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Copyright © 2020 by Dieter Goerdts Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.de abrufbar. Bibelzitate, sofern nicht anders angegeben, wurden der Revidierten Elberfelder Bibel entnommen. Copyright © 2008, SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten. Alle Rechte vorbehalten. Alle Bibelübersetzungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Verlage verwendet. Hervorhebungen einzelner Wörter oder Passagen innerhalb von Bibelzitaten wurden vom Autor vorgenommen. lut Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart. ngü Neue Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen, © 2011 Genfer Bibelgesellschaft. nlb Neues Leben Bibel, © 2017 SCM R.Brockhaus, Witten. slt Bibeltext der Schlachter Übersetzung, © 2000 Genfer Bibelgesellschaft. Umschlaggestaltung: spoon design, Olaf Johannson Umschlagbild: Anna-Mari West/Shutterstock.com Lektorat: Th ilo Niepel, Gabriele Kohlmann Satz: Th ilo Niepel, Grace today Verlag Druck: CPI − Clausen & Bosse, Leck Printed in Germany 1. Auflage 2020 © 2020 Grace today Verlag, Schotten Paperback: ISBN 978-3-95933-174-6, Bestellnummer 372174 E-Book: ISBN 978-3-95933-175-3, Bestellnummer 372175 Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlages. www.gracetoday.de


Inhalt Vorwort

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Einleitung

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1. Gefährliche Fragen – Was muss ich tun, was soll ich lassen?

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2. Heilsgewissheits-Fallen in der Bibel 2.1 Konkrete Anweisungen, doch falsche Schlüsse 2.2 Unklare Anweisungen, die Verwirrung stiften 2.3 Bedrohliche Ankündigungen führen zu (Höllen-)Angst

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3. Verzerrtes Gottesbild 3.1 Gott straft nicht mit Krankheit 3.2 Gott ist nicht hart 3.3 Gott ist auch im Alten Testament barmherzig und gnädig

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4. Vermischung 4.1 Wenn wir unsere Sünden bekennen, vergibt Gott 4.2 Die Lauen spuckt Jesus aus 4.3 Treibe die Magd hinaus 4.4 Auf gnadenlosem Mischmasch liegt kein Segen

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5. Das Wort wurde Fleisch

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Schlusswort

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Nachwort

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Bibliografie

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Vorwort Es gibt einige Bücher, die eingangs versprechen, dass sie das Leben ihres Lesers, ihrer Leserin verändern werden. Bei der vorliegenden Lektüre ist das anders. Dieses Buch ist entstanden, weil das Leben des Autors verändert wurde. Ein Online-Bibelstudium an der Grace Academy in Bubikon (Schweiz), die von Pastor Erich Engler geleitet wird, hat mich von vielen Ängsten befreit, nachdem gesetzlich denkende Christen und bedrohlich klingende Bibelverse (letztere kommen oft aus dem Mund ersterer) mir 22 Jahre lang die Freude an Jesus verleidet hatten. Es gibt sehr triftige Gründe, dieses Buch zu lesen. Wenn du Christ bist, wird es dir helfen, alle Unsicherheiten über die eigene Errettung zu verlieren. Es wird dir Gewissheit darüber verleihen, dass du die Ewigkeit in der Herrlichkeit Jesu verbringst. Es wird Klarheit schaffen, dass das echte Christenleben keine Achterbahnfahrt zwischen Angenommensein und Verworfenwerden ist, sondern dass man als sein Kind bei Gott immer angenommen ist. Und eine solche Klarheit, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, kann ein Leben nachhaltig verändern. Es geht also um die sogenannte Heilsgewissheit. Die mit diesem Begriff verknüpfte (frohe) Botschaft wird momentan auf der ganzen Welt angegriffen. In der letzten freikirchlichen Gemeinde, der ich mich zugehörig zählte, erlebte ich, dass Gläubige energisch darauf bestanden, dass auch wiedergeborene Christen »in die Hölle kommen« können. Lieblingswort für diese These ist der im ersten Timotheusbrief angekündigte Abfall vom Glauben in der letzten 7


