können. Dann gab Gott mir eine neue Denkweise, und zwar die, dass ich hinsichtlich meines Zeitplans auf seine Gnade, seine unverdiente Gunst, vertrauen kann und dass ich in Jesus ein Erfolg bin, egal, wie wenige oder wie viele Punkte ich an jedem beliebigen Tag auf meiner To-do-Liste abhake. Ich mache mir keine Sorgen mehr, wenn meine Pläne über den Haufen geworfen werden. Tatsächlich bin ich total verblüfft über die gesteigerte Produktivität in meinem Leben seit dem Tag, an dem er mich verändert hat. Ich denke nicht, dass es übertrieben ist zu sagen, dass ich jetzt in dieser absoluten Ruhe
Wir haben es ganz falsch gesehen 49
Für diese unglaubliche Veränderung gibt es keine andere Erklärung als die Gnade Gottes. Aus diesem Grund stelle ich alles, was sich in meinem Leben ereignet, ob erwartet oder unerwartet, täglich, stündlich, wenn nötig sogar Augenblick für Augenblick, unter seine Gnade. Er erreicht immer sein Ziel. Gewiss, manchmal schaffe ich es nicht, meine Vorhaben zu verwirklichen, doch da mein Plan jetzt dem Plan Gottes untergeordnet ist, hilft er mir, alles von ihm Gewollte bis zum erforderlichen Zeitpunkt zu erledigen. Das Beste daran ist, dass ich in der Ruhe bleiben und dem Meister zusehen darf, wie er alles regelt! Es ist exakt so, wie wir es in Johannes 6,28–29 (amp) lesen:
Da fragten sie: Was sollen wir tun, damit wir [gewohnheitsmäßig] die Werke Gottes verrichten können?
[Was sollen wir tun, um das zu tun, was Gott verlangt?]
Jesus antwortete: Das ist das Werk (der Dienst), das Gott von euch verlangt – dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat [dass ihr an seinem Gesandten festhaltet, ihm vertraut, euch auf ihn verlasst und ihm glaubt].
Es kommt nicht darauf an, wie viel wir jeden Tag schaffen, sondern darauf, dass wir »die Werke Gottes verrichten« – und um das zu tun, müssen wir uns ganz einfach auf Jesus verlassen. Welch eine befreiende Wahrheit!
50 Ich hab mich fast zu Tode bemüht doppelt so viel schaffe wie früher, als ich mich voller Anspannung und Frustration bis zur Erschöpfung abmühte. Manchmal laufe ich am Ende des Tages kopfschüttelnd umher und bin erstaunt, dass ich durch seine Gnade so viel zustande gebracht habe. Es ist fantastisch! Ich bin nicht im Geringsten versucht, mir selbst die Anerkennung dafür zu geben, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie mein Leben über viele Jahre hinweg ausgesehen hat.
Entscheidend ist, das Richtige zu glauben
Auf meinem Weg der Gnade las ich in Joseph Prince’ Buch Unverdiente Gunst eine starke Aussage: »Richtiger Glaube führt immer zur richtigen Lebensweise.«2 Das hat sich nicht nur in meinem Leben bewahrheitet, sondern auch im Leben meines Mannes Steve, unserer Kinder und vieler unserer Freunde. Wenn wir nicht länger glauben, dass alles von uns und unseren Taten abhängt, sondern stattdessen auf Jesus vertrauen und auf das, was er für uns getan hat, wird sich unser Leben von Grund auf ändern.
Zunächst schien es mir falsch, dass meine Rolle im neuen Bund nur darin bestehen sollte, zu glauben. Aber dann wurde mir klar, dass Jesus selbst gesagt hat: »Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat« (Joh 6,29).
Was sollen wir also in Bezug auf Jesus glauben?
• Glaube an das vollbrachte Kreuzeswerk (siehe Jes 53).
• Glaube, dass er dich liebt (siehe Eph 2,4–5).
• Glaube, dass deine Sünden vergeben sind, und zwar vergangene, gegenwärtige und zukünftige (siehe Hebr 10,17–18).
• Glaube, dass er dich niemals verlassen oder aufgeben wird (siehe Hebr 13,5).
• Glaube, dass du in Christus gerecht bist (siehe Röm 3,24).
• Glaube, dass er nicht böse auf dich ist (siehe Joh 3,17).
