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Greg Riether

Wahre Gnade Die Lehren Jesu

Aus dem Amerikanischen von Gabriele Kohlmann


Copyright © 2013 by Greg Riether Die amerikanische Originalausgabe erschien im Verlag Virtualbookworm.com Publishing Inc. unter dem Titel Real Grace: The Teachings of Jesus. All rights reserved. Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar. Bibelzitate, sofern nicht anders angegeben, wurden der Schlachter Bibelübersetzung entnommen. Bibeltext der Schlachter, Copyright © 2000 Genfer Bibelgesellschaft. Alle Rechte vorbehalten. Alle Bibelübersetzungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Verlage verwendet. Hervorhebungen einzelner Worte oder Passagen innerhalb von Bibelstellen wurden vom Autor vorgenommen. elb eü hfa lut neü nlb ngü

Revidierte Elberfelder Bibel © 1985, 1991, 2006, SCM R.Brockhaus im SCM Verlag GmbH & Co. KG, Witten. Einheitsübersetzung, Copyright © 1980 Kath. Bibelanstalt GmbH, Stuttgart. Hoff nung für alle © by Biblica, Inc.®, hrsg. von Fontis. Lutherbibel, Revidierte Fassung von 1984, Copyright © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart. Neue evangelistische Übersetzung, Copyright © Karl-Heinz Vanheiden. Neues Leben Bibel, Copyright © 2006, SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten. Neue Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen, Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft.

Zitate aus den folgenden Bibeln wurden aus dem Englischen übersetzt: nkjv New King James Version, Copyright © 1982 by Thomas Nelson, Inc. Lektorat: Gabriele Kohlmann, Thilo Niepel Umschlaggestaltung: spoon design, Olaf Johannson Umschlagbild: makarenko7/Shutterstock.com Satz: Grace today Verlag Druck: CPI − Clausen & Bosse, Leck Printed in Germany 1. Auflage 2018 © 2016 Grace today Verlag, Schotten Paperback: ISBN 978-3-95933-066-4, Bestellnummer 372066 E-Book: ISBN 978-3-95933-067-1, Bestellnummer 372067 Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlages. www.gracetoday.de


Inhalt Vorwort

.......................................................................... 7

Einleitung ........................................................................ 11 Die Bergpredigt Teil 1 – Gib deine Gerechtigkeit auf .............................................13 Teil 2 – Richte nicht: Von Splittern und Balken ............................27 Teil 3 – Bitte und dir wird gegeben ............................................ 40 Teil 4 – Falsche Propheten erkennen ...........................................53

Das Vaterunser Teil 1 – Unser Vater im Himmel....................................................65 Teil 2 – Dein Reich komme ..........................................................77 Teil 3 – Gib uns unser tägliches Brot ............................................87

Matthäus 16 – Teil 1 .......................................................... 97 Matthäus 16 – Teil 2 ........................................................ 111 Mit Sündern essen .......................................................... 123 Fasten – Matthäus 9 ........................................................ 134 Schafe ohne einen Hirten – Matthäus 9 ..........................146 Die Taufe Jesu ................................................................. 156 Die Stimme des Hirten – Johannes 10 .............................168 Offenbarung Die Gemeinde von Ephesus ...................................................... 180 Die Gemeinde von Pergamon ................................................... 193 Die Gemeinde von Thyatira ..................................................... 208 Die Gemeinde von Sardes .........................................................223 Die Gemeinde von Philadelphia ...............................................239 Die Gemeinde von Laodizea .....................................................253


Vorwort

D

ie Buchreihe »Wahre Gnade« mit ihren Bänden »Die Lehren Jesu«, »The Miracles of Jesus« (Die Wunder Jesu) und »The Parables of Jesus« (Die Gleichnisse Jesu) entstand aus dem tiefen Wunsch, die Evangelien mit neuen Augen zu betrachten. Aus zwei Gründen fühlte ich mich dazu veranlasst. Erstens wurde meine Theologie von 20 Jahren durch eine tiefere Offenbarung der Gnade ernsthaft erschüttert. Dieses einzigartige Konzept, dass alle meine Sünden (vergangene, gegenwärtige und zukünftige) von Jesus am Kreuz gebündelt und dort von ihm in vollem Umfang bezahlt worden waren, war etwas, das ich so nie zuvor verstanden hatte. Gott versöhnte durch Christus die Welt (die ganze Welt!) mit sich selbst, indem er den Menschen ihre Sünden nicht anrechnete (2Kor 5,19). Gott rechnet niemandem dessen Sünden zu! Unser religiöses Schema, Gott um Vergebung anzuflehen, wie auch immer sich das in den jeweiligen Denominationen abspielt, ist anti-christlich. Die Wahrheit des Evangeliums ist: Wir sind »für immer vollendet« (Hebr 10,14)! Und nicht: »vollendet, bis wir das nächste Mal sündigen«. (Alle, die jetzt 1. Johannes 1,9 als Einwand vorbringen, sollten eine kurze Abhandlung von Bob George mit dem Titel »What About 1 John 1:9?« lesen. Dieser Vers – wie auch alles andere im ersten Kapitel von 1. Johannes – richtet sich nicht an Gläubige.) Dies ist der Skandal des neuen Bundes in Jesus. Menschen, die »geistlich arm« sind, erben das Königreich! Was Jesus und seinen neuen Bund betrifft, bleibt nur eine Frage: Glaubst du das? Diejenigen, die glauben, haben das ewige Leben. Wer nicht glaubt, ist bereits verurteilt (Joh 3,18). Als ich diese tiefere Offenbarung über das vollendete Werk Christi empfing, öffnete VORWORT | 7


sich mir die Bibel wie nie zuvor. Es war, als hätte ich eine völlig neue Bibel! So viel Freude! Darüber hinaus begann ich zu sehen, wen Jesus in den Berichten der Evangelien verkörperte, nämlich die Übergangsfigur zwischen dem alten Bund des Gesetzes zu dem neuen Bund der Gnade. Heute erscheint alles so elementar, aber zu der damaligen Zeit war es eine gewaltige Offenbarung. Jesus tat während seines Dienstes stets eines von zwei Dingen: Entweder begrub er Menschen unter den Forderungen von Gottes Gesetz (damit sie ihre Eigenbemühungen um Gerechtigkeit aufgeben, sprich »dem eigenen Ich sterben« würden) oder er wusch sie auf neue und lebendige Weise gemäß der Gnade (er vergab die Sünden des gelähmten Mannes, ohne dass dieser Mann sie bekannt und Buße getan oder auch nur um Vergebung gebeten hätte!). Wenn du Jesu unterschiedliche Beweggründe nicht nachvollziehen kannst, wenn du nicht verstehst, dass der neue Bund erst mit dem Tod von Jesus in Kraft trat, und auch nicht erkennst, dass ein Großteil von Jesu Lehren ein Angriff auf das System der »Eigenbemühung« (das System des Fleisches) war, wirst du allen Reden Jesu die gleiche Bedeutsamkeit beimessen. Du wirst dann glauben, sie richteten sich allesamt direkt an gläubige Christen. Diese Herangehensweise hat den Lehren Jesu großen Schaden zugefügt und viele Gläubige in Verdammung und Furcht festgehalten. Diese Buchreihe ist darum bemüht, die kraft- und gnadenvollen Worte Jesu und sein Wirken neu zu erfassen, damit wir die beeindruckende Schönheit und den Skandal des »fleischgewordenen Wortes voller Gnade und Wahrheit« (Joh 1) erkennen können. Während des Lesens wirst du hin und wieder bestimmte wiederkehrende Formulierungen finden. Das ist so, weil jedes dieser Kapitel in meiner Gemeinde als Predigt gehalten wurde. Was du liest, ist eine überarbeitete Version meiner Predigtmanuskripte. 8 | WAHRE GNADE – DIE LEHREN JESU


Ich glaube, diese Lehreinheiten werden dich mächtig segnen. Ich glaube auĂ&#x;erdem, dass der Heilige Geist die hier dargelegten Wahrheiten in deinem Herzen bezeugen wird. Freue dich, mein Freund. Jesus ist SO gut! Und Papa liebt dich!