Zeit. Auch öffentliches Bitten im Gottesdienst, man möge das Ziel nicht verfehlen, suggerierte, dass in Sachen Errettung das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. Aus einigen Gesprächen weiß ich, dass auch andere Menschen unter Christen gelitten haben, die nicht nur bibelfest, sondern auch »bibelhart« waren. Für einen Menschen, der an Jesus und ein Leben nach dem Tod glaubt, gibt es nichts Schlimmeres als religiösen Druck. Das erfuhr beispielsweise meine Urgroßmutter in extremer Weise. Sie hatte als katholische Magd einen evangelischen Hofbesitzer geheiratet. Nach guter Landwirts-Sitte der damaligen Zeit mussten die Kinder evangelisch getauft werden. Die Kirchenoberen machten der armen Magd aber buchstäblich die Hölle heiß. Sie erklärten ihr, dass jedes nicht katholisch getaufte Kind in die Hölle komme. Wegen seiner derart in Not versetzten Frau war der Ehemann zu einem Kompromiss bereit: Jungen werden evangelisch, Mädchen katholisch. Dennoch litt die arme Frau, immer wenn sie schwanger war, unvorstellbare Seelenqualen. Immer wieder lief sie zum Friedhof und betete, dass das ungeborene Kind ein Mädchen sein möge. Der Herr half ihr. Nur drei ihrer neun Kinder waren Jungen. Meine Mutter war zeitlebens gläubig und machte als 60-Jährige den für sie nicht leichten Schritt, in einer dörflichen Gemeinschaft aus der evangelischen Kirche auszutreten. Sie nahm Jesus in ihr Leben auf und gab sich sehr viel Mühe, als Christin »richtig« zu leben. Als sie im vergangenen Jahr als mittlerweile 89-Jährige im Sterben lag, freute sie sich auf den Himmel, fragte aber kurz vor ihrem Tod: »Meinst du, ich habe genug getan?« Diese Restunsicherheit einer durch und durch gläubigen Frau machte mich sehr traurig. Die Barna Group, ein bekanntes evangelikales Meinungsforschungsinstitut, befragte amerikanische Christen aus allen Denominationen, ob sie glaubten, dass sie durch Werke etwas dazu 8


beitragen könnten, sich den Himmel zu verdienen. Darauf antworteten 82 Prozent der Katholiken mit Ja, was im Grunde nicht sehr verwunderlich ist. Aber in der Glaubensgemeinschaft, die am wenigsten auf eigene Verdienste vertraute, waren es immer noch 22 Prozent der befragten Mitglieder. Das waren die Assemblies of God, die amerikanischen Pfingstler – von ihnen glaubt also gut jeder Fünfte, er müsse sich den Himmel zum Teil selbst verdienen. Ein Grund für das fatale Nichtverständnis der frohen Botschaft über das perfekt vollbrachte Rettungswerk Christi liegt meines Erachtens darin, dass in vielen Gemeinden zu viel darüber gepredigt wird, wie Christen sein sollen, und zu wenig darüber, wie Gott ist. Oft wird das Augenmerk mehr nach außen als nach innen gerichtet. Über dem Missionsauftrag der Evangelisation rückt in den Hintergrund, dass die anwesenden Gemeinde-Schäfchen Nahrung brauchen. Oft wird vergessen, dass der fünff ältige Dienst in erster Linie der Gemeinde zugutekommen soll, wie Paulus in Epheser 4,11–14 (lut) schreibt: Er selbst gab den Heiligen die einen als Apostel, andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes. Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollendeten Menschen, zum vollen Maß der Fülle Christi, damit wir nicht mehr unmündig seien und uns von jedem Wind einer Lehre bewegen und umhertreiben lassen durch das trügerische Würfeln der Menschen, mit dem sie uns arglistig verführen. Der Wind weht, wie er will, und Würfel fallen, wie sie wollen. Beide sind unzuverlässig. Das Wort Gottes dagegen ist ein un9


erschütterliches Fundament. Es hält sein Fähnchen nicht in den Wind des Zeitgeistes, muss nicht modernisiert werden und darf von Theologen des 21. Jahrhunderts nicht anders beurteilt werden, als es vor 2000 Jahren der Fall war. Es ist zuverlässig und widerspricht sich nicht, auch wenn ich das viele Jahre geglaubt habe. Wenn scheinbare Widersprüche auftreten, empfiehlt sich die Handlungsweise der Leute in Beröa: »Sie nahmen mit aller Bereitwilligkeit das Wort auf und untersuchten täglich die Schriften, ob dies sich so verhielte« (Apg 17,11). Zu solchem Nachforschen möchte ich dich, lieber Leser, liebe Leserin, in diesem Buch anregen und herzlich einladen.

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Einleitung »Was willst du studieren? Theologie?!« Der Oberfeldwebel war derart schockiert von meinem Berufswunsch, dass er sich in seinen Panzer verkroch und den ganzen Tag nicht mehr mit mir sprach. Mein Sprung vom Bundeswehr-Leutnant zum angehenden Pastor, den ich plante, war einfach zu groß und zu viel des Guten für ihn. Vielleicht hätte ich ihn auch noch einmal überdenken sollen. Denn nach drei Jahren Studium hatte ich genug von der Theologie. Die kritische Herangehensweise der Dozenten an die Bibel mit dem oft gehörten Satz »Das hat der historische Jesus nicht gesagt« raubte mir den Glauben. Und ohne Glauben als Fundament wollte ich nicht Pastor werden. Ich lief weg von Gott (er aber nicht von mir). Mein Wunsch, Sportjournalist zu werden, erfüllte sich im Schnellverfahren. Meine Bewerbung bei einer Zeitung wurde zwar mit dem Hinweis abgelehnt, dass man ein abgeschlossenes Studium benötige, dennoch wurde ich ein Jahr später angestellt und das Volontariat von normalerweise zwei Jahren auf drei Monate verkürzt. Schließlich bekam ich sogar meinen Traumjob, um den mich viele Kollegen und noch mehr Fußballfans beneideten: Pressesprecher beim Bundesligaklub Borussia Mönchengladbach. Ich hatte alles, was ich mir erträumt hatte: eine Ehefrau, eine süße Tochter und einen tollen Beruf. Doch nach 18 Jahren ohne Gott, als meine Frau einen anderen Mann entschieden toller fand als mich, fiel alles in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Ich emp-