• Glaube an seine Güte (siehe Jak 1,17–18).
• Glaube, dass du beschützt wirst (siehe Ps 91,9–12).
• Glaube, dass er dein Erlöser ist (siehe Mt 1,21).
• Glaube, dass du eine neue Natur hast (siehe 2Kor 5,17).
• Glaube, dass du durch Christus alle Dinge tun kannst (siehe Phil 4,13).
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• Glaube, dass er barmherzig ist (siehe 1Petr 1,3).
• Glaubt, dass er deiner Sünden nicht mehr gedenkt (siehe Hebr 8,12).
• Glaube, dass bei Gott alle Dinge möglich sind (siehe Mk 10,27).
• Glaube, dass er alles zum Guten wendet, indem er die Zitronen, mit denen das Leben dich gerade bewirft, in einen Zitronen-Baiser-Kuchen verwandelt (siehe Röm 8,28).
• Egal, was passiert, glaube weiter (siehe Mk 5,36).
Wenn du dich dazu entschließt, über diese Ausdrucksformen der Gnade Gottes zu meditieren, anstatt dich auf Regeln zu konzentrieren, wirst du feststellen, dass deine Liebe zu Jesus wächst. Und du wirst Zeuge des Wunders seiner Gnade werden, die dein »Müssen« in ein »Wollen« verwandelt. Bibellesen wird zu einem Abenteuer, weil du die Bibel nicht mehr als ein Handbuch voller Regeln ansiehst, sondern als ein Buch, das von vorne bis hinten die Schönheit Jesu und seine Verheißungen offenbart. Du hast Freude daran, mit deinem himmlischen Vater zusammen zu sein, weil du jetzt verstehst, dass er dich nicht aufgrund deiner Leistungen liebt, sondern einfach deshalb, weil du sein Sohn oder seine Tochter bist. Du nimmst ganz von selbst eine Haltung des Liebens, Dienens, Gebens und Gehorsams an. Nun aber versuchst du nicht mehr, aus eigener Kraft Gehorsam zu leisten, um in Gottes Gunst zu stehen, sondern deine Unterordnung entspringt einem Herzen, das von Gottes Gnade überzeugt ist.
Steht man auf der Seite der Gnade, sieht alles anders aus.
Lange Zeit hatte ich mich darauf konzentriert, ein gutes Verhalten an den Tag zu legen, doch all meine Bemühungen brachten nur wenig geistliche Frucht. Meine äußere Verhaltensänderung führte nicht zu einer inneren Herzensveränderung. Als meine
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Familie und ich dann schließlich die Botschaft verstanden, dass wir aufhören sollten, unser eigenes Verhalten in den Vordergrund zu stellen, und uns stattdessen auf den richtigen Glauben konzentrieren sollten, war es, als erlebten wir ein Wunder. Der Heilige Geist begann in uns zu wirken und brachte erstaunliche geistliche Frucht in unserem Leben hervor, und das tut er auch heute noch.
Wenn wir nicht länger glauben, dass alles von uns und unseren Taten abhängt, sondern stattdessen auf Jesus vertrauen und auf das, was er für uns getan hat, wird sich unser Leben von Grund auf ändern.