VORWORT | 9


Einleitung

I

ch habe die Worte Jesu in zwei Kategorien aufgeteilt und jeder davon ein Buch gewidmet: »Die Gleichnisse Jesu« und »Die Lehren Jesu«. Im vorliegenden »Die Lehren Jesu« möchte ich die schwierigsten Worte Jesu vorstellen, die ich in den vier Evangelien finden konnte. Viele der Lehreinheiten entstanden aufgrund von Fragen, die mir gestellt wurden. Leute sagten zu mir: »Aber Pastor Greg, was ist mit dieser Lehre Jesu? Ich weiß nicht, wie das mit unserem Verständnis von Jesu vollbrachtem Werk zusammenpasst.« Sehr viele »Was ist mit dieser Lehre«-Fragen haben ihren Ursprung in der Bergpredigt. Deshalb erschien es mir richtig, mit ihr zu beginnen. Die Bergpredigt ist eine der beliebtesten, am häufigsten zitierten und am meisten missverstandenen Schriftstellen. Teile davon wurden von Menschen dazu benutzt, Gläubige zu verurteilen und sie in Furcht gefangen zu halten. Schließlich sagte Jesus doch: • Du musst vergeben, sonst wird dir nicht vergeben. • Du musst vollkommen sein, wie dein himmlischer Vater vollkommen ist. • Wenn du dich über deinen Bruder ärgerst, gehörst du ins Feuer der Hölle. • Der Weg zum ewigen Leben ist schmal und schwer zu finden. • Jeder Baum, der keine Frucht trägt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. • Wenn du nicht alles tust, was Jesus befiehlt, hast du dein Haus auf Sand gebaut.

EINLEITUNG | 11


Die Lehrreihe über die Bergpredigt ist eine der wichtigsten überhaupt. Sie zu verstehen ist ausschlaggebend, da die Worte Jesu in Matthäus 5–7 in der Wahrnehmung vieler Christen das Herzstück seines Dienstes bilden. Während du die einzelnen Lehreinheiten durchgehst, wirst du große Freude verspüren, wenn du siehst, wie der neue Bund sich vor dir entfaltet. Ich glaube, dass ich jede schwierige Stelle in den Evangelien zumindest streife und den nötigen Hintergrund und Bezugsrahmen biete, um Jesu Worte verstehen zu können. Es gibt eine Sache, die ich Menschen sage, wenn sie sich unserem wunderbaren, mitfühlenden Herrn durch die Schriften der Evangelien nähern: »Habt keine Angst vor IRGENDETWAS, das Jesus sagt.« Für den Gläubigen gibt es keine Furcht, denn die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus (1Joh 4,18). In dem Moment, in dem wir den Kontext von Jesu Dienst kennen und seine Motive dafür, Menschen aus dem System des Fleisches (dem Gesetzessystem des alten Bundes) hinaus und in das System des Geistes (das Gnadensystem des neuen Bundes) hinein zu helfen, werden seine Lehren deutlich und glasklar. Freuen wir uns an den Worten unseres Herrn Jesus!

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Die Bergpredigt TEIL 1 – GIB DEINE GERECHTIGKEIT AUF

E

s ist solch eine Freude, wenn Menschen zum ersten Mal die Botschaft der Gnade, das wahre Evangelium von Jesus, empfangen! Das wahre Evangelium von Jesus besteht darin, dass er alle deine Sünden auf sich genommen hat, jegliches Fehlverhalten vom Beginn deines Lebens bis zu deinem Lebensende, und dass es keine Sünde gibt, für die zu irgendeinem Zeitpunkt nochmals bezahlt werden müsste. Du bist rein und angenommen und für immer mit Gottes Gerechtigkeit beschenkt worden. Du stehst als Sohn vor deinem Vater und er freut sich stets über dich. Du bist sein geliebter Sohn, an dem er Freude hat. Gott rechnet dir deine Sünden nicht an. »Denn Gott war in Christus und versöhnte so die Welt mit sich selbst und rechnete den Menschen ihre Sünden nicht mehr an« (2Kor 5,19 nlb). Du hast dieses Wort von Jesus empfangen, sein Evangelium – die gute Nachricht – über dich. Er sprach es über dich aus, du hast begonnen, es anzunehmen, und schon steigt Freude in dir auf! Leben beginnt zu fließen! Liebe entspringt aus deinem Inneren und Hoffnung, die nicht enttäuscht, breitet sich in dir aus. Und dann gehst du nach Hause und beginnst damit, diese wunderbare Botschaft an deine Familie und Freunde weiterzugeben, von denen einige in der Gemeinde aufgewachsen sind und die Bibel kennen. Sie hören, was du sagst, und sofort fangen ihre Alarmglocken an zu klingeln – ding, ding, ding – und dann sagen sie: »He, du liegst falsch. Ja, da steht zwar, Gott hat dich für immer DIE BERGPREDIGT | 13


vollkommen gemacht, aber das muss etwas anderes bedeuten. Und ja, da steht auch, dass du auf ewig erlöst bist, doch das ist anders zu verstehen. Gut, da steht außerdem, dass Gott dir deine Sünden nicht anrechnet und dass du die Gerechtigkeit Gottes besitzt, die nicht aus dem Gesetz kommt, aber sicherlich ist damit etwas anderes gemeint.« Und dann werden sie ohne zu zögern auf Worte zurückgreifen, die Jesus in seiner Bergpredigt ausgesprochen hat. Die Bergpredigt beinhaltet das Vaterunser, in dem es heißt: »Du musst vergeben, damit dir vergeben wird.« Und dann sind da noch Aussagen wie diese: Wenn du eine geschiedene Person heiratest, begehst du Ehebruch. Und du hast keine Belohnung im Himmel, wenn du deine Schätze hier auf Erden aufhäufst. Und der Weg zu Gott ist schmal und schwer zu finden. Und nicht jeder, der »Herr, Herr« zu Jesus sagt, wird in das Himmelreich hineinkommen, das werden nur diejenigen, die den Willen des Vaters »tun« (siehe Mt 7,21). Nur derjenige, der alles tut, was Jesus sagte, ist wie ein Mensch, der sein Haus auf einen Felsen gebaut hat. Und wenn du nicht alles beachtest, jeden Befehl, den Jesus soeben gegeben hat, bist du eine Person, deren Haus auf Sand gebaut ist, und groß wird die Zerstörung sein. Du kannst also noch immer zerstört werden!!!! Hör zu, Gemeinde, der Teufel will stets, dass ihr euch wieder auf eure Leistung und eure Unzulänglichkeit konzentriert, statt euren Blick fest auf Jesu Leistung und sein Gnadenangebot gerichtet zu halten. Und Menschen, die den in Jesus geschlossenen Bund der Gnade nicht verstehen, werden immer auf Jesu Bergpredigt und die Aussagen, die er in ihr trifft, hinweisen. Selbstverständlich liebe ich alles, was Jesus in den Evangelien sagte. Ich liebe seine Worte! Und wenn du verstehst, dass Jesus die Übergangsfigur zwischen dem alten Bund des Gesetzes und dem neuen Bund der Gnade ist, kannst du seine Aussagen auch 14 | WAHRE GNADE – DIE LEHREN JESU


richtig deuten. Doch wenn du die beiden Bünde miteinander vermengst, wirst du Jesus missverstehen. Jesus führte eine völlig neue Art der Beziehung zu Gott ein, die auf Gnade basiert, gegründet auf seinem vollbrachten Werk. Das beinhaltete gleich mehrere Dinge: Erstens musste er die Menschen dazu bringen, die Mangelhaftigkeit des ersten Bundes des Gesetzes zu sehen. Sie sollten ihre Eigenbemühungen als hoffnungslos unzureichend erkennen. Zweitens musste er den neuen Bund der Gnade einführen, der bei seiner Auferstehung in Kraft treten würde. Die Menschen lebten nicht unter dem neuen Bund, solange Jesus nicht von den Toten auferweckt worden war. Niemand konnte vor der Auferstehung, genauer gesagt vor Pfingsten, vom Geist Christi erfüllt werden. Während Jesu Dienst auf der Erde gab es daher niemanden, der von neuem geboren war. Sogar der Glaube, mit dem die Menschen an Jesus glaubten, war somit von ihnen selbst hervorgebracht und unterschied sich von dem Glauben, den wiedergeborene Gläubige als Geschenk besitzen. Du besitzt den Glauben Jesu, der dir als Geschenk gegeben wurde. Du hast keinen größeren oder kleineren Glauben als den, den ich habe. Du wurdest aus Gnade durch Glauben gerettet, und dieser Glaube war ein Geschenk Gottes und entsprang nicht deinen eigenen Werken oder Bemühungen. Selbst die Geschichten über den Glauben der Menschen um Jesus herum, die geheilt wurden, müssen im Licht des neuen Bundes der Gnade betrachtet werden. Ich möchte das Unmögliche tun. Ich möchte zu der von Menschen so oft missverstandenen Bergpredigt gehen, die drei Kapitel des Matthäusevangeliums umfasst, und sie in ihrer vollen Länge betrachten. Dann möchte ich das Ergebnis in einem einzelnen Kapitel dieses Buches als Übersicht darstellen. Ich möchte, dass du Jesu Herz und seine Strategie erkennst. Lass uns also mit der Übersicht beginnen. DIE BERGPREDIGT | 15