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fand das als Quittung dafür, dass ich Gott weggelaufen war. Aber er fand mich wieder, und ich lernte als 42-Jähriger Jesus kennen. Trotz der schmerzlichen Trennung sang ich mit meiner damals neunjährigen Tochter viel und redete den ganzen Tag mit Jesus. Er, niemand anders, sagte mir, dass ich mit dem Rauchen aufhören solle und weckte den Wunsch in mir, mich taufen zu lassen. Und er schickte mich in eine Gemeinde, in der ich meine neue Frau kennenlernte. Es war eine wunderschöne Zeit – bis ich einen leider weit verbreiteten Fehler beging. Ich fragte, wie ich mich als Christ nun verhalten müsse. Wenig später war ich im religiösen Regelwerk gefangen. Als ich anfing, Fragen zu stellen, war es mit der Herrlichkeit vorbei. Ich bin Journalist, ich möchte Dinge verstehen. Wenn sie oft keine Antworten wusste, empfand die Gemeindeleiterin meinen Wissenshunger als Kritik. »Taste den Gesalbten des Herrn nicht an«, bekam ich dann zu hören. Schlimmer noch war die sich stets wiederholende Behauptung: »Ich lasse mich nur vom Heiligen Geist leiten.« Also musste es Gott selbst sein, der mich mehr und mehr drangsalierte. (Noch Jahre später bekam ich es mit der Angst, wenn ich einen Prediger sagen hörte: »Der Heilige Geist ist hier.«) Auf einmal war ich nicht mehr »geistlich« genug, den jährlichen Freundesbrief zu schreiben. Selbst für den Job, Getränkekästen einzukaufen und in den ersten Stock zu schleppen, war ich nicht mehr gut genug. Dennoch bekam ich die Warnung: »Wenn du hier weggehst, lacht der Teufel sich kaputt.« Nach einigen Monaten voller Angst vor den Folgen schaffte ich den Absprung und merkte, wie sehr ich unter eine gesetzlichmanipulative Knute geraten war. Befreiung von der Angst, nicht gut genug zu sein und Gott ständig zu verärgern, würde ich erst 20 Jahre später durch Pastor Joseph Prince erfahren. Ich habe erlebt, wie viel Schindluder mit Bibelversen als »Schlag«-Worte ge12


trieben werden kann. Deshalb möchte ich versuchen, zum richtigen Verständnis von »Droh-Botschaften« beizutragen, und gleichzeitig die wahre Frohbotschaft aufzeigen. Während der Entstehung dieses Buches begeisterte mich, wie klar Gottes Wort über die reine Gnade spricht. Es war befreiend, wie viele Bibelstellen ihren Schrecken verloren. Ich war so gepackt, dass ich etlichen Christen davon erzählte – mit ernüchterndem Resultat. Wie oft hören wir in den Gemeinden, dass Menschen mit Gottes Wort erreicht werden sollen. Wie oft wird gebetet, dass Gott Menschen zu sich ziehe. Wem das wirklich wichtig ist, der müsste sich doch eigentlich freuen, dass nach seiner Bekehrung niemand mehr verloren gehen kann. Doch statt Freude ruft diese wahrhaft frohe Botschaft meist Ablehnung hervor. Da werden abstruse Träume und alle möglichen schwerwiegenden Sünden, vorwiegend sexueller Art, ins Argumentationsfeld gegen die Heils-Sicherheit geführt. Wer das tut und sich jenes erlaubt, wer nicht am Gemeindeleben teilnimmt und sich »weltlich« verhält, der kann seine Rettung doch nicht behalten. Wo kämen wir denn da hin? Dann wären ja alle eigenen Bemühungen um ein rechtschaffenes Leben vergeblich gewesen! Ein gestandener Christ, der 30, 40 oder 50 Jahre bemüht war, sich Gott als wohlgefällig zu erweisen, kann einem Frischbekehrten doch kein Leben ohne Anstrengung und Benimmregeln durchgehen lassen. Was zählt da schon so ein elementarer Bibel-Grundsatz wie Johannes 3,16 (slt): »Denn so [sehr] hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern ewiges Leben hat.« Das Schlimme ist: Selbstgerechte Menschen rauben nicht nur sich, sondern auch anderen die Freude an der »überschwänglichen Gnade« (2Kor 9,14). Es gibt viele Gläubige, die sich von Verhaltensordnungen einschüchtern lassen und sich im Vergleich mit prahle13