Früher verlor ich häufig die Beherrschung, obwohl ich jahrelang versucht hatte, mich unter Kontrolle zu bringen. Als ich aufhörte, mich ändern zu wollen und anfi ng, Gottes Gnade (seine unverdiente Gunst) zu empfangen, anstatt mich schuldig zu fühlen, ersetzte er meine Wut durch ein beständiges Gefühl des Friedens. Mittlerweile verliere ich fast nie die Beherrschung! Die Sorgen meines Mannes – um fi nanzielle Sicherheit, um die Versorgung unserer Familie – sind unter der Kraft von Gottes Gnade weggeschmolzen, da er gelernt hat, seine Sicherheit in Christus zu fi nden. Und meine Mädchen haben gelernt, sich in Gottes Liebe zu entspannen, und ihr Verhalten hat sich ohne meine ständigen Ermahnungen verbessert, da sie nun wissen, dass sie in Jesus gute Mädchen sind, ganz unabhängig von ihrem Verhalten. Will ich damit sagen, dass wir einfach tun und lassen können, was wir wollen, ohne uns um etwaige Konsequenzen zu scheren? Nein, ich spreche von Gottes Kraft, die uns verwandelt, wenn wir beständig an seine unverdiente Gunst glauben und sie in
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Der entscheidende Punkt ist hier nicht, ob unser Verhalten gut oder schlecht ist; es geht darum, was wir glauben. Es braucht Glauben, um demütig die Liebe, Vergebung, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit in Christus anzunehmen, die uns durch sein vollbrachtes Werk angeboten werden. Erinnerst du dich an meine Freundin Judy, die im vorigen Kapitel ihre Geschichte erzählt hat? Sie beschrieb, wie sie immer wieder versuchte, sich bei Gott für seine Gnade zu revanchieren, nur um festzustellen, dass sie es nicht konnte. Keiner von uns kann das. Gnade ist immer und ausschließlich ein Geschenk Gottes, das uns aus freien Stücken gegeben wird. Wenn wir uns entschließen, diese erstaunliche Gnade einfach anzunehmen und Jesus immer wieder dafür zu danken, erleben wir, wie Gottes Kraft auf den Plan tritt und uns hilft, ein Leben des Gehorsams zu führen.
Ja, in Philipper 2 geht es darum, Gott gehorsam zu sein, aber schau dir Vers 13 in der Übersetzung der Amplified Bible an:
Denn Gott ist es, der die ganze Zeit über in euch wirkt [und in euch die Kraft und das Verlangen anregt und schafft], sowohl zu wollen als auch zu wirken zu seinem Wohlgefallen und seiner Zufriedenheit und Freude.
Wow! Gott ist derjenige, der uns das »Wollen« auf dem Gebiet des Gehorsams gibt, wenn wir anfangen, das Richtige zu glauben.
54 Ich hab mich fast zu Tode bemüht jeder Situation empfangen. Wir müssen uns klarmachen und in unserem Herzen verankern, dass Gnade bedeutet, etwas zu bekommen, das wir nicht verdient haben. Deshalb könnten wir uns seine Gunst auch nicht durch noch so viele gute Taten erarbeiten, genauso wenig, wie wir durch genügend schlechte Taten sein Geschenk der Gnade zunichtemachen könnten!
Das ist absolut wahr. Wir haben es auf ganzer Linie erlebt. Ich nenne es das Wunder der Gnade!
Wenn du glaubst, verändert er dich, indem er in dir den Wunsch weckt, dem Geist zu folgen. Die Bibel sagt, wenn du dich vom Geist leiten lässt, wirst du nicht deinen selbstsüchtigen Begierden gehorchen (siehe Gal 5,16). Wenn wir von Jesus Kraft empfangen, werden seine Macht und Disziplin uns zum Glänzen bringen. Doch wir müssen uns immer daran erinnern, dass es Christus ist, der sein Leben durch uns lebt; deshalb liegt unser Vertrauen nicht in unserer Disziplin oder Willenskraft, sondern in seiner Macht.
Lies die Bibel durch die Linse der Gnade
Die gesamte Bibel ist voll von der guten Nachricht von Gottes Gnade, doch ich habe das jahrelang nicht gesehen. Bevor ich ein wirkliches Verständnis von Gottes Gnade bekam, las ich jeden Vers der Bibel und dachte: Welche Regel gibt es in diesem Vers für mich zu befolgen? Mein ganzes Ziel war die Verbesserung meines Systems, um mir so den Zugang zu Gottes Gegenwart zu verdienen: »Nenne mir einfach die Regel, damit ich sie befolgen und Gott gefallen kann.« Diese Gesetzlichkeit machte mich völlig blind für den wahren Reichtum der Bibel. Jetzt, da ich die Bibel durch die Linse der Gnade lese, erkenne ich, dass vertraute Textstellen nicht das aussagen, was ich dachte. Jetzt denke ich: Wie um alles in der Welt konnte ich diesen Vers vorher so auffassen? Das steht da überhaupt nicht. Im Gegensatz zur Gesetzlichkeit, die mich früher blind gemacht hat, hilft mir meine »Gnadenbrille« jetzt, die Bibel klarer zu sehen. Jetzt kann ich Gottes Worte aufgrund der darin enthaltenen Wahrheit wertschätzen: die gute Nachricht von Gottes Gnade.