Jesus stieg auf den Berg und setzte sich. Die Menschenmengen kamen. Seine Jünger traten zu ihm. Und »dann begann er zu reden und lehrte sie« (Mt 5,2). Die ersten Worte aus dem Munde Jesu waren das, was wir die »Seligpreisungen« nennen. Weißt du, wie sie in den Ohren dieser Menschenmengen klangen? Sie klangen nach Hoffnung – der Hoffnung, dass das Königreich der Himmel in ihrer Reichweite war. Menschen, die gescheitert waren; Menschen, die arm im Geist waren; Menschen, die wussten, dass sie ungerecht waren, sich aber danach sehnten, gerecht zu sein; Menschen, die auf der Grundlage dessen, was sie über Gott gelehrt worden waren, keine Chance hatten – zu ihnen sagte Jesus: »Das Königreich der Himmel gehört euch, ihr werdet getröstet werden, ihr werdet das Land erben, ihr werdet ein reines Herz besitzen, ihr werdet Gott sehen, ihr werdet Söhne Gottes genannt werden, im Himmel wartet eine große Belohnung auf euch wegen meines Wortes.« Das ist das Thema des gesamten Dienstes Jesu. »Kehrt um – das Königreich der Himmel ist nah. Es ist in greifbarer Nähe.« Jesus spricht hier zu ganz gewöhnlichen Menschen, die auf die Schriftgelehrten und Pharisäer und deren äußerliche Gerechtigkeit sahen und zu sich selbst sagten: »Auf keinen Fall habe ich bei Gott eine Chance.« Und dann beginnt Jesus seine Predigt damit, den Menschen Hoffnung zu geben: »Ja, du hast bei Gott eine Chance. Tatsächlich ist es so: Falls du derjenige bist, der untauglich ist (arm im Geist, voller Sehnsucht nach der Gerechtigkeit, die du nicht besitzt), dann hast du es geschafft! Das ganze Königreich wird dir gehören.« Jesu Strategie ist es, zuallererst eine Vision der Hoffnung zu vermitteln, wankende Knie zu stärken. Gott hat einen Plan für gescheiterte Menschen, und das Endergebnis dieses Plans ist, dass das gesamte Reich Gottes zu deinem Besitz wird. Das ist Gottes 16 | WAHRE GNADE – DIE LEHREN JESU


Absicht für die Menschheit – dieses neue, unfassbar hoffnungsvolle Leben. Doch wie wird eine Person von Gerechtigkeit erfüllt, wie kann eine hoffnungslos untröstliche Person inneren Trost empfangen? Etwas fehlt im Inneren. Ein bestimmter Teil fehlt der Menschheit. Wir sind das Salz, das seine Würzkraft verloren hat. Vers 13 sagt: »Ihr seid das Salz der Erde. Wenn aber das Salz fade wird, womit soll es wieder salzig gemacht werden?« Etwas Wesenhaftes fehlt den Menschen; wie Salz, dem die Salzigkeit fehlt. Der von Gott zugedachte Zweck unseres Lebens wird durch diesen fehlenden Bestandteil beeinträchtigt. Damit untrennbar verbunden ist die Art und Weise, wie wir versuchen, unser Leben zu führen. Menschen sollen Leuchttürme Gottes sein. Wir sollen dermaßen großartige Beispiele für Gerechtigkeit sein, dass andere Menschen unsere guten Werke sehen und unseren Vater im Himmel dafür preisen. Wenn sie uns sehen, sollen sie Gott preisen und sagen: »Wow, Gott, welch ein Segen ist dieser Mann, welch ein Segen ist diese Frau!« Jetzt kommt der Moment, in dem die Menschen, die Jesus auf dem Berg zuhören, ihre Köpfe senken. Als Erstes gab Jesus ihnen die Hoffnung auf das Königreich. Doch nun muss er sie dazu bringen, das alte System aufzugeben, in dem sich ihre Beziehung zu Gott darauf gründete, wie gut sie waren, denn was du tust, erfüllt dich nicht mit Gerechtigkeit. Du wirst von Gerechtigkeit nur erfüllt, indem du sie im Glauben und wie ein Kind als Geschenk annimmst. Jesus muss sie also dazu bringen zu erkennen, welches Problem ihre Art der Annäherung an Gott birgt. Sinngemäß sagt er: »Die Leute sollten auf den Straßen wegen eurer Taten singen. Sie sollten eure guten Werke sehen und Gott preisen.« Seine Zuhörer lassen die Köpfe hängen, weil jemandem, der arm im Geist ist und dem es an Gerechtigkeit mangelt, so etwas garantiert nicht widerfährt. DIE BERGPREDIGT | 17


Nun wird’s heikel. Jesus muss sie zur Selbstaufgabe bewegen. Er muss die Menschen an den Punkt führen, wo sie sich selbst und ihren Bemühungen um einen einwandfreien Lebenswandel sterben. Er muss Menschen, deren ganze Identität als Nation fest an ein System gebunden ist, in dem Gottes Gesetz gehalten werden muss, um ihn damit zufriedenzustellen, an die Hand nehmen und ihnen die Vergeblichkeit dieses Systems aufzeigen, damit sie es verlassen. Stell dir das vor: Ihre gesamte Lebensweise, das tägliche Leben dieser Menschen – vom Aufstehen am Morgen bis zum Zubettgehen am Abend – war erfüllt von »Dingen, die getan werden mussten«, um vor Gott rein zu bleiben. Ihr Alltag, ihr religiöses Leben, ihre ganze Identität als Nation ist fest mit dem System des Gesetzes verbunden. Jesus muss sie dazu bringen, dieses System aufzugeben. Und während der folgenden 31 Verse, bis zum Ende des Kapitels, wird Jesus zunehmend brutaler. Damit will er sie zu einer ehrlichen Betrachtung des Systems des alten Bundes bringen, das sie nicht gerecht zu machen vermag. Jesus sagt: »Ich weiche das Gesetz nicht auf. Ich kam nicht, um das Gesetz aufzuheben, sondern um es zu erfüllen. Ich werde tun, wozu ihr nie in der Lage wart.« In der Menge gibt es einige, die sich angegriffen fühlen, weil sie denken: »Nun, ich habe das Gesetz von meiner Jugend an gehalten.« Jesus geht nun mit aller Härte in die Offensive: »Hört auf zu tricksen! Kein Jota und kein Strichlein kann weggeschummelt werden.« Das »Jota« ist das hebräische Jod, der kleinste Buchstabe im hebräischen Alphabet und einem kleinen Apostroph ähnlich. Das »Strichlein« ist der kleine dekorative Schnörkel am Ende eines Buchstabens, eine Art Serife. Jesus spricht die Zuhörer auf ihre Kompromisse bei der Einhaltung des Gesetzes an: »Selbst den kleinsten Buchstaben des Gesetzes dürft ihr nicht verfälschen.«

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Sieh dir Vers 19 (ngü) an: »Wer darum eines dieser Gebote – und wäre es das geringste – für ungültig erklärt und die Menschen in diesem Sinn lehrt, der gilt im Himmelreich als der Geringste. Wer aber danach handelt und entsprechend lehrt, der gilt viel im Himmelreich.« Das ist die Sichtweise des Himmels, die himmlische Stellungnahme zu Menschen, die versuchen, das Gesetz zu halten. Wenn du auch nur das kleinste Gebot des Gesetzes brichst, wird man dich im Himmelreich elachistos nennen, ein Wort, für das es keine weitere Steigerung gibt und das die absolut niedrigste Form der Existenz beschreibt. »Wenn du auch nur beim kleinsten Teil des Gesetzes versagst, betrachtet der Himmel dich als die unwürdigste Kreatur, die je geschaffen wurde. So beurteilt der Himmel dich. Wenn du allerdings alles richtig machst, betrachtet der Himmel dich als der Größte von allen. Na, wie beurteilt dich der Himmel wohl?« Nach dem Gesetzessystem hast du nur zwei Möglichkeiten: Du bist entweder so vollkommen wie dein himmlischer Vater und somit der Größte im Königreich der Himmel oder du bist der Armseligste und Unwürdigste und verdienst den Zorn Gottes. Weil Jesus kam, um an deiner Stelle das Gesetz zu erfüllen, gab er dir, als du anfingst, an ihn zu glauben, seine Gerechtigkeit, seine Vollkommenheit, und du wurdest – im selben Moment und für immer – der Größte im Königreich der Himmel. Unter dem Bund des Gesetzes ist es anders, da fällt ausnahmslos jeder in eine der beiden Kategorien. »Denn ich sage euch: Wenn nicht eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer weit übertrifft (perisseuo – reichlich vorhanden, im Überfluss vorhanden), so werdet ihr keinesfalls in das Reich der Himmel hineinkommen« (Vers 20 elb). Jesus meint es nicht böse, er will die Menschen nur zum Aufgeben bewegen. »Bitte gebt auf. Seht doch bitte, dass ihr einen anderen Weg braucht. DIE BERGPREDIGT | 19