rischen Menschen (»Ich tue alles nur für Jesus«) für Christen zweiter oder dritter Klasse halten. Manch einer hat so schon frustriert der Gemeinde den Rücken gekehrt. Ich wünsche mir und bete dafür, dass viele Menschen die absolute Gewissheit bekommen, dass sie in der Ewigkeit mit Jesus leben werden. Wie lange ist ewig? Eine wunderschöne Antwort auf diese Frage bekam ich, als ich mit meiner Tochter die Zeichentrickfilme über das Mädchen Heidi in den Schweizer Bergen ansah. Die Autorin und Heidi-Schöpferin Johanna Spyri lässt Heidis Großmutter folgende Geschichte erzählen: Stell dir vor, du kannst alle Berge der Erde aufeinanderstellen zu einem Riesenberg. Dann kommt alle 1000 Jahre ein Vögelchen und wetzt seinen Schnabel an diesem riesigen Berg, der aus allen Bergen der Erde besteht. Wenn das Vögelchen durch das Wetzen seines Schnabels den Riesenberg abgetragen hat – dann ist von der Ewigkeit die erste Sekunde vorbei.

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1. Gefährliche Fragen – Was muss ich tun, was soll ich lassen? Als Sportjournalist habe ich viel gefragt. Ohne Fragen wären viele meiner Zeitungs- und Agenturartikel nicht zustande gekommen. Fragen und Nachfragen sind wichtig für das Verständnis von Sachverhalten. Um Schüler zu ermutigen, ihre Wissenslücken zu schließen, haben Lehrer den Standardsatz in petto: »Es gibt keine dummen Fragen, es gibt nur dumme Antworten.« Fragen sind nötig zur Informationsbeschaff ung aller Art, sei es in medizinischen, finanziellen oder anderen Angelegenheiten. Im christlichen Bereich sind Fragen aber nicht immer willkommen. Da werden sie schon mal als »In-Frage-Stellen« einer gottgegebenen Tatsache empfunden. Viele meiner Fragen in meinem ersten Christen-Jahr wurden mit der Antwort beschieden: »Das muss man geistlich betrachten.« Mit anderen Worten: Du bist nicht geistlich genug, um das zu verstehen. Das ist nicht nett, kann man aber runterschlucken und auf geistlich bessere Zeiten hoffen. Aber es gibt zwei Fragen, die ein Christ besser keinem anderen Christen stellen sollte: »Was muss ich tun?« und »Was soll ich lassen?« Sie sind so gefährlich, dass die Antworten dein ganzes Leben und vor allem deine Heilsgewissheit beeinflussen können. Ein großer Heilsgewissheits-Killer steckt in der Frage: »Was muss ich tun?« Das ist eine Art Lieblingsfrage der meisten Leute. Denn man verspricht sich davon Sicherheit. Ich bekomme eine Aufgabenliste, arbeite sie ab und kann in Ruhe Feierabend machen. Was muss ich tun? Das ist in allen Religionen die Kardinal15


frage und die Menschen bemühen sich, ihre Liste abzuarbeiten. Sie haben zwar auch mal Feierabend, doch nie Ruhe. Immer schwebt die Folgefrage über ihnen: Habe ich genug getan, um in den Himmel zu kommen? Religion ist der Versuch des Menschen, zu Gott zu finden und ihn mit den eigenen »guten Werken« zufriedenzustellen – doch wenn das möglich wäre, hätten wir keinen Erlöser gebraucht. Religion verschleiert Gott mit so vielen menschlichen Überlegungen und Gedankengebäuden, dass er am Ende gar nicht mehr zu erkennen ist. Das Judentum zu der Zeit Jesu hatte statt einer Liste eine dicke Schriftrolle mit 613 Ge- und Verboten und mehrere noch dickere Schriftrollen zur Erklärung, wie diese Ge- und Verbote zu halten bzw. zu beachten seien. In der Bibel kommt ein Oberer zu Jesus und stellt die Frage: »Was muss ich tun?« Und es fragte ihn ein Oberer und sprach: Guter Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein. Du kennst die Gebote: »Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!« Er aber sprach: Das habe ich alles gehalten von Jugend auf. Als Jesus das hörte, sprach er zu ihm: Es fehlt dir noch eines. Verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach! Als er das hörte, wurde er traurig; denn er war sehr reich. Da aber Jesus sah, dass er traurig geworden war, sprach er: Wie schwer kommen die Reichen in das Reich Gottes! Denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes 16