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Um ein Beispiel zu geben, was ich damit meine, schauen wir uns gemeinsam einen Abschnitt in Kolosser 1 an, in dem die Kraft der Gnade besonders viel Raum einnimmt. Anschließend stellen wir die alte Denkweise der Gesetzlichkeit der neuen Denkweise des Glaubens an das Evangelium der Gnade gegenüber. Achte insbesondere auf den hevorgehobenen Teil, wenn ich meine alte Denkweise der neuen Art des Glaubens gegenüberstelle.
Wir beten immer für euch, und wir danken Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus. Denn wir haben von eurem Glauben an Jesus Christus und von eurer Liebe zum ganzen Volk Gottes gehört, die aus eurer zuversichtlichen
Hoff nung auf das herrührt, was Gott für euch im Himmel bereithält. Diese Erwartung hattet ihr, seit ihr zum ersten Mal die Wahrheit der guten Nachricht gehört habt.
— Kolosser 1,3–5 nlt
• Alte Denkweise: Mein Wandel in der Liebe kommt daher, dass ich mich mehr anstrenge, liebevoller zu sein. Jetzt frage ich mich: Wie konnte ich das aus diesem (hervorgehobenen) Teil bloß herauslesen?
• Neue Art des Glaubens: Mein Wandel in der Liebe entspringt meiner zuversichtlichen Hoffnung auf Gottes Liebe zu mir!
Ich empfi nde dies als eine sehr viel bessere Art zu leben!
Dieselbe gute Nachricht, die zu euch gekommen ist, geht in die ganze Welt hinaus. Sie trägt überall Frucht, indem sie Leben verändert, so wie sie euer Leben von dem Tag an
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• Alte Denkweise: Wenn alle Regeln perfekt befolgt werden, haben die Menschen ein besseres Leben.
• Neue Art des Glaubens: Die Wahrheit über Gottes wunderbare Gnade zu hören und zu verstehen, führt zu einem veränderten Leben!
Deshalb haben wir nicht aufgehört, für euch zu beten, seit wir zum ersten Mal von euch gehört haben. Wir bitten Gott, dass er euch seinen Willen vollständig erkennen lässt und euch geistliche Weisheit und Einsicht schenkt. Dann wird die Art und Weise, wie ihr lebt, den Herrn immer ehren und erfreuen, und euer Leben wird jede Art von guter Frucht hervorbringen. Währenddessen werdet ihr wachsen, indem ihr Gott immer besser kennenlernt.
— Kolosser 1,9–10 nlt
• Alte Denkweise: Ich muss gute geistliche Frucht bringen, sonst wird Gott böse auf mich sein.
• Neue Art des Glaubens: Wenn man Gott immer besser kennenlernt, indem man seinen Willen erkennt und geistliche Weisheit und Einsicht empfängt, führt das zu Menschen, die den Herrn ehren und erfreuen und deren Leben gute Frucht hervorbringt!
Wir haben es ganz falsch gesehen 57 verändert hat, an dem ihr zum ersten Mal die Wahrheit über Gottes wunderbare Gnade gehört und verstanden habt. — Kolosser 1,6 nlt
Wir beten auch, dass ihr mit all seiner herrlichen Kraft gestärkt werdet, sodass ihr all die Ausdauer und Geduld habt, die ihr braucht. Möget ihr mit Freude erfüllt werden, indem ihr dem Vater stets dankt. Er hat es euch ermöglicht, an dem Erbe teilzuhaben, das seinem Volk gehört, das im Licht lebt. Denn er hat uns aus dem Reich der Finsternis errettet und in das Reich seines lieben Sohnes versetzt, der unsere Freiheit erkauft und unsere Sünden vergeben hat.
— Kolosser 1,11–14 nlt
• Alte Denkweise: Mehr Willenskraft und Disziplin werden mir die nötige Ausdauer und Geduld verleihen.
• Neue Art des Glaubens: Kraft von Jesus zu erhalten, wird mir die nötige Ausdauer und Geduld geben!