Ich werde dieser Weg sein, ein neuer und lebendiger Weg.« Das ist sein Bestreben. Und im gesamten folgenden Abschnitt verstärkt Jesus die Last des Gesetzes. Er begräbt die Zuhörer geradezu unter den Forderungen des Gesetzes, um sie zum Aufgeben zu bringen und damit sie ihren Eigenbemühungen sterben. »Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: ›Du sollst nicht töten!‹, wer aber tötet, der wird dem Gericht verfallen sein« (Vers 21 elb). Zorn ist Mord. Lustvolles Begehren ist gleichbedeutend mit Ehebruch. »Wenn ihr eine geschiedene Person geheiratet habt, habt ihr damit Ehebruch begangen.« Steht jetzt noch jemand erhobenen Hauptes da? Dann lasst mich fortfahren. »Wenn eure rechte Hand euch zum Unrecht verführt, haut sie ab; wenn euer Auge euch zur Sünde anregt, reißt es heraus.« So ernst ist der Verstoß. Das ist das Gesetz. Seid ihr Söhne des Gesetzes? Lebst du gemäß den Lehren Jesu? Wenn du seine Worte als ein neues Gesetz siehst, unter dem wir heute leben, hat es Jesus für dich soeben verschärft. Geh und lebe nach seinen Lehren. Hör auf, ein Heuchler zu sein, schnapp dir dein Steakmesser und fang an, deine Hände abzusäbeln und deine Augen auszustechen. Der Punkt ist, dass du das nicht kannst. Gib Jesus einfach recht – das alte System funktioniert nicht. Du hast das Gesetz hoffnungslos gebrochen. Jesus fügt nun eine kleine Parabel ein: »Werde dir mit deinem Widersacher schnell einig, solange du noch mit ihm auf dem Weg bist« (Vers 25 nkjv). Der Widersacher ist Satan. Tatsächlich benutzt Petrus genau dieses Wort, um unseren Widersacher zu beschreiben, der umherstreift wie ein brüllender Löwe. Der Widersacher ist der Ankläger. Satan will, dass du dich von Gott abgelehnt fühlst. Jesus sagt hier, solange du noch auf dem Weg bist mit ihm – also hier auf der Erde lebst –, sollst du dem Widersacher unverzüglich beipflichten, indem du sagst: »Ja, ich habe versagt, und ich brauche einen neuen Weg, der mich zu Gott führt.« 20 | WAHRE GNADE – DIE LEHREN JESU


Dann taucht Jesus wieder in das Gesetz ein. Er blickt auf, um zu sehen, ob noch jemand steht, dann fährt er fort: »Schwört ihr? Plappert ihr drauflos? Eure Schwüre sind ein Verstoß. Wenn etwas anderes als ›ja‹ oder ›nein‹ aus eurem Mund kommt, ist es von dem Bösen.« Na, wie ist das? Ja, jetzt bin ich richtig in Fahrt. »Wenn euer Feind euch verklagt, gebt ihm mehr, als er von euch fordert. Wenn er euch ins Gesicht schlägt, sagt ihm, es ist in Ordnung, wenn er euch auch noch auf die andere Wange schlägt, denn so wird das Gesetz erfüllt. Ihr denkt, ihr dürft eure Feinde hassen; nein, ihr müsst eure Feinde lieben. Segnet die, die euch verfluchen, betet für die, die euch etwas zuleide tun, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel seid« (siehe Vers 45). Was macht dich unter diesem System zu einem Sohn? Alles einzuhalten! Doch lässt du auch nur ein Jota oder ein Strichlein aus, wertet dich der Himmel als niedrigste aller Kreaturen. Und der absolute Höhepunkt dieses Predigtabschnitts ist Vers 48: »Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist!« Die Menschen sind sprachlos. Hör zu: Erlaube es niemandem, Verse aus diesem Abschnitt herauszupicken und dich unter Verdammnis zu bringen. Der gesamte Abschnitt ist dazu gedacht, jeden zu verurteilen, damit wir an uns selbst verzweifeln und aufgeben. Jesus will nicht, dass du unter Verdammnis lebst. Er will nur, dass wir ehrlich sind, was das System betrifft, das wir für unsere Beziehung zu Gott verwenden. Wenn es das System des Gesetzes ist, wenn Gott mal zufrieden mit dir ist und dann wieder zornig auf dich wird, je nachdem, wie gut du das Gesetz gehalten hast, dann bist du in deiner Gerechtigkeit gehandicapt. Die Verdammnis, unter der du dann lebst, wird dich umbringen. Sie wird dich verrückt machen. Einige der am schlimmsten verkorksten Menschen, die ich gesehen habe, kamen aus guten christlichen ElternDIE BERGPREDIGT | 21


häusern, wo das System, unter dem sie lebten, Gottes Gesetz war, und wo ihnen zum Frühstück, Mittagessen und Abendbrot nichts anderes als Schuld vorgesetzt wurde. Es gibt einen besseren Weg, und sein Name ist Jesus, was »Jahwe rettet« bedeutet. Er rettet. Du rettest nicht. Er tut es. Entspanne dich in seinem Erlösungswerk. Dir ist vergeben und du lebst als freier Mensch unter seiner wunderbaren Gnade. An diesem Punkt der Bergpredigt mildert Jesus seine Vorgehensweise ab. Er setzt an zu einem Appell an das ganz gewöhnliche Volk; dabei hilft er den Menschen, die Schwierigkeiten des Systems zu sehen, unter dem sie leben, einem System der bedingten Belohnungen. Tatsächlich nenne ich diesen Abschnitt in Kapitel 6 »Die bedingten Segnungen unter dem System des Gesetzes«. Und jetzt sage ich dir etwas, das die Leute wütend macht: Dieser Abschnitt richtet sich nicht direkt an Gläubige. Ich sage damit nicht, dass darin nicht die eine oder andere Richtlinie für dein Leben enthalten ist, an die der Heilige Geist dich heranführen wird, denn es ist wahr, dass beispielsweise Gutes zu tun, ohne es an die große Glocke zu hängen, richtig ist. Aber um es noch einmal zu sagen: Jesus spricht hier zu Menschen unter dem alten Bund des Gesetzes und will sie erkennen lassen, wie schwierig dieses System ist, damit sie es aufgeben. Ein Wort wird in diesem Abschnitt durchgehend verwendet. Es ist das Wort »Belohnung« (mishton), was so viel heißt wie »verdienter Lohn«. Du bist nicht unter dem System des verdienten Lohns. »Habt acht, dass ihr eure Almosen nicht vor den Leuten gebt, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel« (Kapitel 6, Vers 1). Ich hörte einen Pastor sagen, er offenbare hin und wieder vor der Gemeinde seine finanziellen Gaben, um ihnen so als Beispiel zu dienen, obwohl er – so seine Aussage – dadurch seinen Lohn im Himmel für diese Gaben ver22 | WAHRE GNADE – DIE LEHREN JESU


liere. Nein! Darüber werden manche Leute sich aufregen, aber hör genau zu: Es gibt im Himmel kein Konto, auf das man Einzahlungen macht. Ich kenne so ziemlich jede verdrehte Theologie, die im Umlauf ist, und eine davon besagt, dass du mithilfe deines Zehnten und deiner guten Werke Einzahlungen im Himmel vornehmen kannst, um später von diesem Konto etwas abzuheben. Nein! Halt! Stopp! Diese ganze Geschichte dreht sich um die Werke des alten Bundes, die Gottes Segen einbringen. Als Gläubiger besitzt du bereits jeglichen geistlichen Segen in der Himmelswelt. Dieses ganze »Schätze sammeln im Himmel«, das Sammeln von Gutscheinen, die man später gegen Gottes Gunst einlösen kann – das ist eine Sache des alten Bundes. Jesus fordert in dieser Predigt dazu auf, unseren Blick vom Mammon abzuwenden und auf unseren Schatz zu richten. Ihr, Freunde, habt euren Schatz in irdenen Gefäßen. Jesus, euer Schatz, ist in euch. Ihr tragt ihn mit euch umher. Ihr braucht keine alttestamentarischen Coupons zum Einlösen. Du besitzt den Schatz. Er ist in dir. Und alles, was du brauchst, wurde dir in Christus gegeben. Du musst Gott nicht um Vergebung anflehen, du musst ihn nicht um dein tägliches Brot bitten, und du musst ihn auch nicht anbetteln, dich vor dem Bösen zu beschützen. Du musst ihn auch nicht bitten, er möge sein Himmelreich kommen lassen. Es ist bereits gekommen! Es ist in dir! »Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist« (Röm 14,17). Das Vaterunser ist ein Gebet des alten Bundes, in dem es um bedingten Segen geht. Wenn du den Menschen vergibst, wird Gott dir vergeben. Ich habe sehr viele schlechte Predigten von Pastoren gehört, die versucht haben, die Theologie des Vaterunsers für den neuen Bund passend zu machen. Und du bekommst davon absurde Vorstellungen wie, dass Gott dir zwar nicht wirklich die DIE BERGPREDIGT | 23