komme. Da sprachen, die das hörten: Wer kann dann selig werden? Er aber sprach: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich. — Lukas 18,18–27 lut Ein Oberer zur damaligen Zeit war ein Vertreter der jüdischen Oberschicht. Und wenn die etwas kannte, dann ihre dicken Schriftrollen. Darauf bezieht sich Jesus auch in seiner Antwort: »Du kennst die Gebote.« Jesus gibt dem Fragenden eine To-do-Liste, aber die hatte der schon abgehakt. Wahrscheinlich spürte der Obere, dass es nicht reicht, was er tut. Er könnte zufrieden mit sich sein, hat aber keinen Frieden. Er hat das Gefühl, dass er noch etwas mehr tun muss. Und Jesus bestätigt ihn darin: »Verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach!« (V. 22). Als der Obere das hörte, wurde er traurig, denn er war sehr reich. Er wusste, dass er es nicht schaffen würde, sein ganzes Vermögen an die Armen zu geben. Er hatte auf eine Antwort gehofft, wie er Heilsgewissheit bekommen könne, und war enttäuscht worden. In den Versen 24–25 heißt es: »Da aber Jesus sah, dass er traurig geworden war, sprach er: Wie schwer kommen die Reichen in das Reich Gottes! Denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes komme.« Wenn man das so liest, könnte man denken: Ich bin nicht reich, ich bin kein Kamel, also komme ich locker in den Himmel. Die Jünger waren von diesem Denken weit entfernt. Die meisten von ihnen waren Fischer und alles andere als reich. Und doch schreibt Matthäus in der Parallelgeschichte: Da das die Jünger hörten, entsetzten sie sich sehr und sprachen: Ja, wer kann dann selig werden? Jesus aber sah sie an und

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sprach zu ihnen: Bei den Menschen ist’s unmöglich; aber bei Gott sind alle Dinge möglich. — Matthäus 19,25–26 lut Damit haben wir eine Klammer, die die Aussage des Textes auf zwei Schlagworte verdichtet: Die Frage »Was muss ich tun?« und die Antwort »Für Menschen unmöglich«. Mit anderen Worten, du kannst tun, was du willst, am Ende steht immer das Unmöglich. Du kannst auch lassen, was du willst: Alkohol, Zigaretten, Drogen, Pornographie usw. Auch wenn du von allen großen und kleinen Lastern frei wärst, wäre Jesu Antwort darauf: Für Menschen ist es unmöglich, in den Himmel zu kommen. Zugespitzt formuliert kann man den Schluss ziehen: Die Frage danach, was ich tun muss, führt nicht zur Heilsgewissheit, sondern zur Höllenfurcht. Bei Matthäus fragt der als »reicher Jüngling« bekannt gewordene Mann, der wie von Markus (Kapitel 10, Vers 17) zunächst »einer« genannt wird, was er Gutes tun solle. Thayer’s Greek Lexicon übersetzt das hier gebrauchte Wort agathos mit »rechtschaffen, ehrenwert, integer«.1 Das deutet daraufhin, dass er mit seinen Werken Menschen im Blick hatte: mehr Almosen geben, häufiger Kranke pflegen, Obdachlose unterstützen. Bei allen drei Evangelisten ist der Fragesteller davon überzeugt, alle von Jesus genannten Gebote stets gehalten zu haben, und bekundet damit eine wahrlich pharisäische Gesinnung. Über den sterbenden Rabbi Chanina ben Dosa berichtet der Talmud, dass er zum Todesengel sagte: »Hole das Buch des Gesetzes und schau nach, ob da irgendetwas drinsteht, was ich nicht eingehalten habe.« Lukas stellt den Fragesteller als Oberen, einen Mann aus der jüdischen Führungsschicht vor. Und die war nicht gerade dafür be-

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Thayer’s Greek Lexicon – https://biblehub.com/str/greek/18.htm.

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kannt, Spendierhosen anzuhaben. Jesus warf ihnen zum Beispiel vor: Ihr lehrt, man könne zu seinem Vater oder zu seiner Mutter sagen: ›Alles, was dir eigentlich von mir als Unterstützung zusteht, erkläre ich für Korban.‹ (Das bedeutet: Es ist eine Opfergabe ›für den Tempel‹.) — Markus 7,11 ngü Bei der Frage nach dem Tun steht also vielleicht kein Liebesdienst an Mitmenschen im Blickpunkt. Womöglich wird mehr auf Gott abgezielt: einen Tag mehr im Monat fasten, mehr Zeit im Tempel verbringen, mehr Geld ins Gotteshaus bringen oder noch mehr Regeln auswendig lernen. Sind wir nicht oft auf beiden Ebenen mit unserem Tun unzufrieden? Wollen wir nicht oft mehr beten, mehr in Gottes Wort lesen, länger und intensiver in der Anbetung verweilen? Wollen wir nicht oft größere Summen an mehr Organisationen spenden? Ertappen wir uns nicht oft dabei, diesen Kranken nicht besucht und jenen Deprimierten nicht angerufen zu haben und geloben dann immer wieder Besserung? Ich kannte einen Pastor, der von morgens bis spätabends »auf Achse« war und am Ende des Tages immer wieder beklagte, was er alles nicht geschafft hatte. Egal, ob wir bestrebt sind, mehr für Gott zu tun, oder ob wir uns mehr für Menschen einsetzen – letztlich kommen wir mit unseren Bemühungen an einen Punkt, an dem wir so traurig weggehen wie der reiche Jüngling. Warum tröstete Jesus ihn nicht über die Traurigkeit hinweg? Weil er etwas lernen musste, was auch wir lernen müssen: Wenn du Jesus fragst, was du tun musst, dann deckt er dich so lange mit Aufgaben zu, bis du an deine Grenzen stößt. Bis du endlich merkst: Ich kann das nicht. Bis du zu Jesus rufst: Ich schaff es nicht, bitte mach du das für mich! 19