Denn es hat Gott in seiner ganzen Fülle gefallen, in Christus zu leben, und durch ihn hat er alles mit sich versöhnt. Er hat Frieden geschlossen mit allem, was im Himmel und auf Erden ist, durch das Blut Christi am Kreuz. Dazu gehört auch ihr, die ihr einst fern von Gott wart. Ihr wart seine Feinde, getrennt von ihm aufgrund eurer bösen Gedanken und Taten. Doch jetzt hat er euch durch den Tod Christi in leiblicher Gestalt mit sich selbst versöhnt. Infolgedessen hat er euch in seine Gegenwart gebracht, und ihr seid heilig und untadelig, da ihr ohne jeglichen Makel vor ihm steht. — Kolosser 1,19–22 nlt
• Alte Denkweise: Ich kann in Gottes Gegenwart kommen, wenn ich gehorsam bin, aber nicht, wenn ich gesündigt habe.
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Gott ist nur dann mit mir zufrieden, wenn ich mich gut verhalte.
• Neue Art des Glaubens: Gott hat uns durch Jesus versöhnt, sodass wir heilig und untadelig vor ihm stehen, ohne jeglichen Makel, denn wir sind in Christus!
Aber ihr müsst weiterhin an diese Wahrheit glauben und fest in ihr stehen. Lasst euch nicht von der Gewissheit abbringen, die ihr empfangen habt, als ihr die frohe Botschaft gehört habt. Die frohe Botschaft ist in der ganzen Welt gepredigt worden, und ich, Paulus, bin als Diener Gottes beauftragt worden, sie zu verkünden. — Kolosser 1,23 nlt
• Alte Denkweise: Sieh dir die Regeln immer wieder an, um sicherzugehen, dass du sie auch wirklich einhältst.
• Neue Art des Glaubens: Stehe fest in der frohen Botschaft der Gnade.
Kein Wunder, dass ich die Bibel nun mit Begeisterung lese!
Wir sind bereits gerecht
Vielleicht hast du in jedem der genannten Beispiele bemerkt, dass meine alte Denkweise sich auf meine eigenen Bemühungen stützte. Deshalb fühlte ich mich die meiste Zeit über so angespannt und frustriert; ich wusste, dass ich nicht zum Ziel kommen würde. Die neue Art des Glaubens hingegen verlässt sich allein auf die Gnade Gottes. Deshalb fühle ich mich so entspannt. Ich weiß, dass sich
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Gottes Gnade nie ändern wird! Wie wir in Kolosser 1,23 gesehen haben, liegt der Schlüssel darin, beständig an der Wahrheit über die Gnade festzuhalten und die Gewissheit nicht zu verlieren, die wir gewonnen haben, als wir die gute Nachricht zum ersten Mal hörten.
Das Werk, das Jesus am Kreuz vollbracht hat, birgt alle Kraft, die wir brauchen, um ein siegreiches Leben zu führen. Kolosser 2,15 sagt dies über Jesus: »Er hat die Mächte und Gewalten der geistlichen Welt besiegt. Durch das Kreuz hat er den Sieg über sie errungen und sie als geschlagene und machtlose Gefangene weggeführt, sodass die ganze Welt es sehen kann« (erv).
Das Werk, das Jesus am Kreuz vollbracht hat, birgt alle Kraft, die wir brauchen, um ein siegreiches Leben zu führen.
Ist das nicht eine wunderbare Nachricht? Jesus hat dem Teufel seine Macht über dich genommen! Der Teufel versucht alles Erdenkliche, um uns abzulenken und unsere Aufmerksamkeit von dieser Wahrheit wegzuwenden. Tatsächlich ist das Lügen seine Spezialität. In Johannes 8,44 sagt Jesus, dass der Teufel der Vater der Lüge ist und keine Wahrheit in ihm ist. Er wird nie aufhören, uns zu belügen, bis zu jenem glorreichen Tag, an dem Jesus seinen Mund für immer verschließt (siehe Offb 20,10). Allerdings kannst du seine Täuschungsversuche stoppen, indem du dir immer wieder bewusst vor Augen führst, dass der Teufel in deinem Leben nichts zu melden hat. Dank Jesus hat er kein Stimmrecht. Tatsächlich »[tragen wir] in alldem einen glänzenden Sieg davon durch den, der uns geliebt hat (Röm 8,37 eü).
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Je mehr dein Denken mit den richtigen Glaubensinhalten gefüllt ist, desto deutlicher wirst du erkennen, wie einfach es ist, in der Kraft des am Kreuz vollbrachten Werkes zu leben!