Vergebung verweigert, wenn du Menschen, die sich an dir schuldig machen, nicht vergibst (obwohl Jesus genau das sagt), er wird dann nur keine Gemeinschaft mit dir haben wollen. Hör mit diesem Irrsinn auf. Sieh dir an, was Jesus tut. Er zeigt den Menschen die Vergeblichkeit des Systems des alten Bundes. Am Ende sagen die Menschen: »Was können wir nur tun? Wir haben als Diener Gottes versagt.« In dem Moment, in dem sie am Gesetzesbund verzweifeln, nennt Jesus ihnen die Lösung, wie sie von Gott empfangen können. Für mich ist das der Höhepunkt, die Krönung, der Mount Everest der Bergpredigt. Dadurch verändert sich alles. Jesus spricht über menschliche Bedürfnisse und darüber, wie Menschen den Fehler machen, sich auf Geld oder auf ihre Bedürfnisse zu konzentrieren – »was sollen wir essen« oder »was sollen wir trinken« als Lebenszweck, als Ziel, das es zu erreichen gilt. »Nein«, sagt Jesus, »hier ist das Ziel, hier ist, was fehlt. Das ist die Salzigkeit des Salzes, das ist die Erfüllung des Gesetzes; alles hat hier seinen Ursprung.« »Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden!« (Mt 6,33). »Trachte nach dem Reich Gottes« – mit anderen Worten, erkenne, was Gott tut, erkenne diese neue Sache, suche Gottes Reich und seine Gerechtigkeit, nicht deine Gerechtigkeit. Versuche nicht, auf deine Weise richtig zu leben. Suche genau die Gerechtigkeit, die in Gottes Besitz ist. Suche Gottes Gerechtigkeit. Wenn du sie findest, wird dir alles andere hinzugefügt werden, alles wird sich dann von selbst ergeben. Denn »wie viel mehr werden die, welche den Überfluss der Gnade und das Geschenk der Gerechtigkeit empfangen, im Leben herrschen« (Röm 5,17). Das bezieht sich auf dieses Leben, hier auf der Erde. Wir müssen unser Denken verändern. »Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! Denn mit demselben Gericht, mit dem ihr 24 | WAHRE GNADE – DIE LEHREN JESU


richtet, werdet ihr gerichtet werden« (Mt 7,1–2a). Wenn du nach dem Gesetz lebst, wirst du andere Menschen auch nach dem Gesetz beurteilen. Das ist ein fehlerhaftes System. »Was siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders, und den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?« (Vers 3). Das Wort »Balken« ist das Wort dokos, worunter man einen hölzernen Trägerbalken versteht. Wörtlich bedeutet es »stützen«. Jesus spricht über einen Stützbalken. Du musst diesen Stützbalken, der in deinem Auge steckt, loswerden. Zieh den Stützbalken heraus und lass das gesamte System des Fleisches in sich zusammenfallen. Dann wirst du klar und deutlich sehen. Was sollen wir deutlich sehen? Wie sieht diese Beziehung mit Gott tatsächlich aus? Wenn das System, unter dem wir Diener oder Knechte Gottes sind, unrettbar defekt ist, wodurch kann es dann ersetzt werden? Durch das, was Jesus dir gibt, und dabei macht er eine völlige Kehrtwende. Hier ist Gottes radikal neuer Weg. Es geht dabei nicht darum, dass du dich abmühst, einer distanzierten und zornigen Gottheit zu dienen. Es geht darum, deinen Platz in seiner Familie zu erkennen. Er ist ein Papa, der dich liebt, und er sieht dich als sein kleines Kind. Und er weiß, was du brauchst. Er kümmert sich um dich mit nichts als uneingeschränkter Liebe. Vers 11: »Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben versteht, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben,« … die hart arbeiten und ihm alles recht machen? Nein! »…, die ihn bitten!« Diese guten Gaben kommen aus dem liebenden Herzen eines Vaters; sie haben nichts damit zu tun, wie gut du darin bist, heilig zu leben! Jesus schließt hiermit: »Wenn ihr diese neue Denkweise empfangen könnt, habt ihr euer Haus auf einen Felsen gebaut, und dieser Fels ist Jesus. Und wenn euer Haus auf einen Felsen gebaut ist, ist es so, als hättet ihr jede meiner soeben gestellten Forderungen DIE BERGPREDIGT | 25


gehört und befolgt.« Jesus sagte damit: »Diese beiden Aussagen sind einander gleichzusetzen – alles zu hören und zu tun, was ich in diesem Gleichnis gesagt habe, und euer Haus auf einen Felsen zu bauen.« Wenn dein Haus ganz auf Jesus gebaut ist anstatt auf deine Bemühungen, ist es dasselbe wie alles zu erfüllen, worüber Jesus eben gesprochen hat. Du bist so vollkommen, wie es dein himmlischer Vater ist. Und die Unheilspropheten und die Stürme des Lebens und die Ankläger der Brüder, die auf dein Haus eindreschen und dein Glaubensgebäude mit Fäusten bearbeiten und dich aller möglichen Dinge beschuldigen – dieser Sturm wird auf dein Haus treffen, doch du wirst unerschütterlich sein, weil der Fels unerschütterlich ist. Verankere dich in dem vollbrachten Werk Jesu und lass niemanden irgendein anderes Wort in dich hineingießen als allein das Wort der Gnade. Jesus hat dich tauglich gemacht. Jesus ist für alle Zeit dein Retter. Jesus hat alle deine Sünden vergeben und das Thema Sünde für immer erledigt. Ganz gleich, was du tust oder nicht tust, das Königreich der Himmel beurteilt dich immer mit einem »Großartig!«Du bist der Größte im Königreich. Du bist erfüllt von Gerechtigkeit. Das Königreich der Himmel gehört dir. Du hast Barmherzigkeit erhalten. Du siehst Gott. Du wirst zu den Söhnen Gottes gezählt und auch so genannt. Jetzt mach dich auf den Weg und erbe das Land. Es gehört dir. Weil du das Reich Gottes gesucht und seine Gerechtigkeit gefunden hast, wurde dir alles, was du außerdem brauchst, bereits gegeben. Das ist Jesus. Das ist dein Erlöser. Halleluja!!