Der reiche Mann »reduzierte Jesu Botschaft auf ein Selbsthilfeprogramm«, schreibt Rich Wilkerson jr. Er dachte, Jesus sei nur da, um ihm beim Gutsein zu helfen. »Jesus kam nicht auf die Erde, um guten Menschen zu helfen, noch besser zu werden. Er kam, um geistlich tote Menschen zum Leben zu erwecken.«2 So lange du glaubst, du könnest irgendwelche eigene Fähigkeiten in die Waagschale werfen, stehst du vor der roten Ampel mit der Botschaft: »Für Menschen unmöglich.« Aber wenn du völlig kapitulierst und sagst: »Nicht die Bohne kann ich zu meiner Gerechtigkeit beitragen, die allein Jesus mir erworben hat«, dann steht die Ampel auf dem Weg zum Himmel auf Grün – und springt nie wieder um, wie unter anderem folgende Bibelstelle zeigt: Doch Gott erklärt uns aus Gnade für gerecht. Es ist sein Geschenk an uns durch Jesus Christus, der uns von unserer Schuld befreit hat. Denn Gott sandte Jesus, damit er die Strafe für unsere Sünden auf sich nimmt und unsere Schuld gesühnt wird. Wir sind gerecht vor Gott, wenn wir glauben, dass Jesus sein Blut für uns vergossen und sein Leben für uns geopfert hat. … Können wir nun stolz darauf sein, dass wir irgendetwas dazu getan haben, von Gott angenommen zu werden? Nein, denn das geschah nicht aufgrund unserer guten Taten, sondern allein aufgrund unseres Glaubens. … Es gibt nur einen Gott. Und es gibt nur einen Weg, von ihm angenommen zu werden. Nur aufgrund des Glaubens spricht er die Menschen vor sich selbst gerecht. — Römer 3,24–25.27.30 nlb Der entscheidende Fehler in der Frage des Oberen ist das Wörtchen »muss«. Es drückt eine Pflicht aus, ist mit Druck verbunden. 2 Rich Wilkerson jr., Freund der Sünder, S. 51.

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Du machst das, was du »musst«, nicht aus freien Stücken, sondern aus Zwang. Du hast keine Freude, wenn du etwas tun musst. Doch fröhliche Geber hat Gott lieb (2Kor 9,7), und das bezieht sich nicht nur auf Finanzen. Du bist auch ein fröhlicher Geber, wenn du dir trotz des spannenden Fernsehprogramms gern Zeit für den abendlichen Anrufer nimmst. In der Frage »Was muss ich tun?« ist nicht nur das »muss« falsch. Noch gefährlicher im Hinblick auf die Heilsgewissheit ist das kleine Wörtchen »ich«, weil es dich in die verkehrte Richtung schauen lässt. Wenn du auf dich siehst, wenn du selbst-bewusst bist, reibt sich der Teufel die Hände. Dann kann er dich so sehr mit eigenen Anstrengungen, selbsterdachten Projekten, eifrigen Aktionen, Humanismus oder auch Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen bombardieren und unter Stress setzen, dass du alles Mögliche ausstrahlst, nur keine Freude. Während Maria zu den Füßen Jesu saß, war Martha so beschäftigt in der Küche unterwegs, dass sie in ihrem Stress und Frust außer ihrer Schwester auch noch Jesus anmaulte (Lk 10,40). Verflucht sei, wer sich von mir abwendet und sich nur noch auf Menschen oder seine eigene Kraft verlässt. Der ist wie ein kümmerlicher Wacholderstrauch in der Wüste, der versucht, auf salzigem, unfruchtbarem Boden zu wachsen – er wird nicht viel Glück haben. — Jeremia 17,6 nlb Ganz groß schrieben das ICH die Pharisäer, die stolz darauf waren, Gottes Gebote zu halten. Paradebeispiel dieser Zunft ist der ichbezogene Mensch, von dem Lukas erzählt. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die Übrigen der Menschen: 21


Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche, ich verzehnte alles, was ich erwerbe. — Lukas 18,11–12 Ähnliche Gebete kann es auch heute noch geben. Ich hörte von folgendem in einem Gebetskreis: Danke, Herr, dass ich Tante Erna gestern die Getränkekästen in den dritten Stock tragen durfte. Das richtige Zusammenspiel von Gnade und Werken hat Paulus sehr anschaulich dargestellt. Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen. — Epheser 2,8–9 lut Entscheidend ist die Reihenfolge. Erst kommt die Errettung, dann die guten Werke, die Gott zuvor bereitet hat, und nicht umgekehrt. Die kleine, auch nicht ungefährliche Schwester der Frage nach dem, was man tun muss, ist die Frage: »Was soll ich lassen?« Vielleicht nicht immer, aber oft werden die Beweggründe für die Fragen »Was muss ich tun?« und »Was soll ich lassen?« die gleichen sein. Jemand, der sich die eine, die andere oder beide Fragen stellt, meint wahrscheinlich, sich für Gott annehmbar machen zu müssen. (»Wenn ich brav bin, hat Papa mich lieb.«) Beide Fragen können somit zu religiösem Druck führen. Stellt man sie Gott, und nur Gott, steht einem unbeschwerten Christenleben nichts im Weg. Denn die Bibel sagt:

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Er gibt mir Kraft. Er zeigt mir den richtigen Weg um seines Namens willen. — Psalm 23,3 nlb Wir dürfen wie David beten: Herr, zeige mir die Wege, die ich gehen soll, und weise mir die Pfade, denen ich folgen soll. — Psalm 25,4 nlb Als Christen sind wir frei und sollten daher auch in Freiheit leben. Und wenn wir es zulassen – wenn wir ihm unsere Fragen stellen –, begleitet und führt Gott uns in dieser unserer Freiheit mithilfe des inneren Zeugnisses (siehe Römer 8,16). Mir ist alles erlaubt. Aber nicht alles ist gut. Es ist mir zwar alles erlaubt, doch ich will mich von nichts beherrschen lassen. — 1. Korinther 6,12 nlb Leider habe ich stattdessen mal einen Menschen gefragt: »Darf ich noch Alkohol trinken?« Die Antwort war: »Das weiß ich nicht. Aber in mir wohnt Jesus, und dem schmeckt das nicht.« Kurz darauf musste ich beruflich zu einem Sektempfang und nahm selbstverständlich nur Orangensaft – bis ein Vorgesetzter mir ein Glas Sekt in die Hand drückte und mir zuprostete. Aus Angst, Jesus zu verärgern, benetzte ich nur ganz vorsichtig die Lippen und hoffte, der Chef würde es nicht merken. Wie konnte ich mich nur so ins Bockshorn jagen lassen? Aus Eifer, in Gottes Augen alles richtig zu machen, hatte ich mir blindgläubig die Äußerung der Gemeindeleiterin zu eigen gemacht. Dabei wäre hier ein gescheites Nachfragen angebracht gewesen: »Woher willst du wissen, dass Jesus kein Alkohol schmeckt? Bei der Hochzeit zu Kana hat er doch auch Wein getrunken.« 23


Das war übrigens das erste Wunder, das Jesus auf Erden wirkte. Keine Heilung, keine Dämonenaustreibung, kein Sturmstillen, keine Massenspeisung, keine Totenauferweckung – mit seinem ersten Wunder sorgte Jesus dafür, dass eine Menge betrunkener Hochzeitsgäste noch betrunkener werden konnte. Und wir lesen in dieser Geschichte (Joh 2,1–11) an keiner Stelle, dass Jesus sagte: »Für mich bitte nur ein stilles Wasser.« Beim jüdischen Sederabend, dem Beginn des Passahfestes, den Jesus und seine Jünger beim letzten Abendmahl feierten, trank jeder Teilnehmer vier Becher Wein.3 Natürlich befürwortet die Bibel keine Besäufnisse. Paulus mahnt: »Berauscht euch nicht mit Wein, was Ausschweifung ist, sondern werdet voll Geistes« (Eph 5,18 slt). Der Apostel ist aber nicht grundsätzlich gegen Alkohol, was man anhand seiner Anweisung an Timotheus erkennt: »Trinke nicht mehr nur Wasser, sondern gebrauche ein wenig Wein um deines Magens willen und wegen deines häufigen Unwohlseins« (1Tim 5,23 slt). Weil ich mir ohnehin nicht viel aus Alkohol machte, traf mich die entsprechende Gemeinde-Vorgabe nicht sehr. Schlimmer war es mit dem Fernsehen, über das die Bibel ja nun gar nichts sagt. Dennoch ordnete die Gemeinde-Chefin an, dass meine neunjährige Tochter nicht mehr fernsehen dürfe. Das setzte mich als alleinerziehenden Vater gewaltig unter Druck. Wie sollte ich das dem Kind erklären, wenn ich es selbst nicht verstand? Gott sei Dank spricht unser himmlischer Vater persönlich zu uns. Er hat die Stimme, auf die wir hören sollten, wenn es gilt, irgendeine Gewohnheit abzulegen. Und er hilft dann auch dabei. Jesus, und nur er, machte mir klar, dass ich mit dem Rauchen aufhören sollte. Zugegeben, ich tat das etwas spektakulär, als ich im Got3

Paul Spiegel: Was ist koscher?, S. 264.