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Die Bergpredigt TEIL 2 – RICHTE NICHT: VON SPLITTERN UND BALKEN

J

esus hatte die Menschen unter dem Gesetz des alten Bundes begraben und brachte sie so dazu, die Unmöglichkeit eines Lebens unter diesem Bund zu erkennen. Der sonst so liebevolle und freundliche Jesus macht sich selbst zum Sprachrohr von Gottes Gesetz und die Worte, die er spricht, sind so brutal wie das Gesetz Gottes selbst. Das war nötig, denn die Menschen hatten das Gesetz so weit abgeschwächt, dass es erfüllbar schien. Jesus versucht, ihnen die Abwegigkeit des Gesetzessystems, des Gesetzesbundes, deutlich zu machen; er zeigt ihnen, dass sie damit schlecht abschneiden, dass Gott an diesem System etwas auszusetzen hat. Es muss durch etwas ersetzt werden, das nur er dir geben kann. Dann beginnt er, den Ersatz für dieses System vorzustellen. Das neue System ist nicht wie das alte. Unter dem neuen System, dem neuen Bund, geht es nicht darum, deinen Herrscher Gott dazu zu bringen, dich – seinen Diener – zu segnen. Der Ersatz ist Gott selbst (dein Vati, dein Abba, dein Papa), der dich (seine Tochter, seinen Sohn) liebt, und er sieht deine Bedürfnisse, jedes einzelne – auch dein Bedürfnis nach Gerechtigkeit. »Aber euer himmlischer Papa weiß, dass ihr das alles benötigt« (siehe Vers 32) und er gibt dir, was du brauchst, so wie ein Vater seinen kostbaren Kindern gute Dinge gibt. »Suche du einfach zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und alle diese Dinge werden dir hinzugeDIE BERGPREDIGT | 27


fügt.« Hör auf, deine eigene Gerechtigkeit zu suchen. Suche stattdessen die Gerechtigkeit, die nur Gott besitzt – seine eigene Gerechtigkeit, die er dir gerne zum Geschenk macht. Das ist wirklich ein neues System, und dein Glaube an Jesus macht dich zum Teilhaber. Er gibt dir seine Gerechtigkeit und macht dich tauglich, er vervollkommnet dich in deinem Geist, erlöst dich für immer und nimmt dich fest an die Hand. Und nichts kann dich ihm entreißen. Keine Macht auf Erden, keine Machenschaft des Teufels, keine Unterlassung oder Verfehlung deinerseits, kein noch so großes Maß an Fehlern oder Ungehorsam oder Sünden kann dich aus seiner Hand reißen! Er denkt an dich und behütet dich – auch dann, wenn du nicht an ihn denkst. Das tut er, weil er ein Vater ist, und ein guter Vater kann seine Kinder niemals vergessen. Selbst wenn sie ihn ignorieren, wird er sie doch niemals ignorieren. »Kann eine Mutter etwa ihren Säugling vergessen? Fühlt sie etwa nicht mit dem Kind, das sie geboren hat? Selbst wenn sie es vergessen würde, vergesse ich dich nicht!« (Jes 49,15 nlb). Wie schon der verlorene Sohn kannst du bei den Schweinen schlafen und vergeuden, was er dir gibt, aber du bleibst trotzdem sein Sohn! Und wenn du wieder zur Vernunft kommst und zurückkehrst, um mit deinem Papa zu reden, will er nichts von deinen Verfehlungen hören. Darüber ist er längst hinaus; hierfür hat Jesus bereits bezahlt. Er möchte dich einfach nur daran erinnern, wer du bist, und dich mit seiner Liebe überschütten und dir ins Gedächtnis rufen, wer du schon immer warst – sein Sohn! Er möchte dich bekleiden und dein Leben einfacher machen, indem er dir seine Schuhe gibt und den Ring der Vollmacht als Erinnerung an deine Identität wieder auf deinen Finger steckt. Freunde, wenn ihr in eurem Denken weit von Gott entfernt wart und ihr heute nach

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Hause zurückgekehrt seid, hört auf mich: Gott ist nicht böse auf euch. Er war niemals böse auf euch! Niemals! So wirkt die Kraft von Christi vollbrachtem Werk für dich. Er kümmert sich um den Aspekt der Sünde, damit du stets und in alle Ewigkeit in einer Position der Liebe und des Nicht-Verurteiltseins bleiben kannst. »Jetzt gibt es keine Verurteilung mehr für die, welche in Christus Jesus sind« (Röm 8,1 eü). Und das verändert einfach alles. Es verändert, wie du Gott siehst, es verändert, wie du dich selbst siehst, und es verändert, wie du andere siehst. Ein Teil dessen, was Jesus in der Bergpredigt sagte, hat damit zu tun, wie wir andere sehen. Zum einen unter dem Gesetzesbund: Das Gesetz spürt unseren Ungehorsam auf – und wenn du ein Sohn des Gesetzes bist, leistest du den Anordnungen des Gesetzes Folge, indem du den Ungehorsam anderer zutage förderst. Zum anderen unter dem neuen Bund; dieser »spürt die Gerechtigkeit Jesu auf«. »Urteilt nicht über andere, damit Gott euch nicht verurteilt. Denn so wie ihr jetzt andere richtet, werdet auch ihr gerichtet werden. Und mit dem Maßstab, den ihr an andere anlegt, werdet ihr selbst gemessen werden« (Mt 7,1 hfa). Jetzt spricht Jesus über zwei Begriffe, die immer zusammenwirken – das Urteil und der Maßstab. Ein Urteil ist eine Schuld- oder Unschuldsfeststellung. Und der Maßstab ist die Richtschnur, nach der sich entscheidet, ob es zu einer Schuld- oder zu einer Unschuldsfeststellung kommt. Wenn du jemanden betrachtest, um ein Urteil über ihn zu fällen, benutzt du dafür (gedanklich) ein bestimmtes Verfahren oder Richtmaß. Wenn du denjenigen nach seinen Taten beurteilst, wirst du ihn nach deinem Maßstab (deiner Interpretation von Gottes Gesetz) entweder billigen oder verurteilen. Jesus hat soeben zwei ganze Kapitel damit zugebracht uns zu sagen, wie sehr wir Gottes Gesetz verbogen haben, um es als unseren Maßstab verwenden zu können. DIE BERGPREDIGT | 29


Wir mögen sagen, dass unser Maßstab (unsere Richtschnur) Gottes Maßstab in seinem Gesetz, dem Gesetz Moses ist, Jesus aber sagt, dass wir diesen Maßstab nicht richtig deuten. Wir biegen uns Gottes Gesetz zurecht, wir bringen es auf ein Level, auf dem es einhaltbar erscheint; wir benutzen es, um in unseren Köpfen unsere eigene Gerechtigkeit zu errichten, aber aus dieser Selbsttäuschung folgt nichts Gutes. Hör mit dem Zurechtbiegen auf, und hör auf zu urteilen. Denn wenn du Gottes Maßstab in seinem Gesetz korrekt verwendest, ist das einzige Urteil, zu dem du gelangen kannst, ein Schuldspruch. Du bist schuldig. Und diejenigen, die nach dem Gesetz Gottes urteilen, die unter diesem beschwerlichen System leben, sind Experten darin, die Schuld anderer Leute zu sehen, aber auch darin, dieses Gesetz zurechtzubiegen, wenn es um sie selbst geht. Sie sehen sich als Experten für Lebensbereinigung – für die Bereinigung deines Lebens – und als Profis darin, dein Leben vor Gott in Ordnung zu bringen. »Ich werde dich beurteilen, indem ich den Maßstab von Gottes mosaischem Gesetz unter dem alten Bund anlege, und ich werde deine Fehler finden und dann werde ich dir helfen, dein Leben auf die Reihe zu bekommen, indem ich dir sage, wie du dich besser verhalten kannst, damit Gott mit dir zufrieden ist.« Jesus sagte, diese Art von Person ist wie jemand, der nach dem Splitter im Auge eines anderen sucht, während er den Balken in seinem eigenen Auge ignoriert. Verse 4–5 (ngü): »Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: ›Halt still! Ich will dir den Splitter aus dem Auge ziehen‹ – und dabei sitzt ein Balken in deinem eigenen Auge? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge; dann wirst du klar sehen und kannst den Splitter aus dem Auge deines Bruders ziehen.« Menschen, die den Maßstab des Gesetzes anwenden, um Zugang zu Gott zu finden, wissen nicht einmal, was dieser Splitter ist, den sie da im Auge ihres Bruders sehen. Sie 30 | WAHRE GNADE – DIE LEHREN JESU


denken, es gehe darum, irgendeine Sünde zu bereinigen. Doch es ist nicht »eine« Sünde, die es zu bereinigen gilt. Vor etwa einem Jahr war ich mit meiner Frau Sherry und unserer kleinen Enkeltochter im Garten hinter unserem Haus. Es war Abend und die Dämmerung hatte bereits eingesetzt. Wir drei tollten einfach herum und hatten Spaß dabei. An einem unserer Bäume lief ich direkt in einen tief hängenden Ast und ein kleiner Zweig traf mich genau ins offene Auge. Autsch! Und ich meine: autsch! Ich lief ins Haus und wusch mein Auge aus, in der Hoffnung, dass dies den Schmerz lindern würde. Aber das tat es nicht. Ich ging ins Bett und versuchte zu schlafen, doch die Schmerzen waren unerträglich. Schließlich brachte mich Sherry in die Notaufnahme und die Ärzte spülten mein Auge aus. Es stellte sich heraus, dass ich einen Span in meinem Auge hatte. Hey, das ist eine biblische Verletzung. Da wurde biblische Geschichte zum Leben erweckt, denn das Wort »Span«, hier übersetzt als »Splitter«, bedeutet wörtlich »kleiner, trockener Zweig«. Sie wuschen ihn heraus, behandelten das Auge mit etwas Salbe und ich segnete diesen Arzt. Darauf will ich hinaus: Ich konnte nichts gegen das Ding in meinem Auge ausrichten. Ich versuchte, mir irgendwie zu helfen oder zur Tagesordnung überzugehen, aber meine ganze Welt drehte sich um diesen Span, diesen Splitter. Ich war völlig davon vereinnahmt. Der Hintergrundschmerz war unglaublich und ließ auch nicht nach. Ich konnte nicht aufhören, mein Auge mit der Hand zu bedecken und um Linderung zu beten. Mein Leben war durch diese alles beherrschenden Schmerzen buchstäblich auf Eis gelegt. Das ist es, was ein Splitter im Auge einer Person bedeutet. Der Span, über den Jesus spricht, der Splitter im Auge, der es so furchtbar reizt und einen dadurch völlig vereinnahmt, der Menschen derart beschäftigt hält, dass sie unfähig werden, im Leben normal zu funktionieren, der in unserem Auge steckt und unsere DIE BERGPREDIGT | 31


Sicht verschleiert, dieser Span ist das Gesetz Gottes selbst. Und wenn das Gesetz Gottes deine Sicht beherrscht, bewirkt es eine dich völlig vereinnahmende Reizung namens »Verdammnis«. Der Apostel Paulus sagte, dass alles, was aus Heu und Stroh besteht (das ist der Splitter!), am Tag des Gerichts im Feuer verbrennen wird. Er meinte damit, dass alles, was mit menschlicher Anstrengung zu tun hat, wenn es darum geht, mit Gott ins Reine zu kommen oder im Reinen zu bleiben, verbrannt wird – also alles, was nicht der Gnade entspringt, alles, was nicht von Jesus kommt. Denn wenn das Gesetz Gottes, und sei es nur ein kleines bisschen davon, in deinem Auge ist, reicht das aus, um große Verdammnis zu verursachen. Selbst nicht-religiöse Menschen, die von Jesus und seiner Gnade nichts verstehen (sie tragen Splitter mit sich herum), wissen, dass sie vor Gott versagt haben und dass sie keinen Anspruch darauf haben, von ihm gesegnet zu werden. Sie kommen, wenn überhaupt, voller Ungewissheit und Verunsicherung zu Gott und hoffen, dass Gott nicht zornig auf sie ist, dass er (aus Liebe) über ihre Fehler hinwegsehen kann. Die Verdammnis, die sie empfinden (unter dem Gesetz, das sie instinktiv kennen), bestimmt, wie Gott gegenübertreten. Was brauchen sie? Sie brauchen den Splitter-Doktor der Notaufnahme. Ihnen muss das Gesetz entfernt werden. Das Problem ist nur, dass ein Großteil der Christenheit die Splitterentfernung nicht besonders gut beherrscht. Wenn der religiöse Doktor (Experte) unter dem alten Bund steht, versucht er, Gott durch sein eigenes Tun zu gefallen, während er in Wirklichkeit sich selbst untersucht und dabei sündenbewusst nach innen schaut. Durch strikte Einhaltung des Gesetzes ist er bemüht, Frieden mit Gott zu finden. Aber genau dadurch trägt dieser Doktor mehr Verdammnis in sich als die nicht-religiöse Person, die er zu retten versucht. 32 | WAHRE GNADE – DIE LEHREN JESU


Die Ironie des Ganzen ist: Je religiöser du bist, desto größer ist der Reizauslöser; je religiöser du bist, desto inkompetenter bist du bei der Splitterentfernung. Jesus sagte Folgendes über die Pharisäer, die strikt das Gesetz befolgten und darin unübertroffen waren: »Wehe euch, ihr Scheinheiligen! Ihr reist über das Meer und durchquert jede Wüste, um nur einen einzigen Nichtjuden dafür zu gewinnen, eure Gesetze anzuerkennen. Aber wenn ihr einen gefunden habt, dann wird er durch euch ein Kind der Hölle, das euch an Bosheit noch übertrifft« (Mt 23,15 hfa). Ihr lasst denjenigen im System des Gesetzes erstarren. Ihr nehmt den großen Stützbalken des Gesetzes, der in euren Augen steckt und rammt ihn in sein Auge, und ihr denkt, damit hättet ihr das Problem gelöst. Religiöse Menschen stellen die falsche Diagnose über den Splitter; sie denken, es handelt sich dabei um irgendeine kleine Sünde, die sie beseitigen müssen, um mit Gott ins Reine zu kommen. Und die ganze Zeit über verstehen sie nicht, was die andere Person tatsächlich braucht (und was auch sie selbst dringend brauchen): Ihre Augen müssen mit dem Wort der Gnade ausgespült werden! Gnade spült das Gesetz heraus, wodurch der furchtbare Schmerz der Verdammnis behoben wird. Neben dem Gesetz gibt es noch einen anderen Maßstab. Es ist der, den Gott anwendet. Es ist das Wort des Königreichs, das Wort, das vom Himmel herabkam; Jesus, voller Gnade und Wahrheit. Wahrheit und Gnade gehören zusammen. Glaube der Gnade Gottes, die in Jesus ist. Sie ist Wahrheit! In Markus 4,24–25 wiederholt Jesus diese Lehre in etwas abgewandelter Form. Dabei verwendet er dasselbe Wort für Maß wie schon in Matthäus 7: »Und er sprach zu ihnen: Achtet auf das, was ihr hört! Mit demselben Maß, mit dem ihr [anderen] zumesst, wird auch euch zugemessen werden, und es wird euch, die ihr hört, noch hinzugelegt werden.

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Denn wer hat, dem wird gegeben werden; wer aber nicht hat, von dem wird auch das genommen werden, was er hat.« Welchen Maßstab möchtest du auf dich angewandt sehen? Was, von dem du möchtest, dass es auch »dir getan wird«, solltest du »anderen tun«? Gib ihnen Gnade! Gnade in Jesus ist die Erfüllung des Gesetzes und der Propheten. Es ist das Wort des Königreichs, das durch das Hören kommt. Es ist das Wort Jesu, das Wort der Gnade. Wenn du dieses Wort für dich selbst empfängst, wirst du auf ganz natürliche Weise dieses Wort auch an andere weitergeben. Du lebst durch das Wort der Gnade, wenn dein alltägliches Leben zu diesem Bekenntnis wird: »Jesus nahm meine Sünden auf sich und ich bin nun angenommen, frei, schuldlos und zum Empfang von Segnungen berechtigt.« Wenn du tagtäglich sagen kannst: »Ich werde geliebt, ich bin frei und Gott rechnet mir meine Sünden nicht an«, dann bist du jemand, der hat und dem noch mehr gegeben wird. Habe Mitleid mit der Person, die das nicht »hat«, denn selbst das, was sie hat, wird ihr genommen werden. Der Teufel wird es stehlen, weil der Splitter, der Auslöser der Verdammnis, ihr Leben besetzt hält und sie keine Zuversicht Gott gegenüber hat, um im Glauben um irgendetwas zu bitten. Solche Menschen bekennen unentwegt ihre Sünden und sie haben keinerlei Vollmacht. Sie stellen Gottes Liebe zu ihnen in Frage, sie fragen sich, ob sie wohl gut genug waren, um in den Himmel zu kommen, und es hört einfach nie auf. Doch wenn deine Augen mit dem Wort der Gnade ausgespült werden und der Reizauslöser und die Beschäftigung mit der Verdammnis durch die Gnade ausgespült sind, wenn das Gesetz nicht mehr deine Sicht verschleiert, kannst du klar und deutlich sehen. Und dann bist du dazu befähigt, die Splitter aus den Augen anderer Menschen zu entfernen. Erst dann hast du aufgehört, sie auf 34 | WAHRE GNADE – DIE LEHREN JESU