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tesdienst die Zigarettenschachtel zertrat. Aber es war wirkungsvoll. Obwohl ich durch die frische Trennung von meiner ersten Frau nervlich arg strapaziert war, fasste ich keine Zigarette mehr an – und das ohne Entzugserscheinungen. Vierzehn Jahre zuvor hatte ich mir schon einmal das Rauchen abgewöhnt, ohne Gott, und das war furchtbar. Ich war eine Woche lang so aufgedreht, dass mein Vater sagte: »Fang lieber wieder an zu rauchen.« Wenn mir ein Christ, egal in welcher Position, den Nikotinentzug »empfohlen« hätte, wäre der Kampf vermutlich noch größer gewesen als beim ersten Mal. Später habe ich mich ertappt, wie ich über jemanden die Nase rümpfte, der nach einem Gottesdienst rauchte. Heute aber weiß ich, dass wir es Gott überlassen sollen (müssen), was er wann an einer Person ändern möchte. Vielleicht hatte jener Raucher eine viel wichtigere Baustelle, die es zuerst zu bearbeiten galt. Außerdem, ganz plakativ gesagt: Weder Nichtraucher noch Anti-Alkoholiker kommen automatisch in den Himmel. »Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst gerettet werden«, sagte Paulus. Wie für den Kerkermeister in Philippi ist das auch für uns die einzige Bedingung zur Heilsgewissheit: »Glaube an den Herrn Jesus!« In allen Verhaltensfragen ist nur der Heilige Geist der richtige Ansprechpartner. Wenn du wissen willst, ob du etwas lassen sollst, dann frage ihn. Er wird es dir sagen. Und er wird dir mit der Antwort sicher nicht die Daumenschrauben ansetzen oder dich mit einem Ultimatum quälen. Ich hörte einmal jemanden sagen: »Wenn du Druck verspürst, ist das nicht von Gott.« Der Heilige Geist ist der Ratgeber, der in uns wohnt. Er kann uns Gewissheit in jeder Angelegenheit geben. Seinen zweiten Brief an die Korinther schließt der Apostel Paulus mit den Worten: »Die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.« Das griechische Wort koinonia für Gemeinschaft 25


enthält die Bedeutungselemente Anteil nehmen, Anteil gewähren, enge Verbindung, innige Beziehung und Mitteilsamkeit.4 Es wird sogar für die eheliche Gemeinschaft gebraucht, die intimste Beziehung zweier Menschen. Eine Person, die solch eine Gemeinschaft mit mir haben möchte, frage ich doch gern, was ich tun und was ich lassen soll. Das ist dann nicht gefährlich, sondern erfreulich. Als der Heilige Geist mir mitteilte, dass ich mich taufen lassen solle, wäre ich vor Freude und Aufregung am liebsten sofort ins Auto gestiegen und rund 400 Kilometer in den Schwarzwald gefahren. Dort wohnte der einzige Pastor, den ich als Täufer kannte. Zusammenfassend deckt für mich als Antwort auf die Fragen »Was muss ich tun? Was soll ich lassen?« das Gebot der (von Gott inspirierten) Liebe – zu ihm, zur eigenen Person und zu anderen Menschen – alles ab. Wenn ich Gott liebe (erstes Gebot laut Jesus), weil er mich liebt und Liebe in mein Herz gelegt hat, werde ich den Wunsch haben, das Opfer seines Sohnes wertzuschätzen; es soll dann die optimale Wirkung in meinem Leben entfalten. Sich dem alten Muster von Geboten (Tun–Müssen) und Verboten (Lassen–Sollen) wieder zuzuwenden, würde den ungezwungenen Rhythmus unserer neuen Natur beeinträchtigen. Wenn ich mich und die Menschen in meinem Leben liebe (zweites Gebot laut Jesus), füge ich mir und anderen nicht mutwillig Schaden zu. Eine Person zu lieben, bedeutet zudem, sie auch zu achten und wertzuschätzen, also werde ich darauf bedacht sein, ihre Würde nicht zu verletzen bzw. ihr Wohlergehen nicht zu beinträchtigen, und werde mich loyal verhalten wollen. Wenn ich mich vom Heiligen Geist leiten lasse und seine Frucht mein Handeln bestimmt, brauche ich auch für das tägliche Leben keinen genau abgesteckten Verhaltenskodex, sondern werde jede Situation für sich wahrnehmen und dabei erfassen können, was in 4 Elberfelder Studienbibel, NT 2816 koinonia & 2818 koinonos.

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dem Moment zum Besten dient – manchmal bewusst und manchmal intuitiv. Das markiert den Unterschied zwischen neuem und altem Bund – Leitung durchs Gesetz (den Buchstaben) versus Leitung durch den Geist. Paulus beispielsweise sagte, wie schon zitiert, dass ihm alles erlaubt, aber nicht alles gut und nützlich sei. Aus dem Wissen heraus, frei zu sein, hatte er die Freiheit, bestimmte Dinge generell oder in gewissen Situationen nicht zu tun, weil sie ihm oder anderen nicht gutgetan hätten. Dazu kommt: Was in einer Situation gut ist, kann in einer anderen schlecht sein, und umgekehrt. Schwierigkeiten und Widerstand kann es auch bei besten Absichten geben, doch das ist schlichtweg dem Umstand geschuldet, dass wir fehlbar sind und über andere Menschen keine Kontrolle haben. Gott ist jedenfalls immer gut, gibt Antworten und weist uns den Weg.

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