der Grundlage des Gesetzes zu beurteilen und wendest auf sie den Maßstab von Gottes Gnade an. Du kannst dann auf Menschen zugehen und eine beiläufige Unterhaltung beginnen und sagen: »Hör mal, mein Freund, Gott will, dass du weißt, dass er dir nichts zur Last legt – rein gar nichts. Er liebt dich in diesem Moment, ohne dass du zuerst etwas tun musst. Das hat Jesus für dich getan. Glaube es einfach!« Und was diese Aussage bei der so angesprochenen Person bewirkt, ist echter Glaube, wenn sie in irgendeiner Weise dafür offen ist. Ich habe bisher mit keiner – nicht einer einzigen – nicht-religiösen Person gesprochen, auf die diese Aussage keine positive Wirkung gehabt hätte. Die Menschen hungern so sehr nach Jesu Geschenk, nicht verurteilt zu werden, dass sie, wenn du darüber sprichst, die darin liegende Wahrheit und Kraft spüren. Selbstverständlich sind auch schon eine Menge religiöser Menschen wütend auf mich geworden. Aus diesem Grund sagte Jesus ja auch: »Gebt das Heilige (heilig bedeutet »übernatürlich«, überirdisch wie Gott, also die Gnade) nicht den Hunden, und werft eure Perlen nicht vor die Schweine. Die trampeln doch nur auf ihnen herum und versuchen dann, euch selbst in Stücke zu reißen« (Vers 6 neü). Religiöse Menschen, die in ihrer Beziehung zu Gott auf eigene Anstrengungen bauen, hassen dieses Wort der Gnade. Und deshalb wollen sie es begraben, indem sie es unter ihren Füßen zertrampeln. Und wenn sie damit fertig sind, das Evangelium Jesu zu zertrampeln, wenden sie sich zu dir um und benutzen das Gesetz, um dein Leben mit Verdammnis zu überhäufen und dich in Stücke zu reißen. Ich würde mich in meinem Arbeitsalltag oder wo auch immer viel lieber mit nicht-religiösen Menschen unterhalten, die keine bestimmte Erwartung haben, wenn man ein von Gott kommendes Wort der Gnade über sie ausspricht. Denn wenn du es ausDIE BERGPREDIGT | 35


sprichst, wissen sie, dass es eine Botschaft vom Himmel ist, und es verändert sie für immer. Wenn du die gute Nachricht von dem vollbrachten Werk Jesu in dir endlich »kapierst«, ändert sich dein Maßstab, nach dem du bewertest, von Grund auf. Und besonders unter uns Gläubigen müssen wir diesen Maßstab auf unsere Glaubensbrüder und -schwestern anwenden. In 2. Korinther 10,7 spricht Paulus darüber, wie seine Brüder und Schwestern in Korinth ihn sehen. Wie beurteilen sie ihn? Er benutzt dabei dieselben Worte, die Jesus in Matthäus 7 ausgesprochen hat: »Schaut ihr auf das, was vor Augen liegt?« Worum geht es hier? Es geht darum, eine Person gemäß dem zu beurteilen, was du sie mit eigenen Augen tun siehst. Beurteilst du sie nach ihrem Handeln, nach ihrer falschen oder richtigen Art zu leben? Beurteilst du sie nach dem äußeren Anschein? »Wenn jemand von sich selbst überzeugt ist, dass er Christus angehört, so möge er andererseits von sich selbst aus den Schluss ziehen, dass, gleichwie er Christus angehört, so auch wir Christus angehören.« Mit anderen Worten: »Wenn du verstanden hast, dass du für immer zu Christus gehörst, dann verstehe auch, dass dies aufgrund seiner Gnade und seines wunderbaren Werkes so ist.« Wenn du begriffen hast, dass du Christus gehörst und er in dir wirkt und die Dinge in Ordnung bringt, dann musst du dich darin üben, auch andere Gläubige als Christi Besitz zu sehen und dir bewusst zu machen, dass er auch in ihnen wirkt und Dinge in Ordnung bringt, und zwar genauso geduldig, wie er es in dir tut. Dieses Evangelium der Gnade verändert Menschen von innen heraus, auch wenn man es nicht sehen kann. Genau darum geht es Paulus in Vers 3: »Denn obgleich wir im Fleisch wandeln, so kämpfen wir doch nicht nach Art des Fleisches.« Mit anderen Worten, obwohl wir in Körpern aus Fleisch leben, bekämpfen wir die Sünde nicht mithilfe unserer eigenen Stärke, 36 | WAHRE GNADE – DIE LEHREN JESU


indem wir das System des Fleisches anwenden, uns zusammenreißen und versuchen, uns durch Entschlossenheit und eigene Willenskraft auf Kurs zu halten. Das wäre Kämpfen nach Art des Fleisches. »Denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig für Gott zur Zerstörung von Festungen; so zerstören wir überspitzte Gedankengebäude und jede Höhe, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, und nehmen jeden Gedanken gefangen unter den Gehorsam Christi« (Vers 4–5). Hier ist die Rede von der Kraft des Evangeliums Jesu Christi, dem Wort der Gnade. Die »Erkenntnis Gottes« ist die Art und Weise, wie Gott den Kampf führt. Und dieses Evangelium ist so mächtig, dass es jede Festung der Ungerechtigkeit in einem Menschen niederreißen kann. Alles in einem jeden Gläubigen, das sich gegen Gott stellt, jede Festung in jedem einzelnen Gläubigen, wird durch das Evangelium der Gnade besiegt. Genau das geschieht in diesem Moment in dir. Wie funktioniert das? Es funktioniert so, dass jeder solcher Gedanke gefangengenommen und unter den Gehorsam Christi gestellt wird. Immer wenn ich diesen Vers in meinem früheren Leben als Pharisäer las, dachte ich dabei: »Okay, soeben hatte ich einen schlechten Gedanken, einen sündigen Gedanken, ich muss diesen Gedanken unter den Gehorsam stellen. Ich muss ihn bekämpfen, wie Christus es tun würde; ich muss diesen Gedanken als das erkennen, was er ist, ihn dann gefangen nehmen und damit aufhören, so zu denken.« Halt! Lass das sein! Nein, das ist Kampfführung gemäß der eigenen Stärke, nach Art des Fleisches. Wie kämpfst du auf geistliche Weise? Du erkennst den Gedanken als das, was er ist und bringst ihn unter den Gehorsam Christi. Der Gehorsam Christi ist der Gehorsam von Christus, und nicht meiner. Der Gehorsam Christi ist sein vollbrachtes Werk, das er in mir und für mich tat. Ich habe einen hartnäckigen Gedanken DIE BERGPREDIGT | 37


oder ein bestimmtes Denkmuster, ich werde mir dessen bewusst, und statt nun unter Verdammnis zu geraten und aus eigener Kraft dagegen anzukämpfen, rufe ich mir in Erinnerung, dass Jesus diesen Gedanken genau hier und jetzt durch sein vollbrachtes Werk mit seiner Gnade bedeckt hat. Somit kann mich dieser Gedanke in keiner Weise mehr beherrschen. Jesus wirkt seine Gnade in das Denken seiner Menschen hinein, und durch die Erneuerung ihres Denkens werden sie zunehmend verwandelt. Da ist nur eine Sache: Du kannst diesen Prozess von außen nicht sehen. Es ist kein äußeres Geschehen, das beurteilt werden könnte. Der Geist der Gnade wirkt im Inneren eines Menschen. Wir wissen nicht von allem, was Jesus in Menschen tut. Es ist absolut falsch, jemanden nach dem äußeren Anschein zu beurteilen, nach dem Gesetz, nach dem eigenen Verständnis von richtig oder falsch, nach deiner Einschätzung, an welchem Punkt derjenige in seinem Leben mit Gott stehen sollte. Paulus sagt: »Denkt einfach nur daran, dass diese Menschen vollständig in Christus sind, so wie ihr vollständig in Christus seid, und dann lasst uns Christus und dem Heiligen Geist die nötige Ellenbogenfreiheit geben, um Festungen in den Menschen niederzureißen. Denn wir beurteilen niemanden mehr nach dem Fleisch. Wir haben einen anderen Maßstab; es ist derselbe, der auch auf euer Leben angewandt wurde, und dieser Maßstab ist: Gnade! Gnade! Gnade!« Ich bin zuversichtlich, dass der Heilige Geist Festungen in uns niederreißt. Jesus wirkt in Menschen, um Unbeständigkeit, Untreue, Anstößigkeit und jedes andere ungerechte Verhalten zu ersetzen. Er wirkt in Menschen, und das mit viel Geduld. Du hast das Geschenk, nicht verurteilt zu werden, erhalten und das ist es, was wir auch weitergeben dürfen. Umsonst haben wir empfangen. Umsonst geben wir.

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Hier ist der Grund, weshalb wir über andere nicht urteilen oder sie verurteilen: In dem neuen System hat Gott bereits das Urteil über uns gesprochen, und zwar nach dem neuen Maßstab. Was ist dieser Maßstab? Der Maßstab Jesu ist Gnade. Und das Urteil über dich lautet: unschuldig. Und das ist eine wirklich gute Nachricht!

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Weitere BĂźcher Ăźber das Evangelium der Gnade findest du unter: www.gracetoday.de


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